Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Rückblick 2017: Wenn der Sport zum Witz wird

Der Sport gehört für uns zum Alltag. Den Leistungssport verfolgen wir mehr oder weniger gern, Sport treiben wir, weil es uns Spaß macht und vor allem gesund ist. Also einer der guten Vorsätze für das neue Jahr: Genug Sport treiben.

Was den Profi-Sport angeht, da lieben wir die Wettkämpfe, die Spannung, die tollen Leistungen. Manchmal wird der Sport aber auch zum Ärgernis, wenn Betrug und Korruption im Vordergrund stehen und die ehrlichen Leistungen in den Hintergrund drängen. Manchmal wird der Sport aber auch einfach zum Witz. Der Rückblick auf 2017 hat also nicht Welt- und Europameisterschaften zum Inhalt, sondern einige Blicke auf das Geschehen, bei dem der Sport zum Witz wird, ohne lustig zu sein.

Zu Witzbolden wurden die Medien, als sie im November verkündeten, Deutschland habe 85 Jahre nach Max Schmeling wieder einen Schwergewichts-Boxweltmeister. Der gute Max wird sich im Grab erbost aufgebäumt haben. Der Flüchtling Manuel Charr, im Libanon geboren, angeblich seit 28 Jahren in Deutschland und mit deutschem Pass versehen, holte sich den WBA-Titel. Doch damit begann die Reihe der witzigen Begebenheiten. Die Medien feierten Charr, doch der Weltmeister ist kein richtiger Weltmeister wie Max Schmeling, sondern über ihm thront noch ein „Super-Champion“, also der wirkliche Weltmeister. Er heißt Anthony Joshua, besiegte Vladimir Klitschko und ist Champion der Verbände WBA und IBF. Das Profi-Boxen als Witzveranstaltung kennt ja nicht nur verschiedene „Weltverbände“, sondern kürt auch Weltmeister, die gar keine Weltmeister sind, weil sich damit ein Kampf besser verkaufen lässt. Das ist kein Witz, sondern eigentlich Betrug.

„Weltmeister“ Charr wiederum hat die Öffentlichkeit veräppelt. Den Titel widmete er zuerst Deutschland, seinen WM-Gürtel dann dem türkischen Präsidenten Erdogan. Dann musste Charr kleinlaut zugeben, dass er gar keinen deutschen Pass hat, zuerst hat er ihn angeblich nicht abgeholt, dann war sein Einbürgerungsantrag abgelehnt worden, dann wiederum wird er ihn gleich beantragen. So viel zu einem „deutschen“ Weltmeister, der seinen großen Titel gegen einen 44-jährigen Herausforderer verteidigen will. In Köln, „das ist meine Heimat, ich liebe Deutschland“ sagt Charr, diese Art Witze lieben wir nicht.

Ein Witz ist es auch, dass viele Ausdauersportler unter Asthma leiden. Wer mit echten Asthmakranken zu tun hat, der weiß, wie sie leiden und zu keinem Leistungssport fähig sind. Die asthmakranken Sportler wiederum, wollen nur das Medikament, das die Atemwege öffnet und für mehr Sauerstoffzufuhr sorgt. Um nicht gegen die Dopingregeln zu verstoßen, muss man also ein Attest über die Krankheit vorlegen. Das ist kein Witz, sondern eine traurige Tatsache im Profi-Sport. Den Vogel hat nun Tour-Sieger Christopher Froome abgeschossen, der positiv getestet wurde. Eine Überdosis eines Asthmamittels wurde bei ihm festgestellt. Froome selbst ist sich keiner Schuld bewusst, „mir ging es schlecht, ich brauchte eine höhere Dosis, ich habe keine Regeln gebrochen“. Hier wird der ehrliche Sport mit Füßen getreten, die Tour de France als Asthma-Kur ist nur noch eine Farce oder eben ein Witz. Merke: Wer allen davon fährt, der kann nicht ganz sauber sein… Zur Witzfigur wird auch der Radsport-Weltverband UCI, wenn er diesem Treiben nicht Einhalt gebietet. Froome müssen die Titel aberkannt werden, er befindet sich auf den Spuren von Lance Armstrong. Ihre Gemeinsamkeit: Zuerst schwer krank, dann schwer zu schlagen auf dem Rad…

Zu Witz-Figuren werden auch Politiker und Funktionäre in Russland, die finstere und besonders westliche Mächte hinter ihrem eigenen Staatsdoping vermuten. Ihre kriminellen Machenschaften wurden aufgedeckt, doch die Russen selbst sehen darin nur eine Verschwörung. Ehrliches Doping gibt es nicht. Reihenweise wurden bekanntlich russische Sportler des Dopings überführt und die Olympia-Medaillen einkassiert. „Ihr bleibt unsere Helden“ feiern linientreue russische Medien die ertappten Olympiasieger. Feiern können sie höchstens den Deal mit dem IOC, dass Russland als Nation zwar ausgesperrt wird, aber nachweislich saubere und entsprechend neutral kontrollierte russische Athleten bei den Winterspielen in Pyeongchang unter neutraler Flagge starten dürfen. Russland ist nicht dabei, aber die russischen Athleten mittendrin.

Es ist kein Witz, sondern traurig, dass der Profi-Sport immer mehr nach dem Motto ausgetragen wird „wir sind alle Betrüger, es muss ja nicht jeder gleich merken“. Da wirkt dann eine Kampagne für das Fair Play, wie die vom Fußball-Weltverband FIFA, als größter Witz.

Der deutsche Vereinsfußball in der Krise

Die alte Diskussion wird nie enden, aber die deutschen Fußball-Fans müssen derzeit ein bisschen zurückhaltend sein, wenn es darum geht, zu bestimmen, welche nationale Liga die stärkste in Europa ist. Gerne haben wir dann auf Deutschland verwiesen, doch mit solch einer Einschätzung macht man sich derzeit gegenüber England und Spanien, ja sogar Italien lächerlich. Die europäischen Wettbewerbe waren ein einziges Desaster für die Bundesliga, Deutschland landete in der UEFA-Wertung nur auf Platz elf. Der deutsche Vereinsfußball befindet sich in der Krise.

Ein Trost zum Advent, weil immer noch ein Lichtlein brennt. Das betrifft zum Beispiel die Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister derzeit auch die Nummer 1 der Weltrangliste ist. Die Ausnahme ist auch Bayern München, das sich mit dem 3:1-Sieg über Paris St. Germain nach dem blamablen 0:3 im Hinspiel mit der verunglückten Ancelotti-Aufstellung wieder international rehabilitiert hat. Traurig aber, dass der deutsche Meister als einziger Bundesligist ins Achtelfinale der Champions League (CL) einzog. In der Europa League (EL) schieden zudem alle Bundesligisten sang- und klanglos aus, so dass nur die CL-Absteiger Dortmund und Leipzig in der EL vertreten sind.

Die aktuelle Jahres-Rangliste der UEFA spricht Bände. England vor Spanien und Italien, Deutschland, in der Fünfjahreswertung immerhin noch Vierter, aktuell nur Elfter – hinter der Ukraine, Zypern, Türkei und Österreich. Da darf keiner sagen, das liege – mit Blick auf die reichen englischen Vereine – am Geld. Gegenüber den genannten Nationen sind die deutschen Klubs wohl finanziell besser ausgestattet. Es fehlte den EL-Vertretern Hoffenheim, Hertha BSC Berlin und 1. FC Köln vor allem an Ehrgeiz und Siegeswillen. Sie sahen die EL als Spaß an, als Abwechslung zum Bundesliga-Alltag, der absoluten Vorrang genießt. Bei dieser Einstellung brauchen wir nie mehr davon sprechen, die Bundesliga könne die Nummer 1 in Europa sein.

England macht es vor, die Vereine der Premier League haben die Gelder des Fernsehens und der Sponsoren wohl doch gut investiert. Fünf Klubs starteten in der CL, alle fünf sind jetzt im Achtelfinale immer noch dabei, vier davon qualifizierten sich als Gruppensieger. In 30 Spielen gab es 21 Siege und nur drei Niederlagen. Die Bilanz von München, Dortmund und Leipzig ist mit 7 Siegen (davon allein fünf die Bayern, zwei Leipzig), 3 Unentschieden und 8 Niederlagen negativ! In der Europa League sah es nicht besser aus: Nur 4 Siege, 4 Remis, 8 Niederlagen. Gut Nacht deutscher Fußball. Deutsche Urlauber werden sich in Österreich etwas anhören dürfen, bei der besseren Bilanz des Nachbarn.

Es muss ein Umdenken bei den Klubs der Bundesliga geben. Die internationalen Wettbewerbe müssen mit allem Ehrgeiz bestritten werden, auch die Europa League muss angenommen werden. Es wirkt noch immer nach, dass „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seiner unnachahmlichen Art den zweitklassigen Wettbewerb einst als „Cup der Verlierer“ bezeichnet hat. Seltsam ist nur, dass während der Saison die Vereine nach den Plätzen für Europa schielen. Nur deshalb, weil sie dann sicher sein können, mit dem Abstiegskampf nichts zu tun zu haben? Auch in der EL lässt sich gutes Geld verdienen, man muss dafür allerdings auch etwas tun.

Bleibt das Umdenken aus, wird sich Deutschland bald aus der Zone der privilegierten Nationen verabschieden, nämlich Rang der 4 der Jahreswertung gegen Frankreich oder Russland verlieren und damit auch vier fixe Starter in der Champions League. Dann allerdings ist das Geschrei in der Liga wieder groß.

Vielleicht gibt es ein bisschen Wiedergutmachung schon in den K.o.-Spielen im Frühjahr, wenn Bayern München der Konkurrenz trotzt, Borussia Dortmund zu alter Stärke zurückfindet und Punkte in der EL holt und RB Leipzig im Lernprozess weiter kommt und die Überraschung gegen Neapel schafft. Auch für die Bundesliga gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ob nur ein vorübergehendes Tief oder eine echte Krise werden wir im nächsten Jahr sehen. Doch von der Bundesliga als bester Liga in Europa wollen wir nicht mehr reden. Da lässt England grüßen.

Das IOC zwischen Angst und Verantwortung

Mit Spannung war die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Hinblick auf die Vorwürfe des staatlichen Dopings von Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erwartet worden. Im Hintergrund glühten die Drähte, um zu ergründen, wie ein salomonisches Urteil aussehen könnte, das die 14-köpfige Exekutive des IOC schließlich auch traf. Das IOC zwischen Angst und Verantwortung, Russland für Doping-Betrügereien sanktionieren, aber dennoch nicht gänzlich auf den Fuß steigen. Der Kompromiss, dass Russland als Mannschaft ausgeschlossen wird, einzelne russische Athleten aber starten dürfen, wenn sie den Nachweis erbringen, dass sie unbelastet sind, sieht nach einem Kuhhandel im Hintergrund zwischen IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin aus.

Die Beweise für das staatliche Doping unter Einbeziehung des Geheimdienstes müssen erdrückend sein, sonst hätte Russland die Suspendierung nicht angenommen. Das Donnerwetter aus Moskau war pflichtgemäß inszeniert, Putin sorgte dafür, dass die unangenehmen Schlagzeilen national in den Hintergrund gedrängt wurden, weil er punktgenau seine erneute Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen kundtat. Am Ende konnte sich IOC-Präsident Bach für die konsequente Haltung des IOC feiern lassen, während man in Russland wohl zur Tagesordnung übergehen wird, nach dem Motto „alles nicht so schlimm“, machen wir weiter, wir dürfen uns nur nicht mehr erwischen lassen. Zum Glück gibt es aber immer wieder Leute, wie den früheren Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, Rodschenkow, die des Betrugs überdrüssig sind und an die Öffentlichkeit gehen. Das IOC und alle Verbände sind dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass russische Sportler strengen unabhängigen Kontrollen unterliegen. Eine Medaillenflut wie in Sotschi, als Russland die Nationenwertung zunächst offiziell gewann, wird es dann nicht mehr geben. 25 russische Sportler wurden nachträglich gesperrt, elf Medaillen, darunter vier Goldene, aberkannt. Das Ende wird es noch nicht sein.

Gespannt sein darf man, wie die Klagen der russischen Sportler beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne enden. 22 wurden wegen Dopings lebenslang gesperrt. Im schlimmsten Falle könnte es sein, dass der Ausschluss Russlands noch einmal ins Wanken gerät, wenn die Beweislast doch nicht hieb- und stichfest ist. Allerdings hätte dann wohl Russland die Sanktionen nicht akzeptiert.

Im Zuge des IOC-Urteils gerät auch der Fußball-Weltverband FIFA und sein Präsident Gianni Infantino immer mehr unter Druck. Russlands Sportminister und Vize-Premier Witali Mutko wurde als Drahtzieher des Staats-Dopings vom IOC lebenslang gesperrt, gleichzeitig lobt aber Infantino die Arbeit Mutkos als Cheforganisator der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Hier hat die FIFA mehr Angst als Verantwortung, denn sonst müsste sie schon lange den Vorwürfen des Dopings in Russlands Fußball nachgehen. Die Nationalmannschaft des Gastgeberlandes 2018 ist schon lange ziemlich erfolglos, soll aber 2018 für Furore sorgen. Mit Unterstützung vielleicht wie die russischen Olympia-Sportler 2014…

Infantino hat Angst vor einer Weltmeisterschaft ohne den Gastgeber und sieht sich nicht in der Verantwortung, den Doping-Anschuldigungen nachzugehen. Dagegen lobt er den Ausrichter, freut sich auf die „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ und gibt sich damit selbst und die FIFA der Lächerlichkeit preis. Er hofft wohl darauf, dass die Zeit Wunden heilt. Schließlich hat das IOC Putins Reich auch ein Hintertürchen offen gehalten: Bei der Siegerehrung wird bei einem russischer Sportler, der unter neutraler Flagge antritt, genannt, dass er aus Russland kommt. Und bleiben alle brav und sauber, dann wird bei der Olympia-Schlussfeier in Pyongchang in Südkorea doch wieder die russische Fahne wehen. Alles vorbei, alles wieder gut. Infantino setzt darauf, dass bei der Fußball-WM das Doping-Theater nur noch Vergangenheit ist. Er verschließt die Augen und will ein fröhliches Fest feiern. Viel Spaß 2018.

Fußball-WM: Der Titel geht an…

Die Qualifikation ist gespielt, die Gruppen-Auslosung vollzogen – jetzt beginnt im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft die schönste Zeit für die Fans, nämlich die Zeit der Diskussionen und der Rechenspiele. Jeder kann selbst den Spielplan durchrechnen, tippen und sein Fachwissen prüfen. Am Ende heißt es: Der Titel geht an…

Es passt zur Adventszeit, für die Fußball-Fans ist die Zeit der Vorfreude auf das Endturnier allerdings länger. Nicht nur drei Wochen, wie diesmal vom 1. Advent an bis zum Heiligen Abend, ansonsten etwa vier, sondern sechseinhalb Monate lang, bis zum Eröffnungsspiel am Donnerstag, 14. Juni, in Moskau. Die Paarung mit Gastgeber Russland gegen Außenseiter Saudi-Arabien ist allerdings kein Schlagerspiel. Höchstens für die Russen selbst, die über eine Glücks-Auslosung jubeln dürfen mit Ägypten und Uruguay als weitere Gegner. Viele haben ja im Vorfeld geunkt, das es die Russen schon schaffen werden, die Loskugeln entsprechend zu manipulieren. Halten wir es doch wirklich einfach für Glück (vermutliches Glück, denn ob die Gegner wirklich schlagbar sind, muss sich erst zeigen). Gedopt werden konnten die Kugeln ja nicht…

Eine sogenannte „Hammer-Gruppe“ kam bei der Auslosung nicht zustande, ist allerdings auch fast gar nicht möglich. Es ist das Problem wie auch in der Champions League, dass mit der Aufstockung des Teilnehmerfeldes in den Gruppenspielen die Spannung weniger geworden ist. 32 Nationen in acht Gruppen, die jeweils Ersten und Zweiten kommen weiter, da bleiben nach der Papierform nur wenige Fragen offen. Ein bisschen Spannung gibt es natürlich, vor allem im Kampf um Platz zwei und manchmal straucheln ja auch die Favoriten. Das ist ja das Schöne am Sport und speziell im Fußball – sicher ist nichts.

So warnt auch Bundestrainer Joachim Löw im Vorfeld vor Überheblichkeit und sieht Mexiko, Schweden und Südkorea als Gegner an, die seine Mannschaft fordern werden (aber nicht rausschmeißen). Keine Knüller, machbar, aber eben Vorsicht walten lassen. Alles andere als der Gruppensieg wäre für den Titelverteidiger, der wieder einer der WM-Favoriten ist, eine Enttäuschung. Er könnte auch den weiteren Weg erleichtern, wenn Brasilien in der Gruppe E Erster wird, die Schweiz, Serbien oder Costa Rica wären dann die möglichen Gegner im Achtelfinale. Weitere Mitfavoriten würden dann erst im Halbfinale warten. Papierform eben.

Die Bilanz gegen die Gruppengegner ist positiv. Mexiko ist ein alter Bekannter bei Weltmeisterschaften, stellte aber nie einen Stolperstein dar, insgesamt gab es fünf Siege, bei fünf Unentschieden und einer Niederlage. Knapper ist es mit Schweden, das ja immerhin Italien ausgeschaltet hat und damit auch Deutschlands Angstgegner bei Turnieren. Schlüpfen jetzt die Skandinavier in diese Rolle? Zuletzt gewannen sie 1958 als Gastgeber bei einer WM gegen Deutschland (3:1). Bilanz: 15 Siege, 9 Unentschieden, zwölf Niederlagen. Südkorea ist dagegen der große Unbekannte, scheiterte bei der WM 2002 im eigenen Land im Halbfinale mit 0:1 an Deutschland, verlor zuvor auch bei der WM 1994, siegte aber 2004 in einem Freundschaftsspiel mit 3:1. Ob die Augsburger Koo und Ji ihrem Trainer Tipps geben können? Ulli Stielicke hätte sie nicht gebraucht, musste aber seinen Hut nehmen, als Südkorea nicht mehr die gewohnte Leistung zeigte.

Wie gesagt, es wird gerechnet und spekuliert und gewartet auf das Turnier vom 14. Juni bis zum Finale am Sonntag, 15. Juli. Dann heißt es: Der Titel geht an… Es wird auf jeden Fall ein großartiges Turnier werden, das zumindest prophezeit FIFA-Präsident Gianni Infantino, der Meister des Verdrängens: „Es wird die beste WM aller Zeiten“, jubelte er und lässt außen vor, das in Putins Reich Presse- und Meinungsfreiheit ein kümmerliches Dasein fristen.

Übrigens, das Spekulieren könnte eigentlich ein Ende haben. Geht es nach der Statistik, dann steht der Sieger schon fest. Bei den letzten Turnieren 2006, 2010 und 2014 siegte jeweils die Mannschaft, die in der stärksten Gruppe (nach der Weltrangliste) beheimatet und die dort der Gruppenkopf war. Der Titel 2018 geht also an – Frankreich!

P.S.: Der Sport-Grantler feiert heute ein kleines Jubiläum, dies ist die 250. Kolumne seit dem Start am 20. August 2013. Der Dank geht an die Leser in aller Welt! Die meisten Leser sind natürlich im deutschsprachigen Raum zu finden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz, regelmäßige Leser dazu gibt es vor allem in Brasilien, Kanada, Italien und den USA. Aber auch in Russland…

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.

Formel E ist die Formel der Zukunft im Motorsport

Wachablösung! Am Sonntag, 26. November, ist die Saison der Formel 1 mit dem Rennen in Abu Dhabi beendet, am Samstag, 2. Dezember, beginnt die neue Saison der Formel E in Hongkong. Richtig: Die Rennserie der Boliden mit Elektromotor ist in den Städten der Welt zu Hause. Und das könnte im Rennsport überhaupt zu einer Wachablösung führen: Die Formel E ist nämlich die Formel der Zukunft.

Die Formel E hat das, was die Formel 1 gerne hätte: Sie darf in den Großstädten fahren. 14 Rennen stehen auf dem Terminplan vom 2. Dezember 2017 bis zum 29. Juli 2018. Gastiert wird nach Hongkong (zwei Rennen) noch in Marrakesch, Santiago, Mexico City, Sao Paulo, Rom, Paris, Berlin, Zürich, New York und Montreal (beiden Letztgenannten je zwei Rennen). Die Städte werben mit Rennsport mitten drin, die Formel E wirbt mit ihren Gastspielen in reizvoller Umgebung. Da kann die Formel 1 nur neidisch sein.

Und noch etwas hat die Formel E, was die Formel 1 nicht hat: Die großen deutschen Autokonzerne haben ihr Herz für den Elektromotor entdeckt. Audi ist bereits dabei, BMW steigt 2018 ein und Mercedes und Porsche haben sich schon für 2019 angemeldet. Dem Elektromotor gehört bekanntlich die Zukunft auch im Alltag und da können sich die Autokonzerne für diese Rennserie begeistern, weil sie auch wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Motoren gewinnen können. Formel E könnte am Ende auch für Erfolg stehen. Bezeichnend, dass Mercedes zum Beispiel dafür sein Engagement in der Rennserie DTM aufgibt. Ein Zeichen! Folgt eventuell bald der Rückzug aus der Formel 1? Zumindest dann, wenn der Erfolg mal ausbleiben sollte?

Noch hat die Formel E nicht die Zuschauerzahlen, wie sie die Formel 1 vorweisen kann, der Raum in den Städten ist auch eher begrenzt und was das Fernsehen angeht, da müssen erst einmal Stars gemacht werden. Da könnte die Formel E gewinnen, wenn Größen aus der Formel 1 wechseln. Formel-E-Chef Alejandro Agag bekannte bereits: „Alonso, Hamilton und Co. sind uns willkommen.“

Die Formel E ist aber auch zuschauerfreundlich. Keine Abgase, die leisen Motoren scheinen nicht zu stören, die Formel 1 will dagegen wieder lauter werden. Die Rennen in der Formel E dauern nur eine Stunde, das kommt an. Nur 14 Autos sind am Start, die Zahl soll nicht gesteigert werden, weil der Platz auf den Stadtkursen wohl fehlt. So gibt es auch weniger „Hinterherfahrer“ wie in der Formel 1. Die PS-Zahl wird auf 224 gesteigert, so dass die Rennen schneller werden. Ein letztes Mal wird es in dieser Saison noch einen Wagenwechsel geben, im nächsten Jahr sollen die Batterien ein Rennen durchhalten. Dies zeigt: Eine wertvolle Entwicklung für die Alltagsfahrzeuge.

In der Fernsehpräsenz hat die Formel 1 natürlich noch die Nase vorn, da steht die Formel E zumindest in Deutschland erst am Anfang. Eurosport überträgt und kann an die Zahlen der Formel 1 bei RTL mit manchmal über fünf Millionen Zuschauern nicht heranreichen. Aber das könnte sich ändern, wenn die Formel 1 hier sich selbst das Wasser abgräbt: Die Bosse wollen mehr Rennen ins Pay-TV verlagern, was ihnen vielleicht kurzfristig mehr Geld bringt, im Umkehrschluss aber auch Attraktivität kosten könnte.

Vielleicht heißt es deshalb bald: Freie Fahrt für die Formel E, für den Elektromotor. Möglicherweise sogar auf allen Straßen.

Bernhard Langer und sonst nichts

Die großen Golf-Turniere sind gespielt, das Golf-Jahr 2017 quasi beendet. Die Bilanzen gleichen sich, die Hoffnungen des Golf-Sports in Deutschland erfüllen sich Jahr für Jahr nicht. Nach wie vor bleibt die Sehnsucht unerfüllt nach einem Vorzeige-Golfer, der große Turniere gewinnt, Beachtung in der Öffentlichkeit findet und entsprechende Werbung für das Golf macht. Am Jahresende bleibt die bittere Erkenntnis: Keiner hat ein großes Turnier gewonnen, keiner hat für Furore gesorgt, Golf konnte sich nicht in den Vordergrund spielen. Nur über große sportliche Erfolge lassen sich die Leute an den Sport heranführen. Dabei bietet Golf für den Hobby-Sportler alles, was der Körper braucht. Es gibt kaum eine gesündere Sportart.

In Deutschland aber bleibt Golf eine Randsportart, da half auch die Aufnahme in die olympische Familie nicht. Das Aushängeschild des Golfs ist hierzulande immer noch Bernhard Langer. Der Augsburger ist inzwischen 60 Jahre alt, beherrscht aber die Champions Tour der Senioren in Amerika und wird nicht müde zu gewinnen. Zwar verlor er beim Finale noch den Sieg um den Charles Schwab Cup, wurde Zweiter in der Jahreswertung, doch der glückliche Gesamtsieger dank einer kuriosen Wertung, Kevin Sutherland (53), gewann rund eine Million Dollar weniger als Langer. Dessen Jahresbilanz: Sieben Turniersiege, davon drei Majors (insgesamt zehn – Rekord!), 3,6 Millionen US-Dollar Preisgeld. Bernhard Langer wäre ein würdiger Sieger bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ in Deutschland. Er wird es nicht werden, die Öffentlichkeit erfuhr von diesen grandiosen Erfolgen nur am Rande.

So heißt es also: Bernhard Langer und sonst nichts. 2017 hatte es eigentlich Hoffnung gegeben, weil gleich sieben deutsche Spieler auf der European Tour starteten, doch ihre Erfolge blieben bescheiden. Einige verspielten die Tour-Karte für die neue Saison, andere schafften es gerade noch über die Qualifying School. So haben nur drei Spieler die volle Spielberechtigung: Martin Kaymer, einst die Nummer 1 der Welt, inzwischen auf Platz 69 abgerutscht und schon lange sieglos. Ein Nachfolger von Bernhard Langer wurde er nicht. Maximilian Kieffer ist außerdem dabei (346. der Weltrangliste) und Marcel Siem (259), lange Zeit auch ein Hoffnungsträger, aber nicht konstant genug. Er rutschte gerade noch rein, als 101. der Rangliste, weil der 100. (nur die ersten 100 der Jahreswertung erhalten die Tour-Karte) nicht alle Bedingungen erfüllte.

Über die harte Auslese der Qualifying School schafften immerhin Sebastian Heisele (329) und Marcel Schneider den Erhalt der kleinen Tour-Karte, sie haben 18 Starts sicher und werden wohl zudem noch oft auf der zweitklassigen Challenge Tour antreten. Da tummeln sich auch die restlichen deutschen Spitzengolfer, die den Traum haben, auch international an die Spitze zu kommen, doch Jahr für Jahr bleibt die traurige Bilanz: Es war vergebens.

Was die deutschen Golfer angeht, so sind schon Meldungen positiv, wenn es heißt, sie haben den Cut geschafft, also den Schnitt nach zwei Turniertagen, wenn nur noch die bessere Hälfte des Feldes weitermachen darf. Darum kämpfen auch zwei Deutsche in den USA, denn das ist positiv, dass neben Marathonmann Alex Cejka (180. der Weltrangliste) auch der Münchner Stephan Jäger (252), der in den USA lebt, die Startberechtigung für die PGA-Tour haben. Aber das sind alles Leistungen, denen man Respekt zollen muss, die aber den Spitzensport eben nicht ins Gespräch bringen.

Bleibt für 2018 nur die Hoffnung, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es am Jahresende doch wieder heißt: Bernhard Langer und sonst nichts.

Übrigens, die Damen wollen wir natürlich nicht vergessen, Caroline Masson und Sandra Gal mischen bei den Damen immer wieder oben mit, gehören zur Weltelite, aber leider reicht das eben auch nicht für mehr Aufmerksamkeit und echte PR-Arbeit für das Golf.

Gehen wir also raus und spielen lieber selbst auf dem Platz, wenn es das Wetter zulässt.

Olympia wird keine Werbung für das Eishockey

Die kalte Jahreszeit hat begonnen und so nimmt auch der Wintersport Fahrt auf. Für den Spitzensport wird es wieder eine besondere Saison, denn die Olympischen Spiele im Februar in Pyeongchang (Südkorea) stehen bevor. Allgemein herrscht bei Sportlern und Fans eine gewisse Vorfreude auf so ein Großereignis, doch diesmal ist die Vorfreude gedämpft.

Da ist einmal der Austragungsort. Pyeongchang liegt nur rund 100 km von der Grenze zum kriegslüsternen Nordkorea entfernt, die Wintersportbegeisterung in Südkorea hält sich zudem in Grenzen. Außerdem denken viele mit Schrecken daran, dass die Zeit der Asien-Spiele beginnt, denn 2020 ist Tokio Gastgeber bei den Sommerspielen, 2022 erwartet Peking wiederum die Wintersportler. Vielleicht mit Smog statt Schnee.

Besonders skeptisch schaut man in Eishockeykreisen auf die kommenden Winterspiele. Eigentlich ist das Eishockey-Turnier das Herzstück von Winter-Olympia, doch diesmal herrscht Unsicherheit und es sieht danach aus, als sollte die Spiele keine Werbeplattform für das Eishockey werden. Das hat seinen Grund in der Absage der National Hockey League (NHL), der Profiliga in Nordamerika, die ihre Stars erstmals seit 1998 nicht freistellen wird. Die eigene Punktrunde geht vor, die Angst vor Verletzungen des teuren Kapitals Spieler ist zu groß. Die Absage erfolgte ausgerechnet in dem Jahr, in dem die NHL (am 22. November 2017) ihr 100jähriges Bestehen feiert. Damit wird Olympia im Eishockey nur noch ein zweitklassiges Turnier.

Und dies ist nicht der einzige Eisblock, der den Verbänden vor die Füße geworfen wird, jetzt droht auch noch das Pendant zur NHL, die osteuropäische Profiliga KHL mit einem Boykott der Spiele, allerdings aus einem anderen Grund. Die von Russland dominierte Liga mokiert sich, dass Russland an den Doping-Pranger gestellt wird und will ihre Spieler nicht freistellen, wenn das IOC Russland wegen der Doping-Affären ausschließen sollte. Dies würde das Eishockey-Turnier besonders treffen. Vor allem die deutschen Gruppengegner Finnland und Schweden würden darunter leiden und würden von Medaillenkandidaten zu Außenseitern werden.

In Deutschland haben sich die Eishockey-Fans, vor allem aber Funktionäre, Vereine und Spieler auf Olympia gefreut, weil sie Entzugserscheinungen hatten. Bekanntlich hatte Deutschland die Qualifikation für 2014 in Sotschi nicht geschafft. Das war damals das Ende für Bundestrainer Pat Cortina und gleichzeitig der Start in eine hoffnungsvollere Zukunft, als 2015 der Landshuter Marco Sturm kam. Der 39-jährige ehemalige NHL-Profi, vom Typ Sonnenschein mit einem Dauerlächeln im Gesicht, hauchte dem deutschen Eishockey neues Leben ein. Einige im Verband träumten sogar davon, dass Deutschland bei Olympia angesichts des Aufschwungs und des Fehlens der NHL-Profis eine Chance auf eine Medaille haben könnte. Doch diese Euphorie ist vorbei, sie war auch nicht angebracht.

Der Deutschland-Cup, der einzige Test vor Olympia, sorgte für Ernüchterung. Deutschland unterlag Russland deutlich mit 2:8 und der Slowakei mit 0:3 und schaffte mit einem 5:1-Sieg gegen schwache amerikanische College-Boys gerade noch Rang drei. Die bittere Erkenntnis: Ohne NHL-Verstärkung fehlt dem DEB-Team das Rückgrat. Immerhin sieben NHL-Profis stünden zur Debatte, darunter der neue Star Leon Draisaitl (Edmonton) und Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl (Pittsburgh). Vermisst werden aber vor allem die Torhüter Thomas Greiss (New York Islanders) und Philipp Grubauer (Washington). Bedenklich, dass eine Erkenntnis aus dem Vergleich mit Russland (das nur eine zweite Auswahl schickte und dennoch Turniersieger wurde) lautete: Dem Tempo nicht gewachsen. Deutschland wird also Außenseiter bleiben und ein Überstehen der Gruppenspiele wäre eine Überraschung, es sei denn die Kräfteverhältnisse verschieben sich durch politische Einflüsse eklatant.

Statt Vorfreude also Sorgen, statt Rückenwind für eine Sportart, die nach mehr Anerkennung lechzt, eher Gegenwind. Deutschland kann nichts dafür, aber wieder einmal wird eine Chance verpasst, Olympia wird keine Werbung für das Eishockey.

Mit der National League werden die Fans betrogen

Derzeit haben wir im Fußball wieder einmal eine internationale Länderspielpause. Sie dient in erster Linie dazu, die letzten Teilnehmer für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu ermitteln. Nur wenige Nationen sind da involviert, der Rest macht das, was eigentlich nicht mehr sehr attraktiv ist – er bestreitet Freundschaftsländerspiele. Die internationalen Vergleiche kamen früher gut an, doch diese Freundschaftsspiele sind zu Testspielen verkommen und ohne Spannung locken sie nur noch wenige Fans an. Dies wird sogar bei den traditionsreichen Duellen England – Deutschland und Deutschland – Frankreich so sein.

Dieses Dilemma soll es künftig nicht mehr geben oder zumindest zur Seltenheit werden. Die UEFA, der europäische Fußball-Verband, hat dafür als Gegenmittel die National League erfunden. Dies ist eine Liga für Nationalmannschaften, deren Spiele in den Freiräumen zwischen Europa- und Weltmeisterschaften einschließlich ihrer Qualifikationsspiele ausgetragen werden sollen. Punktspiele also statt Freundschaftsspiele. Die Krux ist: Das Programm für die Spieler wird noch größer, die Nationaltrainer finden kein Testfeld mehr und deshalb hat zum Beispiel der deutsche Bundestrainer Joachim Löw bereits abgewehrt: „Die National League hat für uns keine Bedeutung, wir werden diese Spiele zum Testen verwenden.“ Gut, wenn er das offen sagt, seine Kollegen werden das nicht anders sehen und am Ende gibt es also nur verkappte Testspiele. Der Fan wird also betrogen, er erhält eine Mogelpackung.

Im Herbst 2018, nach der Weltmeisterschaft in Russland, soll die neue National League starten. Alle UEFA-Verbände sind dabei, das Feld wird in vier große Klassen unterteilt, gemäß der Spielstärke wie sie die Rangliste ergibt. Künftig soll es dann Auf- und Abstieg geben. Damit die Mogelpackung nicht gleich auffällt, gibt es auch vier Startplätze für die Europameisterschaft 2020, die bekanntlich mit 24 Teams in 13 Ländern ausgetragen wird. Der Spielmodus dieser National League ist so kompliziert, dass ihn die Fans wahrscheinlich gar nicht verstehen, vielleicht nicht einmal die Spieler, die wohl einfach nach dem Motto auflaufen „gewinnen wir halt mal“.

Auf jeden Fall werden zwölf Nationen die Ligen A und B bilden, in C und D werden es 15 oder 16 sein. Innerhalb der Liga werden vier Gruppen gebildet, in denen die Teams gegeneinander spielen. Die Liga A könnten nach Stand der Dinge Deutschland, Europameister Portugal, Belgien, Spanien, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Polen, Island, Kroatien und die Niederlande bilden. Durchaus attraktive Gegner, wobei von Austragung zu Austragung die Gruppen natürlich neu ausgelost werden und hoffentlich verhindert wird, dass es zu immer gleichen Duellen kommt. Die erste Auslosung findet am 24. Januar 2018 in Lausanne statt. Der Sieger der National League wird in einem Endturnier von den vier Gruppensiegern ermittelt, als Termin steht bereits die Zeit vom 5. bis 9. Juni 2019 fest. Die nächste EM-Qualifikation soll dafür kompakter zwischen März und November 2019 ausgetragen werden.

Der geneigte Leser sieht, es ist nicht leicht, sich mit dem neuen Wettbewerb anzufreunden. Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff kritisierte, dass der vom früheren UEFA-Präsident Michel Platini ins Leben gerufene Wettbewerb wohl vor allem zur Geldbeschaffungsmaßnahme des Verbandes dienen soll. Aber die Verbände werden nicht ausweichen können, die Fernsehrechte sind schon vergeben. In Deutschland freuen sich ARD und ZDF, die ja die Rechte in den Qualifikationsspielen verloren haben, dass sie die Spiele von 2018 bis 2022 schon mal übertragen dürfen.

Am Ende dürfen sie vielleicht sogar eine Weltliga übertragen, denn mit Europa allein will sich der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nicht zufrieden geben, er plant, alle Nationen auf allen Kontinenten einzuladen. Aus der Konkurrenz zur Europameisterschaft könnte eine Konkurrenz zur Weltmeisterschaft werden, der Geldfluss dann natürlich noch größer werden.

Den Funktionären ist es egal, wie Spieler oder Fans die Neuerung sehen. Hauptsache die Kasse stimmt. Sie werden erst dann aufwachen, wenn die Fans reagieren und der Zuspruch fehlt. Wenn das Angebot zu viel wird, fehlt der Reiz. Attraktiver wird, wer sich rar macht. Der Fußball muss aufpassen, dass er nicht überreizt. Die Frage erübrigt sich wohl, ob wir uns schon auf die neue National League freuen…

Das Jahr des Lewis Hamilton

Pustekuchen! Da hatten die Formel-1-Fans lange Zeit die Hoffnung, dass die Saison 2017 Spannung bis zum Schluss bringen würde, aber plötzlich gingen Ferrari und Sebastian Vettel die Puste aus und Mercedes und Lewis Hamilton wurden wieder vorzeitig Weltmeister. Und dennoch: In diesem Jahr der Formel 1 war vieles anders.

Was vor Beginn der Saison keiner gedacht hat: 2017 ist das Jahr des Lewis Hamilton. Der Titelverlust 2016 gegen den Konkurrenten im Team, Nico Rosberg, hat den Briten wohl tief getroffen. Er hat an sich gearbeitet, er scheint erwachsen geworden zu sein, ohne aber seinen Spaß am Leben mit der High Society zu verlieren. Mit 32 Jahren hat er jetzt sein Herz auch für die Technik entdeckt, wurde zum Rennwagen-Verbesserer und zur Führungspersönlichkeit. Dass Mercedes nach 2014, 2015 und 2016 zum vierten Mal hintereinander triumphierte und die Konkurrenz in Schach hielt, war ein Verdienst des gereiften Lewis Hamilton. Er bewies, dass er der beste Fahrer im Feld ist und erfüllte auch die Vorbildfunktion, die man von ihm erwartet. Der neue Formel-1-Boss Chase Carey lobte: „Keiner präsentiert den Sport besser als Lewis Hamilton.“ Ein Ritterschlag für das Feier-Biest, bei dem es scheint, als sei der Sport für ihn manchmal Nebensache. Vorbei?

Nico Rosberg wird sich nachträglich noch oft beglückwünschen, dass er mit dem Gewinn des WM-Titels seine Karriere auf dem Höhepunkt beendet hat. Er wird erkannt haben, dass er den Nervenkrieg mit dem ehrgeizigen Konkurrenten nicht ein zweites Mal gewinnen kann. Hamilton wiederum profitierte offensichtlich davon, dass er die unangefochtene Nummer 1 bei Mercedes war und vom neuen Konkurrenten, dem Finnen Valtteri Bottas, nichts zu befürchten hatte. So verlor Hamilton seine Kraft nicht im Kleinkrieg mit dem Kollegen, sondern konzentrierte sich auf Team und Auto. Formel-1-Sportchef Ross Brawn beobachtete: „Lewis ist noch einmal gereift. Es lässt sich nicht mehr so schnell von äußeren Einflüssen von seinem Weg abbringen.“ Insofern hat vielleicht auch Nico Rosberg noch einen nachträglichen Anteil an der Formsteigerung von Hamilton! Der hat jetzt seinen vierten WM-Titel nach 2008 (mit McLaren), 2014 und 2015 errungen, ist der erfolgreichste britische Rennfahrer und steht auf einer Stufe mit Alain Prost und Sebastian Vettel. Nur Michael Schumacher (7) und Juan Manuel Fangio (5) haben mehr Titel errungen.

Diese Wende war wohl auch notwendig, denn Konkurrent Ferrari hatte offensichtlich wesentliche Fortschritte gemacht. Die Italiener und ihr Fahrer Sebastian Vettel wollten Siege und träumten vom Titel. Lange Zeit waren sie auf dem richtigen Weg, schockten Mercedes gleich mit dem Auftaktsieg in Melbourne und Vettel führte zwischendurch die WM-Wertung an. Die Rennen eins, drei, sechs und elf gewann Vettel, dann war es vorbei. Es blieb bei vier Siegen, Hamilton hat zwei Rennen vor Schluss bereits neun. Seit Ferrari nach dem Erfolg am 30. Juli in Budapest quasi der Sprit ausging, siegten nur noch Hamilton und zweimal Max Verstappen.

Sebastian Vettel musste in diesem Jahr erkennen, dass ihm zum großartigen Lewis Hamilton einiges fehlt, vor allem ein starkes Nervenkostüm. Der Brite blieb auch in der Bedrängnis cool, als Vettel führte, während der Heppenheimer hektisch und zum Rambo wurde, als ihm die Felle davon zu schwimmen drohten. Bezeichnend sein Rammstoß gegen Hamilton, bezeichnend aktuell der Startunfall in Mexiko, als Vettel die Karambolage verursachte und die letzte Chance auf den Titelgewinn vergab. Vettel findet nicht das richtige Maß. Gewinnt er, jubelt er mit einem richtigen Kindergeschrei ins Mikrofon, verliert er, wirkt er ratlos. Doch er wird die Hoffnung von Ferrari bleiben, Anerkennung hat er sich dort verschafft, aber die Fußstapfen eines Michael Schumacher sind zu groß für ihn. Es liegt an den Technikern, ob das Ferrari-Hoch 2018 länger hält.

Vielleicht wird Red Bull sogar der größere Konkurrent von Mercedes und Lewis Hamilton. Das Auto ist reif für Siege, wie Max Verstappen bewies. Der 20-jährige Belgier gilt als Mann der Zukunft und wird auf Dauer der größte Konkurrent des Briten sein bzw. ihn langfristig wohl an der Spitze des Feldes ablösen. Vielleicht sogar im Mercedes. Doch das ist Zukunftsmusik. Auf jeden Fall dürfen die neuen Besitzer der Formel 1 schon zwei Rennen vor Saisonende glücklich sein: Die Formel 1 ist zurück, ist wieder interessant und hat Zukunft. Vielleicht sogar mit Elektro-Antrieb, dann schaut sowieso wieder alles anders aus. 2017 war jedenfalls das Jahr des Lewis Hamilton.