Der Sport braucht seine eigenen Regeln

von knospepeter

Die Welt des Sports könnte wieder einmal aus den Fugen geraten. So wie beim sogenannten Bosman-Urteil, als die damals gängigen Regeln im Fußball über Ablösesummen von heute auf morgen nicht mehr galten. Nun hat das sogenannte Pechstein-Urteil die Sportverbände erschüttert, weil das Oberlandesgericht München die Schiedsvereinbarungen, welche die Verbände mit den Sportlern als Grundlage für einen geregelten Betrieb treffen, für unwirksam erklärten. In diesen Vereinbarungen ist den Aktiven u. a. der Weg vor ein ordentliches Gericht versperrt. Dafür gibt es als oberste Instanz im Sport den Sportgerichtshof CAS.

Eines vorweg: Noch ist das Urteil aus München nicht rechtskräftig, weil der Weltverband ISU die nächste Instanz anrufen wird, den Bundesgerichtshof in Deutschland. Wie dort das Urteil ausfallen wird, ist zumindest noch offen. Allerdings hat auch die Europäische Kommission bereits moniert, dass die sogenannte Schiedsvereinbarung mit dem internen Sportgerichtsweg ungültig sei. Insofern könnte ein deutsches Urteil Auswirkungen nicht nur für Europa, sondern für alle Sportverbände der Welt haben. Dies allerdings könnte auch zum Chaos führen, ein geregelter Sportbetrieb womöglich nicht mehr durchführbar sein.

Der Sport-Grantler sagt es ganz klar: Der Sport braucht seine eigenen Regeln. Der Sport braucht natürlich auch Gerechtigkeit und dafür stand in letzter Instanz der Sportgerichtshof CAS. Moniert wird die Zusammensetzung des Gerichtes, weil da vor allem die Verbände ihre Hände im Spiel hätten, die Sportler als Kläger also im Nachteil seien. Das muss natürlich im Sinne der Gerechtigkeit geändert werden. Aber das CAS hat den Vorteil einer schnellen Regelung, im Sportbetrieb kann nicht über Jahre gewartet werden, bis ein endgültiges Urteil auf dem Tisch liegt. Sollen dann zum Beispiel in Mannschaftssportarten Auf- und Abstieg in Ligen wieder geändert werden, Klubs plötzlich ganz anderes eingestuft werden? Das geht nicht.

Die Vereinbarung zwischen Verband und Sportler ist sinnvoll, die Aktiven müssen allerdings die Möglichkeit haben, ihre Rechte gegebenenfalls durchzusetzen. Aber es muss manchmal schnell gehen. Ein Beispiel: In Sportarten mit Play-Offs steht meist schon zwei Tage später das nächste Spiel an. Eine umstrittene Entscheidung mit Sperre kann nicht auf die lange Bank geschoben und Monate später geklärt werden, da muss sofort für Klarheit gesorgt werden. Oder sollen Play-Off-Spiele im Eishockey im Sommer fortgesetzt werden…

Das Thema ist so komplex, wie es die Welt des Sports auch ist. Wir erleben aber immer wieder, dass die Regel nur solange bestehen, bis sich einer ungerechtfertigt gesperrt fühlt und auf die Barrikaden geht. So wie jetzt Claudia Pechstein. Die erfolgreichste (für den Sport-Grantler aber auch unsympathischste) deutsche Eisschnellläuferin hat die Schiedsvereinbarung unterschrieben. Der Weltverband hat ihre Sperre wegen zu hoher Retikulozyten-Blutwerte nach den gängigen Regeln ausgesprochen. Pechstein hatte bis dahin die Abweichungen ihrer Blutwerte nicht gemeldet, fühlt sich aber zu Unrecht gesperrt, obwohl das CAS die Sperre bestätigte. Pechstein kümmerte sich einen Druck um die Schiedsvereinbarung und ging vor ein ordentliches Gericht. Dort unterlag Pechstein in den ersten Instanzen, was deutlich macht, dass der Bundesgerichtshof durchaus zu einem anderen Urteil als das OLG kommen kann.

Was den Sport-Grantler verwundert: Wie viel verdient Pechstein mit dem Sport, wenn sie 4,4 Millionen Euro Schadenersatz einklagt? Und was sagt ihr Arbeitgeber, die Bundespolizei, der sie ja für ihren Sport finanziell unterstützt? Diese Annehmlichkeiten waren für sie selbstverständlich.

Was den Sport-Grantler ärgert, sind Äußerungen von Pechstein wie „den Betrügern von der ISU habe ich einen reingedrückt“. Von Anstand keine Rede, wie sie ja auch als Eisschnelllauf-Zicke schon des Öfteren Unfrieden in die deutsche Mannschaft gebracht hat. Jetzt sorgt sie für Unfrieden im internationalen Sport, hebelt vielleicht die Regeln so aus, dass ein organisierter Sport kaum noch möglich sein wird. Der Sport hat innerhalb Gesellschaft und Wirtschaft eine Sonderstellung und braucht deshalb seine eigenen Regeln. Er braucht natürlich auch Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zwischen Verbänden und Sportlern.

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