Die goldenen Zeiten des Wintersports gehen zu Ende

von knospepeter

 

Der Winter war bei uns nur ein Frühling, dennoch hatte der Wintersport über Monate hinweg Hochbetrieb. Die Olympischen Winterspiele in Sotschi waren in dieser Saison der Höhepunkt und sie brachten dem deutschen Ski-Verband eine bittere Erkenntnis: Die goldenen Zeiten des Wintersports gehen zu Ende.

In den letzten Jahren waren die deutschen Wintersportler bei Olympia die eifrigsten Medaillensammler oder zumindest bei den eifrigsten. Die Wintersportler waren immer erfolgreicher als die Sommersportler. In Sotschi überließen sie anderen vornehm den Vortritt, wenn auch zahlreiche vierte Plätze immerhin auch der Beweis sind, dass es bis zur absoluten Spitze nicht weit ist. Aber die meisten Verbände haben mit einem Problem zu kämpfen, dem Nachwuchsproblem.

Eine Ausnahme stellen die Rodler dar, so lange Georg Hackl in Berchtesgaden noch an den Schlitten schraubt, werden seine Schützlinge mit der Konkurrenz weiter Schlitten fahren. Klappt das nicht mehr, droht ein Rückschritt wie beim Bobsport, wo die deutschen Schlitten mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten. Leider zählt im Eiskanal nicht allein der Fahrer, sondern ähnlich wie in der Formel 1 muss die Technik, das besondere Fahrzeug, die Grundlage für den Sieg legen.

Die größten Probleme hat derzeit Biathlon, das als Nachzügler erst am kommenden Wochenende die Saison abschließt. Im Nationencup liegen die deutschen Mannschaften gar nicht so schlecht (derzeit jeweils Platz drei bei Frauen und Männern), aber der Beobachter hatte eher den Eindruck, dass es eine verkorkste Saison war. Siege konnte man an einer Hand abzählen. In der Ära nach Magdalena Neuner und dem Ausfall von Miriam Gössner konnte niemand in die Bresche springen. Andrea Henkel lief in ihrer Abschiedssaison lange hinterher und verschoss oft auch bessere Platzierungen. Dennoch wird sie eine weitere Lücke hinterlassen und es darf durchaus die Arbeit der Trainer in Frage gestellt werden. Auffallend, dass sich Siege mehrheitlich kurz vor Olympia einstellten, als manche internationale Stars pausierten, dass die deutschen Frauen und Männer in Sotschi aber eher in einem Tief landeten. Die Bilanz zwischen Laufleistungen und Schussergebnissen stimmte nicht, oft war aber beides schlecht. Der deutschen Fernsehzuschauer liebste Wintersportart leidet angesichts der fehlenden Erfolge inzwischen auch an mangelnden Einschaltquoten. Nur ein gesunde Miriam Gössner und eine weitere Leistungssteigerung bei den Männern kann wieder Licht ins Dunkel bringen. Die Talente Laura Dahlmeier und Franziska Preuß brauchen vor allem gute Trainer.

Im Langlauf trat die alte Garde ab, die junge braucht noch Zeit, um in die Fußstapfen eines Tobias Angerer oder Axel Teichmann zu treten. Ähnliches droht dem alpinen Skisportlern. Wenn Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther tatsächlich ihre Karrieren beenden, tut sich mehr oder weniger ein großes Loch auch. Viktoria Rebensburg kann ab und zu für positive Schlagzeilen sorgen, ebenso Fritz Dopfer, aber die Star-Rolle können sie nicht einnehmen.

Da kann man einigen Verbänden nur wünschen, dass sie arbeiten wie zum Beispiel die Skispringer. Da gab es in den letzten Jahren auch ein Leistungsloch, doch inzwischen sind sie topp. Severin Freund avancierte nach schrecklichen vierten Plätzen bei Olympia zum Siegspringer und Trainer Werner Schuster führte viele junge Springer in die Weltspitze. Da darf sich Freund auf Verstärkung und Konkurrenz im eigenen Lager freuen.

Richtig topp, nämlich Weltspitze, sind die Nordischen Kombinierer. Sie halten seit Jahren an der Spitze mit, was ja nicht nur daran liegen kann, das dies quasi eine urdeutsche Sportart ist, sondern vor allem daran, dass gute Arbeit geleistet wird und vor allem der Nachwuchs rechtzeitig herangeführt wird. Hier dürfen wir uns auch in den nächsten Jahren sicherlich an Erfolgen freuen.

Schlechter sieht es da auf dem Eis. Eishockey hinkt international hinterher – keine Besserung in Sicht. Eisschnelllauf muss den Rücktritt der Sprinterin Jenny Wolf verkraften und hat nur noch die umstrittene Eisschnelllauf-Zicke Claudia Pechstein als „Aushängeschild“. An Nachwuchs hapert es ebenso wie an Erfolgen. Eisschnelllauf und Eishockey als negatives Beispiel einer schwachen Verbandsführung. Ähnliches gilt auch für Eiskunstlauf, wo die Nachwuchsprobleme seit Jahren nicht behoben werden konnten.

Was die „jungen“ Wintersportarten wie Shorttrack, Ski-Freestyle oder Snowboard angeht, hinkt der Deutsche Ski-Verband ebenfalls hinterher. Hier wurde die Entwicklung bereits verschlafen, wird die Aufholjagd einige Zeit dauern, wenn sie überhaupt stattfindet.

Bleibt also die Erkenntnis, dass die goldenen Zeiten im deutschen Wintersport vorbei sind. Mal sehen, wie lange sich dies ARD und ZDF ansehen, wenn die langen Wintersporttage vor den Bildschirmen nicht mehr die notwendigen Einschaltquoten erreichen. Das ist das Los des Spitzensports heutzutage: Fehlen die Erfolge, fehlt am Ende auch das Geld. Fehlt das Geld am Anfang, sind Erfolge noch schwerer zu erzielen. Ein Teufelskreis.

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