Die Spiele zum Vergessen werden ewig in Erinnerung bleiben

von knospepeter

Das Feuer ist erloschen, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking sind vorbei. Wie immer bei solchen Großveranstaltungen gab es Gewinner und Verlierer, selten ist, dass Gewinner gleichzeitig auch Verlierer sein können. Das ist zum Beispiel bei China der Fall, das Austragungsland wurde vorher schon angesichts von Menschenrechtsverletzungen und Raubbau an der Natur heftig kritisiert, blieb aber stur, präsentierte bestens organisierte Spiele mit immer freundlichen Volunteers, hervorragenden Wettkampfstätten und kämpfte erfolgreich gegen die Corona-Pandemie. Das Virus kam der chinesischen Führung gerade recht, es gab einen willkommenen Grund, das Ausland auszusperren (keine Zuschauer), Olympia lebte in einer Blase, es gab Sport in Käfighaltung, die eigene Bevölkerung feierte die Spiele vor dem Fernseher. Es waren durch die Begleitumstände Spiele zum Vergessen, aber gerade deshalb werden sie ewig in Erinnerung bleiben und das IOC muss seine Hausaufgaben machen, damit es eine Wiederholung in so einem politischen Umfeld nicht mehr gibt. Die nächsten Spiele zeigen hoffentlich wieder Olympia mit Seele und Atmosphäre, 2024 im Sommer in Paris und 2026 im Winter in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

Es ist doch traurig, wenn es bei den Sportlern (immer Frauen und Männer) heißt, „nichts wie weg“ (zu Hause dürfen sie wieder alles sagen). Die Blase hatte zur Folge, dass an den Wettkampfstätten kaum Stimmung herrschte. „Wir Athleten haben uns die Stimmung selber gemacht“, erzählte Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger. Die gigantischen Sportstätten imponierten, aber der Blick auf die braunen Hügel, die als Wintersportstätten dienten, machten einen traurig. Richtige Berge gehören zum Wintersport. Ohne Rücksicht auf die Natur wurden hier Rennstrecken in die Natur gepfercht und wochenlang künstlich beschneit, mit Wasser, das ansonsten als rares Gut gilt. Hier muss das IOC ansetzen, keine Spiele mehr in Diktaturen mit Menschenrechtsverletzungen, keine Eingriffe mehr in die Natur und hauptsächlich müssen die Sportstätten auch für eine spätere Nutzung gebaut werden. In den Hügeln um Peking werden wohl wieder Ruinen entstanden sein, auch wenn die Regierung davon spricht, dass China ein Wintersportland geworden ist und es schon Millionen von Wintersportbegeisterten gibt.

China hat einen Beweis, dass es eine Wintersportnation geworden ist: Rang drei in der Nationenwertung hinter Norwegen und Deutschland (und vor den verhassten USA). Doch mit welchen Mitteln wurden diese Erfolge erkauft? Vor vier Jahren landete China noch auf Rang 16 mit einer Goldmedaille, jetzt gab es gleich neun Goldmedaillen. Corona bestimmte den Sport, das Dopingproblem geriet fast in den Hintergrund, wenn da nicht der Skandal um die 15.jährige Eiskunstläuferin Kamila Walijewa gewesen wäre. Die Russin wurde der Einnahme verbotener Substanzen überführt, durfte aber dennoch starten. Sie zerbrach aber am Druck der Kritik. Die Sportler des russischen NOK (Russland als Land ist ja gesperrt) waren überraschend erfolgreich, aber mal sehen, was nach weiteren Überprüfungen der Dopingproben später ans Tageslicht kommt, den Erfolgen ist nicht zu trauen und der Fall Walijewa zeigt, dass die einzig richtige Strafe für die Dopingvergehen der Russen vor allem in Sotschi 2014 eine echte Sperre gewesen wäre.

Wie immer bei Olympia gab es Favoritenstürze und erfolgreiche Medaillensammler. Spiele zum Vergessen waren es vor allem für US-Skistar Mikaela Shiffrin, der man mehrere Goldmedaillen zugetraut hatte, die aber als gestürzter Star leer ausging. Das Gegenstück war die Chinesin Eileen Gu, in San Francisco geboren, mit amerikanischer Mutter und chinesischen Vater. Seit drei Jahren startet die Ski-Freestylerin für China und das 18-jährige Model ist hübsch und intelligent, lässt sich aber von der Politik als Vorzeigechinesin vereinnahmen. Zweimal Gold und einmal Silber steuerte sie zum Erfolg der Chinesen bei und gilt bei den chinesischen Mamas als Traumvorbild für die eigenen Töchter. Erfolgreichste Medaillensammlerin war aber die norwegische Biathletin Marte Olsbu Röiseland mit fünf Medaillen, das hatte vor ihr noch keine Biathletin geschafft. Viermal Gold und einmal Bronze hat auch ihr Landsmann Johannes Thingnes Bö im Gepäck. Norwegen ist nicht nur eine Nation der Langläufer, sondern offensichtlich auch der Biathleten.

Deutschland kann eigentlich mit den Erfolgen zufrieden sein. Platz zwei in der Nationenwertung ist mehr als erwartet, zwölfmal Gold ebenso. Ein Blick hinter die Medaillen macht aber deutlich, dass nur die Sportler im Eiskanal die Bilanz geschönt haben. Allein neunmal Gold gab es für Rodler, Bobfahrer und im Skeleton. Biathlon, nordisch Kombinierer und Langläuferinnen steuerten den Rest bei. Zwei Sportarten waren also erfolgreich, fünf dagegen nicht. Eisschnell- und Eiskunstlauf sind derzeit zum Vergessen, Curling, Shorttrack und Eishockey enttäuschten. Sinnbildlich: Eishockey reiste mit breiter Brust nach Peking und flog zersaust und gerupft wieder heim.

Für die Zukunft könnten Bob und Langlauf Vorbild sein. Die Bobfahrer fuhren 2014 noch komplett hinterher, jetzt dominierten sie die Konkurrenz. Es wurde in allen Bereichen super gearbeitet, vor allem in der Entwicklung der Schlitten, die derzeit die besten der Welt sind. Im Langlauf baute Trainer Peter Schlickenrieder zielgerichtet über Jahre hinweg auf und erntete jetzt den Lohn mit Gold an seinem Geburtstag. Katharina Hennig und Victoria Carl waren mit ihrem Sieg Langlauf-Sprint die deutsche Sensation der Spiele. Also heißt es für die anderen: Nachmachen!

Die Bayern geben Rätsel auf

Spiele zum Vergessen gab es auch im Fußball. So blamierten sich die Bundesligisten in der Champions- und Europaleague, es gab keinen Sieg. Vor allem Borussia Dortmund war beim 2:4 gegen die Glasgow Rangers vollkommen von der Rolle, aber auch Leipzig gegen San Sebastian hätte man mehr als ein 2:2 zugetraut und die Bayern kamen nach schwacher Leistung und großem Glück gerade mal zu einem 1:1 in Salzburg. Die Bundesliga ist in der UEFA-Rangliste gerade mal Fünfter in dieser Saison, insgesamt ist der vierte Platz aber nicht gefährdet, obwohl Frankreich derzeit stärkste Nation ist.

Immerhin haben sich Dortmund und Leipzig in der Bundesliga für die Rückspiele in Laune geschossen. Vor allem die Borussia bleibt bei ihrem Auf und Ab und konterte mit einem 6:0 gegen Mönchengladbach. Kapitän Marco Reus schürt die Hoffnung für Donnerstag in Glasgow: „Da werden wir anders auftreten“. Muss wohl auch so sein. Gladbach dagegen erlitt einen Rückfall im Abstiegskampf und zeigte sich wieder verunsichert. Der Schlüssel zum Erfolg wird noch gesucht.

Ein Rätsel geben auch die Bayern auf. Der Meister ist von seiner Bestform meilenweit entfernt, wirkt verunsichert und zeigt nicht seine gewohnte Dominanz. Das kann doch nicht am Ausfall von Torhüter Manuel Neuer liegen. Allerdings fehlt der Schwung von Alphonso Davies, dafür wirkt der 80-Millonen-Mann Hernandez als Unsicherheitsfaktor in der Abwehr und Kimmich ist weit weg von seiner Bestform. Was nun, Jürgen Nagelsmann? Der Trainer macht selbst den Eindruck, dass er nicht weiß, wie er die Abwehrschwächen abstellen soll. Gegen Fürth wurde nach Rückstand eine Pleite noch abgewendet, aber das darf man gegen das Schlusslicht auch erwarten. Aber souverän waren die Bayern nicht. Ständiger Systemwechsel sorgt nicht für Sicherheit.

Im Abstiegskampf ist die Verunsicherung naturgemäß besonders groß, sie wird gern mit starken Sprüchen überdeckt. „Wir sind über dem Strich, dort werden wir auch bleiben“, will Trainer Tayfun Korkut von Abstiegsgefahr für Hertha BSC nichts wissen. Das 1:6 gegen Leipzig sagt aber anderes aus. An dem Tag ging aber auch alles schief: Sechs Corona-Ausfälle im Vorfeld, der als Abwehrstabilisator geholte Kempf musste frühzeitig mit Rot vom Platz. Jetzt geht es nach Freiburg, das wird nicht viel leichter. „Wir haben es noch immer geschafft“, tönt es auch aus Augsburg. Damit haben sie recht, haben sich schließlich seit dem Aufstieg 2011 behauptet und waren schon in einer prekäreren Lage. Die Leistungen sagen allerdings anderes aus, die gute Spiele sind zu selten. Am Sonntag kommt Dortmund und die Frage ist, wer ist wie in Form, im Auf oder Ab? Den Relegationsplatz hält der FCA nur, weil der VfB Stuttgart nicht ins Rollen kommt. Darauf wartet Trainer Pellegrino Matarazzo und erhält dafür einen Nackenschlag nach dem anderen. Das 1:1 gegen Bochum war eine gefühlte Niederlage mit einem dummen Gegentor kurz vor Schluss und dem Verlust von Hoffnungsträger Silas, der nach überstandener Verletzung mit einer Schulterluxation für den Rest der Saison ausfällt. Für die Rettung sind aber Punkte nötig, so wie es Bielefeld gegen Union beim 1:0 vormachte. Ein bisschen mehr Abstand nach unten und viel Hoffnung. Das gibt mehr Sicherheit als starke Sprüche.