Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die neue Generation der Fußball-Trainer

 

Das ist nichts Neues: Die Zeiten ändern sich. Manchmal erstaunt es aber schon, wie schnell sich die Zeiten ändern. Zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga. Eine neue Generation von Fußball-Trainern mischt den Laden auf. Jürgen Klopp oder Pep Guardiola – das war gestern. Otto Rehhagel – kennen die jungen Fußball-Fans wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Heute sind diese Namen „in“: Ralph Hasenhüttl, Julian Nagelsmann, Niko Kovac oder Peter Stöger.

Eins fällt auf: In Deutschland setzt der Fußball auf die junge Trainer-Generation, in England, dort wo das Geld üppig fließt, geben vor allem prominente Namen den Ton an, vorne weg eben Pep Guardiola und Jose Mourinho, beide bei den Klubs in Manchester. Doch Erfolge können sie auch nicht garantieren (Tabellenführer ist aktuell der FC Liverpool mit Jürgen Klopp). Und in der Bundesliga melden sich die ersten Kritiker an der Arbeit des prominentesten Trainers – Carlo Ancelotti hat die Dominanz des FC Bayern München verspielt.

Ancelotti und der Titelverteidiger spüren den Atem der jungen Trainer, die ihren Mannschaften einen „jungen Fußball“ beibringen. Nicht abwartend, zögernd und mauernd, sondern forsch, fordernd, laufintensiv und erfolgreich. Dafür stehen vor allem Hasenhüttl in Leipzig und Nagelsmann in Hoffenheim. Die TSG Hoffenheim raubte in der Allianz-Arena beim 1:1 unter anderem deshalb einen Punkt, weil die Spieler 123,2 Kilometer rannten (ein Rekord) und damit rund acht Kilometer mehr als die Bayern. Die hechelten dem Gegner also mehr oder weniger hinterher, aus 66 Prozent Ballbesitz machten sie nichts, eher drückt das eine gewisse Ratlosigkeit aus. Dass Hoffenheim 63 Prozent der Zweikämpfe gewann, spricht auch eine deutliche Sprache. Ähnlich sieht es in Leipzig aus, wo Geschwindigkeit Trumpf ist und der Kader bewusst von Sportdirektor Ralf Rangnick so zusammengestellt wurde. Die Bundesliga wird quasi überrannt.

Zu den Aufsteigern in der Trainer-Branche gehören auch Niko Kovac und Peter Stöger. Beide wurden bei ihrem Start im neuen Verein kritisch beäugt, heute stehen beide auf dem Sprung zu einem Spitzenverein. Kovac führte Frankfurt von einem Abstiegskandidaten zu einem Anwärter auf Europas Plätze, Stöger führte den 1. FC Köln von der 2. Bundesliga bis in die Spitzengruppe im Oberhaus. Beide arbeiten ähnlich, fordern Disziplin und ein hohes Maß an Fitness. Das sind die Grundlagen dafür, dass ihre Mannschaft eben nichts dem Abstieg zu tun bekommt. Und das ist schon mal ein Erfolg.

Die neue Trainer-Generation macht die Bundesliga wieder spannend. Nichts deutet auf einen erneuten Alleingang der Bayern hin, ganz im Gegenteil, Ancelotti könnte vom Schatten Guardiolas erdrückt werden. Der Spanier führte die Münchner zum vierten Titel in Folge – ein Rekord. Der fünfte schien eine Selbstverständlichkeit zu sein. Er ist es nicht mehr, auch die Bayern wurden vom Geschwindigkeitsfußball eingeholt (bald überholt?). Bezeichnend: Das Spiel des Meisters wirkt oft zu langsam!

Der Motorsport steht am Scheideweg

 

Es soll ja Zeitgenossen geben, die dem Motorsport sowieso skeptisch gegenüberstehen. Ausdauersportler zum Beispiel ätzen, „die treiben ja gar keinen Sport, die sitzen ja nur im Auto“. Umweltschützer sind die Luftverpester vom Grundsatz her ein Dorn im Auge, obwohl sich der Motorsport in allen Bereichen um mehr Umweltverträglichkeit bemüht hat. All diese Zeitgenossen werden Hoffnung schöpfen: Ist der Motorsport vielleicht am Ende?

Nein, am Ende wohl nicht, Motorsport wird es so lange geben, so lange die Konzerne ihn als Marketinginstrument sehen. Aber es wird einen gehörigen Wandel geben und die meisten sehen in der Zukunft keine röhrenden Motoren (vielen ist die Formel 1 heute schon zu leise), sondern leise Autos, die mit einem Elektromotor das Rennen bestreiten. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die Abgasaffäre von Volkswagen und den daraus bedingten wirtschaftlichen Problemen beschleunigt. So zieht sich die Konzernmutter VW aus der Rallye-Weltmeisterschaft zurück, Konzerntochter Audi steigt aus den 24-Stunden-Rennen von Le Mans (für viele die Mutter aller Rennen) aus.

Bei diesen Entscheidungen gibt es nicht nur den einen Aspekt. Gut, die wirtschaftlichen Verhältnisse schlagen derzeit wohl am meisten durch. Da ist aber auch die elektrische Zukunft der Autoindustrie und die Rennen der Formel E kommen durchaus an. Zudem werden sich sowohl VW als auch Audi überlegt haben, ob die Seriensiege überhaupt noch dem Konzern einen Marketingwert bringen. Viermal hintereinander wurde VW Rallye-Weltmeister, seit 1998 hat Audi 13 Siege in Le Mans geholt. Auch dort gab es technische Entwicklungen, Audi gelang 2006 der erste Sieg mit einem Diesel-Rennwagen und 2012 der erste Sieg mit Hybridantrieb. Jetzt will man die Formel E aufmischen, dort war bisher der Allgäuer Partner Abt für Audi vertreten, künftig wird es ein Werksteam geben.

Der Motorsport steht am Scheideweg. Die Zukunft gehört zweifellos der Formel E. Neben Audi sind auch BMW, Renault und Jaguar in der Formel E dabei, Mercedes hat sich bereits ein Startrecht reserviert und auch prominente Interessenten von außen gibt es, so ist Hollywood-Star Leonardo DiCaprio am Team Venturi beteiligt. Die Formel E hat zudem den Weg in die Großstädte gefunden, statt weit draußen im Grünen wird mitten in New York, Paris oder Berlin gefahren. Davon hat ja die Formel 1 immer geträumt, in den Herzen von Großstädten wie Singapur vertreten zu sein. Durchaus vorstellbar, dass in Monte Carlo zum Beispiel künftig die Formel E präsent sein wird.

Für die Formel 1 könnte es dann schwierig werden, wenn neben Mercedes auch andere Konzerne wie Ferrari und Red Bull ihr Herz für den Elektromotor entdecken. Ist das vorstellbar, ein elektrischer Ferrari? Alles eine Sache der Entwicklung bzw. des Marketing. Mobilisiert die Formel E die Massen, wird Red Bull zum Beispiel dort vertreten sein. Mercedes wird bei seinen Überlegungen auch einbeziehen, dass Seriensiege in der Formel 1 den Bekanntheitsgrad nicht mehr steigern können. Siege sind kein Highlight mehr, Niederlagen dafür die weitaus größere Schmach. Die PR-Abteilung in der Zwickmühle.

Eines deutet sich aber an, was eben nicht allen Zeitgenossen gefallen wird: Motorsport wird es weiterhin geben, aber die Umweltschützer werden nicht mehr so zetern.

Angie Kerber und die Schatten der Nummer 1

 

Deutschland hat wieder eine Nummer 1 im Tennis! Angelique Kerber verlor zwar das WTA-Finale in Singapur weil sie mit ihren Kräften am Ende war, aber sie darf als Nummer 1 im Damen-Tennis überwintern. „Das ist ein Wahnsinn“, sagt die Kielerin über 2016, als bei ihr gewissermaßen alle Knoten platzten. Sie verbesserte ihr Spiel, zeigte plötzlich Nervenstärke und legte noch mehr Kampfkraft in die Waagschale. Das Jahr 2016 war wirklich der Wahnsinn: Sieg bei den Australian Open im Januar, Sieg bei den US Open im Oktober, dazu im Finale von Wimbledon und bei den Olympischen Spielen. Schade, der WTA-Titel, die inoffizielle Weltmeisterschaft, wäre die Krönung gewesen. Wieder einmal Steffi Graf war es, die den Titel als letzte Deutsche genau vor 20 Jahren, 1996, gewann.

Der Schatten von Steffi Graf ist es auch, der Angie Kerber auf ihrem Weg begleitet. Bei jedem Sieg wird davon gesprochen, wann Steffi Graf hier auch gewonnen hat und wie viel mehr das Golden-Girl der 80er- und 90er-Jahre erreicht hat. Der Deutsche Tennis-Bund hofft seitdem auf eine neue Steffi Graf und hat jetzt Angie Kerber, die aber ihre Wurzeln nach Polen pflegt und inzwischen auch wieder in Polen wohnt. Die Herzen der Deutschen hat sie noch nicht erreicht, was auch die Einschaltquoten im Fernsehen beweisen. ARD und ZDF erinnerten sich daran, dass sie vor Jahren einen Shitstorm überstehen mussten, weil sie nicht fähig waren, die deutsche Spielerin Sabine Liesicki in ihrem Wimbledon-Finale zu zeigen. Das sollte ihnen bei Kerber nicht passieren, doch die Tennis-Fans dankten es ihnen nicht. Die Millionengrenze wurde erst beim WTA-Finale am Sonntag überschritten, aber 1,63 Millionen Zuschauer (immerhin 11,7 Prozent der eingeschalteten Geräte) waren nicht die Welt. Das beweist, der DTB muss auf einen neuen Tennis-Boom weiter warten. Aber Angelique Kerber darf man das nicht anlasten.

Wir sollten nicht vergessen, dass die heute 28jährige vor fünf Jahren bereits vor dem Aus ihrer Karriere stand. Sie scheiterte frühzeitig bei einem Turnier nach dem anderen und wollte den Tennisschläger schon in die Ecke werfen. Dann kam sie bei den US Open als Weltrangliste-92. sensationell ins Halbfinale – der Wendepunkt. 2012 stieß Kerber bis auf Rang fünf der Weltrangliste vor, gewann in Paris und Kopenhagen ihre ersten WTA-Titel, besiegte sogar einmal Serena Williams. Auch 2013 und 2014 beendete sie unter den Top Ten und gewann 2015 vier Titel, kam bei den Grand-Slam-Turnieren aber nie über die dritte Runde hinaus.

Nichts deutete darauf hin, dass 2016 das Jahr der Angelique Kerber werden würde. Sie erlebte ihre ersten Glücksmomente bei den Australien Open, als sie im Finale sensationell Serena Williams mit 6:4, 3:6, 6:4 bezwang. „Jetzt weiß ich, dass ich alle schlagen kann“, holte Kerber eine Menge Selbstvertrauen aus diesem Erfolg. Selbstbewusstsein wurde eine ihrer Stärken, auch wenn sie das Wimbledon-Finale gegen Serena Williams verlor. Bei den US Open wurde Kerber dann die Nummer 1 der Welt, aber eine, die mit Schatten leben muss. Da ist nämlich nicht nur der Schatten von Steffi Graf, sondern auch der von Serena Williams, die den Aufstieg der Deutschen dadurch begünstigte, dass sie zum Jahresende hin von einer Schulterverletzung geplagt bzw. außer Gefecht gesetzt wurde. Serena ist eigentlich die natürliche Nummer 1.

Umso spannender wird das Jahr 2017 werden. Angelique Kerber muss ihre Erfolge bestätigen, um auch die Punkte in der Weltrangliste zu verteidigen. Das wird schwer genug. Die Verfolgerinnen sind nicht weit weg, Serena Williams will wieder den Thron besteigen, wird aber ihrem Alter und einer hohen Verletzungsanfälligkeit Tribut zollen müssen. Dazu kommt die gesperrte Maria Scharapowa wieder zurück, das Glamourgirl will beweisen, dass sie nichts verlernt hat. Die Polin Agnieszka Radwanska und vor allem die Slowakin Dominika Cibulkowa werden der Deutschen das Leben schwer machen. Cibulkowa wirkte im WTA-Finale wie gedopt, war aufgeputscht und hielt Hände und Füße keine Sekunde ruhig. Das Powerpaket beweist, dass Kerber in punkto Fitness den Gegnerinnen nicht unbedingt überlegen ist.

Angelique Kerber will und muss die Herausforderung annehmen, sie will und muss ihr Spiel aber auch weiter verbessern. Die „Alte Dame“ des Tennis, Martina Navratilova, rät Kerber dazu, ihr Spiel noch aggressiver zu gestalten und mehr Volleys einzustreuen, nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Das hat auch Kerber erkannt, die gesteht, „ich muss sehen, dass ich meine Spiele früher beenden kann“. Das heißt, sie muss Kräfte sparen. 2016 war auch in diesem Punkt der Wahnsinn: Sie hat mit 81 Spielen mehr als alle anderen bestritten, nur 18 davon hat sie verloren.

Jetzt wird die Kielerin erst einmal den verdienten Urlaub machen, sich erholen und sicherlich im Dezember 2016 mit dem Titel als „Sportlerin des Jahres“ abschließen. 2017 muss sie neben Können auch Nervenstärke zeigen, denn als Nummer 1 ist sie die Gejagte. Aber sie sagt mit einem Lächeln: „Es ist schön, die Nummer 1 zu sein.“ Beginnen wird sie das neue Jahr Anfang Januar in Brisbane. Vielleicht gibt es dann 2017 doch noch so etwas wie einen kleinen Tennis-Boom in Deutschland.

Aufruf zur Rebellion im Sport!

 

Der Sport-Grantler hat schon oft in seinen Kommentaren die Machenschaften der Sport-Funktionäre angeprangert und gefordert, dass der Sport wieder Vorrang vor der Jagd nach Geld bekommen muss. Nun hat ein ehemaliger Sportler und Kenner der Szene die Stimme erhoben und gefordert: „Die Sportler müssen rebellieren.“ Die Forderung stellte der frühere deutsche Slalom-Star Christian Neureuther, Ehemann von Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und Vater vom aktuellen deutschen Slalom-König Felix Neureuther. Vater Christian gewann einst selbst sechs Weltcup-Rennen.

In einem großen Interview in der Süddeutschen Zeitung zum Beginn des Ski-Winters legt Christian Neureuther, immerhin auch Aufsichtsrat der Marketing GmbH des Deutschen Ski-Verbandes, die Finger in viele Wunden. Er prangert die Missstände im internationalen Skisport an, fordert Verbesserungen in den Ausrüstungen, plädiert für mehr Sicherheit und könnte sich auch ein attraktiveres Rennprogramm vorstellen. Neureuther fordert eine Rückkehr zu den klassischen Disziplinen Abfahrt, Slalom und Riesenslalom, will die Streichung von Super G und Kombination. „Das versteht doch sowieso keiner, der Super G ist wie eine Abfahrt, die Kombinationen sind undurchsichtig, mal mit Abfahrt, mal anders, für den Zuschauer langweilig. Sein Vorschlag, der Gehör finden sollte: „Warum nicht öfters zwei Sprint-Abfahrten an zwei Tagen, wobei am zweiten Tag der Schnellste als Letzter über die Piste geht.“ Der Sport-Grantler meint: Da wäre Spannung drin, die Skiverbände suchen doch sowieso nach Möglichkeiten, ihren Sport attraktiver zu machen, um ihn besser verkaufen zu können. Siehe Slalom-Wettbewerbe in Großstädten wie München oder Moskau.

Christian Neureuther liest aber auch den Funktionären in den Verbänden die Leviten. „Es geht immer um Macht. Aus dem Grund geht vieles nicht weiter, die nationalen Interessen stehen im Vordergrund.“ Der Szene-Kenner fordert eine professionelle Struktur im Skisport, einen CEO als oberstes Entscheidungsgremium und Profitcenter für Alpin, Langlauf, Sprunglauf etc. Das Problem: Die Verbände müssten Macht abgeben. Wie wäre eine Änderung möglich? „Notfalls müssten die Sportler mal rebellieren.“ Motto: Ohne Sportler keine Sport, ohne Sport auch kein Geld für Verbände, keine Macht für die Funktionäre. So weit wird es aber leider nicht kommen.

Auch IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bekommt in dem Interview sein Fett weg. Neureuther spricht dem Sport-Grantler aus dem Herzen: „…wie sich Bach zuletzt in Rio gegenüber den Athleten präsentiert hat, wie er das russische Dopingthema wegmoderiert und die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa fallen gelassen hat – darüber bin ich schwer enttäuscht. Was ist aus diesem ehemaligen Sportler geworden (Bach war Fecht-Olympiasieger)? Man muss sich das mal vorstellen: Ein IOC-Präsident reist nicht zu den Paralympics, einer der wichtigsten und integrativsten Ideen unserer Zeit, die dazu aus der olympischen Bewegung entstanden ist. Nicht ein Wort waren ihm die Paralympics in seiner Abschlussrede in Rio wert – ein Offenbarungseid!“

An die Adresse des IOC fordert Neureuther mehr Rücksicht auf den Umweltschutz bei den Olympischen Spielen. „Ich kann doch nicht – wie für die Winterspiele 2018 in Pyeonchang – in ein Naturschutzgebiet eingreifen und einen Wald abholzen!“ Deutliche Worte: „Der Gigantismus und die nicht mehr überschaubare Flut von Sportstätten und Wettbewerben bei Olympia muss ein Ende haben. Gigantismus sollte in der Nachhaltigkeit stattfinden.“ Neureuther spricht es deutlich an: „Was hinterlasse ich der Jugend der Welt nach den Spielen? Emotionen, Werte, Visionen und Chancen? Oder betrogene saubere Sportler, Bauruinen und Stadien, die keiner mehr braucht?“ Der einstige Spitzensportler ist sich sicher, dass bei einer Umkehr im IOC künftig auch die Leute wieder erreicht werden könnten, die in München und Hamburg noch gegen die Olympischen Spiele plädiert haben.

Der Sport-Grantler wollte der vernünftigen Stimme auf dieser Seite Gehör verschaffen. Schade nur, dass die Vernunft gegenüber Macht und Geld auf verlorenem Posten steht.

Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt

 

Die Meldung passte wie die Faust aufs Auge. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Toni Kroos verlängerte seinen Vertrag bei Real Madrid bis 2022. Das Salär angeblich 120 Millionen, 20 Millionen pro Jahr (angeblich netto), das sind, so haben es findige Leute ausgerechnet, 2283 Euro pro Stunde. „Das ist unverschämt“, argumentiert der Mann von der Straße, „das ist kein Sportler wert“. Kroos stieg damit zwar zum bestverdienenden deutschen Fußballer auf, aber wir wissen, in Europa ist er damit keineswegs Spitze. Und die Profisportler in Nordamerika lachen teilweise über solche Summen.

Das Wettrüsten im europäischen Fußball, aber nicht nur da, ist im vollen Gang. Englands Fußball schüttet nach lukrativen TV-Verträgen das Geld bekanntlich mit vollen Händen aus und bringt damit die ganze Fußball-Welt durcheinander. Das Rad wird überdreht und es droht eine Gefahr: Geld regiert zwar die Welt, macht aber den Sport damit kaputt, weil sich der gemeine Fan mit den Vereinen und Stars bald nicht mehr identifizieren kann. Viele Vereine laufen Gefahr, dass sie die Verbindung zur Basis verlieren und bald im luftleeren Raum schweben. Verlieren die Fans die Lust, ist es auch mit der guten Stimmung in den Stadien vorbei und der Fußball verliert seinen größten Reiz, nämlich ein Ereignis zu sein. Vereine und Verbände (siehe Erweiterung der Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften) haben nur noch eine Gewinnoptimierung im Blick, aber nicht mehr die Fans!

Ums Geld geht es aber auch in vielen anderen Sportarten. Nehmen wir Boxen, das man fast schon nicht mehr als Sport bezeichnen darf, es ist nur mehr ein schmutziges Geschäft. Beispiel ist die Posse um Schwergewichts-Champion Tyson Fury, der des Dopings angeklagt ist, aber angeblich unter Depressionen leidet und seine Titel abgegeben hat. Das Gerangel um die Nachfolge hat begonnen und es ist ein Kampf ums Geld. Wladimir Klitschko hat seine vier Titel von verschiedenen Verbänden an den Clown aus England verloren, nun bestimmt das Geld und nicht der Sport, wer jetzt um die Schwergewichtskrone kämpfen kann. Nicht die Besten werden kämpfen, sondern wer am meisten bietet, wird den Zuschlag erhalten. Geld regiert den Sport. Typisches Beispiel auch die Formel 1, wo es praktisch nur um das Geld geht und der Sport zur Nebensache wird. Für Firmen wie Mercedes, Red Bull, Ferrari und Renault ist die Formel 1 vor allem eine PR-Plattform.

Das Geld ist auch der Grund, warum sich der Basketball-Verband zum Gespött macht. Deutsche Basketballteams kämpfen gleich in vier Wettbewerben auf Europas Bühnen um die begehrten Pokale. Aus dem Dschungel von Euroleague, Europacup, Champions League und Fiba Europe Cup kennt sich keiner mehr aus. Hintergrund ist der Machtkampf zwischen dem Kontinentalverband Fiba Europe und der Euroleague, die zudem den Europacup organisiert. Beide Organisationen kämpfen um die besten Klubs in Europa, die sich quasi aussuchen können, wo sie mitspielen wollen. Der Machtkampf ist ein Kampf ums Geld und wird begleitet von Drohungen und Sanktionen und macht somit den Sport Basketball lächerlich. Der Beweis an diesem Beispiel: Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt. Mal sehen, wie lange der Fußball noch im Geld schwimmen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Golf. Auch dort schwimmen die Spitzenspieler im Geld, Die Profi-Turniere sind eine lukrative Einnahmequelle, der einst beste Spieler der Welt, Tiger Woods, war auch immer der bestverdienende Sportler der Welt, vor allem aber durch seine Werbeaktivitäten. Geht es allerdings um den prestigeträchtigsten Pokal, den Ryder Cup im Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa, dann spielt Geld keine Rolle. Die Spieler erhalten keinen Cent, es gibt keine Prämie. Es zählt allein der sportliche Vergleich – so geht es also auch.

Ist Jogi Löw ein guter Bundestrainer?

 

Ein Bekannter überraschte mich kürzlich mit der Frage: „Wie denkst Du denn über den Löw?“ Der Sport-Grantler war perplex. „Wie meinst Du das?“, fragte er zurück. „Na ja, ist der Löw ein guter Bundestrainer oder nicht?“ Ja, darf man denn an der Qualität eines Weltmeister-Trainers überhaupt zweifeln?

Der DFB-Präsident tut es offensichtlich nicht. Von Beginn seiner Amtszeit an zielte Reinhard Grindel auf eine Verlängerung des Vertrages mit Joachim Löw, der Stand jetzt nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 endet. Löw hat für dieses Turnier ein klares Ziel ausgegeben: Erfolgreiche Titelverteidigung, Deutschland soll wie 2014 Weltmeister werden. Eigentlich eine gute Eigenschaft, nicht den Duckmäuser zu spielen, sondern klare Kante zu zeigen. Doch der Erfolg ist damit nicht garantiert, schließlich wollte Deutschland 2016 auch Europameister werden. Der Titel ging an Portugal, Deutschland schied im Halbfinale unglücklich gegen Gastgeber Frankreich aus.

Jogi Löw feiert in diesem Jahr sein 10-Jähriges Jubiläum, im August 2006 war er erstmals als Bundestrainer für die DFB-Auswahl verantwortlich, als Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Der Deutsche Fußball-Verband darf mit der Bilanz zufrieden sein, obwohl sich die Erfolge schon früher hätten einstellen können. Löw hat seine Mannen immer ins Halbfinale geführt, war bereits 2008 bei der EM im Finale, bei der WM 2010 Dritter und bei der WM 2014 schließlich Weltmeister. Das kaschierte, dass er bei den Turnieren zuvor den einen oder anderen taktischen Fehler begangen hat und deshalb für das vorzeitige Ausscheiden mit verantwortlich war. Inzwischen hat Löw die DFB-Auswahl sogar in mehr Länderspielen betreut als der beliebte Helmut Schön (1964 – 1978). Mit dem Match gegen Tschechien ist Löw mit 140 Spielen an Schön (139) vorbeigezogen, nur der legendäre Sepp Herberger (1936 – 1964) liegt noch vor ihm mit 167 Spielen. Damals gab es aber auch viel weniger Länderspiele. Helmut Schön schaffte das, was Löw fehlt, er wurde Weltmeister (1974) und Europameister (1972).

Joachim Löw ist in der Öffentlichkeit durchaus anerkannt, aber nicht unbedingt so beliebt, wie es Sepp Herberger und Helmut Schön waren. Löw ist bekannt, aber nicht sonderlich populär, sein Auftreten manchmal etwas seltsam, negative Schlagzeilen erntete er als Nasenpopler auf der Bundesligatribüne oder mit Hosen-Gate, dem Griff in die eigene Hose an der Seitenlinie. Löw hatte und hat den Vorteil, dass er eine Generation von überaus talentierten Spielern anführen kann, mit dem besten Torwart der Welt als Rückhalt. Der Bundestrainer hat durchaus das Können, aus guten Spielern auch eine gute Gemeinschaft zu machen, Spielfreude ist sein Programm. Auffällig, dass er sein Team immer gut in Form bringen kann, wenn er vor einem Turnier genügend Vorbereitungszeit erhält.

Ja, Jogi Löw ist zweifellos ein guter Bundestrainer. Er hat wohl seine Berufung gefunden, denn als Vereinstrainer hielten sich seine Erfolge in Grenzen (Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart, Meister in Österreich mit Tirol Innsbruck, Supercupsieger in der Türkei mit Fenerbahce Instanbul). Aber Löw ist kein sehr guter oder überragender Bundestrainer, als dass es nicht eine Steigerung geben könnte. Deshalb ist es verwunderlich, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel so auf eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus drängt. Die WM-Qualifikation sollte kein Problem darstellen, aber der Titel in Russland ist keineswegs garantiert. Und was, wenn Deutschland frühzeitig scheitern sollte? Dann wäre eine Trennung die logische, aber auch teure Folge für den Verband. Also ruhig Blut, Herr Präsident. Der Löw rennt Ihnen nicht davon! Vertragsverlängerung höchstens dann, wenn es eine entsprechende günstige Ausstiegsklausel für den DFB gibt.

Übrigens: In einer Umfrage fragt die Fachzeitung kicker Ihre Leser, ob der DFB mit Löw den Vertrag verlängern soll. 54 Prozent stimmten bisher mit Nein.

Will Infantino für ein Inferno sorgen?

 

Als Gianni Infantino als FIFA-Präsident den unter Betrugsverdacht stehenden Joseph Blatter ablöste, da erhoffte man sich von ihm eine Neuorientierung des Internationalen Fußball-Verbandes hin zu Normalität, Bescheidenheit und Zurückhaltung. Es scheint, ganz das Gegenteil ist der Fall, der Schweizer scheint alle Grenzen der Vernunft sprengen zu wollen.

Gianni Infantino hat bereits mit seinem Plan, das Endturnier der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 40 Nationen aufzustocken, Europa in Rage versetzt. Es war sein Appetithappen für die kleinen Verbände, die ihm die nötigen Stimmen als Blatter-Nachfolger besorgen sollten. Der Plan hat geklappt, vielleicht ist es eine Art Wahlversprechen, dass der 45jährige Jurist jetzt noch eins drauflegt: Die Zahl von 40 wäre doch gar nicht so gut, er würde ab der WM 2026 sogar 48 Nationen vorschlagen. Dabei sollen 16 Nationen aus der Qualifikation gesetzt sein, dazu die restlichen 32 Nationen in Play-Off-Spielen die weiteren 16 Teilnehmer für ein 32er Feld ermitteln.

Dem Beobachter stellt sich die Frage, ob der FIFA-Chef diesen Plan in einer Art geistiger Umnachtung erstellt hat. Wie soll das organisatorisch gehen, dass 48 Nationen anreisen, 16 davon für nur ein Spiel. Alle Nationen müssen sich dennoch für ein volles Turnier vorbereiten, Quartierbuchungen usw. vornehmen. Es wird kaum noch Länder geben, die so ein Mammutturnier durchführen können. Ist das wirklich ein „Zuckerl“ für die kleinen Verbände, die endlich bei einem großen Turnier dabei sein wollen? Ist Infantinos Idee nicht eher infantil (kindisch) bzw. sorgt er nicht eher für ein Inferno (schreckliches Geschehen)? Wenn es nicht so ernst wäre, gäbe es nur einen Rat: Ab in den Papierkorb.

Aber bei den manchmal wahnsinnig engstirnig und geldgierigen Fußball-Funktionären ist nichts unmöglich. Sie gieren nach Umsatz und Geld, die kleinen Verbände nach Aufmerksamkeit und Beachtung. Bei der Wahl können sie mitmischen und den großen und reichen Verbänden bei der Stimmenvergabe eins auswischen. Nichts ist unmöglich, obwohl 32 Teilnehmer eine ideale Zahl und der Endpunkt für ein WM-Turnier sein muss.

Beim FIFA-Council nächste Woche in Wien soll debattiert, 2017 beschlossen werden, wie bei WM-Turnieren künftig gespielt werden soll. In Zugzwang geraten die Europäer, aber sie sollten den Ball zurückspielen, nämlich einfach die FIFA verlassen. Ein WM-Turnier ohne Europa wäre kein WM-Turnier mehr und Europa kann sich selbst eins organisieren. Zusammen mit Südamerika wäre es eine gültige WM, alle anderen könnten sich um Gianni Infantino versammeln und die Reste eines wahnsinnigen Planes aufsammeln. Aber wie heißt es doch so schön in Sachen FIFA: Nichts ist unmöglich. Oder doch: Unmöglich ist wohl, dass bei der FIFA Vernunft einkehrt!

Rotation im Spitzenfußball notwendig oder nicht?

 

Irgendein Trainer hat sie im Spitzenfußball einmal entdeckt: Die Rotation. Heute gilt sie oft als Weisheit letzter Schluss, um auf der einen Seite Stammspieler zu schonen, andererseits den Bankdrückern mal eine Chance zu geben, sich zu zeigen. Mal gelingt die Rotation, mal wird sie zum Schuss in den Ofen. Da stellt sich schon die Frage: Ist die Rotation notwendig oder nicht?

Nehmen wir das Beispiel Bayern München in der Bundesliga. Als der neue Trainer Pep Guardiola 2013 als Nachfolger von Jupp Heynckes begann, da sollte er erneut das Triple (Sieg Champions League, Meisterschaft, Pokal) nach München holen. Bekanntlich gelang ihm dies in seinen drei Jahren nicht. Der Spanier beklagte vor allem in den ersten Jahren besonderes Verletzungspech und die Bayern rüsteten entsprechend den Kader auf, nach dem Motto, Verletzungen hin oder her, wir haben immer erstklassige Leute auf dem Feld. Stimmt aber nicht, wie sich immer wieder zeigt. Die Bayern können Verletzungen zwar besser wegstecken als viele andere Vereine, aber ein Leistungsunterschied wird dennoch deutlich.

Das zeigte sich jetzt in der Bundesliga beim Punktverlust gegen Köln. Ancelotti verzichtete zu Beginn freiwillig oder nicht ganz unfreiwillig wegen leichter Blessuren auf Lahm, Boateng, Alaba, Müller, Vidal, Thiago und Ribery. Das Fehlen der sieben Stammkräfte machte sich nachteilig bemerkbar, der erste Punktverlust war das Resultat. Rafinha ist kein Lahm, Bernat ist kein Alaba, Sanches ist kein Vidal, Coman ist kein Ribery. Ein Boateng hinterlässt trotz der starken Hummels und Martinez schon als Typ eine Lücke. Allein Müller durch Robben und Thiago durch Kimmich konnten einigermaßen adäquat ersetzt werden. Vor allem der 21jährige Joshua Kimmich spielt sich in den Vordergrund, entwickelt sich sogar zum Torjäger. Also bald Rotations-Ersatz für Lewandowski? Die Rotation jedenfalls sorgte für einen Rückschlag für die Bayern.

Die Trainer der Spitzenklubs sagen gern, dass sie rotieren müssen, damit alle Spieler im Frühjahr, wenn es darauf ankommt, wirklich fit und nicht müde sind. Sie mögen recht haben, aber gilt dieser Blick schon im Oktober oder November? Gerade in der Bundesliga gibt es auch eine Winterpause für die Regeneration. Bankdrücker können dann eine Chance bekommen, wenn der Klub klar führt und Stammpersonal geschont werden kann. Dann können auch junge Spieler wie Renato Sanches herangeführt werden. Zunächst aber gilt es, die Weichen auf Sieg zu stellen. Sonst kann man im Frühjahr überhaupt nicht ernten, wenn im Herbst schon alles verdorrt, sprich verloren ist. Rotation mag ja gut sein, aber sie sollte mit Augenmaß und ohne Punktverlust praktiziert werden.

Was die Bayern angeht, so können die Münchner nach nicht so berauschenden Leistungen wie dem 0:1 bei Atletico Madrid und dem 1:1 gegen Köln, darauf hoffen, dass jetzt unter Carlo Ancelotti alles anders wird: Nicht die große Form im Herbst, wie meist unter Pep Guardiola, sondern die große Form im Frühjahr, wenn es darauf ankommt. So muss es fast sein, sollte sich der Traum vom Triple endlich erfüllen. Rotation hin oder her.

Nationalteams: Zugpferde als Problemfall der Ligen

 

Die Nationalmannschaften sind von jeher das Zugpferd der Sportarten. Beispiel Fußball: Spielt die DFB-Auswahl, dann sitzen wesentlich mehr Zuschauer vor den Bildschirmen als bei jedem Verein, sei es nun Bayern München oder Borussia Dortmund. Die großen Turniere wie Welt- und Europameisterschaft holen in ihren Jahren jeweils die Einschaltrekorde. Wer im Laufe einer Saison allerdings genau hinschaut, der stellt fest, dass die Profi-Ligen die Nationalteams inzwischen mehr als notwendiges Übel sehen und die Anzahl der Auswahlspiele am liebsten reduzieren würden. Der neutrale Beobachter sagt: Das darf doch nicht wahr sein, die Zugpferde als Problemfall der Ligen.

Im Fußball gab es zuletzt Diskussionen, ob die Spieler ihren Marktwert über den Verein oder die Nationalmannschaft steigern können. Ausgangspunkt der Diskussion: Die Vereine beklagen, dass der DFB ihnen potentielle Werbepartner abspenstig macht. Klar, es gibt nur einen Kuchen und jeder will ein Stück abhaben. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, machte den Vereinen deutlich, dass der DFB potente Werbepartner braucht und die Vereine von der Auswahl profitieren würden, weil die Spieler durch ihre Einsätze für das Land den Marktwert steigern würden. Die Vereine wiederum beklagen, dass die Spieler oft verletzt zurückkommen und es schließlich der Verein ist, der die Spieler bezahlt und in Form bringt. Beide Seiten haben auf ihre Art recht, doch der quasi unbeteiligte Fan begeistert sich am ehesten halt für die Nationalmannschaft, für die nationale Aufgabe und was im Hintergrund abläuft ist ihm egal.

Ähnlich ist es in anderen Sportarten. Die Handball-Nationalmannschaft wusste zuletzt zu begeistern, wurde Europameister und holte Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio. Die Vereine hofften auf einen Handball-Boom. Vergebens! Die Leute begeistern sich für die Nationalmannschaft, nicht für die Liga, auch wenn die als stärkste der Welt gilt. So schauen die Vereine bei der Spielerwahl auf sich und auf deutsche Talente, die haben es im eigenen Land bei der Entwicklung entsprechend schwer.

Besonders krass ist es im Eishockey. Die Liga aller Ligen ist die National Hockey League in Nordamerika. Derzeit spielen sieben deutsche Cracks in Übersee, eine stattliche Zahl für das deutsche Eishockey. Das Problem: Wer in der NHL erfolgreich ist, hat für die DEB-Auswahl keine Zeit. Was möglich wäre, zeigte die Olympia-Qualifikation im September, die vor der eigentlichen Saison gespielt wurde und deshalb hatten auch alle Stars Zeit. Das Resultat war die stärkste Nationalmannschaft seit vielen Jahren. Doch dies wird ein einmaliger Fall gewesen sein. Die Nationalmannschaft ist kein Zugpferd, sondern ein Lückenfüller. Bei Weltmeisterschaften treten nur die NHL-Profis an, die mit ihren Klubs im Kampf um den Stanley Cup ausgeschieden, auf Olympische Spiele wird meist gar keine Rücksicht genommen.

Krach gab es auch im Basketball um die Nationalmannschaft. Vor der wichtigen EM-Qualifikation gab es Absagen zuhauf und nach entsprechend schwachen Leistungen Beschwerden der Vereinsfunktionäre. Die einen beklagten eine mangelhafte Organisation, die anderen die medizinische Betreuung und manche gingen sogar so weit, dass sie die Abschaffung des Auswahlteams forderten. Nach dem Motto „bringt eh nichts“. Mit Mühe und Not wurde die Qualifikation geschafft, aber Zugpferde wollen anders behandelt werden.

Manche Funktionäre sollten das Rad der Geschichte zurückdrehen und zur Vernunft kommen. Eine Nationalmannschaft ist das Aushängeschild einer Sportart und muss entsprechend gehegt und gepflegt werden, wenn sie neue Fans für den Sport gewinnen soll. Auch im Profisport darf der nationale Gedanke nicht ad acta gelegt werden. Eine Nationalmannschaft hat auch die wichtige Aufgabe, die Jugend für den Sport zu begeistern und entsprechend Talente heranzuführen. Ohne neue Talente kann auch der Profisport nicht leben. Deshalb: Die Zugpferde sollten kein Problemfall sein, sondern immer gut gefüttert werden!

Paralympics die wahren Olympischen Spiele für Rio

 

Viele fragen sich: Ist ein Wunder geschehen? Dort, wo die Brasilianer vor Wochen den olympischen Wettkämpfen skeptisch gegenüberstanden und ihnen meist fernblieben, herrscht plötzlich Begeisterung. Die behinderten Wettkämpfer werden umjubelt, die Ränge sind gut gefüllt, die Stimmung ist fast euphorisch. Die Paralympics, meist nur ein Anhängsel der Spiele, obwohl sie seit 1988 immer von der Olympia-Stadt ausgerichtet werden müssen, sind in Rio de Janeiro zum olympischen Erlebnis geworden. Warum? Die Gründe sind offensichtlich.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele standen vor allem die Kosten im Blickpunkt, standen sich das Volk und Politik fast feindselig gegenüber, bestimmten Korruption und Doping die Schlagzeilen. Das Olympische Feuer brannte zwar, aber nicht wirklich in den Herzen der Bevölkerung. Ganz anders bei den Paralympics. Auch da gab es im Vorfeld Sorgen, weil nur wenige Eintrittskarten verkauft wurden. Die Veranstalter senkten die Preise und sorgten damit für einen Boom. Eine Sperre fiel weg und weckte dafür Begeisterung. Selbst nicht gut betuchte Brasilianer konnten sich Olympia leisten und die behinderten Sportler wurden quasi zum Synonym für das eigene Leben, das für viele von Behinderungen im Alltag, vom Überlebenskampf gekennzeichnet ist. So wurden die Paralympics in Rio de Janeiro für die Bevölkerung zu „ihren“ Spielen, die wahren Olympischen Spiele.

Dabei haben auch die Paralympics ihre Unschuld verloren. Alle negativen Auswüchse des Profisports sind auch bei den Behinderten zu beobachten. Dort, wo der Sport professionell betrieben wird, geht es um Geld und um den Vorteil mit allen Mitteln. Also spielt auch bei den Behinderten Doping eine große Rolle, geht es darum, technische Vorteile bei den Hilfsmitteln wie Prothesen in Einklang zu bringen, doch manche verschaffen sich natürlich technische Vorteile. Einen gewissen Gigantismus haben die Paralympics auch erreicht, aus ursprünglich 400 Teilnehmern bei den Anfängen 1960 sind inzwischen über 4000 geworden, um 528 Entscheidungen ging es in Rio.

Ein Medaillenspiegel verbietet sich eigentlich bei den Paralympics, dennoch wird er geführt und einige Nationen haben auch die Spiele der behinderten Sportler dafür entdeckt, um sich als fortschrittliche und sportlich erfolgreiche Nation zu präsentieren. Allen voran China, dass am Ende über 200 Medaillen gewonnen haben wird, also fast bei der Hälfte aller Wettkämpfe mit einer Sportlerin oder Sportler auf dem Treppchen stand. Vorne dabei neben Großbritannien und den USA auch die Ukraine, was Fragen aufwirft. Deutschland freute sich über viele Medaillen (Rang 6), aber vor allem auch Brasilien war über die Maßen erfolgreich, wesentlich erfolgreicher als bei Olympia, so dass auch sportlich die Begeisterung der Bevölkerung angeheizt wurde. Allerdings wird gerade bei den Paralympics die Schere zwischen Arm und Reich deutlich, weil sich ärmere Athleten nicht die besten technischen Hilfsmittel leisten können. So sind die Staaten erfolgreich, die ihre Athleten vor allem finanziell unterstützen.

Im Vordergrund bei den Paralympics muss allerdings stehen, welches Schicksal die Athleten gemeistert haben. Der Sport half, mit der Behinderung zu leben. Das ist wichtiger als jede Medaille oder jeder Medaillenspiegel. Deutschlands erfolgreichste Athletin Marianne Buggenhagen, die jetzt mit 63 ihre Karriere beenden will und nach einem Bandscheibenvorfall eine Querschnittslähmung erlitt, sagte im Rückblick: „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich im Pflegeheim gelandet oder asozial geworden.“ Das zählt mehr als jede Medaille.