Löw ohne Linie – so wird das nichts mit dem WM-Titel

von knospepeter

  

Es ist schon seltsam, viele Spieler sind verletzt oder nicht in Form, aber Deutschland wird die Rolle als Mitfavorit bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien nicht los. Beobachter in allen Ländern glauben offenbar daran, dass Deutschland zur rechten Zeit in Form ist, schließlich gilt das DFB-Team ja als Turnier-Mannschaft. Der Sport-Grantler glaubt nicht mehr an den Titelgewinn. Bundestrainer Joachim Löw zeigt sich verunsichert und ohne Linie – so wird das nichts mit dem WM-Titel! 

Die Nominierung des WM-Kaders und das „Länderspiel“ gegen Polen sind der Beweis. Das 0:0 gegen Polen war ein Muster ohne Wert, es hat höchstens die Zuschauer verärgert, die 80 Euro für die teuersten Plätze zahlen mussten, nur um ein Nachwuchsteam zu sehen, dass als Nationalmannschaft firmierte. Entsprechend laut fiel das Pfeifkonzert aus. Lachhaft, dass Löw einen neuen Debütanten-Rekord aufstellte. Den alten hielt – logisch – die Mannschaft beim ersten Länderspiel 1908, da standen naturgemäß elf Neulinge auf dem Platz. Damals durfte man noch nicht wechseln, also blieb es bei den elf, Löw setzte aber zwölf Neulinge ein. Sein einziger Gewinn: Die Entdeckung von Gladbachs Mittelfeldarbeiter Christoph Kramer, der auf sich aufmerksam machen konnte. Prompt hievte ihn Löw in den endgültigen 30erKader für die WM und schmiss Flügelflitzer André Hahn vom FC Augsburg raus. „Positionsbezogen“, wie es Löw nannte. 

Hatte Löw sich vorher keine Gedanken gemacht? Oder war einfach seine Beobachtung in den Bundesligaspielen mangelhaft? Löw wirkt verunsichert ob der vielen Verletzungen. Zuerst wollte er 25 Spieler mit ins Trainingslager ab 21. Mai nach Südtirol nehmen, jetzt sind es 27. Ein zaudernder und unsicherer Bundestrainer lässt für Brasilien nicht viel erhoffen. Außerdem scheint er an Wahrnehmungstrübungen zu leiden, denn das schwache und ereignisarme Spiel gegen Polen „habe ihm Spaß gemacht“. Dieses Urteil hat er exklusiv für sich. 

Allein das Beispiel Marcell Jansen zeigt, dass Löw an einem Tag so und am anderen Tag anders denkt. Erst nominiert er den Hamburger Verteidiger für das WM-Aufgebot, um ihn wenige Tage später doch zu streichen, mit der Erkenntnis, er sei noch nicht ganz fit. Die Erkenntnis gab es auch schon eine Woche vorher. Dennoch ist diese Entscheidung zweifellos richtig, denn Jansen wäre angesichts mangelnder Fitness ein doppeltes Sicherheitsrisiko, angesichts seines wenig kontrollierten Spiels. Marcel Schmelzer gilt jetzt als Platzhirsch auf der linken Seite, sein Mannschaftskollege Erik Durm als Hoffnung, er darf wie im Verein den Mann dahinter spielen und wird wohl als Überraschung in den WM-Kader rutschen. Gleichwohl bleibt die Position des linken Verteidigers eine Schwachstelle. 

Die deutsche Mannschaft weist vor der WM zwei Schwachstellen auf: Die des linken Verteidigers und des Mittelstürmers. Dort genügt allein ein fitter Miro Klose höheren Ansprüchen. Was aber, wenn er ausfällt. Egal, welche taktische Variante, alles bleibt nur eine Notlösung. Es ist schon kurios, dass der deutsche Fußball hier eine große Mängelliste aufweist. Beim Bolz auf der Wiese wollte früher jeder nur Tore schießen, Stürmer und Spielmacher waren die Idole. Jetzt gibt es für junge Fußballer nur einen Rat: Werdet Verteidiger, dann wird der Weg nach oben ein leichter sein (Torjäger verpflichten die Vereine gerne aus dem Ausland, aber nicht Verteidiger. Dies derzeit allerdings notgedrungen). 

Bleibt die Erkenntnis, dass wir vom WM-Titel nicht mehr träumen sollten. Hoffen dürfen wir schon noch, schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

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