Der Formcheck der deutschen WM-Auswahl

von knospepeter

 

Bundestrainer Joachim Löw hat sich entscheiden und am Montag die 23 Spieler für die Fußball-Weltmeisterschaft nominiert. Große Überraschungen gab es keine, wenn man mal davon absieht, dass er bei dem Dortmunder Verteidiger Marcel Schmelzer nicht so großzügig verfuhr wie bei anderen Stammspieler und ihn wegen einer Verletzung zu Hause ließ. Derzeit sind Trainer und Spieler auf Heimaturlaub, zum Erholen, Abschalten und schließlich Koffer packen. Jogi Löw hat allerdings schlaflose Nächte, weil es rund um seine Auswahl zu viele Fragezeichen gibt. Kein Wunder deshalb, dass auch die deutschen Fußball-Fans im Hinblick auf den Gewinn der Weltmeisterschaft nicht mehr so zuversichtlich sind. Hier ein Formcheck der deutschen WM-Auswahl: 

Manuel Neuer: Der Bayern-Spieler gilt als bester Torhüter der Welt und ist deshalb auch die klare Nummer 1. Er steht normalerweise hinten wie eine Mauer, signalisiert dem Gegner, „an mir kommst Du nicht vorbei“. Manchmal leichtsinnig mit schlampigen Pässen. Genial, wie er Spielsituationen frühzeitig klärt. 

Roman Weidenfeller: Zuerst im Nationalteam links liegen gelassen, jetzt die Nummer 2. Profitierte von der Formschwäche von René Adler, zeigte aber selbst gute Form. Schwächen im Herauslaufen und in der Spielöffnung. Jederzeit aber ein guter Ersatz für Neuer, wenn der nicht rechtzeitig fit wird. 

Ron-Robert Zieler: Klar Torhüter Nummer drei, viele fragen sich, warum er den Vorzug vor Leno oder te Stegen erhielt. Wäre gut, wenn er nicht zeigen müsste, was er kann (oder nicht kann). 

Philipp Lahm: Schade, dass es den Kapitän nur einmal gibt, Löw hat verpasst ihn zu klonen. Doch wo stellt er ihn hin? Wird wohl rechter Verteidiger spielen, wenn Khedira fit ist. Immer eine feste Größe und der Anführer der Mannschaft. 

Per Mertesacker: An dem England-Legionär führt kein Weg vorbei, spielt solider als Boateng und Hummels, allerdings auch nicht frei von Schwächen. Die Innenverteidigung könnte dem Erfolg gemäß dem Motto „die Defensive gewinnt Titel“ im Wege stehen. 

Jerome Boateng: Bleibt wohl das schlampige Genie, schien auf einem guten Weg, endlich erwachsen und solide zu werden, doch er erlitt wieder einen Rückfall. Jetzt ist die Unsicherheit bei ihm und den Mitspielern wieder da. Könnte auch als rechter Verteidiger aushelfen (hat schon mal Ronaldo kalt gestellt). 

Mats Hummels: Auch er eher ein schlampiges Genie, gut im Aufbauspiel, oft leichtsinnig in der Abwehrarbeit. Hier braucht Löw bei der Auswahl ein glückliches Händchen. Könnte aber auch die große WM-Überraschung werden (oder Boateng!). 

Erik Durm: Der gelernte Stürmer wurde von Dortmunds Trainer Klopp zum Verteidiger umgeschult. Das macht alle glücklich, Dortmund, Durm und jetzt Löw. Nutzte die Schwächen der anderen (Schmelzer, Jansen) auf der linken Seite und erlebt ein Märchen. Hoffentlich spielt er auch märchenhaft. Solide hinten, mit Schwächen nach vorn. Hat aber noch Potential. Aufruf an viele Stürmer: Werdet Verteidiger! 

Benedikt Höwedes: Der Schalker ist die Allzweckwaffe Nummer 1 in den hinteren Reihen, kann in der Vierer-Kette alles mehr oder weniger gut spielen, notfalls sogar im defensiven Mittelfeld. Ein Mann auf der Warteliste, der selten enttäuschen wird. 

Kevin Großkreutz: Allzweckwaffe Nummer 2. Bei ihm ließ Löw Gnade vor Recht gelten, verwarnte ihn wegen der Pinkel-Affäre nur, aber Zweifel an seinem Charakter bleiben. Kann quasi alles spielen, sogar Torhüter. Hoffentlich fängt er nicht mitten auf dem Spielfeld zum pinkeln an… 

Bastian Schweinsteiger: Sorgenkind Nummer 1 im Mittelfeld. Er muss nicht nur rechtzeitig fit werden, sondern auch in Form kommen. Noch einmal kann ihn die Mannschaft nicht mitziehen. Großes Fragezeichen. 

Sami Khedira: Fast ein Wunder, wie schnell er wieder fit geworden ist, doch die Bestform ist noch nicht da, wird sich sicherlich steigern und könnte dann zu einem Trumpf werden. Könnte… 

Thomas Müller: An dem Mann mit den unorthodoxen Laufwegen führt kein Weg vorbei, immer für ein Tor gut, eine Wundertüte für den eigenen Trainer und den Gegner. Titelverteidiger als Torschützen-König. Mach’s noch mal Thomas! 

Mesut Özil: Kann alles, zeigt aber nicht immer alles, also auch eine Wundertüte. Es könnte sich zeigen, dass Löw besser fährt, wenn er auf Özil verzichtet! 

Marco Reus: Der Dortmunder Torjäger ist wohl links gesetzt, könnte aber in der Özil-Rolle sogar wertvoller sein. Hält er seine Form, könnte er Deutschlands WM-Star werden. 

Miroslav Klose: Der Torjäger steht als einziger Mittelstürmer im Aufgebot allein auf weiter Flur. Auch hier die Frage: Kommt der Routinier in Form? Wenn ja, kann er der ewige Torschützenkönig werden, zwei Treffer fehlen. Wenn nicht, muss eine „falsche Neun“ her (Müller, Schürrle, Götze). 

Toni Kroos: Pech für den Bayern-Spieler, dass er überall gut ist, aber immer einen noch wertvolleren Spieler vor sich hat. Könnte die Rolle von Schweinsteiger oder Özil übernehmen und Löw würde mit dieser Entscheidung nie schlecht fahren. 

Mario Götze: Technisch hoch veranlagt, aber leider ohne Schwung, ihm fehlt das letzte Quäntchen Durchsetzungsvermögen, um wirklich wertvoll zu sein. Wird über die Rolle als Einwechselspieler nicht hinauskommen. 

Lukas Podolski: Die Stimmungskanone im Team, sorgt immer für Schwung, wird also eine gute Alternative sein, wenn es im Vorwärtsgang hakt. Hat seine Stammposition verloren. 

André Schürrle: Steht Gewehr bei Fuß, kann Reus oder Klose ersetzten, ist leider nicht beständig, aber manchmal eben sehr wertvoll. Glückssache, ob er gerade in einem entscheidenden Spiel auch die entscheidenden Tore schießt. Er kann es zumindest. 

Christoph Kramer: Der Zufallstreffer im Team, steht nach den Ausfälle der Bender-Zwillinge Gewehr bei Fuß, wenn Khedira schwächelt. Das Laufwunder könnte in der Hitze von Brasilien zum Trumpf werden, denn das Tandem Kroos-Schweinsteiger wäre zu gefährlich. Für ihn wird ein Märchen wahr. 

Julian Draxler: Endlich darf der 20jährige Schalke dabei sein, gilt als großes Talent und Techniker, normalerweise aber eher zum Lernen in Brasilien. 

Matthias Ginter: Auch der Freiburger kann viele Rollen spielen und steht wohl deshalb im Aufgebot. Läuft alles normal, wird es hinterher heißen „auch Ginter war im Aufgebot“. Pech für Löw, wenn Ginter doch gebraucht wird. Nichtsdestotrotz ein Mann mit Zukunft (nicht umsonst wollen ihn Dortmund und Bayern). 

Die Weltmeisterschaft in Brasilien bringt viele Unwägbarkeiten mit sich, auf die sich jede Mannschaft erst einmal einstellen muss. Prognosen sind deshalb besonders schwer. Für die deutsche Mannschaft ist entscheidend – wie für alle Europäer –, wie die Spieler mit der Hitze zurechtkommen. 

Eine kleine WM-Vorschau nächste Woche: Chaos-Vorbereitung auf die Chaos-WM!

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