Raubbau mit den Kräften im Spitzensport

von knospepeter

 

Egal, ob beim Film, in der Musik oder im Sport – die großen Stars werden umjubelt. Manchmal bricht allerdings ob ihrer hohen Gagen auch der Neid durch. Doch bemitleidet werden sie eigentlich nie. Dabei hätten zum Beispiel die Sportstars manchmal unser Mitleid durchaus verdient. Gut, die Spitzenleute verdienen zumindest in den populären Sportarten viel Geld, aber sie müssen auch mit einem Raubbau an ihrem Körper bezahlen. Oft ist es nach dem Karriere-Ende bis zur Invalidität nicht weit.

Die Athleten sind in der großen Unterhaltungsindustrie Sport zwar die Hauptdarsteller, andererseits allerdings auch der Teil, der nichts zu sagen hat, sondern nur funktionieren muss. Früher hat sich ein Terminplan nach den Möglichkeiten eines Verbandes und seiner Athleten gerichtet, heutzutage schaffen die Geldgeber an. Siehe zum Beispiel den alpinen Skisport. Seit einigen Jahren beginnt die Saison Ende Oktober auf dem Gletscher in Sölden, dann geht es nach einer Pause Ende November in Übersee weiter. Die Rennen in Sölden sind eine reine PR-Veranstaltung. Natürlich werden Weltcuppunkte vergeben, aber manche Sportler verzichten auf einen Start, weil der richtige Saisonaufbau gestört wird.

Immer mehr Termine, immer weniger Pausen, das ist das Los im Spitzensport. Beispiel Fußball-Bundesliga. Die Spieler der Spitzenclubs gehen am Stock. Erst ein Viertel der Saison ist vorbei, aber bei Borussia Dortmund und Bayern München häuft sich die Zahl der Verletzten in einem erschreckenden Ausmaß. Notwendige Ruhepausen fehlen und so holt sich der Körper sein Recht, sorgt für eine Zwangspause und stoppt so den Raubbau mit den Kräften. Dabei wollen die Verbände FIFA und UEFA den Terminkalender eher noch mehr füllen (Stichwort Nationscup für Nationalmannschaft), anstatt Termine zu streichen.

Ähnliches gilt auch für Handball und Basketball. Dem Sport-Grantler ist aufgefallen, dass zum Beispiel im Basketball die nächste Zeit für die Spitzenteams in jeder Woche ein Europacupspiel neben der Bundesliga ansteht. An Training ist da fast gar nicht mehr zu denken. Vom Handball-Bundestrainer kennen wir die Klage, dass die Spieler überfordert sind. Die Bundesliga will in den für sie lukrativsten Zeiten spielen, die Nationalmannschaft bekommt nur ein paar Tage zugestanden, in denen der Bundestrainer sein Team kaum richtig in Form bringen kann. Doch Niederlagen werden nicht akzeptiert, Erfolge werden erwartet, egal, wie schlecht die Voraussetzungen auch sind.

Auch im Tenns oder Golf hören wir immer mehr von den Spitzenspielern, dass es einfach nicht mehr möglich ist, alle Turniere wahrnehmen zu können. Die Verbände setzen aber immer mehr Pflichttermine an, weil sie merken, dass die Sportler immer mehr Pausen einlegen wollen. Bald könnten Interessenskonflikte in einem Streik enden.

Viele sagen „selbst schuld, dafür kassieren sie auch“, aber auch der Sportfan ist der Dumme, weil er nicht die Leistungen sieht, die er erwartet. Manchmal sieht er auch nicht die Spieler, die er erwartet. Nehmen wir wieder den Fußball als Beispiel. Da wird für viel Geld eine Karte für ein Spiel von Bayern München erworben, aber Trainer Pep Guardiola bringt nicht sein bestes Team aufs Feld, sondern will einige Stars lieber schonen. Contento statt Alaba, kein Ribery oder Robben auf dem Feld, das hat sich dann mancher anders vorgestellt. Aber eine Garantie auf Stars und gute Leistungen gibt es nicht.

Eines ist aber sicher: Der Sport stößt an seine Grenzen.

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