Erst die Gier, dann der Ärger

von knospepeter

 

Was haben Fußball-Weltmeisterschaften und Olympische Spiele gemeinsam? Sie bereiten Ärger! In beiden Fällen war bei den Funktionären die Gier zu groß. Die Dollar- oder Euro-Noten in den Augen vernebelten das Hirn und versperrten den Blick auf die Probleme, welche die Austragungsorte bereiten könnten. Jetzt haben sie den Salat, sprich den Ärger und womöglich finden Fußballspiele und Olympische Spiele in nicht ganz fertigen Stadien statt!

Der jüngste Fall war das Unglück auf der WM-Stadionbaustelle von Sao Paulo. Ein Kran stürzte auf das Dach und verzögert nun die Fertigstellung. Am 31. Dezember sollten die Stadien fertig sein, jetzt wird es frühestens der 31. Januar, vielleicht auch später. Möglich, dass das Eröffnungsspiel gar nicht in Sao Paulo stattfinden kann, möglich auch, dass das eine oder andere Stadion in Brasilien bei der Weltmeisterschaft 2014 eher einer Baustelle als einem Schmuckstück gleicht.

Am kommenden Freitag, 6. Dezember, werden die Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft ausgelost. In der Halle wird der schöne Schein überwiegen, dahinter allerdings werden Not und Elend sichtbar. Das wollen die Funktionäre rund um FIFA-Präsident Joseph Blatter natürlich nicht sehen. Es gilt allerdings als sicher, dass es auch während der WM Proteste geben wird, ähnlich wie beim Confed-Cup in diesem Jahr. Die Wut-Bürger in Brasilien werden dafür sorgen, dass Zuschauer, Gäste und vor allem die Fußballfunktionäre auch das Elend hinter dem schönen Schein sehen werden. Ob wir wirklich die viel beschworene Fußball-Begeisterung Brasiliens zu sehen bekommen?

Die Probleme in Katar bleiben darüber hinaus. Die WM wird dort erst 2022 stattfinden, sagen wir lieber, soll stattfinden. Schon jetzt gibt es aber jede Menge negative Schlagzeilen (Mangelnde Sicherheit auf den Baustellen, miserable Bedingungen für die Arbeiter). Das Scheichtum Katar wollte positive Werbung für sich haben, doch bekommen hat es Ärger und negative Schlagzeilen. Da waren wohl die Bestechungsgelder (die angeblich geflossen sind) zum Fenster rausgeschmissen. Jetzt werden wohl Scheichs und Fußballfunktionäre sagen, „den Ärger hätten wir uns ersparen können“.

Den Sportfunktionären des Internationalen Olympischen Komitees geht es nicht besser. Eigentlich verständlich, dass sie der Meinung waren, Russland müsste mal wieder die Spiele bekommen, zumal ja 1980 in Moskau durch den Boykott des Westens keine „richtigen“ Spiele waren. Allerdings müssten die IOC-Granden auch gesehen haben, dass Sotschi ein etwas seltsamer Austragungsort für Winterspiele ist und dies außerdem reine Putin-Spiele werden würden. Russlands Boss lässt zwar die Muskeln spielen, aber allein bauen kann er die Arenen nicht. Sotschi hinkt im Zeitplan stark hinterher, es ist heute zweifelhaft, ob alles funktioniert, ja sogar fertig wird. Bereits am 7. Februar 2014 geht es los! In diesen Tagen müssten eigentlich die ersten Tests beginnen, doch in Sotschi regieren Schlamm, Baulücken und Verzweiflung. Bei den derzeitigen Wetterkapriolen überall in der Welt können wir auf zwei Voraussagen bauen: Entweder werden es Frühlingsspiele (angeblich ist genug Schnee gebunkert) oder sie werden vom Winde verweht. Unerfreulich werden sie – abgesehen vom Sport – immer! Das steht jetzt schon fest.

Mit Rio de Janeiro als Ort für die Sommerspiele 2016 hat sich das IOC erneut Probleme aufgeladen. Ob es 2018 im Winter von Südkorea oder 2020 im Sommer von Tokio ruhiger sein wird? Wenn mal wieder die Erde in Japan bebt, dann sollte sie es dann tun, wenn sich IOC-Funktionäre dort befinden! Ein bisschen Angst würde nicht schaden und ein bisschen Verstand bei der künftigen Vergaben von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen auch nicht!

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