Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Männer der Woche – Nicht nur aus dem Fußball

Am 8. März wurde zwar der Weltfrauentag gefeiert, aber hier geht es heute trotzdem um die „Männer der Woche“. Dies ist gerechtfertigt, weil es auffallend war, dass einige Herren in den letzten Tagen die Schlagzeilen bestimmt haben. Und das sind die „Männer der Woche“, wobei die Nennung keine Rangfolge bedeutet und die Auswahl natürlich nicht komplett sein kann. Nicht nur der Fußball hatte für Aufmerksamkeit gesorgt.

Joachim Löw: Der Bundestrainer sorgte mit seiner Rücktrittsankündigung nach der Fußball-Europameisterschaft für den „Hammer der Woche“. Kurzzeitig stellte er Corona, Impfchaos und Politik in den Schatten. Er hat zweifellos einen Coup gelandet und sich aus der Bredouille gebracht. Jetzt liegt beim Turnier im Sommer alle Last auf den Spielern. Klappt es nicht, heißt es, die Spieler sind schuld, der Löw hört ja sowieso auf. Klappt es, wird Löw gefeiert und er hat einen großen Abgang. Irritierend nur, dass der 61-Jährige sich angeblich noch keine Gedanken über seine Zukunft gemacht hat.

Hansi Flick: Diese Diskussion bleibt natürlich nicht aus und wird bis zur Entscheidung weitergehen: Wer wird denn Jogi Löw beerben? Favorit ist Bayern-Trainer Hansi Flick, der zwar auf seinen Vertrag beim Verein bis 2023 verweist, aber nicht kategorisch einen Wechsel verneint, wie es Jürgen Klopp getan hat. Die Ungewissheit bleibt und wird die Bayern bis zum Ende der Saison beschäftigen. Alle anderen Kandidaten sind zweite Wahl, Lothar Matthäus hat sich in früheren Zeiten eigentlich schon selbst disqualifiziert, Löw-Assistent Marcus Sorge ist keine echte Alternative, U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz nicht mehr als eine Notlösung. Sportdirektor Oliver Bierhoff ist verantwortlich und betont, „ein deutscher Trainer soll es sein“.

Ralf Rangnick: Er fehlt in der obigen Aufzählung und wäre nach Flick wohl die naheliegendste Lösung, obwohl seine unbequeme Art problematisch sein kann. „Ich bin frei“, verrät er, mit dem Zusatz „im Moment“. Der Moment könnte sich darauf beziehen, dass er auch auf Schalke als neuer Sportvorstand im Gespräch ist. Allerdings ist er da in einem Machtkampf im Aufsichtsrat über die Zukunft des Vereins mittendrin. Ob er sich das antut? Immerhin: Die Schalke-Fans plädieren für Rangnick, das ist ein Pfund. Bundestrainer wäre zweifellos der ruhigere Job.

Erling Haaland: Der 20-jährige Norweger fegt manchmal wie ein Orkan über seine Gegner hinweg. Beim 2:2 gegen FC Sevilla schoss er Borussia Dortmund mit seinen zwei Toren in die nächsten Runde und stellte CL-Rekorde auf, u. a. 20 Tore in 14 Spielen sind neuer Bestwert (bisher kein Geringerer als Harry Kane mit 20 Toren in allerdings 24 Spielen). Mit 20 Jahren und 231 Tagen ist Haaland der jüngste Spieler mit 20 Toren. Bisher war es Kylian Mbappe mit 21 Jahren und 355 Tagen. Und Haaland spielt noch eine Rolle – siehe bei Messi. Es wäre überraschend, sollte er über die Saison hinaus in Dortmund bleiben.

Robert Lewandowski: Er trifft und trifft und trifft, der Bayern-Torjäger jagt ebenfalls die Rekorde. Auch gegen Werder Bremen traf er (zudem dreimal Latte und Pfosten, das kann vielleicht noch mal weh tun!), und holte damit Klaus Fischer in der ewigen Torjägerliste ein. Bei 268 Treffern stehen beide, Lewandowski wird bald die alleinige Nummer zwei sein hinter Gerd Müller mit 365 Toren. Zum Saison-Rekord von Müllers 40 Treffern fehlen acht Tore – neun Spiele hat er noch.

Lionel Messi: Was macht der Großverdiener des FC Barcelona nach dieser Saison? Paris mit Mbappe und Neymar und die Hoffnung auf den Gewinn der Champions League locken nach dem Sommer, aber Barcelona hat einen Trumpf: Der neue Präsident Joan Laporta hat die Sympathien von Messi und er verspricht Verstärkung. Im Gespräch: Erling Haaland (!), David Alaba (Bayern) und Eric Garcia (Manchester City). An Millionen soll es nicht fehlen, trotz bombastischen 1,17 Milliarden Euro Schulden von Barca. Kann er Messi umstimmen, der schon von seinem Abgang sprach, andererseits mit der Wahl von Laporta ein Zeichen setzte?

Cristiano Ronaldo: Der Argentinier und der Portugiese beherrschten in den letzten Jahren den internationalen Fußball, jagten Rekorde und gewannen fast alle Wahlen. Jetzt erlebte Ronaldo eine bittere Stunde: Für viel Geld von Juventus Turin geholt, um den Traum der Italiener vom Gewinn der Champions League wahr werden zu lassen, erlebte er stattdessen jedes Jahr eine Pleite. Die Fans lasten ihm dies an. Auch diesmal scheitere die „Alte Dame“ bereits im Achtelfinale am Außenseiter FC Porto – ohne Ronaldo-Tor. Viertelfinale, Achtelfinale, Achtelfinale – die schwache Bilanz von Juve und Ronaldo, seit er 2018 von Real Madrid kam. Am Sonntag schoss er sich aber den Frust von der Seele mit drei Treffern beim 3:1 in Cagliari. Über einen Abgang in Turin wird allerdings spekuliert. Ronaldo steht mehr in der Kritik als Trainer Andrea Pirlo, einst als Spieler verehrt.

Dr. Thomas Bach: Der einstige Fechter bleibt Herrscher beim IOC. Der Deutsche wurde als IOC-Präsident mit nur einer Gegenstimme wieder gewählt. Einen Gegenkandidaten hatte er nicht, aber dennoch international in den Medien viel Gegenwind. Ihm wird vor allem vorgeworfen, dass er das IOC quasi unter seine Fittiche gebracht hat, die Bach-Getreuen entsprechend positioniert hat. Bach und das IOC sind allerdings dabei, den guten Ruf von Olympia zu ruinieren und auch die Vergabe der Olympischen Spiele wird immer mehr zu einer Mauschelei im Hinterzimmer. Die Sommerspiele in Tokio will Bach um jeden Preis retten, dafür stößt er auch die Gastgeber vor den Kopf, wenn er das Angebot der Chinesen annimmt, ausgerechnet in Japan für die notwendigen Impfungen zu sorgen. Instinktloser geht es nicht.

Alfred Gislason: Als der Isländer vor einem Jahr Bundestrainer im Handball wurde, da stand er zunächst ohne Spiele da, weil die Corona-Pandemie den Sport stoppte. Bei der Weltmeisterschaft in Ägypten stand er ohne Spieler da, weil einige wegen der Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 verzichteten. Jetzt hatte er sein komplettes Team zur Verfügung und schaffte grandios die Qualifikation für Olympia, unter anderem auch, weil Gislason die Mannschaft taktisch richtig eingestellt hatte. Sein größter Schachzug war der Einsatz vom unerschrockenen Linksaußen Marcel Schiller für Kapitän Uwe Gensheimer. Handball hat geliefert und darf jetzt wirklich von Olympia-Gold träumen, Deutschland zählt auf jeden Fall zum Favoritenkreis.

Leipzig verliert an Boden

In der Fußball-Bundesliga hatten die Bayern am Samstag mit einem problemlosen 3:1 in Bremen vorgelegt, sich die 800. Tabellenführung (!) gesichert und dann zählten sie am Sonntag noch einmal zu den Gewinnern, weil der einzige Verfolger RB Leipzig beim 1:1 gegen Frankfurt patzte und an Boden verlor. Jetzt haben die Bayern wieder vier Punkte Vorsprung und wollen ihn gegen Stuttgart am Samstag verteidigen. RB tritt in Bielefeld an und dann folgt nach der Länderspielpause das große Duell in Leipzig. Dann stehen sich vielleicht zwei Bayern-Trainer gegenüber: Der aktuelle, Hansi Flick, und sein möglicher Nachfolger, Julian Nagelsmann. Der wird nämlich als Favorit auf den Posten gehandelt, wenn Flick doch Bundestrainer werden will. Nur eine Pflichtaufgabe müssen die Münchner vorher lösen, nämlich in der Champions League am Mittwoch gegen Lazio Rom, nach dem 4:1 im Hinspiel sollte es nur Formsache sein. Spannender ist dann wohl die Auslosung des Viertelfinales am Freitag. Leipzig musste mit dem erneuten 0:2 gegen Liverpool einen Dämpfer hinnehmen.

Im Abstiegskampf wird es immer spannender, weil Mainz und Bielefeld eine Aufholjagd gestartet haben. So rutschte Hertha BSC auf den Relegationsplatz ab, die hochfliegenden Berliner Träume könnten urplötzlich platzen. Aber auch Köln gerät wieder in Schwierigkeiten, gegen Dortmund sollte man von Trainer Markus Gisdol allerdings keinen Sieg erwarten. Andererseits steht er auf der Kippe und die Länderspielpause eignet sich wunderbar für einen Trainerwechsel… Schalke hat bereits den fünften Trainer in der Saison, dort muss man nach dem 0:5 in Wolfsburg und den mäßigen Leistungen zwangsläufig für die 2. Bundesliga planen. Ob mit oder ohne Ralf Rangnick wird sich zeigen. Die „Männer der Woche“ werden noch länger im Gespräch bleiben.

Gold-Sehnsucht: Handballer müssen liefern!

Es ist schon seltsam: Bei der Handball-Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten schied Deutschland vorzeitig krachend aus, wurde auf dem historisch schlechten zwölften Platz notiert und dennoch war danach davon die Rede, dass man bei Olympia Gold holen wolle! „Haben die denn noch alle?“ wunderte sich der Laie, der Fachmann aber beschwichtigte: „Möglich wäre das schon.“ Dafür müsste natürlich alles passen, zuerst einmal muss sich das DHB-Team für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio (wenn sie denn stattfinden!) überhaupt qualifizieren – und das wird schwer genug.

Als sich der Handball-Bund um das Qualifikationsturnier bemühte, da hatten die Funktionäre im Hinterkopf, dass der Heimvorteil Hilfestellung leisten könnte. Nun wird in der Max-Schmeling-Halle in Berlin gespielt, aber die Corona-Pandemie hat den Heimvorteil gekippt, wie überall wird die Halle leer sein. Gespielt wird praktisch auf neutralem Parkett. Die Gegner sind nicht von Pappe, sie haben sich u. a. bei der WM profiliert. Schweden (erster Gegner am Freitag, 15.15 Uhr, alle deutschen Spiele im Fernsehen bei ARD und ZDF) wurde Vize-Weltmeister, Slowenien (Samstag, 15.35 Uhr) war EM-Vierter, Außenseiter ist dagegen Afrika-Vertreter Algerien (Sonntag, 15.45 Uhr). Die letzte Paarung des Turniers heißt Schweden – Slowenien, geht alles gut, kämpfen diese beiden Nationen um das zweite Ticket und Deutschland hat das erste in der Tasche. Dann dürfte sie gelebt werden, die Sehnsucht nach dem Gold.

Die Zuversicht im deutschen Lager hat einen Namen: Abwehrwall. Bei der WM fehlten die besten Abwehrspieler aus privaten Gründen (Corona-Angst um die Familie) und so bröckelte die Abwehrmauer. Im Handball ist es wie im Fußball, die Abwehr gewinnt Meisterschaften. Und da atmet der bisher unglückliche Bundestrainer Alfred Gislason, dessen Qualitäten unbestritten sind, spürbar auf: „Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek gehören zu den Besten der Welt“. Dazu gesellt sich Steffen Weinhold und schon ist das Fort Knox des Handballs, wie die Abwehr gern bezeichnet wird, wieder dicht. Nachdem alle drei auch die Stützen des THW Kiel bilden, stärkt das die Hoffnung, dass sie nicht nur mit Kiel Titel gewinnen, nämlich überraschend die Champions League.

Die Spannungen im Team sind offensichtlich ausgeräumt, Torhüter Andreas Wolff hatte im Vorfeld der WM für Unruhe gesorgt, als er die Absagen der Stammspieler kritisierte. Um sich die Sehnsucht Gold zu erfüllen, wollen alle an einem Strang ziehen und es ist selten genug, dass der Bundestrainer seine stärksten Spieler zur Verfügung hat. Dazu zeigte sich die Bundesliga kulant und ermöglichte durch Terminverschiebungen einige Tage mehr Vorbereitung. Keine Selbstverständlichkeit in der Hetzjagd, unter der auch die Handballer leiden. So müssen Schweden und Slowenien drei Tage vor dem Turnier noch ausgefallene Spiele der EM-Qualifikation nachholen. Ob das ein Vorteil (Test) oder Nachteil (Müdigkeit) ist, wird sich zeigen.

Eine Qualifikation für die Olympischen Spiele ist für den Handball-Bund mit Blickrichtung Zukunft von entscheidender Bedeutung. Nur bei sportlichem Erfolg fließen die notwendigen Förderungen vom Staat, nur bei Erfolg interessiert sich die Öffentlichkeit für Handball (in der Vergangenheit schon mit beachtlichen zweistelligen TV-Einschaltquoten), nur bei Erfolg geraten auch die lukrativen Fernsehverträge mit ARD und ZDF nicht in Gefahr. So träumt eben Vizepräsident Bob Hanning, der immer mit seinen bunten Pullovern auffällt, von Gold, das viele Hürden beseitigen würde. Liefern müssen die Spieler, zunächst in Berlin und dann vielleicht in Tokio.

Das Aufgebot: Tor: Wolff (Kielce/Pol), Bitter (Stuttgart), Heinevetter (Melsungen). Kreis: Wiencek, Pekeler (beide Kiel), Golla (Flensburg). Rückraum: Drux , Wiede (beide Berlin), Kühn, Häfner (beide Melsungen), Heymann (Göppingen), Weber (Leipzig), Böhm (Hannover), Knorr (Minden), Weinhold (Kiel). Linksaußen: Gensheimer (Rhein-Neckar-Löwen), Schiller (Göppingen). Rechtsaußen: Kastening (Melsungen), Groetzki (Rhein-Neckar-Löwen).

Der siebte Titel: Die Bayern sind auch Geister-Meister!

Was wurden die Bayern auf ihrem Weg zu sechs Titeln in einer Saison gefeiert. Doch bei diesem Sixpack mit Meisterschaft, Pokal, Champions League, nationalem Supercup, UEFA-Supercup und Klub-Weltmeisterschaft bleibt es nicht. Die Bayern sind auch Geister-Meister! Doch feiern will natürlich keiner, aber es ist leider einfach Tatsache, dass sich am 11. März die Zeit der Geisterspiele jährt. Corona verbannte die Zuschauer aus den Stadien, die DFL ersann ein schlüssiges Hygienekonzept und so durfte die Fußball-Bundesliga wieder spielen, allerdings nur vor leeren Rängen, aber mit Fernsehkameras. Am 11. März gab zwischen Gladbach und Köln das erste Geisterspiel in der Geschichte des Fußballs. Ein Jahr später bleibt leider immer noch die Frage offen, wann es wieder das erste Bundesligaspiel vor vollen Rängen geben wird.

Es wäre wohl falsch, wenn wir heute urteilen würden, wir haben uns an die Spiele ohne Fans gewöhnt. Nein, haben wir nicht, vor allem die Spieler auf dem Feld nicht, egal in welcher Liga. Gab es vorher Ärger mit lärmenden, gewalttätigen und beleidigenden Fans, so wurde dieser Ärger inzwischen verdrängt, vermisst wird die Anfeuerung, die Unterstützung, schlichtweg die Stimmung. Heute versuchen es die Betreuer am Rande des Spielfelds, manchmal ist auch das nervig und sogar peinlich. Immerhin, die Bundesliga lebt, spielt und hat zumindest die Zuschauer an den Bildschirmen zurückgewonnen. Sank am Anfang das Interesse an den Spielen, so haben die TV-Einschaltquoten bei Sky, ARD und ZDF die alten Zahlen wieder erreicht.

Andere Zahlen sind nicht so erfreulich, mit den Fans fehlen auch die Einnahmen von Eintrittskarten, dem Catering und allem anderen Drumherum. Der Verlust allein von der Bundesliga dürfte sich laut Insidern bis auf eine Milliarde Euro beziffern. Geht es noch länger ohne Zuschauer weiter, droht dem einen oder anderen Profi-Verein die Pleite. Auch sportlich gab es Auswirkungen, ohne Fans gibt es den Heimvorteil nicht mehr, gab es vorher 44 Prozent Heimsiege und nur 35 % Auswärtssiege, so drehte sich die Statistik auf 36 % Heimsiege und 37 % Auswärtssiege, bei 27 % Unentschieden. Möglich, dass sich auch anderweitig der fehlende Einfluss der Fans bemerkbar macht, die Chancenverwertung steigerte sich von 28,8 auf 30,6 Prozent und es gab weniger Rote Karten, sind die Spieler jetzt also konzentrieter und weniger heißblütig, bzw. werden sie derzeit weniger angestachelt? Jeder für sich muss allerdings die Frage beantworten, ob das Niveau gesunken oder gestiegen ist…

Rein sportlich gesehen gibt es allerdings keine Überraschung, wenn man eine Tabelle der Geisterspiele erstellt. Geister-Meister ist – natürlich – der FC Bayern München. In 33 Spielen haben die Bayern 82 Punkte geholt, 13 mehr als der RB Leipzig, der aktuell schärfste Konkurrent. Dahinter überraschend Frankfurt (60 Punkte in 34 Spielen) und Wolfsburg (58/33). Erst dann kommt Borussia Dortmund (57/33). Dort sehnt man sich wohl am meisten nach der Unterstützung der Fans, Stichwort „Gelbe Wand“. Das Schlusslicht überrascht wohl nicht, auch bei den Geisterspielen wird das Dilemma von Schalke 04 deutlich, nur 12 Punkte in 33 Spielen, Köln hat als Vorletzter mit 25 Punkten (33) immerhin das Doppelte geholt (gewertet nur Vereine mit über 30 Spielen, Auf- und Absteiger haben ja weniger).

Kampfansage von Leipzig

Auch ohne Zuschauer, aufregend ist die Fußball-Bundesliga aktuell genug. RB Leipzig hat sich zum ernsthaften Rivalen für die Bayern aufgeschwungen will den Titel. Die Sachsen wirken stabil, selbst Bayern-Trainer Hansi Flick schwärmt: „Es macht Spaß, sie anzuschauen“. Und Freiburgs Trainer Christian Streich prophezeit nach den Erfahrungen des 0:3 gegen Leipzig: „Die können Bayern fordern, das wird ein harter Zweikampf.“ Vor allem dann, wenn es mit den Aufholjagden der Münchner nicht mehr klappt. Auch gegen Dortmund hieß es zunächst „macht auf die Tür, das Tor macht weit“, nach neun Minuten stand es 0:2 durch zwei Haaland-Treffer. Allerdings behielt der Meister die Ruhe, Dortmund wurde eher ängstlich und Torjäger Robert Lewandowski entschied mit drei „Buden“ auch das Duell der Torjäger für sich. Sechsmal schon wandelten die Bayern einen Rückstand in einen Sieg um, das ist Einstellung des Vereinsrekords. Vielleicht holen sie sich noch den Bundesliga-Rekord von Bayer Leverkusen, das in der Saison 1999/2000 achtmal die Wende schaffte. Allerdings beklagen die Münchner Spieler selbst, „so eine Aufholjagd geht an die Substanz“.

Und was den Rest der Saison angeht, da dürfen wir auch gespannt sein, ob Robert Lewandowski locker bleibt. Seine Jagd nach dem Rekord von Gerd Müller (40 Tore) wird von den Medien begleitet und der Pole denkt mit Sicherheit an diese Zahl, auch wenn er beteuert, eben nicht daran zu denken. Müller hatte 71/72 nach 24 Spieltagen 26 Tore, Lewandowski steht bei 31 und hat noch zehn Spieltage vor sich. Ein Treffer pro Spiel reicht also! Am meisten wünscht er ihn sich wohl für den 3. April im Duell bei RB Leipzig.

Spannend ist es in allen Teilen der Bundesliga-Tabelle. Dortmund hat vier Punkte Rückstand auf einen Platz in der Champions League. In diesem Kampf erlitten Wolfsburg (1:2 bei Hoffenheim) und Frankfurt (1:1 gegen Stuttgart) einen Rückschlag. Vor allem für Wolfsburg war es eine schlechte Woche nach dem 0: 2 im Pokal in Leipzig und dann mit dem Ende der Erfolgsserie von neun Bundesligaspielen ohne Niederlage. Und Torhüter Koen Casteels musste nach 673 Minuten erstmals wieder hinter sich greifen. Timo Hildebrand (damals VfB Stuttgart) behält also seinen Rekord von 884 Minuten ohne Gegentor.

Besser ging es Bayer Leverkusen, das im Duell der Sorgenkinder in Gladbach glücklich mit 1:0 gewann. Trainer Peter Bosz kann durchatmen, aber drei Punkte fehlen noch zu Platz vier. In Gladbach bleiben dagegen die Sorgen, Trainer Marco Rose kann nach den bekannt gewordenen Wechselabsichten zu Dortmund nicht mehr gewinnen. Nächste Chance ist am Freitag in Augsburg. Der FCA verhalf Pal Dardai bei Hertha BSC zum ersten Erfolgserlebnis, haben die Mannen von Heiko Herrlich auch ein Herz für Marco Rose…

Am Tabellenende nichts Neues, Unentschieden bringen keine Veränderung, umso wertvoller der Sieg für Hertha BSC. Schalke hat vorausschauend den neuen Trainer Dimitrios Grammozis für die erste und zweite Bundesliga bis 2022 verpflichtet. Das 0:0 gegen Mainz war Not gegen Elend. Auch Bielefeld bewegte sich mit dem neuen Coach Frank Kramer nicht vorwärts, bezeichnend, dass es gegen Union Berlin ebenfalls ein 0:0 gab. Für die neuen Trainer war die Zeit natürlich zu kurz, um etwas bewegen zu können, bis die Teams allerdings wirklich in Form kommen, könnte die Saison vielleicht schon zu Ende sein…

Seinen wichtigen Sieg hat Borussia Dortmund bereits im Pokal gegen Gladbach errungen. Das 1:0 bringt die Mannschaft ins Halbfinale, wo jetzt Holstein Kiel der Gegner ist. Leipzig muss zum Sieger der wegen Corona bei Regensburg verlegten Partie des Jahn gegen Werder Bremen. Das schaut dann ganz nach einem großen Finale zwischen Dortmund und Leipzig aus. Die Bayern hatten dafür den Weg frei gemacht.

Zuvor müssen beide Teams allerdings in der Champions League bestehen. Dortmund hat es vom Ergebnis her leichter, denn der 3:2-Sieg im Hinspiel in Sevilla öffnete die Tür. Doch das Durchgehen dürfte noch schwer werden, da die Borussia mit zahlreichen Ausfälle zu kämpfen hat. Besonders ist die Konstellation im Duell Liverpool gegen Leipzig: Da die kriselnde Mannschaft von Jürgen Kloppp, die nach sechs Heimniederlagen in Folge in der Premier League nur noch auf Platz sieben steht, da der RB im Aufwind, der allerdings ein 0:2 aufholen muss. Vielleicht ist es für die „Reds“ entscheidend, dass das „Heimspiel“ in Budapest ausgetragen wird! Leipzig wiederum muss beweisen, dass es auch in entscheidenden Spielen Bestform zeigen kann. Die Weichen muss Trainer Julian Nagelsmann stellen. Eine Nagel(smann)probe also für das kommende Duell gegen die Bayern!

Pleiten, Chaos und Streit – das Innenleben der Fußball-Bundesliga

Werbe-Strategen behaupten, auch negative Schlagzeilen sind Werbung, Hauptsache im Gespräch. Das hat sich offensichtlich die Fußball-Bundesliga zu Herzen genommen. Der Wintersport drängt mit Weltmeisterschaften in den Vordergrund, doch mit Pleiten, Chaos und Streit hält die Bundesliga dagegen. Die TV-Einschaltquoten und die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit beweisen, Fußball bleibt die Nummer 1. Seltsam, bei den ganzen Schlagzeilen spielt das Aushängeschild FC Bayern München nur ein Nebenrolle. Und bei Pleiten, Chaos und Streit möchte auch Bundestrainer Joachim Löw nicht dabei sein.

Im Mittelpunkt steht aktuell das Chaos bei Schalke 04. Sportlich bereits am Ende hat jetzt das 1:5 in Stuttgart das Fass zum Überlaufen gebracht, am Sonntag wurde „klar Schiff“ gemacht mit Massenentlassungen. Trainer Christian Gross, Sportvorstand Jochen Schneider und Teammanager Sascha Riether, dazu Fitnesstrainer Werner Leuthard (einst ein Guru in der Branche) und Trainer-Assistent Rainer Widmayer (galt mal als der beste Assistent schlechthin) wurden vor die Tür gesetzt. Der Aufsichtsrat handelte, allerdings viel zu spät. Die Geschichte von Schalke ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen und einer Team-Planung ohne Geschick und Verstand. Vier Trainer durften sich versuchen, der eine so ungeeignet wie der andere, egal ob der zuerst erfolgreiche David Wagner, Manuel Baum oder Gross (zwischendurch Nothelfer Huub Stevens). Aus dem einstigen „Meister der Herzen“ wurde ein „Meister der Missgriffe“, dessen Entwicklung nur mit Kopfschütteln verfolgt werden kann. Chaos pur. Die Hauptschuldigen bleiben, nämlich die Spieler. Sie sollen jetzt mit Nachwuchschef Peter Knäbel die Saison einigermaßen würdig zu Ende bringen, ihm zur Seite stehen die Schalke-Ikonen Mike Büskens und Gerald Asamoah. Die letzte Chance zur Wende ist am Freitag gegen den Vorletzten Mainz 05. Aber der Klassenerhalt wäre ein Wunder.

Eine Trainer-Entlassung bleibt für die Klubs der erste Versuch zur Wende. So handelte jetzt auch Neuling Arminia Bielelfeld, indem Trainer Uwe Neuhaus entlassen wurde. Gerät der Klassenerhalt in Gefahr, zählen nicht mehr die Meriten der Vergangenheit. Einst gefeiert, bald gefeuert – oft das Schicksal der Aufstiegstrainer. Zwei Heimspiele stehen an, gegen Union Berlin und Werder Bremen. Wirklich die Zeit der Wende? Nicht jedem wird es so leicht gemacht wie dem FC Augsburg. Der profitierte zuletzt zweimal hintereiander von eklatanten Torwartfehlern beim Gegner (Lomb, Leverkusen, und Zentner, Mainz), kassierte vier Punkte und das sorgt für Ruhe im Verein bei wohltuendem Abstand zum Tabellenende. Jetzt geht es zur Hertha, auch dort Chaos, den Trainerwechsel hat der Verein hinter sich, der Erfolg kehrte mit Pal Dardai nicht ein. Jetzt soll der FCA die Punkte abgeben, verteilen im Gegenzug die Augsburger mal Geschenke?

Sportlich erlebte die Bundesliga die kollektive Pleite mit der Bauchlandung von Bayer Leverkusen und der TSG Hoffenheim in der Europa League. Das Ausscheiden beschädigt den Ruf als beste Liga in Europa, egal ob gegen den Schweizer Meister Bern oder die Norweger aus Molde, die sich ja eigentlich in der Winterpause befinden, das Ausscheiden war eine Blamage, auch wenn es für die UEFA-Jahreswertung kaum eine Rolle spielt. Der gute internationale Ruf wurde aber auf jeden Fall beschädigt mit Niederlagen gegen Gegner „aus der zweiten Reihe“.

Leverkusen gehört auch national zu den Sorgenkindern. Natürlich geht es um den Trainer. So steht Peter Bosz vor einem Rätsel. Am 12. Spieltag war Leverkusen mit 28 Punkten noch ungeschlagener Tabellenführer, ehe die 1:2-Niederlage gegen die Bayern auch den Niedergang einleitete, der jetzt in sechs Niederlagen in acht Spielen gipfelte. Zwar war auch Bayer, wie fast jeder Vereine, vom Verletzungspech gebeutelt, aber das allein erklärt den Absturz nicht. Sportdirektor Rudi Völler bewahrt (noch) die Ruhe und hofft auf die Wende, die Peter Bosz schon einmal gelang. Der Trainer sieht spielerisch einen Aufwärtstrend trotz des 1:2 gegen Freiburg, aber Tore und eben die richtigen Ergebnisse, nämlich Siege, fehlen. Noch ist es Rang 6, was Europa League bedeutet, doch Bayer möchte in die Champions League und sind es fünf Punkte Rückstand auf Frankfurt.

Um den Trainer geht es auch bei Mönchengladbach, weil die Borussia noch weiter von der Sehnsucht Champions League entfernt ist. Platz 9 und noch vier Punkte weniger als Leverkusen, das ist nicht das, was man sich ausgerechnet hatte. Die Schuld wird von außen schnell bei Trainer Marco Rose gesucht, der bekanntlich schon in Dortmund im Wort steht. Kann er also seine Mannschaft noch begeistern? Wechseltheater und Krise gingen Hand in Hand. Auch Manager Max Eberl will die Nerven behalten, das Spiel der Spiele folgt im DFB-Pokal, wo in Gladbach ausgerechnet Borussia Dortmund der Gegner ist! Marco Rose wird seine jetzigen Jungs sicher heiß machen, denn wenn seine künftige Mannschaft schon in diesem Jahr den Pokalsieg feiert, wird sein Einstieg ein Stückchen schwieriger! Lieber verabschiedet er sich in Gladbach mit einem Titel. Eine verrückte Konstellation.

Streit gibt es zusätzlich zur Genüge, einen besonderen Zwist tragen Bremen und Frankfurt aus. Die Erfolgsserie der Hessen wurde im Norden jäh gestoppt, doch die Atmosphäre war vergiftet. Bei Werder gehen sie mit besonderen Mittel gegen die Geisterkulisse vor, mit Krach von der Bank wollen sie für Stimmung sorgen, manchmal sehr zum Missfallen der Gegner. Besonders giftig war es jetzt gegen die Eintracht, die beschwerte sich über „böse Geister“.

Pause bei den europäischen Wettbewerben, dafür gibt es den DFB-Pokal. Aber auch da schlägt Corona zu, der Partie Regensburg – Bremen droht wegen Corona-Fällen bei Jahn die Absage. Dagegen steht Dortmund vor der heißen Phase der Saison, Weichenstellungen in drei Schlagerspielen: Zuerst gegen Gladbach geht es um das Weiterkommen im Pokal, am Samstag (18.30 Uhr) das Schlagerspiel bei Bayern München, das nicht verloren werden darf, um den Anschluss an die CL-Plätze nicht zu verlieren, dann das Rückspiel in der Champions League gegen Sevilla. Der Rückenwind für die entscheidenden Spiele gibt es mit drei Siegen in Folge. Das zweite Schlagerspiel bestreiten Leipzig und Wolfsburg, hier will vor allem RB auf der Erfolgswelle bleiben, schließlich hat Trainer Julian Nagelsmann von einer Titeljagd gesprochen. Das ist in Pokal und Meisterschaft noch möglich. Der Exot im Viertelfinale ist Viertligist Rot-Weiß Essen, jetzt hofft man auf den Coup Halbfinale mit einem Sieg gegen Kiel. Die erste Niederlage in der Regionalliga kam da allerdings zur falschen Zeit.

Die Bayern sind im Pokal nach dem Ausscheiden in Kiel nur Zuschauer, eine ungewohnte Rolle. Seltsam: Die spielen sie im Moment gern, nach dem Titel-Sixpack der letzten Saison schadet ein bisschen Ruhe nicht und auf den DFB-Pokal verzichten sie scheinbar am ehesten. Dafür gibt es zwei ruhige Trainingswochen nur mit Spielen am Wochenende. Trainer Hansi Flick freut sich auf Trainingstage und darauf, wieder mal einiges üben zu können, zum Beispiel die Abwehr stabilisieren. Bayern macht sich fit für den Saison-Endspurt. Dortmund soll es merken.

Pleiten, Chaos und Streit – davon will sich Bundestrainer Joachim Löw distanzieren. Er hat jetzt in einem großen Interview in der Fachzeitschrift kicker über die Zukunft geplauert und spricht natürlich von Erfolgen. Und um jeglichen Streit zu unterdrücken, hat er auch die Möglichkeit der Rückkehr von Hummels, Boateng und Thomas Müller angesprochen, wenn er Umbruch zur Europameisterschaft im Sommer vielleicht unterbrochen werden muss. Es kann ja nie schaden, sich eine Hintertür offen zu halten und alles zu tun, um die Stimmung nicht zu trüben. Da haben die Trainer im Abstiegskampf halt ganz andere Sorgen.

Oberstdorf: Was lässt Norwegen dem Rest der Welt übrig?

Am Donnerstag werden die ersten Medaillen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2021 vergeben. Oberstdorf, der südlichste Ort Deutschlands, im WM-Fieber? Nein. Corona hat den Allgäuern die WM-Freude getrübt, Zuschauer dürfen keine kommen, die Weltmeisterschaft wird mehr oder weniger stimmungslos abgewickelt. Dabei gab es durchaus Vorfreude. Was war das für ein Jubel, als 2016 in Mexiko endlich Oberstdorf den Zuschlag für die WM 2021 erhielt. Vier Anläufe davor waren vergeblich gewesen, obwohl der Wintersportort mit einem beachtlichen Pfund wuchern konnte: Die Austragungen 1987 und vor allem 2005 waren perfekt, eine bessere Bewerbung gibt es nicht. Damals feierten 350.000 Besucher im 10.000-Einwohner-Ort, die WM-Bar mittendrin war über 200 Meter lang. „Das war die schönste WM“, erinnert sich Hermann Weinbuch, Bundestrainer der Kombinierer.

Und jetzt das. Keine Zuschauer, kein Trubel, nur ein bisschen Jubel von den Betreuern für die Athleten. Statt der Vorfreude gab es eher Vorärger, weil manche im Ort den Sinn nicht mehr verstehen und Angst davor haben, dass die 4500 Athleten, Betreuer und Funktionäre das Virus Covid-19 mit Anhang einschleppen. Jetzt gilt es, das Beste aus der Situation machen, viel Geld wurde ausgegeben, die Hoffnung liegt beim Fernsehen. Schöne Bilder von den Wettbewerben und vor allem von der Landschaft sollen in die Welt gehen und Werbung für den durch das Skispringen weltweit bekannten Ort machen. Zugleich hoffen die Oberstdorfer auch auf eine Wiedergutmachung vom Ski-Weltverband, der ihnen als Augleich die WM 2027 schenken soll, die bisher noch nicht vergeben ist.

Dennoch tun die Organisatoren in Oberstdorf natürlich alles dafür, dass die Weltmeisterschaft ein Erlebnis für alle wird, beste Bedingungen wurden geschaffen, auch wenn die starke Frühlingssonne derzeit den Schnee schmelzen lässt. Allein das Langlaufzentrum wurde für 40 Millionen Euro modernisiert, eine Investition für die Zukunft, auch für Freizeitsportler. Bund und Land haben sich an den Kosten beteiligt.

Muss nur noch der sportliche Ertrag stimmen. Die erste Frage lautet dabei allerdings: Was lässt Norwegen dem Rest der Welt übrig? Vor zwei Jahren in Seefeld holten die Skandinavier 13 der 22 Goldmedaillen, Deutschland war mit sechs über die Maßen erfolgreich, nur für Schweden (2) und Polen (1) fiel noch etwas ab. Auch diesmal sind die Norweger dominant, sie beherrschen das Skispringen der Herren und die Nordische Kombination, während im Langlauf die Konkurrenz größer ist. Dort könnten auch die Russen auftrumpfen, sie sind stark, vielleicht auch nur stark gedopt (das Misstrauen bleibt immer). Als Mannschaft gibt es Russland wegen der Doping-Bestrafung nicht.

Deutschland gibt es als Mannschaft, wie stark wird sie sein? Sie sollten sich an den alpinen Skisportlern orientieren, die kürzlich bei ihrer WM in Cortina d’Ampezzo positiv überraschten. Vier Medaillen waren mehr als erwartet. Vier Medaillen wären den Nordischen natürlich zu wenig, aber von sechs Goldmedaillen können sie nur träumen. Immer stehen die Norweger im Weg. Beim Skispringen dominierte Halvor Egner Granerud, in der Nordischen Kombination war Jarl Magnus Riiber schier unschlagbar. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf den Schanzen wollen Markus Eisenbichler (Zweiter im Weltcup) und Karl Geiger (10.) mitmischen. Vor allem der Oberstdorfer Geiger will auf seinen Heimschanzen den Sieg von der Vierschanzen-Tournee wiederholen. Aus einem Tief hatte er sich zuletzt wieder ein wenig erholt.

Immer für Medaillen gut sind die Mannschaften. Vor allem das Sprung-Mixed-Team mit zwei Männern und Frauen war bei den letzten drei Titelkämpfen nicht zu schlagen! Und auch im ersten Teamwettbewerb der Frauen vor zwei Jahren siegte Deutschland. Doch die deutschen Mädchen, die zum Beispiel 2014 in Sotschi bei der olympischen Premiere mit Carina Vogt die erste Olympiasiegerin stellten, kommen diesem Winter nicht in Schwung. Eher ist Fehlersuche als Medaillensuche angesagt, Katharina Althaus (Oberstdorf) ist als Zehnte im Weltcup bestplatzierte Deutsche. Ein stark ausgedünnter Terminplan mit vielen Pausen machte ihnen zu schaffen, der Rhythmus fehlt. Aber vielleicht platzt ausgerechnet bei der WM der Knoten.

Die Kombinierer haben ihre einstige Vormachtstellung eingebüßt. Sie sind vorn dabei, aber nur selten ganz vorn, die Formkurve jedoch stimmt. Entscheidend werden für Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Fabian Rießle als die formstärksten Athleten vor allem die Springen sein. Da holte Dominator Riiber immer schon den entscheidenden Vorsprung für den Langlauf. Siegchance gibt es dann eher in den Team-Wettbewerben. Nur dabei in der Nordischen Kombination sind auch die Damen, allerding ist es noch ein exotischer Wettbewerb, es gar erst einen Weltcup. Jenny Nowak (Schland) wurde 13. Da fehlt noch ein bisschen was für Gold. Die Ungewissheit ist hier am größten.

Von insgesamt diesmal 24 Goldmedaillen werden allein 12 im Langlaufen vergeben. Alle möglichen Wettbewerbe werden da hineingepackt, die deutschen Damen und Herren werden aber eher zu den zählen, die das Feld von hinten anschauen. Eine Medaille wäre eine Sensation und am ehesten noch der Damen-Staffel zuzutrauen. Allein Katharina Hennig aus Oberwiesenthal mischte manchmal vorne mit und könnte für eine Überraschung sorgen.

Schade, Fans werden sie in der Loipe nicht antreiben, werden an den Schanzen nicht für Aufwind sorgen. Aber so ist es in Corona-Zeiten, alle hoffen nur auf bessere Zeiten. Die Oberstdorfer wollen aber alles tun, dass die WM in guter Erinnerung bleibt. Und hoffen auf 2027 – dann mit Zuschauern.

Bundesliga: Wer lockt mit der besten Zukunft?

Der „Fall Rose“ hat die Fußball-Bundesliga in der vergangenen Woche beschäftigt, aber das Thema wird uns bis zum Schluss der Saison begleiten. Gladbachs Trainer hat kundgetan, dass er den Verein zum Saisonende verlassen wird und von der einen Borussia zur anderen wechselt. In Dortmund verspricht er sich offensichtlich bessere Bedingungen, um in seiner Karriere als Trainer auch mal einen Titel zu gewinnen. Marco Rose macht von seiner Ausstiegsklausel im Vertrag Gebrauch, ein übliches Geschäftsgebaren. Die harten Fans sehen das natürlich anders, sie sprechen von Verrat und vergessen dabei, dass die Zeiten vorbei sind, als Vereinstreue über die ganze Karriere hinweg Alltag war. Dennoch wird der Trainerwechsel Gladbachs Manager Max Eberl noch einige schlaflose Nächte kosten. Gut, dass er sich gerade erholt hat.

Borussia Dortmund ist also noch ein attraktiver Verein, dass wird Boss Watzke freuen, der Wunschtrainer soll den BVB wieder an die Spitze führen. Dabei stellt sich die Frage, welcher Verein in der Bundesliga lockt eigentlich mit der besten Zukunft? Logisch, dass die erste Antwort Bayern München lautet. Doch nicht alle, die Titel gewinnen wollen, können in München spielen. Und angesichts der derzeitigen Krise bzw. Überbeanspruchung der Bayern in der Terminhatz deutet sich ein Ende der Alleinherrschaft an. Leipzig macht Druck und wirkt mit Jagdfieber ziemlich gefestigt. Könnte sein, dass man nicht unbedingt bei den Bayern spielen muss, um Titel zu gewinnen. So wird es auch spannend sein, zu sehen, wohin Florian Neuhaus wechselt. Der vielgelobte Gladbacher Mittelfeldstratege liebäugelt offensichtlich auch mit einem Vereinswechsel (armer Eberl) und gesteht: „Ich möchte Titel gewinnen“. Nur wo?

Sieht man die momentanen Kräfteverhältnisse in der Bundesliga an, dann könnte dies auch in Frankfurt gelingen. Die Eintracht ist derzeit die „Mannschaft der Stunde“ und seit elf Spielen ungeschlagen. In der Rückrunde holte das Team alle 15 möglichen Punkte und wurde vom Mitläufer zum Champions-League-Anwärter. Auf die Erfolgsspur brachte Trainer Adi Hütter seine Mannschaft mit einer kleinen System-Umstellung, die nicht alltäglich ist: Er opferte einen Stürmer zugunsten eines zweiten Zehners. Und dort wirbeln Kamada und der sich plötzlich in Bestform befindende Amin Younes. Er wurde auch zum Schreckgespenst der Bayern, die beim 1:2 in Frankfurt die gleiche Schwäche zeigten wie beim 3:3 gegen Bielefeld. Sie brauchen eine ganze Halbzeit, um in Schwung zu kommen. So verschlafen sie am Ende sogar neunten Titel in Folge. Innerhalb weniger Tage schmolz der Vorsprung von sieben auf zwei Punkte. Thomas Müller fehlt vor allem, vielleicht feiert er am Samstag gegen Köln sein Comeback. Danach wartet nämlich am 6. März die Aufgabe gegen Dortmund und vielleicht wird die Meisterschaft am 3. April beim Duell in Leipzig vorentschieden (27. Spieltag). Jedenfalls: So spannend war es an der Spitze schon lange nicht mehr. Frankfurt liegt allerdings noch sieben Punkte zurück, ebenso wie der VfL Wolfsburg, der fast heimlich, still und leise auf die gleiche Bilanz wie die Eintracht kommt (11 Siege, 9 Remis, nur 2 Niederlagen – Bayern und Leipzig je 3), ein Tor sogar besser ist und deshalb Dritter. Werden also auch sie zu attraktiven Klubs in Sachen Titelgewinn?

Dortmund kämpft, wie gesagt, darum, wieder als Spitzenklub wahrgenommen zu werden, das gelang in der Champions League beim 3:2-Sieg in Sevilla als auch beim 4:0 in Berlin mit der Haaland-Show. Aber wir kennen alle Dortmund, das kann am Samstag schon gegen Bielfeld anders ausschauen. Erfolgreicher sein möchten auch Leverkusen und Gladbach, doch das klappt einfach nicht. Beide haben zuletzt schlechte Erfahrungen mit Mainz gemacht, Bayer erreichte gerade noch ein 2:2, Gladbach verlor 1:2. Hoppla, gegen Mainz…

Die Rheinhessen sind mittendrin im Aufstand am Tabellenende. Noch auf einem Abstiegsplatz, aber nur einen Zähler hinter Bielefeld und Hertha, vier hinter Köln und sechs hinter FCA und Werder. Plötzlich müssen sich einige Teams warm anziehen, die schon an ein relaxtes Wohlfühlbad in der Bundesliga gedacht haben. Hertha zum Beispiel, aber auch Augsburg. Der FCA versucht sich selbst stark zu reden („Wir halten die Klasse, wir sind im Aufwind“) und Manager Stefan Reuter stärkt dem nicht unumstrittenen Trainer Heiko Herrlich den Rücken („Er wird noch lange bei uns bleiben“). Wie lange das „noch lange“ geht, wird sich vielleicht in den nächsten zwei Spielen zeigen: Sonntag in Mainz und am 6. März bei der Hertha. Der FCA hat keine Angst in der Fremde (11 Punkte), aber hier könnte sich die nahe Zukunft entscheiden: Rettung oder Abstiegskampf pur. Dann mit Herrlich?

Schlusslicht Schalke 04 ist wohl nicht mehr zu retten. Das Revierderby am Samstag war wohl das letzte auf lange Zeit. Der bevorstehende Absturz in die 2. Bundesliga ist hausgemacht, beim 0:4 gegen Dortmund war kein Aufbäumen zu sehen. Ein trauriger Abschied vor allem für die Fans, die von den Rängen keine Unterstützung geben konnten, aber vielleicht fällt auf diese Art der Abschied auch leichter. 52 Jahre spielte Schalke seit der Einführung der Bundesliga 1963 im Oberhaus, in dieser Zeit allerdings auch fünf Jahre in der zweiten Liga. Es sieht nicht aus, als sollte es für den Siebten der ewigen Tabelle eine schnelle Rückkehr geben.

In Europa wird ebenfalls wieder gespielt. Im ersten Teil haben sich die Bundesligisten nicht gerade mi Ruhm bekleckert, Dortmund war mit dem 3:2 in Sevilla die Ausnahme, Leipzig hatte sich mehr erhofft, als das 0:2 gegen Liverpool. Für Jürgen Klopp war das Balsam auf die Wunden, in der Premier League haben die „Reds“ jetzt vier Niederlagen in Folge erlitten, der Titel gilt als verloren. Tabellenführer ist mit zehn Punkten Vorsprung auf Leicester Manchester City. Das sagt alles über auf die Aufgabe von Borussia Mönchengladbach gegen Pep Guardiola und seine Mannen, bei denen vor allem Ilkay Gündogan sich in Bestform präsentiert. Gespielt wird wieder in Budapest, da wäre das Leipziger Ergebnis fast schon gut.

Der FC Bayern tritt in Rom im Stadion Olimpico an, daran hat der deutsche Fußball beste Erinnerungen mit den Titelgewinnen 1980 (EM) und 1990 (WM). Die Bayern haben auch gute Erinnerungen an Lazio Rom, dort gab es im Oktober 2014 mit 7:1 den höchsten Auswärtssieg in der Münchner CL-Geschichte. Als Aufbaugegner werden die Römer nicht dienen, sie sind im Gegensatz zu den Bayern in Bestform, bauen auf Ciro Immobile, der im Vorjahr vor Lewandowski Europas bester Torjäger war, und vor allem auf Mittelfeldlenker Luis Alberto, der jetzt auch als Torschütze glänzt. Bayern-Trainer Hansi Flick hofft auf Leon Goretzka und darauf, dass seine Mannen mal von Anfang hellwach sind. Hoffnung macht: Lazio stand in den letzten 21 Jahren nie im Viertelfinale der Champions League. Aber aufgepasst: Jede Serie reisst einmal! Im Gegensatz dazu trachten die Bayern ja nach einer erfolgreichen Titelverteidigung.

In der Europa League haben sich Bayer Leverkusen mit dem 3:4 in Bern und Hoffenheim beim 3:3 gegen Norwegens Vertreter Molde fast blamiert. Wiedergutmachung sollte es am Donnerstag geben. Oder setzt sich der Fluch fort, dass die Bundesligisten Europa League nicht können?

Achtung: In dieser Woche noch eine Kolumne zur Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf.

Den Fußballteams wünscht keiner einen „guten Flug“

Die Bundesliga bleibt natürlich die Hauptsache, aber ab sofort wird sie im Fußball dennoch in den Hintergrund gedrängt, weil Champions League und Europa League wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Das Achtelfinale bzw. die Zwischenrunde stehen an und sechs deutsche Klubs sind noch dabei. Sie haben allerdings mit der Corona-Pandemie die gleichen Probleme wie alle anderen Vereine, die in Ländern beheimatet sind, wo es strenge Auflagen gibt, um das Virus nicht zu verbreiten. Die UEFA will natürlich (Geschäft ist Geschäft) die Spiele durchführen und so kommt es zu kuriosen Spielverlegungen ins Ausland. Gespielt wird in Ländern, wo die Angst vor dem Virus geringer ist oder es keine Einschränkungen gibt. Manche Länder oder Städte, wie Ungarn bzw. Budapest, drängen sich sogar danach und sehen die Spiele als Werbung an. Doch insgesamt herrscht Kritik an den unnützen Flugreisen quer durch Europa. Den Fußballteams wünscht jedenfalls keiner einen „guten Flug“.

Es bleibt natürlich nicht aus, dass auch die deutschen Klubs betroffen sind. In der ersten Runde ist jeweils Budapest das Ziel, wenn Leipzig am Dienstag auf Liverpool trifft und am 24. Februar Gladbach auf Manchester City. Auch die Rückspiele müssen wohl in anderen Ländern ausgetragen werden, weil man von England aus nicht ohne Quarantäne nach Deutschland einreisen darf. Da die deutschen Bestimmungen die Austragung eines Heimspiels der Engländer verhindern, müssen die deutschen Klubs die Kosten von rund 300.000 Euro tragen. Der Spielbetrieb wird also schwierig. Besonders krass ist es in der Europa League im Duell Benfica Lissabon gegen Arsenal London, denn in beiden Ländern droht Quarantäne. So spielt Benfica in Rom, Arsenal in Piräus. Die Kritiker haben also Hochkonjunktur, der Fußball sieht sich an den Pranger gestellt, Bayern-Trainer Hansi Flick erging es dabei wohl wie vielen, dass er sich dagegen wehrte, dass manche ohne Kenntnis der Situation urteilen, allen voran ein gewisser Karl Lauterbach, der „Besserwisser der Nation“, der in der Politik eigentlich keine wichtige Figur mehr ist, sich aber immer wichtig nimmt.

Von Corona zum Sport, der ja reizvolle Begegnungen bietet, so vor allem das Duell von Leipzig mit dem FC Liverpool und ebenfalls am Dienstag FC Barcelona – Paris Saint-Germain. Jürgen Klopp war mit Liverpool zuletzt immer Endstation für die deutschen Klubs, er schaltete den FC Augsburg, Borussia Dortmund, Hoffenheim und sogar den FC Bayern (auf dem Weg zum Triumph in der Champions League) schon aus. In Hoffenheim war damals Julian Nagelsmann der Trainer, jetzt also der zweite Versuch. Die Voraussetzungen sind günstig, denn Klopp musste mit seinem Team zuletzt drei Niederlagen in der Premier League verkraften, die „Reds“ scheinen auch aufgrund von Verletzungen nicht in Bestform zu sein. Das hoffte ebenfalls Paris vom Gegner Barcelona, doch zeigen sich Barca und Messi im Aufwind.

Von Aufwind ist in Dortmund nichts zu spüren, da kommt das Duell mit dem FC Sevilla wohl zu Unzeit oder spielen die Schützlinge von Trainer Edin Terdic plötzlich befreit auf? Dortmund kann eigentlich nur positiv überraschen, allerdings zeigte sich Sevilla zuletzt gut in Form und ist Vierter in Spanien. Borussias Sturm-Tank Erling Haaland warnt mit Blick auf die letzten Leistungen: „So haben wir keine Chance.“ Die Bayern (bei Lazio Rom) und Gladbach sind eine Woche später dran, da die UEFA das Achtelfinale für das Fernsehen mit immer nur zwei Spielen am Tag jeweils über zwei Wochen streckt. Auf „neutralem Boden“ spielt auch Hoffenheim in der Europa League, denn Molde (Norwegen) darf die Deutschen nicht empfangen und zieht nach Villareal/Spanien um. Bayer Leverkusen darf dagegen in die Schweiz zu den Young Boys Bern reisen, dem Tabellenführer der Schweizer Liga. Leverkusen hat ähnlich wie Dortmund mit Formproblemen zu kämpfen. Auch hier gilt: Vielleicht befreit ein Gastspiel auf Europas Bühnen.

Duell der Giganten in der Bundesliga

Die Bundesliga ist die Grundlage, nur die besten sechs Klubs dürfen sich auf den Weg nach Europa machen. „Mannschaft der Stunde“ bleibt Eintracht Frankfurt als Erster einer Jahrestabelle für 2021. Die Eintracht ist seit zehn Spielen ungeschlagen und träumt von der Champions League, da kommt im Duell der Giganten Bayern München am Samstag gerade recht. Die Bayern kommen zwar als Klub-Weltmeister und Halbzeitmeister, aber auch mit einem Haufen Sorgen im Gepäck, Corona und Verletzungen reduzieren den Kader und der Spiele-Stress bringt wohl alle an die Grenzen der Belastbarkeit. Allerdings: Schon einmal haben die Bayern Erfolgsserien beendet, nämlich die von Leverkusen und Wolfsburg. Bei solchen Gelegenheiten zeigt der Abonnementsmeister besonderen Ehrgeiz und gute Nerven.

Ehrgeiz zeigen die Bayern auch bei den Transfers, so haben sie im Rennen um Leipzigs Abwehrhoffnung Dayot Upamecano die englischen Klubs Manchester United und Chelsea London ausgestochen. Für die Ablösesumme von 42,5 Millionen Euro wird nebenbei der Hauptkonkurrent geschwächt, ein altes Erfolgsrezept der Bayern. Allerdings hätte Leipzig den Franzosen sowieso nicht halten können. Die Bayern bauen offensichtlich nach dem Abgang von David Alaba auf einen Franzosen-Abwehr mit Pavard, Upamecano, Talent Nianzou und Hernandez.

Neben dem Duell der Erfolgreichen gibt es das Duell Not gegen Elend, nämlich das Ruhrpott-Derby. Einst ein Schlager gilt es jetzt eher als Hilfsprogramm für Schalke 04 und Borussia Dortmund. Im Hinspiel erlitt Schalke beim 0:3 eine seiner 14 Niederlagen, jetzt könnte ein Sieg Hoffnung und Versöhnung mit den Fans bedeuten, die schon den Schuldigen für den drohenden Abstieg ausgemacht haben: „Schneider raus“ hallte es vor der Geschäftsstelle. Sportvorstand Jochen Schneider hat sicherlich keine Zukunft mehr auf Schalke.

Neben Schalke müssen sich weiterhin auch Mainz, Bielefeld, die Hertha und Köln gegen den Gang in die zweite Liga wehren. Da lohnt sich ein Blick nach unten. Dort geht es im Kampf um den Aufstieg so spannend zu, wie es die Bundesliga an der Spitze gerne hätte. Gleich drei Mannschaften liegen mit je 42 Punkten gleichauf, der Hamburger SV noch als Tabellenführer sowie die Überraschungsteams aus Bochum und Kiel, nur drei weitere Zähler dahinter lauert mit Fürth eine weitere Überraschungsmannschaft. Beim HSV beginnt offensichtlich wieder das Zittern, ein Vorsprung wurde wieder einmal verspielt. Nach dem Gastspiel bei Schlusslicht Würzburg stehen die Knaller an: Derby auf St. Pauli, gegen Holstein Kiel und VfL Bochum. Die Wochen der Entscheidung. Erinnerungen werden wach, vor zwei Jahren verspielte der HSV in ähnlicher Position den Aufstieg mit Niederlagen bei den späteren Aufsteigern Union Berlin (0:2) und Paderborn (1:4), im Vorjahr bedeutete am Ende ein 0:0 gegen Bielefeld und 2:3 gegen Stuttgart (beide gingen hoch) und 1:2 in Heidenheim das Ende aller Aufstiegsträume. Der HSV kämpft dagegen an, dass sich Geschichte wiederholt.

Klub-Weltmeister – ein Titel für die Geschichte

Was war das nun für ein Turnier, die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball in Katar? War es, wie es viele Kritiker bezeichnen, eine sportlich wertlose Veranstaltung oder darf sich der Sieger FC Bayern München doch über einen wichtigen Titel freuen? Den Kritikern sei es gesagt und den Bayern-Fans zum Trost: Der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft ist nicht nur ein Titel für den Briefkopf, er ist auch ein Titel für die Geschichte, insofern dürfen sich alle Bayern über den 1:0-Sieg gegen Tigres Monterrey aus Mexiko freuen. Allein die Tatsache, dass außer dem FC Barcelona mit Trainer Pep Guardiola und Lionel Messi im Jahr 2009 noch keiner sechs Titel in einer Saison geholt hat, würdigt diesen Erfolg als große Leistung! Eine besondere Leistung vor allem von Trainer Hansi Flick, der zum Einstieg gleich den Sixpack schaffte!

Ob die Klub-Weltmeisterschaft nun großen Sport bietet, darüber kann man natürlich streiten. Aber es ist genau das Finale, das die Meister der verschiedenen Konförderationen des Weltverbandes ehrt. Da ist kein Zweiter und Dritter aus Europa oder Südamerika dabei, wo vielleicht besser Fußball gespielt wird als in Afrika oder Asien. Die Champions League in Europa ist bekanntlich kein Wettbewerb der Champions, sondern der besten Mannschaften, die Interesse wecken und Geld bringen. Dies als Vorbild genommen, will bekanntlich FIFA-Präsident Infantino die Klub-Weltmeisterschaft auch aufmotzen, auf 24 Mannschaften mit vielen interessanten Namen. Gewinner wäre die FIFA, nicht der Fußball und die Spieler schon gleich gar nicht, denn wie die das im jetzt schon vollen Terminkalender verkraften sollen, das sagt Infantino nicht. Er will ja nur kassieren. Der Spielbetrieb in Corona-Zeiten beweist, wie die Qualität unter dem Dauerstress leidet.

Die Bayern sind bisher kein Stress-Opfer, aber das kann noch kommen. Sie gewinnen zwar, zeigen dabei vor allem großen Willen, aber sie zeigen aus verständlichen Gründen keine großen Leistungen, die spielerische Leichtigkeit des Vorjahres ist in der Corona-Terminhetze verloren gegangen. Und wenn sich noch Corona-Ausfälle wie jetzt Martinez, Goretzka und Müller sowie Verletzungen häufen, dann werden die sieben Punkte Vorsprung in der Bundesliga bald dahinschmelzen. Schon am Montag kann sich Arminia Bielefeld wie 2013 der FC St. Pauli vielleicht zum Weltpokalsieger-Besieger küren. Trotz allem, das Jahr 2020 (die Klub-Weltmeisterschaft zählt ja für 2020, sollte im Dezember ausgetragen werden) wird wohl einmalig in der Bayern-Geschichte bleiben. Ein glänzender Abschluss einer Veranstaltung, die mit dem Flugchaos in Berlin begann. Die auch noch einen persönlichen Sieger brachte, nämlich Robert Lewandowski. Der Weltfußballer des Jahres wurde in jedem Spiel „Man of the Match“ und logisch auch als bester Spieler des Turniers gewählt (Dritter Kimmich).

Das sind die sechs Titel der Bayern: Deutscher Meister mit 82 Punkten (100:32 Tore). Pokalsieger (4:2 gegen Leverkusen). Champions League (1:0 gegen Paris St. Germain. UEFA-Supercup (2:1 n.V. gegen FC Sevilla). DFL-Supercup: 3:2 gegen Borussia Dortmund. Klub-WM (1:0 gegen Tigres UANL/Mexiko).

Fußball-Blase mit Schwächen

Der Fußball polarisiert, der Fußball sorgt für Diskussionen und jeder, der mit seinem Namen in den Medien erscheinen will, drängt sich vor, um den Profi-Fußball endlich mal so richtig die Leviten zu lesen. Dies ist jedenfalls der Eindruck, wenn man die Kommentare rund um die Probleme der Punktrunden in Corona-Zeiten liest und hört. Zur Klarstellung: Der Profi-Fußball ist ein Wirtschaftsunternehmen, das wie andere Unternehmen auch um sein Überleben kämpft. Es hängen auch tausende Arbeitsplätze dran. Der Profi-Fußball ist mit normalen Wirtschaftsunternehmen nicht zu vergleichen, weil er finanziell abhängig ist von Fernsehen und Sponsoren. nur wenn die zahlen, überlebt der Fußball. Geisterspiele ohne Fans (und Einnahmen) waren die Rettung. Dass der Profi-Fußball zum Teil den Boden der Vernunft verlassen hat, liegt auch daran, dass er so attraktiv ist, dass die Geldgeber mehr gezahlt haben, als der Fußball wert ist. Profiteure waren vor allem die Spieler und seit einigen Jahren vor allem auch ihre Berater.

Dies nur noch einmal zur Klarstellung, warum der Profi-Fußball in Corona-Zeiten vor allem mit ständigen Tests arbeitet und den Spielbetrieb mehr oder weniger in einer Blase abwickelt. Dabei gibt es natürlich eine Blasen-Schwäche, denn für den normalen Spielbetrieb kann man alle Beteiligten (Spieler, Trainer, Betreuer, Funktionäre etc.) nicht wegsperren. Sie sind bei ihren Familien, bewegen sich im Alltag wie jeder Bürger, die Gefahr einer Infektion inbegriffen. Nur: Im Fußball wird laufend getestet, Infektionen werden frühzeitig erkannt. Da wird auch viel Geld für Sicherheit investiert.

Gibt es Turniere wie in Katar oder sind die Mannschaften unterwegs, dann können die Delegationen in einer Blase leben. Natürlich kann man hinterfragen, ob es sein muss, dass die Mannschaften in den nächsten Wochen in der Champions League und Europa League durch Europa fliegen, zum Teil auch, weil Corona-Verbote ein Spiel im eigenen Land unmöglich machen. Wenn der Fußball hier eine Sonderbehandlung ins Spiel bringt, ist der Aufschrei zunächst einmal groß. Das Nachdenken dazu fehlt allerdings bei den meisten. Denn die Mannschaften sind ja keine Touristen, die unterwegs sind, sondern abgeschottete Delegationen, die keinen Kontakt mit der Bevölkerung haben. Eine Sondergenehmigung müsste also möglich sein und würde verhindern, dass Vereine ihre Heimspiele in andere Länder verlegen müssen, wie der RB Leipzig, der gegen den FC Liverpool in Budapest antritt. In Ungarn ist Corona durchaus präsentiert, doch dort werden diese zusätzlichen Gastspiele als Werbung für das ganze Land gesehen. Könnten die Klubs aber zu Hause antreten, würden zusätzliche Flüge wegfallen. Das Virus kann man nie ganz ausschalten, doch der Fußball bemüht sich bestmöglich (bis auf Aussetzer einzelner Spieler).

Allerdings muss die UEFA schon überdenken, ob die Europameisterschaft im Sommer wie geplant in zwölf Ländern stattfinden muss. Hier wäre weniger mehr, nämlich vier Standorte würden auch genügen, wären ein Signal an die Kritiker und würden das Infektionsrisiko reduzieren. Hier sollten die Funktionäre der Realität ins Auge schauen und von der Europa-Rundreise absehen.

Wie man die Bayern stoppen kann

Da rätselt die Fußball-Bundesliga seit Jahren, wie man denn die Titel-Serie des FC Bayern München beenden könnte. Dabei ist die Lösung doch so einfach: Setzt sie in ein Flugzeug und lasst es nicht fliegen… Allerdings muss man mit dem Zorn der Münchner Chefetage schon klarkommen. Spaß beiseite, ein bisschen seltsam war es schon, was sich beim Abflug der Münchner zur Klub-Weltmeisterschaft in Katar abspielte. Da war von der Zeit her alles geregelt, die Abläufe organisiert, nur der Schnee kam dazwischen. Die Passagiere saßen um 23:05 Uhr in der Maschine, die allerdings noch enteist werden musste. Der Pilot meldete in letzter Sekunde um 23:59 Uhr die Maschine für abflugbereit, doch die Freigabe erhielt er nicht. Angeblich hätte er die Freigabe erst um 0:03 Uhr erbeten, zu spät, denn ab Null Uhr gilt ein Nachtflugverbot. Pech, schlechte Organisation oder sogar ein Willkürakt gegen die erfolgreichen Bayern (Rache für die Hertha-Niederlage vorher)? Jeder darf es sich aussuchen, die Reaktion der Bayern-Bosse war jedenfalls überzogen, wenn Uli Hoeneß von einem „Skandal ohne Ende“ spricht.

Die Spieler nahmen es gelassener, verbrachten die Nacht zwangsläufig in der Maschine, hatten ja bequeme Sessel und Langeweile kam in den sieben Stunden angeblich nicht auf. Der Flug musste dann über München (!) gehen, um die Crew aus arbeitsrechtlichen Gründen zu wechseln, nach weiteren sieben Stunden Flug und Corona-Tests in Katar war es am Ende ein verlorener Tag für die Mannschaft – oder vielleicht doch nicht? Mit Blick auf den Umstand, dass die Mannschaft ja zusammenrückte, die Spieler Zeit zum Plaudern hatten oder vielleicht sogar Missverständnisse untereinander ausräumen konnten, sprechen einige von einer Teambuilding-Maßnahme, die den Bayern sogar helfen könnte. Also doch nicht der richtige Weg, um die Bayern zu stoppen?

Einen Weg zum Erfolg suchen vor allem die Dortmunder, aber sie irren wie Suchende in der Bundesliga herum. Sie suchen und finden einfach nicht die Form. Bei der Borussia stellt sich die T-Frage: Die Frage nach dem Trainer und den Torhütern. Coach Edin Terzic hat nach dem 1:2 in Freiburg mit nur 13 der möglichen 27 Punkte eine Bilanz, die den Trainerwechsel von Lucien Favre zu Terzic zum Fehlgriff macht. Vor allem die Torhüter wirken verunsichert. Roman Bürki patzte zuletzt ebenso wie jetzt Marvin Hitz. Das kostete Punkte. Die Feldspieler wirken dazu oft seltsam teilnahmslos. Ein Aufbäumen gegen Niederlagen ist nicht zu sehen. Entweder es läuft, dann trumpft die Borussia auf, oder es läuft nicht, dann gelingt dem Team im Spiel die Wende nicht. So feierte vor allem Freiburgs Trainer Christian Streich, ihm gelang der erste Sieg über Dortmund.

Es bleibt dabei, die Mannschaften der Stunde sind Wolfsburg und Frankfurt. Die Wölfe präsentieren sich stabil wie nie, ließen in den letzten fünf Pflichtspielen kein Gegentor zu. Frankfurt ist jetzt sogar in neun Spielen ungeschlagen. Davon können nicht allein Dortmund, sondern auch Leverkusen und Gladbach nur träumen. Am Tabellenende wird die Lage für Schalke immer trostloser, Mainz und Köln sammelten Siege, lassen die Hoffnung wieder aufleben. Vor allem in Sachen Relegation müssen Teams, die sich schon in einer Art Wohlfühloase wähnten, plötzlich wieder aufpassen. Das betrifft Bremen, Hoffenheim und Augsburg. Vor allem der FCA erlebt, dass ein erfolgreicher Start keine Garantie für eine erfolgreiche Saison ist. Bevor es am vierten Spieltag die erste Niederlage gegen Leipzig gab, schlug der FCA Union Berlin mit 3:1, Dortmund mit 2:0 und holte in Wolfsburg ein 0:0, war Zweiter in der Tabelle! Zum Start der Rückrunde wurde zwar Union wieder 2:1 geschlagen, aber es war der einzige Sieg in den letzten sechs Spielen. Die nächsten Gegner heißen Leipzig und Leverkusen, aber jetzt schon wird über die Zukunft von Trainer Heiko Herrlich diskutiert.

Manchmal gibt es sogar Ärger im Siegesrausch, so in Köln, weil ein Spieler die vereinseigenen Fans beleidigt hat. Twitter, Facebook und Corona werden zu Stolpersteinen für die Sorte Spieler, die sich nicht im Griff haben oder das tägliche Leben und die damit verbundenen Probleme ignorieren. Andererseits haben sich auch sogenannte „Fans“ wieder zu Hasstiraden verbaler Art hinreißen lassen. Anstand wird im Sport leider oft vergessen. Und wenn es damit keinen Ärger gibt, bleibt immer noch der Videobeweis. Seltsam, dass es da immer wieder zu Fehlurteilen kommt. Damit gerät das Mehr an Gerechtigkeit leider in den Hintergrund.

Elfmeterschießen muss man können

Der DFB-Pokal ist in diesem Jahr besonders ein Wettbewerb für die Underdogs, die Bundesligisten haben sich dagegen blamiert. Der größte Coup gelang dem Regionalligisten Rot-Weiß Essen mit dem 2:1 nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen. Dort träumte man vom Finale in Berlin, nachdem Bayern München den Weg freigemacht hatte. Jetzt träumen sogar die Essener von Berlin, denn im Viertelfinale am 2./3. März ist „nur“ ein Zweitligist der Gegner. Mit Holstein Kiel allerdings ein weiteres Überraschungsteam. Auf jeden Fall ist im Halbfinale am 1./2. Mai in Nicht-Erstligist dabei. Dabei schien eine sofortige Wiederholung des Erfolgs vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken mit dem Einzug ins Halbfinale als undenkbar. Was auffällt: Im Pokal muss man Elfmeterschießen können. So schaltete Kiel die Bayern aus und jetzt Darmstadt. Jahn Regensburg kam gleich in allen drei Runden durch Elfmeterschießen weiter! Das sollte der nächste Gegner Werder Bremen gleich mal trainieren. Schön, dass der Zweitligist Heimvorteil genießt. Die Schlagerspiele sind aber die Bundesliga-Duelle, Gladbach gegen Dortmund hätte auch das Endspiel sein können, Leipzig gegen Wolfsburg ist ähnlich brisant. Die Underdogs werden sich aber mehr als die Bundesligisten über die Prämie freuen, für den Einzug ins Viertelfinale gibt es 1,04 Millionen Euro, da können Corona-Verluste ausgeglichen werden. 2,09 Millionen werden für das Halbfinale ausgeschüttet.

In Deutschland ist der Winter zurück, das passt zu den jetzt beginnenden Weltmeisterschaften. Mehr über die Alpin-WM in Cortina d’Ampezzo und die Biathlon-WM in Pokljuka/Slowenien in der nachfolgenden Kolumne. Für Deutschland könnten dort Medaillen zur Rarität werden.

Biathlon- und Alpin-WM: Medaillen könnten zur Rarität werden

Bekanntlich fielen im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie viele Großereignisse im Sport aus, sie sollen 2021 nachgeholt werden. Andere Weltmeisterschaften finden in den nächsten Tagen turnusgemäß statt, wenn auch unter anderen Vorzeichen, Zuschauer gibt es keine. Aber die weiblichen und männlichen Profis können ihrem Sport nachgehen, die Fans müssen am Fernsehschirm die Daumen drücken. Vom 8. bis 21. Februar wird in Cortina d’Ampezzo die Alpine Ski-Weltmeisterschaft ausgetragen, vom 10. bis 21. Februar läuft parallel dazu die Biathlon-WM in Pokljuka in Slowenien. Bei beiden Titelkämpfen könnten allerdings deutsche Medaillengewinne eine Rarität werden.

Es wird keineswegs so sein wie bei der Rodel-WM am Königssee, als es eine Medaillenflut für Deutschland gab und bei den Damen alle vier deutschen Mädchen der Konkurrenz die lange Nase zeigten. Davon träumen sie in den nächsten Tagen nicht einmal. Der alpine Skisport war einst auch in Deutschland einmal so etwas wie die Königsdisziplin im Wintersport, doch das ist lange her. Gerade vor den TV-Geräten hat sich Biathlon als Nummer 1 platziert, weil es dort die spannendsten Wettbewerbe mit dem Kampf Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann gibt, oder das Skispringen, das vor allem bei der Vierschanzen-Tournee oder bei Weltmeisterschaft hohe Einschaltquoten erzielt. Aber Beachtung wird die Alpin-WM schon finden.

Ein Aushängeschild wie zuletzt Felix Neureuther oder Viktoria Rebensburg gibt es derzeit im deutschen Skisport nicht, aber auch international fehlt der große Star, der alle von den Sitzen reißt. Die deutsche Mannschaft ist auf der Medaillenjagd nicht ganz chancenlos, aber wenn das DSV-Team leer ausgeht, würde das keinen wundern. Was fehlt, ist vor allem der Nachwuchs, da ist für die nächsten Jahre kaum Besserung in Sicht. Die besseren Chancen haben noch die Herren. In Cortina werden die Augen im Slalom vor allem auf Linus Straßer gerichtet sein, der schon bewies, dass er siegen kann, der es aber an Beständigkeit vermissen lässt. Vielleicht erwischt der Münchner einen guten Tag. Die Speedfahrer sorgten für gute Platzierungen, aber wer kann ganz nach vorne fahren? Romed Baumann ist Sechster der Abfahrtswertung, Andreas Sander Siebter, das ist ja nicht schlecht. Für Schlagzeilen sorgte im letzten Winter Thomas Dreßen, doch der plagt sich mit Verletzungen herum, alle hoffen auf seinen Start, der dennoch wohl ein Risiko darstellt. Kennen Sie übrigens den besten Skifahrer der Saison? Er heißt Alexis Pinturalt, der Franzose führt die Weltcup-Wertung vor dem Österreicher Marco Schwarz an. Linus Straßer folgt ein bisschen später auf Rang 17.

Bei den Damen hat allein die Abfahrerin Kira Weidle für ein wenig Aufsehen gesorgt, sie fuhr immer wieder mal vorne rein und so ist die Starnbergerin achtbeste Spezialistin in der Abfahrt. Ansonsten darf man keinem deutschen Mädchen eine Top-Platzierung zutrauen. Die Italiener trauern darüber, dass ihre größte Hoffnung Sofia Goggia ausfällt, sie verletzte sich ausgerechnet bei der langsamen Runterfahrt abseits der Piste vom abgesagten Abfahrtslauf in Garmisch-Partenkirchen. Aber nach den führenden Skiläuferin Petra Vlhova (Slowakei), Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin (beide Schweiz) folgen trotzdem gleich vier Italienerinnen auf den vorderen Positionen und dazu will Amerikas Ski-Star Mikaela Shiffrin mitmischen. Die Damen dürften also mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2019 blieb es bei einer Silbermedaille durch Viktoria Rebensburg für den DSV.

Im Biathlon sieht es im deutschen Lager zweifellos besser aus, da könnte sich ein Ergebnis wie vor einem Jahr in Antholz mit sechs Medaillen (allerdings kein Gold) wiederholen, aber Deutschland könnte auch leer ausgehen – alles möglich. Beherrscht wird das Biathlon bei den Herren von Norwegen, wo gleich vier Athleten der Skandinavier die Weltcup-Wertung anführen (Johannes Bö, Laegreid, Tarje Bö, Dale). Aber der Rest der Welt ist nicht chancenlos, das bewies auch Arnd Peiffer mit seinem Sieg im Massenstart in Hochfilzen. Im Weltcup liegen die deutschen Herren einträchtig hintereinander auf den Rängen 12 (Peiffer), 13 Benedikt Doll und 14 Erik Lesser. Dazu wurden Johannes Kühn und Roman Rees nominiert. Bei den Damen sind mit Röiseland und Eckhoff auch zwei Norwegerinnen vorn, aber sie sind nicht so dominant wie die Herren, da dürfen sich auch andere, vor allem Hannah Öberg (Schweden), etwas ausrechnen. In der Nationenwertung führt sogar Frankreich vor Schweden, Deutschland und Norwegen.

Die deutschen Mädchen haben immerhin Podestplätze im Visier, Franziska Preuß zeigt sich stark wie schon lange nicht mehr (Rang 6 im Weltcup), Denise Herrmann hat ihre alte Laufstärke wiedergefunden, muss halt Glück beim Schießen haben, dazu komplettieren die starke Schützin Janina Hettich, Maren Hammerschmidt und Vanessa Hinz das Team. Die größten Medaillenchancen dürften bei beiden Staffeln liegen, die Frauen siegten ja in Oberhof. Auch die Herren waren oft vorn dabei und da über dem Staffelwettbewerb immer eine große Ungewissheit liegt, steht da keineswegs Norwegen schon als Sieger fest. Die Nerven spielen eine besondere Rolle, es sind schon viele Favoriten gestrauchelt. Packende Zweikämpfe sind zudem an der Tagesordnung und das macht den Reiz des Biathlons aus. Wer nicht einschaltet, könnte etwas verpassen. Vielleicht sogar Medaillen für Deutschland.