Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt

 

Die Meldung passte wie die Faust aufs Auge. Der deutsche Fußball-Nationalspieler Toni Kroos verlängerte seinen Vertrag bei Real Madrid bis 2022. Das Salär angeblich 120 Millionen, 20 Millionen pro Jahr (angeblich netto), das sind, so haben es findige Leute ausgerechnet, 2283 Euro pro Stunde. „Das ist unverschämt“, argumentiert der Mann von der Straße, „das ist kein Sportler wert“. Kroos stieg damit zwar zum bestverdienenden deutschen Fußballer auf, aber wir wissen, in Europa ist er damit keineswegs Spitze. Und die Profisportler in Nordamerika lachen teilweise über solche Summen.

Das Wettrüsten im europäischen Fußball, aber nicht nur da, ist im vollen Gang. Englands Fußball schüttet nach lukrativen TV-Verträgen das Geld bekanntlich mit vollen Händen aus und bringt damit die ganze Fußball-Welt durcheinander. Das Rad wird überdreht und es droht eine Gefahr: Geld regiert zwar die Welt, macht aber den Sport damit kaputt, weil sich der gemeine Fan mit den Vereinen und Stars bald nicht mehr identifizieren kann. Viele Vereine laufen Gefahr, dass sie die Verbindung zur Basis verlieren und bald im luftleeren Raum schweben. Verlieren die Fans die Lust, ist es auch mit der guten Stimmung in den Stadien vorbei und der Fußball verliert seinen größten Reiz, nämlich ein Ereignis zu sein. Vereine und Verbände (siehe Erweiterung der Teilnehmer bei Welt- und Europameisterschaften) haben nur noch eine Gewinnoptimierung im Blick, aber nicht mehr die Fans!

Ums Geld geht es aber auch in vielen anderen Sportarten. Nehmen wir Boxen, das man fast schon nicht mehr als Sport bezeichnen darf, es ist nur mehr ein schmutziges Geschäft. Beispiel ist die Posse um Schwergewichts-Champion Tyson Fury, der des Dopings angeklagt ist, aber angeblich unter Depressionen leidet und seine Titel abgegeben hat. Das Gerangel um die Nachfolge hat begonnen und es ist ein Kampf ums Geld. Wladimir Klitschko hat seine vier Titel von verschiedenen Verbänden an den Clown aus England verloren, nun bestimmt das Geld und nicht der Sport, wer jetzt um die Schwergewichtskrone kämpfen kann. Nicht die Besten werden kämpfen, sondern wer am meisten bietet, wird den Zuschlag erhalten. Geld regiert den Sport. Typisches Beispiel auch die Formel 1, wo es praktisch nur um das Geld geht und der Sport zur Nebensache wird. Für Firmen wie Mercedes, Red Bull, Ferrari und Renault ist die Formel 1 vor allem eine PR-Plattform.

Das Geld ist auch der Grund, warum sich der Basketball-Verband zum Gespött macht. Deutsche Basketballteams kämpfen gleich in vier Wettbewerben auf Europas Bühnen um die begehrten Pokale. Aus dem Dschungel von Euroleague, Europacup, Champions League und Fiba Europe Cup kennt sich keiner mehr aus. Hintergrund ist der Machtkampf zwischen dem Kontinentalverband Fiba Europe und der Euroleague, die zudem den Europacup organisiert. Beide Organisationen kämpfen um die besten Klubs in Europa, die sich quasi aussuchen können, wo sie mitspielen wollen. Der Machtkampf ist ein Kampf ums Geld und wird begleitet von Drohungen und Sanktionen und macht somit den Sport Basketball lächerlich. Der Beweis an diesem Beispiel: Geld regiert die Welt – und macht den Sport kaputt. Mal sehen, wie lange der Fußball noch im Geld schwimmen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Golf. Auch dort schwimmen die Spitzenspieler im Geld, Die Profi-Turniere sind eine lukrative Einnahmequelle, der einst beste Spieler der Welt, Tiger Woods, war auch immer der bestverdienende Sportler der Welt, vor allem aber durch seine Werbeaktivitäten. Geht es allerdings um den prestigeträchtigsten Pokal, den Ryder Cup im Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa, dann spielt Geld keine Rolle. Die Spieler erhalten keinen Cent, es gibt keine Prämie. Es zählt allein der sportliche Vergleich – so geht es also auch.

Ist Jogi Löw ein guter Bundestrainer?

 

Ein Bekannter überraschte mich kürzlich mit der Frage: „Wie denkst Du denn über den Löw?“ Der Sport-Grantler war perplex. „Wie meinst Du das?“, fragte er zurück. „Na ja, ist der Löw ein guter Bundestrainer oder nicht?“ Ja, darf man denn an der Qualität eines Weltmeister-Trainers überhaupt zweifeln?

Der DFB-Präsident tut es offensichtlich nicht. Von Beginn seiner Amtszeit an zielte Reinhard Grindel auf eine Verlängerung des Vertrages mit Joachim Löw, der Stand jetzt nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 endet. Löw hat für dieses Turnier ein klares Ziel ausgegeben: Erfolgreiche Titelverteidigung, Deutschland soll wie 2014 Weltmeister werden. Eigentlich eine gute Eigenschaft, nicht den Duckmäuser zu spielen, sondern klare Kante zu zeigen. Doch der Erfolg ist damit nicht garantiert, schließlich wollte Deutschland 2016 auch Europameister werden. Der Titel ging an Portugal, Deutschland schied im Halbfinale unglücklich gegen Gastgeber Frankreich aus.

Jogi Löw feiert in diesem Jahr sein 10-Jähriges Jubiläum, im August 2006 war er erstmals als Bundestrainer für die DFB-Auswahl verantwortlich, als Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Der Deutsche Fußball-Verband darf mit der Bilanz zufrieden sein, obwohl sich die Erfolge schon früher hätten einstellen können. Löw hat seine Mannen immer ins Halbfinale geführt, war bereits 2008 bei der EM im Finale, bei der WM 2010 Dritter und bei der WM 2014 schließlich Weltmeister. Das kaschierte, dass er bei den Turnieren zuvor den einen oder anderen taktischen Fehler begangen hat und deshalb für das vorzeitige Ausscheiden mit verantwortlich war. Inzwischen hat Löw die DFB-Auswahl sogar in mehr Länderspielen betreut als der beliebte Helmut Schön (1964 – 1978). Mit dem Match gegen Tschechien ist Löw mit 140 Spielen an Schön (139) vorbeigezogen, nur der legendäre Sepp Herberger (1936 – 1964) liegt noch vor ihm mit 167 Spielen. Damals gab es aber auch viel weniger Länderspiele. Helmut Schön schaffte das, was Löw fehlt, er wurde Weltmeister (1974) und Europameister (1972).

Joachim Löw ist in der Öffentlichkeit durchaus anerkannt, aber nicht unbedingt so beliebt, wie es Sepp Herberger und Helmut Schön waren. Löw ist bekannt, aber nicht sonderlich populär, sein Auftreten manchmal etwas seltsam, negative Schlagzeilen erntete er als Nasenpopler auf der Bundesligatribüne oder mit Hosen-Gate, dem Griff in die eigene Hose an der Seitenlinie. Löw hatte und hat den Vorteil, dass er eine Generation von überaus talentierten Spielern anführen kann, mit dem besten Torwart der Welt als Rückhalt. Der Bundestrainer hat durchaus das Können, aus guten Spielern auch eine gute Gemeinschaft zu machen, Spielfreude ist sein Programm. Auffällig, dass er sein Team immer gut in Form bringen kann, wenn er vor einem Turnier genügend Vorbereitungszeit erhält.

Ja, Jogi Löw ist zweifellos ein guter Bundestrainer. Er hat wohl seine Berufung gefunden, denn als Vereinstrainer hielten sich seine Erfolge in Grenzen (Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart, Meister in Österreich mit Tirol Innsbruck, Supercupsieger in der Türkei mit Fenerbahce Instanbul). Aber Löw ist kein sehr guter oder überragender Bundestrainer, als dass es nicht eine Steigerung geben könnte. Deshalb ist es verwunderlich, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel so auf eine Vertragsverlängerung über 2018 hinaus drängt. Die WM-Qualifikation sollte kein Problem darstellen, aber der Titel in Russland ist keineswegs garantiert. Und was, wenn Deutschland frühzeitig scheitern sollte? Dann wäre eine Trennung die logische, aber auch teure Folge für den Verband. Also ruhig Blut, Herr Präsident. Der Löw rennt Ihnen nicht davon! Vertragsverlängerung höchstens dann, wenn es eine entsprechende günstige Ausstiegsklausel für den DFB gibt.

Übrigens: In einer Umfrage fragt die Fachzeitung kicker Ihre Leser, ob der DFB mit Löw den Vertrag verlängern soll. 54 Prozent stimmten bisher mit Nein.

Will Infantino für ein Inferno sorgen?

 

Als Gianni Infantino als FIFA-Präsident den unter Betrugsverdacht stehenden Joseph Blatter ablöste, da erhoffte man sich von ihm eine Neuorientierung des Internationalen Fußball-Verbandes hin zu Normalität, Bescheidenheit und Zurückhaltung. Es scheint, ganz das Gegenteil ist der Fall, der Schweizer scheint alle Grenzen der Vernunft sprengen zu wollen.

Gianni Infantino hat bereits mit seinem Plan, das Endturnier der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 40 Nationen aufzustocken, Europa in Rage versetzt. Es war sein Appetithappen für die kleinen Verbände, die ihm die nötigen Stimmen als Blatter-Nachfolger besorgen sollten. Der Plan hat geklappt, vielleicht ist es eine Art Wahlversprechen, dass der 45jährige Jurist jetzt noch eins drauflegt: Die Zahl von 40 wäre doch gar nicht so gut, er würde ab der WM 2026 sogar 48 Nationen vorschlagen. Dabei sollen 16 Nationen aus der Qualifikation gesetzt sein, dazu die restlichen 32 Nationen in Play-Off-Spielen die weiteren 16 Teilnehmer für ein 32er Feld ermitteln.

Dem Beobachter stellt sich die Frage, ob der FIFA-Chef diesen Plan in einer Art geistiger Umnachtung erstellt hat. Wie soll das organisatorisch gehen, dass 48 Nationen anreisen, 16 davon für nur ein Spiel. Alle Nationen müssen sich dennoch für ein volles Turnier vorbereiten, Quartierbuchungen usw. vornehmen. Es wird kaum noch Länder geben, die so ein Mammutturnier durchführen können. Ist das wirklich ein „Zuckerl“ für die kleinen Verbände, die endlich bei einem großen Turnier dabei sein wollen? Ist Infantinos Idee nicht eher infantil (kindisch) bzw. sorgt er nicht eher für ein Inferno (schreckliches Geschehen)? Wenn es nicht so ernst wäre, gäbe es nur einen Rat: Ab in den Papierkorb.

Aber bei den manchmal wahnsinnig engstirnig und geldgierigen Fußball-Funktionären ist nichts unmöglich. Sie gieren nach Umsatz und Geld, die kleinen Verbände nach Aufmerksamkeit und Beachtung. Bei der Wahl können sie mitmischen und den großen und reichen Verbänden bei der Stimmenvergabe eins auswischen. Nichts ist unmöglich, obwohl 32 Teilnehmer eine ideale Zahl und der Endpunkt für ein WM-Turnier sein muss.

Beim FIFA-Council nächste Woche in Wien soll debattiert, 2017 beschlossen werden, wie bei WM-Turnieren künftig gespielt werden soll. In Zugzwang geraten die Europäer, aber sie sollten den Ball zurückspielen, nämlich einfach die FIFA verlassen. Ein WM-Turnier ohne Europa wäre kein WM-Turnier mehr und Europa kann sich selbst eins organisieren. Zusammen mit Südamerika wäre es eine gültige WM, alle anderen könnten sich um Gianni Infantino versammeln und die Reste eines wahnsinnigen Planes aufsammeln. Aber wie heißt es doch so schön in Sachen FIFA: Nichts ist unmöglich. Oder doch: Unmöglich ist wohl, dass bei der FIFA Vernunft einkehrt!

Rotation im Spitzenfußball notwendig oder nicht?

 

Irgendein Trainer hat sie im Spitzenfußball einmal entdeckt: Die Rotation. Heute gilt sie oft als Weisheit letzter Schluss, um auf der einen Seite Stammspieler zu schonen, andererseits den Bankdrückern mal eine Chance zu geben, sich zu zeigen. Mal gelingt die Rotation, mal wird sie zum Schuss in den Ofen. Da stellt sich schon die Frage: Ist die Rotation notwendig oder nicht?

Nehmen wir das Beispiel Bayern München in der Bundesliga. Als der neue Trainer Pep Guardiola 2013 als Nachfolger von Jupp Heynckes begann, da sollte er erneut das Triple (Sieg Champions League, Meisterschaft, Pokal) nach München holen. Bekanntlich gelang ihm dies in seinen drei Jahren nicht. Der Spanier beklagte vor allem in den ersten Jahren besonderes Verletzungspech und die Bayern rüsteten entsprechend den Kader auf, nach dem Motto, Verletzungen hin oder her, wir haben immer erstklassige Leute auf dem Feld. Stimmt aber nicht, wie sich immer wieder zeigt. Die Bayern können Verletzungen zwar besser wegstecken als viele andere Vereine, aber ein Leistungsunterschied wird dennoch deutlich.

Das zeigte sich jetzt in der Bundesliga beim Punktverlust gegen Köln. Ancelotti verzichtete zu Beginn freiwillig oder nicht ganz unfreiwillig wegen leichter Blessuren auf Lahm, Boateng, Alaba, Müller, Vidal, Thiago und Ribery. Das Fehlen der sieben Stammkräfte machte sich nachteilig bemerkbar, der erste Punktverlust war das Resultat. Rafinha ist kein Lahm, Bernat ist kein Alaba, Sanches ist kein Vidal, Coman ist kein Ribery. Ein Boateng hinterlässt trotz der starken Hummels und Martinez schon als Typ eine Lücke. Allein Müller durch Robben und Thiago durch Kimmich konnten einigermaßen adäquat ersetzt werden. Vor allem der 21jährige Joshua Kimmich spielt sich in den Vordergrund, entwickelt sich sogar zum Torjäger. Also bald Rotations-Ersatz für Lewandowski? Die Rotation jedenfalls sorgte für einen Rückschlag für die Bayern.

Die Trainer der Spitzenklubs sagen gern, dass sie rotieren müssen, damit alle Spieler im Frühjahr, wenn es darauf ankommt, wirklich fit und nicht müde sind. Sie mögen recht haben, aber gilt dieser Blick schon im Oktober oder November? Gerade in der Bundesliga gibt es auch eine Winterpause für die Regeneration. Bankdrücker können dann eine Chance bekommen, wenn der Klub klar führt und Stammpersonal geschont werden kann. Dann können auch junge Spieler wie Renato Sanches herangeführt werden. Zunächst aber gilt es, die Weichen auf Sieg zu stellen. Sonst kann man im Frühjahr überhaupt nicht ernten, wenn im Herbst schon alles verdorrt, sprich verloren ist. Rotation mag ja gut sein, aber sie sollte mit Augenmaß und ohne Punktverlust praktiziert werden.

Was die Bayern angeht, so können die Münchner nach nicht so berauschenden Leistungen wie dem 0:1 bei Atletico Madrid und dem 1:1 gegen Köln, darauf hoffen, dass jetzt unter Carlo Ancelotti alles anders wird: Nicht die große Form im Herbst, wie meist unter Pep Guardiola, sondern die große Form im Frühjahr, wenn es darauf ankommt. So muss es fast sein, sollte sich der Traum vom Triple endlich erfüllen. Rotation hin oder her.

Nationalteams: Zugpferde als Problemfall der Ligen

 

Die Nationalmannschaften sind von jeher das Zugpferd der Sportarten. Beispiel Fußball: Spielt die DFB-Auswahl, dann sitzen wesentlich mehr Zuschauer vor den Bildschirmen als bei jedem Verein, sei es nun Bayern München oder Borussia Dortmund. Die großen Turniere wie Welt- und Europameisterschaft holen in ihren Jahren jeweils die Einschaltrekorde. Wer im Laufe einer Saison allerdings genau hinschaut, der stellt fest, dass die Profi-Ligen die Nationalteams inzwischen mehr als notwendiges Übel sehen und die Anzahl der Auswahlspiele am liebsten reduzieren würden. Der neutrale Beobachter sagt: Das darf doch nicht wahr sein, die Zugpferde als Problemfall der Ligen.

Im Fußball gab es zuletzt Diskussionen, ob die Spieler ihren Marktwert über den Verein oder die Nationalmannschaft steigern können. Ausgangspunkt der Diskussion: Die Vereine beklagen, dass der DFB ihnen potentielle Werbepartner abspenstig macht. Klar, es gibt nur einen Kuchen und jeder will ein Stück abhaben. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, machte den Vereinen deutlich, dass der DFB potente Werbepartner braucht und die Vereine von der Auswahl profitieren würden, weil die Spieler durch ihre Einsätze für das Land den Marktwert steigern würden. Die Vereine wiederum beklagen, dass die Spieler oft verletzt zurückkommen und es schließlich der Verein ist, der die Spieler bezahlt und in Form bringt. Beide Seiten haben auf ihre Art recht, doch der quasi unbeteiligte Fan begeistert sich am ehesten halt für die Nationalmannschaft, für die nationale Aufgabe und was im Hintergrund abläuft ist ihm egal.

Ähnlich ist es in anderen Sportarten. Die Handball-Nationalmannschaft wusste zuletzt zu begeistern, wurde Europameister und holte Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio. Die Vereine hofften auf einen Handball-Boom. Vergebens! Die Leute begeistern sich für die Nationalmannschaft, nicht für die Liga, auch wenn die als stärkste der Welt gilt. So schauen die Vereine bei der Spielerwahl auf sich und auf deutsche Talente, die haben es im eigenen Land bei der Entwicklung entsprechend schwer.

Besonders krass ist es im Eishockey. Die Liga aller Ligen ist die National Hockey League in Nordamerika. Derzeit spielen sieben deutsche Cracks in Übersee, eine stattliche Zahl für das deutsche Eishockey. Das Problem: Wer in der NHL erfolgreich ist, hat für die DEB-Auswahl keine Zeit. Was möglich wäre, zeigte die Olympia-Qualifikation im September, die vor der eigentlichen Saison gespielt wurde und deshalb hatten auch alle Stars Zeit. Das Resultat war die stärkste Nationalmannschaft seit vielen Jahren. Doch dies wird ein einmaliger Fall gewesen sein. Die Nationalmannschaft ist kein Zugpferd, sondern ein Lückenfüller. Bei Weltmeisterschaften treten nur die NHL-Profis an, die mit ihren Klubs im Kampf um den Stanley Cup ausgeschieden, auf Olympische Spiele wird meist gar keine Rücksicht genommen.

Krach gab es auch im Basketball um die Nationalmannschaft. Vor der wichtigen EM-Qualifikation gab es Absagen zuhauf und nach entsprechend schwachen Leistungen Beschwerden der Vereinsfunktionäre. Die einen beklagten eine mangelhafte Organisation, die anderen die medizinische Betreuung und manche gingen sogar so weit, dass sie die Abschaffung des Auswahlteams forderten. Nach dem Motto „bringt eh nichts“. Mit Mühe und Not wurde die Qualifikation geschafft, aber Zugpferde wollen anders behandelt werden.

Manche Funktionäre sollten das Rad der Geschichte zurückdrehen und zur Vernunft kommen. Eine Nationalmannschaft ist das Aushängeschild einer Sportart und muss entsprechend gehegt und gepflegt werden, wenn sie neue Fans für den Sport gewinnen soll. Auch im Profisport darf der nationale Gedanke nicht ad acta gelegt werden. Eine Nationalmannschaft hat auch die wichtige Aufgabe, die Jugend für den Sport zu begeistern und entsprechend Talente heranzuführen. Ohne neue Talente kann auch der Profisport nicht leben. Deshalb: Die Zugpferde sollten kein Problemfall sein, sondern immer gut gefüttert werden!

Paralympics die wahren Olympischen Spiele für Rio

 

Viele fragen sich: Ist ein Wunder geschehen? Dort, wo die Brasilianer vor Wochen den olympischen Wettkämpfen skeptisch gegenüberstanden und ihnen meist fernblieben, herrscht plötzlich Begeisterung. Die behinderten Wettkämpfer werden umjubelt, die Ränge sind gut gefüllt, die Stimmung ist fast euphorisch. Die Paralympics, meist nur ein Anhängsel der Spiele, obwohl sie seit 1988 immer von der Olympia-Stadt ausgerichtet werden müssen, sind in Rio de Janeiro zum olympischen Erlebnis geworden. Warum? Die Gründe sind offensichtlich.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele standen vor allem die Kosten im Blickpunkt, standen sich das Volk und Politik fast feindselig gegenüber, bestimmten Korruption und Doping die Schlagzeilen. Das Olympische Feuer brannte zwar, aber nicht wirklich in den Herzen der Bevölkerung. Ganz anders bei den Paralympics. Auch da gab es im Vorfeld Sorgen, weil nur wenige Eintrittskarten verkauft wurden. Die Veranstalter senkten die Preise und sorgten damit für einen Boom. Eine Sperre fiel weg und weckte dafür Begeisterung. Selbst nicht gut betuchte Brasilianer konnten sich Olympia leisten und die behinderten Sportler wurden quasi zum Synonym für das eigene Leben, das für viele von Behinderungen im Alltag, vom Überlebenskampf gekennzeichnet ist. So wurden die Paralympics in Rio de Janeiro für die Bevölkerung zu „ihren“ Spielen, die wahren Olympischen Spiele.

Dabei haben auch die Paralympics ihre Unschuld verloren. Alle negativen Auswüchse des Profisports sind auch bei den Behinderten zu beobachten. Dort, wo der Sport professionell betrieben wird, geht es um Geld und um den Vorteil mit allen Mitteln. Also spielt auch bei den Behinderten Doping eine große Rolle, geht es darum, technische Vorteile bei den Hilfsmitteln wie Prothesen in Einklang zu bringen, doch manche verschaffen sich natürlich technische Vorteile. Einen gewissen Gigantismus haben die Paralympics auch erreicht, aus ursprünglich 400 Teilnehmern bei den Anfängen 1960 sind inzwischen über 4000 geworden, um 528 Entscheidungen ging es in Rio.

Ein Medaillenspiegel verbietet sich eigentlich bei den Paralympics, dennoch wird er geführt und einige Nationen haben auch die Spiele der behinderten Sportler dafür entdeckt, um sich als fortschrittliche und sportlich erfolgreiche Nation zu präsentieren. Allen voran China, dass am Ende über 200 Medaillen gewonnen haben wird, also fast bei der Hälfte aller Wettkämpfe mit einer Sportlerin oder Sportler auf dem Treppchen stand. Vorne dabei neben Großbritannien und den USA auch die Ukraine, was Fragen aufwirft. Deutschland freute sich über viele Medaillen (Rang 6), aber vor allem auch Brasilien war über die Maßen erfolgreich, wesentlich erfolgreicher als bei Olympia, so dass auch sportlich die Begeisterung der Bevölkerung angeheizt wurde. Allerdings wird gerade bei den Paralympics die Schere zwischen Arm und Reich deutlich, weil sich ärmere Athleten nicht die besten technischen Hilfsmittel leisten können. So sind die Staaten erfolgreich, die ihre Athleten vor allem finanziell unterstützen.

Im Vordergrund bei den Paralympics muss allerdings stehen, welches Schicksal die Athleten gemeistert haben. Der Sport half, mit der Behinderung zu leben. Das ist wichtiger als jede Medaille oder jeder Medaillenspiegel. Deutschlands erfolgreichste Athletin Marianne Buggenhagen, die jetzt mit 63 ihre Karriere beenden will und nach einem Bandscheibenvorfall eine Querschnittslähmung erlitt, sagte im Rückblick: „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich im Pflegeheim gelandet oder asozial geworden.“ Das zählt mehr als jede Medaille.

Start in der Champions League: Geld schlägt den Sport!

 

 

Sie ist das Aushängeschild des europäischen Fußballs – die Champions League. Die großen Vereine sehen den nationalen Meistertitel als Pflichtaufgabe an, der Titel in der Champions League (CL) ist die Kür und das besondere Renommee für den Briefkopf. Manchmal ist er auch Trost, wie zuletzt für Real Madrid, das national nichts ernten konnte. Nicht die Besten in Spanien, aber die Besten in Europa. Na, das ist doch was.

Der Sport spielt allerdings derzeit in Europas Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Diskutiert wird über das Geld. Das Geld schlägt den Sport. In der Sommerpause beherrschten die schon teils wirklichkeitsfremden Ablösesummen für Spitzenspieler und solche, die es erst werden wollen, die Schlagzeilen. Auf Geldvermehrung achten auch die Vereine, die bei der UEFA eine Aufstockung der Ausschüttung durchsetzten. 2018 steigt die Ausschüttung in der CL von 1355,5 Millionen Euro auf 2016,6 und der Europa League (EL) von 410,7 auf 504,2, was prozentual weniger ist, heißt, die EL verliert weiter an Reputation. Dennoch: National gesehen drängen die Vereine auf Europas Bühne, weil sie fürchten, sonst noch mehr abgehängt zu werden. Der Trick: Weil in vielen Ländern dem Titelkampf oft die Spannung fehlt, wird die Tür zu Europa zum Spannungselement. Sie wollen nur eines: Geld.

Dazu kommt, dass wohl neben der Umverteilung der Gelder auch eine Umverteilung der Macht bevorsteht. Die Klubs in Europa gründeten am 15. August 2008 die Europäische Club Association (ECA), als Nachfolger der G14 (Gründungsmitglied Bayern München), ein Zusammenschluss von 14Spitzenvereinen, heute sind 220 Klubs aus 53 der 55 UEFA-Verbände dort Mitglied. Präsident der ECA ist Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge. Ziel: Mehr Macht, mehr Geld. Durchgesetzt haben die Vereine bereits, dass in der Champions League künftig die vier besten Nationen (derzeit Spanien, Deutschland, England, Italien) vier feste Vertreter abstellen können, durchsetzen wollen sie noch mehr Mitsprache im Verband, sprich Sitze in der UEFA-Exekutive. Die ECA wird auch der Schlüssel sein, ob die CL künftig sogar zweitklassig wird, dann nämlich, wenn eine Weltliga gegründet wird. Möglich ist dies, weil Milliardäre aus China, den USA und der arabischen Welt mit Geldscheinen wedeln. Geld schlägt den Sport. Keiner fragt danach, welche Belastungen die Spieler noch aushalten sollen bzw. welcher Wettbewerb gestrichen wird. Die nationale Meisterschaft vielleicht?

Die Spitzenklubs fordern ein Umdenken. Vor einiger Zeit wurde die CL auch für die kleineren Verbände mehr geöffnet, was allerdings dazu führte, dass die Gruppenphase ziemlich an Spannung und Attraktivität eingebüßt hat. Begegnungen wie Bayern München gegen FK Rostow soll es möglichst kaum geben. Rostow? Zweiter in der Meisterschaft Russlands und auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm sagt: „Wir wissen nichts über den Gegner“. Nun, Trainer Carlo Ancelotti wird seine Spieler schon noch aufklären, aber das Ziel ist klar: Ein Auftaktsieg ist Pflicht, schließlich gilt es die Heimbilanz mit zwölf CL-Spielen ohne Niederlage fortzusetzen. Zum 20. Mal starten die Bayern in der CL-Gruppenphase und 15mal gingen sie als Sieger vom Platz.

Bayern München zählt natürlich wieder zu den Titelfavoriten und kämpft mit Vorjahresfinalist Atletico Madrid um Platz eins in der Gruppe (außerdem PSV Eindhoven). Die weiteren Favoriten sind die üblichen Verdächtigen wie Titelverteidiger Real Madrid und der FC Barcelona. Gespannt sein darf man allein, ob Englands Top-Klubs mit neuen Spielern und neuen Trainern wieder zu ernsthaften Konkurrenten werden. Pep Guardiola zeigt ja bereits mit Manchester City als Tabellenführer in England, dass ein neuer Wind weht. Da werden die anderen deutschen Klubs über kurz oder lang in die Zuschauerrolle gedrängt. Sei es Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach, das ausgerechnet bei ManCity mit Pep beginnen muss. Vielleicht tröstet sich ein Ausscheider später in der Europa League, dort darf man den Startern Mainz 05 und Schalke 04 nicht so viel zutrauen. Seit Jahren fehlen deutschen Klubs im Endkampf um den EL-Titel. Wäre doch auch mal wieder was. Oder heißt es: Hauptsache der Euro rollt?

Eishockey-Glücksfälle und das Pech, das Glück vergänglich ist

 

 

Zumindest in Deutschland haben wir derzeit einen schönen und warmen Spätsommer – wer denkt denn da an Eishockey. Dennoch hat sich der vermutlich schnellste Sport der Welt positiv ins Gespräch gebracht. Die Olympia-Qualifikation für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang in Südkorea musste aus Termingründen bereits vor der eigentlichen Saison gespielt werden. Eigentlich ein Unding, dass ein wichtiges Turnier zu einem Zeitpunkt ausgetragen wird, an dem die Spieler noch gar nicht richtig in Form sind. Die Deutschen aber waren gut genug und holten sich mit Siegen gegen Japan, Österreich und Lettland das Olympia-Ticket. Möglich machte dies eine Anhäufung von Glücksfallen. Doch Vorsicht: Glück ist bekanntlich vergänglich.

Der Zeitpunkt vor der Saison war schlecht und glücklich zugleich. Schlecht eben, siehe oben, weil die Cracks ohne Punktspielpraxis aufs Eis mussten. Glücklich, weil alle Stars aus der nordamerikanischen Profi-Liga NHL Zeit hatten und dabei sein konnten. Man glaubt es kaum, dass der neue Bundestrainer Marco Sturm, selbst ein einstiger NHL-Star, gleich sieben NHL-Spieler nominieren konnte. Damit war Deutschland Spitze und gleichzeitig Favorit.

Ein weiterer Glücksfall: Mit Tom Kühnhackl holte ein deutscher Spieler mit den Pittsburgh Penguins den begehrten Stanley Cup, ein Vorhaben, das nur Uwe Krupp (auch mal Bundestrainer) aus deutscher Sicht schaffte. Kühnhackl, Sohn der Eishockey-Legende Erich Kühnhackl, zum Spieler des Jahrhunderts gekürt, rückte im Laufe der Saison ins NHL-Team auf und setzte sich als Arbeiter auf dem Eis durch. Der Vater war als Torjäger gefürchtet, fürchtete aber seinerseits den Sprung in die NHL, der möglich gewesen war. Jetzt glänzte Sohn Tom auch aus Torschütze und sicherte mit seinem „Abstauber“ zum 3:2 gegen Lettland den Flug nach Südkorea. Seine Glückssträhne hielt also ebenso an, wie die des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Übrigens gewann Erick Kühnhackl mit dem DEB-Team 1976 bei Olympia in Innsbruck sensationell Bronze (in einem allerdings schwach besetzten Turnier). Ein Medaillengewinn, den Sohn Tom wohl nie schaffen wird. So viel Glück wird Deutschland dann doch nicht haben.

Ein Glücksfall für den DEB war zweifellos die Verpflichtung von Marco Sturm als Bundestrainer. Präsident Franz Reindl schaffte in seiner neuen Position das, was ihm in jahrzehntelanger Arbeit als Sportdirektor nicht vergönnt war: Ein Glücksgriff, die richtige Entscheidung. Als Sportdirektor war er hauptverantwortlich für zahlreiche Rückschläge des deutschen Eishockeys, jetzt sonnt er sich im Glück. Doch Achtung: Glück ist vergänglich.

Das wird sich schon bei den nächsten Aufgaben zeigen. Glück ist, das Deutschland mit Frankreich Gastgeber der Weltmeisterschaft 2017 ist und mit Heimrecht in Köln und Unterstützung der Fans auf eine erfolgreiche WM hoffen kann. Marco Sturm bleibt an Bord, der Einjahresvertrag, quasi auf Probe, hat sich durch die Olympia-Qualifikation bis 2018 verlängert. Unter Sturm kommen die Eishockey-Cracks wieder gern zur Nationalmannschaft, weil sie eine Perspektive sehen. Unter seinen Vorgängern war das die Jahre zuvor nicht mehr so, es hagelte Pleiten, Pech und Pannen, da will dann keiner dabei sein. Ein Problem, das die Eishockey-Nationalmannschaft schon in früheren Zeiten hatte. Pech ist, dass die Nationalmannschaft wohl kaum einmal erneut auf alle NHL-Stars zurückgreifen kann, denn weder zur WM noch zu Olympia werden sie alle Zeit haben. Wenn sie erfolgreich sind, haben sie keine Zeit, wenn sie mit ihren Vereinen in der NHL schon ausgeschieden sind, stimmt wohl auch die Leistung nicht. Ein Dilemma.

Die Deutsche Eishockey Liga hat das Glück, das durch die Olympia-Qualifikation Eishockey erstmals vor dem Start der neuen Saison am 16. September ein bisschen wenigstens positiv im Gespräch war. Ansonsten ist ja PR im Sommer kaum möglich. Werbung hat die DEL auch nötig, denn sie hat ja Probleme, aus finanziellen Gründen gaben zuletzt die Hamburg Freezers auf. Spitzen-Eishockey ist von Sponsoren abhängig und steht auf wackligen Füßen. Insofern kann sich auch hier zeigen: Glück ist vergänglich.

So sehen die Gruppen bei Olympia 2018 aus: Gruppe A mit Kanada, Tschechien, Schweiz, Südkorea. Gruppe B mit Russland, USA, Slowakei, Slowenien. Gruppe C mit Deutschland, Schweden, Finnland, Norwegen. Die Gruppensieger und der beste Zweite sind im Viertelfinale, die anderen acht Nationen spielen in Play-Offs um die restlichen vier Plätze. Nach der Vorrunde scheidet also keiner aus! Spannende Gruppenspiele also…

Die Formel 1 fährt wieder – und Vettel fährt hinterher

 

Rasant ist die Formel 1 aus ihrer Sommerpause gekommen. Als wollte sie ein Signal setzen, dass die Königsklasse des Motorsports keineswegs langweilig ist, sorgte sie mit einem Crash in der ersten Kurve gleich für Aufmerksamkeit. Der Verursacher in Spa, Jungtalent Max Verstappen (oder war doch Sebastian Vettel der Schuldige?), bekam aber kein Lob, sondern einiges auf die Ohren (einige sagten, „dem fehlt es zwischen den Ohren“). Die Formel 1 fährt also wieder, aber nicht immer, Manchmal steht sie auch. Ein seltenes und seltsames Bild, als in Spa nach einem schweren Unfall alle Boliden in der Boxengasse standen und auf die Fortführung des Rennens warteten.

Wie auch immer, die Formel 1 war im Gespräch, allein das ist für die Macher um Bernie Ecclestone wichtig. Vorbei sind die Schattenwerfer Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele. Wenn die Formel 1 auch nicht in Belangen freie Fahrt hat, geht es um die Höhepunkte im Sport, so mischt die Formel 1 zumindest wieder mit. Tatsache ist: Die Rennen sind interessanter geworden.

Noch acht Rennen von insgesamt 21 stehen an, am kommenden Sonntag, 4. September, präsentiert sich mit Monza in Italien gleich wieder ein Hochgeschwindigkeitskurs, so, als hieße es, mit Vollgas in den Endspurt. In Spa standen die aktuellen Fahrer sowieso im Schatten eines Altmeisters, Michael Schumacher nämlich, der vor 25 Jahren in Spa seine große Karriere in der Formel 1 begonnen hatte. „Plötzlich war er da…“ hieß es, das Talent kam aus dem Nichts und mischte die Rennkönige auf. Nach seinem folgenschweren Skiunfall ist Michael Schumacher plötzlich wieder weg – leider (alles Gute, Michael).

Einen würdigen Nachfolger hat er bisher nicht gefunden. Sebastian Vettel ist es nicht, was die deutschen Fahrer angeht, und Lewis Hamilton ist es nicht, was die Spitze angeht. Ganz im Gegenteil, Vettel ist bisher der Verlierer der Saison. Im Vorfeld der neuen Saison hatten die Beobachter eine Hoffnung: Ferrari sollte die Alleinherrschaft von Mercedes ins Wanken bringen und von einem Dreikampf um den Titel war die Rede, zu Hamilton und Nico Rosberg sollte sich Sebastian Vettel gesellen. Doch die Hoffnung, genährt durch drei Siege im Vorjahr, trog, Vettel fuhr bisher mehr hinterher als vorneweg, Ferrari ist nicht die zweite Kraft, sondern die dritte. Red Bull hat ihnen die Show gestohlen, Daniel Ricciardo (Australien) ist in der Fahrerwertung Dritter vor Vettel und in der Konstrukteurswertung zeigt Red Bull den Ferraris den Auspuff. Während das Brause-Team große Fortschritte erzielte, herrschte in Maranello Stillstand. Ferrari kommt buchstäblich nicht vom Fleck. Vettel ist ein Stück weg verzweifelt, Optimisten verweisen darauf, dass es unter Schumacher auch drei Jahre gedauert hatte, bis sich die Erfolge einstellte. Ein gutes Rennen in Monza soll jetzt zum Stimmungsaufheller werden.

Das Maß aller Dinge bleibt also Mercedes, das wenigstens durch den Zweikampf zwischen Titelverteidiger Hamilton und Herausforderer Rosberg für Spannung sorgt. Die Konkurrenz konnte offensichtlich das Entgegenkommen, dass das Reglement für mehr Entwicklungsfreiheiten gelockert wurde, nicht nutzen. Aber Red Bull befindet sich im Aufwind, weckt die Hoffnung für die Zukunft und glaubt an einen Trumpf: Im nächsten Jahr soll bei den Neuerungen die Aerodynamik eine größere Rolle spielen und da gilt Technikdirektor Adrian Newey als wahrer „Zauberer“. So einen braucht die Formel 1, damit der Zauber der Königsklasse nicht verfliegt. Mal sehen, welches Fazit wir nach dem letzten Rennen am 27. November in Abu Dhabi ziehen können. Sebastian Vettel als Weltmeister ist allerdings unwahrscheinlich.

Seltsam: Alle wollen nach Russland!

 

Russland hat sicherlich beeindruckende Städte und landschaftliche Schönheiten zu bieten, aber als Traumziel werden es nur wenige angeben. Eher heißt es: „Russland? Nein, danke.“ Sportlich geriet Russland zuletzt vor allem durch die Dopingaffären ins Zwielicht. Da wird es Präsident Putin freuen, wenn Russland plötzlich zum Traumziel auserkoren wird. In Europa beginnt die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und die findet bekanntlich in Russland statt. Also: Alle wollen nach Russland!

Sechs Kontinentalverbände weist die FIFA auf, Europa ist beim Start in die WM-Qualifikation das Schlusslicht. In Afrika, Südamerika, Nord- und Mittelamerika, Asien und Ozeanien wird bereits gespielt. In Europa fällt der Startschuss am Sonntag, 4. September. 54 Länder spielen in neun Sechsergruppen, die neun Gruppensieger sind direkt qualifiziert, die acht besten Gruppenzweiten haben in Play-Offs noch die Chance auf vier weitere Plätze.

Schlagerspiele sind in den neun Gruppen an den Fingern einer Hand abzuzählen. Nur zweimal treffen sogenannte „Große“ aufeinander: In der Gruppe A duellieren sich Frankreich und die Niederlande, in der Gruppe G sind es Spanien und Italien. Der frischgebackene Europameister Portugal trifft in der Gruppe B auf die Schweiz und Ungarn, Weltmeister Deutschland ist in der Gruppe C Favorit gegen Tschechien, Norwegen und Nordirland, die Gruppe D gilt mit Österreich, Wales, Serbien und Irland als ziemlich ausgeglichen, Polen will sich in der Gruppe E gegen Dänemark und Rumänien qualifizieren, England und Schottland treffen in der Gruppe F aufeinander, Belgien bekommt es in der Gruppe H mit Griechenland und Bosnien-Herzegowina zu tun, während Kroatien und die Türkei in der Gruppe I das EM-Überraschungsteam Island nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Wir sehen also, dass die EM die WM-Qualifikation ein bisschen interessanter gemacht hat. Erst am 10. Oktober 2017 werden die letzten Gruppensieger feststehen. Davor muss sich Russland schon im Sommer 2017 beim Confed-Cup der Kontinentalsieger als Organisator bewähren.

Naturgemäß werden die Augen vor allem auf Weltmeister Deutschland gerichtet sein und Bundestrainer Joachim Löw lässt keine Zweifel daran, dass die erfolgreiche Titelverteidigung das erklärte Ziel ist. Titel fallen einem allerdings nicht in den Schoß, da bedarf es manchmal auch glücklicher Umstände, wie sie Deutschland bei der WM 2014 in Brasilien hatte oder Portugal bei der EM 2016. Was Deutschland angeht, da deutete ein holprige EM-Qualifikation schon darauf hin, dass der WM-Glanz ein bisschen verblasst war. Fünf WM-Helden haben inzwischen ihren Rücktritt erklärt, zwangsläufig muss Löw zumindest in Teilen eine neue Mannschaft aufbauen. Da wird die Qualifikation auch gegen Gegner, die nicht unbedingt zur ersten Klasse gehören, Fingerzeige geben können. Härtere Proben soll das DFB-Team dann eher in Freundschaftsspielen bestehen und beim Confed-Cup sollen die Stars geschont werden und Talente ihre Bewährungsprobe erhalten.

Besonders spannend ist die WM-Qualifikation in Südamerika. Dort kämpfen zehn Nationen in einer Gruppe um vier feste Plätze, der Fünfte hat noch die Qualifikationschance gegen den Vertreter aus Ozeanien. Die Qualifikation begann mit Überraschungen, nach sechs Spieltagen liegen Uruguay und Ecuador mit 13 Punkten gleichauf, Argentinien folgt mit 11 Punkten erst dahinter vor Chile (10), Kolumbien (10) und Brasilien (9), das derzeit ausgeschieden wäre. Argentinien feierte zuletzt trotzdem, weil Superstar Leonie Messi vom Rücktritt zurücktrat und doch wieder das Nationaltrikot tragen wird. Brasilien schöpft aus dem Olympiasieg neue Hoffnung. Endlich wieder ein Erfolgserlebnis, das Mut geben sollte. Bisher verlief die Qualifikation mutlos, die mit einer 0:2-Niederlage in Chile begann und neben Remis mit einem 3:1 gegen Schlusslicht Venezuela (1 Punkt) nur einen Sieg brachte. Mit Olympia-Gold sollen wieder goldige Zeiten anbrechen! Russland brachte mit der Doping-Affäre einen Schatten auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, eine WM ohne Brasilien würde einen Schatten auf die WM in Russland werfen!