DFB und Jogi Löw: Keine Experimente

von knospepeter

Außenstehende mögen sich wundern, Insidern war die Vertragsverlängerung allerdings schon lange klar: Ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. (März nämlich), verlängerten der Deutsche Fußball-Bund und Bundestrainer Joachim Löw den Vertrag bis 2018. Der alte Kontrakt lief sowieso noch bis 2016, also bis nach der Europameisterschaft, aber beide Seiten wollten Ruhe haben, keine Diskussionen und vor allem keine Experimente.

Der DFB weiß, was er an Jogi Löw hat, durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 wurde er für eine Zeit lang unangreifbar. Da gilt das Motto: Was Besseres kommt nicht nach. Jogi Löw hat den Spielstil der Nationalmannschaft entscheidend verändert, er kommt bei Spielern und Öffentlichkeit offensichtlich gut an, die Suche nach einem Nachfolger wäre wohl anstrengender gewesen, als alles beim alten zu lassen. Eine Erfolgsgarantie gibt es weder mit Löw noch einem anderen, doch ein Nachfolger müsste die entsprechende Reputation erstmal gewinnen.

Joachim Löw selbst hat wohl sicherlich damit geliebäugelt, noch einmal einen Bundesliga-Verein zu trainieren oder einen europäischen Spitzenklub. Aber wirklich attraktive Stellen sind in absehbarer Zeit nicht frei. Es gab sogar Spekulationen, er könnte 2016 bei Bayern München dem Spanier Pep Guardiola nachfolgen. Aber Nachfolger von Pep zu sein ist nicht unbedingt ein Traumjob. Also lieber keine Experimente und etwas ruhigeres Arbeiten. Nach der WM 2018 wäre Löw auch noch keine 60 Jahre alt, ein Karriere-Abschluss in einem Verein also nicht ausgeschlossen.

Wichtig für den Verband ist ebenso die Vertragsverlängerung der „Löw-Bande“. Bis 2018 bleiben auch Co-Trainer Thomas Schneider (42), Torwart-Trainer Andreas Köpke und Chef-Scout Urs Siegenthaler (67). Manager Oliver Bierhoff unterschrieb sogar bis 2022 und hat sich damit aus diesem Zirkel etwas gelöst. Für ihn kommt als Sonderaufgabe die Leitung für den Aufbau der DFB-Akademie in Frankfurt zu. Für dieses Projekt hat er sich stark gemacht, diese Vertragsdauer ist also nur logisch. Wobei auch für Bierhoff zählt – keine Experimente!

„Keine Experimente“ gilt allerdings nicht für die Nationalmannschaft. Ganz im Gegenteil, da ist Jogi Löw gefordert. Die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 sollte für den Weltmeister eigentlich ein Kinderspiel werden, ist tatsächlich aber alles andere als ein Selbstläufer. Nach Rücktritten und Verletzungspech geriet das DFB-Team etwas außer Tritt und muss sich gewaltig steigern. Ende März rückt die Löw-Truppe wieder in den Blickpunkt, mit einem Freundschaftsspiel gegen Australien (25. März) und der Fortsetzung der EM-Qualifikation in Georgien (29. März). Dort muss ein Sieg her. Deutschland ist schließlich aktuell nur Dritter hinter Polen (10 Punkte) und Irland und vor Schottland (alle drei 7 Punkte). Alles ist also offen, aber die Aufgaben in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) werden kein Zuckerschlecken. Platz zwei reicht allerdings zur direkten Qualifikation, der Dritte muss in ein Play-Off.

Löw muss neue Spieler und neue Lösungen finden. Da darf man auf das erste Aufgebot im neuen Jahr gespannt sein und vor allem darauf, wie er die Zukunft angeht. Er könnte es mit der Dreierkette in der Abwehr probieren, da ihm geeignete Außenverteidiger sowieso fehlen. Für die neue Saison wird es wohl auch neue Kandidaten aus der U 21 geben, die zunächst erst einmal die Europameisterschaft im Sommer spielen soll. Erst danach könnte zum Beispiel auch Emre Can vom FC Liverpool ein Kandidat für die rechte Seite sein.

Zunächst also die EM-Qualifikation. Eigentlich ist es überheblich, wenn Trainer und Spieler schon über ihr Abschneiden beim Finalturnier in Frankreich fabulieren, aber noch gar nicht dort sind. Der Titel gilt als Ziel, man sollte darüber nicht vergessen, dass sich auch der Weltmeister qualifizieren muss. Auch für 2018 wird schon von einer erfolgreichen Titelverteidigung geträumt. Löw hat die Latte hochgelegt. Also: Keine Experimente, wir wollen Siege, Titel und keine Niederlagen!

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