Ein hausgemachter Abstieg beim Hamburger SV

von knospepeter

Er ist der Dino, das heißt, seit Start der Fußball-Bundesliga 1963 ist der Hamburger SV als einziger Überlebender noch dabei und noch nie abgestiegen. 52 Jahre wird der HSV nach Ende der Saison im Oberhaus verbracht haben. Doch es könnte am Ende der Saison das Ende der Herrlichkeit sein. In der ewigen Tabelle ist der HSV nach 51 Jahren mit 2588 Punkten noch Dritter hinter Bayern München (49 Jahre/3276) und Werder Bremen (50/2603). Die aktuelle Bilanz schaut dürftiger aus: Drittletzter mit 25 Punkten und gerade mal 16 Toren in 27 Spielen. Das sieht nach Abstieg aus.

Kommt es tatsächlich so weit, wird es ein hausgemachter Abstieg des Hamburger SV sein. Der HSV als typisches Beispiel des Ausdrucks „der Fisch stinkt vom Kopf her“. Seit Jahren schafft es die Vereinsführung nicht, den Klub in ruhiges Fahrwasser zu bringen und eine Mannschaft für die Zukunft aufzubauen. Vor einem Jahr ist man dem Tod (sprich Abstieg) gerade noch von der Schippe gesprungen, hat in der Relegation gerade mal mit zwei Unentschieden (0:0 zu Hause, 1:1 in Fürth, gewertet nach Europacupregel) gegen die SpVgg Greuther Fürth den Klassenerhalt geschafft. In der neuen Saison sollte alles besser werden. Zumindest sportlich ist nichts besser geworden.

Die letzten Jahre spielte sich zu Beginn einer Saison immer das Gleiche ab: Hoffnung, die Mannschaft angeblich verstärkt, der Europacup das Ziel. Am Ende Enttäuschung. Ein scheinbarer Aufbruch zu neuen Ufern auch in diesem Jahr, zumal die Organisationsstruktur verändert wurde: Die Fußball-Abteilung ausgegliedert, mit Dietmar Beiersdorfer ein neuer Kapitän, ein Hoffnungsträger, auf dem sinkenden Schiff. Geradezu tragisch, dass zuletzt wieder einmal eine hoffnungsvolle Zukunft an die Wand gemalt wurde: Millionen durch einen Sponsor sind avisiert, als neuer Trainer geistert das „Phantom“ Thomas Tuchel durch die Medien. Alle Welt reißt sich um ihn, RB Leipzig hat er abgesagt, Tuchel will nach seinem Sabbat-Jahr nicht in die 2. Liga. Es wäre ein Wunder, könnte er den HSV in der Bundesliga übernehmen.

15 Trainer in 10 Jahren

Zu oft griffen die HSV-Verantwortlichen in der Vergangenheit zum Allheilmittel der Vereine bei Misserfolg, dem Trainerwechsel. 15 Trainer waren es in den vergangenen zehn Jahren. In dieser Saison durften sich schon Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und jetzt Sportdirektor Peter Knäbel als Trainer versuchen. Besserung? Fehlanzeige. Zinnbauer stabilisierte die Abwehr, aber es fehlten Tore und Punkte. Knäbel wollte jetzt das spielerische Element stärken und führte das Team beim 0:4 in Leverkusen ins Verderben. Die Mannschaft ist keine Mannschaft: Kampflos, willenlos, führungslos. Zuvor waren einige Spieler für die kommende Saison bereits ausgemustert worden, jetzt sollen sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Ein grober Fehler von Beiersdorfer und Knäbel. Da hat auch der Klubboss erkannt: „Wenn wir uns so präsentieren wie am Samstag, werden wir keine Chance haben, die Klasse zu erhalten.“ Da winkt nicht mal die Relegation als letzte Rettung.

Das Restprogramm des HSV hat es in sich: Wolfsburg (zu Hause), Bremen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Freiburg (H), Stuttgart (A) und Schalke (H) sind die letzten Gegner. Immerhin sind zwei direkte Rivalen im Abstiegskampf dabei, aber auch Gegner, die nach Europa schielen. In einer Umfrage der Fachzeitung kicker sahen 83,7 Prozent der Leser Neuling SC Paderborn wieder als Absteiger, dahinter aber schon 43,2 Prozent den HSV und den VfB Stuttgart (42,6 Prozent) in der Relegation. Sie könnten Fachwissen bewiesen haben.

Ein hausgemachter Abstieg müsste nicht das Ende des HSV bedeuten. Er bedeutete einen Einschnitt in der Bundesliga-Geschichte, dass dann keiner der Gründervereine ewig die Klasse erhalten hätte. Viele kamen zurück, aber nicht alle. Es zeigt sich auch in diesem Jahr, dass der sofortige Weg zurück der Absteiger mit vielen Stolpersteinen bepflastert ist. Eintracht Braunschweig hat nur geringe, der 1. FC Nürnberg gar keine Chance mehr. Auf den Aufstiegsplätzen Ingolstadt und Kaiserslautern, der SV Darmstadt 98 ginge in die Relegation. Der HSV wäre glücklich, dürfte er da Gegner sein. Der Rettungsanker wird aber noch gesucht, der Abstieg wäre keine Überraschung mehr.

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