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Bayern und die Meister-Elf: Die Prognosen für die 18 Bundesligisten

Jetzt geht es am Freitag wirklich los in der Fußball-Bundesliga. Es geht gleich Schlag auf Schlag, Start ist mit einer englischen Woche, in der auch die Vorrunde abgeschlossen wird. Zehn Spieltage am Stück stehen bis Mitte März auf dem Programm, zusätzlich sorgen DFB-Pokal und europäische Wettbewerbe bei einigen Vereinen für Stress. Jetzt müssen also die Karten offengelegt werden, wer die lange Pause wirklich genutzt hat. Mit Hoffnungen gehen wohl alle Klubs in die Punktrunde, doch manche Hoffnungen werden auch trügerisch sein. Der Sport-Grantler schaut auf die 18 Bundesligisten. Die Prognosen:

Bayern München (34 Punkte): Im doppelten Sinne geht es um die Meister-Elf! Die Bayern stellten zehn Jahre hintereinander die Meister-Elf, jetzt wollen sie auch den elften Titel, also die Meister-Elf. Großes Handicap der Ausfall von Torhüter Manuel Neuer, auch Hernandez fehlt, für den Blind als Ersatz kam. Neuer konnte bisher nicht ersetzt werden, die Gerüchte verdichten sich, dass doch noch Yann Sommer aus Gladbach kommt, was teuer wird. Nübel kommt jedenfalls nicht. Sven Ulreich traut man nicht die Klasse für die Champions League zu. Trainer Nagelsmann fordert zumindest einen starken Ersatz für Ulreich, in der zweiten Reihe stehen nur unerfahrene Kandidaten. Für die Konkurrenten heißt es: Die Bayern haben Probleme, wann wollen sie ihre Chance nutzen, wenn nicht jetzt!

SC Freiburg (30): Die Schwarzwälder sind erster Verfolger, bleiben sich aber selbst treu. „Wir denken von Spiel zu Spiel, mal schauen, was raus kommt“, sagt Trainer Christian Streich. Es braucht Durchhaltevermögen, aber ein Platz in Europa sollte drin sein, die Champions League wäre eine große Überraschung.

RB Leipzig (28): Trainer Marco Rose und seine Schützlinge sehen sich als erste Bayern-Herausforderer. Welch ein Timing, dass es gleich mit dem direkten Duell am Freitag in Leipzig losgeht. Gewinnen die Hausherren, ist die Jagd eröffnet. In Frage Form fischt man leider bei beiden Klubs im Trüben.

Eintracht Frankfurt (27): Der Sieger der Europa League gilt als eine Art Geheimfavorit, er könnte sein erfolgreiches Jahr 2022 jetzt mit dem Einzug in die Champions League krönen. Die Klasse hat die Eintracht, den Schwung auch. Vielleicht reicht es sogar zum Bayern-Herausforderer.

Union Berlin (27): Hier gilt ähnliches wie bei Freiburg, der zweite Außenseiter im Konzert der Favoriten, nach der beeindruckenden Vorrunde heißt es durchhalten. Es wäre keine Überraschung, ginge es ein paar Plätze nach unten.

Borussia Dortmund (25): Wieder einmal fehlt die Konstanz, nach teilweise beeindruckenden Leistungen blieb bisher doch nur Platz sechs. Jetzt ist Haller wieder gesund, seine Tore könnten für den Auftrieb sorgen. Die Champions League ist Pflicht (Freiburg/Union aufgepasst!). Unruhe gibt es um die Vertragsverlängerung von Talent Moukoko. Erster Gegner ist Augsburg.

VfL Wolfsburg (23): Lange Zeit klappte es unter dem neuen Trainer Niko Kovac nicht, doch irgendwann fanden Mannschaft und Trainer zusammen und es ging aufwärts, in Leistung und in der Tabelle. Was ist noch möglich? Die Hürden werden höher, Europa ist aber das Ziel. Einer von mehreren Kandidaten allerdings. Brisant der Start gleich gegen Freiburg.

Borussia Mönchengladbach (22): Anderer Verein, aber gleiche Probleme, gleicher Verlauf wie in Wolfsburg. Einzige Ausnahme: Trainer Daniel Farke kam gleich gut an, der Erfolg blieb aber aus. Unruhe im Verein durch Gerüchte um Spielerwechsel, Sommer und Thuram sind im Gespräch, aber noch da.

Werder Bremen (21): Der Neuling bzw. Rückkehrer kann zufrieden sein, Platz neun ist mehr als erwartet, der Abstand zur Abstiegszone ist groß und wenn Torjäger Niclas Füllkrug nicht noch ein unanständiges Angebot bekommt, sollte es eine ruhige Rückrunde im Mittelfeld geben.

FSV Mainz 05 (19): Auch in Mainz gilt das Ziel, sich den Abstiegskampf vom Leibe zu halten, das sollte gelingen, da haben andere Vereine mehr Probleme.

TSG Hoffenheim (18): Platz elf und die magere Punktausbeute sind nicht das, was man sich erhofft hat. Mit Rutter geht ein Torjäger, mit Dalberg kommt ein anderer, Kramaric war ein bisschen das Sorgenkind. Es sollte eher aufwärts als abwärts gehen.

Bayer Leverkusen (18): Aufwärts, ein anderes Ziel gibt es beim Pillen-Klub nicht. Trainer Xabi Alonso brachte schon Ruhe in den Verein und Stabilität in die Abwehr, für den Schwung soll jetzt das lang verletzte Talent Florian Wirtz sorgen. In den Testspielen deutete er schon an, wie wertvoll er sein kann. Bayer träumt immer noch von Europa, doch der Weg ist weit.

1. FC Köln (17): Eigentlich beginnt hier die Abstiegszone, nur drei Punkte Vorsprung zum Relegationsplatz sind kein Ruhekissen. Trainer Steffen Baumgart bewahrt aber die Ruhe, der Verein hoffentlich auch, dann sollte nichts schiefgehen. Davie Selke kann sicher helfen.

FC Augsburg (15): Eine ruhige Saison ohne Abstiegskampf hat man sich erhofft, eine unruhige mit Abstiegskampf wurde es. Der Verein rotiert bei den Neueinkäufen, es sieht nach Torschlusspanik aus bzw. Torschusspanik. Es mussten Stürmer her, keine bedeutenden Namen, doch das kroatische Talent Beljo war begehrt. Aber da erinnert man sich an Pepi, der war ein Flop. Verletzungssorgen gibt es auch, es wird schwer. Ein Rat: Nur keine Panik.

Hertha BSC Berlin (14): Auch bei der alten Dame verläuft die Saison nicht so ruhig wie erhofft, Stadtrivale Union schaut nach oben, die Hertha nach unten. Es braucht ein Portion Zuversicht und Glück, um nicht Bedrängnis zu kommen. Wegweisend könnte der Start in Bochum sein.

VfB Stuttgart (14): Durch die um sechs Treffer schlechtere Tordifferenz zu Hertha auf dem Relegationsplatz. Mit dem wäre der neue Trainer Bruno Labbadia am Ende nicht zufrieden. Der erfahrene „Feuerwehrmann“ hat seine Rettungsmission mit hartem Training begonnen, fordert Disziplin ein und will so am Ende den längeren Atem haben.

VfL Bochum (13): Mit dem neuen Trainer Thomas Letsch wurde der Anschluss geschafft, doch ist noch mehr drin? Siehe oben, die Konkurrenz schläft nicht, doch Bochum wird den anderen einen heißen Kampf liefern. Von Augsburg bis Bochum darf sich keiner sicher sein.

Schalke 04 (9): Der kicker spricht schon vom „Nächsten Untergang“, in der Tat sind die Weichen für den Klassenerhalt nicht gestellt, da muss schon fast ein Wunder für den neuen Trainer Thomas Reis her, damit die Rettung gelingt. Schade, die tollen Fans hätten anderes verdient, müssen sich aber wie der Verein auf die zweite Liga vorbereiten.

Die Prognosen zeigen auf, dass bis zum Saison-Ende am 27. Mai 19 spannende Spieltage bevorstehen. Meister Bayern sollte zur Warnung mal einen Blick auf die anderen europäischen Top-Ligen werfen, wo die Titelverteidiger allesamt ihre Probleme haben. Pep Guardiola hat mit Manchester City den Titelkampf für beendet erklärt, Arsenal London hat acht Punkte Vorsprung, City will sich auf die Champions League konzentrieren (Gegner RB Leipzig). Besonders leiden muss Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool, das 0:3 bei Brighton bezeichnete er als „schlechtestes Spiel aller Zeiten“. Liverpool ist nur Neunter – vor Chelsea! Europa ist weit weg. In Italien kann Titelverteidiger AC Mailand Tabellenführer SSC Neapel bei achten Punkten Rückstand auch nur mit dem Fernglas beobachten. Knapper ist es in Spanien, der FC Barcelona hat nur drei Zähler Vorsprung vor Real Madrid, den Titelverteidiger zudem im Supercup mit 3:1 ebenfalls in die Grenzen verwiesen. Selbst in Frankreich ist Paris St. Germain nicht ungefährdet, nach zwei Niederlagen in Folge schrumpfte der Vorsprung auf den Überraschungszweiten RC Lens auf drei Punkte. Es tut dem Fußball gut, wenn die Spitzenklubs gefordert werden. Auch die Bayern sollten sich also auf ein hartes Rennen um die Meisterschaft einstellen.

Die Hoffnungsträger der 18 Bundesligisten

Nur noch eine Woche, dann geht es auch in der Fußball-Bundesliga wieder los. Den letzten Feinschliff wollen sich die Mannschaften mit Training in den heimischen Gefilden und dem einen oder anderen Testspiel holen. Gezittert wird überall, dass das Verletzungspech nicht zu stark zuschlägt, denn dann würden alle Pläne über den Haufen geworfen werden. Interessant aber ein Blick auf alle 18 Bundesligisten, wer die Hoffnungsträger im Kampf um die Punkte sind. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick. Es kommt natürlich nicht von ungefähr, dass oft Stürmer genannt werden.

Bayern München: Noch immer ist kein Neuer-Ersatz gefunden, Sven Ulreich wird sich ins Fäustchen lachen und vielleicht gut spielen. Ein Hoffnungsträger ist er aber nicht. Diese Rolle kommt Jamal Musiala zu, dessen Stern aufgegangen ist, der dribbeln soll, Regie führen und Tore schießen. Ein ganzes Paket Hoffnung auf einmal.

SC Freiburg: Die Stärke des Überraschungszweiten sind die Standards und da gibt es vor allem einen Namen: Spezialist Vincenzo Grifo soll die Weichen stellen, dass der Erfolg nicht nachlässt.

RB Leipzig: Im Sommer droht sein Abgang, doch zunächst soll Christopher Nkunku zusammen mit Timo Werner mit Toren dafür sorgen, dass RB weiter die Bayern jagen kann. Ein Hoffnungsträger sitzt auch im Büro: Der neue Geschäftsführer Max Eberl.

Eintracht Frankfurt: Die Probleme könnten im Sommer kommen, wenn die Stars der Saison wie Kamada und Lindström weggeholt werden, die Nummer 1 ist allerdings Torjäger Randal Kolo Muani, der auch bei der WM für Frankreich auf sich aufmerksam machte. Er soll die Eintracht wieder nach Europa schießen,

Union Berlin: Zuletzt haperte es ein bisschen im Angriff, weil die Tormaschine Aussetzer hatte. Deshalb die Hoffnung, dass Sheraldo Becker zu alter Form findet, Kevin Behrens, in Testspielen stark, könnte darüber hinaus zur Überraschung der Rückrunde werden.

Borussia Dortmund: Er sollte für Tore sorgen, doch der Krebs stoppte ihn – jetzt ist er da: Sebastien Haller, der in der Vorbereitung erstmals das Borussia-Trikot trug. Wann ist er die erhoffte Verstärkung? Ansonsten soll es vor allem Jude Bellingham richten, inzwischen das Herz der Mannschaft. Wohl nur noch in dieser Saison.

VfL Wolfsburg: Wie viele andere Teams auch, so wollen die „Wölfe“ mehr Tore schießen, Jonas Wind ist wieder fit, wird aber wohl in zweiter Reihe agieren hinter dem eigentlichen Hoffnungsträger: Lukas Nmecha, zuletzt leider verletzt. Nmecha will sich auch zu Hansi Flick schießen.

Borussia Mönchengladbach: Bei der Borussia herrscht Unruhe, weil einige Spieler begehrt sind. Bleibt Yann Sommer? Bleibt Marcus Thuram? Gibt es bei beiden ein „Ja“ als Antwort, kennen wir auch die Stützen des Teams.

Werder Bremen: Hier gibt es keine Rätsel. Im Gespräch rund um die WM war vor allem Mittelstürmer Niclas Füllkrug. Die Nationalmannschaft tritt jetzt in den Hintergrund, er soll Werder zum Klassenerhalt führen.

Mainz 05: Er war so gut in Form und führte Mainz ins Mittelfeld der Tabelle, in dieser Saison fehlte er meist. Auf ihn setzen die Rheinhessen aber in der Rückrunde, Jonathan Burkardt könnte dann auch ein Kandidat für das DFB-Team sein.

TSG Hoffenheim: Um den Sturm geht es auch bei Hoffenheim, Georginio Rutter wird wohl gehen, er wird von Leeds United umgarnt. Dafür ist der neue Hoffnungsträger schon da: Kasper Dolberg, von Nizza ausgeliehen. Er galt mal als großes Talent, zeigte es aber bisher nicht. Vielleicht jetzt?

Bayer Leverkusen: Bis jetzt verlief die Saison enttäuschend, doch das internationale Geschäft soll noch erreicht werden. Ein Talent ist wie ein Neuzugang und soll für den nötigen Schwung sorgen: Trainer Xabi Alonso hofft vor allem auf Florian Wirtz, er soll Herz der Mannschaft sein.

1. FC Köln: Bisher urteilte man über ihn eher so, dass er sein Talent vergeuden würde. Jetzt will Davie Selke durchstarten. Er kam von Hertha BSC zu Trainer Steffen Baumgart, der ihn und damit auch die Mannschaft in die Erfolgsspur bringen soll. „Selke schießt wichtige Tore“, ist sich Baumgart sicher.

FC Augsburg: Viel Unruhe auch beim FCA, Spieler gehen und werden gesucht. Der Hoffnungsträger war zuletzt verletzt und soll für Ruhe im Mittelfeld suchen: Niklas Dorsch. In der Abwehr ist Felix Uduokhai wieder da, auch einer, der für Ruhe sorgt.

Hertha BSC Berlin: Der „Kleine“ in Berlin (Union) spielt oben, der „Große“ (Hertha) spielt unten. Das wird sich in diesem Jahr nicht mehr ändern, Union spielt um Europa, die Hertha gegen den Abstieg. „Hinten dicht“ ist da ein wichtiges Motto, Marc Oliver Kempf soll die Abwehr zusammenhalten.

VfB Stuttgart: Im „Ländle“ ist alles anders, der neue Trainer Bruno Labbadia hat Schwung und Ordnung in den Verein gebracht, die Spieler klagen jedoch über Überforderung, Labbadia will dafür sorgen, dass sie im Abstiegskampf nicht überfordert sind.

VfL Bochum: Der VfL setzt auf Neue: Zuerst Trainer Thomas Letsch, jetzt Kevin Schlotterbeck (Freiburg) in der Abwehr und Pierre Kunde (Piräus, früher Mainz) im Mittelfeld. Für den Abstiegskampf reicht nicht nur ein Hoffnungsträger. Mit Letsch wurde der Anschluss an Stuttgart und Hertha BSC geschafft.

Schalke 04: Rund um Schalke wird gekalauert, „wir haben es mit Kartoffeln versucht, wir haben es mit Nudeln versucht, war alles nix, jetzt schaffen wir es mit Reis“. In der Tat soll Trainer Thomas Reis beim Schlusslicht für die Wende sorgen, mit Teil-Kapitän Simon Terrode und seinen Toren auf dem Feld. Reis wurde vorher in Bochum geschasst, er könnte der erste Trainer sein, der in einem Jahr mit zwei Vereinen absteigt!

Wenn Fußball für Handball kein Vorbild ist

Im Sport wird oft mit Neid auf den Fußball geschaut. So wünschen sich vor allem die Mannschaftssportarten eine Popularität wie die Fußballer, träumen sie, egal ob Vereine oder Spieler, davon, so gut verdienen zu können wie die Fußball-Profis. Doch nicht immer dient der Fußball als Vorbild. Ganz im Gegenteil, vor der Handball-Weltmeisterschaft vom 11. bis 29. Januar in Schweden und Polen haben die deutschen Handballer zunächst ein Ziel: Es besser zu machen als die DFB-Elf bei ihrer WM vor Weihnachten in Katar.

Die Gemeinsamkeiten sind schon frappierend. Für Hansi Flicks Schützlinge galt die Vorrundengruppe als „machbar“, der Blick ging meist voraus auf die K.o.-Runde, das böse Erwachen folgte. Auch beim DHB-Team gilt die Vorrunde als „machbar“, in Kattowitz sind Katar (Freitag), Serbien (Sonntag) und Algerien (Dienstag, 17.1., jeweils 18.00 Uhr) die Gegner. Das erste Ziel formuliert Bundestrainer Alfred Gislason so: „Wir wollen verlustpunktfrei in die Hauptrunde einziehen“ (Platz drei reicht da schon), weil er weiß: „Wenn man in der Vorrunde patzt, kann man das kaum noch wettmachen“. Die Ergebnisse mit den Gruppengegner werden bekanntlich mitgenommen. Nun, vom Titel träumen die Deutschen nicht, die Favoriten sind eher Olympiasieger Frankreich, Titelverteidiger Dänemark, Europameister und Teil-Gastgeber Schweden, zudem auch Spanien und Norwegen.

Deutschland sieht sich in der Gruppe dahinter mit durchaus Chancen auf eine Medaille. So ähnlich war es bei den Fußballern auch. Noch eine Gemeinsamkeit: Ein gutes Turnier soll Werbung für die nächste große Meisterschaft 2024 im eigenen Land sein. Bekanntlich gelang das der Fußball-Nationalmannschaft nicht, die viel Kredit bei ihren Fans eingebüßt hat und vor der EM 2024 im eigenen Land vor allem auf Wiedergutmachung aus ist. Große Sympathien genießen auch die Handballer, sind sie erfolgreich, steigen die Einschaltquoten im Fernsehen auf Fußball-Niveau. Das soll wieder gelingen, als Werbung für die EM im Januar 24 in Deutschland. Bei der Heim-WM 2007 war Deutschland ein Handball-Land, Gold war die optimale Ausbeute. Danach gab es noch EM-Gold 2016 in Polen (!) und im gleichen Jahr Olympia-Bronze. Eine zuletzt magere Medaillen-Ausbeute. Das soll sich ändern.

Die Voraussetzungen könnten allerdings durchaus besser sein, denn auf die stärkste Mannschaft kann der Bundestrainer nicht zurückgreifen, einstige Stützen wie Patrick Wienczek und Uwe Gensheimer traten zurück, Abwehrchef Hendrik Pekeler verordnete sich eine Nati-Pause und Europameister Fabian Wiede hat eine Kieferoperation. Noch fünf Europameister von 2016 sind dabei, „einspielen für die Heim-WM 2024“ ist deshalb das Motto, die jungen Hoffnungsträger sind die 22-jährigen Juri Knorr (Mannheim) und Julian Köster (Gummersbach). Sie könnten dann im nächsten Januar mit dem EM-Eröffnungsspiel im Düsseldorfer Fußballstadion ein Spektakel erleben. Das Finale ist für den 28. Januar in Köln terminiert.

Aber zunächst gilt das Augenmerk Kattowitz, die Stützen der Mannschaft sind Torhüter Andreas Wolf, der in Polen (Kielce) spielt, Kapitän Johannes Golla (Flensburg), Paul Drux (Füchse Berlin) und Kai Häfner (Melsungen). Auffallend, von Rekordmeister THW Kiel ist nur Linksaußen Rune Dahmke dabei. In der Hauptrunde kämen die Gegner aus der Gruppe F mit Norwegen, Nordmazedonien, Argentinien und der Niederlande. In den K.o.-Runden könnten die Mit-Favoriten Frankreich und Spanien den Weg zu einer Medaille versperren. Erstes Ziel ist zudem die Qualifikation für Olympia 2024 in Paris, Platz 7 ist dafür erforderlich, die Ausscheidungsrunde für die Plätze fünf bis acht muss also erreicht werden. Das wäre das Minimal-Ziel um erfolgreicher als die Fußballer zu sein, für eine Handball-Euphorie in Deutschland reicht das wohl noch nicht.

Bundesliga verliert an Boden

Man könnte meinen, die Fußball-Bundesliga befindet sich noch im Winterschlaf. Während die anderen Top-Ligen in Europa bereits den Punkten nachjagen, herrschte hierzulande Ruhe. Na ja, trainiert wird natürlich schon und die Wechselgerüchte sorgen für Schlagzeilen, aber international verliert die Bundesliga an Boden. Dabei wird in der DFL die ganze Zeit davon geredet, dass man international an Bedeutung gewinnen und die Bundesliga attraktiver präsentieren will. Da hat man jetzt eine Chance vertan, in dem Fall ging Erholung vor Geschäft. Soll sich danach aber keiner darüber beschweren, wenn man international weiter an Boden verliert. Spätestens am kommenden Wochenende hätte man spielen können, was auch den Terminkalender ein wenig entzerrt hätte.

Bei den Wechselgerüchten ist Bayern München Stammgast, natürlich vor allem wegen der Torhütersuche, um den Ausfall von Manuel Neuer zu kompensieren. Am Ende muss es wohl doch der eigentliche Ersatzmann Sven Ulreich richten, weil ein besserer Keeper auf die Schnelle nicht zur Verfügung steht und Bayerns Leihgabe an Monaco, Alexander Nübel, keine Lust auf Teilzeit-Arbeit hat. Mit Gladbachs Yann Sommer sollen sich die Münchner angeblich einig sein, aber der Verein sperrt sich, da müssten die Bayern schon tiefer in die Tasche greifen und grübeln wohl, ob sich das für ein halbes Jahr lohnt. Dennoch gab es eine Neuverpflichtung, die allerdings auch Sinn macht. Der 99-malige niederländische Nationalspieler Daley Blind (32 Jahre) sagte sofort allen anderen Interessenten ab, als er ein Angebot der Bayern bekam. Der ablösefreie Defensivspezialist soll die Rolle des verletzten Hernandez übernehmen, er kann sowohl in der Innenverteidigung als auch links spielen, gilt als zuverlässiger Spieler mit guter Spieleröffnung. Seine Wege mit seinem alten Verein Ajax Amsterdam trennten sich im Dezember nach atmosphärischen Störungen. Gespannt warten viele auch darauf, ob die Bayern ihren Werbevertrag mit Katar verlängern, der ja kritisiert wird. Vielleicht war es ein Omen, dass die Münchner im Trainingslager in Doha von Regenwetter empfangen wurden. Katar könnte sie im Regen stehen lassen.

Rund um die Wechsel gibt es seltsame Gerüchte und Begebenheiten. Ist Marco Reus wirklich so interessant, dass sich die Saudis für ihn interessieren? Angeblich soll er ein Angebot vom neuen Ronaldo-Klub Al Nassr haben. Gut, finanziell würde sich das für ihn sicher lohnen, aber mit Dortmund ist er vielleicht noch nicht fertig. Interessanter für die Saudis sind sicher die Weltstars Modric und Ramos, die ebenfalls gehandelt werden. Manche Spieler wollen unbedingt wechseln und unternehmen alles. Freiburgs Offensivspieler Roland Sallai hat schon dreimal die Berateragentur gewechselt, um einen Vertrag in England zu bekommen. Seltsam, vor einem Jahr hat er in Freiburg noch verlängert. Eine gute Nachricht: In Dortmund ist Sebastian Haller nach seiner Krebserkrankung wieder im Training. Und ist es für Hansi Flick eine gute Nachricht, dass Thomas Müller auch weiterhin der Nationalmannschaft zur Verfügung stehen will? Wir werden sehen.

Der Wintersport leidet

Ein trauriges Bild bietet sich derzeit den Wintersportfans, durch eine braune Landschaft ziehen sich schmale weiße Bänder, auf denen die Wettbewerbe stattfinden. Nur auf der Pokljuka in Slowenien war es beim Biathlon weiß, aber ab Mittwoch bietet sich in Ruhpolding das traurige Bild. Große Stimmung wird auch nicht aufkommen, wenn die Biathleten nur hinterherlaufen. Auch die Skispringer sahen der Konkurrenz bei der Vierschanzentournee nur hinterher. Der Norweger Holger Egen Granerud siegte, Andreas Welllinger war als Elfter bester Deutscher. Besser die Frauen, Katharina Althaus siegte in Sapporo. Der Name Katharina scheint den Erfolg zu garantieren, Katharina Hennig sorgte bei der Tour de Ski mit einem Etappensieg für ein seltenes Ereignis des deutschen Langlauflagers. Die Tour-Siege gingen nach Norwegen.

Jede Woche derzeit auch eine traurige Meldung. Nicht nur der Wintersport trauert um Rosi Mittermaier, die Gold-Rosi gewann alle Herzen in Deutschland. Vor 47 Jahren war sie die Heldin mit zwei Olympiasiegen in Innsbruck in Slalom und Abfahrt, dazu Silber im Riesenslalom. Da Olympia auch als Weltmeisterschaft gewertet wurde und sie die Kombination gewann, war Gold-Rosi auch dreifache Weltmeisterin. Danach beendete sie spontan mit 25 Jahren ihre Karriere. Sie wollte „einfach nur noch Spaß am Skifahren haben“ und war aber mit zahlreichen PR-Auftritten in der Öffentlichkeit immer präsent und sympathisch. Ihre Ehe mit Slalom-As Christian Neureuther galt als vorbildlich, Sohn Felix wurde der erfolgreichste deutsche Skifahrer. Nach einem Krebsleiden starb mit Rosi Mittermaier jetzt einer der nettesten Menschen, die der Sport-Grantler gekannt hat. Ihr zweiter Vorname war übrigens Katharina…

Kein Olympia, dafür könnte 2023 ein Jahr der Justiz im Fußball werden

An Silvester flogen in Deutschland wieder die Raketen, mit einem Feuerwerk wie in alten Zeiten begrüßte die Bevölkerung das neue Jahr. Offensichtlich gab es nach zwei Jahren Corona Entzugserscheinungen. Da tut sich der Sport leichter, wenn es um Höhepunkte geht. Nicht von ungefähr hat das IOC die Olympischen Spiele im Sommer und Winter in den Jahren getrennt, damit Olympia alle zwei und nicht vier Jahre ins Bewusstsein der Öffentlichkeit tritt. 2023 ist aber ein sogenanntes Zwischenjahr. Im Jahr ohne Olympia dominieren dafür die Weltmeisterschaften und es gibt auch wieder den Ryder Cup im Golf. Im Fußball steht die Weltmeisterschaft der Frauen an, aber im Mittelpunkt könnten auch Gerichtsurteile stehen. 2023 könnte das Jahr der Justiz im Fußball werden.

Aber zunächst zum Sport, der traditionell mit der Vierschanzentournee als besonderen Veranstaltung das Jahr einleitet. Aber bereits im Januar stehen die ersten Weltmeisterschaften an, die Handballer machen mit dem Turnier vom 11. bis 29. Januar in Polen und Schweden den Anfang. Die deutsche Mannschaft tritt in der Vorrunde in Kattowitz an und trifft auf Katar, Serbien und Algerien. Auch die Rodler rasen bereits im Januar den Eiskanal um Medaillen hinunter. Sie treffen sich vom 23. bis 29. Januar in Oberhof. Das Wintersportzentrum in Thüringen steht vor einem besonderen Winter, denn vom 8. bis 19. Februar tragen auch die Biathleten in Oberhof ihre WM aus. Bei den Rodlern dürfte es allerdings mehr deutsche Medaillengewinne geben.

Bei den Weltmeisterschaften geht es Schlag auf Schlag. Einige Appetithappen: Die alpinen Skisportler treffen sich im Februar in Courchevel, die nordischen in Planica. Die Eishockey-WM wird erst im Mai (12.-28.) in Finnland (Tampere) und Lettland (Riga) ausgetragen, im Sommer folgen die Rad-WM in Glasgow, die Leichtathletik-WM in Budapest und die Basketball-WM Ende August in Manila. Auch Deutschland ist Gastgeber, wenn sich die Kanuten in Duisburg treffen. Daneben gibt es natürlich die üblichen Turnierserien im Tennis und Golf sowie die großen Radrennen, u. a. mit dem Giro in Italien und der Tour in Frankreich. Die Formel 1 plant einen Rekordkalender mit 23 Rennen, los geht es am 5. März in Bahrain, das Finale ist am 26. November in Abu Dhabi. Auch in Las Vegas wird gefahren. Berlin bietet zudem eine außergewöhnliche Veranstaltung, die Special Olympics World Summer Games vom 17. bis 24. Juni.

Gerade mit Weltmeisterschaften versuchen alle Sportarten ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu erreichen, damit können sie aus dem Schatten von König Fußball treten, der ansonsten dominiert, aber auch eine Weltmeisterschaft bietet, und zwar die der Frauen. Vom 20,. Juli bis 20. August wird in Australien und Neuseeland gespielt und die deutschen Frauen wollen die Gelegenheit nutzen, die EM-Euphorie des vergangenen Jahres wieder neu zu beleben. Marokko, Kolumbien und Südkorea sind zunächst die Gruppengegner, da sollte es eigentlich keine Probleme geben. Allerdings finden die Spiele zu deutscher Zeit am Vormittag statt, was natürlich eine Euphorie-Bremse darstellt. Der Frauen-Fußball wird weiter aufmerksam beobachtet werden, vor allem, ob er es schafft, den Aufwärtstrend fortzusetzen.

Die Männer haben nach der WM-Pleite in Katar ganz andere Sorgen, sie wollen in erster Linie bei den Fans Wiedergutmachung betreiben und kämpfen um den alten Stellenwert. Der Mehrheit der Deutschen ist die Nationalmannschaft inzwischen ziemlich egal – ein Alarmzeichen. Da muss auch die Bundesliga helfen, die am 20. Januar wieder ihren Spielbetrieb aufnimmt. Auf andere Sportarten nimmt der Fußball keine Rücksicht, er plant seine nationalen Punktrunden und die internationalen Wettbewerbe ohne einen Blick auf den Rest der Welt. König Fußball eben. Übrigens geht es mit der Champions League wieder am 14. Februar weiter und das mit dem Schlagerspiel Paris St. Germain gegen Bayern München. Die WM-Helden Messi und Mbappé gegen einige WM-Versager aus München! Na ja, bis dahin haben wohl Müller und Co. wieder das Bayern-Motto „mia san mia“ intus.

Infantinos Angst vor dem Sturz

Es könnte allerdings sein, dass beim Fußball nicht der Sport im Mittelpunkt steht, sondern eher die Justiz. Insofern könnte es sogar ein zukunftsweisendes Jahr werden. Die Frage ist allerdings, wo zuerst ein Urteil fällt. Um die Macht von FIFA oder UEFA geht es vor dem Europäischen Gerichtshof, der darüber befinden muss, ob die Vereine, die eine eigene Super League gründen wollen, von der UEFA von deren Wettbewerben ausgeschlossen werden dürfen. Der Generalanwalt hat dem Gericht ein Urteil pro Verband empfohlen, die Gutachten sagen aus, dass die UEFA mit diesem Zwang für die Vereine nicht gegen das Kartellrecht verstößt. Eigentlich logisch, denn die Verbände sorgen für die Organisation und jeder, der mitmachen will, hat die Verpflichtung, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten. Das Urteil soll im Laufe des Jahres fallen.

Ein Erdbeben könnte es geben, wenn die Schweizer Justiz endlich zu Potte kommt und im Fall Gianni Infantino ein Gerichtsverfahren durchführt. Der selbstgefällige FIFA-Präsident verdrängt in der Öffentlichkeit immer, dass er vor einer Anklage zittern muss. Ein Sonderermittler wurde beauftragt, die Machenschaften zwischen Infantino und Schweizer Staatsanwälten zu untersuchen. Es gab inzwischen bekannte Geheimtreffen zwischen Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, ein Schulfreund von Infantino, bzw. Bundesanwalt Michael Lauber mit dem FIFA-Präsidenten, die das Ziel hatten, Infantino den Weg zum FIFA-Vorsitz zu ebnen. In den Ermittlungen verstrickte sich Infantino in Lügen und Lauber wurde bereits suspendiert. Strafbares Verhalten des FIFA-Präsidenten ist offensichtlich erwiesen, nur angeklagt und verurteilt ist er noch nicht. Wird jedoch Zeit. Sein Umzug nach Katar gilt auch als Zeichen, dass er der Schweizer Justiz entkommen will. Es wird ihn aber nicht davor schützen, bei einer Verurteilung sein Amt niederlegen zu müssen. Dies wäre sicherlich zum Wohle des Fußballs, den Infantino mit seinen größenwahnsinnigen Ideen missbraucht. Leider schmiert er mit Geld genügend Verbände, um an der Macht bleiben zu können. Eine Verurteilung würde diese Spielchen beenden.

2022 war das Jahr der Kritik am Sport – Frauen-Fußball war der große Gewinner

Es gibt viele Menschen, die froh sind, wenn das Jahr 2022 zu Ende ist, dafür aber mit großer Hoffnung ins neue Jahr gehen. Nehmen wir nur die leidgeprüften Leute in der Ukraine. Werden sie den Frieden erleben? Was ist der Sport doch für ein kleines Licht gegenüber diesem Leid. Aber der Sport hat doch eine große Bedeutung und sei es nur, dass er uns Ablenkung vom tristen Alltag bietet. Wer selbst Sport treibt, wird wiederum die körperlichen und seelischen Vorteile spüren.

Im Profi-Bereich war 2022 das Jahr der Kritik am Sport. Es begann im Februar mit den Olympischen Winterspielen in Peking und endete mit der Fußball-Weltmeisterschaft im November/Dezember in Katar. Beiden Großveranstaltungen war gemein, dass es viele gern gesehen hätten, wenn sie gar nicht stattgefunden hätten. In China ist es mit den Menschenrechten ähnlich schlecht bestellt wie in Katar, an Peking kritisierten die Umweltschützer ebenso den Frevel an der Natur wie in Katar den Unsinn von heruntergekühlten Stadien. Der Unterschied: Peking litt auch unter Corona und der Wintersport hatte einen tristen Rahmen in brauner Natur. Katar wiederum schaffte es, eine wunderbare WM-Stimmung zu erzeugen und so erfüllte die WM die Hoffnungen der Politiker: Fußball als Werbeträger. China konnte Olympia nicht als PR-Lokomotive nutzen. Wie auch immer, da das IOC und dort die FIFA sollten bei der Wahl der Austragungsorte ihrer Veranstaltungen künftig strengere Maßstäbe anlegen und nicht nur auf das Geld schauen.

Die Sportler versuchten sich größtenteils auf den Sport zu konzentrieren, wie bekannt, gelang das deutschen Fußball-Nationalmannschaft rund um die Diskussion mit der Kapitänsbinde „One Love“, die von der FIFA verboten wurde, nicht. Vielleicht war deshalb die deutsche Mannschaft bei Olympia erfolgreicher, weil der Sport im Mittelpunkt stand. Immerhin 27 Medaillen wurden errungen, davon allein 12 Goldene, was Platz zwei in der Nationenwertung hinter Norwegen (37 Medaillen, davon 16 Goldene) bedeutete, noch vor China (15/9) und den USA (25/8).

In Katar blamierte sich die DFB-Elf mit dem Aus in der Gruppenphase, wobei es schon ein Stück unglücklich war, mit einem 4:2-Sieg gegen Costa Rica auszuscheiden. Seitdem werden im deutschen Fußball die Wunden geleckt. Sportdirektor Oliver Bierhoff war das Opfer, Bundestrainer Hansi Flick darf weitermachen und soll zunächst einmal die negative Stimmung in Deutschland wieder in eine positive umwandeln, damit das Herz der Fans wieder für Fußball schlägt. Die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land soll hier der Motor sein. Ganz anders war die Stimmung in Argentinien, dort wurde der WM-Titel mit einem Feiertag bejubelt, da war eine ganze Nation aus dem Häuschen und hat nach Diego Maradona mit Lionel Messi einen weiteren Fußball-Gott. Die Frage nach dem Weltfußballer des Jahres dürfte beantwortet sein. Messi führte Argentinien zum Sieg über Frankreich.

Aber der deutsche Fußball hatte dennoch etwas zu bejubeln, nämlich die Frauen-Nationalmannschaft. Die begeisterte bei der Europameisterschaft in England und die Niederlage im Finale gegen England wurde dennoch als Sieg für die Fußball-Frauen hierzulande gewertet. Seitdem geht es aufwärts, steigen die Zuschauerzahlen in der Bundesliga, füllen die Frauen auch große Stadien. 2023 soll die Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland zur nächsten Werbelokomotive werden, denn es muss sich noch viel ändern. Die Frauen erwarten nicht die gleiche Entlohnung wie die Männer, aber sie würden sich in der Bundesliga echtes Profitum wünschen, damit jede Spielerin auch vom Fußball leben kann. Die Mädchen wurden populär, werden jetzt auf der Straße erkannt, bekommen bessere Werbeverträge und werden in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen. So profilierten sich einige Ex-Nationalspielerinnen als Expertinnen bei der Männer-WM und der kicker kürte die Kapitänin der Nationalmannschaft, Alexandra Popp, als erste Frau zur „Persönlichkeit des Jahres“ im Fußball. Den Auftakt machte 1990 Franz Beckenbauer, Popp folgt jetzt auf Robert Lewandowski, Hansi Flick und Jürgen Klopp. Das kann sich doch sehen lassen!

Begeisterung im Fußball gab es auch um Eintracht Frankfurt, der Sieg in der Europa League kann als Überraschung des Jahres gewertet werden. Die Eintracht wurde dann auch „Mannschaft des Jahres“ noch vor den Frauen. Es war ein Siegeszug, der vor allem von der Begeisterung und der mannschaftlichen Geschlossenheit lebte und die Fans mobilisierte. Die einst als Cup der Verlierer gegeißelte Europa League kann also attraktiv sein.

2022 war insgesamt ein ereignisreiches Sportjahr, wobei mit den European Championships im August in München in Erinnerung an Olympia 1972, also vor 50 Jahren, eine Veranstaltung mit großer Begeisterung gefeiert wurde, die man im Vorfeld eher als „Mitläufer“ bezeichnet hat. Der Zusammenschluss mehrere Europameisterschaft ließ mit der tollen Stimmung der Fans wirklich Erinnerungen an Olympia 1972 wach werden, die bis schrecklichen Attentat an der israelischen Mannschaft ein Sommermärchen waren. Vor allem die Leichtathleten feierten nach einer eher schwachen Weltmeisterschaft ein Comeback und Zehnkämpfer Niklas Kaul und Sprint-Ass Gina Lückenkemper wurden zu Sportler und Sportlerin des Jahres gewählt.

In Erinnerung bleiben manche Weichenstellungen im Fußball und auch Abschiede. So hat der DFB mit Bernd Neuendorf jetzt einen neuen Präsidenten, die Ära des dubiosen Strippenziehers Rainer Koch ging zu Ende. Neuendorf, so zeigte es die WM, muss aber erst in das Amt hineinwachsen. Das Gastspiel von Donata Hopfen als DFL-Chefin endete nach nur wenigen Monaten, der Job war eine Nummer zu groß für sie. Mit Max Eberl ging einer der bekanntesten Manager bei Borussia Mönchengladbach unter Tränen, er fühlte sich ausgebrannt. Nach einer Erholungsphase heuerte er jetzt bei RB Leipzig an. Einen ruhigen Abschied nahm Rudi Völler in Leverkusen. Abschiede auch von Serena Williams und Roger Federer im Tennis sowie Sebastian Vettel in der Formel 1. Jede Ära geht einmal zu Ende. Besondere Schlagzeilen gehörten Boris Becker, aus dem einstigen Wimbledon-Helden wurde ein Insolvenzbetrüger, aber sein Gefängnisaufenthalt in London endete nach nur wenigen Monaten. Jetzt will er sein Leben neu ordnen.

Aus dem Leben geschieden sind leider viele Sportler, in besonderer Erinnerung werden uns zwei Fußball-Größen bleiben. Mit Uwe Seeler ging Deutschlands vielleicht sympathischster Fußballer aller Zeiten ebenso von uns, wie in diesen Tagen auch Brasiliens Fußball-König Pelé nach langer Leidenszeit einer Darmkrebserkrankung. Und wann immer die Frage nach dem besten Fußballer aller Zeiten gestellt wird, die Antwort kann nur Pelé lauten, er hat wie kein Zweiter den Fußball inspiriert. Der Sport-Grantler wird Pelé in besonderer Erinnerung behalten, weil er ihn bei seinem Abschiedsspiel 1977 in New York kennenlernen durfte.

Sie fliegen dem großen Traum hinterher

Mit Ausnahme von England macht der Fußball in Europa zum Jahreswechsel eine Pause und macht damit den Weg frei für einen anderen Höhepunkt im internationalen Sport: Die Vierschanzentournee der Skispringer. Am Donnerstag beginnt in Oberstdorf die 71. Auflage mit einem Comeback: Zuschauer sind wieder zugelassen. Das Stadion ist mit 25.000 Besuchern ausverkauft, die Springer freuen sich auf den Wettbewerb. „Die Atmosphäre ist einmalig“, strahlt Deutschlands Nummer 1 Karl Geiger, der das Glück hat, dass er zudem auf seiner Heimschanze antreten kann. Dennoch sind die Prognosen im deutschen Lager verhalten, so richtig kamen Karl Geiger, Andreas Wellinger, Markus Eisenbichler und Co. nicht in Schwung. Dabei gilt die Vierschanzentournee auch in WM-Jahren als Saison-Höhepunkt, aber seit 21 Jahren, als Sven Hannawald 2001/2002 als letzter deutscher Athlet den Tourneesieg feierte, fliegen sie dem großen Traum hinterher. Sven Hannawald weiß, warum die neue Generation regelmäßig scheitert: „Sie kommen mit dem Druck nicht zurecht.“

Der 29-jährige Karl Geiger ist das typische Beispiel dafür, dass der Gesamtsieg im Bereich des Möglichen lag, doch es blieb ein Traum. Der Oberstdorfer trat als Gesamtführender im Weltcup an, gewann sein Heimspringen und hatte damit die beste Ausgangsposition, doch seine besten Platzierungen waren Zweiter (2020/21), Dritter (2019/20/ und Vierter (2021/22). Vielleicht klappt es jetzt, denn im Gegensatz zu den letzten Jahren gehen Geiger und Mannschaftskameraden ohne große Erwartungen in den Wettbewerb. „Wir suchen noch unsere Bestform, es hat sich wieder vieles geändert und es fehlt die optimale Abstimmung,“ gesteht Geiger und der „Gefühlsspringer“ Markus Eisenbichler hadert sogar total: „Es ist ekelhaft, ich habe kein tragendes Gefühl, ich bin brutal enttäuscht von mir.“ Auch der Trainer will den Druck von seiner Mannschaft nehmen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gab es diesmal kein Sondertraining auf der Schanze in Innsbruck, der dritten Station, die als deutsche „Angstschanze“ gilt. ‚“Wir wollen die Tournee ganz bewusst normal angehen,“ sagt Stefan Horngacher. Ein bisschen Hoffnung bleibt immerhin: „Zuletzt hatten wir einen Aufwärtstrend,“ meint der Coach.

Favoriten sind freilich andere, es gilt vor allem den Weltcup-Führenden Dawid Kubacki zu schlagen, der Pole sprang teilweise in einer eigenen Liga. Gut in Form sind aber auch Halvor Egner Granerud (Norwegen), Anze Lanisek (Slowenien) und Stefan Kraft (Österreich). Doch oft gab es bei der Tournee auch Überraschungen und so bleibt die Hoffnung, dass diesmal einer aus der deutschen Mannschaft ohne Druck plötzlich der Konkurrenz davon fliegt. Eines ist sicher: Bei den TV-Übertragungen von ARD und ZDF sind hohe Einschaltquoten garantiert. Skispringen tritt hier in die Fußstapfen des Fußballs.

Die Tournee-Termine: Oberstdorf: Donnerstag, 29. Dezember, 16.30 Uhr. Garmisch-Partenkirchen: Samstag, 1. Januar 2023, 14.00 Uhr. Innsbruck: Mittwoch, 4.1., 13.30 Uhr. Bischofshofen: Freitag, 6. 1., 16.30 Uhr.

Von einer Vierschanzen-Tournee parallel zu den Männern träumen auch die Frauen. Doch die Springerinnen müssen sich noch gedulden, zwar sind die Pläne bereits beschlossen, doch an der Umsetzung hapert es noch. 2023/24 sollte es eigentlich losgehen, aber jetzt wurde der Start auf 2024/25 verschoben. Zum Trost gibt es eine Silvester-Tournee mit je zwei Springen in Villach (28. und 29.12.) und Ljubno (Slowenien/31.12 und 1.1). Allerdings wird auf kleineren Schanzen gesprungen. Die deutsche Spitzenspringerin Luise Görlich ist nicht glücklich: „Karl Geiger und Co. fliegen auf 140 m vor vollem Haus, wir müssen auf kleinen Normalschanzen springen, im Fernsehen sieht das dann ziemlich verniedlicht aus, als ob Frauen nicht weit springen könnten.“

Auch im Fußball wird es wieder hektisch

Soll keiner glauben, dass der Profi-Fußball den anderen Sportarten ganz das Feld der Schlagzeilen überlässt. Hat man den Wintersportarten mit der Weltmeisterschaft vor Weihnachten schon Schaden zugefügt, so wissen die, dass der Fußball immer im Gespräch bleibt. In England wird wieder gespielt, der beliebte Boxing Day am 2. Weihnachtsfeiertag brachte wieder Leben in die Liga. Die Bundesligisten haben die WM teilweise mit Trainingslagern im Dezember überbrückt, aber ab 1. Januar geht es wieder richtig los. Eintracht Frankfurt und die Bayern starten als letzte Vereine am 3. Januar, für die Münchner geht es dann gleich wieder nach Katar, zum üblichen Trainingslager in Doha, Kritik hin oder her. Im Mittelpunkt werden in den nächsten Wochen aber vor allem die Transfers stehen, denn ab 1. Januar können auch wieder Spieler verpflichtet werden, sowohl für den Winter, als auch für den Sommer.

Die ersten Schlagzeilen gehörten diesbezüglich dem FC Liverpool. Jürgen Klopps Mannschaft startete erfolgreich gegen Aston Villa, doch den dicken Fisch ziehen die „Reds“ offensichtlich am Transfermarkt an Land: Der Wechsel von WM-Star Cody Gakpo vom PSV Eindhoven zum FC Liverpool soll perfekt sein. Der 23-jährige Stürmer wollte eigentlich im Sommer zu Manchester United gehen, doch der Wechsel platzte. Jetzt legt Liverpool wohl an die 50 Millionen Euro für den Niederländer hin. Und dabei hatte Klopp gerade öffentlich darüber sinniert, dass das Talent Jude Bellingham von Borussia Dortmund sehr wohl ein Kandidat für sein Team wäre, aber dies sei wohl eine Geldfrage. Bellingham, ebenfalls einer der WM-Stars, wird wohl Dortmund im Sommer auf jeden Fall verlassen. Bisher galt Manchester City als sein Ziel Nummer 1. Der ehemalige Vereinskollege Erling Haaland, jetzt Torjäger bei City, soll ihm den Wechsel schon schmackhaft gemacht haben.

Die Bayern haben da andere Sorgen, sie müssen das Torhüterproblem lösen, wie schon geschrieben, ist ihnen die Besetzung mit Neuer-Ersatzmann Sven Ulreich und Talent Schenk zu unsicher. Doch welcher Star lässt sich darauf ein, dass er bald zum Neuer-Ersatzmann degradiert werden könnte? Nicht nur die Bayern-Fans werden mit Spannung auf die Antwort in den nächsten Wochen warten.

Bundesliga-Pause machen jetzt auch die Frauen, weiter geht es am 3. Februar. In der Champions League gab es am letzten Spieltag in der Woche vor Heiligen Abend keine Weihnachtsgeschenke mehr, die Favoriten setzten sich durch. Auch der VfL Wolfsburg schaffte mit einem leichten Erfolg bei St. Pölten den Gruppensieg. Die Nummer 1 sind auch Chelsea London nach einem 3:0 gegen Paris St. Germain, Arsenal London, nachdem Olympique Lyon gegen Juventus Turin nur 0:0 spielte, und der FC Barcelona, punktgleich mit Bayern München, aber mit der besseren Tordifferenz. Überraschend ist es schon, dass die englischen Teams die französischen Favoritinnen in die Schranken verwiesen. Interessante Abwechslung in der Pause: Am 20. Januar wird das CL-Viertelfinale ausgelost, die Zweiten (Bayern, Lyon, Paris, AS Rom) werden den Ersten zugelost, es könnte es also auch zu einem deutschen Duell kommen. Wolfsburg gehört zweifellos zu den Favoriten. Spieltage für das Viertelfinale sind der 21./23. und 29./30. März.

Die Bayern Mädchen haben vor allem Schlagzeilen mit dem 3:1-Sieg über Barcelona gemacht und haben ihre gute Form trotz Verletzungsproblemen mit dem 2:0 gegen Benfica Lissabon bestätigt. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, heißt es in München. Vor allem die englische Europameisterin Georgia Stanway zeigte sich als wertvolle Verstärkung, aber noch muss ein Stück zu Wolfsburg und der internationalen Elite überbrückt werden. Das Viertelfinale wird Fingerzeige geben.

In dieser Woche meldet sich der Sport-Grantler noch einmal mit einer interessanten Jahresbilanz 2022.

Messi-Krönung – Infantino-Schock – Deutsche Zukunft

Jetzt ist auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Geschichte. Sie hat doch tatsächlich im umstrittenen Katar stattgefunden und war am Ende trotz aller Unkenrufe und Kritik (vor allem in Deutschland) ein Erfolg. Katar darf sich freuen, die ausländischen Gäste (nur wenige aus Deutschland) waren zufrieden, die Stadien gut gefüllt und Katar selbst bekam die maximale Aufmerksamkeit. Die Organisatoren waren glücklich, dass alles geklappt hat und stellten zufrieden fest: „Wir haben gezeigt, was auch die arabische Welt zu leisten vermag.“ Werbung also auch für die Nachbarn. Natürlich muss sich in Sachen Menschenrechte in vielen Staaten im arabischen Raum etwas ändern, aber das ist eine Sache der Politik, nicht des Sports. Und da haben viele in Deutschland über das Ziel hinaus geschossen, nicht umsonst beklagte Bundestrainer Hansi Flick, dass die Politik die Mannschaft im Stich gelassen habe. Allerdings hätte auch der DFB-Vorstand diesbezüglich das Team schützen müssen.

Bei den erfolgreichen Nationen waren die deutschen „One-Love-Diskussionen“ nur ein Thema am Rande. Schon gar nicht rund um das Finale, das als eines der besten in die WM-Analen eingehen wird. Ein begeisterndes und spannendes Spiel mit der Krönung für den überragenden Lionel Messi, der ganz Argentinien glücklich machte. Endlich, nach 36 Jahren des Wartens, wieder Weltmeister und der 35-jährige Ausnahmespieler hat seinen WM-Titel, steht jetzt auf einer Stufe mit Legende Diego Maradona. Messi löste zudem Lothar Matthäus als Rekordspieler ab. Es war das Finale der Stars, Messi war glücklicher als der dreifache Torschütze Kylian Mbappé, vier Tore in zwei Endspielen ist Rekord, Argentinien einen Tick abgebrühter als der Titelverteidiger, der den Weltmeister-Fluch wohl auch deshalb nicht bannen konnte, weil die Mannschaft im Vorfeld von einer Erkältungswelle überrollt wurde. Da halfen auch regelgerechte sieben (!) Auswechslungen nichts mehr, seit jetzt 60 Jahren konnte kein Weltmeister seinen Titel erfolgreich verteidigen. Den nächsten Versuch gibt es 2026 von Argentinien, wenn die WM auf 48 Nationen aufgestockt und mit Mexiko, Kanada und den USA gleich in drei Ländern ausgetragen wird.

Kleinere Länder wie Katar werden so ein Mammutturnier nicht mehr ausrichten können. Katar investierte viele Milliarden Dollar für das Gelingen, baute neue Stadien, von denen viele wieder abgebaut, allerdings teilweise wieder verwertet werden. Die Besucher in Katar waren glücklich darüber, dass es eine WM der kurzen Wege gab. Auch hier wird Katar eine Ausnahme bleiben.

Auch sportlich war es eine gelungene WM mit vielen interessanten Spielen. Im Vordergrund stand eine zuverlässige Abwehrarbeit, da gehörte gerade Deutschland zu den schwächeren Teams und schied deshalb vorzeitig aus. Viele Nationen agierten defensiv mit Kontertaktik, was auch dazu führte, dass es tatsächlich keine Kleinen mehr gibt, spielerische Nachteile wurden durch Kampfgeist ausgeglichen. Vor allem Afrika war erfolgreich wie nie, Marokko als Vierter machte den ganzen Kontinent einschließlich des arabischen Raums glücklich. Die Spieler und Trainer haben viel in Europa und Südamerika gelernt, bald können sie wohl noch mehr Erfolge ernten. Aber ohne große Spieler geht es eben auch nicht, siehe die Stars Lionel Messi, Kylian Mbappé und Luka Modric, der Kroatien auf Rang drei führte. Messi (35) und Modric (37) wollen sogar in den Nationalteams ihre Karriere fortsetzen und noch ein bisschen den Glanz der großen Erfolge genießen.

Die FIFA will vor allem kassieren

Nach der WM ist vor der WM und da steht wieder die FIFA im Mittelpunkt. Wer gedacht hatte, dass Präsident Gianni Infantino geschwächt aus dem Katar-Geschehen hervorgehen könnte, der sieht sich getäuscht und muss den Infantino-Schock verdauen. Der größenwahnsinnige Schweizer, der sich sogar als politischer Weltführer sieht, hat nicht nur weitere Pläne, um FIFA-Turniere noch größer zu machen, er schockte auch damit, dass seine Berater trickreich Schwächen in den Statuten erkannten, so dass Infantino sogar bis 2031 im Amt bleiben kann. Seine ersten drei Jahre als Nachfolger von Josef Blatter werden nicht als erste Amtszeit gewertet, die läuft erst jetzt und zwei Wiederwahlen sind möglich.

Infantino sieht sich als Geldbeschaffer und verspricht vor allem den kleinen Nationen große Unterstützung – das bringt Stimmen. Dass Deutschland ihn nicht unterstützt, interessiert ihn nicht, „es ist nur eine Stimme von 211, über 200 sind für mich.“ So steht der DFB als doppelter Verlierer der WM da, denn auch in der FIFA hat der Verband an Einfluss verloren. Der größte Verband muss kleine Brötchen backen.

Der nächste Coup von Infantino ist die Ankündigung, dass die Klub-Weltmeisterschaft ab 2025 als großes Weltturnier mit 32 Mannschaften durchgeführt werden wird. Der Terminkalender wird immer dichter, die Spieler stoßen jetzt schon an ihre Grenzen, aber die FIFA will kassieren. Der Gewinn liegt derzeit schon bei 7,5 Milliarden Dollar und soll auf elf gesteigert werden. Als Einnahmequelle dienen künftig zudem sogenannte „World Series“, die in der Länderspielpause im März als Viererturnier durchgeführt werden sollen. Sie sollen wohl ein Gegenstück zur Nations League in Europa darstellen. Pflichtspiele statt Testspiele ist das Motto. Doch wo findet die UEFA neuen freien Raum? Ist der FIFA egal, sie diktiert und kassiert. Der Fußball wird finanziell ausgequetscht und stößt immer mehr an seine Grenzen. Kein Wunder, dass es noch Widerstand gibt.

Der DFB und die Zukunft

In Katar wurde großer Fußball geboten, in Deutschland werden die Wunden geleckt. Was ist zu tun, damit die Nationalmannschaft auch sportlich als würdiger Gastgeber bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land antritt? Wer nicht weiter weiß, der gründet zunächst einen Arbeitskreis. DFB-Präsident Neuendorf hat die Größen Rummenigge, Völler, Kahn und Sammer um sich versammelt, dazu die Top-Funktionäre Watzke und Mintzlaff. Sie sollen sich Gedanken machen, wie das DFB-Team auf Vordermann gebracht werden kann. Bundestrainer Hansi Flick wird aber auch gesehen haben, dass andere Mannschaften besser in der Abwehr und gieriger auf den Erfolg waren. Diesbezüglich kann der Weltmeister als Vorbild dienen. Argentinien startete mit der Blamage einer 1:2-Niederlage gegen Saudi-Arabien, Deutschland mit einer 1:2-Niederlage gegen Japan – dann trennten sich die Wege. Argentinien wurde Weltmeister, Deutschland schied aus.

Ein zweiter Arbeitskreis soll sich zudem um die Entwicklung im deutschen Fußball kümmern, da sind dann auch Frauen dabei, die rund ums Nationalteam vermisst werden. Diese Strukturkommission wird gebildet von Alexander Wehrle (Aufsichtsratchef der DFB GmbH), Schatzmeister Stephan Grunwald, Generalsekretärin Heike Ullrich, Marketing-Geschäftsführer Holger Blask, EM-Direktor Philipp Lahm und Vizepräsidentin Celia Sasic. Sie sollen auch die Organisation überprüfen, wie die Aufgaben vom bisherigen Direktor Oliver Bierhoff wirkungsvoll aufgeteilt werden können. Dann geht es auch um die personellen Entscheidungen.

Gute Ideen und Entscheidungen sind eine Notwendigkeit, wenn der Fußball in der Öffentlichkeit Kredit zurück gewinnen will. Die Begeisterung hat nachgelassen, Fans wenden sich ab, die Nationalmannschaft ist nicht mehr unantastbar. Die Einschaltquoten im Fernsehen zeigen den Rückgang des Interesses. 13,86 Millionen sahen das Finale in der ARD, vor vier Jahren waren es noch 21,32 Millionen, die sich für das WM-Finale Frankreich – Kroatien interessierten. Insgesamt verzeichneten ARD und ZDF einen Rückgang von 40 Prozent bei den WM-Zuschauern.

Das Interesse der Fans hat sich teilweise auf die Frauen verlagert, die mit Erfolgen glänzen können. Der Vize-Europameister beginnt das neue Länderspieljahr im Februar mit einem Gastspiel von Schweden in Duisburg. Vor allem für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die in Duisburg gespielt hat und Trainerin war, ein Heimspiel.

Der VfL Wolfsburg und Bayern München sind aogar in der letzten Woche vor Weihnachten noch im Spielbetrieb, schließen die Champions League ab. Die Bayern-Mädchen haben sich mit dem 4:0-Sieg in Malmö gegen Rosengard für das Viertelfinale qualifiziert, gegen Benfica Lissabon geht es am Mittwoch (21.00 Uhr) nur noch ums Prestige, denn Barcelona wird gegen Rosengard kaum Platz eins freimachen. Die Wölfinnen schwächelten beim 0:0 gegen AS Rom und müssen nun am Donnerstag (18.45 Uhr) beim SKN St. Pölten Platz eins mit einem Sieg verteidigen.

Eine WM der besonderen Überraschungen

Gianni Infantino hat es natürlich schon vorher gewusst. Der FIFA-Präsident prophezeite als oberster Katar-Repräsentant „die beste WM aller Zeiten“. Er nahm den Mund so voll, weil sein Geldbeutel schon voll war. Die beste WM aller Zeiten ist es natürlich nicht, auch wenn vor dem Halbfinale in punkto Organisation und Stimmung das Zwischenfazit einer überraschend guten Weltmeisterschaft gezogen werden kann, aber sie ist eine WM der Überraschungen. Sportlich reiht sich ein besonderes Schicksal an das andere.

Beginnen wir bei den großen Nationen des Fußballs. Italien – nicht dabei. Deutschland – die Gruppenphase wegen 20 schwacher Minuten gegen Japan nicht überstanden. Spanien – träumte vom Titel, wurde von Marokko im Elfmeterschießen ausgeschaltet. Brasilien – weint, zauberte teilweise wie der künftige Weltmeister, nur gegen Kroatien nicht. Das vorzeitige Aus wie schon immer seit dem letzten Titelgewinn 2002. 2006 Aus im Viertelfinale, genauso 2010, 2014 bei der Heim-WM 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland, 2018 wieder Ende im Viertelfinale, wie jetzt auch. England – der Elfmeter-Fluch ist nicht besiegt. Torjäger Harry Kane traf erst, dann beim entscheidenden Schuss (natürlich) nicht, 1:2 gegen Frankreich. Elfmeter-Schicksal halt.

Das Gegenstück zu diesen Namen sind Marokko und Kroatien. Marokko ist die Überraschung schlechthin, ist als erste afrikanische Mannschaft im Halbfinale dabei und fordert Titelverteidiger Frankreich heraus, der als erste Nation seit 60 Jahren das Double schaffen will. Kroatien wiederum besticht damit, dass es bei Weltmeisterschaften auf den Punkt seine beste Leistung abruft, mit Taktgeber Luka Modric im Mittelpunkt. 1998 war Kroatien Dritter, wurde vor vier Jahren erst im Endspiel von Frankreich gestoppt. Ein Titel fehlt noch, im Halbfinale das große Duell Modric gegen Messi.

Da sind wir bei den großen Spielern, die dieser WM den Stempel aufdrücken. Natürlich zuerst die beherrschenden Weltfußballer der letzten Jahre. Doch welche Diskrepanz: Hier Cristiano Ronaldo, im Verein nicht mehr gewollt und bei Portugal zum Mitläufer verkommen, der mit 37 Jahren das Ende seiner Karriere nicht sehen will. Im Nationaltrikot bleibt bei zehn Turnieren (bei denen er immer traf. Rekord!) der EM-Titel 2016 der größte Erfolg. Eine andere Figur gibt sein alter Widersacher Lionel Messi ab, der Argentinien ins Halbfinale führte, aber auch darum kämpft, sich endlich seinen großen Traum zu erfüllen: Als Weltmeister würde er sich und Argentinien glücklich machen. Ganz anders Neymar. Er will ein ganz Großer sein, aber wieder gehört er zu den Verlierern, wird in Brasilien nie auf einer Stufe mit Pelé oder Ronaldo stehen. Die Zukunft gehört dagegen Kylian Mbappé, auch wenn es mit der erfolgreichen Titelverteidigung mit Frankreich nichts werden würde. Wenn doch, dann wäre er das Gesicht dieses Erfolgs. Wohlgemerkt, er wird am 20. Dezember erst 24 Jahre alt, Messi ist 35, Neymar spricht mit 30 vom Ende seiner Karriere in der Selecao.

Und dann gibt es noch die kleinen Begebenheit am Rande der großen Geschichten. So zum Beispiel die Rolle von Olivier Giroud, der mit 36 zum Torgaranten von Frankreich aufstieg und den amtierenden Weltfußballer Benzema vergessen ließ. Oder die Elfmetertöter Dominik Livakovic und Emiliano Martinez aus Kroatien und Argentinien, die ihren Teams das Weiterkommen ermöglichten. Wer hat von diesen Torhütern vor dem Turnier gesprochen? Und dann natürlich Marokko, das afrikanische Wunder, mit Keeper Bono an der Spitze, mit einer starken Abwehrleistung, bisher ohne Gegentreffer vom Gegner in 90 Minuten, das einzige kassierte Tor war ein Eigentor. Der Erfolg ist das Ergebnis einer starken Mannschaftsleistung, auch das fast ein Wunder, denn die Spieler arbeiten reihenweise im Ausland, sind teilweise nicht einmal in Marokko geboren, sind aber mit Herz für die „Heimat“ dabei, orchestriert von Walid Regragui, der schon jetzt als „der“ Trainer des Turniers bezeichnet werden muss. Schon vor den Halbfinals Argentinien – Kroatien und Frankreich – Marokko und dem Finale am Sonntag – Katar hatte viel zu bieten.

Die Bayern im Neuer-Dilemma

Eine Weltmeisterschaft steht natürlich immer im Mittelpunkt, aber die Bundesliga tut einiges dafür, dass sie zum Comeback am 20. Januar nicht in Vergessenheit gerät. Auf diese Schlagzeile hätten Meister Bayern und Bundestrainer Hansi Flick allerdings gern verzichtet: Saison-Aus für Manuel Neuer! Der Nationaltorhüter hat sich beim Skiwandern verletzt, einen Ski verkantet, ist gestürzt und hat sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen. Neuer wurde bereits operiert, muss sechs Wochen Gips tragen und wird frühestens im Sommer wieder zur Mannschaft stoßen. Und die Frage bei dem 37-jährigen lautet dann: Können Nagelsmann und Flick noch auf Neuer setzen? Schon in Katar war er keineswegs einer der weltbesten Torhüter.

Die Bayern jetzt im Neuer-Dilemma. Was tun? Natürlich heißt es, dass Ersatzmann Sven Ulreich (34) und seinem Vertreter Johannes Schenk (19) das Vertrauen gilt. Weitere Kandidaten im Verein sind ebenfalls verletzt. Ulreich hat als Neuer-Vertreter nie enttäuscht, zuletzt gab es in acht Spielen acht Siege, davon fünf Zu-Null. Neuer fehlte wegen einer Schulterverletzung. Er fehlt immer öfter. Für die entscheidenden Wochen der Saison fehlen auch Weltstar Mané und Verteidiger Hernandez. Die großen Ziele in Meisterschaft und vor allem Champions League könnten zu einer Fata Morgana werden. Natürlich werden aber auch sofort Namen genannt, die Neuer ersetzen künnten. Zuerst geht es logischerweise um Alexander Nübel, der den Bayern gehört und zum AS Monaco ausgeliehen ist. Aber Nübel wird nicht als Teilzeitvertreter kommen, Monaco will ihn überdies halten und auch Klubs der Premier League sind an ihm dran. Ein Ersatz könnte Keylor Navas (35) sein, der bei Costa Rica glänzt, in Paris aber auf der Bank sitzt, der Italiener Donnarumma ist die Nummer 1. Aber lässt Paris den Torhüter zum CL-Gegner Bayern gehen? Da wäre auch noch der kroatische Held Dominik Livakovic, den sein Verein Dinamo Zagreb jetzt für gutes Geld verkaufen könnte. Eine Gelegenheit für die Bayern, die finanziell ja gut situiert sind.

Die Bayern müssen diesbezüglich noch Weichen stellen, der VfB Stuttgart hat es rund um seine Mannschaft bereits getan. Er nutzte die Pause zur personellen Erneuerung. Mit Fabian Wohlgemuth kam vom SC Paderborn ein neuer Manager, mit Bruno Labbadia zudem ein neuer Trainer, der ja in Stuttgart ein alter Bekannter ist, zum dritten Mal engagiert wurde, nachdem er zuletzt allerdings 2013 vorzeitig gehen musste. Jetzt soll das neue Gespann den Klassenerhalt schaffen. Neue Hoffnung auch bei Bayer Leverkusen, da hat Talent Florian Wirtz seine Leidenszeit beendet und ist in die Mannschaft zurück gekehrt. Es sagt einiges aus, wenn Trainer Xabi Alonso bereits nach 45 Minuten von seinem „Neuzugang“ begeistert ist. Außerdem: Hertha BSC würde dem DFB helfen und Sportdirektor Fredi Bobic als Bierhoff-Nachfolger ziehen lassen.

Bayern-Frauen lassen aufhorchen

Die Männer im Dilemma, die Frauen im Siegesrausch. Die Bayern-Frauen lassen in diesen Tagen aufhorchen, mit einem 3:1 über den FC Barcelona in der Champions League schafften sie mit einer großen Leistung vor 24.000 Zuschauern in der Allianz Arena ihren größten internationalen Erfolg. In der Bundesliga legten sie mit einem 2:0 gegen Leverkusen nach und gehen damit als Zweiter in die Winterpause. Erfolge aber auch am Verhandlungstisch, denn nach Klara Bühl, Lea Schiller und Sarah Zadrazil hat nun auch Linda Dallmann ihren Vertrag bis 2026 verlängert. Im Verein heißt es, „damit wurde die Grundlage für weitere Erfolge geschaffen“. Zwei Spiele stehen noch in der CL an, zunächst am Donnerstag in Malmö gegen Rosengard.

Noch aber behauptet der VfL Wolfsburg seine Rolle als führende Mannschaft in Deutschland. In der Bundesliga sind es immerhin fünf Punkte Vorsprung vor den Bayern und in der Champions League sind die Wölfinnen nach dem 4:2 gegen den AS Rom bereits für das Viertelfinale qualifiziert. In der Bundesliga überwintert Eintracht Frankfurt als Dritter ebenfalls auf einem Platz für die CL, am Tabellenende müssen sich Schlusslicht Turbine Potsdam (nur ein Punkt), das nach großartigen Jahren den Anschluss verloren hat, und Werder Bremen (4) Abstiegssorgen machen. Duisburg, Essen und Köln (je 10 Punkte) sind schon etwas enteilt. Am 4. Februar geht mit dem letzten Spieltag der Hinrunde weiter.

Eine positive Nachricht gab es für die Klubs abseits der Punktrunde, der neue Fernsehvertrag von 2023 bis zur Saison 2026/27 bringt das Vierfache an Geld. Künftig werden 5,175 Millionen Euro pro Saison an die zwölf Vereine ausgeschüttet, was für die Männer natürlich immer noch Peanuts wären. Für die Frauen-Bundesliga ist es aber eine erhebliche Steigerung und ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Anerkennung, zumal sich die TV-Zeiten steigern werden.

Auch die Bundesliga wird unter der WM-Pleite leiden

Man mag es kaum glauben, Deutschland ist ausgeschieden, aber die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar nimmt ihren gewohnten Gang. Der Unterschied ist frappierend: Katzenjammer hierzulande, vor allem die sogenannten Experten, meist ehemalige Nationalspieler, lassen kein gutes Haar an der aktuellen Mannschaft, jeder haut drauf wie er will. Schadenfreude dagegen in Katar und bei vielen Konkurrenten über die Deutschen, die sich so gern, vor allem im Vorfeld der WM, als Weltverbesserer aufspielen. Zurück bleibt für den Deutschen Fußball-Bund ein Scherbenhaufen und auch die Bundesliga wird unter der WM-Pleite leiden. Jetzt geht es um die Aufarbeitung und die Zukunft. Die Europameisterschaft 2024 in Deutschland sollte eine Wiederauflage des Sommermärchens von der WM 2006 werden, doch derzeit ist die Stimmung im Keller, die Öffentlichkeit wendet sich vom Fußball ab. Die Fußball-Nationalmannschaft hat die Rolle als der Deutschen liebstes Kind verloren.

Fehler über Fehler wurden vor und in Katar gemacht (WM-Bilanz im nächsten Blog „Chaos auf dem Feld und neben dem Feld – Resultat: WM-Aus“), dem DFB traut man in seiner jetzigen Konstellation nicht zu, die Probleme wirklich zu lösen. Da muss die DFL mit der Bundesliga das Heft in die Hand nehmen, aber sie hat selbst Sorgen, DFL-Chefin Donata Hopfen zeigte sich nicht als würdige Seifert-Nachfolgerin und steht offensichtlich vor der Ablösung. Ihr Vertrag geht bis 2024, das kostet die DFL einiges an Geld, außerdem stehen wichtigen Fernsehverhandlungen mit dem Ausland bevor. Dabei befindet sich die Bundesliga nach Katar in einer schlechten Ausgangsposition, denn der gute Ruf hat gelitten.

Noch größer sind freilich die Probleme beim DFB, der auch finanziell leidet, von rund 30 Millionen Euro Verlust im letzten Geschäftsjahr ist die Rede. Der neue Präsident Bernd Neuendorf sucht gern die Öffentlichkeit, aber die Fallstricke hat er nicht erkannt und Führung nicht gezeigt. Wie früher schon in anderen Situationen, so hat der DFB jetzt auch unter Neuendorf in der „Binden-Affäre“ ein denkbar schlechtes Bild abgeben, der Verband wurde getrieben von Menschenrechtsgegnern in Deutschland, hat selbst keine Meinung vertreten und international Porzellan zerschlagen. Bitter, dass Deutschland seine führende Rolle innerhalb des Weltverbandes verloren hat. Ganz im Gegenteil, in Sachen „One-Love-Binde“ musste sich Deutschland noch von FIFA-Präsident Gianni Infantino verspotten lassen.

Die Vergangenheit war schlecht, die letzten Turniere von Misserfolgen geprägt, aber die Zukunft sieht nicht besser aus. Doch wer kann die Weichen für eine bessere Zukunft stellen? Oliver Bierhoff wird diese Rolle nicht mehr zugetraut, der für den Sport zuständige Direktor stellt die neue Akademie in Frankfurt als sein Glanzstück heraus, doch eine bessere Organisation rund um die Nationalmannschaft verhindert er, bremst bei der Installierung eines Sportdirektors für das Team. Bezeichnend, dass bei einer Umfrage des kicker mit über 300.000 Teilnehmern 91 Prozent die Ablösung von Bierhoff fordern! Da hat Bundestrainer Hansi Flick sogar ein besseres Standing, 45 Prozent, also eine Minderheit, halten zu ihm, wollen ihm noch eine Chance geben.

Dabei wird die Weiterentwicklung der Auswahlmannschaft schwierig, sie kann in den nächsten Jahren für keine Höhepunkte sorgen, denn als Gastgeber für die EM 2024 qualifiziert, stehen bis dahin nur Freundschaftsspiele auf dem Programm. Im März geht es los. Hansi Flick muss allerdings diese Zeit nutzen, um einerseits zu testen, andererseits dann aber rechtzeitig eine Stamm-Mannschaft zu finden. Das hat er vor Katar versäumt. Vor allem muss sich Flick auf ein System festlegen und entsprechend das Personal auswählen. Eigentlich sollte die WM 2022 eine Zwischenstation auf dem Weg zu einer erfolgreichen EM 2024 sein, doch sie war eher ein Schritt zurück. Allerdings muss man schon einschränken, dass das Ausscheiden nicht so katastrophal war wie 2018. Immerhin schied Deutschland nach einem Sieg aus, weil die anderen Nationen nicht für die DFB-Elf spielten. Jeder ist halt seines eigenen Glückes Schmied. Aber wie wäre die Stimmung bei einem Weiterkommen dank spanischer Schützenhilfe gewesen?

Die Gruppenphase bewies: Es gibt keine Kleinen mehr! Das Achtelfinale ohne Deutschland läuft noch bis Dienstag und das mit Japan, Südkorea, Marokko und zum dritten Mal in Folge mit der Schweiz, die Portugal mit Cristiano Portugal herausfordert, nachdem sie das emotionale Duell mit Serbien gewonnen hat. Die Weltstars Lionel Messi und Kylian Mbappé prägen derzeit das Geschehen. Messi hat sein 1000. Pflichtspiel als Profi absolviert und Argentiniens alten Held Maradona an WM-Toren übertrumpft. Auf dem Weg zum ersehnten WM-Titel steht jetzt die Niederlande im Viertelfinale im Weg. Ob die Holländer singen „Ohne Deutschland sind wir bei der WM“?

Das Viertelfinale am Freitag und Samstag hat zudem einen zweiten Knüller zu bieten, nämlich das Duell England gegen Frankreich. Erstaunlich, Titelverteidiger Frankreich hat bei einer WM-K.o.-Runde noch nie gegen England gewonnen. Erstaunlich, wie Frankreich die Ausfälle von Benzema und Pogba kompensiert hat. Fehlt ein klasse Mittelstürmer ist mit Giroud noch ein zweiter im Kader. Glückliches Frankreich. Vor allem aber Mbappé macht Spaß, stahl beim 3:1 gegen Polen Lewandowski die Show und führt jetzt mit fünf Treffern die Torschützenliste an. Ihn sollten sich Gnabry oder Sané zum Vorbild nehmen.

Das lenkt den Blick auf die Bundesliga, die zwar noch bis 20. Januar Pause hat, die aber schon jetzt weiß, dass sie im nächsten Jahr international um eine neue Reputation kämpfen muss. Zum Beispiel in der Champions League die Bayern gegen Paris St. Germain mit Mbappé. Die Bayern-Asse befinden sich in einem Tief, Joshua Kimmich sieht sich „in einem Loch“, Thomas Müller verzweifelt, „ich brauche lange, um das zu verdauen“. Sieben Bayern waren unter den Ausgeschiedenen, nur Upamecano hat bei Frankreich einen Stammplatz, Coman und Pavard sind nur Einwechselspieler, ebenso de Light bei den Niederlande. Keine gute Werbung. Ähnlich sieht es bei Dortmund aus, wo Bellingham zwar bei England auftrumpft, aber Süle und Schlotterbeck waren die größte Fehlerquelle beim entscheidenden 1:2 gegen Japan. Eigentlich zeichnete sich das auch in der Bundesliga ab, Herr Flick!

Freude bei den Frauen

Dann kommen wir doch zu einem erfreulicheren Thema, die Frauen stehlen im Fußball den Männern die Schau und es gibt Anzeichen, dass die Zuschauerzahlen deshalb steigen, weil viele Männer jetzt lieber den Fußball-Mädchen zuschauen, die bei der EM für eine Begeisterungswelle sorgten. Kein Wunder also, dass die Frauen-Bundesliga von Rekord zu Rekord eilt. Bisher stand der Zuschauerrekord einer Saison bei 156.000, im Jahr 13/14 erzielt. Jetzt sahen nach nur neun Spieltagen bereits 173.000 Fans zu! Beim Schlagerspiel Wolfsburg – Frankfurt waren 14.000 Fans dabei, 3500 sahen Freiburgs 4:1 gegen Duisburg und 2900 Hoffenheims Niederlage gegen Bayern München. Die Spitzenteams sorgten aber dafür, dass oben die Spannung verloren geht, Wolfsburg hat nach dem 5:0 gegen die Eintracht fünf Punkte Vorsprung auf die Bayern, die in Hoffenheim 4:0 auftrumpften und an Frankfurt vorbei auf Platz zwei rutschten. Am kommenden Wochenende wird die Runde für dieses Jahr abgeschlossen, der letzte Vorrundenspieltag wird erst im Februar ausgetragen. So ist der Spielplan nicht attraktiv, das muss sich verbessern. Wolfsburg und die Bayern wollen sich zum Abschluss von Meppen bzw. Leverkusen nicht düpieren lassen.

Schwerer werden die Aufgaben in der Champions League, wo erst Halbzeit in der Gruppenphase ist. Wolfsburg kann am Donnerstag (18.45 Uhr) gegen AS Rom nach dem 1:1 im Hinspiel die Weichen auf Gruppensieg stellen. Der ist für die Bayern nach dem 0:3 in Barcelona weit weg, aber ein Achtungserfolg im Rückspiel am Mittwoch (21.00 Uhr) könnte Auftrieb geben. Ein Vereinsrekord steht da schon fest, es sind nämlich bereits 20.000 Tickets für die Allianz Arena verkauft. Da geht es also auch wieder um Werbung für den Frauen-Fußball.

Chaos auf dem Feld und neben dem Feld – Resultat: WM-Aus

Aus und vorbei. Wieder einmal muss Deutschland bei einem Turnier vorzeitig abreisen, wie bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland überstand das DFB-Team die Gruppenphase nicht. Spott und Häme sind der Mannschaft gewiss, gemäßigt heißt es „Vom Weltmeister zum Sorgenkind“, doch das Ausscheiden 2022 hat einen anderen Touch als das 2018. Vielleicht bringt es Italiens Fachzeitung Gazzetto dello Sport auf den Punkt: „Deutschland von Spanien verraten.“

Das Ausscheiden nach dem 1:2 gegen Japan, 1:1 gegen Spanien und 4:2 gegen Costa Rica war so unnötig wie unglücklich. Unnötig, weil zunächst die Nebengeräusche um die Kapitänsbinde „One Love“ den Sport übertönten und die Konzentration auf das erste Spiel störten. Unnötig, weil Bundestrainer Hansi Flick Fehler beging und der Mannschaft nicht half. Unnötig, weil allein 20 schwache Minuten gegen Japan für die entscheidende Niederlage sorgten. Unglücklich, weil die Flick-Schützlinge zig Chancen auf Tore hatten, sie aber nicht nutzten. So traf Jamal Musiala allein gegen Costa Rica zweimal den Pfosten. Unglücklich, weil Spanien gegen Japan keine Schrittmacherdienste leistete, ein Unentschieden hätte Deutschland gereicht. Vielleicht wollte Spanien aber auch gar nicht gewinnen, die seltsame 1:2-Niederlage bedeutete Platz zwei und den Gegner Marokko im Achtelfinale, als Gruppensieger wäre es gegen Kroatien gegangen, das als unangenehmer gilt. Nicht zu vergessen, zwischendurch waren dem Spielstand nach Spanien und Deutschland ausgeschieden! Dann rettete Deutschland mit dem 4:2 Spanien, bekam aber keine Gegenleistung. Unglücklich auch, weil das Siegtor Japans umstritten war, es wurde diskutiert, ob der Ball vor dem Siegtor Tanakas im Aus war oder nicht. Der Schiedsrichter gab den Treffer, die Szene wurde vom VAR geprüft, war aber offensichtlich nicht richtig zu klären. Es gibt Bilder, die den Ball eindeutig im Aus zeigen! Unglücklicher geht es also nicht.

Dennoch, es bleibt als WM-Bilanz, dass das Aus zum großen Teil selbst verschuldet ist. Japans Trainer bedankte sich bei Deutschland: „Wir sind so stark, weil unsere Spieler in der Bundesliga viel lernen“ Zur Erinnerung, acht Japaner verdienen ihr Geld in Deutschland, der Siegtorschütze bei Fortuna Düsseldorf. Lernen die deutschen Spieler in ihrer eigenen Liga weniger? Es hat den Anschein, denn mit der DFB-Elf geht es bergab, früher galt Deutschland als Turniermannschaft, das ist vorbei. Seit der EM 2016 ist die Bilanz negativ, in zehn Spielen siegte Deutschland nur dreimal, verlor aber fünf Spiele (2 Remis). Da ist ein vorzeitiges WM-Aus eigentlich logisch…

Wer sind die Schuldigen, wo sind sie zu finden? Der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte natürlich eine Analyse an, wollte aber von Entlassungen nichts wissen. Auch die Hauptverantwortlichen nicht, nämlich Sportdirektor Oliver Bierhoff, unter dessen Leitung es mit dem Nationalteam abwärts geht und der sich auch nicht frühzeitig genug von Joachim Löw trennte, aber auch Hansi Flick nicht, der wie Bierhoff einen Vertrag bis 2024 hat und die Europameisterschaft 2024 in Deutschland als Ziel von Anbeginn an ausgab. Ein WM-Aus nur als Zwischenstation? Als Wachrüttler und Mutmacher? Dann muss das Chaos rund um das Team und beim DFB, also neben dem Feld, und das Chaos auf dem Feld (Schwächen in der Abwehr, keine Gier, vor allem vor dem gegnerischen Tor, fehlendes Tempo) beseitigt werden. Gegen Costa Rica fielen zwar am Ende doch noch die Tore zum Sieg, zwischendurch aber gab es Standfußball, war das Team wie gegen Japan von der Rolle. Eine Sache für Flick. Was wir vorgesetzt bekamen war Flick-Schusterei.

Verantwortlich sind in erster Linie natürlich die Spieler. Angeblich war die Gemeinschaft viel besser als 2018 in Russland, das Resultat aber gleich schlecht. Die Fans stellen sich die Frage, wer von den älteren Spielern die Konsequenzen zieht. Kapitän Manuel Neuer hat einen Rücktritt schon ausgeschlossen, zeigte aber nicht die gewohnte Souveränität. Thomas Müller deutete Überlegungen an („Muss mit meiner Frau reden“) und sollte erkennen, dass er an Bedeutung verloren hat. Auf seiner Position war Jamal Musiala der beste deutsche Spieler. Ein Duell, das auch Bayern München beschäftigen wird. Auch ein Rücktritt von Ilkay Gündogan würde nicht überraschen, schließlich hatte er schon vor dem Turnier darüber sinniert. Vielleicht hat er selbst erkannt, dass er das Spiel eher hemmt als ihm nützt.

Da sind wir bei der Zukunft. Auffallend, dass Flick gegen Costa Rica auf die Bayern-Power setzte und alle sieben Münchner WM-Akteure aufs Feld schickte. Das „mia san mia“ konnte er dem Team aber ebenso wenig implantieren wie das schnelle Spiel. Und er hätte eine Erkenntnis der Bayern übernehmen sollen: Ohne richtigen Mittelstürmer geht es nicht. Was bei Bayern Choupo-Moting zuletzt war, hätte jetzt Niclas Füllkrug sein können, der aber nur Kurzzeitarbeiter sein durfte, es aber erfolgreich war. Die Fans hätten gern Füllkrug statt Müller gesehen. Fachleute eben…

Eigentlich hatte man gedacht, dass mit dem bei Bayern erfolgreichen Hansi Flick eine bessere Zukunft eingeleitet werden würde, doch acht Siege zum Auftakt waren Augenwischerei, weil es schwache Gegner waren. Die Wahrheit zeigte sich in den letzten Monaten, in elf Spielen nur drei Siege gegen Italien (nicht bei der WM!), Oman und Costa Rica! Die Zukunft gehört jungen Spielern wie Musiala, Wirtz und Moukoko – und wer noch? Da taucht ein Problem auf, für das Oliver Bierhoff zum Teil verantwortlich ist: Die Nachwuchsarbeit, auch hier geht es beim DFB abwärts. Verantwortlich sind aber auch die Vereine. Abwehrrecken, Mittelfeldabräumer und Mittelstürmer werden benötigt. Sie sind Mangelware, weil vor allem von jungen Spielern Technik und Flexibilität gefordert wird. Nicht der Arbeiter bzw. Fachmann für eine Position wird herangebildet.

Der DFB als Verband hat in seiner Ausstrahlung gelitten, galt Fußball einst als Vorbild, so wenden sich die Leute jetzt vielfach ab, aber nicht unbedingt anderen Sportarten zu. Der Chaos-Verband wird es bald ebenso merken wie die Bundesliga, wenn zum Beispiel die Einschaltquoten im Fernsehen im Keller bleiben, lukrative Verträge können dann kaum noch abgeschlossen werden. Bezeichnend auch, dass 17,4 Millionen Zuschauer in der ARD das Spiel gegen Costa Rica sahen, was 2022 WM-Rekord war, aber weit weniger als die 25 Millionen im entscheidenen Spiel gegen Südkorea vor vier Jahren. Und weniger, als die 17,9 Millionen, die das EM-Finale der Frauen-Nationalmannschaft im Sommer sahen. Die Frauen sorgten für Begeisterung, die Männer jetzt für Enttäuschung. Dabei sollten sie sich doch die Frauen als Vorbild nehmen, denen die Begeisterung auch auf dem Feld anzumerken war. Von Chaos war im Sommer keine Spur.