Jogi Löw auf Pep Guardiolas Spuren

von knospepeter

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat das Jahr 2014 doch noch erfolgreich abgeschlossen. Der 1:0-Sieg in Vigo über Spanien war nicht zu erwarten gewesen, es standen sich zwar der Europameister und der Weltmeister gegenüber, aber in Wirklichkeit traf auf beiden Seiten die zweite Garde aufeinander. Wer die bessere Zukunft hat, konnte dieses Spiel nicht aufzeigen.

Das 1:0 brachte allerdings Erleichterung ins deutsche Lager. Die letzten Spiele in der EM-Qualifikation waren eines Weltmeisters nicht würdig und ein beliebter Spruch könnte abgewandelt werden: „Weltmeister werden ist nicht schwer, Weltmeister sein dagegen sehr“. So präsentierte sich die DFB-Elf nach dem Turnier in Brasilien: 2:4 gegen Argentinien, 2:1 gegen Schottland, 0:2 in Polen, 1:1 gegen Irland, 4:0 gegen Gibraltar und das versöhnliche 1:0 in Spanien. Die nächste Aufgabe steht am 25. März 2015 in Kaiserslautern an, da ist dann Australien der Gegner, bevor es mit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich weitergeht. Hier hat Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf, Platz drei in der Gruppe D mit drei Zählern Rückstand zu Polen und Punktgleichheit mit Irland und Schottland ist nicht das, was sich der Weltmeister vorgestellt hat.

Trotz allem gehen Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler optimistisch ins nächste Jahr und für einen Weltmeister ist es ja auch nicht hochnäsig, wenn alle davon sprechen, dass die EM-Qualifikation mit Sicherheit geschafft werde. Doch manchmal kommt auch Hochmut vor dem Fall, denn die letzten Spiele hatten doch gezeigt, dass Ausfälle von Stammspielern nicht so leicht zu kompensieren sind. Torhüter Manuel Neuer bringt es aber auf den Punkt: „Die bisherigen Punktverluste machen es schwierig, aber wir haben keine Angst.“ Also müssen die Fans auch keine Angst haben.

Hoffnung gibt auch, dass sich der Bundestrainer innovativ zeigt. Er wandelte gegen Spanien auf Pep Guardiolas Spuren und wandte wie der spanische Bayern-Trainer in der Not den Trick mit der Dreier-Kette an. Zwar fehlten alle Stammkräfte in der Abwehr, aber auch Rüdiger, Mustafi und Höwedes machten vor Torhüter Zieler mehr oder weniger den Laden dicht. Das könnte ja überhaupt ein Modell für die Zukunft sein, weil dem Bundestrainer Außenverteidiger fehlen. Außer Philipp Lahm, dem aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen und jetzt schwer verletzten Kapitän, hatte Löw sowieso nur mehr oder weniger Notlösungen, wie Höwedes als linker Verteidiger bei der WM, parat. Warum also nicht gleich quasi auf Außenverteidiger verzichten und im 3-4-3 den Außenspielern im Mittelfeld die doppelte Aufgabe für Abwehr und Angriff zu geben. Da erweitert sich der Kreis der Kandidaten: Gelernte Abwehrkräfte mit Offensivpotential oder gelernte Offensivkräfte mit Defensivstärke je nach Gegner. Durm und Rudy haben es gegen Spanien ordentlich gemacht, aber Verbesserungen müssten da möglich sein.

Dass der Weltmeister ohne Angst ins nächste Jahr geht und Trainer und Spieler lieber davon sprechen, dass sie 2016 auch Europameister werden wollen, fußt vor allem darauf, dass alle annehmen, dass die Stammkräfte zurückkehren. Immerhin fehlten zuletzt längere Zeit Hummels, Badstuber, Schweinsteiger, Khedira, Reus, Gomez und zuletzt auch Schürrle. Die Rücktritte von Lahm, Mertesacker und Klose wiegen schwer. Die Mittelachse ging komplett verloren und deshalb auch das begeisternde Spiel des Weltmeisters. Von den Neuen haben sich nur wenige in den Blickpunkt spielen können, am meisten noch Wirbelwind Karim Bellarabi als Alternative im Angriff. Gesucht wird außerdem die neue Hierarchie in der Mannschaft, zumal der neue Kapitän Bastian Schweinsteiger sein Amt noch nicht einmal ausführen konnte.

Mit Sorgen oder sorgenfrei ins nächste Jahr? Für Bundestrainer Jogi Löw hängt viel davon ab, welches Personal ihm zur Verfügung steht. Im März gibt es sowieso nur eine Art „Zwischenspiel“ mit dem Test gegen Australien und der EM-Qualifikation in Georgien, danach folgt am 13. Juni noch das Rückspiel in Gibraltar. In Form sein muss die DFB-Elf ab 4. September (in Frankfurt gegen Polen) und im Oktober und November, wenn die entscheidenden Spiele der EM-Qualifikation anstehen. Bis dahin kann sich Jogi Löw ja noch einiges ausdenken oder bei Pep Guardiola abschauen.

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