Die Eishockey-Cracks träumen sogar vom WM-Titel!

von knospepeter

Wer sich im Eishockey auskennt und die Überschrift liest, der wird im ersten Moment poltern: „Sind die denn übergeschnappt?“ Nein, das sind die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nicht, aber seit dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea zeigen sie ein neues Selbstbewusstsein. Ging es früher nur gegen den Abstieg, so werden die Ziele heute höher gehängt. „Es ist alles möglich“, heißt es vor der Eishockey-Weltmeisterschaft in Riga/Lettland, die am Freitag beginnt und am 5. Juni mit dem Finale endet. Trotz allem wäre es erneut eine Sensation, wenn Deutschland im Endspiel vertreten wäre.

Die Corona-Pandemie hat auch die Eishockey-Welt ganz schön durcheinander gebracht. So fiel bekanntlich die WM vor einem Jahr aus, so dass Finnland als Weltmeister von 2019 diesmal der Titelverteidiger ist. Weil es überall wegen der Pandemie Terminprobleme in den nationalen Ligen gab, wurde die Austragung der WM weit nach hinten gelegt, so dass Eishockey fast zur Sommersportart wird. Von einer Hitzewelle scheinen die Cracks laut Wetterbericht allerdings verschont zu bleiben. Gespielt wird nur in Riga, nachdem der Internationale Verband dem vorgesehenen Co-Veranstalter Weißrussland die Spiele wegen politischer Unruhen und Verstößen gegen die Menschenrechte wieder entzogen hat.

Bis die Teams überhaupt in Riga landen konnten, mussten sie alle einen Parforceritt durch ihre nationale Meisterschaften überstehen. Auch in der DEL begann die Punktrunde erst kurz vor Weihnachten, wurde der Spielplan verdichtet und vor den ebenfalls verkürzten Play-Offs waren 14 Spiele in 29 Tagen zu absolvieren. Immerhin gab es im Gegensatz zum letzten Jahr mit den Eisbären Berlin einen Meister, mit ihrem achten Titel wurden die Eisbären sogar Rekordchampion. Wie immer zu WM-Zeiten wird in Übersee in der NHL sogar noch gespielt, der Kampf um den Stanley-Cup geht vor und er beeinträchtigt auch das DEB-Team, denn neben Superstar Leon Draisaitl und Dominik Kahun (beide Edmonton) fehlen auch der überragende Torhüter Philipp Grubauer (Colorado) und Stürmer Nico Sturm (Minnesota). Talent Tim Stützle erhielt von seinem Verein in Ottawa keine Freigabe. Wegen Corona, aber auch, weil sie nach einer strapaziösen Saison einfach müde waren, sagten einige Stammspieler Bundestrainer Toni Söderholm ab.

Der 43jährige Finne hat dafür sogar Verständnis, was ihm leicht fällt, weil er einfach glücklich ist, nach rund eineinhalb Jahren endlich wieder richtig arbeiten zu können und weil er trotz allem eine starke Mannschaft aufs Eis schicken kann. Aus der NHL kommt Tobias Rieder (Buffalo) aus den Farmteams u. a. Tom Kühnhackl, der Sohn der Legende Erich Kühnhackl. Große Hoffnungen ruhen aber vor allem auf Verteidiger-Talent Moritz Seider (Rögle), der in Schwedens Top-Liga für Furore sorgte und zusammen mit Leon Gawanke (Manitoba) ein Ass in Überzahlsituationen sein soll. Überhaupt ist der Blick vorwärts gerichtet, Trainer und Spieler sind der Meinung ein offensivstarkes Team aufs Eis zu bringen und deshalb heißt das Motto: Angriff auf die Weltelite! Kapitän Moritz Müller (Köln) verrät, warum: „Bei der letzten WM haben wir Finnland in der Vorrunde geschlagen, dann wurden sie Weltmeister. Das zeigt, dass alles möglich ist.“

Zum Kreis der Favoriten gehört Deutschland natürlich nicht, es sind die alten Bekannten wie Russland, Kanada, Schweden und Titelverteidiger Finnland, doch ist im Vorfeld kaum auszumachen, wie stark die einzelnen Nationen wegen Corona und Quarantäne besetzt sind. Bei Italien, erster Gegner Deutschlands am Freitag (15.15 Uhr), fallen zum Beispiel 15 Spieler wegen Corona aus. Fraglich auch, wie die Teams mit den strengen Hygienevorschriften klarkommen. Bei Ankunft gab es zwei Tage Einzel-Quarantäne, bevor die Teams (einige Tage noch getrennt von anderen Mannschaften im Hotel) aufs Eis durften. Die Vorbereitung ist wohl alles andere als ideal. Insofern sind Überraschungen Tür und Tor geöffnet. Gastgeber Lettland hat den Vorteil, dass einige Zuschauer in die beiden Spielhallen dürfen, aus dem Ausland durften aber keine Fans anreisen.

Die 16 Nationen spielen zunächst in zwei Gruppen, die jeweils besten vier Teams qualifizieren sich für das Viertelfinale am 3. Juni. In der Gruppe B mit Deutschland gelten Kanada, Finnland und die USA als erste Anwärter auf das Viertelfinale, das DEB-Team streitet sich wohl mit Gastgeber Lettland und Norwegen um den vierten Platz, außerdem dabei die Außenseiter Italien und Kasachstan. In Gruppe A spielen Russland, Schweden, Tschechien, Schweiz, Slowakei, Dänemark, Weißrussland und Großbritannien.

Die Spiele des DEB-Teams: Freitag, 21. Mai, 15.15 Uhr, Italien. Samstag, 11.15 Uhr, Norwegen. Montag, 19.15 Uhr, Kanada. Mittwoch, 15.15 Uhr, Kasachstan. Samstag, 29., 19.15 Uhr, Finnland. Montag, 31., 15.15 Uhr, USA, Dienstag, 1. Juni, 19.15 Uhr, Lettland. Das Viertelfinale wird am Donnerstag, 3. Juni, gespielt, Halbfinale am Samstag, 5. Juni, Finale am Sonntag, 6. Juni, um 19.15 Uhr. In Deutschland überträgt Sport1 alle deutschen Spiele und die Endspiele im Fernsehen live.