Chaos-Vorbereitung auf die Chaos-WM

von knospepeter

 

Das passt doch wirklich zusammen: Chaotisch war die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die Fußball-Weltmeisterschaft mit zahlreichem Verletzungspech, organisatorischen Mängeln und einem schweren Unfall im Trainingslager. Chaotisch ging es auch im Vorfeld des Turniers in Brasilien zu, mit Stadien, die sehr spät oder auch gar nicht fertig gestellt wurden sowie mit Protesten statt WM-Vorfreude. Da kann am Ende eigentlich nur eines rauskommen: Der WM-Titel! 

Eigentlich waren die Fußball-Fans glücklich mit der WM-Vergabe nach Brasilien. Im Land des Fußballs musste das doch ein Fest werden. Aber der Weltverband FIFA ebenso wie der nationale Fußball-Verband sowie die Regierung in Brasilien haben alles getan, um die Freude auf das Turnier im Keim zu ersticken. Schon beim Confed-Cup vor einem Jahr haben Teile der Bevölkerung erkannt, dass Versprechungen für das Volk nicht eingehalten werden. Jetzt stehen zum Teil protzige Stadien in der Landschaft, aber weder Infrastruktur noch soziale Leistungen wurden verbessert. Die Kosten schnellten in die Höhe, dafür steht dann im Dschungel ein Stadion, das niemand mehr braucht. Dümmer geht es nimmer.

Unsicherheit aber auch im deutschen Team. Auffallend, dass Bundestrainer Joachim Löw immer mehr in die Schusslinie gerät. Das kann kein Zufall sein, dass gerade in diesen Tagen sowohl die Fachzeitschrift kicker, als auch die Süddeutsche Zeitung über Spannungen im Trainerteam des DFB berichten. Jogi Löw scheint die Bodenhaftung zu verlieren. So schreibt der kicker über Löw:„Seinen Führungsstil hat er gegenüber früheren Turnieren verändert, zum Leidwesen seines Funktionsteams. Dort reagiert man zunehmend mit Kopfschütteln auf die Sprunghaftigkeit des Sportlichen Leiters….Der, so heißt es aus seinem Umfeld, drohe allmählich die Bodenhaftung zu verlieren und in eine Parallelwelt abzugleiten.“ Die SZ titelte: „Zur Sphinx geworden. Joachim Löw strebt auf den Höhepunkt seiner Amtszeit zu – doch häufiger als früher erleben viele Begleiter den Bundestrainer als schwer durchschaubar und rätselhaft“. 

Das lässt nichts Gutes für das Turnier aus deutscher Sicht erahnen. Zerbricht der Trainer am Druck, dass die Öffentlichkeit endlich einen Titel fordert? Weltmeister war Deutschland zuletzt 1990, also vor 24 Jahren. Löw, dessen Vertrag bewusst bis 2016 verlängert wurde, um Ruhe bei der WM zu haben, droht als der Trainer in die Geschichte des DFB einzugehen, der zwar eine der talentiertesten Mannschaften zur Verfügung hatte, aber nichts aus den Talente machte. Diese Angst sitzt bei ihm offensichtlich tief. Eins ist klar: Das Aus sogar in den Gruppenspielen oder im Achtelfinale beendet auch die Ära Löw beim DFB. Was danach kommt, ist alles offen. 

Man hat auch nicht den Eindruck, dass Jogi Löw wirklich weiß, wie er spielen lassen will. Vor dem WM-Start gleicht die DFB-Elf eher eine Baustelle. Für Kopfschütteln hat auch die Nachnominierung von Abwehrspieler Mustafi für den verletzten Stürmer Reus gesorgt. Auch hier ist die Verunsicherung von Löw zu spüren, der den geforderten Kießling, Kruse oder Lasogga die kalte Schulter zeigte. Verunsicherung auch bei der Aufstellung. Wohin mit Lahm? Vier Innenverteidiger bilden offenbar die Viererkette, Schweinsteiger überzählig im Mittelfeld, Özil eher ein Sorgenkind als ein Leitwolf – Löw verzweifelt an den Problemen. 

Was kann Deutschland dann noch erreichen? Trotzdem den Titel, wenn sich alles glücklich fügt. Favorit Nummer 1 bleibt natürlich Gastgeber Brasilien, aber die Tür steht für viele Nationen offen, es gibt derzeit keine überragende Mannschaft, die auch Titelverteidiger Spanien nicht stellt. Da könnte sich die Chaos-WM auch zu einer sportlich chaotischen WM entwickeln, nämlich insofern, dass viele vermeintliche Favoriten frühzeitig scheitern, dass Überraschungen an der Tagesordnung sind. Vielleicht erstmals mit einem Weltmeister aus Afrika! 

Es könnte also doch eine interessante WM werden und wenn die Brasilianer erst mal merken, hey, hier wird ja Fußball gespielt, vergessen wir unsere täglichen Sorgen, dann wird es vielleicht auch noch ein Fest.

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