Golf bleibt in Deutschland nur ein Freizeitvergnügen

von knospepeter

 

Am kommenden Donnerstag, 10. April, ist es wieder so weit: Mit dem „Masters“ in Augusta (Georgia) beginnt der Reigen der großen Golfturniere. Vier sogenannte Majors stehen an der Spitze. In Deutschland wird der Profisport allerdings weiterhin nur am Rande wahrgenommen. Sicherlich, ein Tiger Woods ist auch hierzulande eine Marke, aber selbst bei der Frage nach dem deutschen Spitzengolfer Martin Kaymer müssen viele passen. Bei einer Umfrage nach dem bekanntesten deutschen Golfer wurde als Nummer 1 Franz Beckenbauer genannt, der Fußball-Kaiser und Hobbygolfer. 

Das ist der Beweis: Golf bleibt in Deutschland nur ein Freizeitvergnügen, wird nicht mit Spitzensport gleichgesetzt. Wer selbst Golf spielt, der weiß allerdings, dass dieser Sport zur Sucht werden kann, wenn er einen auch jedes Mal aufs Neue fordert und praktisch bei jedem Schlag Überraschungen parat hält. 637.735 registrierte Golfspieler gibt es in Deutschland, die in 838 Clubs bzw. Golfanlagen spielen können. Selbst unter Golfern wird nur am Rande diskutiert, was denn im Profisport so los ist. Das macht es zum Beispiel für den Golf-Verband auch so schwierig, besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Zwar liegt Golf bei den Mitgliederzahlen im deutschen Sport auf Rang acht, aber es sind halt mehrheitlich Freizeitgolfer. Gut für die Volksgesundheit, schlecht für das Image. 

Golf will allerdings auch als Spitzensport wahrgenommen werden und hat da einiges zu bieten. Der Augsburger Bernhard Langer ist die deutsche Golf-Ikone schlechthin, aber leider steht er weiterhin allein auf weiter Flur. Er war übrigens einer der Gewinner des „Green Jacket“ in Augusta und hat deshalb lebenslanges Startrecht. Auf der Champions Tour, der Turnierreihe der Senioren, ist er weltweit immer noch die Nummer 1. 

In seine Fußstapfen sollte eigentlich Martin Kaymer treten. Der 29jährige aus Mettmann war Anfang 2011 für acht Wochen sogar die Nummer 1 der Welt! Doch seitdem geht es nur noch abwärts. Inzwischen ist er in der Weltrangliste nur noch auf Platz 63 notiert. Bald läuft sein Startrecht bei den Majors aus, da werden wir dann bald auf deutsche Teilnehmer verzichten müssen. Vor kurzem war noch undenkbar, dass Kaymer außerhalb der „Top 50“ platziert sein könnte. Da wollte sogar Marcel Siem hin, doch der rangiert jetzt auf Platz 132, Alex Cejka ist 245. und Nachwuchshoffnung Maximilian Kieffer 274. Keine Platzierungen, die für Schlagzeilen sorgen. In der Tagespresse findet Golf als Spitzensport praktisch nicht statt. 

Dabei gibt es die Hoffnung, dass der Golfsport als künftige olympische Sportart stärker beachtet wird. Die deutschen Sportfans wollen aber Erfolge feiern und danach sieht es für Martin Kaymer und Marcel Siem nicht aus. Da belegen noch eher die beiden besten deutschen Damen Sandra Gal und Caro Masson auf der Ladystour vordere Plätze. Diese vier bilden quasi den deutschen Olympiakader. Von Sieghoffnungen spricht derzeit allerdings keiner. 

Der Deutsche Golf-Verband unternimmt viel, um vor allem die Nachwuchsförderung zu forcieren. Aber ähnlich wie im Tennis, wo auch die Nachfolger für Steffi Graf und Boris Becker fehlen, schaffen die jungen Buben und Mädchen einfach nicht den Sprung zum großen Spitzensport. Es gibt immer wieder mal Turniere mit positiven Überraschungen, aber dauerhafte Erfolge sind nicht zu registrieren. 

Den Freizeitgolfer stören die fehlenden sportlichen Erfolge an der Spitze wenig, er ist auf sein eigenes Spiel fixiert. Und sollte Martin Kaymer wieder einmal international glänzen können, so wird es registrieren und schnell wieder das Thema wechseln und zum Beispiel eher über seinen schlechten Putt auf Loch 18 reden…

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