Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Haaland bläst zum Angriff auf die Bayern

„Für die Bayern-Jäger gilt: Jetzt oder nie!“, hatte der Sport-Grantler vor einer Woche an dieser Stelle bei der Vorschau auf die Fußball-Bundesliga geschrieben. Einer hat sich diese Zeilen zu Herzen genommen: Dortmunds Super-Talent Erling Haaland! Der 21-jährige Norweger besiegte Eintracht Frankfurt beim 5:2 quasi alleine, er erzielte zwei Treffer selbst und war an allen fünf Toren beteiligt. „Hallo, Bayern! Habt ihr das gesehen?“, titelte die Bild am Sonntag, und hat gleichzeitig auch in der Öffentlichkeit die Jagd auf die Bayern eröffnet. Den zehnten Titel in Folge wollen die Münchner, die Siegesserie endlich beenden, will die Konkurrenz, will vor allem Dortmund, das neues Selbstbewusstsein ausstrahlt.

Dass dieser Tag ein echtes Fest wurde, dafür sorgten auch die Fans, die endlich wieder in die Stadien durften. Für Haaland und Neu-Trainer Marco Rose wurde der Bundesliga-Start so gleich zu einem besonderen Erlebnis, 25.000 waren es in Dortmund, der Rekord am Wochenende, mehr durften es nicht sein. 8536 waren es nur in Wolfsburg, da betrug die Auslastung der erlaubten Zuschauer nur 67 Prozent, was beweist, dass nicht überall der Appetit auf die Bundesliga so groß ist. Um die einstige Beliebtheit vor der Corona-Pandemie muss der Fußball noch kämpfen, viele Fans haben erkannt, dass sie auch ohne den Ball am Samstag oder Sonntag leben können, die Begeisterung muss erst wieder zurückkommen. Der Anfang ist gemacht.

Dies gilt eben auch für Dortmund mit einem beeindruckenden Auftritt. Den bot Titelverteidiger Bayern in Mönchengladbach nicht. Der Start war wie erwartet holprig, das 1:1 am Ende glücklich, weil Gladbach in zwei umstrittenen Szenen den möglichen Elfmeter nicht bekam. So sorgte allein der Treffer von Torjäger Robert Lewandowski für Zufriedenheit, obwohl der Pole noch mehrere Chancen auf dem Fuß hatte, aber Torhüter Sommer war der Rückhalt der Gladbacher. Dennoch stellte Lewandowski einen neuen Rekord auf, er traf zum achten Mal in Folge zum Saisonauftakt und verbesserte damit seine eigene Marke.

Erstes Kräftemessen beim Supercup

Glückliche Fügung, dass das Duell um den Supercup diesmal nicht vor der Saison stattfand, sondern erst jetzt am Dienstag in Dortmund. Da geht es wieder um Rekorde, vor allem aber schaut Fußball-Deutschland gebannt auf dieses Spiel, weil es wohl im direkten Vergleich erste Erkenntnisse bringt, ob Dortmund die Bayern wirklich gefährden kann. Beide Teams haben mit Ausfällen zu kämpfen, Dortmund ist aber zweifellos der bessere Start geglückt. Zum zehnten Mal stehen sich Dortmund und die Bayern im Supercup gegenüber, die Borussia führt mit 5:4 Siegen. Insgesamt sind die Bayern zum 15. Mal dabei, halten den Rekord mit acht Erfolgen, Dortmund gewann bei 12 Teilnahmen sechsmal den Pokal. Auffallend: Die Bayern siegten zuletzt fünfmal hintereinander in Pflichtspielen gegen Dortmund, die letzte Niederlage gab es 2019 ausgerechnet im Supercup mit 0:2 in Dortmund. Da brennt vor allem Erling Haaland auf eine Wiederholung, während sich Bayern-Trainer Julian Nagelsmann vor allem Gedanken macht, wie Haaland zu stoppen ist. Für Nagelsmann geht es dabei genauso wie für seinen Kollegen Marco Rose auf der Gegenseite darum, einen ersten Titel zu gewinnen. Für den neuen Bayern-Trainer wäre dies vor allem überhaupt der erste Erfolg mit den Münchnern, in fünf Spielen hat es bisher nicht geklappt. Wer hätte so etwas erwartet!

Alles guckt auf Dortmund und die Bayern, dabei war auch RB Leipzig als möglicher Bayern-Jäger genannt worden. Doch Red Bull hat diesmal keine Flügel verliehen, Leipzig landete in Mainz krachend auf dem Boden der Tatsachen und erlebte eine Blamage. Die Gastgeber waren von Corona geschwächt, mussten wegen positiver Tests und Quarantäne gleich auf elf Feldspieler aus dem Profikader verzichten. Der Not-Kader wuchs über sich hinaus, Niakhate erzielte in der 13. Minute das glückliche 1:0 und das wurde bis zum Ende aufopferungsvoll verteidigt. Das hatte sich Leipzigs neuer Trainer Jesse Marsch anders vorgestellt. Sein Blick geht ja nach oben.

Nach oben wollte auch der FC Augsburg blicken, also nicht ganz nach oben, aber ein bisschen höher, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Jetzt schockiert die Schwaben der Blick auf die Tabelle: Letzter nach dem 0:4 gegen Hoffenheim. Eigentlich durfte dies aber erwartet werden, Markus Weinzierl, der Hoffnungsträger, hat bisher jedes erste Saisonspiel verloren, auch 2013 beim Start bei seinem ersten Auftreten in Augsburg, jetzt war es die siebte Start-Niederlage. Nun geht es nach Frankfurt, die Eintracht ging in Dortmund unter, aber der FCA hat keinen Haaland. Es ist ein unerwartetes Duell im Keller der Tabelle! Aber die Saison geht ja erst los.

Wie am Wochenende bekannt wurde, wird die DFL ab dem 1. Januar 2022 von einer Frau geführt. „Frauen an die Front (sprich Führung)“ ist doch überall die Losung, die DFL ist ein Vorreiter. Donata Hopfen wird den erfolgreichen Christian Seifert ablösen, der vor allem seit 2005 die TV-Einnahmen von 300 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro steigern konnte und den Profi-Fußball erfolgreich durch die Corona-Pandemie geführt hat. Die 45-jährige Donata Hopfen bekommt einen Vertrag bis Ende 2024, ist Digitalisierungs- und Vermarktungsexpertin und derzeit noch Managing Director und Partnerin bei BCG Digital Ventures, einem Unternehmen der Boston Consulting Group. Sie arbeitete u. a. 15 Jahre lang für den Axel-Springer-Verlag in führender Position. Sie hat auch schon deutlich gemacht, dass sie keiner Konfrontation aus dem Weg geht. Christian Seifert hinterlässt allerdings große Fußstapfen.

Trauer um „Bomber“ Gerd Müller

Er lebte zuletzt in einem Pflegeheim, jetzt ist „der Mann mit den goldenen Beinen“ nach langer, schwerer Krankheit gestorben, die Fußball-Welt (nicht nur Deutschland) trauert um Gerd Müller. Er wurde 75 Jahre alt. Seine große Karriere begann er 1964 beim FC Bayern München, obwohl ihn sein damaliger Trainer Tschick Cajkovski als „zu klein und zu dick“ empfand. Kleines, dickes Müller wurde aber zum „Bomber der Nation“, schoss Tore am Fließband, reihte Erfolg an Erfolg. „Der FC Bayern wäre ohne Gerd Müller heute nicht der Klub, wie wir ihn alle lieben,“ sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer. Müller wurde u. a. Weltmeister mit Deutschland 1974, Europameister 1972, dreimal Europapokalsieger der Landesmeister mit Bayern, 1967 Europapokalsieger der Pokalsieger, gewann vier Deutsche Meisterschaften und wurde viermal DFB-Pokalsieger. Bemerkenswert seine Tor-Bilanz: 68 Tore in 62 Länderspielen, 365 Tore in 427 Bundesligaspielen. Eine Zahl, die wohl wirklich ewig Rekord bleiben wird, seinen Saison-Torrekord mit 40 Treffern von 1971/72 hat Robert Lewandowski gerade mit 41 Toren ausgelöscht.

Gerd Müller durfte auf eine großartige Karriere zurückblicken, weniger erfreulich waren die Jahre von Februar 1979 bis 1983 in den USA, als sein Leben eine Delle bekam und er zum Trinker wurde. Unter anderem der FC Bayern mit Uli Hoeneß fing ihn danach auf und war für ihn wieder Heimat, er fand als Junioren-Trainer seine Erfüllung. In Erinnerung bleiben wird er aber als einer der größten und erfolgreichsten Fußballer der Welt und vor allem als bescheidener Mensch, der nie im Mittelpunkt stehen wollte. Als er einmal darauf angesprochen wurde, was er denn in der aktuellen Zeit verdienen könnte, da wehrt er ab, „Geld hat mir nie etwas bedeutet.“

Geld ist aber das Hauptthema beim Fußball heutiger Zeit, siehe den Wechsel von Lionel Messi nach Paris. Die Fans der französischen Hauptstadt sind aus dem Häuschen, reißen sich um die Trikots mit der Nummer 30, die Messi künftig bei Paris St. Germain tragen wird. Messi kam auch aus kleinen Verhältnissen und stieg zum Weltstar auf. Er ist heute Teil einer schrillen, hektischen und geldgierigen Welt, die Gerd Müller immer fremd geblieben wäre.

Für die Bayern-Jäger gilt: Jetzt oder nie!

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio sind vorbei, jetzt übernimmt zumindest in Deutschland wieder die Fußball-Bundesliga das Kommando im Sport. Sie beginnt am Freitag mit dem reizvollen Duell Borussia Mönchengladbach gegen Titelverteidiger Bayern München, bei dem auch erstmals wieder Zuschauer auf den Rängen für Stimmung sorgen werden. Das schwierigste Jahr seit der Gründung 1963 liegt hinter den Vereinen, doch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind noch spürbar, vor allem finanziell gehen die meisten Klubs am Stock. Sogar Krösus Bayern zeigt Zurückhaltung am Spielermarkt, obwohl die Mannschaft mit dem neuen Trainer Julian Nagelsmann keines der vier Vorbereitungsspiele gewinnen konnte. Einerseits Corona, andererseits die Nachwehen der Europameisterschaft, weil die EM-Fahrer verspätet ins Training eingestiegen sind, machten die Vorbereitung schwierig und so offenbaren sich noch einige Formprobleme, auch in München. Gerade diese Probleme aber sorgen für Spannung und wenn der Dauer-Meister FC Bayern einmal abgelöst werden soll, dann gilt für die Bayern-Jäger: Jetzt oder nie!

Natürlich lautet die Antwort auf die Frage „wer wird Meister?“ immer: Die größten Chancen hat der FC Bayern München. Aber selten waren die Fragezeichen größer. Wie kommt der neue Trainer Julian Nagelsmann an, ein junger Trainer, der noch keine Titel gewonnen hat (das passt wie die Faust aufs Auge), der aber einen Fünfjahresvertrag erhalten hat. Die Mannschaft scheint geschwächt, Alaba, Boateng und Martinez gingen, als gleichwertiger Ersatz kam nur Dayot Upamencano vom RB Leipzig. „Die Bayern haben den besten Kader“, heißt es immer, doch er ist ausgedünnt, bei Verletzungen ist das erstklassige Niveau nicht zu halten.

Also die Chance für Bayern-Jäger, doch viele sind es nicht, zugetraut wird der Sturz höchstens Vize-Meister Leipzig oder Borussia Dortmund. Doch auch bei ihnen haperte es in der Vorbereitung. Allerdings haben sie sich eher verstärkt, Leipzig mit Torjäger Andre Silva von Frankfurt, Dortmund hat den Abgang von Sancho wohl durch den Niederländer Donyell Malen (Eindhoven) kompensiert und hat mit Gregor Kobel (Stuttgart) eine neue Nummer 1 im Tor. Auffallend, dass die Spitzenteams alle von neuen Trainern angeleitet werden. Das sind neben Nagelsmann noch sein Nachfolger in Leipzig, Jesse Marsch (vorher Salzburg), Marco Rose in Dortmund (Gladbach), Mark van Bommel in Wolfsburg (vereinslos), Oliver Glasner in Frankfurt (Wolfsburg) und Gerardo Seoane in Leverkusen (Bern), dazu kommt beim Achten Gladbach Adi Hütter (Frankfurt). Allein diese Wechselspielchen sorgen für Spannung im Vorfeld der Saison.

Die Bundesliga-Klubs sind in ihren Ambitionen einzuordnen wie jedes Jahr, die meisten sind vorsichtig, kaum einer ist in seinen Prognosen mutig. Meist heißt es „erst mal 40 Punkten (Abstieg verhindert), dann sehen wir weiter“. Apropos Abstieg, da werden natürlich zuerst wieder die Neulinge genannt, Bochum und Fürth. Das freut Vorjahres-Aufsteiger Bielefeld, die Arminia hat diesmal schon mehr Reputation, gehört aber zum Kreis der Abstiegskandidaten. Davor sind Köln, Mainz und Augsburg als die Kandidaten einzuordnen, die nichts mit unten zu tun haben wollen, Ziel ist eine Saison ohne Angst, möglichst schnell ins Mittelfeld. Dort tummeln sich Hoffenheim, Freiburg, Stuttgart, Hertha BSC und Union. Vielleicht auch Frankfurt, dass nach der Pokal-Pleite verunsichert sein könnte und die Überraschungsmannschaft in negativer Hinsicht werden könnte. Bleiben noch Wolfsburg, Leverkusen und Gladbach als die Teams, die gerne in die Champions League wollen, aber vor allem Europa als Ziel ausgerufen haben. Die Klubs dahinter könnten ihnen in die Suppe spucken. Über allem steht: Selten war die Unsicherheit über die Form so groß wie in diesem Jahr. Nach ein paar Spieltagen wissen wir mehr, wobei immer noch Unsicherheiten bleiben, weil die Wechselfrist noch bis Ende August läuft. Kaderänderungen sind noch möglich.

Pleiten im DFB-Pokal

Der DFB-Pokal war wie immer der Aufgalopp vor der Bundesliga-Saison. Der Festtag der Kleinen, aber auch die Angst der Großen vor der Pleite, und die war wieder einmal berechtigt. Besonders blamiert hat sich Eintracht Frankfurt, das kopf- und torlos mit 0:2 gegen den Drittligisten Waldhof Mannheim unterlag. Da wartet auf den neuen Trainer Oliver Glasner wohl noch viel Arbeit. Nur Leipzig, Dortmund, Leverkusen und Stuttgart siegten überzeugend, Hertha, Union, Freiburg, Bielefeld und Augsburg mühten sich zum Sieg in 90 Minuten, Bochum, Wolfsburg, Mainz und Köln mussten in die Verlängerung oder retteten sich im Elfmeterschießen. Kein Ruhmesblatt. Der VfL Wolfsburg blamierte sich dabei noch besonders, denn der neue Trainer Mark van Bommel kannte die Regel nicht und beging mit einem sechsten Spielerwechsel einen Regelverstoß. Jetzt wird der 3:1-Sieg nach Verlängerung bei Preußen Münster wohl annulliert und der Regionalligist dürfte in die nächste Runde einziehen. Peinlich, wenn die bestbezahlten Manager im Klub den neuen Trainer nicht entsprechend informieren. Im DFB-Pokal gilt nicht die europäische Regel, dass in der Verlängerung ein sechster Spieler eingewechselt werden darf. Münster darf sich freuen, gab es in der ersten Runde schon rund 130.000 Euro vom DFB, so stehen nun fast 260.000 Euro an!

Im internationalen Fußball sorgte vor allem Lionel Messi bzw. der FC Barcelona für Aufregung. Der spanische Klub (einst Vorzeigeklub) trennt sich vom argentinischen Weltstar, kann ihn nicht mehr bezahlen. Es nützte nichts, dass Messi statt seiner angeblich 130 Millionen Euro pro Jahr mit der Hälfte zufrieden gewesen wäre. Der Verein spricht selbst von rund 200 Millionen Euro Schulden, die aber laut Liga bei fast 500 Millionen, Medien zufolge aber sogar bei 1,2 Milliarden liegen sollen. Kein Geld für Messi, dafür aber Tränen beim 34-Jährigen, der den Verein im Vorjahr verlassen wollte, jetzt aber nicht. Er schluchzte, dass doch Barcelona seine Heimat geworden sei, seine Familie wolle da weiter wohnen. Der Stürmer aber wird wohl weiterziehen, die Ziele kann er sich nicht aussuchen, wer kann ihn schon bezahlen. Es wird wohl Paris St. Germain sein, wo die Gelder aus Katar fließen. Was bleibt, ist die Erinnerung an 778 Pflichtspiele für Barca, dabei erzielte er 672 Tore, viermal gewann er mit den Spaniern die Champions League, wurde zehnmal Meister und selbst achtmal Torschützenkönig (trotz eines Cristiano Ronaldo als Gegenspieler). Sechsmal wurde Messi auch Weltfußballer und sechsmal gewann er den Goldenen Schuh als bester Torschütze Europas. Die Bilanz kann sich sehen lassen.

Seltsames Olympia

Die umstrittensten Olympischen Spiele der Neuzeit sind Geschichte, Tokio ist Vergangenheit. Die Corona-Pandemie sorgte für eine Verlegung von 2020 auf 2021, zudem wurden die Zuschauer aus den Stadien verbannt, strenge Hygienevorschriften sorgten für Einschränkungen für alle. Dennoch zogen die Verantwortlichen die Spiele durch, Tokio und Japan, weil sie bereits viel Geld investiert hatten, das IOC, weil es dringend das Geld von Sponsoren und Fernsehen benötigte. Für die Spiele waren auch die Sportler, denn so war jahrelange Plackerei nicht umsonst. Es wurden seltsame Spiele, natürlich ohne Atmosphäre, aber immerhin mit großen Leistungen und Emotionen der Sportler, die sich ihr Fest nicht vermiesen lassen wollten. Das Fernsehen lieferte immerhin ein freundliches Bild der Spiele in alle Welt und durch die sportlichen Erfolge machte selbst die Bevölkerung in Tokio ihren Frieden mit den ungeliebten Spielen.

Der Medaillenspiegel beweist, dass vor allem China mit viel Ehrgeiz am Start war, die Sportler sollten Glanz auf die Nation bringen, was mit 88 Medaillen (38 Gold, 32 Silber, 18 Bronze) gelang. Die USA aber verteidigte ihre Spitzenstellung als größte Sportnation (39 Gold, 41 Silber, 33 Bronze), Japan war so erfolgreich wie nie (27 Gold, 14 Silber, 17 Bronze). Ob alles mit rechten Dingen (Thema Doping) zugegangen ist, wird sich erst später herausstellen.

Deutschland erlebte mit Platz neun die schlechtesten Spiele seit der Wiedervereinigung, doch ein kleinerer Medaillensegen als 2016 in Rio war erwartet worden. Immerhin gab es zehnmal Gold, mit großen Höhepunkten durch die Dressurreiterinnen, Alexander Zverev, der sich in die Herzen der Tennis-Fans spielte, Ringerin Aline Rotter-Focken mit Gold zum Abschluss ihrer Karriere, was auch dem Kanuten Ronald Rauhe glückte. Glücksgefühle als letzte Erinnerung, da gibt es kaum Schöneres.

Die Schattenseiten des Spitzensports wurden aber auch deutlich, da blamierte sich ein Funktionär durch rassistische Äußerungen, da wurde eine Trainerin nach der Aufforderung zur Tierquälerei suspendiert und sogar die Politik gefährdete Olympia, als eine Athletin aus Belarus wohl entführt werden sollte. Schattenseiten offenbarten auch die deutschen Sportfunktionäre, hier ist ein dringender Verbesserungsbedarf gegeben, auch die Qualität der Trainer muss manchmal in Frage gestellt werden. Es darf zum Beispiel nicht passieren, dass ein Gold-Favorit wie Speerwerfer Johannes Vetter an einem ihm unbekannten Bodenbelag scheitert. So etwas sollte man vorher wissen und entsprechend vorbereitet sein.

Die Japaner werden froh sein, dass die Spiele vorbei sind, der Notstand bleibt für Tokio ausgerufen, Olympia selbst war aber kein Beschleuniger der Inzidenzzahlen. Lange ist es nicht hin bis zum nächsten Olympia-Event, die Winterspiele beginnen bereits am 4. Februar 2022 in Peking. Dort wird es keine Zweifel an Olympia geben, China wird sich wie ein Glanzprospekt präsentieren, die Einschränkungen für die Teilnehmer werden aber noch drastischer sein, Corona wird zudem immer noch eine Rolle spielen. Da gibt es schon mehr Hoffnung für die nächsten Sommerspiele in drei Jahren in Paris. IOC-Präsident Thomas Bach kann stolz berichten „Olympia lebt“, auch wenn es ein seltsames Olympia war.

Hass und Spannung sind beste PR für die Formel 1

Die Formel 1 macht Sommerpause. Vollkommen verkehrt getimt. Die Formel 1 präsentiert sich nämlich derzeit so spannend wie nie, doch jetzt geht es erst am 29. August in Spa weiter. Die Fans aber sind unruhig, der beste Renn-Film endet praktisch abrupt? Es scheint, als hätte nach der Langeweile in den letzten Jahren mit der Dominanz von Mercedes und Lewis Hamilton ein Autor das Drehbuch für mehr Spannung geschrieben. Und er hat dabei auf ein beliebtes Stilmittel der erfolgreichen Filme zurückgegriffen: Den Hass zwischen zwei Konkurrenten, der eben für Spannung sorgt. Gute PR-Arbeit also der Formel 1. Doch was sich zwischen Hamilton und Max Verstappen sowie Mercedes und Red Bull abspielt, ist nicht nach einem Drehbuch geschehen, sondern die Renn-Aktualität in dieser Saison. Zumindest möchte man das hoffen…

Eigentlich galt die Saison 2021 als Übergangsjahr. Zwar präsentiert sie den dicksten Terminkalender aller Zeiten, aber die Gedanken gingen bei allen voraus auf das Jahr 2022, wenn sich das Reglement grundlegend ändert. Vor allem die Aerodynamik soll sich verändern, Überholvorgänge erleichtert werden, mehr Rad-an-Rad-Duelle möglich sein, das Feld durch einheitliche Technik enger zusammenrücken. So soll es kommen, so haben wir es aber schon in diesem Jahr. Spektakulärer als das Duell Rad an Rad wie zwischen Hamilton und Verstappen in Silverstone kann es nicht kommen, doch der Abflug des Niederländers machte auch deutlich, welches Gefahrenpotenzial bei diesen Zweikämpfen gegeben ist. Keiner machte Platz und jetzt streiten sich die Gegner über die Schuld an dem Crash. Red Bull als Leidtragender war natürlich schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand, Mercedes und Hamilton wehrten sich. Der Engländer wurde von der Renn-Jury als Schuldiger eines Rennunfalls mit zehn Sekunden Zeitstrafe belegt, er hätte innen noch ein paar Zentimeter gehabt, und siegte trotzdem. Das führte zu Hasstiraden bei Red Bull, der Psycho-Krieg war eröffnet.

Die Szenerie hätte sich vielleicht beruhigt, wenn es in Budapest mit einem normalen Rennen weitergegangen wäre. Doch normal ist derzeit nichts in der Formel 1. Im Drehbuch stand diesmal auch Regen, der dann Auslöser für den nächsten Crash war. Leidtragender war wieder Max Verstappen, Auslöser wieder ein Mercedes, diesmal aber Valtteri Bottas. Der Finne crashte und schleudernde Boliden trafen auch Verstappen. Hamilton blieb an der Spitze des Feldes unbehelligt, verlor später durch einen falschen Reifenpoker an Boden und war zwischendurch sogar Letzter, aber Verstappen fühlte sich eher in einem Spielzeugladen als auf einer Rennpiste, er fuhr seine Runden mit einem geklebten Auto. Der TÜV hätte wohl Einwände gehabt. Was aber den bis dahin in der WM-Wertung Führenden am meisten ärgerte, war die Tatsache, dass er in zwei Rennen 40 Punkte auf den Konkurrenten verlor, in seinen Augen schuldlos. Jetzt führt Lewis Hamilton die WM mit 195 Punkten an vor Verstappen mit 187 und Mercedes hat in der Konstrukteurswertung die Nase vorn mit 303 Punkten vor Red Bull mit 291.

Rachegedanken, Hass und Spannung statt Langeweile – beste PR für die Formel 1. Am 29. August geht es in Belgien weiter, am Wochenende später am 5. September in Zandvoort in den Niederlanden. Zwei Heimspiele für Max Verstappen, zwei Rennen, welche die Spannung noch steigern. Und ausgerechnet jetzt hat sich RTL in Deutschland von den TV-Übertragungen ausgeklinkt. Das Drehbuch war also geheim. Spannung auch, wie die Rennställe die Sommerpause nutzen. Mercedes sah sich im ersten Teil der Saison im Hintertreffen und wollte hier aufholen, obwohl das Augenmerk eher auf das neue Fahrzeug für das nächste Jahr gerichtet ist. Red Bull kündigte an, noch etwas im Köcher zu haben. Lewis Hamilton wiederum will sich in erster Linie erholen, er fühlt sich gesundheitlich angeschlagen nach einer Corona-Erkrankung im Winter, und gestand, mit Nachwirkungen zu kämpfen und fühlt sich müde.

Aber selbst die Chefs der Formel 1 wurden von den Geschehnissen überrollt, denn sie starteten einen Versuch, die Renntage noch interessanter zu machen, indem mit Sprintrennen (die so aber nicht heißen sollen) statt Qualifikation die Startreihenfolge für das Hauptrennen ermittelt wird. Der erste Versuch in Silverstone kann nicht als geglückt bezeichnet werden, zweimal noch, am 12. September in Monza und am 7. November in Brasilien, soll es eine Wiederholung geben. Danach sollte diese Idee wieder in den Schubladen verschwinden.

Eine bessere Rolle als in den letzten Jahren spielt Sebastian Vettel mit Aston Martin, aber das Drehbuch hat für ihn weiterhin eine unglückliche Rolle vorgesehen. In Budapest haderte er sogar mit Platz zwei, weil er an dem führenden Esteban Ocon mit Renault Alpine einfach nicht vorbeikam. Doch selbst Platz zwei war ihm nicht vergönnt, weil er am Ende zu wenig Benzin im Tank hatte. Ein Liter muss es mindestens sein, es war nur ein Pfütze von 0,3 Liter. Für den Deutschen hat das Drehbuch wohl den tragischen Helden vorgesehen. Elf Rennen gibt es noch bis zum Saisonende am 12. Dezember in Abu Dhabi, vielleicht kann Vettel doch noch irgendwo der strahlende Held werden. Wie aber geht es bei Rache und Hass weiter, das ist die wirklich spannende Frage für den Rest der Saison. Sind Crashs an der Tagesordnung?

Fest der Kleinen im Schatten von Olympia

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio beginnen ihren Schlussspurt, im Fußball geht es jetzt erst richtig los, da steht die Saison am Anfang. Die 2. Bundesliga und die 3. Liga haben einen Frühstart hingelegt, am kommenden Wochenende aber kommen sich der Fußball und Olympia ins Gehege. Die erste Runde im DFB-Pokal ist normal immer ein Fest für die Kleinen, wenn die Amateurklubs auf die Bundesligisten treffen. Im Vorjahr raubte ihnen die Corona-Pandemie diese Freude und den Geldsegen, in diesem Jahr steht der Pokal im Schatten von Olympia. Allerdings hilft die Zeitverschiebung und Feste wird es geben, weil erstmals auch wieder Zuschauer dabei sein dürfen. Im Vorjahr traten die Amateure aus Kostengründen oft bei den Profis an, was in den Stadien zumindest für die Spieler auch ein Erlebnis war, jetzt aber können die Amateure wieder mit den eigenen Fans feiern und vielleicht sogar für Überraschungen sorgen.

Die liegen in diesem Jahr vermehrt in der Luft, weil vor allem die Spitzenklubs in ihrer Saisonvorbereitung noch nicht das gewünschte Level erreicht haben. Die Europameisterschaft und Olympia sorgten fast überall für Lücken im Kader, manche EM-Fahrer beginnen erst jetzt mit dem Mannschaftstraining. Die Testspiele wurden oftmals eher zu einem Schaufenster für Talente, vor allem in München und Dortmund, aber auch Wolfsburg und Leverkusen hatten Probleme. Der Pokal bedeutet die erste Pflichtaufgabe, er ist gleichzeitig der erste Test für die vermeintlich beste Mannschaft, doch eingespielt werden viele Profiteams nicht sein. Die Amateure sind da oft schon weiter, das könnte sich für sie auszahlen. Das Überraschungspotenzial ist so hoch wie nie. Schalten sie Profiteams aus, dann sind echte Feste garantiert. Bereits am Freitag feiert der Oberligist Bremer SV im Weserstadion gegen Bayern München (live bei Sport1), mit dem Greifswalder FC ist ein weiterer Oberligist dabei (Samstag gegen FC Augsburg), der Drittligist Wehen-Wiesbaden erwartet am Samstag Borussia Dortmund. Ein Treffen zweier Traditionsklubs gibt es am Montag mit der Partie 1. FC Kaiserslautern – Borussia Mönchengladbach (live in der ARD).

Abseits davon war der 1. August noch ein besonderer Tag. Deutschland hat ab sofort einen neuen Fußball-Bundestrainer. Hansi Flick hat zwar bereits vorher die Weichen für seine neue Tätigkeit gestellt, doch erst jetzt ist er offiziell Nachfolger von Joachim Löw. So richtig vorgestellt werden soll er vom DFB erst am 10. August, doch Flick hat sich bereits zu Wort gemeldet und folgende Botschaft verbreitet: „Bundestrainer ist für mich eine Verpflichtung, eine Riesenverantwortung. Ich freue mich wahnsinnig darauf. Ich werde wirklich mein Bestes geben, dass wir wieder begeisternden Fußball spielen.“ Vor allem wird er grundsätzlich wohl mehr in den Stadien zu sehen sein als es bei Jogi Löw der Fall war, wichtig nach dem Bundesliga-Start im August, denn Anfang September stehen die nächsten drei Spiele für die WM-Qualifikation an. Da ist Flick erstmals gefordert und kann sich zeigen, ob Länderspieltage für die Fans auch wieder Festtage werden.

Spiele der Stille

Dass die Olympischen Spiele kein rauschendes Fest werden würden war klar, weil es durch die Corona-Pandemie in allen Bereichen erhebliche Einschränkungen gab und gibt, vor allem fehlen die Zuschauer und damit die Stimmung. Die Sportler lassen sich ihre Spiele nicht vermiesen, aber es sind eben Spiele der Stille. Die Stadt Tokio und das Land Japan haben tolle Stadien hingestellt, die hoffentlich wenigstens nach dem Großereignis ihren vollen Glanz entfalten können und am Ende nicht Ruinen der Stille werden.

Was allerdings auffiel, dass vor allem Geschehnisse abseits der Wettbewerbe am meisten diskutiert wurden. So vor allem die mentalen Probleme von zwei Sportlerinnen. Zuerst ging es um Japans Tennis-Star Osaka, die das Olympische Feuer zum Leuchten bringen durfte, dann aber gestand, dass sie durch den öffentlichen Druck nicht ihre Leistung bringen konnte. Sie hatte schon einmal wegen Depressionen pausiert. Noch spektakulärer der Rückzug der Turn-Königin Simone Biles aus den USA, die mitten im Teamwettbewerb aus mentalen Gründen ausstieg. Sie wurde als verletzt gemeldet, sprach dann aber von mentalen Problemen und einem „Kampf gegen Dämönen“. Die Mädchen standen lange Zeit im Mittelpunkt, körperliche Verletzungen sind Alltag, seelische Verletzungen sorgen für Schlagzeilen. Biles will es allerdings am Schwebebalken wieder probieren.

Die deutsche Mannschaft machte dagegen durch Rassismus Schlagzeilen. Radsportdirektor Patrick Moster feuerte am Streckenrand des Zeitfahrens seinen Fahrer mit dem Ausdruck „Hol Dir die Kameltreiber“ an, damit er die vor ihm fahrenden Sportler aus Algerien und Eritrea überholen sollte. Weil dies von Mikrofonen verbreitet wurde, war der Skandal groß, die Reaktion der deutschen Mannschaft allerdings zunächst klein. Erst auf Druck von außen wurde Moster suspendiert und heimgeschickt. DOSB-Präsident Alfons Hörmann agierte aber wieder einmal extrem ungeschickt.

Dann doch lieber der Blick auf den Sport, bei Olympia vor allem auf die Medaillen. 42 waren es vor fünf Jahren in Rio, davon 17 Goldene. Bis dato sind es jetzt gerade mal 20 und nur vier Goldene. Zu den erfolgreichsten Nationen wird Deutschland nicht gehören, die ersten sechs Teams haben zweistellige Goldzahlen, China überrennt alles mit 58 Medaillen, davon 28 Gold, 16 Silber und 14 Bronze. Der Verband selbst hatte ja für Tokio mit weniger Medaillen gerechnet, aber es geht ja vor allem um die Sportler selbst. Deren Ziel heißt „eine Medaille“, auch über Bronze herrscht große Freude, Angst macht nur Platz vier, knapp daneben ist auch vorbei. Die Goldgrube stand beim Dressurreiten, überaus erfolgreich das Team im Kanuslalom mit Gold bzw. Medaillen in allen Rennen.

Der absolute Star war aber der Sieger vom Sonntag, Tennis-Crack Alexander Zverev. Bisher wurde ihm vergeudetes Talent bescheinigt, er gilt als Zornnickel und jetzt hat er Gold. Alles gut also? Es scheint, der 24-Jährige ist in Tokio erwachsen geworden, Olympia hat bei ihm einen Bewusstseinswandel gebracht, er ging in seiner selbst gestellten Aufgabe auf, „für Deutschland eine Medaille zu holen“. Wegbereiter war sein spektakulärer Erfolg über die Nummer 1 der Welt, Novak Djokovic, der Finalsieg über den Russen Khachanov mit 6:3, 6:1 war fast nur noch Formsache. So hat der gebürtige Hamburger doch noch das Zeug, der neue deutsche Tennis-Liebling zu werden. Gold holten bisher Boris Becker und Michael Stich 1992 im Doppel und Steffi Graf 1988 im Einzel. Damals schaffte Steffi Graf den „Golden Slam“, gewann alle Grand-Slam-Turniere und Olympia-Gold. Das wollte jetzt auch Djokovic schaffen, Zwerev hat Steffis Rekord gerettet. Auch das ist etwas für die Gunst der Fans.

Insgesamt brachten die Spiele in Tokio bisher großen, interessanten Sport. Schade, dass es Spiele der Stille sind.

Olympia wird zur Blamage für die Bundesliga

Schon gemerkt? Die Olympischen Sommerspiele in Tokio haben am Freitag offiziell begonnen. Die vielleicht ätzende Frage ist nicht unberechtigt, denn so richtiges Olympia-Feeling will in Deutschland nicht aufkommen, wird es wohl auch nicht, weil viele Entscheidungen durch den Zeitunterschied in der Nacht fallen. Aber Gesprächsstoff gab es schon genug, die ersten Medaillen für Deutschland (dreimal Bronze zum Zeitpunkt des Schreibens der Kolumne) wurden gefeiert. Die meisten Schlagzeilen machten – leider wie immer – vor allem die negativen Ereignisse. Im deutschen Team gab es den ersten Corona-Fall, der das erste Radrennen massiv beeinträchtigte, die Einmarschkleidung kam nicht gut an und sorgte für Kritik am Ausrüster adidas. Ein besonderes Problem hat die Fußball-Auswahl, der gehen nämlich die Spieler aus. Noch darf zwar von einem Medaillengewinn geträumt werden, doch das dürfte eher trügerisch sein. Das darf man den Hockey-Teams, den Handballern und Basketballern eher zutrauen. Aber durch die Begleitumstände wurde Olympia bereits jetzt zur Blamage für die Bundesliga.

Die Bundesliga legt eigentlich immer viel Wert auf eine gute Außendarstellung. In aller Welt will die DFL positiv auftreten, wirbt damit, dass die Bundesliga eine der stärksten Ligen der Welt sei. Olympische Spiele könnten den Werbewert steigern, aber jetzt geht der Schuss nach hinten los. Das begann bei der Kader-Nominierung, 100 Kandidaten hatte Bundestrainer Stefan Kuntz auf seiner Liste, gerade 18 sind nach Tokio geflogen, vier mehr hätten es sein dürfen. Jetzt kam es zu der peinlichen Situation, dass sich schon ein Torhüter umzog, um als Feldspieler einzugreifen. Es hätte vor dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste noch schlimmer kommen können durch Sperren und Verletzungen, dass nämlich der Trainer fast keine Ersatzspieler mehr auf der Bank gehabt hätte. Peinlich für den deutschen Profi-Fußball.

Die Spieler, die in Tokio sind, geben ihr Bestes und haben sich, wenn man die fehlende Vorbereitung beachtet, bisher gut aus der Affäre gezogen. Die Mannschaft kann nicht eingespielt sein, zeigt aber Moral und kämpft gegen das Schicksal an und will sich den Traum einer Medaille erfüllen. Der Kader wurde auch dadurch ausgedünnt, dass es bisher in jedem Spiel einen Platzverweis gab, beim 2:4 gegen Brasilien flog Kapitän Arnold vom Platz, beim 3:2-Sieg gegen Saudi-Arabien Abwehrmann Pieper, der nach einer starken Europameisterschaft der U21 ein schwaches Olympia-Turnier spielt. Jetzt aber geht es am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste um die Wurst. Die Afrikaner haben sich mit dem 0:0 gegen Brasilien nach dem 2:1 über die Saudis einen Vorteil verschafft, Deutschland muss unbedingt gewinnen. Hoffentlich reicht die Kraft bei dem Mini-Kader in großer Hitze, Kuntz kann nicht einmal das Wechselkontingent ganz ausschöpfen. Chaotische Zustände wie bei einer Bananen-Republik. Für eine nette Abwechslung sorgte Max Kruse. Der Union-Stürmer hielt via Fernsehen nach dem Spiel um die Hand seiner Freundin an. Sie sagte ja und das sollte Auftrieb geben!

In der Heimat galt die Aufmerksamkeit dem Start der 2. Fußball-Bundesliga in die neue Saison. Das Unterhaus startete ja auch quasi mit einer Erstliga-Partie mit Schalke 04 – Hamburger SV. Das Spiel hielt, was es versprach und schlug in den TV-Einschaltquoten auch Olympia. 2,92 Millionen sahen bei SAT1 die zweite Halbzeit, mit 2,88 Millionen waren es am Sonntag bei den Olympia-Fußballern und den Turnern weniger. Begeistert werden vor allem die HSV-Fans gewesen sein, ihre Mannschaft machte den Eindruck, als würde sie das Projekt Aufstieg mit aller Macht angehen. Aber: Ein Sieg macht noch keinen Aufstieg. So kann Schalke sich trösten, eine Niederlage bedeutet noch nicht den Abstieg. Auch am Samstag wurde bei der Premiere des Abendspiels bei Bremen – Hannover ordentlicher Fußball geboten. Für die Bremer war das 1:1 ein Fehlstart, zu viel ist da noch in der Schwebe, einige Spieler sollen oder wollen noch gehen. Da muss das Management für Klärung sorgen, professionell ist dieser Saisonstart nicht.

Die erste Bundesliga startet erst am 13. August, derzeit wird bei den Teams noch eifrig getestet, allerdings auch unter schlechten Bedingungen, denn viele Kader sind noch nicht vollzählig, die EM-Fahrer weilten noch im Urlaub. Bezeichnend für dieses Dilemma die Situation bei Meister Bayern, dort bekommt zwangsläufig der Nachwuchs eine Chance. Der neue Trainer Julian Nagelsmann ist nicht zu beneiden, beim 2:2 gegen Ajax Amsterdam war in den letzten 30 Minuten das Durchschnittsalter der Spieler auf dem Feld gerade mal 18 Jahre! Aber sie zeigten gute Ansätze, aber mal sehen, ob die Bayern mit dem Nachwuchskonzept durchhalten. Verteidiger Stanisic unterschrieb bereits einen Profi-Vertrag, die Außenstürmer Sieb und Scott gehören zum Profi-Kader. Dafür empfahl sich zuletzt auch das 18-jährige Talent Torben Rhein. Nicht empfehlen konnte sich Joshua Zirkzee, mit 20 fehlt ihm offensichtlich noch die Ernsthaftigkeit. Er spielte denTorhüter aus, lief aufreizend langsam auf das leere Tor zu – und von hinten stürzte Verteidiger Schuurs heran und klaute ihm noch den Ball. Trainer Nagelsmann tadelte nur leicht: „Daraus wird er lernen.“

Für Julian Nagelsmann brechen jetzt bessere Zeiten an, Gnabry ist schon da, Lewandowski, Goretzka, Süle, Pavard, Tolisso, Musiala, Coman und Sané gesellen sich ab Montag dazu und machen aus dem C- einen A-Kader, auch wenn Neuer, Kimmich, und Müller noch eine Woche Urlaub haben. Thomas Müller sorgte über die sozialen Medien für den Lacher der Woche. Er zeigte sich mit blauen Zehennägeln und kommentierte dies launig: „Ich muss wohl dringend zum Nagelsmann“! In den nächsten Testspielen am Mittwoch gegen Gladbach und am Samstag gegen Neapel werden die Urlauber noch fehlen, die Rückkehrer sich aber präsentieren.

Beim FC Bayern werden Pokale gefeiert auch wenn Pause ist. Weltfußball Robert Lewandowski wurde zum zweiten Mal hintereinander von den Journalisten unter Führung von der Fachzeitschrift kicker zum „Fußballer des Jahres“ gewählt. Nach seinem neuen Torrekord mit 41 Treffern, mit dem er Gerd Müller ablöste, eine logische und deutliche Sache. Lewandowski siegte mit 356 Stimmen vor Thomas Müller (41), Erling Haaland (Dortmund/38) und Joshua Kimmich (25). „Trainer des Jahres“ wurde Thomas Tuchel, der Chelsia-Coach erhielt 129 Stimmen und siegte vor Hansi Flick (Bayern/118), Edin Terzic (Dortmund/75) und Bo Svensson (Mainz/74). „Fußballerin des Jahres“ wurde überraschend die Österreicherin Nicole Billa von der TSG Hoffenheim mit 61 Stimmen vor Lea Schüller von Meister München (57) und Almuth Schult (Wolfsburg/49), die zuletzt als TV-Expertin Sympathien gewonnen hatte.

Armes Tokio: Olympische Geisterspiele ohne Sinn

„Dabei sein ist alles“ war eigentlich immer das Motto der Sportler wenn es um Olympische Spiele ging. Natürlich wollen sie nach Medaillen greifen, aber Olympia gilt eigentlich als besonderes, außergewöhnliches Erlebnis mit Begegnungen, wie sie selbst bei Weltmeisterschaften nicht möglich sind. 2021 bei den Spielen in Japan vom 23. Juli bis 8. August gibt es ein anderes Motto: „Gesund wieder nach Hause kommen“.

Armes Tokio, Japans Millionenstadt ist gebeutelt, wenn es um Olympia geht. Schon 1940 mussten die Spiele wegen des Zweiten Weltkriegs ausfallen, bei der Bewerbung für 1960 verlor Tokio, 1964 klappte es endlich und jetzt standen die Spiele für 2020 wieder auf der Kippe, werden mit einem Jahr Verspätung mit erheblichen Geburtswehen ausgerichtet. In Zeiten der Corona-Pandemie sind es Olympische Geisterspiele ohne Sinn. Die Inzidenzzahlen sind in Tokio enorm hoch, die Bevölkerung lehnt die Spiele ab, Zuschauer dürfen wegen Corona nicht in die Stadien. Die Spiele finden dennoch statt, weil das IOC Druck gemacht hat und die Einnahmen von Fernsehen und Sponsoren dringend benötigt. Aber auch Tokio hat sich für die Austragung entschieden, weil die Stadien ja schon fertig waren, die Kosten ins Unermessliche gestiegen sind und jetzt wenigstens Einnahmen erzielt werden können. Allerdings: Immer mehr Sponsoren distanzieren sich von den erzwungenen, seelenlosen Spielen. Die Athleten standen immer im Hintergrund, aber ohne sie gibt es keine Olympischen Spiele. Die Funktionäre machen dagegen den Eindruck, die Olympia wäre für sie erfunden.

Vorfreude wird bei den Frauen und Männern aus 203 Nationen nicht aufkommen, rund 11.000 Athleten sollen im Olympischen Dorf wohnen, aber die Partys fallen aus. Statt den erträumten Begegnungen der Nationen heißt es diesmal Abstand halten. Der Aufenthalt soll möglichst kurz sein, fünf Tage vor dem Wettkampf dürfen sie erst ins Dorf einziehen, nach dem Wettkampf schnell wieder ausziehen. Aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und strengen Hygieneregeln zeigte sich schon im Vorfeld, dass sich Corona-Infektionen nicht ausschließen lassen. Bei dem einen oder anderen wird es hinterher heißen, „wäre ich nur nicht nach Tokio gereist“. Vor allem Profi-Sportler, zum Beispiel im Tennis und Golf, bleiben massenhaft zu Hause, weil sie eine Ansteckung befürchten. Wer in Tokio in Quarantäne muss, kann nicht richtig trainieren, verliert seine Form und wohl alle Medaillenchancen.

Das deutsche Aufgebot umfasst 434 Sportler, 42 Wettkampfstätten warten, es fallen 339 Entscheidungen in 33 Sportarten. Die deutsche Mannschaft bleibt in ihrer Prognose zurückhaltend, ein Jahr nach der eigentlichen Planung und mit Trainingsproblemen im Zeichen von Corona wird die Medaillenausbeute als geringer eingeschätzt als zuletzt 2016 in Rio de Janeiro. Da gab es 42 Medaillen, davon 17 Gold, 10 Silber und 15 Bronze. Zehn weniger könnten es diesmal sein, obwohl es einige heiße Gold-Anwärter gibt. Auch die Männer-Teams im Fußball, Handball und Basketball sollen ebenso wie die Frauen und Männer im Hockey nach einer Medaille greifen. Deutschland profitiert wohl auch nicht von den neuen Sportarten Skateboard, Sportklettern, Karate und Surfen. Baseball und Softball kehren zurück.

Der Zeitunterschied von Japan zu Europa lässt hierzulande sicherlich nur eine gedämpfte Stimmung aufkommen, viele Entscheidungen fallen in der Nacht. Dennoch senden ARD und ZDF in Deutschland unverdrossen, allerdings immer nur bis 17.00 Uhr. Es werden sich aber sicherlich nicht allzu viele Arbeitnehmer Urlaub genommen haben, um die Nacht vor dem Fernseher zu verbringen. Aber: 140 Stunden sendet das Erste, 135 sind es beim Zweiten. Zusammenfassungen am Abend bleiben leider aus.

Mit dem Blick auf das arme Tokio gehen die Gedanken auch zurück an das zunächst glückliche München 1972, tolle Tage, die bis zum fürchterlichen Attentat auf die israelische Mannschaft als heitere Spiele in die Geschichte eingingen. Das Olympiagelände ist heute noch ein Anziehungspunkt, die Olympiabauten sollen sogar zum Weltkulturerbe erhoben werden. München hat zweifellos von Olympia profitiert, für Tokio sind die Spiele eine schwere Last. München wird nächstes Jahr 50 Jahre Erinnerung an Olympia feiern, Tokio wird sich noch lange mit Sorgen an die Spiele 2020, die 2021 stattfinden, erinnern. Wer hätte das gedacht, dass Olympische Spiele eine traurige Sache des Sports sein können.

Vielleicht die beste zweite Liga der Welt!

Abstieg sorgt für Aufstieg. Was paradox klingt, ist Tatsache. Durch den Abstieg der Traditionsvereine Schalke 04 und Werder Bremen schaffte die 2. Fußball-Bundesliga endgültig den Aufstieg zur attraktivsten zweiten Liga aller Zeiten. Vielleicht ist sie sogar die beste zweite Liga der Welt! Es tummeln sich ja bereits viele Klubs mit großem Namen erzwungenermaßen im Unterhaus, wie der Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Fortuna Düsseldorf und Karlsruher SC. Aufgepasst: Diese sieben Vereine sind unter den ersten 20 der ewigen Tabelle der Bundesliga zu finden! Das sagt alles. Wird die 2. Bundesliga bald die wahre erste Liga der Traditionsklubs?

Die Funktionäre der zweiten Liga sind sich der neuen Attraktivität bewusst, sie ärgern das Oberhaus, wenn sie darauf hinweisen, dass es bei ihnen viel spannender zugeht. „Da steht der Meister nicht von vornherein fest, bei uns sind normalerweise alle Vereine in den Kampf um Aufstieg oder Abstieg involviert.“ Anders herum schrillen in der Bundesliga die Alarmglocken. „Wir verlieren an Attraktivität“ hört man nicht nur einmal. Aufgezählt wird, dass man mit Namen wie Fürth, Bochum oder Bielefeld international nicht werben kann. Außerdem bringen diese Vereine weniger Fans mit und sind bei ihrem Gastspiel kein großer Anreiz für das eigene Publikum. Geklagt wird darüber, dass eben viele interessante Vereine fehlen, dafür Nobodys wie Hoffenheim, Mainz und Augsburg sich lange in der Bundesliga halten. Da hätten einige gerne eine „geschlossene Liga“, ähnlich wie es die unselige Super League international hätte sein sollen. Im Hintergrund spielt eben das Geld eine Rolle, doch zum Glück zählt noch der Sport.

Es wird natürlich auch die härteste zweite Liga aller Zeiten, denn die aktuellen Absteiger Schalke und Bremen wollen alles tun, um dem Schicksal ihrer Vorgänger zu entgehen. Der HSV oder der Club aus Nürnberg versuchen sich seit Jahren vergeblich an der Rückkehr. Noch enttäuschender ist es, wenn am Ende Außenseiter an ihnen vorbei ziehen. Das könnten in diesem Jahr zum Beispiel Heidenheim, Karlsruhe oder Kiel sein. Vielleicht schauen die Favoriten auch in diesem Jahr dumm aus der Wäsche. Jeder will nach oben, denn Tatsache ist, dass es im Unterhaus wesentlich weniger zu verdienen gibt. Wer finanzielle Probleme hat, wie zum Beispiel Schalke, kann sich in der zweiten Liga nicht sanieren, da fehlen Millionen gegenüber dem Oberhaus.

Für mehr Attraktivität in der 2. Bundesliga sorgen auch die Aufsteiger aus der 3. Liga, nämlich Dynamo Dresden und Hansa Rostock. Der Fußball im Osten gewinnt wieder an Bedeutung, das Ost-Derby wird eine Stufe angehoben. Ein attraktives Städte-Derby wie St. Pauli gegen den HSV sucht man im Oberhaus auch vergeblich. Dem ging bekanntlich das spektakuläre Ruhrpott-Derby Dortmund – Schalke verloren. Da wünschen sich jetzt sogar die Dortmunder den Wiederaufstieg von Schalke. Besser könnte die 2. Bundesliga am Freitag, 23. Juli, auch nicht starten, als mit dem Duell der Ex-Bundesligisten Schalke 04 gegen Hamburger SV. SAT1 überträgt im Free-TV live, beste Reklame also. Vielleicht ist dies ein Zeichen für eine überaus interessante Saison…

Am Freitag, 23. Juli, startet auch die 3. Liga, beide Ligen treten mit diesem Frühstart aus dem Schatten der Bundesliga. Die Vereine der 3. Liga kennen nur ein Ziel: Aufstieg in die 2. Liga. Nicht nur, weil die jetzt so attraktiv geworden ist, sondern finanziell attraktiv war sie für die Drittligisten schon immer, in der 3. Liga bleiben quasi nur Brotkrümel übrig. Die 3. Liga ist auch Spielwiese für die zweiten Mannschaften der Profi-Klubs. Bayern München hatte da zuletzt ein Alleinstellungsmerkmal, stieg aber ab. Ein Fehler im Management! Dafür sind Dortmund II und Freiburg II aufgestiegen. Die Konkurrenz sieht diese zweiten Mannschaften aber nicht mit Wohlwollen, sie bringen keine Zuschauer mit und sind für das eigene Publikum nicht attraktiv. Ähnliche Klagen also wie in der Bundesliga!

Apropos Bundesliga. Julian Nagelsmann musste sich nach seinem ersten Spiel mit den Bayern einiges anhören. Über die 2:3-Niederlage in Villingen gegen den 1. FC Köln wurde mit „Pleite für Nagelsmann“ oder „Blamage“ geurteilt. Doch ein Blick auf die Besetzung sagt alles, die EM-Teilnehmer sind schließlich alle noch nicht im Training, dazu klagen die Bayern über Verletzungspech. Der neue Trainer muss mit einer Vorbereitung fertig werden, die den Namen nicht verdient, dies ist kein guter Start für ihn und den Verein. Da müssen vielleicht doch Neuzugänge noch helfen (lesen Sie auch die nächste Kolumne „Die neuen Bayern – ein Ritt auf der Rasierklinge“).

Andere Sorgen hat der FC Augsburg, da ist wieder einmal ein Spieler unzufrieden, will – trotz Vertrag – weg und verweigert das Training. Kevin Danso ist seltsamerweise bereits der dritte Österreicher nach Martin Hinteregger und Michael Gregoritsch, der den Augsburgern Probleme bereitet. Erpressungsversuche breiten sich im Profi-Fußball aus. Danso war zuletzt nach Southampton und Düsseldorf ausgeliehen, jetzt würde er beim FCA benötigt, allerdings legte der FC Lens ein Angebot vor. Danso will weg, dem FCA reicht das Angebot nicht aus. Logisch, dass Manager Stefan Reuter klagt, „wir sind unglaublich enttäuscht über Dansos Verhalten“. Der lehnt ein Trainingsangebot ab. Stellt sich die Frage, wie der Erpressungsversuch zu lösen ist ohne die Stimmung im Team zu gefährden. Auch hier also eine holprige Vorbereitung.

Ärger anderer Art hatten Deutschlands Olympia-Fußballer in Japan. Sie brachen einen Test gegen Honduras (1:1) fünf Minuten vor dem Ende ab, weil Hertha-Profi Jordan Torunarigha über rassistische Beleidigungen klagte. „Für uns war es keine Option, weiterzuspielen“, betonte Bundestrainer Stefan Kuntz. Honduras entschuldigte sich, doch die Gesellschaft und vor allem der Fußball kann dieses Krebsgeschwür Rassismus leider nicht in die Schranken weisen. Kein guter Start für die Olympischen Sommerspiele, die auch mit Corona-Fällen zu kämpfen haben. Mehr zu Olympia im Laufe dieser Woche.

Die deutsche Olympia-Auswahl startet am Donnerstag, 13.30 Uhr MESZ, gegen Brasilien ins olympische Turnier. Dies ist die Neuauflage des Endspiels von 2016, damals holte Brasilien Gold. Jetzt geht es darum, die Weichen für den Gruppensieg zu stellen. Weitere Gegner sind Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste.

Die neuen Bayern und der Ritt auf der Rasierklinge

Nach dem Triple 2020 bzw. dem Gewinn von gleich sechs verschiedenen Pokalen war die Saison 2021 ernüchternd für den FC Bayern München: Es blieb nur die Deutsche Meisterschaft. Immerhin war es die neunte hintereinander, doch ob die zehnte auch noch folgt? Das Jahr 2021 wird später mal als Jahr der Zäsur beim Deutschen Fußball-Meister in den Geschichtsbüchern verzeichnet sein, doch was danach geschrieben werden kann, steht in den Sternen. Auf jeden Fall gibt es zur neuen Saison die neuen Bayern, doch wie erfolgreich werden sie sein?

Die Zäsur ist schon bemerkenswert, das Erfolgsgespann Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ist endgültig Vergangenheit. Ebenso seinen Abschied nahm Triple-Trainer Hansi Flick, dem die Atmosphäre nicht mehr behagte und der dankbar die Chance des Bundestrainers nach dem Rücktritt von Joachim Löw ergriff. So war der Juli geprägt von Neuvorstellungen. Am 1. Juli war offizieller Amtsantritt von Oliver Kahn als neuer Vorstandsvorsitzender und Nachfolger von Rummenigge, der seit 2002 diese Aufgabe wahrnahm und Kahn über Monate hinweg eingearbeitet hat. Nur wenige Tage später, am 7. Juli, wurde auch Julian Nagelsmann als neuer Trainer und Flick-Nachfolger vorgestellt. Er war der Wunschtrainer des neuen Dreigestirns in der Führung, das das Sagen hat,nämlich neben Kahn noch Bayern-Präsident Herbert Hainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der als Blitzableiter dienen muss, wenn Neuzugänge nicht einschlagen, aber dann gern betont, „wir haben das gemeinsam entschieden“. Das wird auch in Zukunft so sein, doch wie werden die Entscheidungen aussehen?

Hansi Flick wagte sich mitunter in der Öffentlichkeit weit vor, wenn er moserte, dass seine Wünsche nicht erfüllt werden. So war es vor der letzten Saison, als er eine zu dünne Personaldecke anmahnte und einige Spieler als Ergänzung, aber keineswegs als Verstärkung bekam. Das war ein Teil der atmosphärischen Störungen, die im Streit mit „Brazzo“ Salihamidzic ihren Höhepunkt (und Abgang!) fanden. Der junge, erst 33-jährige Nachfolger Julian Nagelsmann hält sich da zurück und sagt devot: „Der Verein hat den Hut auf, ich arbeite mit dem Kader, der mir zur Verfügung steht.“ Aber die Ziele ändern sich nicht, das weiß auch Nagelsmann: „Bayern will immer Titel gewinnen“. Nagelsmann auch, deshalb wechselte er von Leipzig nach München und nicht, weil 60 Kilometer seine Heimatstadt Landsberg liegt und er als Kind schon Bayern-Anhänger war.

Aber was den Kader angeht, so sieht es eher schlechter als besser aus gegenüber dem Vorjahr. Immerhin sind die Abgänge von David Alaba, Jerome Boateng und Javi Martinez zu verkraften. In der Abwehr, die in der letzten Saison erschreckend viele Gegentreffer kassierte, herrscht Notstand, zumal jetzt auch noch die vorgesehenen Stammspieler Alphonso Davies und Lucas Hernandez bis mindestens Mitte August verletzt ausfallen. Fraglich ist auch, ob Neugang Dayot Upamecano mit gerade 22 Jahren gleich die Rolle als Abwehrchef spielen kann, zumal es noch zusätzliche Fragezeichen gibt: Ob die Stammkräfte Niklas Süle, Leon Goretzka und Kingsley Coman bleiben, ist noch unsicher, die Verträge laufen zwar noch, aber über ihre Verlängerungen wird verhandelt und ablösefrei sollen sie in den nächsten Jahren nicht gehen. Oliver Kahn muss zum Amtsantritt zunächst also Probleme lösen.

Der frühere Torhüter-Titan will heute das Geld festhalten wie früher die Bälle. Er verweist im Duett mit Präsident Hainer darauf hin, dass die Corona-Pandemie auch die Kasse der Bayern geleert habe, von einem üppigen Festgeldkonto ist keine Rede mehr, sondern von 150 Millionen Euro Verlust und da waren Ausgaben von 40 Millionen für Upamecano und 15 Millionen (plus ?) für Nagelsmann schon die Grenze. „Er sei nicht naiv und wisse, wie absolute Topspieler bezahlt werden, aber wir haben die Grenzen definiert,“ lässt Kahn wissen. „Der Vielfraß setzt sich auf Diät“ titelte deshalb die Süddeutsche Zeitung. Gut möglich also, dass begehrte Spieler wie Goretzka und Coman Angeboten reicher Vereine noch erliegen. Es wird für Kahn und die Bayern ein Ritt auf der Rasierklinge bei der finanziellen und sportlichen Abwägung. Mit einem Mini-Kader werden in einer weiteren strapaziösen Saison Pokalgewinne und Meisterschaften dann fast zur Glückssache. Ziel Nummer 1 ist aber klar benannt: Die zehnte deutsche Meisterschaft in Folge!

Nach den ersten Trainingstagen nimmt der FC Bayern am Samstag mit dem Testspiel gegen den Liga-Rivalen 1. FC Köln den Spielbetrieb wieder auf. Gladbach, Ajax Amsterdam und Neapel sind weitere Gegner im Vorfeld vom Bundesliga-Start am 13. August in Gladbach. Von einem Meisterteam kann vorerst keine Rede sein, denn die EM-Teilnehmer fehlen noch. Aber auch das Abschneiden bei der Europameisterschaft sollte als Warnung dienen: Alle Bayern-Akteure schieden im Achtelfinale aus, Konkurrent Borussia Dortmund war dagegen mit sieben seiner Spieler im Viertelfinale vertreten! So darf man gespannt sein. welches Team die Bayern zunächst stellen. Mit Rückkehrer Sven Ulreich im Tor, mit einer Abwehr mit Upamecano, Talent Nianzou, Rückkehrer Chris Richards und Neuzugang Omar Richards. Der spielte zuletzt übrigens beim englischen Zweitligisten FC Reading und gilt als Mann der Zukunft. Ex-Dortmund-Star Hakimi, der jetzt in Paris landete, war den Bayern zu teuer. Bezeichnend, billig statt teuer – und gut genug? Mit Youngstern und vielleicht Rückkehrern wie Joshua Zirkzee (aus Parma) und Michael Cuisance (Marseille), die beide dort nicht glücklich wurden, werden große Erfolge wohl fraglich. Die Achse Neuer-Kimmich-Müller-Lewandowski allein wird es wohl kaum richten können.

Wohin führt also der Weg des FC Bayern München, der ja auch einen Rückschlag insofern verkraften musste, als dass er kampflos den Abstieg der zweiten Mannschaft aus der 3. Liga in die Regionalliga Bayern in Kauf nahm. Die 3. Liga galt als notwendiges Sprungbrett für Talente in den Profikader. Diesen Vorteil haben jetzt allein Borussia Dortmund und der SC Freiburg, die mit ihren zweiten Teams den Aufstieg in die 3. Liga schafften und diesbezüglich den Bayern schon mal den Rang abgelaufen haben. Es gibt also genügend Warnsignale, dass eine Weiterführung der erfolgreichen Bayern-Ära auf der Kippe steht. Vielleicht greifen Kahn und Kollegen beim Ritt auf der Rasierklinge doch noch einmal in die Kasse, um die Klasse der Mannschaft zu erhalten. Der zehnte Titel in Folge lockt.

EM-Bilanz: Angst frisst Titel auf

Das ist wirklich paradox: Die unsinnigste Fußball-Europameisterschaft aller Zeiten hat doch Spaß gemacht und zeigte sich sportlich von ihrer besten Seite. Der europäische Verband UEFA organisierte zwar das paneuropäische Turnier in Corona-Zeiten nach dem Motto „wir leben in einer anderen Welt“, doch nach dem sportlichen Jubel kann das dicke Ende in Form von erhöhten Infektionszahlen der Pandemie nachkommen. Ob die Austragung generell unverantwortlich war, muss jeder für sich entscheiden. Dass es die Fans mit der Verantwortung nicht so ernst nehmen, das konnte sich jeder denken, aber Jubelfeiern ohne Schutz und Maske kann man nur als unverantwortlich bezeichnen.

Bleiben wir aber beim Sport. Das Endspiel zwischen Italien und England war ein typisches Match dieser EM. Es endete mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Acht der 15 K.o.-Spiele gingen in die Verlängerung (mehr als die Hälfte also!), vier davon wurden erst vom Punkt entschieden. Italien holte mit dem 3:2 im Elfmeterschießen nach dem 1:1 nach Verlängerung nicht nur den Titel, sondern sorgte für ein Novum, nachdem es im Halbfinale auch Spanien per Elfmeter ausgeschaltet hatte. Das gab es noch nie bei einer EM, dass ein Team zwei Elfmeterschießen hintereinander siegreich beenden konnte. So holte Italien erstmals seit 53 Jahren wieder den Pokal, 1968 siegte man 2:0 im Wiederholungsspiel (noch kein Elfmeterschießen!) gegen Jugoslawien. Torhüter Gianluigi Donnarumma zeigt sich dabei als Könner seines Fachs: Der 22jährige hat in seiner jungen Karriere bereits fünf Elfmeterschießen bestritten und alle gewonnen, drei mit dem AC Mailand, zwei mit der Nationalmannschaft eben jetzt bei der EM! Heißt für künftige Gegner: Ihr braucht gar nicht erst antreten. Nun ja, Italien ist ja auch seit 34 Spielen ungeschlagen.

Was bleibt von dieser Europameisterschaft? Es war kein Turnier der Stars (wer spricht heute noch von Mbappe oder Cristiano Ronaldo?), es war eher ein Turnier der Trainer, da waren die Herren des Finals die besten Beispiele, nämlich Robert Mancini und Gareth Southgate. Es gab aber auch besondere Trends zu beobachten. So galt für die Trainer „Angst frisst Titel auf“. Wer nicht mutig, sondern zögerlich war, der hatte schon verloren. Das galt besonders für Joachim Löw mit Deutschland, aber auch für die Franzosen oder Southgate im Finale, der auf Vorsicht und nicht auf Sturm und Drang setzte. Einen besonderen Fehler beging er noch vor dem Elfmeterschießen, als er mit Rashford und Sancho zwei Spieler als Elfmeterschützen aufs Feld brachte, die vorher kaum zum Einsatz kamen und deshalb nicht richtig im Spiel waren. Er hätte die Stürmer früher bringen müssen, dann hätte sich das Elfmeterschießen vielleicht erübrigt. Anders sein Gegenüber Mancini. Der erzählte seinen Spielern schon zu Beginn der Vorbereitung „wir holen den Titel“. Die Richtung war vorgeben, das weckte den Teamgeist und den Mut.

„Angst frisst Titel auf“ gilt aber auch auf anderer Ebene. Auffallend, dass die Mannschaften erfolgreich waren, die mutig spielten, Begeisterung im Team offenbarten und mit Schwung zu Werke gingen. Besonders Italien hat den Titelgewinn auch seinem überragenden Mannschaftsgeist zu verdanken, aber erkennbar war der Zusammenhalt auch bei Dänemark, Österreich, die Schweiz, Ungarn und Tschechien, sie alle ließen große Begeisterung erkennen und waren nahe daran, ganze Berge zu versetzen. Erfreulich, dass trotz mancher Defensivkonzepte vor allem nach vorne gespielt wurde. Ob Vierer- oder Dreierkette spielte dabei keine Rolle, auf die Interpretation kommt es an und darauf, ob die Taktik einstudiert werden konnte. Das war zum Beispiel bei Deutschland nicht der Fall. Apropos Deutschland: Das Team legte keine Ehre ein, aber das Schiedsrichter-Duo. Daniel Siebert und Felix Brych zeigten ausgezeichnete Leistungen, wie überhaupt die Schiris ein überraschend gutes Niveau hatten, der Video-Assisten wurde wohltuend behutsam eingesetzt. Felix Brych wurde gleich fünfmal nominiert, ein neuer Rekord zu seinem Abschied, nachdem er mit 45 Jahren die Altersgrenze erreicht hat. Auffallend auch die Zahl der Eigentore, mit elf ebenfalls ein Rekord.

Italien kann sich im Moment freuen, jeder Spieler erhält eine Siegprämie von 250.00 Euro, fast 30 Millionen Euro fließen in die Kasse des Verbandes. Die Mannschaft hat wohl am Höhepunkt ihres Wirkens endlich einen Titel geholt, zum zehnten Mal war Italien in einem WM- oder EM-Finale, nur Deutschland hat mit 14 Teilnahmen mehr aufzuweisen. Aber ob Italien die Zukunft gehört? Die Abwehr-Asse Chiellini (der eigentliche Star des Turniers) und Bonucci sind bekanntlich schon 36 bzw. 34 Jahre alt. Italien stellte überhaupt die älteste Mannschaft. Da gehört eher England die Zukunft, das seit 55 Jahren nach einem Titel lechzt und seit 1966 weiter warten muss. Auffallend auch, dass echte Mittelstürmer und Torjäger mit der Lupe gesucht werden.

Für die Zukunft spielt auch Deutschland eine Rolle, ist der DFB doch 2024 Ausrichter des nächsten Turniers. Eine EM über ganz Europa verteilt bleibt hoffentlich eine Einmaligkeit, aber auch die Pläne, das Teilnehmerfeld von 24 auf 32 aufzustocken, sollten schnell wieder in der Schublade verschwinden. Der Fußball muss endlich Abschied nehmen vom Drang, das Teilnehmerfeld bei allen Wettbewerben zu erhöhen, für die Sportler selbst sind die Grenzen schon überschritten, auch die Fans machen da nicht mehr mit.

Auch wenn Cristiano Ronaldo mit fünf Treffern Torschützenkönig wurde, die Stars drückten der EM nicht ihren Stempel auf. Das war in Südamerika anders, dort waren Neymar und Messi die großen Macher und Lionel Messi am Ende der Held. Mit dem 1:0-Sieg von Argentinien über Gastgeber Brasilien wurde die titellose Zeit des Barca-Stars ebenso beendet wie die von Argentinien, das seit 1993 auf einen Turniersieg gewartet hat. Zwar wurde Messi zusammen mit Neymar zum besten Spieler des Turnier gewählt, aber im Finale war wenig von ihm zu sehen. Für den Sieg sorgte Angel di Maria (Paris) mit einer feinen Einzelleistung. Messi aber wird jetzt mit Maradona auf eine Stufe gestellt und gefeiert.

Ab sofort wird der Fußball national wieder die Hauptrolle spielen, in der Bundesliga laufen die Vorbereitungen auf die neue Saison. Auch Meister Bayern München startet wieder, was in dieser Woche noch Thema einer Kolumne sein wird. Was darf man von den neuen Bayern erwarten? Und dann folgen auch die Olympischen Sommerspiele in Tokio, die ohne Zuschauer stattfinden müssen. Die Japaner sind offensichtlich vernünftiger als die UEFA, die um jeden Preis Stimmung in den Stadien haben wollte. Möglicherweise ein zu hoher Preis. Zu Olympia natürlich später ebenfalls mehr.

Deutschland fehlen Spezialisten zum Erfolg

Wenn die Fußall-Europameisterschaft in dieser Woche zum Endspurt in London ansetzt, ist Deutschland nur noch Zuschauer. Ein Blick auf die Protagonisten des Halbfinales zeigt auf, warum sich Italien und Spanien sowie England und Dänemark gegenüberstehen und Deutschland fehlt. Den Löw-Schützlingen fehlte zu viel von dem, was die Halbfinalisten auszeichnet. Deutschland fehlen vor allem die Spezialisten zum Erfolg: Kein richtiger Mittelstürmer, kein Fachmann für erfolgreiche Standards, dazu konnte der Bundestrainer keine Begeisterung wecken. Nachfolger Hansi Flick muss vor allem mehr Leben in die Mannschaft bringen.

Jeder der vier Halbfinalisten hat seine eigene Geschichte. Eine besondere ist die von Dänemark, da das Team erst den Schock vom Eriksen-Zusammenbruch überwinden musste. Aus dem Schock wurde Euphorie, Begeisterung macht Kräfte frei. Italien hat sich neu erfunden, an die Stelle der Mauer-Taktik trat spielerisches Können mit viel Schwung, Trainer Roberto Mancini machte alles besser als Joachim Löw. Bei England wartete man schon lange darauf, dass die Mannschaft mit Routiniers und großen Talenten das Können endlich effektiv auf den Rasen bringt – jetzt ist es so weit! Unfassbar: Bisher musste Torhüter Pickford noch keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen. So etwas wünscht sich Manuel Neuer immer. Die einzige „normale“ Leistung zeigt Spanien, keine Überraschung ist es, im Halbfinale zu stehen, keine Überraschung im Spiel, das Zusammenspiel zwischen Routiniers und Talenten klappt. Wir dürfen uns also auf die letzten drei Duelle freuen.

Die deutschen Spieler machen dagegen Urlaub und der eine oder andere überlegt, ob er seine internationale Karriere beenden soll. Toni Kroos hat schon die Konsequenzen gezogen, er will mit Real Madrid Erfolg und mehr Zeit für die Familie haben. Vielleicht hat er auch erkannt, dass das Tempo-Spiel mit Pressing als Markenzeichen vom neuen Bundestrainer Hansi Flick nicht sein Spiel ist. Diesbezüglich wäre es nur logisch, wenn Ilkay Gündogan folgen würde. Die Mittelfeldzentrale bei Flick wird sicherlich Kimmich-Goretzka heißen, dahinter stehen Talente wie der Gladbacher Florian Neuhaus. Auch bei Mats Hummels stehen die Zeichen wohl eher auf Abgang, während Thomas Müller bei Flick eher gesetzt sein könnte.

Um aber das erfolgreiche Spiel des FC Bayern München unter Flick auf die DFB-Elf zu kopieren, braucht Flick vor allem einen Mittelstürmer. Den gibt es nicht! Bezeichnend, dass Trainer Stefan Kuntz bei der Olympia-Auswahl auf Max Kruse und Cedric Teuchert (beide Union Berlin) im Angriff setzt. Was wir aber brauchen, wäre ein Immobile, Schick, Kane oder Dolberg, die für die nötigen Tore sorgten, damit ihre Mannschaft erfolgreich sein konnte. Vielleicht setzt sich Lukas Nmecha. der Torjäger der erfolgreichen U21 durch. Die Notlösung mit rochierenden Stürmern, die aber alle keine echten Torjäger sind, wie Gnabry, Sané und Müller, ist nichts weiter als eben eine Notlösung, wie der Name schon sagt. Da darf man auf das erste Aufgebot von Hansi Flick im August gespannt sein, zumal es auch bei den Außenverteidigern wohl Neuerungen geben wird oder sogar muss.

Jetzt stehen aber erst einmal Halbfinale und Finale bei der EM in London an. Dabei wird die Kritik an der UEFA immer größer, weil der Verband die Corona-Pandemie einfach ignoriert und hohe Zuschauerzahlen zulässt. Schon jetzt sind hohe Infektionszahlen bekannt geworden. Seltsam, dass sich die einzelnen Länder und Städte von UEFA erpressen lassen und ihre eigenen Richtlinien umgehen. Was vor allem in St. Petersburg, Budapest und London in punkto Fans abgegangen ist, spottet jeder Beschreibung. Vorsicht und Rücksicht wurden zu Fremdwörtern. Angesichts der Quarantäne-Bestimmungen in vielen Ländern ist London nicht der richtige Austragungsort für die Finalspiele.

Schlimmer ist es nur in Brasilien, wo die Copa America ausgetragen wird. Nachdem Argentinien und Kolumbien abgesagt hatten, holte Präsident Bolsonaro die Copa nach Brasilien, weil er ja die Toten und Infizierten im eigenen Land ignoriert. Der Fußball wird so zur Farce bzw. sogar zum Totengräber. Da freuen sich selbst die Spieler nicht. Nur zur Info: Brasilien – Peru und Argentinien – Kolumbien heißen hier die Halbfinals – im Schatten von Corona.

Wenn die Titel vergeben sind, werden wieder verstärkt die Vereine in den Vordergrund treten, zumal in dieser Woche bereits die Bundesligisten ihre Vorbereitung auf die neue Saison aufnehmen. Nach den Turnieren wird vor allem das Transfer-Karussell heiß laufen. So stehen vor allem die Wechselgerüchten der größten Stars im Mittelpunkt: Leonie Messi ist vertragslos, sein Kontrakt beim FC Barcelona ist ausgelaufen, der Präsident will ihn aber unbedingt halten. Cristiano Ronaldo ist bei Juventus Turin nicht mehr glücklich, seine Berater suchen offensichtlich einen neuen, zahlungswilligen Verein trotz Vertrag bis 2022. Kein Wunder, dass in beiden Fällen Paris St. Germain als erster Interessent gehandelt wird. Doch neben Neymar und Mbappe noch zwei Hochkaräter wird sich mit den finanziellen Obergrenzen kaum vereinbaren lassen. Könnte sein, dass der Fußball nach EM und Copa America und vor der neuen Saison erst richtig interessant wird.