Das Jahr des FC Bayern

von knospepeter

 

Die fünf Pokale standen da, stolz aneinander gereiht, Sinnbild des erfolgreichen Jahres 2013. Die Bayern haben national und international abgeräumt, was abzuräumen war. Nur den lästigen deutschen Supercup haben sie Borussia Dortmund überlassen. Ein Pokal als Notanker, wenn man sonst gar nichts gewinnt. Ohne Bedeutung, wenn man alles gewinnt, schließlich war da die neue Ehe der Bayern mit Trainer Pep Guardiola noch zu jung, der Zeitpunkt des Spieles liegt immer in der Vorbereitung. Aber sonst? Die Münchner schier unschlagbar – es war das Jahr des FC Bayern!

Wann auch immer die Sprache darauf kommt, die Bayern sehen den Ursprung ihrer Erfolge in der Niederlage „dahoam“, 2012 im Finale der Champions League gegen Chelsea London in der Allianz-Arena. Der Stachel saß tief und die Generation der Schweinsteiger und Lahm quasi vor einem Scherbenhaufen, mit dem Zweifel „werden wir nie etwas Bedeutendes gewinnen?“

Jetzt sind sie in die Geschichte eingegangen, sind die Generation mit dem erfolgreichsten Jahr seit Bestehen des Vereins, seit 113 Jahren, haben das historische „Triple“ geschafft. Sie haben die Meisterschaft dominiert, sind im Pokalfinale nur ein bisschen ins Wanken gekommen, haben aber im Finale der Champions League und des UEFA-Supercups auch ein bisschen Glück benötigt. Das darf man im Sport aber nie vergessen: Ohne Glück kann auch der Tüchtige nicht erfolgreich sein. Es hat halt wirklich alles gepasst und wer den FC Barcelona ohne Gegentor ausschaltet, der hat die wichtigste Trophäe, nämlich den Pott der Champions League wohl verdient. Die Klub-Weltmeisterschaft am Ende des Jahres in Marokko, gegen Erdteil-Sieger, die keine echten Konkurrenten sein konnten, war eine schöne Zugabe und nur die offizielle Bestätigung für das, was alle schon gesagt haben: Die Bayern sind derzeit die beste Mannschaft der Welt!

Der FC Bayern hat aber nicht nur Pokale geholt, sondern er hat auch Rekorde gebrochen und vor allem eines erreicht: Mit schönem Fußball hat er Fans gewonnen, mit seinem Auftreten Sympathien gewonnen, mit Respekt sehen Vereinsfunktionäre und Fans der Bundesliga, dass die Bayern sich den Erfolg erarbeitet und deshalb verdient haben. Die Rekorde sind teilweise für die Ewigkeit gemacht, teils können sie noch selbst verbessert werden. In der Bundesliga ist die Mannschaft seit 41 Spielen ungeschlagen, Nummer 42 folgt am 24. Januar in Mönchengladbach. Franck Ribery ist übrigens bereits 43 Spiele ohne Niederlage mit den Bayern, Javi Martinez hat mit dem FCB überhaupt noch nicht verloren! Ob in der Bundesliga Punkte, ob Tore, die Bayern sind in den Rekordlisten vorn. In der Jahresbilanz waren es 56 Spiele, 50 Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen in den Pflichtspielen.

„Kein Mensch weiß, ob wir jemals wieder so erfolgreich sein werden“, schätzt Bayern-Präsident Uli Hoeneß das Jahr 2013 ein. Er sorgte mit seiner Steuersache für den einzigen Wermutstropfen rund um den Verein, aber die Bayern-Familie hielt zu ihrem „Macher“, einer der Väter des Erfolges. Für Uli Hoeneß wird das Jahr 2014 ein Bedeutendes: Muss er ins Gefängnis, kommt er mit seiner Steuerhinterziehung und der Selbstanzeige mit einem blauen Auge davon? Seltsam ist, dass man noch nichts gehört, wie der Täter verfolgt wird, der die Steuersache Hoeneß an die Öffentlichkeit gebracht hat.

An eine Fortsetzung des Erfolges glauben andere im Verein. Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hofft, „vielleicht täuscht sich ja der Uli“ und Sport-Vorstand Matthias Sammer fordert: „Die Weltspitze muss Normalität werden“. Eine goldene Zukunft verheißt auch das Durchschnittsalter der Mannschaft, denn viele Spieler, wie zum Beispiel Österreichs Star David Alaba, sind noch gar nicht am Zenit ihres Könnens angelangt. Andererseits hat auch der neue Trainer Pep Guardiola noch nicht so lange mit der Mannschaft gearbeitet, um das zu erarbeiten und was ihm vorschwebt bzw. was er mit dem FC Barcelona bereits erreicht hat: Beständig Weltspitze zu sein. Pep Guardiola zeigte aber auch in den Tagen des Triumphes Größe und erinnerte immer wieder an Vorgänger Jupp Heynckes, der die Basis gelegt habe und in der Saison 2012/2013 mit dem Triple erst ermöglicht hatte, dass Pep mit Supercup und Klub-Weltmeisterschaft noch zwei Pokale zusätzlich gewinnen konnte.

Der FC Bayern nicht mehr aufzuhalten? Wieder Warner Uli Hoeneß: „Wir müssen auch wieder einmal mit nur einem Titel im Jahr zufrieden sein.“ Andere Vereine wären mit einem Titel schon glücklich!

Übrigens: Wenn viele nach den Triumphen der Bayern fordern, dass Bundestrainer Joachim Löw nun endlich den Weltmeister-Titel holen müsste, dann vergleichen sie Äpfel mit Birnen. Bei den Bayern waren zuletzt u. a. Ribery (Frankreich), Robben (Niederlande), Dante (Brasilien), Martinez und Thiago (beide Spanien), natürlich neben deutschen Nationalspielern, die entscheidenden Leute. Klub-Weltmeister Bayern München ist nicht gleichzusetzen mit Weltmeister Deutschland.

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