Der Fußball sorgt für beste Unterhaltung

von knospepeter

War es Zufall, ein vorzeitiges Frühlingserwachen oder der Konkurrenzkampf mit Olympia? Auffallend, dass der Fußball in der Bundesliga am vergangenen Wochenende beste Unterhaltung bot, so, als wollten die Klubs den Zuschauern mit Blick auf die Olympischen Winterspiele sagen: „Schaut her, wir bieten die bessere Show“! Auffallend jedenfalls, dass es in den Kommentaren bei den Fernsehübertragungen fast in jedem Spiel hieß „ein unterhaltsames Spiel“ oder „ein außergewöhnliches Spiel“. Bezeichnend: Meist wurde der Weg nach vorne gesucht, Offensiv-Geist gegen olympischer Geist.

Viel haben offensichtlich die Zuschauer beigetragen. Sie durften zwar nur in begrenzter Zahl in die Stadien, aber machten müde Spieler munter. Das war zum Beispiel beim FC Augsburg zu spüren, der seine Misserfolgsserie von fünf Spielen mit einem 2:0 gegen Union Berlin beendete. Power war ebenso zu sehen wie ein neuer Zusammenhalt und am Ende gab es Partystimmung im Stadion. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben, die Bundesliga als schönes Erlebnis. So können die Fans wieder in die Stadien gelockt werden, nachdem mit der Corona-Pandemie auch eine gewisse Fußball-Müdigkeit festzustellen war.

Viele Kritiker weisen immer darauf hin, dass die Bundesliga einen spannenden Titelkampf braucht, um gute Unterhaltung zu bieten. Pustekuchen, der Kampf an der Spitze ist nur ein Teil, die Spiele und die Leistungen müssen locken, dazu gibt es in allen anderen Tabellenbereichen heiße Kämpfe und Spannung ist bis zum Schluss garantiert. Außerdem: Nicht die Bayern sind schuld, dass es an der Spitze meist langweilig ist, sondern eigentlich die Konkurrenz. Dortmund hat es wieder bewiesen beim Fehltritt gegen Bayer Leverkusen, das mit Leistungen wie beim 5:2 ein ernsthafter Konkurrent der Münchner sein könnte, doch wie in Dortmund oder Leipzig fehlt halt die Konstanz. Leipzig forderte den Meister in einem Offensivspektakel, das auch 6:4 oder 9:6 statt 3:2 hätte ausgehen können. Die Partie Dortmund – Leverkusen stand dem kaum nach. Also: Die Bundesliga bietet beste Unterhaltung.

Und was die Spannung angeht: Mal sehen, wie die Bayern ohne Manuel Neuer bestehen, der zuerst den Rekord von seinem Boss Oliver Kahn mit 310 Bundesligasiegen einstellte und sich dann unters Messer begab, er wurde am Knie operiert und hat mehrere Wochen Pause. Und mal sehen, ob in der Zeit Erling Haaland Dortmund wieder in Schwung bringt.

Eine der interessanten Fragen der Liga ist auch, ob die Nobodys im Vorderfeld weiterhin mithalten. Hoffenheim schwächelt schon mit drei Niederlagen am Stück, Union verlor ohne Max Kruse (Wolfsburg siegte mit Kruse), bei Freiburg gibt es derzeit ein Auf und Ab. Da hat sich Leverkusen auf Platz drei schon abgesetzt (schon wieder ein Alleingang?!) und Leipzig zeigt an, dass die Champions League das Ziel bleibt. Das Geschehen bleibt interessant, hat Unterhaltungswert.

Weckruf in Augsburg und Wolfsburg

Der ist natürlich auch im Abstiegskampf gegeben. Der Weckruf in Augsburg und Wolfsburg setzt vor allem den VfB Stuttgart unter Druck, mit sechs sieglosen Spielen in Folge (davon fünf Niederlagen) hat er jetzt die längste Misserfolgsserie. Ehrenwert, dass Sportdirektor Sven Mislintat Trainer Pellegrino Matarazzo nicht in Frage stellt („Notfalls gehen wir beide in die zweite Liga!“), aber Vorstandsboss Thomas Hitzelsperger bringt Feuer rein, er klagt die Spieler an, sucht da die Schuld. In Leverkusen wird kaum der Befreiungsschlag gelingen, also warten auf das nächste Heimspiel gegen Bochum. Wenn nur nicht der Rückstand zum Relegationsplatz (jetzt vier Punkte) zu groß wird.

Das Aufbäumen des FCA hat sich noch nicht auf die Tabelle ausgewirkt, da auch Wolfsburg nach elf sieglosen Spielen wieder gewann, Schlusslicht Fürth war wieder einmal Kanonenfutter. Das war zuletzt nicht immer so, also sollte sich Hertha BSC nicht sicher sein, dass der Alten Dame jetzt auch der Befreiungsschlag gelingt. Das Unentschieden gegen Bochum beseitigte ebenso wie für Gladbach das 1:1 in Bielefeld die Zweifel nicht. Bei beiden rätselt man, „wie gut oder schlecht sind wir eigentlich?“. Gladbach bekommt es am Samstag mit Augsburg zu tun, im Hinspiel gab es eine 0:1-Niederlage, da rutschte Gladbach auf Rang 16 ab! Der Samstag wird die Richtung weisen.

Also bitte, die Spannung bleibt und was den Unterhaltungswert angeht, da will auch die 2. Bundesliga nicht zurückstehen. Vor allem die Traditionsklubs, die sich eigentlich in der ersten Liga sehen, sorgten für Furore. Der HSV siegte bei Tabellenführer (!) Darmstadt mit sage und schreibe 5:0, Torjäger Robert Glatzel steuerte vier Treffer bei und sorgte mit einem Hattrick in den ersten 13 Minuten für die Einstellung des Frühstart-Rekords. Schneller war keiner in der 2. Liga. Schalke (2:1 gegen Regensburg) und Bremen (2:1 gegen Karlsruhe) mussten mehr bangen, aber die drei Klubs machen Darmstadt und St. Pauli auf den Aufstiegsplätzen die Hölle heiß. Die zweite Liga bietet an der Tabellenspitze die Spannung, die die Fans gern auch im Oberhaus hätten. Die ersten sechs (Sechster ist Heidenheim) liegen gerade mal zwei Zähler auseinander. Beste Unterhaltung ist garantiert.

Goldige Geschichten

Die Olympischen Winterspiele bieten ebenfalls den Sportfans und Außenstehenden genug Gesprächsstoff. Doch die Frage um Menschenrechte und weitere Verfehlungen der Regierung sollten zugunsten des Sports mal Pause haben, da war die Politik über Jahrzehnte nicht erfolgreich. Und das die uigurische Langläuferin Dinigeer Yilamujiang zusammen mit einem Kombinierer die olympische Flamme entzünden durfte, war nichts anderes als ein Zeichen der Regierung, die der Welt eine lange Nase drehte nach dem Motto, „ihr könnt uns gar nichts“.

In Sachen Sport war die deutsche Mannschaft in den ersten Tagen bereits erfolgreich. Katharina Althaus sorgte mit Silber im Skispringen gleich für gute Laune, sie selbst hat sich, nachdem sie nach dem ersten Durchgang geführt hatte, über Silber „geärgert und gefreut gleichzeitig“, denn Gold wäre möglich gewesen. Hätte sie ein bisschen später springen dürfen, wären die Bedingungen besser gewesen. Der Mann an der Startampel war ein Slowene, Gold und Bronze gewannen Springerinnen aus Slowenien – na so was…

Dafür gab es zwei Überraschungssieger. Rodler Johannes Ludwig zählte sich eigentlich schon zu den ständigen Verlierern, als ihm jetzt mit 35 Jahren der große Coup gelang – Gold. Er verbesserte von Lauf zu Lauf den Bahnrekord und war fast eine Klasse für sich. Das war in den letzten Jahren Felix Loch, diesmal blieb ihm nur der vierte Platz. Es sollte nicht die einzige Medaille bei Bob und Rodel bleiben.

Die Biathleten konnten in diesem Jahr noch nicht überzeugen, aber vielleicht haben sie sich alles für Peking aufgehoben. Zumindest die Trainingsplanung von Denise Herrmann hat gestimmt. „In Peking will ich in Form sein“, hat sie schon am Anfang der Saison gesagt, doch zuletzt überwogen die Zweifel, aber gleich im ersten Einzelrennen klappte alles, „es war ein perfektes Rennen“. Nur ein Fehlschuss (weil auch der Wind gnädig war, trotzdem gab es viele Fehlschüsse der Favoritinnen) und eine gute Laufzeit sorgten für die Goldmedaille. Überraschung pur! Vanessa Voigt wurde nach ihrem Staffel-Dilemma mit Strafrunden sensationell Vierte – und das in ihrer ersten Weltcup-Saison. Denise Herrmann aber ist nach Susi Erdmann (Rodel und Bob) erst die zweite Athletin, die in zwei Sportarten Olympia-Medaillen gewann. 2014 in Sotschi holte sie mit der Langlauf-Staffel Bronze. Später wechselte sie zum Biathlon und ist hier noch erfolgreicher, Peking hat es bewiesen. Eine goldige Geschichte mit bestem Unterhaltungswert.