Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Start in der Champions League: Geld schlägt den Sport!

 

 

Sie ist das Aushängeschild des europäischen Fußballs – die Champions League. Die großen Vereine sehen den nationalen Meistertitel als Pflichtaufgabe an, der Titel in der Champions League (CL) ist die Kür und das besondere Renommee für den Briefkopf. Manchmal ist er auch Trost, wie zuletzt für Real Madrid, das national nichts ernten konnte. Nicht die Besten in Spanien, aber die Besten in Europa. Na, das ist doch was.

Der Sport spielt allerdings derzeit in Europas Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Diskutiert wird über das Geld. Das Geld schlägt den Sport. In der Sommerpause beherrschten die schon teils wirklichkeitsfremden Ablösesummen für Spitzenspieler und solche, die es erst werden wollen, die Schlagzeilen. Auf Geldvermehrung achten auch die Vereine, die bei der UEFA eine Aufstockung der Ausschüttung durchsetzten. 2018 steigt die Ausschüttung in der CL von 1355,5 Millionen Euro auf 2016,6 und der Europa League (EL) von 410,7 auf 504,2, was prozentual weniger ist, heißt, die EL verliert weiter an Reputation. Dennoch: National gesehen drängen die Vereine auf Europas Bühne, weil sie fürchten, sonst noch mehr abgehängt zu werden. Der Trick: Weil in vielen Ländern dem Titelkampf oft die Spannung fehlt, wird die Tür zu Europa zum Spannungselement. Sie wollen nur eines: Geld.

Dazu kommt, dass wohl neben der Umverteilung der Gelder auch eine Umverteilung der Macht bevorsteht. Die Klubs in Europa gründeten am 15. August 2008 die Europäische Club Association (ECA), als Nachfolger der G14 (Gründungsmitglied Bayern München), ein Zusammenschluss von 14Spitzenvereinen, heute sind 220 Klubs aus 53 der 55 UEFA-Verbände dort Mitglied. Präsident der ECA ist Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge. Ziel: Mehr Macht, mehr Geld. Durchgesetzt haben die Vereine bereits, dass in der Champions League künftig die vier besten Nationen (derzeit Spanien, Deutschland, England, Italien) vier feste Vertreter abstellen können, durchsetzen wollen sie noch mehr Mitsprache im Verband, sprich Sitze in der UEFA-Exekutive. Die ECA wird auch der Schlüssel sein, ob die CL künftig sogar zweitklassig wird, dann nämlich, wenn eine Weltliga gegründet wird. Möglich ist dies, weil Milliardäre aus China, den USA und der arabischen Welt mit Geldscheinen wedeln. Geld schlägt den Sport. Keiner fragt danach, welche Belastungen die Spieler noch aushalten sollen bzw. welcher Wettbewerb gestrichen wird. Die nationale Meisterschaft vielleicht?

Die Spitzenklubs fordern ein Umdenken. Vor einiger Zeit wurde die CL auch für die kleineren Verbände mehr geöffnet, was allerdings dazu führte, dass die Gruppenphase ziemlich an Spannung und Attraktivität eingebüßt hat. Begegnungen wie Bayern München gegen FK Rostow soll es möglichst kaum geben. Rostow? Zweiter in der Meisterschaft Russlands und auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm sagt: „Wir wissen nichts über den Gegner“. Nun, Trainer Carlo Ancelotti wird seine Spieler schon noch aufklären, aber das Ziel ist klar: Ein Auftaktsieg ist Pflicht, schließlich gilt es die Heimbilanz mit zwölf CL-Spielen ohne Niederlage fortzusetzen. Zum 20. Mal starten die Bayern in der CL-Gruppenphase und 15mal gingen sie als Sieger vom Platz.

Bayern München zählt natürlich wieder zu den Titelfavoriten und kämpft mit Vorjahresfinalist Atletico Madrid um Platz eins in der Gruppe (außerdem PSV Eindhoven). Die weiteren Favoriten sind die üblichen Verdächtigen wie Titelverteidiger Real Madrid und der FC Barcelona. Gespannt sein darf man allein, ob Englands Top-Klubs mit neuen Spielern und neuen Trainern wieder zu ernsthaften Konkurrenten werden. Pep Guardiola zeigt ja bereits mit Manchester City als Tabellenführer in England, dass ein neuer Wind weht. Da werden die anderen deutschen Klubs über kurz oder lang in die Zuschauerrolle gedrängt. Sei es Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach, das ausgerechnet bei ManCity mit Pep beginnen muss. Vielleicht tröstet sich ein Ausscheider später in der Europa League, dort darf man den Startern Mainz 05 und Schalke 04 nicht so viel zutrauen. Seit Jahren fehlen deutschen Klubs im Endkampf um den EL-Titel. Wäre doch auch mal wieder was. Oder heißt es: Hauptsache der Euro rollt?

Eishockey-Glücksfälle und das Pech, das Glück vergänglich ist

 

 

Zumindest in Deutschland haben wir derzeit einen schönen und warmen Spätsommer – wer denkt denn da an Eishockey. Dennoch hat sich der vermutlich schnellste Sport der Welt positiv ins Gespräch gebracht. Die Olympia-Qualifikation für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang in Südkorea musste aus Termingründen bereits vor der eigentlichen Saison gespielt werden. Eigentlich ein Unding, dass ein wichtiges Turnier zu einem Zeitpunkt ausgetragen wird, an dem die Spieler noch gar nicht richtig in Form sind. Die Deutschen aber waren gut genug und holten sich mit Siegen gegen Japan, Österreich und Lettland das Olympia-Ticket. Möglich machte dies eine Anhäufung von Glücksfallen. Doch Vorsicht: Glück ist bekanntlich vergänglich.

Der Zeitpunkt vor der Saison war schlecht und glücklich zugleich. Schlecht eben, siehe oben, weil die Cracks ohne Punktspielpraxis aufs Eis mussten. Glücklich, weil alle Stars aus der nordamerikanischen Profi-Liga NHL Zeit hatten und dabei sein konnten. Man glaubt es kaum, dass der neue Bundestrainer Marco Sturm, selbst ein einstiger NHL-Star, gleich sieben NHL-Spieler nominieren konnte. Damit war Deutschland Spitze und gleichzeitig Favorit.

Ein weiterer Glücksfall: Mit Tom Kühnhackl holte ein deutscher Spieler mit den Pittsburgh Penguins den begehrten Stanley Cup, ein Vorhaben, das nur Uwe Krupp (auch mal Bundestrainer) aus deutscher Sicht schaffte. Kühnhackl, Sohn der Eishockey-Legende Erich Kühnhackl, zum Spieler des Jahrhunderts gekürt, rückte im Laufe der Saison ins NHL-Team auf und setzte sich als Arbeiter auf dem Eis durch. Der Vater war als Torjäger gefürchtet, fürchtete aber seinerseits den Sprung in die NHL, der möglich gewesen war. Jetzt glänzte Sohn Tom auch aus Torschütze und sicherte mit seinem „Abstauber“ zum 3:2 gegen Lettland den Flug nach Südkorea. Seine Glückssträhne hielt also ebenso an, wie die des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Übrigens gewann Erick Kühnhackl mit dem DEB-Team 1976 bei Olympia in Innsbruck sensationell Bronze (in einem allerdings schwach besetzten Turnier). Ein Medaillengewinn, den Sohn Tom wohl nie schaffen wird. So viel Glück wird Deutschland dann doch nicht haben.

Ein Glücksfall für den DEB war zweifellos die Verpflichtung von Marco Sturm als Bundestrainer. Präsident Franz Reindl schaffte in seiner neuen Position das, was ihm in jahrzehntelanger Arbeit als Sportdirektor nicht vergönnt war: Ein Glücksgriff, die richtige Entscheidung. Als Sportdirektor war er hauptverantwortlich für zahlreiche Rückschläge des deutschen Eishockeys, jetzt sonnt er sich im Glück. Doch Achtung: Glück ist vergänglich.

Das wird sich schon bei den nächsten Aufgaben zeigen. Glück ist, das Deutschland mit Frankreich Gastgeber der Weltmeisterschaft 2017 ist und mit Heimrecht in Köln und Unterstützung der Fans auf eine erfolgreiche WM hoffen kann. Marco Sturm bleibt an Bord, der Einjahresvertrag, quasi auf Probe, hat sich durch die Olympia-Qualifikation bis 2018 verlängert. Unter Sturm kommen die Eishockey-Cracks wieder gern zur Nationalmannschaft, weil sie eine Perspektive sehen. Unter seinen Vorgängern war das die Jahre zuvor nicht mehr so, es hagelte Pleiten, Pech und Pannen, da will dann keiner dabei sein. Ein Problem, das die Eishockey-Nationalmannschaft schon in früheren Zeiten hatte. Pech ist, dass die Nationalmannschaft wohl kaum einmal erneut auf alle NHL-Stars zurückgreifen kann, denn weder zur WM noch zu Olympia werden sie alle Zeit haben. Wenn sie erfolgreich sind, haben sie keine Zeit, wenn sie mit ihren Vereinen in der NHL schon ausgeschieden sind, stimmt wohl auch die Leistung nicht. Ein Dilemma.

Die Deutsche Eishockey Liga hat das Glück, das durch die Olympia-Qualifikation Eishockey erstmals vor dem Start der neuen Saison am 16. September ein bisschen wenigstens positiv im Gespräch war. Ansonsten ist ja PR im Sommer kaum möglich. Werbung hat die DEL auch nötig, denn sie hat ja Probleme, aus finanziellen Gründen gaben zuletzt die Hamburg Freezers auf. Spitzen-Eishockey ist von Sponsoren abhängig und steht auf wackligen Füßen. Insofern kann sich auch hier zeigen: Glück ist vergänglich.

So sehen die Gruppen bei Olympia 2018 aus: Gruppe A mit Kanada, Tschechien, Schweiz, Südkorea. Gruppe B mit Russland, USA, Slowakei, Slowenien. Gruppe C mit Deutschland, Schweden, Finnland, Norwegen. Die Gruppensieger und der beste Zweite sind im Viertelfinale, die anderen acht Nationen spielen in Play-Offs um die restlichen vier Plätze. Nach der Vorrunde scheidet also keiner aus! Spannende Gruppenspiele also…

Die Formel 1 fährt wieder – und Vettel fährt hinterher

 

Rasant ist die Formel 1 aus ihrer Sommerpause gekommen. Als wollte sie ein Signal setzen, dass die Königsklasse des Motorsports keineswegs langweilig ist, sorgte sie mit einem Crash in der ersten Kurve gleich für Aufmerksamkeit. Der Verursacher in Spa, Jungtalent Max Verstappen (oder war doch Sebastian Vettel der Schuldige?), bekam aber kein Lob, sondern einiges auf die Ohren (einige sagten, „dem fehlt es zwischen den Ohren“). Die Formel 1 fährt also wieder, aber nicht immer, Manchmal steht sie auch. Ein seltenes und seltsames Bild, als in Spa nach einem schweren Unfall alle Boliden in der Boxengasse standen und auf die Fortführung des Rennens warteten.

Wie auch immer, die Formel 1 war im Gespräch, allein das ist für die Macher um Bernie Ecclestone wichtig. Vorbei sind die Schattenwerfer Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele. Wenn die Formel 1 auch nicht in Belangen freie Fahrt hat, geht es um die Höhepunkte im Sport, so mischt die Formel 1 zumindest wieder mit. Tatsache ist: Die Rennen sind interessanter geworden.

Noch acht Rennen von insgesamt 21 stehen an, am kommenden Sonntag, 4. September, präsentiert sich mit Monza in Italien gleich wieder ein Hochgeschwindigkeitskurs, so, als hieße es, mit Vollgas in den Endspurt. In Spa standen die aktuellen Fahrer sowieso im Schatten eines Altmeisters, Michael Schumacher nämlich, der vor 25 Jahren in Spa seine große Karriere in der Formel 1 begonnen hatte. „Plötzlich war er da…“ hieß es, das Talent kam aus dem Nichts und mischte die Rennkönige auf. Nach seinem folgenschweren Skiunfall ist Michael Schumacher plötzlich wieder weg – leider (alles Gute, Michael).

Einen würdigen Nachfolger hat er bisher nicht gefunden. Sebastian Vettel ist es nicht, was die deutschen Fahrer angeht, und Lewis Hamilton ist es nicht, was die Spitze angeht. Ganz im Gegenteil, Vettel ist bisher der Verlierer der Saison. Im Vorfeld der neuen Saison hatten die Beobachter eine Hoffnung: Ferrari sollte die Alleinherrschaft von Mercedes ins Wanken bringen und von einem Dreikampf um den Titel war die Rede, zu Hamilton und Nico Rosberg sollte sich Sebastian Vettel gesellen. Doch die Hoffnung, genährt durch drei Siege im Vorjahr, trog, Vettel fuhr bisher mehr hinterher als vorneweg, Ferrari ist nicht die zweite Kraft, sondern die dritte. Red Bull hat ihnen die Show gestohlen, Daniel Ricciardo (Australien) ist in der Fahrerwertung Dritter vor Vettel und in der Konstrukteurswertung zeigt Red Bull den Ferraris den Auspuff. Während das Brause-Team große Fortschritte erzielte, herrschte in Maranello Stillstand. Ferrari kommt buchstäblich nicht vom Fleck. Vettel ist ein Stück weg verzweifelt, Optimisten verweisen darauf, dass es unter Schumacher auch drei Jahre gedauert hatte, bis sich die Erfolge einstellte. Ein gutes Rennen in Monza soll jetzt zum Stimmungsaufheller werden.

Das Maß aller Dinge bleibt also Mercedes, das wenigstens durch den Zweikampf zwischen Titelverteidiger Hamilton und Herausforderer Rosberg für Spannung sorgt. Die Konkurrenz konnte offensichtlich das Entgegenkommen, dass das Reglement für mehr Entwicklungsfreiheiten gelockert wurde, nicht nutzen. Aber Red Bull befindet sich im Aufwind, weckt die Hoffnung für die Zukunft und glaubt an einen Trumpf: Im nächsten Jahr soll bei den Neuerungen die Aerodynamik eine größere Rolle spielen und da gilt Technikdirektor Adrian Newey als wahrer „Zauberer“. So einen braucht die Formel 1, damit der Zauber der Königsklasse nicht verfliegt. Mal sehen, welches Fazit wir nach dem letzten Rennen am 27. November in Abu Dhabi ziehen können. Sebastian Vettel als Weltmeister ist allerdings unwahrscheinlich.

Seltsam: Alle wollen nach Russland!

 

Russland hat sicherlich beeindruckende Städte und landschaftliche Schönheiten zu bieten, aber als Traumziel werden es nur wenige angeben. Eher heißt es: „Russland? Nein, danke.“ Sportlich geriet Russland zuletzt vor allem durch die Dopingaffären ins Zwielicht. Da wird es Präsident Putin freuen, wenn Russland plötzlich zum Traumziel auserkoren wird. In Europa beginnt die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und die findet bekanntlich in Russland statt. Also: Alle wollen nach Russland!

Sechs Kontinentalverbände weist die FIFA auf, Europa ist beim Start in die WM-Qualifikation das Schlusslicht. In Afrika, Südamerika, Nord- und Mittelamerika, Asien und Ozeanien wird bereits gespielt. In Europa fällt der Startschuss am Sonntag, 4. September. 54 Länder spielen in neun Sechsergruppen, die neun Gruppensieger sind direkt qualifiziert, die acht besten Gruppenzweiten haben in Play-Offs noch die Chance auf vier weitere Plätze.

Schlagerspiele sind in den neun Gruppen an den Fingern einer Hand abzuzählen. Nur zweimal treffen sogenannte „Große“ aufeinander: In der Gruppe A duellieren sich Frankreich und die Niederlande, in der Gruppe G sind es Spanien und Italien. Der frischgebackene Europameister Portugal trifft in der Gruppe B auf die Schweiz und Ungarn, Weltmeister Deutschland ist in der Gruppe C Favorit gegen Tschechien, Norwegen und Nordirland, die Gruppe D gilt mit Österreich, Wales, Serbien und Irland als ziemlich ausgeglichen, Polen will sich in der Gruppe E gegen Dänemark und Rumänien qualifizieren, England und Schottland treffen in der Gruppe F aufeinander, Belgien bekommt es in der Gruppe H mit Griechenland und Bosnien-Herzegowina zu tun, während Kroatien und die Türkei in der Gruppe I das EM-Überraschungsteam Island nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Wir sehen also, dass die EM die WM-Qualifikation ein bisschen interessanter gemacht hat. Erst am 10. Oktober 2017 werden die letzten Gruppensieger feststehen. Davor muss sich Russland schon im Sommer 2017 beim Confed-Cup der Kontinentalsieger als Organisator bewähren.

Naturgemäß werden die Augen vor allem auf Weltmeister Deutschland gerichtet sein und Bundestrainer Joachim Löw lässt keine Zweifel daran, dass die erfolgreiche Titelverteidigung das erklärte Ziel ist. Titel fallen einem allerdings nicht in den Schoß, da bedarf es manchmal auch glücklicher Umstände, wie sie Deutschland bei der WM 2014 in Brasilien hatte oder Portugal bei der EM 2016. Was Deutschland angeht, da deutete ein holprige EM-Qualifikation schon darauf hin, dass der WM-Glanz ein bisschen verblasst war. Fünf WM-Helden haben inzwischen ihren Rücktritt erklärt, zwangsläufig muss Löw zumindest in Teilen eine neue Mannschaft aufbauen. Da wird die Qualifikation auch gegen Gegner, die nicht unbedingt zur ersten Klasse gehören, Fingerzeige geben können. Härtere Proben soll das DFB-Team dann eher in Freundschaftsspielen bestehen und beim Confed-Cup sollen die Stars geschont werden und Talente ihre Bewährungsprobe erhalten.

Besonders spannend ist die WM-Qualifikation in Südamerika. Dort kämpfen zehn Nationen in einer Gruppe um vier feste Plätze, der Fünfte hat noch die Qualifikationschance gegen den Vertreter aus Ozeanien. Die Qualifikation begann mit Überraschungen, nach sechs Spieltagen liegen Uruguay und Ecuador mit 13 Punkten gleichauf, Argentinien folgt mit 11 Punkten erst dahinter vor Chile (10), Kolumbien (10) und Brasilien (9), das derzeit ausgeschieden wäre. Argentinien feierte zuletzt trotzdem, weil Superstar Leonie Messi vom Rücktritt zurücktrat und doch wieder das Nationaltrikot tragen wird. Brasilien schöpft aus dem Olympiasieg neue Hoffnung. Endlich wieder ein Erfolgserlebnis, das Mut geben sollte. Bisher verlief die Qualifikation mutlos, die mit einer 0:2-Niederlage in Chile begann und neben Remis mit einem 3:1 gegen Schlusslicht Venezuela (1 Punkt) nur einen Sieg brachte. Mit Olympia-Gold sollen wieder goldige Zeiten anbrechen! Russland brachte mit der Doping-Affäre einen Schatten auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, eine WM ohne Brasilien würde einen Schatten auf die WM in Russland werfen!

In der Doping-Falle: Geht Olympia den Bach runter?

 

Mit Glanz und Gloria gingen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zu Ende, aber einen Olympia-Rausch gab es in Brasilien nicht. Der Kater wird dennoch kommen. „Wunderbare Spiele in einer wunderbaren Stadt“ schwärmte IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und benahm sich dabei wie ein Tourist. Es waren eher seltsame Spiele im Schatten des Dopings, des Chaos, vieler Pannen und leider auch oft halbleere Zuschauertribünen mit einem teilweise unfairen Publikum. Es waren aber auch Spiele der Herzlichkeit, der Offenheit und der Lebensfreude. Beachvolleyball an der Copacabana sorgte für Gänsehaut.

Doch was kommt danach? Die Bevölkerung von Rio wird sich über eine bessere Infrastruktur freuen, die Stadt aber auf einem Haufen Schulden sitzen bleiben. Ein paar reiche Unternehmer haben den Reibach gemacht, für die Armen in den Favelas ist keine Besserung in Sicht. Brasilien wird einst dennoch stolz auf die ersten Olympischen Spiele in Südamerika zurückblicken können, nach dem Motto: Wir haben es geschafft. Das Positivste: Es gab keinen terroristischen Anschlag, wenn auch die Kriminalität trotz der besonderen Sicherheitsmaßnahmen allgegenwärtig war.

Was danach kommt, muss sich vor allem das Internationale Olympische Komitee fragen. Es sitzt nämlich in der Doping-Falle. Wenn diese Problematik nicht energisch angegangen wird, geht Olympia früher oder später buchstäblich – nomen est omen – den Bach runter. Künftig muss Doping noch mehr geächtet und vor allem strenger sanktioniert werden. Das IOC gab ein schlechtes Beispiel ab, als der russischen Mannschaft nicht komplett der Start verweigert wurde. Manche Sportarten gelten absolut als Dopingverseucht. Hier muss aufgeräumt werden. Es muss wirksame Sperren geben und Verbände, die den Betrug nicht verhindern können, müssen ausgeschlossen werden. So zum Beispiel Gewichtheben, wo Bulgarien und Aserbaidschan ausgeschlossen waren, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und die Türkei nur durch die Hintertür reinkamen und auch Russland, Usbekistan, Moldawien, Rumänien und die Ukraine, die des systematischen Betrugs bezichtigt werden. Sie haben bei Olympia nichts zu suchen! Das IOC muss bereits im Hinblick auf die Winterspiele 2018 Härte zeigen!

Dies nur als Beispiel. Würde betrügerische Nationen ausgeschlossen, wäre der Gigantismus der Spiele kein Problem mehr. Wenn aber schon die Doping-Kontrollen lückenhaft durchgeführt werden, wird sich das IOC aus der Doping-Falle nie befreien können. Angeblich sollen in Rio Athleten verwechselt worden sein, Kontrolleure seien gar nicht erschienen und bei Kontrollen wäre geschlampt worden. Fremde Personen sollen bei den Kontrollen anwesend gewesen sein. Dem Betrug wurden Tür und Tor geöffnet. Ein effektiver Kampf gegen das Doping sieht anders aus.

Olympia bleibt aber ein Fest des Sports für die Sportler. Wer selbst die amerikanischen Basketball-Millionäre gesehen hat, wie sie sich über ihre Goldmedaille wie kleine Kinder gefreut haben, der hat ein bisschen was vom Zauber Olympias gespürt. Olympia muss den Sportlern erhalten bleiben, aber der Sport-Grantler hat es schon öfters angeprangert: Viele Funktionäre sind der größte Feind des Sports, weil sie ihn nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, anstatt dem Sport zu dienen, wie es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte.

Deutsche Medaillen mit zwei Seiten

Auch die deutsche Olympia-Bilanz fällt zwiespältig aus. Medaillenzähler stellen fest, dass 42 Medaillen gegenüber den 44 von London 2012 ja nicht so schlecht sind, zumal 17 Goldmedaillen gegenüber elf von London quasi eine Wertsteigerung bedeuten. Einzelne Verbände müssen sich jedoch Gedanken machen, was sie in Zukunft besser machen können. Vor allem Schwimmer und Fechter befinden sich in einer tiefen Krise, Kanuten, Reiter und Schützen retteten Deutschlands Medaillenbilanz. Auffallend ist, dass alle teilnehmenden Mannschaften mit einer Medaille nach Hause fahren. Das passt zu dem Trend, dass die Jugend vielfach das Gemeinschaftserlebnis in Mannschaftssportarten sucht. Fechten zum Beispiel hat das Problem, dass es nur wenig Angebotsmöglichkeiten für die Jugend gibt.

Der Deutsche Sport-Bund sollte sich an Großbritannien orientieren, dort wurde die Förderung vor den Spielen in London extrem gesteigert und die Erfolge wurden in Rio wiederholt. Großbritannien war hinter den USA und noch vor China die zweitbeste Nation. Deutschland landete 17 Gold, 10 Silber und 15 Bronze auf Rang vier, wird in ein paar Jahren aber als Vierter gewertet werden, dann nämlich, wenn die eingefrorenen Dopingproben mit neuen Methoden untersucht werden und Russland (18-17-18) wohl einige Medaillen verlieren wird…

Zwiespältig wird auch die Bilanz der deutschen Fernsehsender ARD und ZDF ausfallen. Sie erlebten vielleicht zum letzten Mal einen Olympiaboom bei den Zuschauerquoten. Deutschland zeigte sich an den Bildschirmen von Olympia begeistert, fast durchgehend schaute jeder Fünfte Olympia an, die Quoten erreichten in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer. 2018 in Pyeongchang in Südkorea und 2020 in Tokio stehen die Sender allerdings im Abseits. Der US-Konzern Discovery hat sich die Rechte gesichert und will über Eurosport hierzulande berichten. Die Verhandlungen über Sublizenzen gestalten sich als schwierig. Sollten ARD und ZDF künftig außen vor sein, dann würden die sogenannten Randsportarten in Deutschland darunter leiden, denn beide Sender haben bereits angekündigt, dass sie dann auch die nationalen Übertragungen reduzieren würden. Das IOC hätte dann in seiner Geldgier wieder einmal den kleineren Verbänden geschadet. Kanuten, Schützen und andere erleben nur alle vier Jahre eine besondere Aufmerksamkeit, ansonsten führen sie ein Schattendasein. Auch hier geht also der Sport dann den Bach runter…

Wer ist die Nummer 1 in Europas Fußball: Geld? Klasse? Stimmung?

 

Olympia geht am Sonntag zu Ende bzw. ist (wer später liest) zu Ende gegangen, also Bühne frei für Europas Fußball. Die Top-Ligen nehmen in diesen Tagen alle ihren Spielbetrieb auf, die Bundesliga ist mit Rücksicht auf das Olympia-Team (hört, hört!) am 26. August der Spätstarter. Vor jeder Saison stellt sich neu die Frage, welche Liga eigentlich die Nummer 1 in Europa ist. Dafür gibt es derzeit drei Antwortmöglichkeiten: Das Geld? Die Klasse? Oder gar die Stimmung?

Eigentlich könnte man sich die Antwort leicht machen, nämlich mit einem Blick auf die UEFA-Fünfjahreswertung, die aktuell so aussieht:1. Spanien 105,713 Punkte, 2. Deutschland 80,177, 3. England 76,284, 4. Italien 70,439, 5. Portugal 53,082, 6. Frankreich 52,749.

Doch die Punktzahlen und das Feeling sind zwei Paar Stiefel. Spanien ist unbestreitbar sportlich die Nummer 1. Die klare Führung in der Fünfjahreswertung ist das Resultat der großartigen Erfolge: In den letzten drei Jahren gewannen nur spanische Klubs die beiden europäischen Titel! Der FC Sevilla holte das Triple in der Europa League (EL), Real Madrid (2014 und 2016) und der FC Barcelona lösten sich in der Champions League (CL) ab. Nichtspanische Sieger waren also 2013 Chelsea London in der EL und der FC Bayern München in der CL. Spanien hat also die Klasse, doch hat die Primera Division auch die Reputation als Nummer ?

Nein! Im Gespräch war in diesem Sommer vor allem die Premier League in England. Dabei ging es vor allem um das Geld und die Auswirkungen auf den Fußball in Europa. Umgerechnet 2,3 Milliarden Euro kassieren die 20 Klubs allein durch die Inlandsvermarktung. Das ist mehr, als Italien (943 Millionen), Spanien (816) und Bundesliga (538) zusammen erlösen! Und das Geld wird mit vollen Händen ausgegeben, für Stars und für neue Trainer, die Ablösesummen steigen auf astronomische Zahlen. Den Vogel schoss bekanntlich Manchester United mit dem neuen Coach Jose Mourinho ab, das Paul Pogba für 105 Millionen Euro von Juventus Turin nach England holte. Nur deshalb konnte sich Juve als Ausgleich Torjäger Gonzalo Higuain für 90 Millionen vom SC Neapel leisten. Nicht allein die Spieler, sondern sogar eher noch die neuen Trainer sorgten aber für die Schlagzeilen. Pep Guardiola suchte nach Bayern München nun bei Manchester City eine neue Herausforderung und Chelsea schnappte sich Italiens Nationaltrainer Antonio Conte. Da bleibt kein Ruhm mehr für Leicesters sensationellen Meistermacher Claudio Ranieri und den „ewigen“ Arsene Wenger bei Arsenal London. Gefühlt also macht das Geld England zur Nummer 1. Gespannt sein darf man, wie sich die Aufrüstung sportlich dann tatsächlich auf Europas Bühne auswirkt.

In Spanien die Klasse und in England das Geld – was hat der Rest zu bieten? Italien und Frankreich sind ins Abseits geraten, gerade mal Juventus Turin und Paris St. Germain (nun ohne Ibrahimovic) können mithalten. Nicht ganz überraschend liegt sogar Portugal vor Frankreich, weil die Spitzenklubs aus Lissabon (Benfica und Sporting) und der FC Porto fast schon traditionell auf der Bühne Europas erfolgreich sind.

Aber an Deutschland kommen sie alle nicht vorbei. Was hat die Bundesliga zu bieten? Sie leidet ein bisschen unter der Dominanz von Bayern München, das unter Carlo Ancelotti jetzt nach einem neuen Rekord mit dem fünften Titel in Folge greift. Andererseits profitiert die Bundesliga von den Bayern, denn sie sorgten mit ihren Erfolgen hauptsächlich dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich so gut dasteht. Die Bayern schafften es auch, international umworbene Spieler zu verpflichten bzw. auch bei hohen Angeboten zu halten. Die Bundesliga hat zudem ein Pfund, mit dem sie wuchern kann: Die modernen Stadien und die gute Stimmung. „Hier macht es Spaß, Fußball zu spielen“, heißt es oft und manche Stars erkennen, dass ja auch in Deutschland genügend Geld verdient wird und zudem der Spaß vielleicht ein bisschen größer ist.

Dennoch herrscht eine gewisse Zukunftsangst in Deutschland. Real Madrid und der FC Barcelona werden mit ihren Geldgebern bei vernünftiger sportlicher Planung auch in der Zukunft England Paroli bieten können, vielleicht schafft das die nächsten Jahre auch Bayern München, aber der Rest der Bundesliga hat Angst vor dem Ausbluten, dem Weggang der besten Spieler. Spaß vor Geld wird nicht immer die Losung sein.

Demnächst hier beim Sport-Grantler die etwas andere Bilanz der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Was muss sich bei Olympia ändern?

Licht und Schatten bei Olympia in Rio

 

Die erste Woche bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ist vorbei, eigentlich gehen die Spiele sogar schon in den Endspurt über. Zeit also für eine Zwischenbilanz, die – wie fast immer – Licht und Schatten offenbart. Die Spiele in Brasilien standen allerdings wegen vielfältiger Probleme im Vorfeld – Doping, Korruption, Zikavirus, Pfusch am Bau – besonders unter Beobachtung. Die Dopingproblematik wirft weiterhin einen Schatten auf die Spiele, aber die Herzlichkeit der Brasilianer, die gezeigte Lebensfreude und die Überraschungen des Sports erzeugen auch viel Licht, so dass die Brasilianer heute schon mit „ihren Spielen“ zufrieden sein können.

Natürlich ist nicht alles perfekt, aber wo gibt es das schon. Und erst Monate oder sogar Jahre danach kann man in Brasilien Bilanz ziehen, ob die Olympischen Spiele ein Gewinn oder Verlust waren. Die Sportler machen aber jetzt schon deutlich, dass sie zufrieden sind. Kleinere Probleme werden selbst ausgemerzt, da wird ein Schwimmer halt zum Installateur. Über das Essen wurde noch in jedem Olympischen Dorf geschimpft, aber lustig ist, wenn man lesen kann, dass dort vor allem vor McDonald’s die Sportler Schlange stehen. Na gut, nach dem Wettkampf sind Sünden erlaubt. Schade allerdings, dass viele Wettbewerbe vor halbleeren Zuschauerrängen stattfinden. Zu hohe Eintrittspreise haben wohl die Begeisterung gebremst.

Olympia hat zumindest für die Athleten an Anziehungskraft nichts verloren, Fehlleistungen der Funktionäre hin oder her. Profi-Golfer und Millionär Martin Kaymer zum Beispiel schwärmte von der „schönsten Woche seiner Laufbahn“, weil er im Olympischen Dorf mal nicht allein unterwegs war, sondern Athletinnen und Athleten vieler anderer Sportarten getroffen hat. Schon heute hat er Tokio 2020 ins Visier genommen. Beide deutschen Fußball-Mannschaften hatten nur ein Ziel: Einzug ins Olympische Dorf. Das haben sie geschafft, aber das Dorf-Leben hatte fast mehr Anreiz als der Kampf um Gold, der jetzt in die Schlussphase geht.

Die Bilanz der deutschen Mannschaft fiel zur Halbzeit durchwachsen aus. Die avisierten 44 Medaillen von London wurden ad acta gelegt, selbst die Verdoppelung der bis dahin 16 Medaillen (aber immerhin acht Gold) wird kaum möglich sein. Medaillensammler waren vor allem Schützen und Reiter (sie können es noch weiter sein), enttäuscht haben wie in London die Schwimmer, aber auch die Fechter, die beide leer ausgingen. Eine Kritik der Sportler hat ihre Berechtigung, sie lautete sinngemäß „in Deutschland haben wir eine schlechte Förderung, aber die besten Dopingkontrollen, in anderen Ländern ist es genau umgekehrt“. Die Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Zu Überdenken ist vor allem die Verteilung der Gelder. Verbänden, die nicht erfolgreich sind, wird die Förderung meist gekürzt. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein, wenn es künftig Erfolge geben soll. Insgesamt müssen die Olympioniken gegenüber den Großverdienern des Fußballs vor allem aus Spaß ihren Sport betreiben, reich werden sie nur in den seltensten Fällen, dann nämlich, wenn sie für die Werbung interessant werden. Auch hier gibt es also Licht und Schatten.

Wer hat die Macht: Spieler? Verein? Berater?

 

Ist die Fußball-Welt verrückt geworden? Außenstehende schütteln den Kopf, über die Unsummen, die im Fußball bezahlt werden. Wie kann ein Verein 110 Millionen Euro, mit Bonuszahlungen vielleicht noch mehr, für einen Spieler bezahlen? Die TV-Gelder von rund drei Milliarden Euro pro Saison in England sorgen für eine Geldschwemme und machen die Preise kaputt. Der 23jährige Franzose Paul Pogba wechselt für diese ungeheure Summe von 110 Millionen von Juventus Turin zu Manchester United, weil ihn der neue Trainer Jose Mourinho unbedingt will. Juventus hatte schon im Vorgriff auf diesen Transfer Torjäger Gonzalo Higuain für 90 Millionen Euro aus Neapel geholt. Kein Preis, der der Leistung gerecht wird, den aber der Markt offensichtlich hergibt. Bisher galten Gareth Bale und Cristiano Ronaldo mit rund 100 bzw. 94 Millionen Euro als die teuersten Spieler der Welt. Real Madrid blätterte das Geld hin.

Wenn diese ungeheuren Geldsummen zirkulieren, dann fragt sich der Fan, wer hat eigentlich die Macht im Fußball? Ist dies der Spieler? Der Verein? Oder sind es gar die Berater?

Ein deutsches Sprichwort heißt „Wer bezahlt, schafft an“. Die Vereine müssen zwar bezahlen, aber anschaffen können sie gar nichts. Und wenn sie Pech haben, werden Millionen in den Sand gesetzt, weil sich der Spieler schwer verletzt. Die Vereine haben nur eine Macht – die Macht des Vertrages. Die heute üblichen langen Laufzeiten sorgen dafür, dass die Vereine hohe Ablösesummen verlangen können. Die Vereine können einen Transfer allerdings auch verweigern. Oft ist eine Zustimmung von einem „unmoralischen Angebot“, wie es die Manager gerne nennen, abhängig. Was aber, wenn der Verein seine Macht ausübt und den Spieler nicht gehen lässt?

Das wird in dieser Saison in Wolfsburg gut zu beobachten sein, wo Nationalspieler und Hoffnungsträger Julian Draxler öffentlich kundtat, dass er die VW-Städter nach einem Jahr gerne wieder verlassen würde. Wolfsburg ist ihm doch zu langweilig. Manager Klaus Allofs und der VW-Vorstand nutzten allerdings die Macht des Vertrages (bis 2019), der erst für 2017 eine Ausstiegsklausel für 75 Millionen Euro beinhaltet. Draxler muss bleiben und zeigen, dass er Profi ist, nämlich mit guten Leistungen. Die muss er allerdings auch zeigen, damit ein Verein die 75 Millionen für ihn auch hinblättert.

Im Visier der reichen Vereine sind auch immer wieder Spieler des FC Bayern München. Laufend werden Angebote für David Alaba und Robert Lewandowski in der Öffentlichkeit platziert, die Bayern lehnen gebetsmühlenartig ab, sie können sich das leisten, die Spieler haben langfristige Verträge. Notfalls werden sie, so ein Angebot an Lewandowski, noch einmal verlängert, verbunden mit einem noch höheren Salär. Hier zeigt sich die Macht der Spieler.

Die eigentliche Macht haben aber offensichtlich die Berater. Als Berater stellen sich Laien einen Fachmann vor, der den betreuten Spieler in allen Lebenslagen berät, ihn bei den Tücken des Alltags hilft und in einer Art Rundum-Service dafür sorgt, dass es seinem Schützling gut geht. In Wirklichkeit scheint es so zu sein, dass Verein und Familie den Spielern zur Seite stehen und die Berater vor allem dafür sorgen, dass die Spieler viel kassieren – und die Berater natürlich mit.

Typisches Beispiel ist Mino Raiola, der Berater von Paul Pogba. Bei dem Deal zu Manchester United fallen für den Berater laut Medien selbst über 20 Millionen Euro ab! Raiola hat bereits Superstar Zlatan Ibrahimovic (der Schwede war ablösefrei, dafür fallen hohe Zahlungen an Spieler und Berater an!) und Dortmunds Henrikh Mkhitaryan zu ManU gebracht. Trainer Mourinho wird es nicht gerne hören, aber Raiola hat die Macht bei Manchester United!

Auch in der Bundesliga hatten wir bereits diese Konstellationen. Wenn Vereine nicht aufpassen und viele Spieler von einer Agentur oder einem Berater in ihren Reihen haben, dann geraten sie zwangsläufig in eine Art Abhängigkeit. Da hat kein Vorstand, kein Trainer mehr die Macht, sondern die geht an Spieler und Berater. Welche Folgen das haben kann, zeigt sich jetzt auch wieder beim VfL Wolfsburg. Die prominentesten Spieler, die den Verein verlassen haben oder verlassen wollen (jetzt ist Luiz Gustavo als Nachfolger von Pogba bei Juventus Turin im Gespräch) haben den gleichen Berater. Der Verein steht ziemlich machtlos da. Der Fußball allerdings auch und leidet mit. Die Fans staunen nur und sehen diesen Teil des Geschäftes als unaufhaltsamen Prozess.

Übrigens: Am kommenden Wochenende (12. – 15. August) beginnt die „Geldliga“ in England. Das Topspiel heißt wohl Arsenal London – FC Liverpool, Manchester United muss in Bournemouth ran und Manchester City erwartet Sunderland. Im Mittelpunkt aber stehen die neuen Stars und neuen Trainer, neben Mourinho vor allem Pep Guardiola bei City und der Italiener Conte bei Chelsea London (gegen West Ham). Neben der Meisterschaft wollen die Besitzer der Vereine vor allem aber einen Pott: Den der Champions League.

Olympia in Rio: Jetzt geht es nur noch um die Medaillen

 

Von wegen „dabei sein ist alles“ – „gewinnen ist alles“. Wenn am Freitag die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro beginnen, geht es nur noch um die Medaillen. Es soll Leute geben, die sagen, sie schauen nicht auf den Gewinn der Medaillen, dabei ist der Medaillenspiegel das A & O, sogar für Regierungen. Warum wohl haben sich die Russen (früher der gesamte Ostblock) zu Staatsdoping hinreißen lassen? Der Sport als Beispiel für die Klasse des Systems, für die Stärke der Regierung. Und so vergessen wir mal Chaos, Korruption, Doping, Pleiten und sonstiges, was uns die Vorfreude auf Rio vermiest hat, jetzt geht es nur noch um die Medaillen. Allerdings sagen Kritiker zu Recht, dass die Jagd nach Medaillen Wegbereiter für das Doping ist. Jeder will mit aller Macht gewinnen. 306 Goldmedaillen werden vergeben, rund 10500 Athleten aus 206 Ländern sind am Start.

Ein Blick zurück auf London 2012. Wer weiß noch, welche Nation den Medaillenspiegel anführte. Gut, es gibt nicht viele Kandidaten, natürlich die USA war es. Insgesamt 103 Medaillen sammelten die Amerikaner ein (46 Gold, 28 Silber, 29 Bronze) und sie werden wohl auch in Brasilien vorne stehen. Die Rangfolge dahinter könnte sich verändern, denn Großbritannien (65 Medaillen) war hinter China (88) die Nummer drei, weil das Land ungeheure Anstrengungen unternommen hat, um als Gastgeber auch sportlich glänzen zu können. Ob diese verstärkte Förderung für den Leistungssport von Dauer war, wird sich jetzt 2016 zeigen. Erst dahinter war Russland (82) trotz Staatsdoping platziert und wird jetzt wohl weiter zurückfallen. Hinter Südkorea (28) konnten wir uns für Deutschland über 44 Medaillen freuen. Südkorea gewann 13 Goldene und war deshalb vor Deutschland (11 Gold, 19 Silber, 14 Bronze) platziert. Eine ähnliche Ausbeute hoffen die deutschen Funktionäre wieder für ihr Team, allerdings heißt es hier „es darf auch ein bisschen mehr sein“.

Olympische Spiele sind durch ihren Gigantismus in Verruf gekommen, aber sie sind für die Sportler immer noch das Nonplusultra. Eine Medaille bei Olympia bleibt etwas Besonderes und ist einer Welt- oder Kontinentalmeisterschaft nicht zu vergleichen. Deshalb ist in aller Welt auch die Aufmerksamkeit für Olympia entsprechend größer, Siege sind fast schon ein nationales Ereignis. Und Sportarten, die jeweils vier Jahre lang mehr oder weniger ein Schattendasein führen, geraten bei Olympia plötzlich in den Blickpunkt. Das ist der Segen der Olympischen Spiele.

Wir werden sehen, ob die Spiele auch für Brasilien ein Segen sind und inwiefern die Gastgeber auch einen Sprung nach vorne im Medaillenspiegel machen können. Platz 22 war es in London mit 17 Medaillen (3 – 5 – 9), auch da darf es ein bisschen mehr sein, aber im Sportverband ist man eher zurückhaltend, Brasilien hat nicht viele Spitzenathleten. Jeder Sieg könnte aber auch die Lebensfreude im Land steigern. Die größte Freude wäre wohl der Gewinn der Goldmedaille im Fußball. Das würde Neymar und Co. fast unsterblich machen. Die Chancen sind da, auch bei den Frauen. Die Fußballturniere dürften deshalb im Mittelpunkt stehen.

Bei den Deutschen ist es verschieden, die Männer träumen von einer Medaille, die Frauen haben sogar Gold ins Visier genommen, auch das wäre ein Novum. Die Fußballteams haben das Pech, dass sie die Olympischen Spiele nur am Rande erleben, denn nur wer ins Halbfinale einzieht, zieht auch ins Olympische Dorf in Rio ein. Dies wird als Ziel ausgegeben: Wir wollen ins Olympische Dorf. Olympia wird im Fußball aber auch Stress pur, nur ein kleines Aufgebot von 18 Spielerinnen oder Spielern wurde genehmigt, dennoch muss alle drei Tage (und zusätzlich reisen) angetreten werden. Olympia ist kein Spaß.

Spaß haben will dagegen Golfer Martin Kaymer. Er will das Olympische Dorf genießen und hat im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen keine Angst vor Zika, Terror oder Räubern. Die besten vier Golfer der Weltrangliste haben abgesagt. Golf ist erstmals seit 112 Jahren wieder dabei, doch die Stars haben für ihre Sportart eher eine Anti-Werbung bestritten. Golf in Deutschland würde dagegen durch eine Medaille von Kaymer, Alex Cejka oder den Frauen Caro Masson und Sandra Gal profitieren. Chancen haben sie. Aber in anderen Sportarten gibt es größere Medaillenkandidaten. Die Schützen schießen sich bei Olympia in die Herzen der Zuschauer, Fechter, Reiter, Leichtathleten, Schwimmer, Ruderer oder Kanuten sind immer für vordere Plätze gut. Sie wollen in Form sein, denn jetzt geht eben nur noch um die Medaillen.

Olympia in Rio: Willkommen in der Hölle!

 

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele am 5. August in Rio de Janeiro ist ein seltsames Gemisch von Vorfreude auf die Spiele und Skepsis, ob diese Veranstaltung überhaupt reibungslos über die Bühne gehen kann, zu beobachten. Im Vorfeld überwogen jedenfalls die Schreckensmeldungen und manche machten eher Angst als Hoffnung, so hieß es im Bezug auf Rio: Willkommen in der Hölle. Gemeint war aber nicht Olympia, sondern die Slums, die Favelas, für die Rio ebenso bekannt ist wie die Christusfigur, die auf dem Gipfel des Corcovado schützend ihre Arme über der Stadt ausbreitet.

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll angefangen. Als die Brasilianer am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen das Rennen gegen Chicago, Tokio und Madrid gewannen, da nahm Präsident Lula da Silva den Mund voll. Die Rede war von unvergesslichen Spielen geprägt von brasilianischer Lebensfreude, von einem Klima der boomenden Wirtschaft, des Aufschwungs und der Freiheit – Freude pur.

Heute sieht es anders aus, das Land bewältigte kaum die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und hat sich mit zwei sportlichen Großereignissen schlichtweg übernommen. Die Wirtschaft boomt nicht mehr, sie schlitterte in eine Rezession, Lula ist nicht mehr an der Macht, die Regierung befindet sich in der Krise wie das ganze Land. Die Schlagzeilen waren nur noch negativ, das Volk begehrt wieder auf, hat einen Hass auf die Politik, weil es sich im Stich gelassen fühlt, Olympia als Belastung und nicht als Motor für eine bessere Zukunft. Die Korruption war der erste olympische Sieger. In den Favelas brodelt es, die Infrastruktur konnte nicht rechzeitig fertig gestellt werden, immerhin sind die Sportstätten alle bereit. Pfusch am Bau wurde aber bloßgelegt, da stürzte eine Brücke ein, da beschweren sich die ersten Bewohner des Olympischen Dorfes über nicht bewohnbare Zimmer. Die Gewässer für Ruderer, Kanuten und Segler sind bakterienverseucht, gesundheitliche Gefahren drohen hier ebenso wie durch die Stechmücken, die als Überträger von Gelbfieber oder Dengue gefürchtet sind und jetzt durch die berühmt-berüchtigte Zika noch „Verstärkung“ bekommen haben. Unsicherheit statt Lebensfreude, wie wir es von der Copacabana immer sehen und hören. Dazu die beunruhigende Nachricht, dass das Verbrechen immer noch die Oberhand hat, Gewalt und Morde keineswegs eingeschränkt werden konnten. Die Gefahr durch den Terror ist noch gar nicht aufgezählt. Olympia in Rio: Willkommen in der Hölle!

Noch Lust auf Olympia? In Europa wird leider kein großes Olympia-Fieber (das wiederum gesund sein kann!) ausbrechen, weil die interessantesten Entscheidungen in der Nacht fallen. Die amerikanischen Fernsehsender zahlen mehr und sie bestimmen die Prime-Time. Wenn erst einmal der Sport die Oberhand gewonnen hat, dann können wir uns vielleicht an dem Olympia Park erfreuen, der zumindest vom Plan her optisch einen tollen Eindruck macht. Und die Brasilianer werden es schon schaffen, dass am Ende die Gäste mit einem guten Eindruck das Land wieder verlassen. Boris Herrmann skizzierte in der Süddeutschen Zeitung die Lage: „Rio ist schwer zu begreifen, weil es so unerschütterlich fröhlich und gleichzeitig so unfassbar unmenschlich ist.“ Bei Olympia sollte die fröhliche Seite gewinnen.

„Willkommen in der Hölle“ müsste es eigentlich auch für das IOC heißen. Die obersten olympischen Herrscher entpuppten sich als Angsthasen, konnten sich zu einem Ausschluss von Russland wegen des staatlichen Dopings nicht durchringen. Da wurde eine Chance im Kampf gegen das Doping verpasst. Die Verantwortung wurde an die einzelnen Weltverbände weitergegeben, die dort nicht tätig werden, wo Russland eine starke Stellung hat. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach versäumte es, das IOC zu stärken, machte einen Kniefall vor Kremlchef Putin und schadete so dem internationalen Sport. Ein Hohn, dass die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa nicht starten darf, weil sie eben Doping gestand und das System offenlegte, andere Doper nach Ablauf ihrer Sperre aber an den Start gehen können. Erfüllen denn sie die „ethischen Anforderungen“, die Stepanowa angeblich nicht erfüllt. Lachhaft und ärgerlich.

Skepsis oder Vorfreude? Bekanntlich ist es so: Hält uns der Sport im Bann, dann vergessen wir bei der Rasanz und Brisanz der Wettkämpfe die dunklen Seiten des Sports und werden auch die unschönen Begleiterscheinungen im Vorfeld von Rio vergessen. Erfreuen wir uns also an den Wettkämpfen und der Lebensfreude der Brasilianer. Olympia in Rio: Willkommen im Himmel des Sports!