Fußball-Weltmeister aus Afrika?

von knospepeter

Während wir in Europa derzeit interessiert auf die Punktspiele im Fußball schauen, haben sie in Afrika und Asien ihren Kontinentalmeister ausgespielt. Die Elfenbeinküste und Australien konnten sich in die Siegerlisten eintragen. Sage niemand, das hätte hier in Europa keinen interessiert, zumindest die Vereinsvertreter haben mit Interesse, aber auch mit Bangen nach Äquatorialguinea und Australien geschaut, schließlich waren nicht nur viele Bundesliga-Stars am Start, sondern viele Spieler aus europäischen Ligen. Forderungen, dass Afrika und Asien deswegen wie Europa ihre Titelkämpfe auch im Sommer ausspielen sollten, verlaufen angesichts der klimatischen Bedingungen ins Leere.

Immer wieder taucht aber die Frage auf, wann es denn endlich mal einen Fußball-Weltmeister aus Afrika geben wird. Das aktuelle Turnier hat aber wieder einmal gezeigt, dass dies vorerst nicht der Fall sein wird. Der Fußball in Afrika war schon einmal weiter. Als immer mehr Talente von europäischen Teams entdeckt wurden, da keimte die Hoffnung auf, dass diese in Europa so viel lernen würden, um ihre Heimatnation mal an die Spitze des Weltfußballs zu führen. Doch dafür reichte die Breite nie, egal ob für Kamerun, Nigeria, Ghana, Südafrika oder die Elfenbeinküste. Die Afrikaner bestechen durch Spielfreude, ihre Leichtigkeit und Schnelligkeit, aber sie haben ihre entscheidenden Schwächen in der Disziplin, im taktischen Verständnis und in der Organisation. Die Organisation betrifft sowohl das Spielfeld, als auch das Drumherum. Bei einigen Ländern mag das besser geworden sein, aber im Großen und Ganzen ist es wie immer – chaotisch.

Es bleibt in Afrika wie es immer schon war: Die Politik spielt ebenso eine große Rolle wie Korruption. Die Verbandsfunktionäre zweigen das vorhandene Geld (Zuschüsse vom Weltverband!) für ihre private Zwecke ab, sind aber vielfach nicht in der Lage, eine funktionierende Struktur aufzubauen, Talente wären da, aber eine effektive Sichtung ist nur mit europäischer Hilfe möglich. Hier unterscheidet sich Afrika gravierend zum Beispiel von Südamerika. Erfolge, wie sie das wohl talentreichste Land der Welt, Brasilien, erzielt hat, wären vielleicht auch in Afrika möglich, wenn mehr Ernsthaftigkeit einkehren würde.

Chaotisch ist die Organisation, das beginnt schon beim Kontinentalverband CAF. Überschattet wurde das Turnier 2015 von der Ebola-Krise auf dem Kontinent und der Absage Marokkos, das sich aus Angst vor der Krankheit als ursprünglicher Ausrichter zurückgezogen hatte und als Quittung von der CAF bis 2019 gesperrt wurde. Äquatorialguinea sprang ein und stemmte das Turnier, wenn auch mit Haken und Ösen und vielen Mängeln. Zwei Skandale überschatteten das Turnier, einmal ein willkürlicher Schiedsrichter-Pfiff zugunsten der Gastgeber und im Halbfinale Zuschauer-Ausschreitungen beim 0:3 der Gastgeber gegen Ghana. Verlieren wollten sie in Äquatorialguinea nicht sein.

Beobachter waren insgesamt von der spielerischen Qualität enttäuscht. Bezeichnend wohl das Finale zwischen der Elfenbeinküste und Ghana mit viel Härte und ohne Tore. Wie schon so oft endete das Finale 0:0 nach 120 Minuten, das Elfmeterschießen gewann die Elfenbeinküste 9:8. Da wiederholten sich die Ereignisse von 1992, als die Ivorer zum letzten Mal den Titel geholt hatten, mit einem 11:10 nach Elfmeterschießen gegen Ghana, das jetzt schon 33 Jahre auf einen Titel wartet. Titelverteidiger Nigeria war frühzeitig auf der Strecke geblieben.

In Asien ging es ruhiger zu, wobei die Meisterschaft in Australien ausgetragen wurde. Australien wurde aufgenommen, weil es in seinem Kontinentalverband Ozeanien zu wenig gefordert wurde. Das haben die Asiaten davon! Südkorea (mit dem deutschen Trainer Uli Stielike) verlor im Finale in Sydney gegen die Gastgeber mit 1:2 nach Verlängerung. Aber weder Meister Australien, noch Südkorea oder der gescheiterte Titelverteidiger Japan haben die Qualität, um in nächster Zeit bei einer Weltmeisterschaft vorne mitzumischen. Erinnern wir uns: Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war Afrika mit Nigeria und Algerien wenigstens noch im Achtelfinale vertreten, Asiens Vertreter schieden sang- und klanglos als jeweils Gruppenletzte (Australien, Japan, Iran, Südkorea) ohne einen einzigen Sieg aus! Es wird in nächster Zeit keinen Fußball-Weltmeister aus Afrika oder Asien geben.

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