Die Fußball-Woche der Demaskierungen

von knospepeter

Der Brei hat den DFB-Delegierten nicht mehr geschmeckt, der Koch ist weg (siehe nächster Blog „Ein Koch verdirbt den Fußball-Brei“). Die erhoffte Revolution hat beim Bundestag am Freitag in Bonn stattgefunden, doch dies kann nur der Anfang sein, der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf ist mit weiteren Aufräumarbeiten gefordert. In Bezug auf Strippenzieher Rainer Koch fand eine Demaskierung statt, wie es überhaupt eine Fußball-Woche der Demaskierungen war.

Die wichtigste Weichenstellung fand beim DFB statt, wobei man als neutraler Beobachter skeptisch ist. Hat Bernd Neuendorf nicht ein bisschen eine Ähnlichkeit mit FIFA-Präsident Gianni Infantino? Wenn er auch dessen Großmannssucht hat, dann wird es nichts mit einem neuen DFB. Koch zumindest hat sich selbst ein Bein gestellt und sein treuer Gefährte Ronny Zimmermann, Mann der Amateure im Präsidium, tat es ihm (treu ergeben) gleich. Es hat ja schon was von einem Eigentor, dass ausgerechnet Kochs Bayern die Wissenschaftlerin Silke Sinning nominierte, die dann anstelle von Koch mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde. Mit der Nominierung gaukelte Koch Demokratie vor, nach dem Motto, „eine Gegenkandidatin macht mir nichts aus, ist ja ohne Chance“. Dann machte er den Fehler, den Delegierten ins Gewissen zu reden, „haltet Euch an die Abmachungen und wählt mich“. Koch verhaspelte sich, Silke Sinning brachte die Mehrheit mit klarer Ansage hinter sich. Da half es nicht, dass Zimmermann laut Süddeutsche Zeitung noch am Vorabend die Reihen schließen wollte mit einem Brief, dass Sinning ja nur vorgeschlagen wurde, um den Vorwurf von undemokratischem Verhalten zu entkräften und man möge sich doch bitte an die Absprachen halten und Koch wählen“. Demokratie sollte also nur vorgegaukelt werden! Die Demaskierung war perfekt!

Die Revolution beim DFB wird auch dadurch deutlich, dass gleich fünf Frauen ins neue Präsidium gewählt wurden. Die stärkste Position hat wohl Heike Ullrich als neue Generalsekretärin (bisher interimsmäßig), bekanntestes Gesicht ist Ex-Nationalspielerin Celia Sasic als Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität. DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen ist Kraft ihres Amtes dabei, zudem Sabine Mammitzsch als Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball. Erste Aufgabe wird es aber sein, dass Vertreter aus dem neuen Präsidium auch die internationalen Aufgaben bei UEFA und FIFA wahrnehmen. Dort haben Koch und Peter Peters, der Neuendorf klar unterlag, nichts mehr zu suchen.

Demaskiert hat sich auch ein weiterer Funktionär und zwar Nasser Al-Khelaifi, Scheich aus Katar, Geldgeber und Präsident von Paris St. Germain. Sein größter Wunsch – und dafür investierte er viele Millionen Euro – ist der Gewinn der Champions League, doch am Mittwoch schied Paris mit einem 1:3 bei Real Madrid nach dem 1:0 im Hinspiel schon wieder vorzeitig aus. Die Wende kam durch einen Leichtsinnsfehler von Torhüter Donnarumma, der den Ball zu lässig behandelte, von Benzema mit hartem, aber regelkonformen Einsatz gestört wurde und so Paris den Ausgleich im Spiel ermöglichte. Plötzlich wachte Real auf, Benzema erzielte innerhalb von 17 Minuten einen Hattrick und ist mit 34 Jahren jetzt der älteste Spieler, der das in der CL schaffte. Der PSG-Präsident sah aber nicht in Donnarumma, sondern in Schiedsrichter Danny Makkelie (Niederlande) den Schuldigen, weil er kein Foul pfiff. Gemeinsam mit Manager Leonardo stürmte er angeblich sogar die Schiedsrichter-Kabine und bedrängte Makkelie. Ein unmöglicher Vorgang, der von der UEFA hart mit Berufsverbot bestraft werden muss, aber auch eine deutliche Demaskierung des Scheichs. Millionen für Mbappé, Neymar und Messi hat er in seinen Augen wohl sinnlos weggeschmissen. Ein besseres Gefühl hatten die Fans, die protestierten gegen Al-Khelaifi und pfiffen beim Spiel gegen Bordeaux Neymar und Messi aus. Paris bleibt als Trostpreis nur noch der nationale Meistertitel, nachdem PSG auch im Pokal schon ausschied. Andere Sorgen hat im internationalen Fußball Chelsea London, dort hat die Regierung die Gelder von Investor Roman Abramovich wegen seiner Nähe und zu Kriegstreiber Putin eingefroren und Chelsea einen Sparkurs auferlegt. So steht sogar der Fortbestand des Vereins auf der Kippe!

Corona beschäftigt die Bundesliga

Eine Art Demaskierung hat es auch in der Bundesliga gegeben und zwar im Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Statuten müssen wohl überarbeitet werden, denn Spielabsagen und Spielzwang sind nicht ganz eindeutig und verständlich erklärbar. So durfte Mainz nach Dortmund jetzt auch gegen Augsburg pausieren, weil angeblich keine den Statuten nach einsatzfähige Mannschaft zur Verfügung stand. Doch ging alles mit rechten Dingen zu? Der FCA wollte am Sonntag spielen, da waren Mainzer Spieler wieder gesund. In der 2. Bundesliga musste dagegen Düsseldorf trotz Corona-Ausbruch in Paderborn spielen, meldete einen Torhüter als Feldspieler und erreichte mit einem dezimierten Kader immerhin ein 1:1. Ein schaler Beigeschmack blieb aber.

Eine Corona-Schwächung musste auch schon Bayern München überstehen, doch dass es in der Bundesliga jetzt erstmals unter Jürgen Nagelsmann zwei Spiele hintereinander ohne Sieg gab (jeweils 1:1 gegen Leverkusen und bei Hoffenheim) hatte nichts mit der Pandemie zu tun. Dazwischen gab es ja das 7:1 gegen RB Salzburg, als sich zuvor schon ein bisschen Unsicherheit nach dem 1:1 im Hinspiel breitgemacht hatte. Aber da spielte Bayern den geschwächten und unerfahrenen Gegner an die Wand und Lewandowski holte sich den Rekord mit dem schnellsten Hattrick aller Zeiten in der Champions League (genauso beeindruckend die Rettungsaktionen von Coman und Sané). So wollten die Bayern gegen Hoffenheim weitermachen, doch diesmal traf nur der Torjäger einmal, ansonsten wurden die besten Chancen zunichte gemacht. Was nun Bayern? Gewinnt Dortmund am Mittwoch im Nachholspiel in Mainz schmilzt der Vorsprung auf vier Punkte. Die Liga hätte mal wieder die ersehnte Mini-Spannung. Dortmund hat auch mit Ausfällen zu kämpfen, zeigt sich aber robust. Aber bleibt das so?

Spannender bleibt auf jeden Fall der Abstiegskampf und da gab es einen Knüller. Das Hertha-Trainer Tayfun Korkut nach der 0:2-Niederlage in Gladbach nicht zu halten war, war jedem klar. Doch wer hätte auf den Trainer-Rentner Felix Magath als seinen Nachfolger getippt? Wahrscheinlich sollte es ein prominenter Name sein, damit Investor Lars Windhorst zufrieden ist. Die Verpflichtung ist eine Art Demaskierung oder eben der Griff nach dem letzten Rettungsanker. Laut kicker tauchten schon im Vorfeld viele Namen auf, doch es hagelte für Hertha und Fredi Bobic nur Absagen. Egal, ob Friedhelm Funkel, Lucien Favre, Roger Schmidt oder Niko Kovac. Jetzt also Magath, schon mal Meister-Trainer und Abstiegsretter, zuletzt aber eher ein Ritter der traurigen Gestalt, nichts klappte, egal ob in China oder Würzburg. Erste Aufgabe ist ausgerechnet gegen die erfolgreichste Mannschaft der letzten Woche, die TSG Hoffenheim. Nach der Länderspielpause wird es nicht leichter in Leverkusen und im Derby gegen Union.

Hertha hofft auf einen Aufwind, wie in der VfB Stuttgart zu verzeichnen hat, der auch bei Union punktete. Sosa und Sasa (Kalajdzic) sind die Lebensversicherung, wenn sie gesund bleiben. Die nächsten Duelle sind wegweisend, gegen Augsburg und am 2. April in Bielefeld. Den Augsburgern geht es ähnlich, zuerst Stuttgart, danach Wolfsburg und nach dem Zwischenspiel bei den Bayern das Duell mit der Hertha. Es ist dann Ostern und da weiß man bei vielen Klubs wie der Hase läuft.

International laufen auch in dieser Woche Champions League und Europa League. Aus der Bundesliga wollen Leverkusen und Frankfurt die nächste Runde erreichen, allerdings mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Die Eintracht steht nach dem 2:1-Sieg bei Betis Sevilla mit einem Bein im Viertelfinale, darf sich aber nicht zu sicher sein. Leverkusen hat ein doppeltes Handicap, einmal die 2:3-Niederlage in Bergamo, dann noch der Schock vom Sonntag mit der Verletzung von Talent und Dampfmacher Florian Wirtz. Er fällt mit einem Bänderriss für den Rest der Saison aus. Da könnte nach dem 0:1 im Derby gegen Köln auch der erneute Einzug in die CL in Gefahr geraten. Die Verfolger Leipzig, Freiburg und Hoffenheim liegen nur einen Punkt zurück und haben das bessere Momentum für sich.

Interesssant wird der Freitag mit den Auslosungen in den internationalen Wettbewerben, aber auch mit dem ersten Länderspielaufgebot von Bundestrainer Hansi Flick in diesem Jahr. Auch er wird Wirtz vermissen. Die einzigen Testspiele in diesem Jahr gibt es am Samstag, 26. März, gegen Israel und am Dienstag, 29. März, in den Niederlanden.

Vorher wird es aber auch beim Sport-Grantler noch interessant mit einem Blog zur neuen Saison der Formel 1 in dieser Woche. Die alte endete mit einem Skandal, die neue beginnt mit Sicherheit mit Demaskierungen. Da heißt es nämlich Maske ab: Wie stark sind die neuen Renner?