Der Verkauf des Deutschen Eishockey-Bundes

von knospepeter

Es geschehen manchmal seltsame Dinge im deutschen Sport. Es gibt Verbände, da wundert man sich über manche Entscheidungen, es gibt aber auch Verbände, da wundert man sich über gar nichts mehr. So einer ist der Deutsche Eishockey-Bund. Jahrelang hörte die Öffentlichkeit nur von Streit, Ruhe herrschte erst nach einer Entmachtung des Verbandes. Jetzt könnte es in naher Zukunft sein, dass der Deutsche Eishockey-Bund ganz von der Bildfläche verschwindet. Bei der Hauptversammlung am vergangenen Wochenende hat nichts anderes als der Verkauf an die DEL stattgefunden.

Also gut, der Verband als solcher kann nicht verschwinden, weil er Mitglied im Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) ist und dort die Interessen des deutschen Eishockeys vertritt. National aber ist der DEB endgültig zu einem zahnlosen Tiger mutiert, weil die DEL die Macht übernommen hat. An der Spitze steht jetzt der langjährige Sportdirektor, Generalsekretär und ehemalige Nationalspieler Franz Reindl, der in seiner jahrzehntenlangen Arbeit für den Verband vor allem eines geschafft hat: Nichts auf den Weg zu bringen, aber eine weiße Weste zu behalten und gut dazustehen. Er hat sein Fähnchen immer rechtzeitig in den Wind gehängt und es geschafft, dem jeweiligen Präsidenten treu zu dienen und seine Pfründe zu sichern.

Jetzt hat es der 59jährige geschafft, er steht an der Spitze, ist selbst Präsident. Ein Weg, den auch Wolfgang Niersbach beim Deutschen Fußball-Bund gegangen ist, doch es gibt eben himmelweite Unterschiede. Da der Funktionär, der vorher schon durch hervorragende Arbeit geglänzt hat, dort der Strippenzieher, der eine Sportart nicht voran gebracht hat. Lachhaft die Äußerung von Reindl bei seiner Präsidenten-Kür: „Die anderen Nationen lachen sich doch über uns kaputt: Wir mit unseren 80 Millionen Einwohnern, als Organisationstalente, schaffen es nicht, konkurrenzfähig zu sein“. Er fordert: „Wir müssen uns neu aufstellen.“ Warum ist aber in den über 20 Jahren seiner Tätigkeit beim Verband nichts passiert? Außerdem: Die 80 Millionen in Deutschland interessieren sich vielleicht für die Fußball-WM, aber auf keinen Fall für Eishockey. Eishockey ist eher zur Randsportart verkommen.

Kläglich, dass der alleinige Kandidat nur 73,5 Prozent an Stimmen erhielt. Es gab also genug Bedenkenträger. Ihm zur Seite stehen zwei Mannheimer: MERC-Boss Daniel Hopp und Berthold Wipfler als Vizepräsident und Schatzmeister. Also hat die DEL deutlich das Sagen, sie wird künftig im Verband bestimmen, Reindl ist eher eine Marionette. Die Landesverbände vertritt Marc Hindelang, Journalist bei Sky und Präsident des kleinen EV Lindau. Hat man ihn als Sprachrohr und PR-Mann ins Boot geholt? Für einen unabhängigen Journalisten eine problematische Sache.

Wie auch immer, eines ist klar, der wieder einmal finanziell klamme Verband wurde geschwächt, die DEL gestärkt. Sie hat im deutschen Eishockey endgültig das Kommando übernommen und wird die Zukunft bestimmen. Das muss nicht schlecht sein, denn die Top-Liga funktioniert ja, eigentlich als einzige Liga im deutschen Eishockey. Allerdings hat sich die DEL um den Nachwuchs und die Basis nicht so viele Gedanken gemacht und deshalb ist zu befürchten, dass die bisher mangelhafte Basisarbeit des DEB unter der Ägide der DEL auch nicht besser wird. Verlierer sind auf jeden Fall die kleinen Vereine.

Und ob Franz Reindl als Präsident das schafft, was er lange Zeit als Sportdirektor und Generalsekretär versäumt hat, darauf darf man gespannt warten. Eher wird es auch in Zukunft so sein: Beim Eishockey wundert man sich über gar nichts mehr.

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