Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung

 

Drei Mann und ein Befehl: Macht die Weltmeisterschaft der Formel 1 spannend! Diese drei Mann sind Titelverteidiger Lewis Hamilton, sein Herausforderer im Mercedes-Team Nico Rosberg und Sebastian Vettel im Ferrari. Vor allem ihm drücken die Formel-1-Fans die Daumen, die endlich wieder Spannung wollen. Selbst Mercedes wäre froh, mehr herausgefordert zu werden. Langeweile ist schlecht für das Geschäft, leichte Siege bringen keine Anerkennung. 22 Autos, aber nur drei, denen Siege zugetraut werden – die Formel 1 lebt von der Hoffnung.

Die neue Saison wird lang, die längste aller Zeiten. Von Melbourne am kommenden Sonntag, 20. März, bis Abu Dhabi am 27. November stehen 2016 erstmals 21 Rennen auf dem Programm. Auch Deutschland ist mit dem Hockenheimring (31. Juli) wieder dabei. 21 Rennen und Langeweile – nichts kann tödlicher sein.

Für Spannung könnte Nico Rosberg sorgen. „Es muss mein Jahr werden“, hofft er, weil er weiß, dass mit jedem Jahr hinter dem Rivalen Lewis Hamilton die Chance auf den Titel immer kleiner wird und sogar sein Cockpit in Gefahr gerät. Als der Engländer im letzten Jahr als Weltmeister feststand, siegte Rosberg plötzlich in den letzten drei Rennen. Ein Zeichen, dass er dem Druck nicht gewachsen ist? Die Bilanz 2015 sah Hamilton immer vorn: Zehn Siege (Rosberg 6), 17 Podestplätze (15), Elfmal Pole Position (7), 18 Rennen in den Punkten (17) und im Trainingsduell 12:7. Für Rosberg gibt es Verbesserungspotential. Aber der Deutsche strahlt nicht das Selbstbewusstsein des Engländers aus, der Extravaganzen liebt und sich die Gelassenheit offensichtlich im Showbusiness holt.

Für Spannung soll Sebastian Vettel sorgen. Er ist sich sicher, „unser Auto ist besser geworden“, aber er schränkt ein, „wir wissen nicht, wie viel besser auch der Mercedes geworden ist“. Im Vorjahr sorgte Vettel gleich im zweiten Rennen in Malaysia mit seinem Sieg für einen Paukenschlag, dann aber war es erst einmal vorbei. Erst im zehnten Rennen in Budapest klappte es wieder und schließlich noch einmal in Singapur. Drei Siege als Anfang, drei Siege als Hoffnung.

Traurig, dass von den restlichen Teams wohl keines für einen Sieg in Frage kommt. Selbst Vettel kann nur hoffen, dass er von Teamkollege Kimi Räikkönen Unterstützung bekommt. Williams, Red Bull, McLaren, Force India, Toro Rosso, Renault, Manor, Sauber und die Neulinge vom Team Haas kämpfen darum, zwischendurch wenigstens einmal auf dem Treppchen zu stehen. Red Bull möchte Williams Platz drei in der Konstrukteurswertung streitig machen. Von Erfolgen wie in der Vor-Hybrid-Ära sind sie weit entfernt.

Die Formel 1 lebt von der Hoffnung, aber auch von den Deutschen. Mercedes hat den besten Motor und stellt mit vier Piloten das Gros im Fahrerfeld. DTM-Meister Pascal Wehrlein bekam ein Cockpit bei Manor, das jetzt mit Mercedes-Motoren beliefert wird. Der 23jährige gilt als große Nachwuchshoffnung und sitzt Nico Rosberg im Nacken. Nico Hülkenberg will mit dem starken Force India wenigstens ab und zu aus dem Schatten von Rosberg und Vettel treten.

Neuerungen gibt es natürlich ebenfalls wieder, wenn auch im bescheidenen Rahmen. Für die echten Renn-Fans erfreulich: Die Motoren werden wieder lauter. Das Qualifying soll dadurch interessanter werden, dass alle 90 Sekunden der Langsamste rausfliegt. Dadurch sollen alle Teams frühzeitig auf die Strecken gezwungen werden. Ein Pokerspiel wird es bei der Reifenwahl geben, 13 Sätze gibt es für ein Rennwochenende für jeden Fahrer, drei werden von Hersteller Pirelli vorgeschrieben, der neue Ultrasoft ist besonders weich und schnell. Die Top 10 müssen mit dem Reifensatz im Rennen starten, mit dem sie im zweiten Qualifying die Bestzeit erzielt haben. Die Formel 1 liebt es immer noch kompliziert. Es müssen ja nicht gleich alle den richtigen Überblick haben. Neu im Rennkalender ist auch Baku, am 19. Juni wird in der Hauptstadt von Aserbaidschan gefahren. Der bekannt geldgierige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat dort eine neue Einnahmequelle entdeckt. Unter diesem Aspekt ist die Zukunft in Deutschland ziemlich mit einem Fragezeichen zu versehen. Ob Hockenheim alle zwei Jahre das nötige Kleingeld besorgen kann, ist nicht sicher.

Noch immer sieht sich die Formel 1 als die Krone des Motorsports. Doch ist sie das wirklich, wenn nur drei von 22 Autos um den Titel fahren können, vielleicht aber auch wieder nur zwei? Die Formel 1 lebt von der Hoffnung und die Fans auch. Wie schön wäre es, wenn wenigstens die Hälfte des Feldes für den Sieg in Frage käme! Träume!

Die Rennen: 20. 3. Melbourne/Australien, 3. 4. Manama/Bahrain, 17. 4. Shanghai/China, 1. 5. Sotschi/Russland, 15. 5. Barcelona/Spanien, 29. 5. Monte Carlo/Monaco, 12. 6. Montreal/Kanada, 19. 6. Baku/Aserbaidschan, 3. 7. Spielberg/Österreich, 10. 7. Silverstone/England, 24. 7. Budapest/Ungarn, 31. 7. Hockenheim/Deutschland, 28. 8. Spa/Belgien, 4. 9. Monza/Italien, 18. 9. Singapur, 2. 10. Sepang/Malaysia, 9. 10. Suzuka/Japan, 23. 10. Austin/USA, 20. 10. Mexiko City/Mexiko, 13. 11. Sao Paulo/Brasilien, 27. 11. Abu Dhabi/VAE.

Der Fußball bewegt sich doch – Märchen um das Sommermärchen

 

Woche für Woche erfreuen wir uns am rollenden Fußball auf den Plätzen. Und dennoch wird auf den Zuschauerrängen und an den Stammtischen diskutiert: „Der Fußball bewegt sich nicht.“ Soll heißen: Die Fußball-Funktionäre bringen nichts fertig und Fortschritt ist für die Fußball-Verbände ein Fremdwort. Jetzt aber geschah fast ein Wunder: Der Fußball bewegt sich doch. Soll heißen: Neuerungen sind auf den Weg gebracht.

Wirklich ein Wunder, dass die alten Herren des Weltverbandes, die als Regelhüter ihre Hand drüber halten, dass der Fußball heute noch wie vor hundert Jahren gespielt wird, jetzt die Tür zur Modernisierung ein bisschen aufmachen. Der Videobeweis darf getestet werden, die Fehlentscheidungen der Schiedsrichter sollen in absehbarer Zeit nicht mehr über Sieg und Niederlage, nicht mehr über Meisterschaft oder Abstieg bestimmen. Ehrlichkeit soll einziehen im Fußball – auf allen Ebenen.

Zwei Jahre lang soll erst einmal getestet werden, was ja wohl sinnvoll ist. Rund um den Strafraum soll der Videobeweis gelten, Fouls, Handspiele usw. kontrolliert werden können, wobei wir heute schon wissen müssen, nicht immer liefern die Fernsehbilder Klarheit, der Schiedsrichter soll oberste Instanz bleiben und den Fußball-Fans geht der Diskussionsstoff am Ende doch nicht aus. Vielleicht wird später aber nicht mehr am meisten über den Referee diskutiert, sondern die Spieler, die entscheidende Fehler gemacht haben, geraten wieder in den Mittelpunkt.

Fast untergegangen ist daneben die Tatsache, dass die Dreifachbestrafung bei einer Notbremse mit Elfmeter (und Tor) sowie Roter Karte der Vergangenheit angehört. Wenn erkennbar die Grätsche dem Ball gilt, sollen es die Schiedsrichter bei Gelb belassen, also ein bisschen gnädig sein. Lässt zwar wieder viel Interpretationsspielraum, aber in manchen Situationen war es wirklich unsinnig, dass der Mann vom Feld musste und ein Team gleich doppelt bestraft wurde (Gegentor und Spieler weg).

Märchen um das Sommermärchen 

Was die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland angeht, so können wir bald unseren Kindern folgendes erzählen:

„Es war einmal ein großer Fußball-Onkel in einem großen Fußball-Land, das alle Fußball-Größen der Welt zu sich einladen wollte. Der Fußball-Onkel reiste um die ganze Welt und machte Werbung für das große Turnier, verteilte großzügig Geschenke und sammelte Stimmen ein. Der große Aufwand war von Erfolg gekrönt, das Fußball-Land bekam das Weltereignis und alle waren glücklich. Sie feierten ein großes Fest, das als ‚Sommermärchen’ weltweit bewundert wurde. Alle feierten, waren glücklich und der Fußball-Onkel, der schon Fußball-Kaiser genannt wurde, stieg endgültig hinauf auf den Fußball-Thron. Welch ein Tausendsassa, der als Spieler und Trainer Weltmeister geworden war und jetzt auch noch der König der Feste war. Er konnte das alles natürlich nicht alleine machen und hatte viele Helfer.

Viele Jahre später gab es Kritik an dem großen Fest, es wäre alles nicht mit rechten Dingen zugegangen, zum Beispiel bei der Abstimmung. Mit Geschenken seien auch Stimmen gekauft worden. Doch keiner der Beteiligten konnte sich mehr richtig erinnern, wie es wirklich war. Selbst Dokumente brachten keine Klarheit, denn der große Fußball-Onkel hatte nur das Sommermärchen im Auge und erzählte ‚ich habe alles unterschrieben, was man mir vorgelegt hat, aber nichts gelesen’. Das sollte allen Kindern eine Lehre sein, nur unterschreiben, was man auch gelesen hat. Es wurde sogar eine Agentur beauftragt, die alles rund um das Märchen untersuchen sollte, aber am Ende fehlten doch viele Beweise und alles verlief mehr oder weniger im Sand. Überall in der Welt wurde weiter Fußball gespielt, aber die Funktionäre ließen es sich gut gehen, sagten aber, sie suchten immerzu nach der Wahrheit. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann suchen sie noch heute…“.

Ja, das werden wir wohl über FIFA und DFB, wie das Untersuchungsergebnis von Freshfield in Deutschland jetzt zeigt, unseren Kindern einmal erzählen. Es ist das traurige Märchen des Fußballs.

Biathlon: Medaillen für die Gunst der Zuschauer

 

Der Wintersport „kochte“ in dieser Saison ein bisschen auf Sparflamme, weil im alpinen und nordischen Skisport keine Weltmeisterschaften anstanden und schon gleich gar nicht Olympische Winterspiele. Einige Wintersportarten halten allerdings jährlich ihre Weltmeisterschaften ab und dann wird auch auf Olympia (wieder 2018) geschielt, nach dem Motto „haben wir dort Medaillenchancen?“. Gerade bei Bob und Rodel hagelte es Medaillen – gerüstet für Olympia, wenn man das zwei Jahre davor sagen darf. Ab dem 3. März sind jetzt die Biathleten dran. Sie hoffen aus zwei Gründen auf ein gutes Abschneiden: Medaillen-Gewinne sorgen auch für die Gunst der Zuschauer. Was die Einschaltquoten im Fernsehen angeht, ist Biathlon die Wintersportart Nummer 1 und will es auch bleiben. Erfolge bei der WM in Oslo am Holmenkollen würden zudem dafür sorgen, dass Biathlon TV-Sport Nummer 2 hinter Fußball bleibt, wenn auch Formel 1 und Boxen manchmal noch mehr Zuschauer haben oder Handball mit dem Gewinn der Europameisterschaft (13 Millionen saßen vor den TV-Geräten) sensationell in den Blickpunkt rückte.

Biathlon hat den Vorteil, dass die Rennen überaus spannend sind, weil bei jeder Schießeinlage sich an den Platzierungen etwas ändert. Da gab es schon Tragödien, weil vermeintliche Sieger mit dem letzten Schuss alles verspielten, da gab es Aufholjagden, welche die Zuschauer von den Sitzen rissen und erst auf der Ziellinie entschieden wurden. Aufholjagden, wie sie sich zum Beispiel die Formel 1 sehr wünschen würde.

Bei der Weltmeisterschaft ist nun die Frage, ob wir auch wieder viel Spannung erleben oder ob überragende Athletinnen und Athleten die Spannung kaputt machen. Das könnte bei den Männern zum Beispiel dem Weltcupführenden Martin Fourcade (Frankreich) gelingen oder Gabriela Soukalova (Tschechien) bei den Frauen. Zum Glück haben aber beide starke Konkurrenz. Vor allem bei den Männern wollen die Norweger ihr „Hausrecht“ wahrnehmen. Für sie ist die WM im eigenen Land ein besonderes Ereignis, das mit Medaillen und Siegen gekrönt werden soll. In erster Linie gilt dies für die Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Boe. Bei den Frauen sind die norwegischen Hoffnungen nicht so groß, Tyrill Eckhoff könnte vorne rein laufen, aber vor allem Marie Dorin-Habert (Frankreich), Dorothea Wierer (Italien) und Kaisa Mäkäräinen (Finnland) – nach der Platzierung im Weltcup – sind die Herausforderinnen von Soukalova.

Und dann natürlich auch die Deutschen! Sie können bei Männern und Frauen ein Wörtchen mitreden, haben schon zahlreiche Siege in dieser Saison auf ihrem Konto und sind dem eigenen Anspruch – bei jedem Rennen möglichst einer auf dem Treppchen – schon sehr nahe. Bei den Männern hätte Simon Schempp zu den großen Favoriten gezählt, doch eine Bronchitis behinderte die WM-Vorbereitung. Er wird nicht in Bestform antreten können und bleibt so eine Wundertüte, genauso wie die Mannschaftskameraden Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher, die an guten Tagen vorne dabei sein können. In der Staffel sind die Männer Titelverteidiger, aber gegen Norwegen, Russland, Österreich und Frankreich hängt Gold ziemlich hoch.

Von Medaillen träumen natürlich auch die Frauen und die haben mit Laura Dahlmeier die größte Herausforderin für die Favoritinnen. Die 22jährige Garmischerin klettert in ihrer Freizeit gerne auf die Berge, am Holmenkollen würde sie gerne aufs Treppchen klettern. Sie gilt als die perfekte Biathletin, sicher beim Schießen und schnell in der Loipe. Leider wird sie oft von Verletzungen und Krankheiten zurück geworfen. Wenn alles passt, geht der Weg zu Gold nur über die Laura. Mit vorne dabei will auch Franziska Hildebrand sein, die Nummer 5 im Weltcup. Sie hat erstaunliche Fortschritte in der Loipe gemacht und wurde von der Mitläuferin zur Siegläuferin. Auch die weiteren deutschen Starterinnen Franziska Preuß (16. im Weltcup), Miriam Gössner (19., wenn sie trifft, kann sie immer gewinnen, leider schießt sie mehr daneben), Vanessa Hinz (22-) und Maren Hammerschmidt (24.) sind alle unter den besten 25 im Weltcup zu finden. Ausdruck der Stärke: Deutschland ist im Nationencup führend vor Tschechien und Frankreich (bei den Männern Norwegen vor Deutschland und Russland).

Die Biathlon-Weltmeisterschaft ist allein schon vom legendären Austragungsort Holmenkollen her der Höhepunkt des Winters, beste Stimmung ist garantiert. In welcher Mannschaft die Stimmung besonders gut sein wird, dass wird man an den Medaillen ablesen können. Deutsche Erfolge garantieren jedenfalls die Gunst der Zuschauer zu Hause an den Fernsehgeräten. In den insgesamt elf Rennen sollten zumindest sechs deutsche Medaillen möglich sein.

Das WM-Programm: 

Donnerstag, 3. März: 15.30 Uhr Mixed-Staffel. – Samstag, 5.: 11.30 Sprint Männer, 14.30 Sprint Frauen. – Sonntag, 6.: 13.30 Verfolgung Männer, 15.45 Verfolgung Frauen. – Mittwoch, 9. März: 15 km Frauen. – Donnerstag, 10.: 20 km Männer. – Freitag, 11.: 15.30 Staffel Frauen. – Samstag, 12.: 15.30 Staffel Männer. Sonntag, 13.: 13.00 Massenstart Frauen, 15.00 Massenstart Männer.

FIFA: Reformen und neuer Präsident, abeer Fragen bleiben

 

Beim Kongress des Fußball-Weltverbandes in Zürich herrschte Aufbruchstimmung, nach Meinung der Mehrzahl der Delegierten ist der Neuanfang geschafft. Doch eitel Sonnenschein ist Fehl am Platz. Ja, Reformen und ein neuer Präsident sollten neuen Schwung verleihen, aber es bleiben für die Zukunft Fragen offen. Die FIFA steht nach der Korruptionsära ihren alten Präsidenten Blatter und Havelange nach wie vor weltweit unter Beobachtung, der Korruptionsskandal ist noch nicht bewältigt. Das sollten wir nicht vergessen.

Überraschend klar hat sich UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino im zweiten Wahlgang gegen Bahreins Scheich Al Khalifa mit 115 zu 88 Stimmen durchgesetzt. In Kommentaren heißt es „Der Neue ist eine gute Wahl“, doch der Italo-Schweizer ist eher das kleinere der beiden Übel (Al Khalifa werden Verstöße gegen Menschenrechte angelastet), ob er für einen echten Neuanfang steht, muss sich erst zeigen. Bedenklich stimmt, dass beide Kandidaten im Vorfeld eine Verteilung von Geldern und Infantino auch eine Erweiterung des WM-Feldes in der Endrunde auf 40 Nationen versprochen haben. Bei solchen Versprechungen ist die Korruption nicht weit. Vor allem die Europäer, die immerhin weiterhin den Präsidenten stellen (obwohl Blatter eher ein Freund Asiens und Afrikas war), werden sich gegen die Aufstockung auf 40 Nationen wehren. Sie ist auch unsinnig.

Die Frage ist eigentlich, warum sich überhaupt Kandidaten nach dem Präsidenten-Posten drängten. Die größte Errungenschaft des Kongresses war, dass er mit großer Mehrheit dem Reformpaket zugestimmt hat. Und das sieht u. a. vor, dass der Präsident an Macht verliert, ein Regieren in Königsmanier, wie es vor allem Joseph Blatter beherrschte, wird es nicht mehr geben. Im täglichen Geschäft soll die Macht künftig vor allem beim Generalsekretär liegen. Das aber wollte Infantino unter dem Scheich als Präsidenten nicht werden. Jetzt sucht er einen geeigneten Kandidaten, der nicht aus Europa kommen soll. Infantino wird auch damit leben müssen, dass Vereine und nationale Ligen nach mehr Einfluss drängen, so haben die Ligen einen eigenen Verband gegründet. Hier könnte es noch zu Machtkämpfen kommen.

Ob das Reformpaket ausreicht, um die FIFA wirklich echt zu reformieren und mögliche Korruption auszuschließen, muss sich auch erst zeigen. Der Sport-Grantler bleibt skeptisch, wie er schon im Kommentar vom 8. Februar mitgeteilt hat „Bei der FIFA wird sich nichts ändern“. Immerhin ziehen Frauen ins zukünftige Council ein (jeder Kontinent muss eine Frau benennen), dass mit 37 Mitgliedern das bisherige Exekutivkomitee (25) ablösen soll. Positiv, dass die Zahl der Kommissionen von 26 auf neun reduziert wird und nicht mehr alle Nationen ihren Platz finden. Das war die bekannte Postenverteilung, für jeden wurde gesorgt. Mehr externe Experten sollen hinzugezogen, auch die Kontrollinstanzen extern besetzt werden. Das klingt schon mal gut. Richtig aufräumen bei der FIFA müssen vorerst aber weiterhin die Justizbehörden aus den USA und der Schweiz, die den Korruptionsskandal aufdeckten.

Die FIFA steht (hoffentlich) am Anfang einer neuen Ära. Beim Deutschen Fußball-Bund müssen die Weichen noch gestellt werden. In Sachen Aufarbeitung des Skandals rund um die WM 2006 soll in dieser Woche noch Licht ins Dunkel kommen. Mal sehen, ob es dann auch Aufbruchstimmung gibt. Beim FIFA-Kongress stach vor allem eine positive Nachricht heraus: Es wurde niemand verhaftet!

Rangliste der besten Sturmreihen der Welt

 

Die Wettbewerbe in der Champions League und Europa League stehen in den nächsten Wochen im Mittelpunkt des Fußball-Geschehens. Die besten Teams Europas duellieren sich und entscheidend sind die Tore. Zwar heißt es, die Offensive gewinnt Spiele, aber die Defensive gewinnt Meisterschaften, doch die Würze im Spiel sind halt schöne Treffer. Der Sport-Grantler hat sich deshalb Gedanken gemacht, wer eigentlich die beste Sturmreihe der Welt besitzt. Dabei darf man davon ausgehen, dass die besten Sturmreihen in Europa zu finden sind, weil es ja die besten Spieler aus aller Welt an die großen Fleischtöpfe in Europa zieht. Der Sport-Grantler geht nicht davon aus, dass es in Südamerika oder Asien bessere Sturmreihen gibt. Vielleicht bald mal in China!

In seine persönliche Wertung hat er jeweils eine Dreier-Sturmreihe aufgenommen, wohl wissend, dass die Trainer natürlich taktisch variieren. Es muss ja ein einheitliches Kriterium geben. Wichtig sind auch die Leute dahinter, die einst „Spielmacher“ genannt wurden. Für die Sturmreihen ist es wichtig, dass sie auch gute „Zuarbeiter“ haben. Sie werden genannt. Hier also die „Top six“ der besten Sturmreihen der Welt:

  1. Messi-Suarez-Neymar: An dieser Kombination des FC Barcelona führt wohl kein Weg vorbei. Messi ist derzeit der beste Spieler der Welt, Neymar belegte bei der letzten Wahl Rang drei und „Beißer“ Suarez beeindruckt einmal als Vorbereiter, dann wieder als Torschütze. Eine Kombination, die kaum zu stoppen ist und „Barca“ zum Favoriten auf den Gewinn der Champions League macht, zumal dahinter mit Iniesta und Rakitic noch geniale Zuarbeiter stehen.
  2. Robben-Lewandowski-Douglas Costa/Ribery: Real oder Bayern? Der Sport-Grantler hat sich für den Münchner Angriff als Nummer 2 entschieden, weil hier alle drei (oder vier, Ribery war zuletzt verletzt) glänzen können und sie keine „One-Man-Show“ liefern. Dazu muss man vor allem noch den unorthodoxen Spieler Thomas Müller rechnen, der den Bayern-Angriff endgültig unberechenbar macht. Außerdem stehen dahinter weitere erstklassige Offensiv-Akteure wie Thiago, Götze, Vidal oder Alonso – die Bayern sind gut bestückt, haben derzeit im Gegensatz dazu Verletzungssorgen in der Abwehr.
  3. Bale/James-Benzema-Cristiano Ronaldo: Die „Königlichen“ nur auf Rang drei? Der Sport-Grantler hat es oben begründet, mögen auch Bale und Ronaldo mit die teuersten Spieler der Welt sein. Zudem zeigt Benzema keine Konstanz wie zum Beispiel Lewandowski. Federführend ist allein Ronaldo. Die Reihen dahinter sind mit Modric und Kroos ebenfalls gut besetzt.
  4. di Maria-Ibrahimovic-Cavani: Die Geldgeber von Paris Saint-Germain träumen vom Gewinn der Champions League, mit der Sturmreihe könnte es gelingen, aber im Gesamtkonstrukt fehlt halt noch ein bisschen was zur absoluten Top-Stellung.
  5. Mkhitaryan-Aubameyang-Reus: Die Dortmunder müssen sich bei der Auflisten der besten Sturmreihen nicht verstecken, sie haben national und international ihre Klasse bewiesen und haben mit Gündogan einen erstklassigen Mann dahinter. Kein Wunder, dass sie von anderen Klubs, vor allem in England, begehrt werden, vor allem der pfeilschnelle Torjäger Aubameyang macht wohl jeden Verein noch besser.
  6. Dybala-Mandzukic-Morata: Nach Startschwierigkeiten hat Juventus Turin zu alter Form gefunden und steht in Italien wieder an der Spitze. Der Angriff mit dem großen Talent Paulo Dybala (der sinnigerweise beim CL-Gegner Bayern im Gespräch ist), dem kantigen Mandzukic und Wirbler Morata hat eine hohe Qualität, zumal sich der talentierte Paul Pogba immer wieder mit vorne einschaltet und Sami Khedira die Lücken schließt. Die Italiener sind also gut besetzt.

In der engeren Auswahl waren auch die Sturmreihen von Chelsea London (Willian-Diego Costa-Hazard) und Manchester City (Navas-Aguero-de Bruyne), aber ein bisschen etwas fehlt zu den „Top six“.

Stürmisch wird es am 26. Februar wohl auch beim Fußball-Weltverband FIFA. Dort wird aber gern aus der Hüfte geschossen und vor allem die Hand aufgehalten. Warten wir ab, ob der Verband wirklich zu einer Reform fähig ist. Der Sport-Grantler wird es beobachten.

Champions League: Ist Zidane der Heilsbringer?

 

Da können sich die Fans anderer Sportarten noch so ärgern: Das Frühjahr gehört dem Fußball. Die Champions League (CL) und auch ein bisschen die Europa League (EL) bestimmen in großem Masse die Schlagzeilen der Gazetten. Viele sagen „endlich geht es los“. Ab Dienstag, 16. Februar, wird wieder gespielt, schön aufgeteilt in jeweils zwei Begegnungen pro Spieltag dehnt sich das Achtelfinale der CL wie Kaugummi. Erst am Mittwoch, 16. März, sind alle Teilnehmer für das Viertelfinale perfekt, ausgelost wird dann am 18. März. Und so beschäftigen uns jeden Monat die einzelnen Runden bis zu den Finals im Mai.

Schlagerspiele gibt es bereits im Achtelfinale. Die Augen sind natürlich auf die (bekannten) Favoriten gerichtet und außerdem wird auf eine Antwort von einigen Fragen gewartet: Besiegt der FC Barcelona den Fluch des CL-Siegers? Keiner konnte bisher seinen Titel erfolgreich verteidigen. Es sieht so aus, als ob es „Barca“ wirklich schaffen könnte. Was passiert bei Real Madrid? Dort ist nach der Ablösung von Trainer Rafa Benitez der einstige Weltstar Zinedine Zidane der große Hoffnungsträger. Ist er der Heilsbringer? Hat der Trainer-Neuling das richtige Händchen für die Ansammlung von Stars, die aber keine Mannschaft sind? Neid und Eifersüchteleien machen Erfolge schwerer, schützen aber vor Siegen nicht.

Der Rest der 16 Mannschaften reiht sich nicht in die erste Reihe der Favoriten ein. Aufgrund seines unbeschreiblichen Verletzungspechs auch der FC Bayern München nicht. Es wäre ein Wunder, würde eine Mannschaft ohne Abwehr den Titel gewinnen, auch wenn die Offensive über alle Zweifel erhaben ist. Die neueste Verletzung von Nationalspieler Holger Badstuber war ein Schock für die Münchner, die ja schon auf Jerome Boateng für den Rest der Saison verzichten müssen und sehnsüchtig auf die Rückkehr von Benatia und Martinez warten. Die Spiele gegen Juventus Turin kommen wohl zu früh, da steht die „Zwergen-Abwehr“ mit relativ kleinen Spielern vor einer großen Bewährungsprobe gegen die ausgefuchsten Italiener, die nach schwachem Saisonbeginn zu ihrer alten Stärke zurückgefunden haben. Sahen viele bei der Auslosung noch kleine Vorteile bei den Bayern, so hat inzwischen wohl Juve die besseren Karten in der Hand.

Juventus Turin gehört aber zu den Teams, die für eine Überraschung sorgen können. Die Italiener waren im letzten Jahr im Finale und ein Endspiel im eigenen Land (28. Mai Mailand) lockt zusätzlich. Auf einer Stufe dürfte aber auch Paris Saint-Germain stehen. Die Franzosen beherrschen die eigene Liga, sind mit 24 Punkten Abstand vorn, doch das könnte auch ein Nachteil sein. Die Mannschaft wird zuwenig gefordert. Doch die Mannen um Trainer Laurent Blanc und Schwedens Torjäger Zlatan Ibrahimovic wünschen sich nichts mehr, als einen Triumph auf Europas Bühne. Sie stehen aber gleich vor einer großen Bewährungsprobe gegen Chelsea London, unter dem neuen Trainer Guus Hiddink noch ungeschlagen! Aber auch Titelverteidiger Barcelona (gegen AS Rom) und Real Madrid (gegen Arsenal London) haben keine leichten Aufgaben. Die Favoriten sind gefordert, im Viertelfinale werden große Namen fehlen, dafür Außenseiter vertreten sein:

Die Paarungen: Paris – Chelsea, Benfica Lissabon – St. Petersburg, Gent – Wolfsburg, AS Rom – Real Madrid, Juventus Turin – Bayern, Arsenal – FC Barcelona, Eindhoven – Atletico Madrid, Kiew – Manchester City.

Glamour für die Europa League 

Die Mannschaften der Europa League bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Aber von einem „Pokal der Verlierer“ hat sich die EL einigermaßen verabschiedet. Einige großen Namen bringen der EL ein großes Maß an Glamour und am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen attraktiven Sieger. Zuletzt triumphierte zweimal der FC Sevilla. Der EL-Sieger erhält seit Neuestem das Startrecht in der CL, aber die Spanier konnten dies nicht nutzen und kehrten als Dritter der Gruppe D (hinter Manchester City und Turin) in ihren „angestammten Wettbewerb“ zurück. Auf dem Weg ins Finale am 18. Mai in Basel sollten die Norweger von FK Molde den Titelverteidiger nicht aufhalten, aber ins Finale wollen auch andere Hochkaräter: FC Porto, AC Florenz, Tottenham Hotspurs, SSC Neapel, Manchester United oder der FC Liverpool.

Gleich vier deutsche Teams sind in der Zwischenrunde vertreten, so dass die Europa League fast zu einer deutschen Liga wird. Gerade Borussia Dortmund träumt von einem EL-Coup, aber Boss Watzke beteuert immer wieder, dass vor allem die Qualifikation für die Champions League entscheidet sei. Nun, die Dortmunder haben in der Bundesliga zwar acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer München, aber auch 13 Punkte Vorsprung auf den Dritten Bayer Leverkusen und dürfen sich im Moment als „Bester Zweiter aller Zeiten“ der Bundesliga bezeichnen. Dortmund hat sicherlich die Qualität um die EL zu gewinnen, mit dem FC Porto aber gleich einen schweren Gegner. Dass so ein Titel sich gut auf dem Briefkopf macht, ist auch die Meinung bei Bayer Leverkusen (gegen Sporting Lissabon) und Schalke 04 (gegen Schachtor Donezk). Doch beide gehören eher zu den Außenseitern. Überraschungsgast in der Zwischenrunde ist der FC Augsburg. Spieler und vor allem Fans wollen beim Aufeinandertreffen mit dem FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp nur eins: Genießen.

Auffallend: Seit Einführung der Europa League in der Saison 2009/2010 gab es keinen deutschen Sieger (2x Atletico Madrid und FC Sevilla, FC Porto, FC Chelsea London). Schalke 04 gewann 1997 als letzter deutscher Verein den damaligen UEFA-Cup.

Ob Champions League und Europa League für die Fußball-Fans zu einem Genuss werden, wird sich zeigen. Spannung ist aber auf jeden Fall garantiert. Große Namen garantieren ja auch große Tragödien.

Bei der FIFA wird sich nichts ändern

 

Keine drei Wochen sind es noch, bis im Weltfußball die Weichen neu gestellt werden sollen. Ein neuer FIFA-Präsident wird gesucht und soll am 26. Februar gewählt werden. Doch kann ein neuer Präsident überhaupt gewählt werden? Die Angst geht um vor den Tricks des alten Präsidenten Joseph S. Blatter, der, so sagt er es selbst süffisant „nicht offiziell zurückgetreten ist. Ich bin immer noch der gültige Präsident, wenn auch das Amt zwangsläufig ruht“. Es droht eine Schlammschlacht.

Alle Anzeichen deuten sowieso darauf hin, dass sich beim Fußball-Weltverband nichts ändern wird. Siegchancen für eine mögliche Neuwahl werden allein noch Gianni Infantino, dem UEFA-Generalsekretär, und Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa (Bahrain), Mitglied der Königsfamilie und Verbandsboss in Asien, eingeräumt. Infantino weiß die Europäer auf seiner Seite, Al-Khalifa hat die Verbände von Asien und Afrika hinter sich, gilt als Favorit. Er will mehr als 100 Stimmen schon hinter sich haben, insgesamt 209 Verbände stimmen ab…

Beide Kandidaten stehen keineswegs für einen Neuanfang bei der FIFA. Wie man es den Scheichs so nachsagt, wird bei Al-Khalifa vor allem das Geld eine Rolle spielen, das Geld, das er großzügig vor allem an die kleinen Verbände verteilen wird und auf deren Stimmen er also hoffen kann. Dass ihm in Bahrain Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, spielt da fast keine Rolle. Der Scheich bestreitet dies, andere machen es nicht zum Thema. Der Schweizer Infantino schielt natürlich auch auf die Stimmen der kleinen Verbände und hat sich für die Stimmenfang etwas anderes ausgedacht: Aufstockung der WM auf 40 Nationen. Da dürfen weitere kleinere Verbände aus Afrika, Asien und Südamerika auf ein Festmenü an den WM-Fleischtöpfen hoffen. Vorschläge im Sinne des Sportes hat man bisher keine gehört. Mit 40 Teilnehmern würde die WM weiter verwässert. Ein Vorschlag, der wie ein verzweifelter Rettungsring aussieht.

Sollte Infantino nicht gewinnen können, wäre Europa einmal mehr auf der Weltbühne der große Verlierer. Die sportlich starken Verbände bringen es nicht fertig, den Weltfußball im Sinne des Fußballs zu verändern. Nicht Geld darf die Hauptrolle spielen, der Sport muss es tun. Aber die Funktionäre in allen Herren Ländern sind zwar für den Sport zuständig, aber sie treiben meist keinen Sport mehr, sondern sind eher am Geld für sich und die Verbände interessiert und da ist ihnen das Hemd näher als die Hose, heißt, erst das Geld, dann der Sport. Alles deutet darauf hin, dass es nach der Korruptionsära des Sepp Blatter auch weiterhin vor allem um das Geld gehen wird.

Aber vielleicht gibt es keine Neuwahl, wenn Blatter den Weg nicht freimacht, Rechtsexperten sagen, dass ohne wirksame und schriftliche Rücktrittserklärung und ohne ordnungsgemäß angekündigte formelle Abwahl des Präsidenten die Wahl eines Nachfolgers angefochten werden könnte. Blatter selbst kann aufgrund seiner Sperre am FIFA-Kongress nicht teilnehmen. Sein von ihm sehnlichst gewünschter großer Abgang muss wohl ausfallen. Wir wissen aber, Blatter gefällt sich in der Rolle des großen Spielers ohne Rücksicht darauf, ob der Ruf des Fußballs leidet oder nicht. Von einem Abpfiff seines Spiels will er nichts wissen.

Das Sportjahr 2016 fängt ja gut an

 

Es war das Super-Wochenende des deutschen Sports. Eigentlich sollte ja der Wintersport im Mittelpunkt stehen, aber Tennis und Handball haben ihm die Show gestohlen. Die Deutschen, denen nachgesagt wird, dass sie allein ein Faible für Fußball haben, wurden plötzlich Tennis- und Handball-Fans. Sportliche Erfolge lockten die Nation vor die Bildschirme. Die Fans feierten Angelique Kerber für ihren Sieg in Melbourne und die Handballer für den EM-Titel in Krakau.

Als Boris Becker und Steffi Graf in den 80er und 90er Jahren von Sieg zu Sieg eilten und die Tennis-Welt aus den Angeln hoben, da schwappte ein Tennisboom über das Land. Jeder wollte auch zum Racket greifen, jeder ein bisschen Boris und Steffi sein. Mit dem Abtreten der Stars ebbte auch der Boom ab, die Tennis-Klubs haben heute oft nicht mal mehr die Hälfte der Mitglieder. Vor allem der Tennis-Bund lechzte nach einem Nachfolger bzw. Nachfolgerin, doch alle verheißungsvollen Talente blieben irgendwann auf der Strecke. Auch Angelique Kerber wurde der Sieg in Melbourne nicht zugetraut, aber die 28jährige löste ein Versprechen ein. Sie hat ihr Training umgestellt, dazu eine neue Einstellung zu ihrem Sport und sie prophezeite: „Bei den großen Turnieren will ich es krachen lassen.“ Es wurde gleich beim ersten Versuch ein Paukenschlag! 

Kerber: Eintagsfliege oder Nummer 1?

Erstmals seit Steffi Graf 1999 in Paris gab es wieder einen deutschen Grand-Slam-Sieg, aber ein Tennisboom wird so schnell wohl nicht wieder entstehen. Da müsste auch die „Angie“ zur Seriensiegerin werden und selbst dann wird die Einmaligkeit von Boris und Steffi nicht zurückkehren. Für Angelique Kerber beginnt jetzt der Druck, dass sie beweisen muss, dass der Erfolg von Melbourne keine Eintagsfliege war. Stark genug hat sie ja beim 6:4, 3:6, 6:4 gegen Serena Williams gespielt und vielleicht kann sie sich irgendwann auch noch einmal den zweiten Traum erfüllen: Die Nummer 1 der Welt zu werden!

Der Europa-Titel der Handballer war wohl noch sensationeller, wenn man die Vorgeschichte beachtet. Früher war Deutschland eine Handball-Nation, aber da wurde noch Feldhandball gespielt. Aber auch in der Halle waren die Deutschen erfolgreich, umso schmerzlicher der Niedergang in den letzten Jahren. Nach der Europameisterschaft 2007 und dem WM-Wintermärchen 2008 ging es nur noch abwärts. Bei der letzten WM durfte Deutschland quasi nur gnadenhalber starten. 

Handball: Glücksgriff Sigurdsson

Der Umschwung kam mit der Verpflichtung des Isländers Dagur Sigurdsson als Bundestrainer. Der Mann mit dem Händchen für den Nachwuchs und gute Stimmung im Team brachte die Wende. Vor der Europameisterschaft wurde die Mannschaft von Verletzungsausfällen gebeutelt, aber Sigurdsson zauberte immer wieder neue Asse aus dem Hut. Einer fiel aus, der nächste war noch besser und schoss entscheidende Tore. Fürwahr ein Handball-Wunder.

Eigentlich war das „Projekt Sigurdsson“ langfristig angelegt, Gold bei Olympia 2020 war das große Ziel. Vier Jahre zu früh gelang der Überraschungscoup und jetzt ergibt sich die Chance, das Gold auch vier Jahre früher zu holen. Schließlich war der EM-Titel auch die Eintrittskarte für die Weltmeisterschaft 2017 und die Olympischen Spiele im August. Da wird Deutschland die Konkurrenz allerdings nicht mehr überraschen können. Spanien zum Beispiel wird nach dem 17:24 auf Revanche sinnen. Der Favorit, in der Vorrunde noch Sieger, war zuerst überrascht, dann aus dem Tritt und am Ende nur noch frustriert. Die Deutschen dagegen schon zehn Minuten vor dem Abpfiff des Finales in Feierlaune. Und in der Heimat saßen rund 13 Millionen vor den Bildschirmen. Die Fußball-Nation wurde plötzlich Handball-Fan.

Deutschland ein Land der Rodler

Aber auch der Wintersport ließ sich nicht lumpen, ging allerdings angesichts der Sensationen ein bisschen unter. So gewannen die Rodler bei ihrer Heim-WM am Königssee in Berchtesgaden sechs von sieben möglichen Gold-Medaillen und untermauerten, dass Deutschland auch ein Land der Rodler ist. Eric Frenzel schaffte mit einer fast schon unmenschlichen Aufholjagd in der Nordischen Kombination von Seefeld das „Triple-Triple“, er gewann in allen drei Jahren alle drei Wettbewerbe und machte sich quasi unsterblich. Jetzt wird vielleicht sogar eine Straße in Seefeld nach ihm benannt. Viktoria Rebensburg rundete die Erfolgsserie mit einem Sieg beim Riesenslalom in Maribor ab.

Fürwahr, das Sportjahr 2016 fängt gut an. Jetzt hoffen die deutschen Sportfans, dass sie auch im August bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro jubeln und feiern dürfen. Dafür könnten auch Angelique Kerber und die Handballer sorgen!

Der alpine Skisport braucht die Show

 

Kitzbühel hat die Sportfans wieder einmal elektrisiert. Die Abfahrt auf der Streif gilt als die schwerste der Welt – spektakuläre und leider meist auch folgenschwere Stürze inbegriffen. Die Moralisten fordern, dass da nicht mehr gefahren wird, zu gefährlich. Die Sportler selbst gehen offenen Auges die große Herausforderung an und das Publikum ist begeistert. Am Ende sind beide Seiten froh, wenn ein Fahrer gesund wieder unten ist. Hier ist der alpine Skisport auch Show – und die Show braucht der alpine Skisport um sich gegen die Konkurrenz als Wintersport Nummer 1 zu behaupten. In Deutschland zumindest haben die Alpinen ihre Vormachtstellung schon lange gegen Biathlon verloren. Und Biathlon gilt auch als Vorbild, denn dort wurden die Wettbewerbe fernsehgerechter und zuschauerfreundlicher. Biathlon ist spannend, man könnte sagen, dort ist jeder Schuss ein Treffer.

Kitzbühel ist bei den Alpinen eine Ausnahme, ist ein Event, dort tauchen auch die Schönen und Reichen des Showbusiness auf. Wann sonst ist der Sport schon Anlass für eine große Party. Aber nach diesen Anlässen suchen viele Verantwortlichen, denn der Wintersport ist bedroht. Einmal natürlich von der Klimaveränderung. Keiner weiß heute mehr, wann wirklich Winter ist. Umso problematischer ist es, im Vorfeld den Terminkalender zu erstellen. Bisher gehen die Organisatoren im Skiverband noch immer nach dem alten Muster vor. Dabei müssten schon längst langfristige Wetterbeobachtungen einfließen.

Noch mehr aber sollten sich die Funktionäre des Internationalen Ski-Verbandes Gedanken machen, wie der zweifellos attraktive alpine Skisport auch im Bewusstsein der Sportfans die Stellung als Nummer 1 zurückgewinnen kann. Der deutsche Ski-Star Felix Neureuther hat hier kürzlich in einem Interview mit der Bild am Sonntag die Finger in die Wunde gelegt. So kritisierte er, dass es in der Zeit ohne Fußball nach Weihnachten zu wenige Skirennen gibt und die Slalomfahrer bis auf ein Rennen sowieso Pause hatten. Interessant sein Vorschlag, mehr auf Nachtslaloms zu setzen, zum Beispiel jeden Freitag ein Nachtslalom. Die Leute brauchen Kontinuität. Es prägt sich ein, wenn man weiß, Freitag ist wieder Slalom. Auch müssen die Veranstaltungen gekürzt, verdichtet werden. Beispiel Parallelslalom.

Der Parallelslalom gilt heute noch als Experiment, dabei hat er sich schon lange bewährt. Der Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau sorgt für zusätzliche Spannung. Es gab spektakuläre Rennen in spektakulärer Umgebung. So wurde die Neujahrsveranstaltung in München am Olympiaberg ein voller Erfolg – wenn sie stattfinden konnte. Auch 2015 gab es wieder eine Absage, weil sich frühzeitig ein Schneemangel abzeichnete. Erste Aufgabe: Die Techniker müssen Möglichkeiten erfinden, dass die Natur überwunden wird und Schnee auch bei wärmeren Temperaturen produziert werden kann. Dann kann der alpine Skisport sich als Show, als Ereignis, als Event verkaufen, mit Nachtslaloms in den Metropolen der Welt, zum Beispiel nicht nur in München, sondern auch in New York, Mailand, London oder Paris.

Die Abfahrer werden sagen, „das gilt für den Slalom, was ist mit uns?“ Setzt sich der Schneemangel fort, dann werden ihre Probleme immer größer. Eine Abfahrtsstrecke mit den entsprechenden Sturzräumen braucht viel Schnee und viele Helfer zur Präparierung. Doch ihre Show wird nicht sterben, in Kitzbühel liegt immer mal Schnee, das wird so bleiben. Die Frage ist später vielleicht einmal, wann…

Bayern und Pep: Das Triple oder es war nix!

 

Der Countdown läuft. Die Fußball-Welt weiß, Trainer Pep Guardiola wird am Saison-Ende den FC Bayern München und die Bundesliga verlassen. Seine Wege führen ihn nach England, nur den (glücklichen?) Verein will er noch nicht nennen. Der Spanier wurde am Montag 45 Jahre alt und sucht eine neue Herausforderung. Sein Nachfolger in München steht im Gegensatz dazu fest, der Italiener Carlo Ancelotti.

Muss er das unvollendete Werk von Pep Guardiola vollenden oder schafft es Pep selbst? Der Katalane steht unter Druck. In Anlehnung an seine Forderung zu Beginn seiner Tätigkeit in München, als er seinen Lieblingsspieler forderte mit dem Satz „Thiago oder nix“, heißt es nun: Das Triple oder es war nix! Die Bayern erfüllten ihm seinen Wunsch, erfüllt jetzt Pep den Traum der Bayern?

Mit glänzenden Augen wurde Pep Guardiola vor zweieinhalb Jahren in München empfangen. „Der beste Trainer der Welt“ hieß es, nach neun Titelgewinnen mit dem FC Barcelona, davon zweimal die Champions League (2009 und 2011), die Erfolge schienen buchstäblich auf der Straße zu liegen. Fünf Titel holte er auch mit seiner neuen Mannschaft, die zumindest als eine der besten Welt gilt. Aber neben der FIFA-Klub-WM, zwei deutschen Meisterschaften, dem UEFA-Supercup und DFB-Pokal fehlt eben die Krönung, der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League. Wer national von einem Rekord zum anderen eilt und schier keinen adäquaten Gegner mehr zu besitzen scheint, der strebt natürlich nach Höherem, in dem Fall die Krone Europas.

Die Konstellation könnte ja spannender nicht sein: Vor drei Jahren beendete Trainer Jupp Heynckes sein Engagement in München und seine Trainer-Laufbahn mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Er packte seinem Nachfolger Guardiola einen dicken Rucksack. Der beeindruckte durchaus, trieb seine Spieler teilweise zu traumhaften Fußball, verwunderte aber auch mit manchen Experimenten und zeigte eine Schwäche: Jeweils im Frühjahr, wenn die deutsche Meisterschaft frühzeitig entschieden war, kam seine Mannschaft international aus dem Tritt. Jetzt hat Pep noch eine Chance…

Der FC Bayern München hatte (logisch) eine ganze Reihe von international anerkannten Trainern wie Giovanni Trapattoni oder Branko Zebec, aber die deutschen Trainer Ottmar Hitzfeld (zudem auch mit Borussia Dortmund) und Jupp Heynckes holten die europäische Trophäe. Doch einen deutschen Trainer, der es mit Guardiola oder Ancelotti aufnehmen könnte, ist derzeit nicht zu sehen. Deshalb blieben die Bayern auf der internationalen Schiene und im Gegensatz dazu müssen die Trainer halt deutsch lernen, wie es Pep getan hat und wie es dem Vernehmen nach derzeit der Italiener Ancelotti fleißig tut. Beide Coaches haben aber eines gemeinsam, sie beherrschen mehrere Sprachen, was in der Multikulti-Gesellschaft einer internationalen Mannschaft heute wohl notwendig ist. Andererseits heißt es in München, „bei uns wird in erster Linie deutsch gesprochen“ – oder vielleicht noch bayrisch…

Die nächsten Monate werden also zeigen, wie nach drei Jahren das Wirken von Pep Guardiola in München bewertet werden wird. Geht er als großer Triumphator (was ihm natürlich jeder Bayern-Fan sehr eigennützig wünscht!) oder geht er als der Fachmann, der eben ein unvollendetes Werk hinterlässt, das seinen Ruf als weltbester Trainer einen Kratzer zufügen würde. An Ehrgeiz wird es Spielern und Trainer nicht mangeln, was beide brauchen, ist zweifellos etwas Glück.

Das Glück des Carlo Ancelotti wäre es allerdings, wenn ihm Guardiola ein unvollendetes Werk übergeben würde… Man könnte sich gut vorstellen, dass er eher Real Madrid, dem FC Barcelona und vielleicht sogar schon Juventus Turin im Achtelfinale die Daumen drückt. Je weniger Guardiola gewinnt, umso leichter wird die Aufgabe für Ancelotti!