WM-Reigen: Medaillen-Lust oder Medaillen-Frust?

von knospepeter

Wintersport-Fans müssen in diesem und in den nächsten zwei Jahren auf Olympische Spiele verzichten. Aber für Ersatz ist 2015 und 2017 gesorgt, alle zwei Jahre gibt es dafür Weltmeisterschaften, manche Verbände scheuen nicht einmal eine Inflation und richten jedes Jahr eine WM aus, damit werden die Titel entwertet. Auch deshalb, weil sie nur alle vier Jahre stattfinden, haben Olympische Spiele die weitaus größte Bedeutung. Aber auch ein WM-Titel ist nicht schlecht. Auf Schnee beginnt jetzt mit den Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Vail und Beaver Creek in den USA der WM-Reigen. Für die deutschen Sportlerinnen und Sportler heißt es: Medaillen-Lust oder Medaillen-Frust?

Sind wir ehrlich, im Sport zählen eigentlich nur Siege. Der Zweite ist der erste Verlierer. Bei internationalen Meisterschaften ist es ein bisschen anders, wenn Medaillen verteilt werden. Natürlich steht der Sieg über allem, aber erstes Ziel ist für viele eine Medaille. Da ist dann der Zweite immer noch der erste Verlierer, aber er erhält ein Trostpflaster. Der eigentliche Pechvogel ist da wiederum der Vierte. Nur Blech gewonnen, heißt es dann.

Der Sport-Grantler gibt einen Überblick über den WM-Reigen auf Schnee und welche Chancen die deutschen Sportler haben. Einen „Frühstart“ legten übrigens die sogenannten Fun-Sportarten hin, denn Snowboard und Freestyle kürten ihre Titelträger bereits in Kreischberg in der Steiermark/Österreich. Für Deutschland holte die 18-jährige Lisa Zimmermann im Slopestyle Gold. Ansonsten Medaillen-Frust. Ein paar Medaillen mehr sollten es in den nächsten Titelkämpfen schon werden. In den letzten Wochen trumpften ja viele deutsche Sportler im Weltcup auf. Interessant, dass hier manche Medien schon warnten: „Sind unsere Asse zu früh in Form?“. Gibt es keine Erfolge, dann wird gemosert, „wie soll das nur bei der WM werden?“ Wie es bei der WM werden kann, zeigt der Sport-Grantler auf:

Alpine Ski-WM (2. – 15. Februar in Vail und Beaver Creek/USA): Drei Medaillen sind das Ziel des Deutschen Ski-Verbandes. Das ist bescheiden, nimmt man Österreich mit acht zum Vergleich. Aber die Vorgabe des DSV ist realistisch: Bei den Frauen trägt allein Viktoria Rebensburg die Hoffnung, derzeit Sechste im Gesamtweltcup, die in der Abfahrt und im Super-G nach vorne fahren kann. Ausgerechnet in ihrer früher stärksten Disziplin, dem Riesenslalom, schwächelt sie ein wenig. Aber der Knoten kann ja platzen. Bei den Herren sind die Techniker Weltspitze, Felix Neureuther und Fritz Dopfer greifen im Slalom nach einer Medaille (Neureuther ist immerhin die Nummer 1 derzeit) und haben auch im Riesenslalom eine kleine Chance. Hoffnung auf eine Medaille macht sich der DSV außerdem im Teamwettbewerb. Die Favoriten sind freilich andere. Lindsay Vonn möchte sich bei der Heim-WM für die verlorenen Medaillen von Sotschi (verletzt) entschädigen, bei den Herren gibt es viele Anwärter in den Speed-Rennen, bei den Technikern muss zuerst einmal der Österreicher Marcel Hirscher geschlagen werden.

Rodeln und Bob: Die Rodler sind am 14. und 15. Februar in Sigulda/Lettland und eigentlich sollten es wieder deutsche Weltmeisterschaften werden. Aber Vorsicht: Immer werden schwächelten sogar die Asse Natalie Geisenberger und Felix Loch. Die Konkurrenz hat ein bisschen Hoffnung bekommen, dass nicht alle Siege nach Deutschland gehen. Wir hoffen dagegen, dass neben Geisenberger und Loch auch Doppelsitzer und Team Gold einfahren können. Wenn nicht Gold im Rodeln, wo dann?

Zum Beispiel im Bob? Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, schön wären schon einige Medaillen bei der WM in Bob und Skeleton vom 23. Februar bis 3. März in Winterberg/Deutschland. Die Heim-WM sollte Flügel verleihen, aber vor allem die Bobs aus Lettland und Russland gelten als schneller. Am Ende werden die Deutschen vielleicht hauptsächlich gute Gastgeber sein.

Nordische Ski-WM (18. 2. – 1. 3. in Falun/Schweden): Was die deutschen Chancen angeht, so sind die Aussichten einfach zu beschreiben: Im Langlauf keine, in der Nordischen Kombination sehr gute und im Skispringen sind Medaillen möglich. Die großen Favoriten sind die Norweger, vor allem im Langlauf. Da hoffen wohl die Schweden auch darauf, dass der Heimvorteil Flügel verleiht. Die Norweger sind aber auch die großen Gegenspieler der deutschen Kombinierer, die mit dem Eric Frenzel die Nummer 1 dieser Saison stellen. Wenn alles glatt läuft, dann geht Gold nur über ihn. Im Skispringen hat der DSV zwei heiße Eisen: Severin Freund bei den Männern und Olympiasiegerin Carina Vogt bei den Frauen. Außerdem hofft das Männerteam auf eine Medaille. Aber im Skispringen gibt es ja viele Unwägbarkeiten und so wäre den Athleten zu wünschen, dass vor allem das Wetter faire Bedingungen zulässt. Nicht dass der Wind die Medaillen-Lust zum Medaillen-Frust umschlagen lässt.

Biathlon (3. – 15. März in Kontiolahti/Finnland): Nach einer kleinen Pause sind vor der WM noch die Weltcups in Nove Misto/Tschechien (6. – 8. 2.) und Oslo/Norwegen (12. – 15. 2.) zu absolvieren. Da darf man schon gespannt sein, ob der Formaufbau am Ende auch stimmt. Zuletzt haben die deutschen Athleten ja durchaus für positive Schlagzeilen gesorgt. Die Saison läuft besser als gedacht, die Frauen-Staffel holte ebenso Siege wie Simon Schempp bei den Herren. Medaillen sind also möglich, doch die Favoriten sind andere. Dajra Domratschewa (Weißrussland) und Kaisa Mäkärainen (Finnland) bei den Frauen sowie Martin Fourcade (Frankreich) bei den Männern. Und immer sind auch die Norweger dabei, vor allem bei den Männern mit Biathlon-Methusalem Björndalen. Durchaus möglich, dass es am Ende von einem der genannten Namen heißt, es war seine/ihre Weltmeisterschaft. Nicht zu erwarten, dass es eine deutsche Weltmeisterschaft wird. Aber ein wenig Medaillen-Lust darf schon sein. Auch hier gilt dreimal Edelmetall als Ziel.

Danach darf der Frühling eigentlich kommen. Nur die Eishockey-Cracks dehnen die Wintersaison bis in den Mai hinein aus, sie kämpfen vom 1. – 17. Mai in Tschechien um den Titel. Traditionell dürfen wir uns in dieser Zeit schon auf die ersten heißen Sommertage freuen…

Ein Hinweis in eigener Sache: In den nächsten Tagen noch ein Kommentar zur Hallenhandball-Weltmeisterschaft! Also immer wieder mal den Sport-Grantler anklicken.

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