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Was passiert alles in der Länderspielpause?

Pause in der Punktehatz der internationalen Fußball-Ligen. Jetzt stehen die Nationalmannschaften wieder im Blickpunkt, aber eine Ruhephase gibt es bei den Vereinen keineswegs. Was wird in dieser Länderspielpause alles passieren? Vor allem bei den Vereinen, aber auch drumherum? Eines ist sicher, nicht nur das Corona-Problem hält das Interesse am Fußball wach.

Länderspielpause, das klingt danach, als könnten die Vereinstrainer endlich einmal in Ruhe mit ihren Spielern trainieren und taktische Varianten einstudieren. Pustekuchen, die Trainingsplätze bleiben zwar nicht leer, aber das Personal ist erheblich ausgedünnt. Alle Bundesligisten müssen Spieler abstellen, bei Dortmund sind es 15, bei den Bayern und Leipzig je 13, bei Union Berlin, Bremen und Bielefeld allerdings nur zwei, bei Augsburg, Freiburg und Stuttgart immerhin aber noch sieben. Alle Abstellungen sind allerdings auch mit Risiken verbunden, weil viele Nationalspieler in Risikogebiete reisen, es droht sogar Quarantäne bei der Rückkehr. Bremen und Bielefeld nutzen die Möglichkeit, eine Abstellung der Spieler abzulehnen, wenn diese danach in Quarantäne müssten. Nicht immer weiß man das allerdings vorher. Das Ausfallrisiko ist also groß, es kommen ja die üblichen Verletzungen hinzu. Wie oft müssen Vereine leiden, weil sich ihre Stars bei der Nationalmannschaft verletzt haben.

Von Ruhepause also keine Spur, auch die Funktionäre nutzen die Tage, um Weichen für die Zukunft zu stellen. In der Bundesliga geht die Diskussion um die künftige Verteilung der Fernsehgelder weiter. Eine Gruppe von Vereinen aus der ersten und zweiten Liga hat sich bereits positioniert und fordert eine ihrer Meinung nach gerechtere Verteilung nach dem Motto, weniger für die Großen, mehr für die Kleinen. Die Spitzenklubs wollen ihre Pfründe sichern und treffen sich am Mittwoch. Mit dabei sind 14 Bundesligisten und der Hamburger SV als Bundesliga-Dino (wohl nach dem Motto, der gehört einfach in die Bundesliga). Nicht eingeladen sind die „abtrünnigen“ Stuttgart, Augsburg, Bielefeld und Mainz, die mit den Zweitligisten Druck auf eine andere Verteilung machen. Ihrer Meinung nach wird zu viel Wert auf die sportliche Platzierung gelegt und damit würde die Schere zwischen reichen und ärmeren Vereine immer größer.

Eine Annäherung sollte möglich sein, doch dass Erfolg zählt, gehört eigentlich zu einer Leistungsgesellschaft. Es wird ja keinem der Erfolg verwehrt, einige Vereine müssen sich im Gegenteil vorhalten lassen, dass sie nicht gut genug gewirtschaftet haben, jetzt wollen sie vom guten Ruf der anderen profitieren. Tatsache ist doch, dass Aushängeschilder wie München und Dortmund beste PR für die Bundesliga machen und nicht Mainz oder Bielefeld. Andererseits waren gerade die beiden Spitzenvereine auch schon am Rande des finanziellen Debakels und haben sich wieder gefangen. Oder schauen wir auf Borussia Mönchengladbach. Ein Verein, der sicher nicht mit Geld gesegnet ist, aber es geschafft hat, fast Stammgast in der Spitzengruppe zu sein. Gute Arbeit wird also belohnt und sollte auch bei TV- und Werbegeldern belohnt werden! Außerdem: Ein Streit ums Geld passt nicht in die Zeit!

Übrigens: Auf Europas Bühnen haben alle Bundesligisten beste Werbung für die Liga gemacht. Bei Halbzeit liegen bis auf Leipzig (aber punktgleich mit Manchester United) alle deutschen Vereine in ihren Gruppen vorn, das gab es noch nie! Da besteht sogar Hoffnung, dass Leverkusen oder Hoffenheim auch in der Europa League mal für Furore sorgen. Herausragend aber das 6:0 von Gladbach in Kiew gegen Donezk, das zuvor sogar bei Real Madrid gewonnen hatte! Also: Gladbach als Vorbild!

Münchner Mentalitätsmonster

Welche Qualität die Bundesliga hat, zeigte sich am letzten Spieltag vor der Länderspielpause, auch hier beste PR. Das Spitzenspiel Dortmund – Bayern war in allen Belangen wirklich spitze, die Bundesliga stellte dabei zum Beispiel die englische Premier League in den Schatten, denn das dortige Top-Duell Manchester City – Liverpool konnte mit dem Bundesliga-Fußball keinesfalls mithalten. Dazu lieferten sich die Verfolger Leverkusen und Gladbach beim 4:3 ebenfalls eine mitreißende Partie. Der Bundesliga-Fußball kann sich sehen lassen – auch international!

Die Bayern entpuppen sich in diesen Wochen als wahre Mentalitätsmonster. Ob national oder international, sie stecken Rückstände oder Verletzungen einfach weg und bleiben auf der Siegesstraße. Trainer Hansi Flick ist ein Jahr im Amt und hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, symbolisch zog er seinen Hut vor den Spielern, die auf dem Rasen erst seine Arbeit zum Erfolg werden lassen. Sogar der Nackenschlag mit dem Ausfall von Leader Joshua Kimmich wurde beim 3:2-Sieg in Dortmund weggesteckt. Ob das allerdings auf Dauer gelingt, wird sich zeigen. Kimmich erlitt einen Meniskusanriss und wurde bereits operiert. Er wird bis Januar ausfallen. Das andere Sorgenkind sorgte sportlich für Schlagzeilen, David Alaba krönte eine ausgeklügelte Standardvariante mit dem golden Schuss zum 1:1-Ausgleich. Beweis dafür, dass er weiter für die Mannschaft da ist. Könnte ja sein, dass er in der Länderspielpause auf neue Gedanken kommt und einen Verbleib in München wieder in Betracht zieht, weil er ein attraktiveres Umfeld kaum finden wird. Im Blickpunkt auch Leroy Sané, der sich als Joker bewährt und mit schönen Toren beste PR für sich selbst macht. Auf einen Einsatz in der Startelf muss er wohl noch warten, „er ist noch nicht bei hundert Prozent“, bittet Flick um Geduld. Mit der Jokerrolle wird Sané allerdings auf Dauer nicht zufrieden sein.

Am Tabellenende war es nichts mit dem Siegen, es gab nur Punkteteilungen. So müssen Schlusslicht Mainz, Schalke und Köln weiter auf ihren ersten Saisonsieg warten. Teilweise beschwerten sie sich auch über den Videoschiedsrichter. Wer unten steht, sieht sich immer im Nachteil. Pikant: Nächster Gegner von Schalke ist am 21. November der VfL Wolfsburg, dort machte Trainer Glasner durch seltsame Aussagen Schlagzeilen, aber eine Entlassung muss er wohl nicht befürchten. Wolfsburg und Leverkusen sind nämlich die einzigen Mannschaften noch ohne Niederlage in dieser Saison! Enden auf Schalke zwei Serien?

Jogi Löw mit Personalproblemen

Es gibt ja viele Menschen, die fragen, was macht eigentlich ein Bundestrainer die ganze Zeit? Vor kurzem war Joachim Löw ja wirklich arbeitslos, aber derzeit müsste man ihn eigentlich bedauern. Löw erlebt eine Leidenszeit (wobei er wahrscheinlich auch gelitten hat, weil er Länderspiele ausfielen), weil er gute Ergebnisse mit der Nationalmannschaft liefern soll oder sogar muss, aber nie auf die stärkste Mannschaft zurückgreifen kann. Auch diesmal nicht in den letzten Spielen der Nations League gegen die Ukraine am Samstag und in Spanien am 17. November. Verletzungen und Corona machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit Klostermann und Halstenberg fallen gleich zwei Außenverteidiger aus, dazu Havertz, Draxler, Kehrer, Reus (noch geschont) und zuletzt auch noch Kimmich. Für den holte Löw ausgerechnet den Wolfsburger Ridle Baku aus der U21. Bakus Vorbild: Joshua Kimmich. „So wie er möchte ich spielen“, sagte er in einem Interview. Das Dilemma für Löw: Erfolge müssen dennoch her, denn es geht auch um eine gute Platzierung in der Weltrangliste, damit Deutschland Gruppenkopf bei der WM-Qualifikation für 2022 wird. Ansonsten drohen schon starke Gegner in der Vorrunde. Das Testspiel am Mittwoch gegen Tschechien ist nur Beiwerk und Schaulaufen der Ersatzspieler. Kritikern sei gesagt: Auch der DFB braucht Geld. Es scheint also wirklich so, im Fußball dreht sich alles um das Geld.

Vorankündigung: In dieser Woche noch „Hetzjagd hinterlässt Spuren in Europas Fußball“.

Die Fußball-Trainer werden zu Glücksrittern

Der erste Teil der Hetzjagd im internationalen Fußball geht am kommenden Wochenende zu Ende, wenn dann die nächste Länderspielpause ansteht. Was natürlich bedeutet, dass die Nationalspieler keineswegs zur Ruhe kommen, die wertvollsten Stars also auch der größten Belastung ausgesetzt sind. In dieser Hetzjagd, wenn ungefähr alle drei Tage gespielt wird, heißt „Belastungssteuerung“ das Zauberwort, die Trainer werden dabei zu Glücksrittern.

Bestes Beispiel ist Hansi Flick beim FC Bayern München, der am Samstag beim Gastspiel in Köln das Undenkbare wahr werden ließ, nämlich komplett auf Torjäger Robert Lewandowski zu verzichten. Für den Polen war zu Hause Erholung und Wellness angesagt, Akku aufladen heißt es so schön. Seine Vertreter fanden das Tor nicht, die Bayern stolperten und holperten zu einem 2:1-Sieg, weil auch Goretzka, Coman, Alaba und Hernandez pausierten, für den Trainer hieß das nichts anderes als „Glück gehabt“. Schon beim 2:1 in Moskau war für den einen oder anderen Schonung angesagt, auch da ging es gut. So wie Flick geht es natürlich auch allen anderen Kollegen, die auf Europas Bühne beschäftigt sind. Nicht für jeden endet die Rotation oder eben das Glücksspiel positiv, Peter Bosz haderte nach der 0:1-Niederlage von Leverkusen bei Slavia Prag. Allerdings wurde gerade Bosz auch zum Glück gezwungen. Neuzugang Schick ist verletzt, so musste wieder der eigentlich nicht mehr so gelittene Lucas Alario ran. Und was macht der – er trifft!

In der Bundesliga befindet sich Leverkusen deshalb wieder auf dem Erfolgsweg, was bedeutet, dass die „Big Five“ zurück sind, ihre Welt ist wieder in Ordnung. Die Bayern sind wieder Tabellenführer, Dortmund punktgleich Zweiter, der gestürzte Spitzenreiter Leipzig, Leverkusen und Gladbach die Verfolger, das Feld dahinter kann sich um den Rest vom internationalen Geldtopf streiten, wobei die Rangfolge fragil ist. Sechster ist derzeit der FC Augsburg, bei dem der umstrittene Kaderumbau offensichtlich geglückt ist und der damit auf dem besten Weg ist, in seinem zehnten Bundesliga-Jahr wieder einmal eine ruhige Saison ohne Angst um den Klassenerhalt zu erleben. Oder geht sogar noch mehr? Auffallend: Am Samstag kommt Hertha BSC Berlin zum FCA, also ein Verein, der sich eigentlich dort sieht, wo die Augsburger jetzt stehen. Die Labbadia-Schützlinge befinden sich aber gerade mal auf Rang 14.

Zurück zu den Bayern, auch wenn quasi nur eine B-Mannschaft antritt, purzeln Rekorde. Thomas Müller zum Beispiel wird scheinbar nicht müde, er trieb seine Mitspieler zum Sieg an, es war für ihn der 260. in der Bundesliga, damit stellte er den Vereinsrekord von Torhüter-Titan Oliver Kahn ein, der dazu allerdings 429 Spiele brauchte, Müller nur 357. Mit Siegen kennen sie sich halt bei den Bayern aus, vor allem Javi Martinez, der bei seinem 150. Spiel zum Jubiläum den 125. Sieg feierte (welch eine Quote!), was vorher noch niemand in der Bundesliga in dieser Zeit schaffte. Das geht wohl nur bei den Bayern.

Für die Münchner stehen aber harte Prüfungen bevor, Flicks Rotation wird sich in dieser Woche wohl in Grenzen halten. Auch Glücksritter können bekanntlich Pech haben. Zuerst gibt es die kürzeste Anreise in Bayerns Champions-League-Geschichte ins rund 150 km entfernte Salzburg, das Aufeinandertreffen mit den Red Bulls ist eine Premiere. Die Bayern gastierten mal zu einem Freundschaftsspiel in Salzburg – und unterlagen mit 0:3. Die RB-Stürmer könnten den Bayern gefährlich werden, allerdings schwächelt die Abwehr, eine Aufgabe für Robert Lewandowski. Gibt es ein Torfestival?

Noch wichtiger ist wohl das deutsche „Clasico“ am Samstag in Dortmund. Die Borussen orientieren sich gerade an den Münchnern und gewinnen Spiele ohne Bestleistung. Brisanter könnte die Ausgangsposition im Duell der beiden gleichauf liegenden Teams nicht sein. Im Vorjahr schossen die Dortmunder allerdings nicht ein Tor gegen die Bayern (0:4 und 0:1)! Das soll diesmal anders werden, vor allem dann, wenn „Torjäger“ Mats Hummels wieder fit ist. Er schoss und köpfte die Tore zum 2:0 in Bielefeld und könnte auch seinem alten Verein weh tun. Zuvor sollte man die Aufgabe in Brügge am Mittwoch bestehen. Bei den Bayern könnte es noch Unruhe geben in dieser Woche, nachdem der Verein das Vertragsangebot an den wechselwilligen David Alaba zurückgezogen hat. Seinem Berater war es zu niedrig, er will Alaba wohl zum Bestverdiener bei den Bayern machen. Im Schatten des Topspiels steht das zweite große Duell zweier Spitzenteams, Leverkusen gegen Gladbach bildet den Schluss des 7. Spieltags. Leverkusen aufgepasst, Gladbach hat gerade Leipzig gestürzt!

Null-Nummer am Tabellenende

Der Blick geht natürlich auch an das Tabellenende und da gibt es eine absolute Null-Nummer. Es treffen sich die „Nuller-Klubs“, Mainz 05 und Schalke 04, beide beklagen null Siege, Schalke schon 22 Spiele lang, Mainz sechs in dieser Saison und ist damit Schlusslicht mit null Punkten. Vorteil Schalke also, das sich mit zwei Unentschieden im „Aufwind“ befindet. Wenn Not auf Elend trifft meint man, einer wird gewinnen, doch das ist ja im Fußball nicht immer so. Nur der Sieger wird mit Auftrieb in die Länderspielpause gehen, beim Verlierer brennt endgültig die Hütte. Beide Klubs haben bereits ihre Trainer gewechselt, wobei Manuel Baum bei Schalke auf einen zarten Aufschwung verweisen kann, der einstige Co-Trainer Jan-Moritz Lichte in Mainz jedoch auf Bewährung spielt, nämlich „bis auf Weiteres“. Die könnte bei einer Niederlage in der Länderspielpause enden. Gelegenheit wäre dann für einen Versuch mit einem neuen Trainer. Die Null soll schließlich nur im Vereinsnamen bleiben.

Eishockey-Bund wirft den Rettungsring

Covid-19 beutelt Europa ganz schön, das Corona-Virus stoppt wieder überall das normale Leben. Die Bundesregierung hat für Deutschland einen erneuten Lockdown (wenn auch light) ausgerufen, weil die Infektionszahlen einfach zu hoch sind. Es ist eine wohl richtige und dennoch harte Entscheidung, die Kritik aus allen Richtungen nach sich zieht. Auch der Sport hätte gern mehr Bewegungsfreiheit, mehr Zuschauer und weniger Corona. Wenn das nur so einfach wäre. Aus den vergangenen Monaten wissen wir, dass das Eishockey besonders hart betroffen ist und sogar die Zukunft dieser rasanten Sportart unsicher geworden ist. Doch aufgeben gilt nicht, der Deutsche Eishockey-Bund wirft den Rettungsring, allen Bedenken zum Trotz soll wieder Eishockey gespielt werden, koste es, was es wolle.

Eishockey ist eine teure Sportart und kassiert weniger als andere Mannschaftssportarten von Fernsehen und Sponsoren. Dennoch muss es weitergehen. Deshalb will der Verband auch mit aller Macht den traditionellen Deutschland-Cup vom 5. bis 8. November in Krefeld durchziehen, auch wenn es kaum Gegner gibt. Der Reihe nach haben Norwegen, Russland, die Slowakei und die Schweiz abgesagt. Zu viel Corona, zu wenig Mut oder Interesse. Nur Lettland traut sich und damit es ein Turnier gibt, ist neben der deutschen Nationalmannschaft auch ein deutsches „Perspektivteam Olympia 2022“ (das Kind braucht einen Namen) am Start. Jeder spielt gegen jeden, am Ende gibt es sogar ein Finale und den Beweis: Eishockey lebt.

Das ist das vorrangige Ziel des DEB, das Eishockey wieder in die Öffentlichkeit zu bringen, dafür nimmt man einen Verlust in Kauf. Möglicherweise fassen dann auch die Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) eher wieder den Mut, die Saison 2020/21 doch noch zu retten. Die Vereine jammern darüber, dass sie ohne Zuschauer-Einnahmen nicht leben können. Zuschauer wird es zumindest im November keine geben, vielleicht auch im Dezember nicht und wenn doch, dann wohl nur so wenige, dass die Kalkulation der Klubs dennoch ein Minus ausweist. Aber wer Eishockey retten will, muss spielen.

Als „Cup der guten Hoffnung“ wird deshalb ein „Rettungsturnier“ gern genannt, an dem sich vom 11. November bis 12. Dezember acht DEL-Teams beteiligen. Der Streaming-Dienst und DEL-Partner MagentaSport tritt als kleiner Sponsor und damit Retter auf. Es könnte ein Testlauf für die Saison sein, die danach starten soll. Vor allem die bayerischen Vereine stehen diesem Projekt allerdings skeptisch gegenüber und haben abgesagt. Die Ausnahme bilden die Red Bulls aus München, deren Geldgeber halt mehr Brause verkaufen muss. Die Kölner Haie konnten sich auch nicht zur Teilnahme entschließen – zu teuer. Dafür verkaufen sie fiktive Eintrittskarten an ihre Fans und wollen damit rund eine Million Euro sammeln, damit der Verein überhaupt überleben kann. Corona allein wird die glorreichen Haie wohl nicht in die Knie zwingen, eher Misswirtschaft.

Acht Vereine spielen also, in zwei Gruppen, insgesamt 24 Spieltage gibt es. Mit dabei sind in Gruppe A Bremerhaven, Düsseldorf, Krefeld und Wolfsburg, in Gruppe B Berlin, Mannheim, München und Schwenningen. Alle Spiele werden natürlich von MagentaSport übertragen.

Ein Stück weiter als die Topklubs sind die Vereine der DEL 2, sie haben sich auf einen Saison-Start geeinigt und wollen ihre Saison am 6. November beginnen. Zuschauer dürfen auch sie natürlich nicht haben, aber ihr Verlust hält sich angesichts nicht so hoher Besucherzahlen in Grenzen. Wie auch in der DEL haben natürlich in der zweiten Liga die Spieler Opfer bringen müssen und verzichten auf einen Teil ihres Gehaltes. Da heißt es halt, mitgehangen, mitgefangen. Auch in der DEL 2 hat MagentaSport die Kameras im Spiel und will einige Begegnungen übertragen. Ein besonderer Partner ist aber der Streamingdienst Sprade.tv, der die Spiele übertragen wird, die Fans können für eine Gebühr von 9,90 Euro am Bildschirm dabei sein. Sie können also nicht im Stadion sein, dafür zahlen sie quasi Eintritt für das Sofa daheim.

Lustig ist, dass einige Stars aus der DEL den Weg in die zweite Liga finden und sogar noch in die unteren Klassen, nur damit sie endlich auf das Eis kommen. So sind in der DEL 2 sogar Silbermedaillengewinner von Olympia 2018 dabei, sie wollen sich in ihren Jugendvereinen fit halten und unterstützen gleichzeitig ihren Heimatklub. Das gilt zum Beispiel für Patrick Reimer aus Nürnberg beim ESV Kaufbeuren, für den Kölner Moritz Müller bei den Kassel Huskies und Felix Schütz aus Straubing, der beim EV Landhut spielt. „Wir wollen nicht einrosten“, heißt es. Außerdem wird die staatliche Hilfe nicht geschmälert, die meisten Eis-Cracks befinden sich nämlich offiziell in Kurzarbeit. Damit es also Abwechslung im Alltag gibt, heißt es, ein bisschen Spaß muss sein, in dem Fall eben Kurzarbeit auf dem Eis.

Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga

Die Fußball-Saison läuft, eigentlich könnte man sich entspannt zurücklehnen und die Spiele verfolgen. Doch Entspannung ist in Corona-Zeiten nicht angesagt, deshalb macht man eine andere Beobachtung: Die Angst spielt mit in der Fußball-Bundesliga!

Bevor es um die Probleme im Sport geht, steht die Angst vor Covid-19 an erster Stelle. Die Angst vor der Infektion, dass der ganze Spielbetrieb in Schieflage geraten könnte, inzwischen auch die Angst vor falschen Tests in den Laboren. Es kann ja nicht nur sein, wie zuletzt geschehen, dass Spieler falsch positiv getestet werden, es könnte ja auch sein, dass es falsche Negativtests gibt und das Virus unbemerkt verteilt wird und eine kleine Katastrophe auslösen könnte. Ein ständiger Begleiter ist in diesen Monaten auch die Angst vor den leeren Stadien, verbunden mit der Angst vor dem finanziellen Desaster. Die Sehnsucht nach vollen Stadien und gewohnter Atmosphäre ist groß, doch in absehbarer Zeit wird es bei dieser Sehnsucht bleiben. Es ist fast schon fahrlässig, dass ein Verein wie Union Berlin vor 4500 Zuschauer spielt, nur weil er sich als der „etwas andere Klub“ präsentieren will. Verantwortungsbewusst ist das nicht, die Gefahr der Infektion lauert nicht in erster Linie im Stadion, sondern bei der Anfahrt und im Umfeld.

Was besonders bedrückt, ist die Angst davor, dass es sogar zu einem Abbruch der Saison kommen könnte. In dieser Woche läuft die von der Bundesregierung vorgegebene Testphase für die Bundesliga aus. Wie werden die Politiker entscheiden? Hat die Bundesliga überzeugt? Mit einem Blick auf die Infektionszahlen wird es vorerst wohl zumindest keine Zuschauer mehr in den Stadien geben. Eine einheitliche Regelung ist auch Utopie, zumal die örtlichen Gesundheitsämter meist sowieso das letzte Wort haben. Corona bremst weiter die Freude, schürt die Angst.

Aber auch sportlich geht natürlich die Angst um. Frag nach bei Schalke. Die Niederlagenserie nimmt schon beängstigende Ausmaße an. Gut, von einem Derby-Sieg in Dortmund konnte man in der derzeitigen Situation wirklich nicht ausgehen, aber jede Niederlage macht das künftige Siegen noch schwerer und immer wieder fällt nach 21 sieglosen Spielen der Blick auf Tasmania Berlin, die Mannschaft, die als Sinnbild der Verlierer in die Geschichte der Fußball-Bundesliga eingegangen ist, nämlich in der Saison 1965/66 mit 31 Spielen ohne Sieg. Kein Trost auf Schalke, dass Köln auch schon bei 15 sieglosen Spielen steht, kein Trost, dass Mainz als Schlusslicht immer noch ohne Punktgewinn ist.

Bei Schalke und Mainz haben die Trainerwechsel keinen wirklichen Umschwung gebracht. Gerade Schalke hätte vielleicht nicht den Taktiker Manuel Baum gebraucht, sondern eher einen Stimmungsmacher, der Schwung in die Bude bringt, wie früher Christoph Daum oder Peter Neururer. Oder einen Felix Magath, der die Spieler über glühende Kohlen laufen lässt und dann versichert, Niederlagen schmerzen mehr. Sinn der Sache: Der Kopf spielt die Hauptrolle, die Gedanken müssen wieder frei sein, die Zuversicht darf keine Fata Morgana sein. Was aber bleibt, neue Chancen am nächsten Spieltag und lustigerweise auch Angst bei den Gegnern, denn keiner will der Erste sein, der zum Ende der Durststrecke verhilft. Also stehen Stuttgart gegen Schalke und Augsburg gegen Mainz auch unter besonderem Druck. Die Bayern wiederum wird das beim Gastspiel in Köln kaum kratzen, eher wird Köln auf den 6. November schauen, da geht es nach Bremen.

Wenn es um die Angst in der Bundesliga geht, dann spielt allerdings auch Bayern München eine Rolle. Wieder einmal natürlich die Angst vor einem erneuten Alleingang des Serienmeisters nach acht Titeln in Folge. Die 1:4-Niederlage bei Hoffenheim machte der Konkurrenz Hoffnung, die Antwort der Bayern, zuletzt ein 4:1 in Bielefeld, 4:0 gegen Atletico Madrid und 5:0 gegen Frankfurt weniger. Zwangsläufig fallen wieder Rekorde, 22 Tore nach fünf Spieltag gab es noch nie, ebenso Robert Lewandowskis zehn Treffer zu diesem Zeitpunkt. Gegen Atletico war es der zwölfte Erfolg in der Champions League in Serie – neuer Rekord! Tusch auch für den 700. Heimsieg in der Bundesliga, logisch – gab es noch nie. Die Freude der Münchner trübt die Verletzung von „Roadrunner“ Alphonso Davies, da wird auch ein David Alaba wieder mal links verteidigen müssen. Nachlassen dürfen sie auch nicht, die Hetzjagd geht weiter mit vier Auswärtsaufgaben in zwölf Tagen bis zur Länderspielpause, bei Lokomotive Moskau, in Köln, in Salzburg und dann das Schlagerspiel in Dortmund. Na ja, irgendwelche Bestmarken werden schon nach abfallen.

Logisch, dass Trainer Hansi Flick auf Rotation bzw. Schonung bedacht ist, allerdings im kleinen Rahmen. Die Neuzugänge Sarr und Costa durften ihr Startelfdebüt feiern, Torjäger Lewandowski ging vorzeitig vom Platz. Flicks Credo, Wechsel vor der 75. Minute, „bevor es richtig weh tut“. Na ja, weh tut es eher den Gegnern… Aber bitte, ist ja noch gar nichts gegen das 13:0 von Ajax Amsterdam beim VVV Venlo. Das gefällt vielen in den Niederlande nicht, denn es schadet dem Ruf, dass die Eredivesie eine starke Liga ist. Aber Ajax ist immerhin Tabellenführer, die Bayern nicht, der RB Leipzig lässt nicht nach, hangelte sich zum 2:1 über die Hertha. Bleibt die Angst, dass sich das noch ändern wird.

Macht Corona den Sport kaputt?

Es ist derzeit keine leichte Zeit, für alle nicht. Die Infektionswelle der Corona-Pandemie überrollt Europa, nein, die ganze Welt, Covid-19 greift um sich, die nächsten Lockdowns sind in Kraft oder drohen. Die Menschen diskutieren über ihre täglichen Probleme, der Sport spielt dabei sicherlich keine Hauptrolle. Aber die eigentlich schönste Nebensache der Welt ist halt auch ein Leidtragender der Pandemie und in Zukunft könnte die beste und manchmal gesündeste Ablenkung von den Mühen des Alltags fast gar nicht mehr existieren. Die schöne, heile Welt des Sports, vor allem natürlich des Profisports, ist in höchster Gefahr. Macht Corona den Sport kaputt? Wenn die Pandemie nicht eingedämmt werden kann, wenn die Sportler sich vor allem nicht an die Vorgaben des Hygienekonzepts halten, dann droht der Kollaps.

Bisher schien die Geldgier die größte Gefahr für den Profisport zu sein, weil vor allem Moral und Solidarität zuweilen auf der Strecke blieben. Das Motto „Gewinn um jeden Preis“ war beherrschend, die Fans galten teilweise nur noch als Staffage. Corona hat einerseits die Augen geöffnet, andererseits die normale Sportorganisation gehörig ins Wanken gebracht. Nichts ist mehr normal und eines wurde vor allem deutlich: Der Profisport, der ja vor allem die Zuschauer anlockt, verliert, wenn die Atmosphäre nicht stimmt. Geisterspiele helfen die Verluste in Grenzen zu halten und momentan zu überleben, aber die Fernsehübertragungen allein schaffen keine Begeisterung für den Sport. Immer mehr früher Interessierte wenden sich ab, weil das Erlebnis fehlt. Dies ist zum Beispiel die größte Gefahr für den Fußball.

Beim Start der Fußball-Champions-League wurde auch deutlich, dass der eng getaktete Terminplan überaus fragil ist. Positive Corona-Tests wurden bereits festgestellt, noch aber hielten sie sich in Grenzen, doch die ersten Absagen liegen in der Luft. Andere Sportarten mussten da bereits Konsequenzen ziehen und Turniere oder Spiele verlegen. Der schmale Grat kann also im Absturz enden.

Nicht nur die Vereine, auch die Veranstalter von Sport-Events leiden. So ruft vor allem der Wintersport nach dem Staat, damit die Defizite nicht bei den Verbänden und örtlichen Veranstaltern hängen bleiben. Ein Beispiel ist Oberhof, das 2023 die Biathlon-Weltmeisterschaft austragen will und es deshalb auf sich genommen hat, im Januar gleich zwei Veranstaltungen zu organisieren. Wegen Corona hat der Biathlon-Weltverband Rennen zusammengelegt, damit ein Teil der Reisen und damit der Infektionsgefahr wegfällt. So wird Oberhof die Rennen von Ruhpolding übernehmen und Weltcup-Veranstalter vom 7. bis 11. Januar und danach 13. bis 17. Januar sein. Nur, mit Zuschauern ist nicht zu rechnen, höchstens vielleicht 9000 statt 25.000 am Tag, ein Millionen-Defizit droht. Angeblich will das Land Thüringen einspringen. Nur dann hat Oberhof eine Zukunft. Oberhof drohte bei der Vergabe der Weltcup-Rennen ins Abseits zu geraten.

Ähnliche Sorgen hat Oberstdorf, das sich eigentlich auf die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2021 gefreut hat. Doch die Freude ist inzwischen getrübt, weil eine Geisterkulisse droht und dadurch ebenso ein gewaltiges Defizit. Der Hilferuf des Ski-Verbandes: „Wir sind auf staatliche Hilfe angewiesen.“ Getrübt ist auch die Vorfreude auf die Vierschanzen-Tournee der Skispringer, zwischen den Jahren immer das Highlight des Sportes. Jetzt droht auch hier eine eher traurige Veranstaltung.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes, hat einen Hilferuf losgelassen, weil er mit der staatlichen Hilfe für die deutschen Sportvereine nicht zufrieden. 200 Millionen Euro schwer ist das Rettungspaket, aber anscheinend kommt das Geld nicht an. Gerade die kleinen Sportvereine sind aber die Basis dafür, dass der Sport auch im Großen leben kann. Es zwickt also an allen Ecken und Ende. Der Wirtschaft drohen Pleiten und Insolvenzen, den Sportvereinen geht es nicht anders, nur dass ihre Probleme in der Öffentlichkeit nicht die ihnen eigentlich gebührende Aufmerksamkeit finden. Es ist ja „nur“ Sport…

Eine Fußball-Reise ins Ungewisse

Die Länderspiele sind vorbei, die Bundesliga bzw. alle nationalen Ligen laufen wieder und dennoch beginnt erst jetzt die stressige Zeit, zumindest in Europa: Champions League und Europa League starten und es wird, schon oft geschrieben, eine Hetzjagd wie noch nie. Schon vorher werden die Spieler bedauert und die Trainer klagen darüber, dass ein sinnvolles Üben gar nicht mehr möglich ist. Doch dies sind nicht die einzigen Unwägbarkeiten, nein, der Stress in den nächsten Monaten wird begleitet von vielen Problemen abseits des Spiels, es wird eine Fußball-Reise ins Ungewisse.

Störfaktor Nummer 1 ist natürlich die Corona-Pandemie. Der Fußball-Spielbetrieb der Profis läuft nach dem Motto „Geisterspiele nehmen wir hin, war denn noch etwas?“ Die Infektionszahlen steigen überall in Europa, die Fußballteams reisen dennoch kreuz und quer über den Kontinent. Sicherlich, die Hygeniebestimmungen im Fußball sind konsequent und im Prinzip ausreichend, aber nur dann, wenn sich jeder daran hält. Wer die Fußball-Blase verlässt, setzt sich dem Infektionsrisiko aus, Quarantäne ist die Folge, Spielabsagen hat es in mehreren Ländern bereits gegeben. Das Terminchaos ist eigentlich programmiert. Die UEFA will das aber nicht zulassen und hat mit Sonderregelungen dagegen gesteuert. Notfalls gibt es Wertungen am „grünen Tisch“. Ungewiss ist auch, ob die Spieler mit den Belastungen fertig werden, zu den vielen Spielen kommen die Reisen, was fehlt, sind die notwendigen Ruhepausen, das Verletzungsrisiko steigt. Nur wer einen großen und qualitativ guten Kader hat, wird diese Hetzjagd einigermaßen unbeschadet überstehen.

Weil es eine Reise ins Ungewisse ist, bleibt so ungewiss wie nie die Frage nach dem Sieger. Natürlich werden die üblichen Verdächtigen im Favoritenkreis genannt, aber egal ob Real Madrid, FC Barcelona oder FC Liverpool, schauen wir auf die nationalen Ligen, die Favoriten suchen ihre Bestform, müssen bereits Rückschläge hinnehmen, auch in punkto Verletzungen (z. B. van Dijk in Liverpool). Der Titelverteidiger wird allgemein als Favorit Nummer 1 genannt, aber auch für Bayern München beginnt eine Reise ins Ungewisse, vor allem deshalb, weil zwischen dem Schluss der letzten Saison und dem Start der neuen nur zwei Wochen lagen. Eine gute Vorbereitung schaut anders aus. Lassen wir uns also überraschen.

Die Hetzjagd beginnt für die international beschäftigten Bundesligisten mit sieben Spielen in etwa drei Wochen. Was Europa angeht, so gilt allgemein als erstes Ziel, die Gruppenphase gut zu überstehen. Gut, Bayern München, hat natürlich noch andere Erwartungen, blieb doch der Triple-Sieger in der Champions League im letzten Jahr ungeschlagen. Die nächste Hürde wartet, der Start gegen Atletico Madrid hat es in sich, auch wenn die Simeone-Schützlinge vielleicht nicht mehr ganz die Qualität früherer Jahre haben. Ein Stolperstein können sie immer sein. Gegen die weiteren Gegner Lokomotive Moskau und RB Salzburg sollte der Einzug ins Achtelfinale gelingen, am Ende aller Plagereien steht das Finale am 29. Mai in Istanbul. Zumindest ist es so vorgesehen.

Die schwerste Gruppe der vier Bundesligisten hat sicherlich Borussia Mönchengladbach erwischt, das am Mittwoch bei Inter Mailand startet und auch an Real Madrid besondere Erinnerungen hat. Vierter im Bunde ist Schachtor Donezk, eine Mannschaft aus der Ukraine mit vielen Brasilianern, eine Team ebenfalls Marke Stolperstein. Da hat es Borussia Dortmund sicherlich leichter, der Start am Dienstag bei Lazio Rom könnte gleich die schwerste Aufgabe sein, dazu gesellen sich noch Zenit St. Petersburg und Club Brügge. RB Leipzig hat dagegen zwei prominente Kaliber als Gegner, aber vielleicht ist der Name von Paris St. Germain und vor allem Manchester United größer als die Taten. Der Start am Dienstag erfolgt gegen den Meister der Türkei, Präsident Erdogans Lieblingsklub Basaksehir, der gerade erstmals in der nationalen Liga gewann. Hier könnte es also gleich um Platz drei gehen, aber mehr ist vielleicht auch möglich.

In der Europa League sind nur Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim vertreten. Die EL ist das Sorgenkind der Bundesliga, deutsche Klubs gehören nicht zu den erfolgreichen Teams. Jedes Jahr der Wunsch also, dass sich das ändern muss. Leverkusen gegen Nizza zum Start am Donnerstag sowie Slavia Prag und Hapoel Beer Sheva aus Israel sowie Hoffenheim gegen Roter Stern Belgrad, KAA Gent und Slovan Liberec sollten die Qualität haben, die Gruppenphase zu überstehen. Aber: Es ist halt eine Reise ins Ungewisse.

Wende für Schalke in Dortmund?

Die Bundesliga zeigt ihr bekanntes Gesicht, an der Spitze Leipzig, Bayern und Dortmund. Am Tabellenende wartet Mainz noch auf den ersten Punktgewinn, den haben jetzt Schalke und Köln eingefahren, das hilft vor allem der Psyche, macht den seit vielen Spielen sieglosen Klubs sicherlich Mut. Schalkes Fans waren mit dem 1:1 gegen Union Berlin nicht ganz zufrieden und stellten die Spieler vor dem Stadion zur Rede. Sie wollten das Team auf das Spiel des Jahres einschwören – am Samstag in Dortmund! Gelingt ausgerechnet im Derby die Wende? Einen Kampf bis auf den letzten Schweißtropfen haben die Profis versprochen.

Über Schalke lacht keiner mehr, es ist ja eigentlich nur noch traurig. Gelacht wird eher über die Möchtegerns von Hertha BSC Berlin. Millionen vom Investor, aber keine Punkte. Geld schießt nur Tore, wenn es klug investiert wird. Geld passt wohl nicht zu Berlin, die Hauptstadt ist bekanntlich „arm, aber sexy“. Für den Fußball gilt das nicht, eher „reich und trotzdem graue Maus“ auf Platz 15.

Die Bayern stehen immer im Mittelpunkt. Die Zusatzaufgabe im Pokal wurde gegen Düren mit einer zusätzlichen Mannschaft bewältigt. Einer allerdings wurde zweimal strapaziert – Thomas Müller. Er durfte sich ja in der Länderspielpause ausruhen, ist deshalb vielleicht fast in der Form seines Lebens und so gab es wieder einen Rekord: Müller schaffte als erster Spieler in der Bundesliga seinen 150. Assist. Zusammen mit Robert Lewandowski war er bei Neuling Bielefeld der Matchwinner. Logisch, dass wieder die Stimmen laut werden, Bundestrainer Joachim Löw könne auf Müller nicht verzichten. Dies sehen alle so – außer Jogi Löw. Aber da ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen. Löw bringt sich selbst unter Druck, denn die Leistung der Nationalmannschaft stimmt einfach nicht, auch diesmal wieder nicht, beim 3:3 gegen die Schweiz. Löws Reise mit der Nationalmannschaft ist ebenfalls eine Reise ins Ungewisse!

Eine Anmerkung in eigener Sache: Der Sport-Grantler feiert ein kleines Jubiläum, dies ist sein 500. Blog, der erste erschien am 20. August 2013. Vielen Dank den Leserinnen und Lesern auf allen fünf Kontinenten. Der Sport-Grantler hat zwar gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert, aber ein bisschen will er noch weitermachen. Wenn seine Kolumnen weiterhin gern gelesen werden…

Ski-Sport-Sorgen: Schnee, Stars, Sicherheit

Die sechs „S“ zum Wortanfang fallen sicherlich auf, dabei könnte im alpinen Skisport noch ein siebtes „S“ dazukommen, nämlich Sölden. Dort beginnt am Wochenende die neue Saison, wegen Corona eine Woche früher, weil das Ötztal für die Allgemeinheit total abgeriegelt wird und die Skiläufer in einer Blase leben. Danach haben die Touristen wieder freie Fahrt. Die Unsicherheit ist also groß, größer als die Hoffnungen für die neue Saison. Lebensnotwendig ist es wohl, dass der Weltcup durchgezogen werden kann, „sonst ist der Skisport am Ende“, malen manche den Teufel an die Wand. Die Gelder von Fernsehen, Werbung und Sponsoren müssen fließen, damit es noch eine Zukunft gibt.

Zuletzt galten die Sorgen vor allem dem Klimawandel und dem drohenden Schneemangel in den Bergen. Das Wetter spielte immer mehr verrückt, Ausfälle und Verlegungen waren an der Tagesordnung. Diesen Sorgen sind nicht vorbei, treten angesichts der Corona-Pandemie allerdings in den Hintergrund. Jetzt gibt es andere Probleme, um alle Rennen durchführen zu können. Die Alpinen leben in einer Blase, so werden die Rennen von Frauen und Männern meist getrennt. Die Veranstaltungen in Übersee wurden zudem abgesagt. Zuschauer werden Seltenheitswert haben, schon jetzt gilt zum Beispiel in der Schweiz, dass die Rennen ohne Besucher über die Bühne gehen werden. Nach Sölden, wie immer ein Frühstart in den Winter, gibt es erst mal noch eine größere Pause, ehe es mit Parallelrennen am 13./14. November in Lech und Zürs am Arlberg weitergeht.

Gegenüber der Winterkonkurrenz, vor allem von Biathlon und Skispringen, wollen die alpinen Skisportler natürlich positiv in die Schlagzeilen, doch dazu braucht es auch Stars. Doch die sind selten geworden, haben sich zuletzt vielfach aufs Altenteil zurückgezogen. Namen wie Lindsey Vonn, Marcel Hirscher und Felix Neureuther fehlen. Der größte aktuelle Star, die Amerikanerin Mikaela Shiffrin, fehlt noch wegen Rückenbeschwerden. Besonders in Deutschland werden kleine Brötchen gebacken, nachdem auch Vorzeigefrau Viktoria Rebensburg ihre Karriere beendet hat. Bezeichnend, dass bei den Riesenslalom-Wettberwerben in Sölden nur ein kleines deutsches Aufgebot am Start ist. Immerhin können die Männer auf Stefan Luitz im Riesenslalom und Linus Straßer im Slalom hoffen und haben mit Thomas Dreßen in der Abfahrt ein Ass. Er gewann im Vorjahr drei Rennen. Ein bisschen Hoffnung gibt es also, vor allem die Hoffnung, dass die alpine Weltmeisterschaft im Februar in Cortina d’Ampezzo in Italien stattfinden kann.

Bis dahin werden aber erst einmal die Karten auf den Tisch gelegt. Vielleicht wächst ein neuer Star für die Öffentlichkeit heran, vielleicht explodieren die Leistungen der deutschen Talente, die allerdings immer mehr zur Mangelware werden. Nachwuchssorgen gibt es beim Deutschen Ski-Verband nämlich auch, nicht nur bei den Alpinen. Aber da schließt sich der Kreis: Kein Schnee, keine Stars und am Ende dann eben auch kein Interesse am Skisport.

Jogi Löws Jungs machen keinen Spaß mehr

Beim 2:1-Erfolg in der Ukraine konnten Bundestrainer Joachim Löw und seine Fußball-Nationalmannschaft gleich zwei Jubiläen feiern: Der erste Sieg in der Nations League und im Jahr 2020! Wohlgemerkt, wir haben Oktober! Gut, die Corona-Pause hat die DFB-Elf zur Untätigkeit gezwungen, dennoch war die Stimmung bei den Fans nach drei Unentschieden (1:1 jeweils gegen Spanien und die Schweiz, 3:3 gegen die Türkei) im Keller und sie wird mit dem glanzlosen Sieg in Kiew nicht wesentlich besser. Tatsache ist: Jogi Löws Jungs machen derzeit keinen Spaß mehr!

Vor noch gar nicht so langer Zeit waren Fußball-Länderspiele fast schon nationale Feiertage. Davon ist nichts mehr zu spüren, gerade mal 7,5 Millionen Zuschauer saßen am Samstag vor den Bildschirmen, da hat fast jeder Tatort am Sonntag eine höhere Einschaltquote, mehr als 10 Millionen waren früher die Regel. Die Leistung bestenfalls durchwachsen, schlampig bei den Pässen, unaufmerksam im Spiel, unbeholfen in vielen Situationen gegen eine Mannschaft, die international bestenfalls zweitklassig ist und noch mit vielen Ausfällen zu kämpfen hatte. Der moralische Sieger hieß eher Ukraine. Torhüter Bushchan schenkte mit seinem Fehler, den Leon Goretzka aufmerksam nutzte, den Deutschen das Erfolgserlebnis.

Heute muss man sich fragen, ob die Nationalmannschaft noch Deutschlands liebstes Kind ist. Zuletzt sorgte vor allem der FC Bayern München international und national für Furore und der einst meistgehasste Klub in Deutschland ist auf dem Weg eher der beliebteste Klub hierzulande werden. Zumindest wird ihm Respekt gezollt. Aber sogar Bayern-Boss Rummenigge betont: „Die Nationalmannschaft muss Deutschlands Team Nummer 1 sein.“ Da läuft beim DFB, der eher mit Skandalen auffällt (siehe Steuer-Razzia), einiges schief. Auch bei Bundestrainer Joachim Löw, den manche bereits als „abgehoben“ bezeichnen und den seine ehemaligen Schützlinge wie Lothar Matthäus oder Bastian Schweinsteiger in den Medien hart kritisieren. Die Rufe nach einer Ablösung werden lauter und mehr. Genießt er noch eine Schutzfrist bis zur Europameisterschaft 2021? Es muss also besser werden, schon am Dienstag steht die nächste Bewährungsprobe in Köln gegen die Schweiz bevor. Nur eine überzeugende Leistung kann die Lage rund um die Nationalmannschaft beruhigen.

Kurioses Bundesliga-Spitzenspiel

Nach der Nationalmannschaft übernimmt wieder die Bundesliga für vier Wochen das Kommando, aber auch Champions League und Europa League starten in der nächsten Woche. Die Bundesliga meldet sich am Samstag mit einem kuriosen Spitzenspiel zurück. Das Duell Zweiter gegen Erster ist wohl nicht zu überbieten, aber es stehen sich nicht Dortmund und die Bayern gegenüber, sondern der FC Augsburg (!) und RB Leipzig! Die Augsburger erleben in ihrem zehnten Bundesliga-Jahr mit dem besten Start ihrer Geschichte fast ein Märchen, gelassener geht man mit dem Erfolg natürlich in Leipzig um. Aber ein bisschen ärgern sich die Augsburger doch, denn vom Bundesliga-Sender Sky werden sie links liegen gelassen. Diese Paarung hat keiner als „Top-Spiel des Tages“ vorausgesehen, Anpfiff ist deshalb um 15.30 Uhr, während sich Neuling Arminia Bielefeld als Gastgeber von Triple-Sieger Bayern im Glanz des Top-Spiels um 18.30 Uhr sonnen darf. Diese Ehre wurde den Augsburgern noch nie zuteil, was wirklich ein bisschen seltsam ist. Vorsicht Leipzig: Der FCA hat die effizienteste Mannschaft der Liga, 50 Prozent ihrer Torchancen verwandelten die Augsburger! Die Bayern als Zweite liegen bei 48,4 Prozent, Leipzig bei 30,8, Schlusslicht ist Wolfsburg mit nur 7,1 Prozent.

Andere Vereine haben andere Sorgen, an den nächsten vier Spieltagen werden die Weichen für den Rest der Saison gestellt. Wer ist oben, wer ist unten dabei. Köln, Mainz und Schalke kämpfen sogar noch um den ersten Punktgewinn, Schalke um den ersten Sieg nach 19 Spielen, Köln nach 13 Spielen. Kann gegen Union Berlin bzw. Frankfurt gejubelt werden? Übrigens: Die Serie der vier Spieltage bis zur nächsten Länderspielpause endet mit dem echten Spitzenspiel, wenn nämlich am 7. November wirklich Borussia Dortmund Meister Bayern München empfängt, natürlich ist dies ein Samstag, um 18.30 Uhr. Augsburg erwartet da um 15.30 Uhr Hertha BSC Berlin. Mal sehen, wer von diesen beiden Teams dann noch oben dabei ist!

Zwei Spiele an einem Tag

Der Stress der Bayern geht weiter, zwischen Länderspielen und Bundesliga liegt noch eine Partie im DFB-Pokal am Donnerstag gegen den 1. FC Düren. Bayern-Trainer Hansi Flick wird zwangsläufig auf die Nationalspieler verzichten, die am Dienstag und sogar noch teilweise am Mittwoch im Einsatz sind. Es fand sich kein anderer Termin, da die Münchner bis Weihnachten ausgebucht sind, es sei denn die Klub-Weltmeisterschaft, die im Dezember in Katar stattfinden soll und wo die Bayern ihren sechsten Titel der Saison holen wollen, wird auf 2021 verlegt. Wie auch immer, die Bayern werden einen Mannschaft aufs Feld bringen und es wird nicht so schlimm werden wie 1985, da brachte es Manager Uli Hoeneß nämlich fertig, dass Mittelfeldstar Sören Lerby gleich zwei Spiele an einem Tag bestritt. Am Nachmittag spielte er für Dänemark in Irland in der WM-Qualifikation, als es 3:1 stand und der nötige Punktgewinn als gesichert angesehen wurde, durfte er nach einer Stunde aufhören und wurde per Sondermaschine von Dublin nach Düsseldorf geflogen und verhalf den Bayern in Bochum zu einem Wiederholungsspiel im DFB-Pokal. Zwei Jahre später wiederholte Hoeneß dieses Wahnsinnsprogramm mit dem Waliser Mark Hughes.

Hansi Flick wird dagegen mit einer neuen Mannschaft gegen Düren in der Allianz-Arena antreten (Düren spielt lieber in München). Der Kader wurde ja kurzfristig noch kräftig aufgerüstet, so dass sich alle Neulinge zumindest dem Fernsehpublikum vorstellen. Mit folgender Mannschaft kann gerechnet werden: Nübel – Sarr, Richards, Boateng, Davies – Roca, Martinez – Musiala, Müller, Douglas Costa – Choupo-Moting. Nübel, Boateng, Martinez und Müller konnten sich ja ausruhen, Davies verzichtete auf einen Einsatz für Kanada. Vielleicht sitzt der eine andere Nationalspieler auf der Bank für einen „Noteinsatz“ gegen den Fünftligisten, ansonsten werden Kanidaten wie Zirkzee, Dajaku und Arp aus der zweiten Mannschaft den Kader auffüllen. Besondere Zeitpläne verlangen besondere Planungen. Zwei Spiele an einem Tag für eine Mannschaft könnten die geldgierigen Verbände FIFA und UEFA allerdings künftig schon noch im Auge haben, um ihre wahnwitzigen Turniervorhaben durchzubringen.

Länderspielpause mit Hoffnung und Ärger

Im Herbst gibt es immer das gleiche Spielchen – und daran ändert auch Corona nichts – , kaum hat die Fußball-Bundesliga begonnen, macht sie auch schon wieder eine Pause – eine Länderspielpause. Doch in diesen schwierigen Zeiten ist diese Unterbrechung noch weniger willkommen, zumal das Virus Covid-19 und die damit verbundenen Hygieneregeln für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Andererseits sind einige Klubs froh über die Pause, weil sie hoffen, dass es für sie danach einen Neustart mit besseren Resultaten gibt. Eine Länderspielpause also mit Hoffnung und Ärger also.

Warum gibt es die Länderspielpause überhaupt? Nun, die Nationalverbände benötigen Geld, die Nations League wurde eingeführt, damit aus uninteressanten Freundschaftsspielen interessante Punktspiele werden. Durch die Corona-Verzögerungen wird der Terminstress noch größer, aber dennoch werden Freundschaftsspiele noch zusätzlich absolviert, weil die Fernseheinnahmen benötigt werden. Deshalb spielt Deutschland am Mittwoch in Köln gegen die Türkei, rund zehn Millionen Euro nimmt der DFB wohl ein, doch von den Sitzen wird dieses Spiel keinen reißen, denn Bundestrainer Joachim Löw wird auf alle Stammspieler zur Schonung verzichten. Nur logisch, dass der DFB Eintrittskarten verschenken will, wenn überhaupt Zuschauer anwesend sein dürfen. Das Sagen hat das Gesundheitsamt. Zwei werden sich überhaupt freuen, ausruhen zu dürfen: Thomas Müller und Jerome Boateng. Jogi Löw, sei dank!

Jogi Löw wird also darauf verzichten, dass er seine Wunschformation sich für die wichtigen Spiele einspielen kann. Aber so richtig wichtig sind die Begegnungen der Nations League am Samstag in der Ukraine und am Dienstag, 13. Oktober, wieder in Köln gegen die Schweiz auch nicht, Löw hat ja schon deutlich gemacht, dass die Gesundheit der Spieler Priorität genießt. Andererseits wird es mal Zeit, dass der Weltmeister von 2014 auch in der Gegenwart endlich ein Erfolgserlebnis präsentiert, in der NL gab es noch keinen Sieg! Es scheint, die Nationalmannschaft muss noch gegen ein anderes Virus ankämpfen. Apropos: Corona sorgt auch hier für Ärger, weil manche Spieler und Teams in gefährdete Gebiete reisen sollen. Bundesliga-Klubs droht die Gefahr, dass Spieler bei der Rückkehr in Quarantäne müssen und ausfallen. Die FIFA hat ihnen zwar das Recht gegeben, den Aktiven die Freigabe zu verweigern, aber kann das der Klub wirklich durchsetzen? So wird die Nations League zum doppelten Ärgernis.

Bayerns Rekordjagd geht weiter

Blickpunkt Bundesliga. „Sind die Bayern am Anfang der Saison schon am Ende?“ wurde vor einer Woche an dieser Stelle gefragt. Die Bayern kommen zwar sinnbildlich auf dem Zahnfleisch daher, aber es schien, als wollten sie das Gegenteil beweisen. Die Rekordjagd ging jedenfalls weiter und zwei glückliche Siege waren mehr und weniger Erfolge des Willens. Spielerischen Glanz versprühen der Rekordmeister derzeit nicht, aber was soll’s, wenn der Ertrag stimmt. Joshua Kimmich war das beste Beispiel dafür mit seinem Siegtreffer zum 3:2 im Supercup gegen Borussia Dortmund. Der fünfte Titel, das Quintupel war perfekt. Ähnliches am Sonntag gegen Hertha BSC Berlin. Aus einem 2:0 wurde ein 2:2. Die Bayern am Ende? Nein, auch nach dem erneuten Ausgleich nach 3:2-Führung nicht, Robert Lewandowski holte noch einen Elfmeter raus und verwandelte zum persönlichen Quartupel an diesem Tag. Die Konkurrenz muss doppelt erschrecken: „Robert ist nicht bei 100 Prozent,“ urteilte Trainer Hansi Flick und Thomas Müller forderte, dass die Mannschaft wieder zu alter Form finden müsse.

Der Sieg war Ende einer Festwoche, die mit der Pleite gegen Hoffenheim begann und ihren Höhepunkt bei den Ehrungen zu Europas Fußballern des Jahres hatte. Einen Triple-Sieg gab es auch bei den Ehrungen der CL-Saison, als Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski als beste Spieler auf ihren Positionen geehrt wurden. Der Pole wurde zudem Europas Fußballer des Jahres und damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung, Hansi Flick wurde Trainer des Jahres, für ihn auch der krönende Abschluss eines Traum-Jahres. Da stellt sich schon die Frage, lässt sich so eine Saison überhaupt wiederholen?

Ein stressiges Wochenende hatte vor allem Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der mit den vom Trainer geforderten Verstärkungen (bzw. ein Auffüllen des Kaders!) bis auf den letzten Drücker wartete. Am Montag (18.00 Uhr) endete in der Bundesliga die Wechselfrist, entsprechend hektisch war es bei allen Vereinen, aber die Bayern schossen wohl den Vogel ab. Der Spanier Marc Roca soll seinen Landsmann Martinez ersetzen, der Franzose Sarr Back-up für Pavard als Rechtsverteidiger werden und sogar für das eigentliche Auslaufmodell Choupo-Moting (zuletzt in Paris ohne Vertrag) finden die Bayern wohl Verwendung. Manche Verpflichtung könnte aber auch reine Verschwendung sein, wenn man zum Beispiel gesehen hat, wie Talent Chris Richards gegen die Hertha aufgetrumpft hat. Mehr Mut für den eigenen Nachwuchs spart Geld!

Es gibt Vereine, die sagen sich, die Sorgen der Bayern möchten wir haben. Das Gegenstück bilden die drei punktlosen Vereine am Tabellenende, der 1. FC Köln, Mainz 05 und Schalke 04. Diese Reihenfolge könnte es am Tabellenende auch zum Schluss der Saison geben. Auffallend ist, dass der Trainerwechsel bei Mainz und Schalke vollkommen verpufft ist, Lichte und Baum mussten parallel 0:4-Niederlagen hinnehmen. Gerade sie sind über die Länderspielpause glücklich, schöpfen die Hoffnung, dass sie ihre Mannschaften in dieser Zeit besser machen können. Das gilt auch für Markus Gisdol in Köln, der nach 13 sieglosen Spielen in Folge ebenfalls in der Kritik steht. Nach seinen Anfangserfolgen am Rhein wurde sein Vertrag frühzeitig bis 2023 verlängert – und jetzt herrscht Ratlosigkeit. Was nun, Manager Horst Heldt?

Von Länderspielpause zu Länderspielpause stehen vier Spieltage ab dem 17. Oktober an und die können vorentscheidend werden. Vor allem für Manuel Baum auf Schalke, denn es stehen Duelle gegen Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg an, nämlich Union Berlin, Stuttgart und Mainz. Dazu gibt es das Derby in Dortmund. Dort gewinnen und alles Leid wäre vergessen. Aber wer glaubt daran!

Im Mittelpunkt stand in den letzten Tagen auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die überraschend das Ende ihrer Karriere verkündete. Die 41-Jährige könnte noch sechs Jahre pfeifen, bis sie die Altersgrenze erreicht hätte. Anscheinend war ihr der Job jetzt schon zu stressig in der Männerwelt, sie stellte private Gründe in den Vordergrund und will sich später äußern. Bibi war auf jeden Fall eine Bereicherung auf dem grünen Rasen und hat durch gute Leistungen beeindruckt, sie war die beste Schiedsrichterin der Welt und sollte den Weg für mehr Frauen im Schiedsrichterwesen bereitet haben, aber die müssen sich erst mal trauen. Dass Steinhaus den Supercup leiten durfte, war ein gerechter und richtiger Abschied.

Handball will nicht in Vergessenheit geraten

Und wieder nimmt eine Sportart den Kampf gegen die Unbillen der Corona-Pandemie auf. Die Handball-Bundesliga startet am Donnerstag in ihre neue Saison, notfalls ohne Zuschauer. Gespielt werden muss, damit Handball bei den Sportfans nicht in Vergessenheit gerät. Dieses Problem haben die Handballer im Schatten von Fußball mit Basketball und Eishockey gemeinsam. Jetzt kam auch noch Corona dazu mit Problemen, die kaum zu bewältigen sind. Eins ist nämlich klar: Nicht nur in der Handball-Bundesliga geht die Existenzangst um. Sogar im Fußball geistert das Schreckgespenst von der Insolvenz herum.

Jetzt aber wird wieder Handball gespielt, wobei der Europacup schon dafür gesorgt hat, dass die Öffentlichkeit weiß, es gibt Handball noch. Dabei kann die HBL mit einem Pfund wuchern, sie gilt nach wie vor als stärkste Liga der Welt und sie hat auch einen neuen Superstar, den 25-Jährigen Norweger Sander Sagosen, der vom reichsten Klub der Welt, Paris St. Germain, den Weg zu Rekordmeister THW Kiel gefunden hat. Zum Vergleich: Dies ist, als würden Messi oder Cristiano Ronaldo in der Fußball-Bundesliga spielen. Damit hat sich die deutsche Liga erfolgreich gegen die europäische Konkurrenz gewehrt, denn der drohende Ausverkauf nach Spanien, Frankreich oder sogar Ungarn (Veszprem) wurde schon an die Wand gemalt. Allerdings: Ein Messi oder Cristiano Ronaldo sagen wir mal bei Bayern München würde hierzulande für unvergleichlich mehr Aufmerksamkeit sorgen. Sagosen kam mehr oder weniger heimlich, still und leise.

Unabhängig von diesem Coup haben fast alle Vereine finanzielle Probleme, aber jetzt heißt es, Hauptsache es wird gespielt. Im Frühjahr wurde angesichts der Corona-Krise die Runde vorzeitig beendet und der Tabellenführer THW Kiel zum Meister erklärt. Der Rekordmeister (21 Titel) kehrte auf den Thron zurück, den ihm vier Jahre lang die Rhein-Neckar-Löwen (16+17) sowie die SG Flensburg-Handewitt (18+19) geraubt hatten. Einen Absteiger gab es nicht, Coburg und Essen durften aber aufsteigen, deshalb wurde die Liga auf 20 Vereine aufgestockt, dafür müssen gleich vier absteigen.

Die Saison 20/21 wird also eine Art Überlebenskampf, womit Handball natürlich nicht allein steht, die gleichen Sorgen hat Basketball, noch größere Sorgen Eishockey (siehe „Das Eishockey muss um seine Zukunft bangen“ vom 24. September). Aber gerade die HBL-Klubs haben den Kampf angenommen, Gehaltsverzicht ist an der Tagesordnung, in Nordhorn bekommen alle Spieler angeblich nur ein Zweitliga-Gehalt, weil der Klub normal ja abgestiegen wäre. Handball hat den Vorteil, dass es spannend und TV-wirksam ist (im Eishockey zum Beispiel sieht man den Puck am Bildschirm kaum) und ausführlich im Fernsehen übertragen wird. Sky ist der Stammsender, der alle Spiele live überträgt, die Champions League ist bei DAZN zu sehen. Einen Werbeeffekt soll auch die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten erzielen. Trotz aller Hürden und Terminprobleme, der Optimismus ist nicht ausgestorben. Handball hat eine Zukunft.