Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga

von knospepeter

Die Fußball-Saison läuft, eigentlich könnte man sich entspannt zurücklehnen und die Spiele verfolgen. Doch Entspannung ist in Corona-Zeiten nicht angesagt, deshalb macht man eine andere Beobachtung: Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga!

Bevor es um die Probleme im Sport geht, steht die Angst vor Covid-19 an erster Stelle. Die Angst vor der Infektion, dass der ganze Spielbetrieb in Schieflage geraten könnte, inzwischen auch die Angst vor falschen Tests in den Laboren. Es kann ja nicht nur sein, wie zuletzt geschehen, dass Spieler falsch positiv getestet werden, es könnte ja auch sein, dass es falsche Negativtests gibt und das Virus unbemerkt verteilt wird und eine kleine Katastrophe auslösen könnte. Ein ständiger Begleiter ist in diesen Monaten auch die Angst vor den leeren Stadien, verbunden mit der Angst vor dem finanziellen Desaster. Die Sehnsucht nach vollen Stadien und gewohnter Atmosphäre ist groß, doch in absehbarer Zeit wird es bei dieser Sehnsucht bleiben. Es ist fast schon fahrlässig, dass ein Verein wie Union Berlin vor 4500 Zuschauer spielt, nur weil er sich als der „etwas andere Klub“ präsentieren will. Verantwortungsbewusst ist das nicht, die Gefahr der Infektion lauert nicht in erster Linie im Stadion, sondern bei der Anfahrt und im Umfeld.

Was besonders bedrückt, ist die Angst davor, dass es sogar zu einem Abbruch der Saison kommen könnte. In dieser Woche läuft die von der Bundesregierung vorgegebene Testphase für die Bundesliga aus. Wie werden die Politiker entscheiden? Hat die Bundesliga überzeugt? Mit einem Blick auf die Infektionszahlen wird es vorerst wohl zumindest keine Zuschauer mehr in den Stadien geben. Eine einheitliche Regelung ist auch Utopie, zumal die örtlichen Gesundheitsämter meist sowieso das letzte Wort haben. Corona bremst weiter die Freude, schürt die Angst.

Aber auch sportlich geht natürlich die Angst um. Frag nach bei Schalke. Die Niederlagenserie nimmt schon beängstigende Ausmaße an. Gut, von einem Derby-Sieg in Dortmund konnte man in der derzeitigen Situation wirklich nicht ausgehen, aber jede Niederlage macht das künftige Siegen noch schwerer und immer wieder fällt nach 21 sieglosen Spielen der Blick auf Tasmania Berlin, die Mannschaft, die als Sinnbild der Verlierer in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingegangen ist, nämlich in der Saison 1965/66 mit 31 Spielen ohne Sieg. Kein Trost auf Schalke, dass Köln auch schon bei 15 sieglosen Spielen steht, kein Trost, dass Mainz als Schlusslicht immer noch ohne Punktgewinn ist.

Bei Schalke und Mainz haben die Trainerwechsel keinen wirklichen Umschwung gebracht. Gerade Schalke hätte vielleicht nicht den Taktiker Manuel Baum gebraucht, sondern eher einen Stimmungsmacher, der Schwung in die Bude bringt, wie früher Christoph Daum oder Peter Neururer. Oder einen Felix Magath, der die Spieler über glühende Kohlen laufen lässt und dann versichert, Niederlagen schmerzen mehr. Sinn der Sache: Der Kopf spielt die Hauptrolle, die Gedanken müssen wieder frei sein, die Zuversicht darf keine Fata Morgana sein. Was aber bleibt, neue Chancen am nächsten Spieltag und lustigerweise auch Angst bei den Gegnern, denn keiner will der Erste sein, der zum Ende der Durststrecke verhilft. Also stehen Stuttgart gegen Schalke und Augsburg gegen Mainz auch unter besonderem Druck. Die Bayern wiederum wird das beim Gastspiel in Köln kaum kratzen, eher wird Köln auf den 6. November schauen, da geht es nach Bremen.

Wenn es um die Angst in der Bundesliga geht, dann spielt allerdings auch Bayern München eine Rolle. Wieder einmal natürlich die Angst vor einem erneuten Alleingang des Serienmeisters nach acht Titeln in Folge. Die 1:4-Niederlage bei Hoffenheim machte der Konkurrenz Hoffnung, die Antwort der Bayern, zuletzt ein 4:1 in Bielefeld, 4:0 gegen Atletico Madrid und 5:0 gegen Frankfurt weniger. Zwangsläufig fallen wieder Rekorde, 22 Tore nach fünf Spieltag gab es noch nie, ebenso Robert Lewandowskis zehn Treffer zu diesem Zeitpunkt. Gegen Atletico war es der zwölfte Erfolg in der Champions League in Serie – neuer Rekord! Tusch auch für den 700. Heimsieg in der Bundesliga, logisch – gab es noch nie. Die Freude der Münchner trübt die Verletzung von „Roadrunner“ Alphonso Davies, da wird auch ein David Alaba wieder mal links verteidigen müssen. Nachlassen dürfen sie auch nicht, die Hetzjagd geht weiter mit vier Auswärtsaufgaben in zwölf Tagen bis zur Länderspielpause, bei Lokomotive Moskau, in Köln, in Salzburg und dann das Schlagerspiel in Dortmund. Na ja, irgendwelche Bestmarken werden schon nach abfallen.

Logisch, dass Trainer Hansi Flick auf Rotation bzw. Schonung bedacht ist, allerdings im kleinen Rahmen. Die Neuzugänge Sarr und Costa durften ihr Startelfdebüt feiern, Torjäger Lewandowski ging vorzeitig vom Platz. Flicks Credo, Wechsel vor der 75. Minute, „bevor es richtig weh tut“. Na ja, weh tut es eher den Gegnern… Aber bitte, ist ja noch gar nichts gegen das 13:0 von Ajax Amsterdam beim VVV Venlo. Das gefällt vielen in den Niederlande nicht, denn es schadet dem Ruf, dass die Eredivesie eine starke Liga ist. Aber Ajax ist immerhin Tabellenführer, die Bayern nicht, der RB Leipzig lässt nicht nach, hangelte sich zum 2:1 über die Hertha. Bleibt die Angst, dass sich das noch ändern wird.