Jogi und Pep: Die Fehler der großen Trainer

von knospepeter

Das Finale der Champions League liegt hinter uns, die Fußball-Europameisterschaft vor uns. Veranstaltungen, welche die Fans elektrisieren, Spiele, über die sich trefflich diskutieren lässt. Bewährungsproben aber vor allem für die Trainer. Joachim Löw und Pep Guardiola gehören zur kleinen Spezies der großen, vor allem erfolgreichen Trainer, aber sie sind vor Fehlern nicht gefeit. Bei beiden ist es eklatant: Ihre Fehler kosteten ihren Mannschaften Titel!

Augenscheinlich war dies wieder beim Finale der Champions League in Porto. Pep Guardiola konnte aus seiner Haut nicht raus, er wollte gegen seinen Taktik-Freund Thomas Tuchel wieder etwas Besonderes bieten – und scheiterte kläglich. Er hat frühere Fehler wiederholt und seinem Team eine andere Einstellung verordnet wie gewohnt im Liga-Alltag. Das schien ihm nicht genug für eine Finale, doch in der Liga war Manchester City erfolgreich. Im Finale in Porto gegen Chelsea London erwies sich vor allem als Rohrkrepierer, dass der Spanier seinen zuletzt offensiv erfolgreichen Mittelfeldstar Ilkay Gündogan auf die Sechs zurückzog.

Thomas Tuchel vertraute lieber auf Gewohntes, sogar auf Chancentod Timo Werner, aber es ging gut, dank Kai Havertz, der 80-Millionen-Einkauf von Bayer Leverkusen bewies, dass Geld Tore schießt ( aber es war sowieso das Duell Geld gegen Kohle) und erzielte mit seinem ersten Tor in der Champions League einen geschichtsträchtigen Treffer. Damit sorgte Havertz vor allem dafür, dass Glanz auf alle deutschen Trainer fiel, denn zum dritten Mal in Folge führte ein deutscher Coach sein Team zum Gewinn des Henkelpotts. 2019 war es Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool, 2020 Hansi Flick mit Bayern München und jetzt eben Thomas Tuchel.

Wobei sein Werdegang in dieser Saison fast wie ein Märchen anmutet. Nach der Niederlage im letzten CL-Finale mit Paris Saint Germain gegen die Bayern und einem schwachem Start nach ungewohnten Strapazen und Verletzungspech angeschlagen, wurde er ausgerechnet an Weihnachten entlassen. Wenig später heuerte ihn Chelsea London an, nachdem dort Ikone Frank Lampert als Trainer nicht so erfolgreich war wie als Spieler. Tuchel stabilisierte das Team, führte es in der Premier League auf Platz vier (und damit in die CL) und landete zudem noch den großen Triumph, der zweite von Chelsea nach 2012 (Leidtragender damals der FC Bayern). So glücklich gehen bekanntlich Märchen aus. Tuchel war offensichtlich auch begeistert, dass wieder Fans im Stadion sein durften und heizte die Stimmung kräftig an.

Pep Guardiola aber muss sich wie ein Hofnarr gefühlt haben. Die Welt schwärmt immer wieder von seinen Mannschaften, mit dem FC Barcelona trumpfte er auf, gewann 2009 und 2011 die Champions League. Bayern München machte er danach national zu einem Überflieger, die Bayern spielten damals den schönsten Fußball aller Zeiten, doch in den drei Jahren mit Pep gelang nie der Sprung ins CL-Finale. Denkwürdige Fehler vom Coach bleiben in Erinnerung. Und jetzt versucht es der Spanier schon fünf Jahre lang mit Manchester City, diesmal schien der Erfolg greifbar nahe, doch Pep machte wieder seinen alten Fehler und vercoachte das Team zur Niederlage. Gefreut haben sich dagegen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund, die neben Chelsea als Gewinner hervorgingen. Leverkusen, weil es noch etliche Millionen Euro Nachschlag für den Erfolg von Kai Havertz bekommt, Dortmund, weil die Borussia damit in Topf zwei für die nächste CL-Auslosung bleibt und so die Chance auf ein Überstehen der Gruppenphase steigen.

Zur Info: Topf 1 (Meister): Chelsea London (CL-Siegere), Villarreal (EL-Sieger), Manchester City, Atletico Madrid, Bayern München, Inter Mailand, Lille, Sporting Lissabon. – Topf 2: Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin, Paris SG, Manchester United, Liverpool, FC Sevilla, Dortmund. In Topf 3 stehen u. a. fest FC Porto, Ajax Amsterdam, RB Leipzig, Bergamo, Zenit St. Petersburg. In Topf 4 befindet sich der VfL Wolfsburg mit dem AC Mailand.

Ein neuer Jogi Löw für die EM

Bundestrainer Joachim Löw steht in einigen Tagen vor seiner letzten großen Bewährungsprobe. Der 61-Jährige gibt danach sein Amt ab und will seine Karriere im Nationalteam sicherlich glorreich beenden. Zuletzt hatte der Weltmeister-Coach von 2014 ja viel von seiner Reputation verloren, mit der Pleite bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland und schlechten Länderspielen. Seine Pläne, u. a. mit der Erneuerung des Kaders, gingen nicht auf. Jetzt präsentiert sich im Trainingslager der Nationalmannschaft ein neuer Jogi Löw. Er strahlt Kraft und Motivation aus, zeigt sich lernfähig. Genug Fehler hat er ja gemacht, mit einem Wirrwarr an Vierer- und Dreierkette, mit unverständlichen personellen Entscheidungen. Jetzt nimmt er Rat an und lässt zum Beispiel Standards trainieren. Deutschland kassierte zu viel und profitierte vor dem gegnerischen Tor zu wenig. Das kann bei der EM zu einem Schlüssel für Erfolg werden.

Das Trainingslager in Seefeld in Tirol verläuft nicht ohne Hindernisse. Aus dem 26-Mann-Kader standen nur 20 zur Verfügung. Immerhin kommt jetzt das Chelsea-Trio mit Rückenwind zum DFB-Team und die Frage der Quarantäne scheint geklärt zu sein. Diese hat auch Toni Kroos beendet, so dass Löw bald richtig loslegen kann. Erster Test ist am Mittwoch in Innsbruck gegen Dänemark, es folgt am Montag, 7. Juni, in Düsseldorf der letzte Probelauf gegen Lettland. Danach erfolgt wegen der Quarantäne-Bestimmungen ohne Heimaturlaub der Umzug ins EM-Quartier nach Herzogenaurach. Mal sehen, ob Löw und seine Kritiker danach optimistisch auf die EM schauen können bzw. wo es hakt.

Im nationalen Profi-Fußball fielen die letzten Entscheidungen. Der 1. FC Köln wollte doch nicht die 2. Bundesliga zusätzlich bereichern, sondern gewann die Relegation mit Zittern gegen Holstein Kiel. Nach der 0.1-Heimspielniederlage war der Druck groß, doch ein fulminanter Start bei den „Störchen“ sorgte für die Wende. Nach drei Minuten war der Rückstand ausgeglichen, nach 13 Minuten führte Köln 3:1 (alles Kopfballtore!) und die Weichen waren gestellt. Hier hat ein Trainer keine Fehler gemacht, sondern das richtige Mittel gefunden: Friedhelm Funkel kann mit einem großen Erfolg in Rente gehen. Die Kieler mussten ihrem Mammutprogramm von 11 Spielen in 37 Tagen Tribut zollen. Aber nicht in Kiel, sondern in Köln folgte am Sonntag eine Entlassung: FC-Manager Horst Heldt muss gehen, der Klassenerhalt überdeckte nicht mehr die Unzufriedenheit im Verein. Heldt hatte dazu nur eine Antwort: „In Köln überrascht mich nichts mehr“.

In der Relegation zur 2. Bundesliga setzte sich der FC Ingolstadt gegen Osnabrück durch, im dritten Anlauf hat der Aufstieg endlich geklappt. Die Relegation als Nachlese zur Punktrunde zeigte sich aber wieder einmal als Erfolg, mit Spannung ähnlich wie im Pokal. Auf diese Zugabe sollte man nicht verzichten.

Bei den Frauen immer Wolfsburg

Eine Zugabe gab es auch für den VfL Wolfsburg bei den Frauen. Die Wölfinnen können ja aus eigener Kraft den Meistertitel nicht mehr erfolgreich verteidigen. Aber im Pokal bleiben sie eine Macht. Das Finale gegen Eintracht Frankfurt bot alles, was das Fußballherz begehrt, einschließlich eines Platzverweises. Nationaltorhüterin Almut Schult agierte in der 96. Minute zu hart und ungestüm und musste vom Platz. Ausgerechnet in Unterzahl gelang dann dem VfL in der 118. Minute durch Pajor der Siegtreffer. Es war für Wolfsburg der erste Titel der Saison, aber der elfte Pokalerfolg in Folge! Und welch glorreicher Abschied für Trainer Stephan Lerch, der Junioren-Trainer bei der TSG Hoffenheim wird: Seit seinem Amtsantritt 2017 verlor mit „seinen“ Frauen kein einziges Pokalspiel!

Die letzte große Entscheidung im Frauen-Fußball fällt am Sonntag. Bayern München führt in der Bundesliga mit zwei Punkten und 23 Toren Vorsprung vor Wolfsburg, so dass im letzten Spiel ein Unentschieden reicht. Gegner ist ausgerechnet Eintracht Frankfurt. Die Mannschaft steht also im Blickpunkt, die Eintracht darf also gleich im ersten Jahr nach der Übernahme der Frauen vom 1. FFC Frankfurt mit der Aufmerksamkeit zufrieden sein. Die Hessinnen hatten Wolfsburg ein Angebot gemacht: „Lasst uns den Pokal, wir holen euch die Meisterschaft!“ Was nun? Wie viel Mumm haben die tapferen Frankfurterinnen noch, die auf Kapitänin Pawollek wegen Verletzung verzichten müssen. Die Bayern-Mädchen haben keine Angst: „Wir lassen uns auf den letzten Metern den Titel nicht mehr nehmen, wie sind gut drauf.“ Dumm nur, dass ausgerechnet vor dem letzten Spieltag die Punktrunde durch das Pokalfinale unterbrochen wurde. Das hätte man doch sicherlich anders regeln können.