Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Länderspielpause mit Hoffnung und Ärger

Im Herbst gibt es immer das gleiche Spielchen – und daran ändert auch Corona nichts – , kaum hat die Fußball-Bundesliga begonnen, macht sie auch schon wieder eine Pause – eine Länderspielpause. Doch in diesen schwierigen Zeiten ist diese Unterbrechung noch weniger willkommen, zumal das Virus Covid-19 und die damit verbundenen Hygieneregeln für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Andererseits sind einige Klubs froh über die Pause, weil sie hoffen, dass es für sie danach einen Neustart mit besseren Resultaten gibt. Eine Länderspielpause also mit Hoffnung und Ärger also.

Warum gibt es die Länderspielpause überhaupt? Nun, die Nationalverbände benötigen Geld, die Nations League wurde eingeführt, damit aus uninteressanten Freundschaftsspielen interessante Punktspiele werden. Durch die Corona-Verzögerungen wird der Terminstress noch größer, aber dennoch werden Freundschaftsspiele noch zusätzlich absolviert, weil die Fernseheinnahmen benötigt werden. Deshalb spielt Deutschland am Mittwoch in Köln gegen die Türkei, rund zehn Millionen Euro nimmt der DFB wohl ein, doch von den Sitzen wird dieses Spiel keinen reißen, denn Bundestrainer Joachim Löw wird auf alle Stammspieler zur Schonung verzichten. Nur logisch, dass der DFB Eintrittskarten verschenken will, wenn überhaupt Zuschauer anwesend sein dürfen. Das Sagen hat das Gesundheitsamt. Zwei werden sich überhaupt freuen, ausruhen zu dürfen: Thomas Müller und Jerome Boateng. Jogi Löw, sei dank!

Jogi Löw wird also darauf verzichten, dass er seine Wunschformation sich für die wichtigen Spiele einspielen kann. Aber so richtig wichtig sind die Begegnungen der Nations League am Samstag in der Ukraine und am Dienstag, 13. Oktober, wieder in Köln gegen die Schweiz auch nicht, Löw hat ja schon deutlich gemacht, dass die Gesundheit der Spieler Priorität genießt. Andererseits wird es mal Zeit, dass der Weltmeister von 2014 auch in der Gegenwart endlich ein Erfolgserlebnis präsentiert, in der NL gab es noch keinen Sieg! Es scheint, die Nationalmannschaft muss noch gegen ein anderes Virus ankämpfen. Apropos: Corona sorgt auch hier für Ärger, weil manche Spieler und Teams in gefährdete Gebiete reisen sollen. Bundesliga-Klubs droht die Gefahr, dass Spieler bei der Rückkehr in Quarantäne müssen und ausfallen. Die FIFA hat ihnen zwar das Recht gegeben, den Aktiven die Freigabe zu verweigern, aber kann das der Klub wirklich durchsetzen? So wird die Nations League zum doppelten Ärgernis.

Bayerns Rekordjagd geht weiter

Blickpunkt Bundesliga. „Sind die Bayern am Anfang der Saison schon am Ende?“ wurde vor einer Woche an dieser Stelle gefragt. Die Bayern kommen zwar sinnbildlich auf dem Zahnfleisch daher, aber es schien, als wollten sie das Gegenteil beweisen. Die Rekordjagd ging jedenfalls weiter und zwei glückliche Siege waren mehr und weniger Erfolge des Willens. Spielerischen Glanz versprühen der Rekordmeister derzeit nicht, aber was soll’s, wenn der Ertrag stimmt. Joshua Kimmich war das beste Beispiel dafür mit seinem Siegtreffer zum 3:2 im Supercup gegen Borussia Dortmund. Der fünfte Titel, das Quintupel war perfekt. Ähnliches am Sonntag gegen Hertha BSC Berlin. Aus einem 2:0 wurde ein 2:2. Die Bayern am Ende? Nein, auch nach dem erneuten Ausgleich nach 3:2-Führung nicht, Robert Lewandowski holte noch einen Elfmeter raus und verwandelte zum persönlichen Quartupel an diesem Tag. Die Konkurrenz muss doppelt erschrecken: „Robert ist nicht bei 100 Prozent,“ urteilte Trainer Hansi Flick und Thomas Müller forderte, dass die Mannschaft wieder zu alter Form finden müsse.

Der Sieg war Ende einer Festwoche, die mit der Pleite gegen Hoffenheim begann und ihren Höhepunkt bei den Ehrungen zu Europas Fußballern des Jahres hatte. Einen Triple-Sieg gab es auch bei den Ehrungen der CL-Saison, als Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski als beste Spieler auf ihren Positionen geehrt wurden. Der Pole wurde zudem Europas Fußballer des Jahres und damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung, Hansi Flick wurde Trainer des Jahres, für ihn auch der krönende Abschluss eines Traum-Jahres. Da stellt sich schon die Frage, lässt sich so eine Saison überhaupt wiederholen?

Ein stressiges Wochenende hatte vor allem Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der mit den vom Trainer geforderten Verstärkungen (bzw. ein Auffüllen des Kaders!) bis auf den letzten Drücker wartete. Am Montag (18.00 Uhr) endete in der Bundesliga die Wechselfrist, entsprechend hektisch war es bei allen Vereinen, aber die Bayern schossen wohl den Vogel ab. Der Spanier Marc Roca soll seinen Landsmann Martinez ersetzen, der Franzose Sarr Back-up für Pavard als Rechtsverteidiger werden und sogar für das eigentliche Auslaufmodell Choupo-Moting (zuletzt in Paris ohne Vertrag) finden die Bayern wohl Verwendung. Manche Verpflichtung könnte aber auch reine Verschwendung sein, wenn man zum Beispiel gesehen hat, wie Talent Chris Richards gegen die Hertha aufgetrumpft hat. Mehr Mut für den eigenen Nachwuchs spart Geld!

Es gibt Vereine, die sagen sich, die Sorgen der Bayern möchten wir haben. Das Gegenstück bilden die drei punktlosen Vereine am Tabellenende, der 1. FC Köln, Mainz 05 und Schalke 04. Diese Reihenfolge könnte es am Tabellenende auch zum Schluss der Saison geben. Auffallend ist, dass der Trainerwechsel bei Mainz und Schalke vollkommen verpufft ist, Lichte und Baum mussten parallel 0:4-Niederlagen hinnehmen. Gerade sie sind über die Länderspielpause glücklich, schöpfen die Hoffnung, dass sie ihre Mannschaften in dieser Zeit besser machen können. Das gilt auch für Markus Gisdol in Köln, der nach 13 sieglosen Spielen in Folge ebenfalls in der Kritik steht. Nach seinen Anfangserfolgen am Rhein wurde sein Vertrag frühzeitig bis 2023 verlängert – und jetzt herrscht Ratlosigkeit. Was nun, Manager Horst Heldt?

Von Länderspielpause zu Länderspielpause stehen vier Spieltage ab dem 17. Oktober an und die können vorentscheidend werden. Vor allem für Manuel Baum auf Schalke, denn es stehen Duelle gegen Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg an, nämlich Union Berlin, Stuttgart und Mainz. Dazu gibt es das Derby in Dortmund. Dort gewinnen und alles Leid wäre vergessen. Aber wer glaubt daran!

Im Mittelpunkt stand in den letzten Tagen auch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die überraschend das Ende ihrer Karriere verkündete. Die 41-Jährige könnte noch sechs Jahre pfeifen, bis sie die Altersgrenze erreicht hätte. Anscheinend war ihr der Job jetzt schon zu stressig in der Männerwelt, sie stellte private Gründe in den Vordergrund und will sich später äußern. Bibi war auf jeden Fall eine Bereicherung auf dem grünen Rasen und hat durch gute Leistungen beeindruckt, sie war die beste Schiedsrichterin der Welt und sollte den Weg für mehr Frauen im Schiedsrichterwesen bereitet haben, aber die müssen sich erst mal trauen. Dass Steinhaus den Supercup leiten durfte, war ein gerechter und richtiger Abschied.

Handball will nicht in Vergessenheit geraten

Und wieder nimmt eine Sportart den Kampf gegen die Unbillen der Corona-Pandemie auf. Die Handball-Bundesliga startet am Donnerstag in ihre neue Saison, notfalls ohne Zuschauer. Gespielt werden muss, damit Handball bei den Sportfans nicht in Vergessenheit gerät. Dieses Problem haben die Handballer im Schatten von Fußball mit Basketball und Eishockey gemeinsam. Jetzt kam auch noch Corona dazu mit Problemen, die kaum zu bewältigen sind. Eins ist nämlich klar: Nicht nur in der Handball-Bundesliga geht die Existenzangst um. Sogar im Fußball geistert das Schreckgespenst von der Insolvenz herum.

Jetzt aber wird wieder Handball gespielt, wobei der Europacup schon dafür gesorgt hat, dass die Öffentlichkeit weiß, es gibt Handball noch. Dabei kann die HBL mit einem Pfund wuchern, sie gilt nach wie vor als stärkste Liga der Welt und sie hat auch einen neuen Superstar, den 25-Jährigen Norweger Sander Sagosen, der vom reichsten Klub der Welt, Paris St. Germain, den Weg zu Rekordmeister THW Kiel gefunden hat. Zum Vergleich: Dies ist, als würden Messi oder Cristiano Ronaldo in der Fußball-Bundesliga spielen. Damit hat sich die deutsche Liga erfolgreich gegen die europäische Konkurrenz gewehrt, denn der drohende Ausverkauf nach Spanien, Frankreich oder sogar Ungarn (Veszprem) wurde schon an die Wand gemalt. Allerdings: Ein Messi oder Cristiano Ronaldo sagen wir mal bei Bayern München würde hierzulande für unvergleichlich mehr Aufmerksamkeit sorgen. Sagosen kam mehr oder weniger heimlich, still und leise.

Unabhängig von diesem Coup haben fast alle Vereine finanzielle Probleme, aber jetzt heißt es, Hauptsache es wird gespielt. Im Frühjahr wurde angesichts der Corona-Krise die Runde vorzeitig beendet und der Tabellenführer THW Kiel zum Meister erklärt. Der Rekordmeister (21 Titel) kehrte auf den Thron zurück, den ihm vier Jahre lang die Rhein-Neckar-Löwen (16+17) sowie die SG Flensburg-Handewitt (18+19) geraubt hatten. Einen Absteiger gab es nicht, Coburg und Essen durften aber aufsteigen, deshalb wurde die Liga auf 20 Vereine aufgestockt, dafür müssen gleich vier absteigen.

Die Saison 20/21 wird also eine Art Überlebenskampf, womit Handball natürlich nicht allein steht, die gleichen Sorgen hat Basketball, noch größere Sorgen Eishockey (siehe „Das Eishockey muss um seine Zukunft bangen“ vom 24. September). Aber gerade die HBL-Klubs haben den Kampf angenommen, Gehaltsverzicht ist an der Tagesordnung, in Nordhorn bekommen alle Spieler angeblich nur ein Zweitliga-Gehalt, weil der Klub normal ja abgestiegen wäre. Handball hat den Vorteil, dass es spannend und TV-wirksam ist (im Eishockey zum Beispiel sieht man den Puck am Bildschirm kaum) und ausführlich im Fernsehen übertragen wird. Sky ist der Stammsender, der alle Spiele live überträgt, die Champions League ist bei DAZN zu sehen. Einen Werbeeffekt soll auch die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten erzielen. Trotz aller Hürden und Terminprobleme, der Optimismus ist nicht ausgestorben. Handball hat eine Zukunft.

Sind die Bayern Anfang der Saison schon am Ende?

Vor einer Woche war an dieser Stelle „von einem außergewöhnlichen ersten Spieltag“ in der Fußball-Bundesliga die Rede. Was, bitte schön, war dann der zweite Spieltag? Die seltsamen Ereignisse und Ergebnisse überschlugen sich und es war ein Spieltag, wie ihn sich eine PR-Agentur nicht besser als Werbepaket für die Bundesliga hätte ausdenken können! Spieler-Streik, Trainer-Entlassung, Zuschauer in fast allen Stadien und Favoriten-Stürze – sieht so die Antwort auf die Corona-Pandemie aus?

Im Mittelpunkt natürlich der vom Triple-Sieger zum Quadruple-Sieger aufgestiegene FC Bayern München. Im Jahr 2020 bis dahin noch ungeschlagen, scheinbar unantastbar, aber es scheint, als bewahrheiteten sich die Warnungen: Die Terminhatz zu anstrengend, der Kader zu klein. Der Sieg im UEFA-Supercup, das 2:1 gegen den FC Sevilla nach 120 Minuten, hat wohl Spuren hinterlassen. Die Folge war das 1:4 in Hoffenheim, wo eine von Jungtrainer Sebastian Hoeneß clever eingestellte Mannschaft ähnlich wie Sevilla (da wehrten sich die Bayern noch tatkräftig) die Schwächen beim Münchner Sturm- und Drang-Konzept schonungslos offenlegte. Die Bilanz sprach für den Meister, bis dahin nur drei Hoffenheimer Siege in 25 Spielen, neue Rekorde schienen möglich. Aus und vorbei. Keine elf Auswärtssiege in Folge, kein ungeschlagenes Jahr 2020. Das gab es bisher einmal, die Bayern schafften das 2013. Die letzte Niederlage gab es am 7. Dezember 2019! Achtung: 2020 noch ungeschlagen ist – Arminia Bielefeld. Der Aufsteiger wehrt sich auch im Oberhaus, blieb bis dahin in der 2. Liga ungeschlagen!

Bei den Bayern stellt sich die Frage, sind sie am Anfang der Saison schon am Ende? Die Hetzjagd geht weiter, der Kader wird eher noch kleiner. Die Nachrichten passen nicht zur Situation: Javi Martinez, der Held von Budapest mit dem Siegtreffer zum 2:1, will zurück in die alte Heimat nach Bilbao, Cuisance will spielen und ist bei Leeds United im Gespräch, zudem ist die Verpflichtung des begehrten Verteidigers Dest fraglich, der Belgier tendiert neuerdings zum FC Barcelona. Trend: Die Bayern haben viele Pokale, aber wenig Spieler.

Nicht zu vergessen, der nächste Supercup steht bevor, am Mittwoch gegen Borussia Dortmund. Damit nicht immer in Dortmund gespielt wird, haben die Münchner diesmal Heimrecht, allerdings wohl ohne Zuschauer. Das Geheimnis: Wie ernst nehmen beide Trainer diesen Supercup. Sehen sie ihn als Superspiel oder als Experimentierfeld? Für Bayern-Coach Hansi Flick könnte Erholung im Vordergrund stehen oder will er lieber eine neue Siegesserie starten? Kollege Lucien Favre hat wohl eher den Ehrgeiz, die Hand nach dem Pokal auszustrecken, aus doppeltem Grund: Einmal als Beweis, ich kann doch Titel gewinnen, zum anderen, die Mannschaft braucht nach der peinlichen Niederlage in Augsburg neues Selbstbewusstsein. Sportchef Michael Zorc betonte bereits: „Das ist ein Prestige-Duell.“ Die Dortmunder gehen auch mit mehr Ehrgeiz in diese Spiele, zum neunten Mal stehen sich beide Teams in diesem Supercup-Vergleich gegenüber (normal Pokalsieger gegen Meister, beim Doublegewinn darf der Vizemeister, wie diesmal Dortmund, ran), Dortmund weist eine positive Bilanz von 5:3-Siegen auf. Aber: Am ersten Spieltag wurden beide Mannschaften umjubelt, in den Himmel gehoben, jetzt gilt Krisenbewältigung!

Dortmund leitete den zweiten Spieltag der Favoriten-Stürze mit dem 0:2 beim FC Augsburg ein. Clever verengten die Augsburger die Räume und liefen sich die Zunge aus dem Leib, sie rannten elf Kilometer mehr als die Dortmunder. Für Trainer Heiko Herrlich war es der erste Heimsieg mit dem neuen Verein! Eigentlich war den Augsburgern zum Saison-Start das Tabellenende prophezeit worden, am Samstag grüßten sie als Tabellenführer – bis dann Hoffenheim kam. Aber auch die anderen Anwärter auf die Champions-League-Plätze strauchelten, Leverkusen und Leipzig trennten sich 1:1, das schaffte auch Gladbach nur gegen Union Berlin und Hertha BSC erlebte den Reinfall gegen Eintracht Frankfurt (1:3). Leverkusen und Gladbach sind noch ohne Sieg! Na ja, sind ja erst zwei Spieltage.

Am Tabellenende finden sich zwei Mannschaften, die für die größten Schlagzeilen gesorgt hatten: Schalke 08 (nein, Verzeihung, wieder 04) und Mainz 05. Schalke wollte wohl versuchen, länger nicht zu siegen, als Bayern gewinnen kann, nun die Münchner beendeten diese Rechnung, die Schalker noch nicht. Nach dem 18. Sieglosspiel in Folge musste Trainer David Wagner gehen. Er wurde endlich erlöst, aber eigentlich müssten die Verantwortlichen mitgehen, denn den größten Fehler machten sie schon im Sommer, als sie nicht auf einen Neuaufbau und neuen Trainer nach der Erfolglos-Serie ohnegleichen setzten. Statt Neuaufbau kamen alte Spieler zurück, die eigentlich nicht mehr gewollt waren. Jetzt sollen sie Retter spielen. Naiver geht es nicht! Jetzt ist die Frage, wer sich diese Herkulesaufgabe antut, den Erfolg auf Schalke zurückzubringen, es muss fast ein Trainer und Manager sein, der den ganzen Verein umkrempelt. Wie die Faust aufs Auge passte dazu eine Spuck-Attacke von Schalke-Abwehrmann Kabak. Er muss wohl jetzt länger zuschauen.

Auch in Mainz kam es zu Konsequenzen, auch da muss jetzt der Trainer gehen. Zuerst streikten die Spieler, sie solidarisierten sich mit dem Kollegen Adam Szalai, der nach einem Disput mit Coach Achim Beierlorzer zur U23 versetzt wurde. Da der beliebte Mitspieler, dort der ungeliebte Trainer – da kochen die Emotionen hoch und führen zu Kurzschlusshandlungen. Spieler-Streik der Millionäre – das geht gar nicht. Eine lange Leitung hatten aber auch der Trainer und Sportchef Rouven Schröder, denn der Brandherd, der schon lang köchelte, wurde nicht rechtzeitig ausgetreten. Der Trainer muss gehen, aber auch der Sportvorstand hat an Reputation verloren. Das 1:4 gegen Stuttgart war eindeutig eine Folge dieser Unruhen im Verein. Jetzt soll es vorerst der bisherige Assistent Jan-Moritz Lichte richten, der 40-Jährige könnte aber auch Dauerlösung sein, er gilt als eines der hoffnungsvollen Trainer-Talente.

Die Bundesliga sorgte also für Gesprächsstoff, da steigt die Spannung vor dem 3. Spieltag. Die „Spitzenteams“ Hoffenheim und Augsburg müssen sich in Frankfurt und Wolfsburg beweisen, Schalke droht in Leipzig die nächste Niederlage und Werder Bremen kann gegen Bielefeld zeigen, ob das 3:1 die Wende zum Guten bedeutet oder nur auf Schalkes Schwäche zurückzuführen war. Und am Ende treffen die Bayern auf Hertha BSC. Wie munter werden sie noch sein?

Europa im Schatten

Champions League und Europa League gibt es auch noch, doch Europa steht bisher im Schatten. Am Donnerstag nicht mehr, wenn die Champions League ausgelost wird und Europas Spieler, Spielerin und Trainer gewählt werden. Die Bayern sind bekanntlich mit Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Hansi Flick dick dabei. Vor so einer Ehrung passte die Niederlage wiederum gar nicht, aber Ehrungen können auch munter machen. Mal sehen, ob auch diese Veranstaltung zu einer PR-Aktion für die Bundesliga wird. Bayern München wird bei der Gruppen-Auslosung in Topf 1 zu finden sein, doch das garantiert keine leichte Gruppe, ganz im Gegenteil, nach den neuen Kriterien ist das kein Vorteil. Der FC Barcelona oder Atletico Madrid könnten Gegner sein und werden nicht immer Kanonenfutter sein. Abwarten und Tee trinken heißt es für alle deutschen Teilnehmer, also auch für Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach in der Champions League, sowie für Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim am Freitag in der Europa League. Da will auch der VfL Wolfsburg in der Verlosung sein, dafür muss am Donnerstag bei AEK Athen noch ein Sieg her. Nach zwei Runden in der Qualifikation machen auch die Wölfe wie die Bayern frühzeitig einen müden Eindruck. Ob die Kraft zur erfolgreichen Jagd noch reicht?

Fragezeichen bleiben angesichts der Corona-Pandemie generell über den europäischen Wettbewerben. Die Infektionszahlen steigen überall in Europa, wie kann die Gesundheit der Spieler garantiert werden und können alle Nationen die entsprechende Reisefreiheit garantieren. Nicht, dass Mannschaften plötzlich in der Quarantäne verschwinden. Das wäre dann alles andere als ein PR-Gag! Der erste Spieltag ist für 20./21. bzw. 22. Oktober terminiert.

Das Eishockey muss um seine Zukunft bangen

Die Nachricht passte eigentlich wie die Faust aufs Auge: Der deutsche Eishockey-Star Peter Draisaitl wurde in der amerikanischen Profi-Liga NHL zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt und schreibt damit ein Stück deutsche Eishockey-Geschichte. Doch was hat das deutsche Eishockey davon, gerät jetzt die nationale PR-Maschine in Fahrt, wird Eishockey hierzulande populär?

Nichts von alledem, diese Ehrung verpufft im Bangen um die Zukunft des deutschen Eishockeys. Das Virus Covid-19 kann das Eishockey in die Knie zwingen, die Saison 2020/21 ist in Gefahr und damit auch der Fortbestand dieser Sportart in Deutschland. Da hilft auch Peter Draisaitl als Werbelokomotive nicht. Eigentlich wollte die Profi-Liga DEL am 13. November loslegen, mit Stadien, die zumindest etwa zur Hälfte gefüllt sind. Eishockey will zurück in die Augen der Sportfans, nachdem die letzte Saison wegen der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen wurde.

Doch dieser Schatten liegt auch über der neuen Saison. Die Politik hat eine Zuschauer-Kapazität von etwa 20 Prozent für die Stadien festgelegt. Zu wenig für die Eishockey-Klubs, die vornehmlich von den Zuschauer- und Sponsoren-Einnahmen leben. Die Vereine stehen mit dem Rücken zur Wand, die Spieler haben auf mindestens 25 Prozent ihrer Gehälter verzichtet, aber jetzt geht es ums Überleben. Es ist der Hilferuf eines Ertrinkenden, wenn die DEL von der Regierung fordert, dass sie 60 Millionen Euro locker machen muss, um Eishockey in Deutschland zu retten. Sollten nicht mehr Zuschauer erlaubt sein, wird wohl nicht gespielt werden. Doch der Zeitplan wird immer enger, ein Start der Punktrunde im Januar bedeutet auch eine verkürzte Meisterschaft, bedeutet finanzielle Probleme. Dann ist sogar eine deutsche Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Mai in Gefahr. Ohne Spiele wohl auch keine Nationalmannschaft. Die Hoffnung schmilzt wie das Eis im Sommer. Da haben es zum Beispiel Basketball und Handball leichter.

Diese wenig rosigen Aussichten werden auch Peter Draisaitl grämen. Er hat sich immer zur deutschen Nationalmannschaft bekannt, aber eigentlich wäre er froh, wenn er für die Auswahl keine Zeit hätte. Das würde nämlich bedeuten, dass er mit seinem Verein, den Edmonton Oilers, im Kampf um den Stanley Cup vertreten wäre. Den will er nämlich gewinnen, da will er auf den Spuren seine Vorbilds, dem größten NHL-Star aller Zeiten, Wayne Gretzky, wandeln. Der war bei den Oilers ein Held. Peter Draisaitl hat in diesem Jahr seinen persönlichen Höhepunkt erlebt, er war Skorerkönig der Liga und jetzt wertvollster Spieler. Er ist erst der zweite deutsche Profi, der in einer Profi-Liga in Amerika geehrt wurde, er folgt dem Basketball-Star Dirk Nowitzki, der 2006/07 ausgezeichnet wurde. Aber der 24-Jährige hat wohl keine Chance, in Deutschland eine ähnliche Popularität wie Nowitzki zu erlangen.

Zumindest hat der Kölner den Vorteil, dass in Nordamerika Eishockey gespielt wird und auch die neue Saison geplant wird. Dass sie ausfallen könnte, gilt als unwahrscheinlich. Amerika, Du hast besser, könnte man sagen, wenn die Amerikaner nicht so einen idiotischen Präsident hätten. Donald Trump ist vielleicht die einzige Unwägbarkeit, weil er mit seinen seltsamen Entscheidungen sogar den Sport in Gefahr bringen könnte. Aber das ist Politik, wollen wir so ein düsteres Szenarie gar nicht in den Raum stellen.

Übrigens: Peter Draisaitl gehört auch in Sachen Gehalt zur Spitze des deutschen Sports. Eine am Sonntag veröffentlichte Rangliste der bestverdienenden deutschen Athleten und Athletinnen listet Draisaitl mit 7,5 Millionen Euro Jahresgehalt auf Rang 10 auf. Spitzenreiter ist Formel-1-Star Sebastian Vettel mit 35 Millionen Euro vor Fußball-Star Toni Kroos (20 Mill.). Nur Basketball-Star Dennis Schröder in der NBA (13 Mill.) und sechs weitere Fußballer (Özil, Neuer, Müller, Sané, Boateng, Gündogan) liegen noch vor Draisaitl. Der NHL-Star muss um seine Zukunft nicht bangen.

Der Spaß am Fußball ist zurück

Kann ein erster Spieltag bedeutend sein? Angesichts der seltsamen Saison 2020/21 in der Fußball-Bundesliga schon. Allerdings stand nicht der Sport im Vordergrund, sondern diesmal waren es die Zuschauer, die erstmals wieder in diesen Coronazeiten wieder ein Spiel besuchen durften. Zwar nicht überall und nur in reduzierter Zahl, aber doch mit Wucht und es gibt nur eine Meinung: Der Spaß am Fußball ist zurück! Dort, wo Fans auf den Rängen zu sehen waren, hieß es: „Schön, dass ihr wieder da seid!“ Allerdings monierten in dem einen oder anderen Fall die Spieler schon wieder Unmutsäußerungen von den Rängen. Mancher Fan dagegen dachte sich wohl: Endlich wieder pfeifen.

Aber auch sportlich könnte es ein außergewöhnlicher erster Spieltag gewesen sein. Es ist zwar ein Stück voreilig, jetzt schon, nachdem insgesamt 34 Spieltage zu absolvieren sind, von Weichenstellungen zu reden, aber es gab handfeste Hinweise. So zum Beispiel, dass das Spitzentrio nicht gewillt, die Plätze an der Sonne abzugeben. Bayern München machte mit einem furiosen 8:0 gegen Schalke den Auftakt, Dortmund zog mit Tempo-Fußball beim 3:0 gegen von Verletzungen gebeutelte Gladbacher nach, Leipzig zeigte sich souverän beim 3:1 gegen Mainz. Langweilig muss es an der Spitze nicht werden, vor allem die jungen Spieler bei Dortmund weckten die Neugier. War es ein Ausnahme? Zeigen sie es immer? Was, wenn der Tempo-Fußball von Bayern und Borussia aufeinander trifft? Wir werden es schon am 30. September beim Supercup in München sehen. Bei beiden Klubs heißt es „Jugend forsch“.

Handfeste Hinweise aber auch am Tabellenende. Schalke 08 wird es künftig oft heißen, ohne dass deswegen eine Moderatorin ihren Arbeitsplatz verliert. Und bei Werder Bremen schütteln alle den Kopf nach dem Aussetzer gegen Hertha BSC und der 1:4-Niederlage. Ja, geht das denn schon wieder los? Vor einem Jahr galt sogar die Europa League als Ziel, jetzt wollte Werder nach dem glücklichen Klassenerhalt nur in Ruhe arbeiten – schon vorbei. Der Spielplan ist glücklich: Schalke und Werder treffen aufeinander, dass Duell der Enttäuschten und Enttäuschenden als „Topspiel des Tages“ am Samstag. Manche Planung sorgt dann doch für Ironie. Allerdings: Für Schalke vielleicht die leichteste Aufgabe an den ersten fünf Spieltagen.

Doch das war es noch nicht mit den Hinweisen. Köln unglücklich beim 2:3 gegen Hoffenheim, Union Berlin uneffektiv beim 1:3 gegen Augsburg (das zweite Jahr gilt als das Schwerste, obwohl die Statistik anderes aussagt), Bremen und Schalke sowieso von der Rolle – der Kampf um den Klassenerhalt hat mancherorts bereits begonnen. Augsburg machte diesbezüglich „big points“, Aufsteiger Bielefeld bewies mit dem 1:1 in Frankfurt dass man die Rolle von Union vom Vorjahr spielen kann, Mit-Aufsteiger Stuttgart haderte beim 2:3 gegen Freiburg über die Unerfahrenheit. „Stuttgart wird noch manchem Probleme bereiten,“ tröstete Christian Streich, der Trainer vom Gegner. Mit solchem Lob ist mancher schon abgestiegen…

Also, der erste Spieltag machte Lust auf mehr, der Spaß am Fußball und an der Bundesliga ist zurück, da sollte uns der zweite Spieltag nicht enttäuschen. Leverkusen – Leipzig heißt das Schlagerspiel mit der Prüfung von zwei Spitzenteams oder solchen, die es sein wollen. Dortmund in Augsburg und die Bayern in Hoffenheim sollen zeigen, ob das mit dem Tempo immer stimmt. Bielefeld – Köln ist schon ein Duell im Abstiegskampf und dann haben wir eben noch das „Top-Spiel“, Schalke und Bremen sollten ihre Leistung der Bedeutung anpassen. Übrigens: Hertha BSC und der FC Augsburg werden sich die Tabelle vom ersten Spieltag ausschneiden: Beide liegen auf einem Platz für die Champions League. Wie wird es am Ende ausschauen? Der erste Spieltag hat nie die Tabellenkonstellation wie der letzte. Eine Ausnahme höchstens: Bayern ist Erster.

Das Ärgernis Supercup in Budapest

Der Europäische Fußball-Verband UEFA ist dabei, sich zu blamieren. Wenn es in den nächsten Tagen nicht ein Umdenken gibt, dann bleibt das Spiel um den UEFA-Supercup am Donnerstag in Budapest ein Ärgernis. Die beiden Rivalen Bayern München als Sieger der Champions League und FC Sevilla als Gewinner der Europa League müssen wohl antreten, können jedoch in einer „Blase“ reisen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Aber das rund 20.000 Zuschauer in einer Stadt, die von Deutschland als Corona-Risikogebiet eingestuft wird, im Stadion sein sollen, ist unbegreiflich. Von Bayern sollen sich angeblich 2100 Fans auf den Weg nach Budapest machen, sie können sich vorher beim Verein kostenlos einem Corona-Test unterziehen, ebenso nach der Rückkehr. Eine reibungslose Rückkehr ist möglich, weil sie bei einem Aufenthalt von höchstens 48 Stunden nicht in Quarantäne müssen. Aber die Ansteckungsgefahr ist groß und ebenso groß ist deshalb das Unverständnis, dass die UEFA angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und sogar in der ganzen Welt nicht den sicheren Weg wählt und auf Zuschauer verzichtet. Wichtig für den Verband ist doch nur das Spiel selbst, damit die TV-Einnahmen fließen. Übrigens dazu passt die nächste Kolumne: „Reden wir über Geld“.

Dass die Bayern in dieser Saison eine einzige Hetzjagd absolvieren müssen, ist bekannt. Spannend ist die Frage, wie Trainer Hansi Flick darauf reagiert. Die besten Spieler können nicht alle Spiele absolvieren und deshalb wird es interessant sein, zu sehen, ob Flick rotiert oder nicht. Soll der Gewinn des Supercups das Triple vergolden und wird der eine oder andere Stammspieler dafür am Sonntag in Hoffenheim geschont oder heißt es „Augen zu und durch“? Wie groß ist der Ehrgeiz, dass die Serie der ungeschlagenen Spiele weiter anhält? Nächste Woche wartet ja schon wieder der deutsche Supercup gegen Dortmund (siehe oben). Das mit der Hetzjagd ist ja nicht nur so dahingeredet.

Beide Kontrahenten haben je einmal die Trophäe schon hoch gehalten, Sevilla 2006 nach einem 3:0 gegen den FC Barcelona, die Bayern 2013 als Triple-Sieger nach einem 5:4 nach Elfmeterschießen gegen Chelsea London. Diesmal sollte hinterher nur nicht Corona als Sieger bezeichnet werden.

Reden wir über Geld

Das passt ja wie die Faust aufs Auge: Vor dem Start der Fußball-Bundesliga diskutieren sie in der Öffentlichkeit schon lange, intern in den nächsten Woche über die Verteilung der TV-Gelder international und national. Wenn es heißt „reden wir über Geld“ ist natürlich besondere Brisanz drin. Über Geld redete jetzt auch das amerikanische Forbes-Magazin, es stellte nämlich wieder eine Liste der bestverdienenden Fußball-Profis auf. Und da werden manche geschluckt haben, dass mit Bayern-Torjäger Robert Lewandowski auch ein Bundesliga-Spieler unter den Top Ten zu finden ist. Mit 28 Millionen Dollar an Gehalt und Werbeeinnahmen ist er als Neunter aber eine armer Schlucker gegenüber der Spitze, die Barca Lionel Messi mit 126 Millionen vor dem ewigen Rivalen Cristiano Ronaldo (117, das wird ihn ärgern) und Neymar (96, diesbezüglich also nicht der teuerste Spieler der Welt) anführt. Im deutschen Fußball haben wir da immer noch eine andere Geld-Welt.

Imposant sind die Summen allerdings schon, welche die DFL für die Bundesliga kassiert. In der Saison 2019/20 waren es 1,216 Milliarden Euro an nationalen und 252 Millionen Euro an internationalen TV-Einnahmen an die 36 Profi-Klubs. Die Verteilung der Gelder ist kompliziert, fußt aber größtenteils auf dem Leistungsprinzip. Und genau dagegen lehnen sich vor allem die kleineren Vereine mit dem geringeren Budget auf, weil die Schere zwischen Armen und Reichen immer größer wird. Hier wird eher an eine Sozialkasse appelliert, dass doch Bayern und Co. von ihrem Reibach abgeben sollten. Das gipfelt in der Forderung von Kölns Sportvorstand Horst Heldt, dass doch die Vereine, die an den europäischen Wettbewerben teilnehmen und Prämien kassieren, von der Verteilung der internationalen Fernsehgelder ausgeschlossen werden sollen. Andere Forderungen gehen sogar so weit, dass zum Beispiel die Bayern von den 135 Millionen, die sie in der Champions League kassiert haben, in den deutschen Topf abgeben sollen. So weit die Sozialkasse, die das Leistungsprinzip außer Kraft setzt.

Eines sollte man wissen, bisher war die Verteilung der Fernsehgelder schon gestaffelt, als Basis wurden 54 Prozent der nationalen TV-Gelder gleichmäßig aufgeteilt. Aber es gibt eben zwei Szenarien: Wer weniger hat, schreit, er will mehr, wer viel hat, will nicht abgeben. Aber die Spitzenklubs sind ja nicht von heute auf morgen in ihre bevorzugte Position gekommen, sondern sie haben sich diese durch Erfolge erarbeitet. Da steht eigentlich jedem Verein die Tür offen. Gerade die Kritiker aus Köln, Mainz oder Düsseldorf müssen sich sagen lassen, dass sie vielleicht nicht so gewirtschaftet haben, um Erfolge aufbauen zu können. Sie sollten sich Gladbach als Beispiel nehmen, dass vor einigen Jahren noch in Abstiegsnot war, jetzt aber zu den Spitzenklubs gehört und wieder Champions League spielt. Gute Arbeit wird belohnt – nachmachen!

Die kleineren Vereine dürfen nie vergessen, dass zum Beispiel die Bayern oder Dortmund viel für das positive Image der Bundesliga leisten, siehe Münchens Triumph in der Champions League. Der derzeit beste Verein der Welt lenkt das Interesse auf die Bundesliga. So macht auch Dortmunds Boss Watzke deutlich: „Am Ende profitieren alle vom Erfolg der Spitze, diese Zugmaschinen dürfen nicht geschwächt werden.“ Eine Gleichschaltung aller hat sowohl in der Wirtschaft als auch im Sport noch nie zum Erfolg geführt.

„Reden wir über Geld“ heißt es also in nächster Zeit in der Bundesliga, wobei ja interessant ist, dass im neunköpfigen DFL-Präsidium die kleineren Vereine (Freiburg, Köln, St. Pauli, Kiel, Darmstadt) mit 5:4 Stimmen in der Überzahl sind. Der Verteilungskampf wird interessant.

Über Geld reden könnte man übrigens auch mit dem ZDF, dass ein paar Millionen für die Rechte bezahlt, Zusammenfassungen im Aktuellen Sportstudio am Samstag senden zu können. Wenn die Sendung allerdings ausgerechnet am ersten Spieltag erst um 23.30 Uhr beginnt, da darf man sich schon fragen, ob das Geld gut angelegt ist bzw. wie die Verantwortlichen mit dem Geld umgehen. Jedenfalls wird eine gute Zuschauerquote hergeschenkt, mit anderen Worten, bei diesen Sendezeiten (es ist ja kein Einzelfall) hätte man sich das Geld schenken können.

Reden wir über Zuschauer

Zum Bundesliga-Start wird aber eher nicht über das Geld, sondern mehr über die Zuschauer geredet. Prima, sie dürfen zumindest teilweise zurück. Zwar geht das Eröffnungsspiel ohne Zuschauer über die Bühne, weil die Corona-Infektionszahlen in München zu hoch sind, aber generell hat sich die Politik auf rund 20 Prozent der Kapazitäten geeinigt, mit strengen Hygienevorschriften natürlich. Das gilt nicht nur für den Fußball, sondern auch für die anderen Profi-Sportarten wie Handball, Basketball, Eishockey oder Volleyball. Dies sind allerdings Sportarten, die nicht wie der Fußball von TV-Geldern leben, sondern neben Werbe- und Sponsoren-Einnahmen vor allem von Eintrittsgeldern. Deshalb sind sie teilweise nicht glücklich und fordern eine weitere Lockerung. Aber da sind wir auch wieder beim Geld: Geht Gewinn vor Vorsicht bzw. Gesundheit?

Gut, Zuschauer im Stadion sollen das echte Fußballgefühl wieder zurückbringen. Aber deshalb Risiko eingehen? Die UEFA will beim Supercup am 24. September in Budapest beim Duell der Sieger von Champions- und Europa-League, Bayern München gegen FC Sevilla, 20.000 Zuschauer ins Stadion lassen, je 3000 Fans von den Vereinen und 14.000 einheimische Besucher. Nur: Die Hauptstadt Ungarns gilt als Corona-Hotspot, die deutsche Regierung hat eine Reisewarnung ausgesprochen. Kann man da guten Gewissens nach Budapest reisen? Und obwohl die Spieler in ihrer Blase leben, sind sie nicht dennoch hoch gefährdet? Das Horrorszenarie: Nach dem Spiel muss der gesamte Bayern-Tross in Quarantäne! Dann reden wir nicht mehr über Geld und Zuschauer, sondern nur noch über Corona und Leichtsinn.

Auf geht’s: Die Fußball-Hetzjagd beginnt

„Die Bayern-Fans müssen in diesem Jahr tapfer sein“ hieß es vor einem Jahr an dieser Stelle. Die Realität hat diese Prognose bestätigt, allerdings anders als gedacht. Es war sportlich gemeint, doch den Umbruch haben die Münchner nach Problemen im Herbst schließlich mit Hansi Flick als Trainer noch bestens gemeistert. Allerdings mussten die Bayern-Fans wegen Corona doch tapfer sein, weil sie die Triple-Siege nicht in den Stadien feiern konnten, sondern mehr oder weniger nur still zu Hause.

Die Pandemie hat die Welt durcheinander gebracht und natürlich auch den Fußball. Mit dem Start der Bundesliga wird es ab dem kommenden Wochenende wirklich ernst, es beginnt eine Termin-Hetzjagd ohnegleichen. Jetzt müssen nicht die Fans, sondern die Bayern-Spieler tapfer sein, denn längere Ruhepausen sind bis nach der Europameisterschaft, die vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 ausgetragen werden soll, nicht vorgesehen. Die Bundesliga endet am 22. Mai, die Winterpause fällt aus, drei Tage vor Weihnachten wird am 21. Dezember noch gespielt, einen Tag nach Neujahr, am 2. Januar geht es wieder weiter. Der Jahreswechsel wird also nicht gefeiert, sondern besser verschlafen.

„Auf geht’s“ gilt in diesem Corona-Jahr nicht für die Wiesn in München, die bekanntlich ausfällt, sondern für die Hetzjagd der Fußball-Profis. Ein Beispiel für die Terminnöte: Die Bayern haben sich auf die Verlegung des Pokalspiels gegen Oberligist 1. FC Düren auf Donnerstag, 15. Oktober, eingelassen. Nach dem Endspiel in der Champions League sollte den Spielern ein kurzer Urlaub gewährt werden, der DFB verschob das Spiel, ein anderer Termin als der 15. Oktober wurde offensichtlich nicht gefunden. Bereits 44 Stunden danach treten die Münchner allerdings bereits wieder in der Bundesliga bei Aufsteiger Arminia Bielefeld an, zwei Tage vorher spielt Deutschland in der Nations League in Leipzig gegen die Schweiz, wohl mit Bayern-Stars, Frankreich (vier Bayern möglich), Österreich (Alaba) und Polen (Lewandowski) spielen sogar erst am Mittwoch! Mit welchem Team werden die Bayern also gegen Düren antreten? Der Oberligist könnte seine Chance wittern – in der Allianz Arena!

Diese Hetzjagd macht deutlich, dass die Saison 2020/21 eine andere werden wird als normal. Ob dies am Ende auch sportlich gilt? Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn die Bayern nicht Meister werden würden, sondern eben müde darniederliegen. Freilich, alle Teams mit internationalen Aufgaben müssen eine Hetzjagd überstehen, aber die geballte Macht trifft doch die Bayern am meisten. Ein entsprechender Kader ist notwendig, die Rotation fast schon Pflicht. Aber Überraschungen sind also Tür und Tor geöffnet. Vielleicht nutzt schon Schalke 04 im Auftaktspiel am Freitag die Chance, weil die Bayern bis dahin wenig Training haben und kaum in Form sein können. Aber das Eröffnungsspiel wollten sie sich nicht nehmen lassen.

Dennoch haben alle davor Angst, dass die Langeweile Bestand haben wird und die Bayern den neunten Titel in Folge einfahren. Borussia Dortmund will sich nicht noch einmal hinreißen lassen, die Münchner verbal herauszufordern, denn von der Qualität der Mannschaft hätten sie es drin. Misstrauen die Bosse ihrem eigenen Trainer Lucien Favre, dem nicht zugetraut wird, in seinem Team die Begeisterung zu wecken, die für einen Coup notwendig ist? Auch in der besonderen Saison bleiben also die üblichen Einordnungen, Leipzig, Gladbach und Leverkusen gelten als die weiteren Anwärter auf die Plätze für die Champions League, der Verlierer aus diesem Trio muss sich mit der Europa League begnügen, die vor allem Hertha BSC, Wolfsburg, Hoffenheim und Frankfurt anstreben.

Dahinter beginnt schon der Kampf um den Klassenerhalt. Nicht einmal der letztjährige Achte, der SC Freiburg, will nach den Sternen greifen, sondern bleibt bei der gewohnten Zurückhaltung, „es geht nur um den Klassenerhalt“. Worte, die auch beim Überraschungsteam des Vorjahres, Union Berlin, fallen ebenso wie beim Rest des Feldes, in Mainz, Köln, Augsburg, Bremen und sogar auf Schalke und natürlich bei den Aufsteigern aus Stuttgart und Bielefeld. Die wahre Spannung in der Bundesliga gibt es also in der unteren Tabellenhälfte. Wobei da die Frage ist, wie sich die Aufsteiger schlagen, Stuttgart hat eine junge und unerfahrene Mannschaft, Bielefeld könnte als Zweitliga-Meister eine ähnliche Rolle wie zuletzt Union Berlin spielen. Ein böses Erwachen könnte es für Schalke geben, das unter finanziellen Nöten und schwacher Führung leidet, und für Köln, das bis jetzt kein bundesligareifes Team hat. Manche Fans müssen in diesem Jahr auf jeden Fall wieder tapfer sein.

Wegen den Terminverschiebungen durch Corona starten auch die 2. Bundesliga und die 3. Liga zusammen mit dem Oberhaus, sie müssen also auf ein Alleinstellungsmerkmal und erhöhte Aufmerksamkeit verzichten. Die 2. Bundesliga kann immerhin für sich in Anspruch nehmen, dass sie fast mehr Traditionsklubs aufzuweisen hat als das Oberhaus selbst. Vor allem der einstige Bundesliga-Dino Hamburger SV möchte endlich zurück in die erste Liga. Das Ziel hat auch Hannover, Düsseldorf hofft auf die sofortige Rückkehr, während Nürnberg bescheidener ist und nur keine Angst vor dem Abstieg haben will.

Hertha macht sich im Pokal lächerlich

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das trifft vor allem auf Hertha BSC Berlin zu, da der Verein über Sponsor Lars Windhorst zur Bundesliga-Spitze gehören und „Big City Club“ werden will. Da passt das 4:5 im Pokal beim Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig gar nicht ins Konzept, die Hertha machte sich lächerlich, die Leistung war eine Katastrophe. Schön, dass auch Amateure wieder für Paukenschläge sorgten. Die Regionalligisten Ulm und Elversberg schalteten die Zweitligisten Aue und St. Pauli aus. Da lohnten sich für sie die Heimspiele, viele verlegten ihre Partien ja zu den Proficlubs. Eine schlechte Meldung gab es durch den DFB, der die Prämie wegen der Verluste durch Corona kürzte, so gibt es nur 138.000 Euro statt 175.000 in der ersten Runde, dennoch ein Batzen Geld für die kleineren Vereine.

Ein Ärgernis aber überschattete die erste Runde im Pokal. 72 Stunden vor dem Anpfiff kippte ein Gericht das Spiel von Schweinfurt auf Schalke. Türkgücü München hatte den Spruch per gerichtliches Eilverfahren erwirkt. Das Landgericht München stoppte die Begegnung per einstweilige Verfügung. Das Problem: Richterin Dr. Gesa Lutz ignorierte die vorher getroffenen Vereinbarungen und Satzungsänderungen, die vom Bayerischen Fußball-Verband mit Zustimmung der Vereine bereits im Mai getroffen wurden. Im Entscheidungsgremium saßen Richter und Anwälte. Weil die Saison der Regionalliga unterbrochen wurde und ein Aufsteiger gemeldet werden musste, erhielt Türkgücü als Tabellenführer den Zuschlag und wurde aus der Wertung der Regionalliga genommen, weil die Saison am 19. September fortgesetzt werden soll. Dadurch war jetzt der Zweite Schweinfurt 05 Tabellenführer und wurde vom BFV für den DFB-Pokal gemeldet. Türkgücü hätte also genug Zeit gehabt, sich gegen diesen Entscheid zu wehren, Präsident und Geldgeber Hasan Kivran setzte wohl auf einen Überraschungscoup und hoffte auf Schlagzeilen. Sportlich war das nicht, sondern nur ärgerlich. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider tappte zudem in die Falle und kritisierte den BFV für dieses Urteil, er zeigte sich damit als uninformiert und wurde seinem Posten in keinem Fall gerecht. Vielleicht kein Wunder, dass Schalke solche Probleme hat…

1000 Grand Prix von Ferrari: Eher Tränen statt Freude

Ein Nachbar fährt einen (natürlich) roten Ferrari. Das Röhren des Straßenflitzers war nicht zu überhören, wenn er an schönen Wochenenden die Garage verlassen durfte. Stolz wurden ein paar Runden gedreht, die Nachbarschaft sollte wohl ein bisschen neidisch werden. Das Röhren ist aber schon lange nicht mehr zu hören. Hat er den Flitzer verkauft? Oder muss der Ferrari jetzt in der Garage bleiben, weil es derzeit keine Neider, sondern höchstens Spötter geben würde, nach dem Motto: „Was, Du fährst so eine Schrottkiste?“

Ferrari ist ein Trauerfall, dabei sollten am Sonntag alle Ferrari-Fans strahlen, der 1000. Grand Prix der einst so erfolgreichen Scuderia steht an. Die Bosse der Formel 1 haben das Rennen eigens auf die Hausstrecke des Rennstalls nach Mugello vergeben. Doch Freude will nicht aufkommen, der Bolide mit der Jubiläumsbezeichnung SF 1000 ist kein flotter Flitzer, sonder eine lahme Ente. Es werden in diesem Jahr keine Preise eingefahren, sondern man kann sich eher nach Schrottpreisen erkundigen. Das Schlimme dabei ist, dass Teamchef Mattia Binotto und sein Team einen hilflosen Eindruck machen und eine Besserung nicht in Sicht ist. So schwelgt man am Sonntag wohl eher in Erinnerungen, zum Beispiel an Michael Schumacher, der von 2000 bis 2004 fünf Titel in Serie holte. Heute liegt Ferrari in der Konstrukteurswertung gerade mal auf Rang sechs.

Die Fahrer sind natürlich die Leidtragenden, wenn das springende Pferd von Ferrari keine Sprünge mehr macht. Sebastian Vettel kann das inzwischen egal sein, bei ihm kommt wohl eher heimliche Freude auf, dass er die Leiden mit Ferrari hinter sich lassen kann. Binotto wollte den Deutschen nicht mehr, der nicht den Eindruck machte, als könnte er die Erfolge von Schumacher zurückbringen. Doch der hatte damals wohl ein besseres Team um sich und damit auch ein besseres Auto. So wird Vettel die Ausnahme sein, der sich auf das 1000. Rennen von Ferrari freut, weil er weiß, dass er nächstes Jahr voraussichtlich in einem schnelleren Auto sitzen wird. Er wechselt zu Aston Martin, der legendäre Hersteller übernimmt den Rennstall Racing Point, der gerade mit Platz drei in Monza auf sich aufmerksam machte und zwei Plätze vor Ferrari in der Team-Wertung rangiert. Also Trauer wird bei Vettel nicht aufkommen.

Nicht nur die Ferrari-Fans hoffen darauf, dass aus der lahmen Ente wieder ein Siegerauto wird. Ferrari braucht Siege, die Formel 1 braucht Ferrari. Nicht umsonst hieß es früher, Ferrari ist bedeutender als der Grand-Prix-Sport selbst. Die Italiener produzieren seit den 50er Jahren sensationelle Sportwagen, die Strahlkraft ist eigentlich ungebrochen, bei einer Umfrage nach der beliebtesten Marke in 70 Jahren Formel 1 liegt Ferrari mit 60 Prozent weit in Führung vor Mercedes mit 13 Prozent. Die Grand-Prix-Bilanz spricht auch für sich, 1000 Rennen, 238 Siege, 16 Team- und 15 Einzeltitel. So gibt es ein Strahlen über glorreiche Vergangenheit, aber leider nur Tränen über die triste Gegenwart mit einem schwachen Motor und katastrophaler Aerodynamik. Dort, wo Ferrari draufsteht, ist kein echter Ferrari drin. Ein trauriges Jubiläum.

Jogi Löw belügt sich selbst – Keine Pokal-Festtage für die Amateure

Der Tatort in der ARD besiegte in der Gunst der Fernsehzuschauer am Sonntag die Fußball-Nationalmannschaft im ZDF. Über 8 Millionen Zuschauer entschieden sich für den Krimi, nur rund 6,5 Millionen waren der Meinung, das Länderspiel gegen die Schweiz könnte spannender sein. Diese Zahlen verdeutlichen den Werteverfall der DFB-Elf, einst ein zuverlässiger Quotengarant im Fernsehen. Aber: Gute Länderspiele sind selten geworden, der Spaß blieb zuletzt auf der Strecke zwischen Corona-Pandemie, Geisterspielen und zur Nations League aufgemotzten Freundschaftsspielen. Nur noch Großereignisse wecken Interesse oder wenn es wirklich um etwas geht. Bayern Münchens Sieg in der Champions League sahen über 12 Millionen Zuschauer.

Dazu kam, dass sich Bundestrainer Joachim Löw nicht als pflichtbewusster Werbeträger des Verbandes präsentierte. Ganz im Gegenteil, er beschwerte sich über den Terminkalender, über den Stress und stellte Experimente über den sportlichen Erfolg. Dabei merkt der Bundes-Jogi gar nicht, dass er sich selbst widerspricht und belügt. Herausgekommen sind zwei 1:1 gegen Spanien und die Schweiz, die Spiele waren nur zum Teil ansprechend und die naheliegende Rotation hat Löw gescheut. Deutschland ist in der Nations League bisher nach sechs Spielen immer noch ohne Sieg – eine Bilanz, die den Trainer in Frage stellen könnte. Löw hat dennoch eine erfolgreiche Zukunft im Auge: „Bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land wollen wir eine siegfähige Mannschaft haben.“ Bis dahin kommen die TV-Quoten bei dieser Entwicklung im Keller an. Oder es gibt ein Oktober-Fest, am 10. Oktober in der Ukraine oder spätestens drei Tage später in Köln soll der erste Sieg in der Nations League her.

Gut, es gibt Entschuldigungen für Löw. Eine vernünftige Vorbereitung auf die Länderspiele war nicht möglich, viele Spieler waren nicht fit, andere kamen gerade aus dem Urlaub, Spielpraxis war Mangelware. Die Gegner hatten allerdings die gleichen Probleme. Vernunft ließ Löw walten, als er auf die in der Champions League strapazierten Spieler aus München und Leipzig verzichtete. Die dürfen sich jetzt doppelt als Gewinner sehen, denn keiner der Konkurrenten auf dem Feld kann Stammplatzansprüche stellen. Es gab mehr Fragezeichen als Antworten.

Jogi Löw muss sich vor allem auch die Frage stellen, ob sein geliebter Toni Kroos wirklich der große Chef im Mittelfeld ist. Zusammen mit Ilkay Gündogan bildete er zweimal die Mittelfeldachse, doch dominant waren sie nicht, sie übernahmen keine Führung, vor allem verbal nicht. Da fehlte ein Antreiber wie Joshua Kimmich, der im Verbund mit Leon Gorotzka bei Bayern Tempo reinbringt. Überhaupt, Löw sollte sich seinen einstigen Assistenten Hansi Flick zum Vorbild nehmen und das Bayern-Spiel auf die Nationalmannschaft übertragen. Bei Neuer, Kimmich, Gorotzka und Gnabry sowie Süle und Sané, die trotz mangelnder Fitness positive Akzente setzten, weiß er, was er hat. Dagegen weiß er bei Julian Draxler was er nicht hat und es könnte sein, dass der für Vertragsverhandlungen freigestellte Kai Havertz ebenso als ewiges Talent endet, das die Hoffnungen nicht erfüllen kann. Ein Fragezeichen bleibt auch Timo Werner, einen echten Mittelstürmer bzw. Torjäger wird Jogi Löw womöglich noch oft vermissen, weil ohne Tore Siege Mangelware sein werden. Erstaunlich ist, dass Löw die Chance verstreichen ließ, weitere Kandidaten aus der zweiten Reihe zu testen, zumal er ja auf eine gewisse Schonung der Spieler bedacht sein wollte.

Übrigens haben sich die Verantwortlichen rund um die Nationalmannschaft selbst ins Knie geschossen, dass sie die Mannschaft von Stuttgart zum nur rund 250 Kilometer entfernten Basel fliegen ließen. Der DFB hat sich vermehrt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgesprochen, praktiziert es aber nicht. Ein schwaches Argument, dass eine Busfahrt die Fitness der Spieler beeinträchtigen würde. So waren die Länderspiele keine Werbung, sondern eher Anti-PR für den Verband. Nicht nur Löw hat sich also selbst belogen.

Amateure gehen lieber auf Reisen

Busfahrten kennen die Amateur-Fußballer zur Genüge. Sie fliegen höchstens privat in den Urlaub, aber nicht zu ihren Spielen. Busfahrten werden sie auch am kommenden Wochenende im DFB-Pokal vielfach auf sich nehmen, denn den heiß ersehnten Festtag im Pokal, wenn Bundesligisten zu Gast sind und in ein Kleinstädten und Dörfern Ausnahmezustand herrscht, wird es in diesem Jahr nicht geben. Das Virus Covid-19 raubt den Spaß, die meisten Amateurvereine sehen sich nicht in der Lage, die erforderlichen Hygienemaßnahmen zu stemmen und treten lieber beim Gegner aus dem Profibereich an. Dazu kommt, dass nur einige Vereine auch eine begrenzte Anzahl von Zuschauern zulassen können, ein Ertrag für die Klubkasse bleibt so oder so nicht übrig.

Statt dem besonderen Erlebnis zu Hause, weil der Deutsche Meister kommt, gibt es jetzt zumindest für die Spieler das Erlebnis in einer Bundesliga-Arena antreten zu können. So wie die Fußballer aus Düren, die allerdings erst am 15. Oktober bei den Bayern antreten werden, weil der Triple-Sieger erst in diesen Tagen wieder mit dem Training beginnt. Aber die Dürener freuen sich schon heute auf die Allianz-Arena. Bereits am Wochenende treten u. a. Havelse in Mainz, Celle in Augsburg, Oberneuland in Mönchengladbach, Straubing in Gelsenkirchen oder Norderstedt in Leverkusen an. Es wird also viele Busfahrten geben. Zum Glück gibt es ja seit einigen Jahren auch viel Geld, was vor allem den Amateuren hilft. 175.000 Euro gibt es für die erste Runde im DFB-Pokal und meistens tragen die Profi-Klubs die Organisationskosten in ihren Stadien selbst. Darüber hinaus könnten sie die Amateure finanzielle unterstützen, zum Beispiel bei den Fahrtkosten. Das wäre für diese wenigstens ein bisschen ein Ausgleich für das entgangene Fest zu Hause und der DFB-Pokal dann doch so etwas wie ein Lotto-Gewinn.

Die Nations League ist ein Spiel mit dem Feuer

Liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, wann die Fußball-Nationalmannschaft zum letzten Mal gespielt hat? Nein? Kein Wunder, dann müssten Sie ein wandelndes Archiv sein. Es war der 19. November 2019, als Deutschland in Frankfurt 6:1 gegen Nordirland gewann. Es sollte im März 2020 weitergehen und im Sommer stand eigentlich auch die Fußball-Europameisterschaft auf dem Programm. Pustekuchen. Jemand war dagegen, Covid 19 veränderte das tägliche Leben und stoppte auch den Fußball. Die nationalen Ligen unterbrachen ihre Punktrunden und an Länderspiele war gleich gar nicht zu denken. Bundestrainer Joachim Löw hatte das Leben eine Frührentners.

Doch so wie die Vereine, so brauchen auch die Verbände Geld. Die Nationalmannschaften sollen nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn die EM auf 2021 verschoben wurde, Länderspiele soll und muss es wieder geben, denn Geld fließt nur durch Werbung und TV-Einnahmen. Trotz Corona-Pandemie weltweit gibt es im Herbst noch drei Länderspiel-Fenster im Spielplan, jetzt im September, im Oktober und November. Die EM wurde abgesagt, aber die Nations League wird stattfinden. Dabei ist dies für die UEFA und die Beteiligten angesichts der weiter vorhandenen Infektionen mit Covid-19 ein Spiel mit dem Feuer. Im Gegensatz zu den Finalturnieren von Champions League und Europa League können hier Mannschaften und Spieler nicht in einer Blase leben, abgeschottet von Fans und Corona. Zwar wird größtenteils ohne Zuschauer gespielt, teilweise allerdings schon. Rücksichtsvoll hat die FIFA für die Vereine eine Abstellungspflicht aufgehoben, wenn Spieler in Länder reisen sollen, für die eine Reisewarnung ausgerufen wurde. Doch die Regierungen sehen die Gefahren unterschiedlich, Chaos und Ärger sind vorprogrammiert.

Dazu kommt, dass durch die Verschiebung der Saison 2019/20 in den Sommer hinein die Saison 20/21 später beginnt und für Spieler und Vereine eine Terminhatz sondergleichen ohne Winterpause stattfinden wird. Länderspiele bedeuten eine zusätzliche Belastung, auf die eigentlich verzichtet werden könnte, wenn da eben nicht die Einnahmen und das Image wären. Bayerns Nationalspieler stehen vor 57 Spielen in rund 250 Tagen! So war es mit einem Blick in die Zukunft vernünftig, dass Bundestrainer Löw für die Maßnahme im September auf die Münchner Triple-Sieger verzichtet. Neuer, Kimmich, Goretzka und Gnabry können Urlaub machen, ebenso die Leipziger Klostermann und Halstenberg, die in der CL beschäftigt waren. Gesundheit geht vor Erfolg in der Nations League, die eigentlich anstelle von uninteressanten Länderspielen zu einem ernsten Wettbewerb werden sollte, für den Bundestrainer nun doch vor allem der Talentsichtung dient.

Das Aufgebot für die Spiele gegen Spanien (Donnerstag in Stuttgart) und die Schweiz (Sonntag in Basel) erinnert eher an eine B-Mannschaft, weil auch noch Torhüter ter Stegen nach Operation fehlt. So muss die zweite Garde der Torhüter ran, Kevin Trapp (Frankfurt), Bernd Leno (Arsenal, nach Verletzung ohne Spielpraxis) und Oliver Baumann (Hoffenheim), für den sich mit 30 Jahren ein Traum erfüllt, einmal bei der Nationalmannschaft zu sein. Neulinge sind auch Robin Gosens und Florian Neuhaus (Gladbach). Die Augen werden vor allem auf Gosens gerichtet sein, der in Deutschland im Fußball nie auffiel, jetzt aber bei Atalanta Bergamo für Furore sorgte. Seine Berufung ist nur logisch. Mit dabei sind auch die Münchner Sané und Süle, die eher Spielpraxis brauchen und nicht im Urlaub weilen. Mal sehen, ob die Nationalmannschaft Freude machen kann, nachdem von einer konzentrierten Vorbereitung keine Rede sein kann. Ein paar Tage reichen nicht, damit alle Räder ineinandergreifen. Auch sportlich also ein Spiel mit dem Feuer, zumal die DFB-Elf in der Nations League noch ohne Sieg ist.

Das Aufgebot: Torhüter: Trapp (Frankfurt), Leno (Arsenal), Baumann (Hoffenheim). – Abwehr: Kehrer (Paris), Gosens (Bergamo), Ginter (Gladbach), Tah (Leverkusen), Schulz (Dortmund), Süle (Bayern), Rüdiger (Chelsea), Koch (Freiburg). – Mittelfeld/Sturm: Neuhaus (Gladbach), Draxler (Paris), Kroos (Real), Werner (Chelsea), Brandt, Can (Dortmund), Waldschmidt (Benfica), Havertz (Leverkusen), Sané (Bayern), Serdar (Schalke), Gündogan (ManCity).

Erster Wahl-Sieg für Lewandowski

Die Bayern können Urlaub machen und gewinnen trotzdem! Bei der Wahl zum „Fußball des Jahres“ trumpften natürlich die Triple-Gewinner auf. Die Wahl wird vom kicker organisiert, die deutschen Sportjournalisten geben ihr Votum ab. Für Bayern-Torjäger Robert Lewandowski war es schon mal ein guter Test, er gewann haushoch mit 276 Stimmen vor seinen Vereinskollegen Thomas Müller (54) und Joshua Kimmich (49). So hätte es der Pole gern, wenn es auch um den „Weltfußballer des Jahres“ geht. Zuletzt hatten dort Cristiano Ronaldo und Lionel Messi dominiert. Joachim Löw bringt allerdings noch einen anderen Kandidaten ins Spiel: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der hätte diese Ehrung eigentlich schon 2014 verdient gehabt, als er vor allem bei der Weltmeisterschaft das Torhüterspiel auf ein neues Niveau hob. Aber Torjäger haben halt einen Bonus, was für Lewandowski spricht, der als Torschützenkönig in Bundesliga, Pokal und Champions League zudem sein persönliches Triple feierte.

Keine Zweifel gab es auch beim „Trainer des Jahres“, da triumphierte Hansi Flick mit 223 Stimmen vor Liverpools Meistermacher Jürgen Klopp (164). „Fußballerin des Jahres“ wurde Wolfsburgs Torjägerin Pernille Harder (212 Stimmen) vor ihrer Vereinskollegin Alexandra Popp (76). Beide hätten wohl lieber am Sonntag in San Sebastian in der Champions League gewonnen.

Auch ohne Wahl ist vor allem Superstar Lionel Messi im Gespräch. Dass er den FC Barcelona verlassen will, kommt einem Erdbeben gleich. Aber so einfach, wie er es sich vorstellt, geht es wohl nicht. Seine Berater versäumten die Frist im Juni wahrzunehmen, nach der er hätte ablösefrei wechseln können. Sie vertrauten darauf, dass es im Sinne des Textes nach der Saison sein soll. Die Liga stellte nun fest, dass die Ablöse gezahlt werden muss, die ist auf 700 Millionen Euro festgelegt. Jetzt darf gestritten werden und die Gerüchteküche kocht. Wo serviert Messi künftig die Vorlagen und Tore zu Titeln? Begibt er sich in die Höhle des Löwen zu Cristiano Ronaldo nach Turin? Da kommt wohl eher eine Wiedervereinigung mit seinem einst geliebten Trainer Pep Guadiola bei Manchester City in Frage. Die Antwort weiß nur Messi selbst.

Start der Frauen-Bundesliga

Das hatten sich die Frauen des VfL Wolfsburg anders vorgestellt. Nachdem die Bayern das Triple holten, wollten die Wölfinnen nachziehen, weil sie auf das gute Omen hofften: Auch 2013 hatten sie wie die Bayern-Männer das Triple geholt. Doch daraus wurde nichts, ausgerechnet im letzten und wichtigsten Spiel der Saison musste der deutsche Meister seine erste Saison-Niederlage hinnehmen und bot beim 1:3 gegen Titelverteidiger Olympique Lyon leider eine erstaunlich schwache Leistung. So bleibt Lyon das Maß aller Dinge mit fünf Titeln, davon zuletzt vier in Folge.

Vielleicht war es sogar die letzte große Chance für einen deutschen Verein, bei den Frauen die Champions League zu gewinnen. Die Klubs im Ausland rüsten auf, zahlen gutes Geld und den deutschen Vereinen fällt es immer schwerer, internationale Stars zu holen. So verlässt jetzt auch Torjägerin Pernille Harder den VfL, sie wechselt aber eher aus privaten Gründen zu Chelsea London.

Aber auch national muss sich der VfL Wolfsburg strecken, wenn am Wochenende bereits die neue Saison der Frauen-Bundesliga beginnt, denn hier will Bayern München die Siegesserie der Norddeutschen beenden, die sechs Titel in acht Jahren holten. Die Bayern-Mädchen wollen nach 2015 und 2016 wieder mal an der Spitze stehen. Dafür haben sie sich mit Schwedens Nationalspielerin Hanna Glas und den deutschen Nationalspielerinnen Marina Hegerin, Klara Bühl und Lea Schüller wirkungsvoll verstärkt. Wolfsburg hält mit Talent Lena Oberdorf, Pauline Bremer (Manchester City) und Kathrin Hendrich (von den Bayern) dagegen. Dabei wird deutlich, dass national sich die Kräfte auf diese beiden Spitzenteams konzentrieren. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann ihr Team künftig fast aus diesen beiden Vereinen rekrutieren. Bei dieser Konstellation ist es schwer, dass die Frauen-Bundesliga für die Fans attraktiver wird.

Dabei hatten sich die Frauen erhofft, dass die Männer-Bundesliga verstärkt als PR-Lokomotive einsteigt, dies tut jetzt Eintracht Frankfurt, das die Mannschaft des 1. FFC Frankfurt übernommen hat. Der Rest ist allerdings Schweigen.