Formcheck Champions League

von knospepeter

Im europäischen Fußball beginnen die entscheidenden Wochen. Es geht nicht nur in den nationalen Meisterschaften um die Titel oder gegen den Abstieg, es geht vor allem um die Krone: Den Sieg in der Champions League. Das Viertelfinale steht an (ebenfalls in der Europa League), die besten Klubs Europas sind unter sich, jetzt ist jedes Spiel ein Schlagerspiel. Echte Nobodys gibt es nicht mehr, wer es unter die besten acht Vereine geschafft hat, muss einfach gewisse Qualitäten haben. Die große Frage: Geht der Fluch für den Titelverteidiger weiter oder schafft es Real Madrid das „Gesetz der Serie“ zu durchbrechen? Bisher schaffte es noch niemand, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Mit dem Lokalrivalen Atletico wartet ein gefährlicher Gegner. Der Sport-Grantler macht einen Formcheck für die Champions League.

Atletico Madrid – Real Madrid: Die Wiederholung des Finales vom Vorjahr, das Real nach zähem Kampf und Verlängerung mit 4:1 für sich entschied. Seitdem scheint Atletico eher schwächer geworden zu sein, doch der direkte Vergleich seit diesem Duell muss Real Angst und Schrecken einjagen: In sechs Derbys gewann Atletico viermal bei zwei Remis! Im Februar wurde Real mit 0:4 gedemütigt. Dem Kampfgeist von Atletico setzt Real spielerische Kunst entgegen, mit Modric-Kroos-James im Mittelfeld und „BBC“ im Angriff, nämlich Bale-Benzema-Cristiano Ronaldo. Die Schwächen hat Real in der Abwehr. Diese könnten in der nächsten Runde eher die anderen sturmstarken Mitfavoriten aufdecken. In zwei Spielen spricht mehr für Real, das sich zuletzt wieder in guter Form zeigte. Nur der Fluch des Titelverteidigers spricht gegen Real.

Juventus Turin – AS Monaco: Juve will die Ehre Italiens retten, Monaco ist der Überraschungsgast im Viertelfinale. Turin beherrscht die Meisterschaft in Italien, aber das will nichts heißen, das Niveau ist da nicht mehr so hoch wie früher. Monaco ist in Frankreich derzeit Dritter und hat sich mit knappen Siegen und Ergebnisse in der Champions League bisher als Minimalist gezeigt. Das dürfte also eine zähe Angelegenheit werden, aber die alte Dame Juve aus Italien kann auf ihre erfahrenen Stützen Buffon, Pirlo, Vidal und Tevez bauen und gilt deshalb als Favorit.

Paris St. Germain – FC Barcelona: Zweifellos das Schlagerspiel im Viertelfinale. Beide standen sich schon in den Gruppenspielen gegenüber, Barca siegte im letzten Spiel mit 3:1 (nach einem 2:3 im Hinspiel) und sicherte sich damit den Gruppensieg, was zum Vorteil des Rückspiels zu Hause führte. Ein Vorteil für die Spanier ist wohl auch, das Paris buchstäblich am Stock geht, mit David Luiz und Motta sind zwei Mannschaftsstützen verletzt, Ibrahimovic und Verratti fehlen im Hinspiel gesperrt. Nur Schadensbegrenzung wäre im Hinblick auf das Rückspiel für Paris aber zu wenig. Barcelona setzt vor allem auf den Angriff der Stars mit Messi-Suarez-Neymar. Gespannt sind wir in Deutschland, ob Marc-Andre ter Stegen weiterhin im Tor stehen darf, in der Torhüter-Rotation gehören Claudio Bravo ja die Ligaspiele, ter Stegen darf in Pokal und Champions League ran. Da aber griff er in Paris daneben… Wie auch immer, der Vorteil liegt bei Barcelona.

FC Porto – Bayern München: In Porto wird vor allem die Vergangenheit bemüht, um sich Mut zu machen. 1987 besiegte der FC Porto die Bayern im Finale mit 2:1 durch ein legendäres, düpierendes Hackentor. Porto träumt aber auch von 2004, als die Portugiesen sensationell den Titel gewannen. Doch auch Porto hat Verletzungsprobleme, Schaltstelle Tello fällt ebenso aus wie Torjäger Jackson. Die Bayern haben natürlich wesentlich mehr Ausfälle zu verzeichnen, neben Robben und Alaba werden wohl auch Ribery und Schweinsteiger zumindest für das Hinspiel nicht rechtzeitig fit. Das Häuflein der letzten, zuletzt in der Bundesliga nur 15 Aufrechten muss es wohl richten. Gefordert wird wieder Trainer Pep Guardiola, der ein Mittel gegen die konterstarken Portugiesen finden muss. Wir wissen, da haben die Bayern ihre Schwächen. Insofern kann sich der Außenseiter aus Porto als gefährlicher Gegner entpuppen.

Gespielt wird am 14./15. und 21./22. April. Halbfinale 5./6. und 12./13. Mai, Finale am 6. Juni in Berlin. Da träumen die Bayern von einer „Berliner Woche“, nachdem das deutsche Pokalfinale am 30. Mai in Berlin stattfindet.

Im Schatten der Champions League steht naturgemäß die Europa League. Auch hier steht das Viertelfinale am 16. und 23. April an. Letzter deutscher Vertreter ist der VfL Wolfsburg, der endlich wieder einmal dafür sorgen will, dass die Bundesliga auch in den entscheidenden Spielen noch vertreten ist. Nachdem die VW-Städter Inter Mailand rausgeworfen haben, steht die nächste italienische Hürde bevor, der SSC Neapel. Die Hürde dürfte auch ein bisschen höher sein, aber der Bundesliga-Zweite sollte gegen den Vierten der Serie A durchaus gute Chancen haben. Die ganz großen Namen sind in der Europa League nicht mehr dabei, Titelverteidiger FC Sevilla will wieder ins Finale, unmöglich ist da auch für Wolfsburg nicht. Das Finale findet am 27. Mai in Warschau statt.

Das Viertelfinale: FC Sevilla – St. Petersburg, Brügge – Dnipropetrowsk, Kiew – Florenz, Wolfsburg – Neapel.

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