Frauen-EM: Der Anfang soll nicht das Ende sein

von knospepeter

Bühne frei für die Fußball-Frauen! Die Männer machen im Sommer Platz und so wird die Europameisterschaft der Frauen im Juli zum Fußball-Höhepunkt im Sommer. Da passt es, dass wegen Corona die EM um ein Jahr verschoben werden musste, da passt es, dass England der Ausrichter ist. Das Land nämlich, in dem der Frauen-Fußball eine immer bedeutendere Rolle spielt und viele Fans anzieht. Von 700.000 Karten sind bereits über 500.000 verkauft, das Finale am Sonntag, 31. Juli (18.00 Uhr), in Wembley wird zum besonderen Erlebnis. Im Gegensatz zur umstrittenen WM der Männer im Winter in Katar gibt es für die EM der Frauen nur positive Schlagzeilen.

Der Frauen-Fußball braucht die große Bühne (in Deutschland zum Beispiel viele Live-Übertragenen zur besten Sendezeit in ARD und ZDF), denn er kämpft nach wie vor weltweit um mehr Anerkennung. Teilerfolge wurden erzielt, wie in den USA und Spanien zum Beispiel, wo die Frauen genauso viel verdienen sollen wie die Männer. Andererseits geht es den Mädchen in erster Linie gar nicht ums Geld, sie wollen einfach mehr Anerkennung und in ihrer Organisation mehr Professionalität, dabei soll national auch die Männer-Bundesliga helfen. Die großen Vereine sollen sich auch um die Frauen kümmern.

1984 wurde erstmals eine Europameisterschaft der Frauen ausgetragen, Sieger war Schweden. Von 1987 bis 1997 wurde die EM alle zwei Jahre ausgetragen, ab da alle vier Jahre, jeweils im Jahr nach der EM der Männer, um im Zyklus den großen Turnieren der Männer aus dem Weg zu gehen. Bestimmt wurden die EM-Turniere von Deutschland, das acht Mal Europameister wurde und von 1995 bis 2009 immer siegte, dazu kamen die Titel 1989, 1991 und 2013. Norwegen gewann 1987 und 1993, die Niederlande überraschend 2017 und sind damit Titelverteidiger.

Die Dominanz hat Deutschland verloren, der Frauen-Fußball hat sich international sportlich stark entwickelt und da ist das DFB-Team leider nicht mehr ganz mitgekommen. Zuletzt verpasste der Olympiasieger von 2016 sogar die Qualifikation für Olympia und bei der letzten EM und WM kam das Aus im Viertelfinale. Der Spannung ist es allerdings dienlich, dass es inzwischen einen großen Kreis von Favoriten-Teams gibt. Von den 16 Nationen, aufgeteilt in vier Gruppen, wird der Hälfte der Titelgewinn zugetraut, vor allem England als Gastgeber und Spanien, das vielleicht die größten Fortschritte gemacht hat, aber auch Norwegen, Dänemark, Schweden, Frankreich, natürlich Titelverteidiger Niederlande und ein kleines bisschen auch Deutschland.

Ein Blick auf diese Mannschaften zeigt, dass es das DFB-Team in der Gruppe B mit Dänemark, Spanien und Finnland als Außenseiter schwer hat, nur zwei Mannschaften ziehen ins Viertelfinale ein. Erster Gegner ist am Freitag (21.00 Uhr/ZDF) ist Dänemark, gegen das Deutschland vor vier Jahren im Viertelfinale 1:2 unterlag. Jetzt muss aber ein Sieg her, denn Spanien (Dienstag, 12.7., 21.00 Uhr/ARD) gilt als noch stärker und zum Abschluss folgt Außenseiter Finnland (Samstag, 16.7., 21.00 Uhr/ZDF). Das erste Spiel, in einem Turnier eher gern als leichter Einstieg gesehen, muss also gewonnen werden, der Anfang soll schließlich nicht das Ende sein, die EM nach zwei Spielen nicht abgehakt. Wobei es mit den schweren Aufgaben weitergeht, denn im Viertelfinale droht Gastgeber England. Der eröffnet auch das Turnier am Mittwoch (21.00 Uhr/ARD) gegen Österreich.

Trotzdem ist die deutsche Mannschaft mit Optimismus nach England gereist. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, seit 2018 im Amt und als Spielerin vier Mal Europameister, sagt selbst, dass sie die Mannschaft jetzt besser kennt („Wir hatten praktisch drei Jahre Vorbereitungszeit“) und ihr Ziel ist klar: Sie will auch als Trainerin den Titel gewinnen. Die Mannschaft ist eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen, schmerzlich fehlen die verletzte Dszenifer Marozsan und die schwangere Melanie Leupolz. Aber auch mit Däbritz, Oberdorf und Magull gilt das Mittelfeld als Glanzstück, Schwächen sind eher in der Abwehr auszumachen, wo im Tor Merle Frohms die langjährige Stammkraft Almuth Schult nach deren langen Schwangerschafts- und Verletzungspause als Nummer 1 abgelöst hat. Ein Trumpf könnte eine starke Auswechselbank sein, eine Stärke die Frische und Energie der Mannschaft, die in drei Trainingslagern zu einer echten Einheit zusammengewachsen ist. In Herzogenaurach war man bestens untergebracht, am Sonntag bezog die DFB-Elf ein nobles Quartier im Londoner Stadtteil Brentford, in der Nähe, im Community Stadium, startet für Deutschland am Freitag das Turnier. Das könnte dabei die Startelf sein: Frohms – Gwinn, Hendrich, Hegering, Rauch – Däbritz, Oberdorf, Magull – Huth, Schüller (Popp), Bühl.

Das Aufgebot insgesamt: Tor: Merle Frohms (Frankfurt), Almuth Schult (Wolfsburg), Ann-Katrin Berger (Chelsea). – Abwehr: Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne (beide Frankfurt), Giulia Gwinn, Marina Hegering (beide Bayern), Kathrin Hendrich, Felicitas Rauch (beide Wolfsburg). – Mittelfeld/Sturm: Svenja Huth, Lena Lattwein, Lena Oberdorf, Alexandra Popp, Tabea Waßmuth (alle Wolfsburg), Klara Bühl, Linda Dallmann, Sydney Lohmann, Lina Magull, Lea Schüller (alle Bayern), Nicole Anyomi, Laura Freigang (beide Frankfurt), Jule Brand (Hoffenheim), Sara Däbritz (Paris St. Germain).

Bayern und der Maulwurf

Am Montag hat als letzter Bundesligist auch Meister Bayern München das Training aufgenommen. Doch von den alten Stammspielern waren nur drei dabei, die strapazierten Nationalspieler haben je nach Einsätzen noch bis 8. oder 12. Juli Urlaub. Bei der Arbeit war aber Trainer Julian Nagelsmann, der in der letzten Woche für die Schlagzeilen sorgte und den „FC Hollywood“ wieder zum Leben erweckte. Er enthüllte im Urlaub auf Ibiza selbst das Geheimnis, dass er neuerdings neu liiert ist. Die Frau an seiner Seite sorgte allerdings für Aufregung: Bild-Reporterin Lena Wurzenberger mit dem Hauptaufgabengebiet – Bayern München. Bild verkündete „Julian Nagelsmann liebt Bild-Reporterin“ danach allerdings auch fettgedruckt, dass man die Reporterin „mit sofortiger Wirkung von der Berichterstattung über den FC Bayern entbunden habe“.

Dies ist Privatsache von Nagelsmann, doch die Frage stellt sich, ob da in der Vergangenheit der „Maulwurf“ zu finden ist, der den Bayern seit Jahren zu schaffen macht. Einzelheiten aus Verein und vor allem Mannschaft tauchen immer wieder im Boulevard-Blatt auf. Anschließend nämlich auch die Meldung über das Lewandowski-Theater mit dem Hinweis „Bild weiß, was Bayern zum neuen Barca-Angebot sagt“. Das Spielchen um Lewandowski geht übrigens weiter, in allen Medien. Der Barca-Präsident ruderte allerdings ein bisschen zurück und zeigte sich „geehrt“, dass der Pole nach Barcelona will. Es bleibt dabei, dass Barca erst die finanziellen Voraussetzungen schaffen muss, um überhaupt Verstärkungen zu verpflichten. Lewandowski könnte doch zu der Erkenntnis kommen, dass er noch ein Jahr lang in München besser aufgehoben ist.

Am Freitag steht übrigens nicht nur die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Fokus, sondern der Blick richtet sich auch in die Schweiz. Am Freitag soll im Verfahren Blatter/Platini von der Schweizer Justiz das Urteil gesprochen werden. Im Rahmen der Verhandlung und der Zeugenaussagen, erhärtete sich allerdings der Verdacht, dass es um Ränkespiele in der FIFA geht und Gianni Infantino nur zum Präsidenten gewählt werden konnte, weil die Schweizer Justiz mithalf, den Franzosen Michel Platini zu stoppen. Könnte sein, dass die Affäre jetzt erst richtig beginnt, mit seriösen Ermittlungen, weil die Schweizer Justiz wohl ihren Ruf retten will. Dies unabhängig davon, wie der Richterspruch lautet.