Golf in Deutschland kämpft um Anerkennung

von knospepeter

Die Leute sollen über Golf reden, sie sollen sich an sportlichen Erfolgen im Golf freuen und sie sollen vor allem Golf spielen. So sieht die Wunschliste des Deutschen Golf-Verbandes aus, der zwar seit Jahren eine Zuwachsrate an neuen Spielern zu verzeichnen hat, aber Golf noch nicht aus dem Schatten einer Nischensportart führen konnte. 640.000 Spieler zählt der DGV, 728 Anlagen stehen zur Verfügung. Golf gilt in Deutschland aber noch als elitär, als teurer Sport und nicht als Breitensport. Die Vorurteile sind groß, das Interesse gering, das Wissen winzig. Bei einer Umfrage nach dem bekanntesten Golfspieler in Deutschland wurde Franz Beckenbauer genannt, der „Kaiser“, die Lichtgestalt des Fußballs.

So eine Lichtgestalt braucht Golf auch, um stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu gelangen. Bernhard Langer ist zwar eine Ikone, aber zu seiner Zeit stand Golf quasi erst am Anfang. Martin Kaymer könnte in seine Fußstapfen treten, war wie Langer sogar die Nummer 1 der Welt, gewann im letzten Jahr sensationell die US Open, aber zum Publikumsliebling reicht es nicht. Da müsste er schon jede Woche gewinnen. Das macht Bayern München im Fußball, der Welt-Klub, das hat im Golf nicht mal Tiger Woods geschafft. Aber so einen wie den amerikanischen Star wünscht sich das deutsche Golf.

Im Golf-Verband ist man andererseits schon glücklich, dass die Zahl der Spitzenspieler langsam größer wird. Alex Cejka ist zuletzt wieder aus der Versenkung aufgetaucht und hat sein erstes PGA-Turnier gewonnen, Marcel Siem lässt immer wieder mit spektakulären Turnieren aufhorchen. Dazu wollen einige Jungspunde auf europäischer Ebene angreifen, mit Maximilian Kieffer, Moritz Lampert, Florian Fritsch und Dominik Foos ist in absehbarer Zeit zu rechnen. Es sah schon einmal schlechter aus.

Der Ryder Cup als Hoffnung

In diesem Jahr könnten im deutschen Golf die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden. Es ist ein Jahr der Chancen. Aktuell stehen die Damen im Mittelpunkt, denn Deutschland, genauer der GC St. Leon-Rot, ist Gastgeber des Solheim Cup, dem weiblichen Pendant des Ryder Cup, einem Vergleich zwischen Europa und den USA. Vom 18. bis 20. September sollen nicht nur die Golfer ein Fest feiern. Mit Sandra Gal und Caro Masson machen sich auch die beiden deutschen Spitzenspielerinnen Hoffnungen zum Team Europa zu gehören und das Lokalkolorit zu stärken. Notfalls sollte ihnen die Kapitänin Carin Koch (Schweden) eine Wild Card zugestehen.

Der Solheim Cup lief also in Deutschland dem Ryder Cup den Rang ab, denn die deutsche Bewerbung für 2018 scheiterte. Doch jetzt gilt der Ryder Cup wieder als Hoffnung. Die Stimmung hat sich geändert, zumindest bei der Politik hat Golf an Bedeutung gewonnen, sind die Politiker zu Zugeständnissen bereit. So macht sich Deutschland Hoffnung auf das Turnier 2022, das in Bad Saarow in der Nähe von Berlin ausgetragen werden soll. Dieses Weltereignis könnte Golf in Deutschland endgültig zum Durchbruch verhelfen. Golf würde endlich als Spitzensport wahrgenommen werden.

Da könnten auch die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro helfen. Golf hat ja das Olympia-Comeback geschafft. Doch um hierzulande wirklich Aufmerksamkeit zu erfahren, müssten Kaymer, Gal oder Masson um die Medaillen kämpfen. Das würde einen erheblichen Rückenwind bedeuten.

Alle Augen auf Tiger Woods, nicht auf Kaymer

Doch zunächst steht einmal vom 9. – 12 April das erste Major-Turnier des Jahres an. Das Masters in Augusta (Georgia) ist die Mutter aller großen Turniere. Alle Augen sind dabei auf Tiger Woods gerichtet, denn der Star der Szene hat seine Teilnahme kundgetan. Die Spannung ist groß, sein Leistungsvermögen ein Rätsel. Zuletzt hat er krankheitsbedingt wieder pausiert, davor ließ sein malader Körper kein gutes Golf zu. Er wollte erst wieder in Erscheinung treten, wenn er sein bestes Golf zeigen kann. Kann er wirklich?

Über Tiger Woods reden alle, dagegen ist Martin Kaymer der Nobody. Die deutsche Hoffnung ließ im letzten Jahr mit großen Erfolgen aufhorchen, doch 2015 ist er noch nicht in Schwung gekommen. Es muss ihm einen Knacks gegeben haben, als er ein Turnier mit zehn Schlägen Vorsprung anführte – und verlor. Zuletzt schaffte er zweimal den Cut nicht, Kaymer ist nicht in Form und in Augusta konnte er noch nie glänzen. Ginge es nicht um Golf, bei dem die These gilt, alles ist möglich, würde man zu Kaymer sagen, nichts ist möglich.

Da macht sich Altmeister Bernhard Langer schon eher Hoffnungen auf eine gute Platzierung. Der zweimalige Masters-Sieger spielt im Alter fast noch besser als in den früheren Jahren. Er dominierte zuletzt die Champions Tour der Senioren und war im letzten Jahr in Augusta im Vorderfeld zu finden. Doch wenn es um eine gute Zukunft des deutschen Golfs geht, dann kann die nicht mehr mit Bernhard Langer verbunden werden. Das müssen schon Kaymer und Co. richten. Gesucht wird eine Lichtgestalt.

Die weiteren Major des Jahres: US Open 18. – 21. Juni in University Place/USA, British Open 16. – 19. Juli in Fife/GBR, PGA Championship 13. – 16. August in Kohler/USA.

Deutschland hat zu bieten: BMW Open 25. – 28. Juni in München-Eichenried, European Open 24. – 27. September in Bad Griesbach, Senior Open 10. – 12. Juni in Schwerin.

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