Champions League: Die Bayern gegen den Fluch

von knospepeter

 

Jetzt geht es wieder richtig los! Spieler und Mannschaften beklagen in den nächsten Wochen und Monaten die „englischen Wochen“, die Fußball-Fans freuen sich, es gibt kaum Tage ohne Fußball und Spannung ohne Ende. Am Dienstag und Mittwoch beginnt die Champions League, die große Geldmaschine des Sports, am Donnerstag zieht die Europa League nach.

Die Unterschiede könnten nicht krasser sein: Da die Champions League, die ja bei weitem nicht mehr ein Wettbewerb der Meister ist, sondern eine Ansammlung von prominenten Klubs. Dort die Europa League, die Franz Beckenbauer einmal respektlos den „Cup der Verlierer“ genannt hat. Was auch stimmt, schließlich finden da Mannschaften ihren Platz, die jetzt in der Qualifikation zur Champions League gescheitert sind, später Teams, die in der CL-Gruppenphase ausgeschieden sind. Die einzigen Sieger im Wettbewerb sind die nationalen Pokalsieger. Aber da kann es zum Beispiel sein, dass zweitklassige Vereine antreten. Attraktivität sieht anders aus.

Seltsam ist, dass sich im nationalen Wettbewerb die Vereine u. a. so positionieren, dass sie die internationalen Plätze als Ziel ausgeben. Ist das Ziel allerdings erreicht, beginnt auch schon das Klagen. Zum Beispiel darüber, dass die Belastung zu hoch sei oder, dass in der Europa League nicht so viel verdient werden kann, ja, dass sogar ein Verlust drohen kann. Der Unterschied ist frappierend: 8,6 Millionen Euro erhält in der Champions League allein jeder Klub bereits als Startgeld! So viel können die deutschen Vereine in der Europa League meist insgesamt nicht kassieren!

Erfreulich: In diesem Jahr sind wieder einmal vier deutsche Mannschaften in der CL dabei und sie sind alle nicht chancenlos die Gruppenphase zu überstehen. Allen voran natürlich Titelverteidiger Bayern München, der am Dienstag gegen ZSKA Moskau startet, außerdem Manchester City und Viktoria Pilsen als Gegner hat. Aber die Bayern kämpfen vor allem gegen den Sieger-Fluch: Kein Verein, nicht einmal der FC Barcelona, konnte bisher in der CL seinen Titel erfolgreich verteidigen. Der FC Chelsea schaffte im Vorjahr sogar ein Novum, als erster Cup-Inhaber die Gruppenphase nicht zu überstehen. Immerhin hielten sich die Londoner danach in der Europa League schadlos (Cup der Verlierer!) und holten dort den Pokal (im Supercup unterlagen sie Ende August bekanntlich den Bayern). Also, die Gruppenphase sollten die Bayern überstehen. Als Nahziel gilt das Halbfinale.

Wer könnte die Bayern ablösen? Der Kreis der Favoriten ist groß, es sind die üblichen Verdächtigen. Der FC Barcelona natürlich und Real Madrid, das wieder einmal Millionen für Spieler ausgegeben hat. Die englischen Teams wollen zurückschlagen, in vorderster Front Chelsea, Manchester United und Manchester City, das endlich mal über die Gruppenphase hinauskommen will. Sie alle haben neue Trainer und damit auch neue Hoffnung. Zu diesen Klubs gesellt sich noch Juventus Turin, als letzter italienischer Vertreter mit internationaler Klasse und das neureiche Paris Saint-Germain, wobei man hier erst mal warten muss, ob aus den teuren Stars auch eine Mannschaft wird.

Zu den Favoriten darf man aber auch Borussia Dortmund zählen. Logisch eigentlich als Finalteilnehmer des Vorjahres. Die Frage ist, welche Ziele Trainer Jürgen Klopp mit seinen Mannen angeht, bisher gelang es der Mannschaft nämlich nicht, Meisterschaft, Pokal und Champions League unter einen Hut zu bringen. Das Team scheint gut aufgestellt zu sein, ist bereits gut in Schwung (fünf Startsiege in der Bundesliga ist Vereinsrekord) und sollte sich auch in der zugegeben schweren Gruppe durchsetzen. Ein wichtiger Fingerzeig ergibt sich schon am Mittwoch beim SC Neapel, außerdem sind der FC Arsenal (mit Özil!) und Olympique Marseille die Gegner. Ein ausgeglichenes Feld, wo jeder jeden schlagen kann. Aber Vorteil Dortmund!

Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben je ein englisches Top-Team als Gegner, die anderen Mannschaften sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber schlagbar. Leverkusen trifft auf Manchester United und muss auf Schachtor Donezk aufpassen, Real Sociaded San Sebastian ist immer für eine Überraschung gut. Schalke sollte sich hinter Chelsea einreihen, aber den FC Basel und Steaua Bukarest auf Distanz halten können. Es sei denn, der neue Hoffnungsträger Kevin Prince Boateng verletzt sich…

In der Europa League fehlen die großen Namen, ein bisschen Glanz verbreiten allenfalls der AC Florenz, Lazio Rom, Tottenham Hotspurs, FC Valencia, Olympique Lyon und Dynamo Kiew. Große Gegner haben auch die deutschen Vertreter nicht. Frankfurt trifft auf Bordeaux, Nikosia und Maccabi Tel Aviv, Freiburg auf Estoril, Liberec und FC Sevilla.

Die Ausgangspositionen der beiden deutschen Klubs sind sehr unterschiedlich. In Freiburg geht fast ein bisschen die Angst um, Trainer Christian Streich spricht von „einem Abenteuer“. Logisch, die Mannschaft hat eher an Substanz verloren und muss nun noch eine doppelte Belastung verkraften. Eintracht Frankfurt ist da anders aufgestellt, Trainer Armin Veh auch optimistischer, „wir wollen weit kommen“. Mal sehen, ob die Klubs was für die Länderwertung beitragen können oder früh scheitern. Es war schon lange kein deutscher Verein mehr vorne dabei.

Wie auch immer, der deutsche Fußball war im Vorjahr auf Europas Bühne überaus erfolgreich, ein deutsches Finale wird sich sicher nicht wiederholen. Aber die Fußball-Fans dürfen darauf hoffen, dass sie recht lange zumindest eine deutsche Mannschaft im europäischen Wettbewerb verfolgen können. Schöne Fußball-Abende stehen bevor!

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