Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Der König ist wieder auf dem Thron

 

Man könnte meinen, der Ausdruck „Messias“ aus dem Biblischen, der für Könige und Hohepriester galt, stammt aus der Neuzeit und wurde für einen erfunden, für den König der Fußballer, für Lionel Messi. Der 28jährige, der Messias des Balles, wurde wieder zum „Fußballer des Jahres“ gewählt, der König ist wieder auf dem Thron.

Der Sport-Grantler hat es schon in den vergangenen Jahren betont, dass die Wahl beim „Ballon d’Or“ ziemlich langweilig ist. Trainern, Spielern und Journalisten, die wählen dürfen, fehlt meist der Einfallsreichtum, der Willen, auch mal einem Außenseiter eine Chance zu geben, der in diesem einem Jahr wirklich besser war als die üblichen Verdächtigen. Franck Ribery zum Beispiel 2013. So aber wechseln sich die Stürmer-Stars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in schöner Regelmäßigkeit ab. „CR7“ war die beiden letzten Jahre stolz, dass er den Argentinier quasi in die Pampa schicken konnte und den „Ballon d’Or“ in den Händen hielt. Jetzt schlug der König zurück, zum insgesamt fünften Mal holte er sich den „Goldenen Ball“, zuvor von 2009 bis 2012 durchgehend. Der letzte Sieger, der nicht Messi oder Ronaldo hieß war 2007 der brasilianische Edeltechniker Kaka, der diesmal in Zürich den Sieger verkünden durfte. Es wird Zeit, das Allerlei zu beenden. Eintopf schmeckt nicht immer.

In diesem Jahr gibt es an der Wahl von Lionel Messi allerdings nichts zu granteln. Messi hatte mit dem FC Barcelona ein überragendes Jahr und holte quasi alle Pokale, die es zu gewinnen gab. Da musste Ronaldo einfach in die Röhre gucken, da war es eher verwunderlich, dass Messis Vereinskollege, der Brasilianer Neymar, nicht auf Platz zwei kam. Er ist ein Kandidat für die Zukunft.

Deutsche Spieler sind es wohl vorerst nicht. „Willst Du den ‚Ballon d’Or’ gewinnen, musst Du in England oder Spanien spielen“, heißt der Rat an die Kandidaten. Manuel Neuer wäre vor einem Jahr ein würdiger Gewinner gewesen, weil er als Weltmeister das Torhüterspiel auf eine neue Stufe gehoben hat. Neuer war diesmal immerhin der einzige deutsche Spieler in der Weltelf. Doch Torhüter und Abwehrspieler haben gegen die Torjäger und Zauberer vor dem Tor kaum eine Chance. So müsste zum Beispiel Thomas Müller 2016 bei der Europameisterschaft zumindest Torschützenkönig und eben Europameister werden und zudem noch mit Bayern München die Champions League gewinnen, um in den engeren Kreis der Kandidaten zu kommen. Ein Müller ist halt kein Messias. „Mülleras“ klingt nicht so gut.

Bei den Frauen wurde die kleine deutsche Serie beendet, nach fünfmal Marta (Brasilien) ist die Wahl beim weiblichen Geschlecht eine amerikanisch-deutsche Angelegenheit. Carli Lloyd setzte sich diesmal durch nach Nadine Kessler und Nadine Angerer in den letzten beiden Jahren. „Trainer des Jahres“ war – logisch – Luis Enrique vom Seriensieger FC Barcelona. Seltsam nur, dass Pep Guardiola Zweiter wurde, er hat im letzten Jahr mit dem FC Bayern München nicht viel erreicht und international eher eine Blamage hinnehmen müssen. Dies zeigt deutlich: Welche Fachleute die Juroren auch sein mögen, die bekannten Namen haben einfach einen Bonus. Vielleicht steht Pep Guardiola im nächsten Jahr ganz oben, dann aber müssen die Münchner des Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen.

Die schönste Ehrung durfte der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah (früher Schalke 04) entgegennehmen und zwar stellvertretend für alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Und da tut der Fußball ja einiges zur Integration. Das ist die wahre Stärke des Fußballs bzw. des Sports, hier werden unterschiedliche Nationalitäten wirklich zur Nebensache.

Skisport: Das Phänomen Vierschanzentournee

 

Freund Erwin sagte es klipp und klar: „Weißt Du, Skispringen interessiert mich nicht, ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht. Erst am Schluss gibt es Spannung. Aber die Vierschanzentournee, die schaue ich mir schon an.“ Genau diese Aussage beschreibt das Phänomen Vierschanzentournee. Mit Skispringen haben die meisten generell nichts am Hut, aber die vier Springen rund um die Jahreswende bannen die Zuschauer vor die Bildschirme oder locken sie sogar in die Stadien. Über sechs Millionen sahen die Übertragungen in Deutschland bei ARD und ZDF, Quoten, die in den letzten Jahren nicht mehr erreicht wurden und die auch Formel 1, Biathlon und Boxen (außer Klitschko-Kämpfe) als nächste Quoten-Könige (Fußball ist außen vor) schlagen. Zumindest in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen meldeten die Veranstalter außerdem „ausverkauft“. In dieser Saison war die Tournee sogar das absolute Highlight, weil es keine Weltmeisterschaft gibt.

Das Phänomen beginnt schon bei der Schreibweise. In den Medien sieht man „Vier-Schanzen-Tournee“ oder „Vierschanzen-Tournee“ oder eben „Vierschanzentournee“. Der Sport-Grantler hält sich hier an die wohl offizielle Schreibweise der Veranstalter. Das Phänomen setzt sich fort, dass sich auch viele Frauen für die Hupfer zwischen den Jahren begeistern können. Gut in Erinnerung sind noch die vielen Teenies, die vor zehn bis 14 Jahren Sven Hannawald und Martin Schmitt am Skianzug hingen. Es waren die „Zahnspangen-Fans“. Bei den Österreichern waren Andreas Goldberger, Thomas Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer größere Stars als jeder Fußballer oder Abfahrer.

Gut, solch eine Begeisterung gab es diesmal nicht mehr. Auf deutscher Seite ist Severin Freund eher bodenständig, nicht der Glamour-Boy und außerdem in festen Händen. Die Österreicher mussten einen bitteren Rückschlag hinnehmen, denn erstmals seit 2008 (Janne Ahonen, Finnland) stellten sie nicht mehr den Sieger. Sieben Mal war zuletzt ein Österreicher auf dem Siegertreppchen ganz oben.

Der Triumphator war diesmal PeterPrevc aus Slowenien. Der große Star aus dem kleinen Land lieferte eine tolle Flugshow ab und musste nur in Oberstdorf vorzeitig landen, als ihn der Wind niederdrückte. Das rettete Sven Hannawald den alleinigen Rekord, als er 2002 als erster und bisher einziger Athlet alle vier Springen gewann. Severin Freund machte Prevc das Leben schwer, aber der Slowene wusste auf jeden guten Sprung des Deutschen eine noch bessere Antwort. Dennoch darf sich das Skispringen im Aufwind fühlen. Die Norweger stellten ebenso eine starke Mannschaft wie die Österreicher und vor allem auch die Deutschen, die mit vier Springern unter den ersten Zwölf in der Gesamtwertung vertreten waren.

Das lässt darauf schließen, dass das Phänomen Vierschanzentournee Ende Dezember in Oberstdorf eine Neuauflage der Begeisterung erlebt. Das Phänomen Vierschanzentournee wird aber auch in den nächsten Wochen deutlich werden, wenn die „normalen“ Springen über die Bühne gehen. Der Alltag der Skispringer mit vielleicht zwei oder drei Millionen Zuschauern an den Bildschirmen. Allerdings sollte sich der Internationale Ski-Verband überlegen, ob nicht der direkte Wettkampf von zwei Springern wie bei der Tournee jedes Springen interessanter machen würde. Das direkte Duell hat was für sich und lockt sicherlich Zuschauer. So aber: „Ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht“, sagt Freund Erwin.

2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt

 

Der Terminkalender im Sportjahr 2016 ist voll, aber nicht die sportlichen Wettbewerbe werden im neuen Jahr im Mittelpunkt stehen, sondern die Geschehnisse auf der Funktionärsbühne. Ob der Sport davon profitieren wird, das kann erst die Zukunft zeigen. Eines ist aber sicher, 2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt. Wir Sportfans können nur darauf hoffen, dass sie für eine glückliche Zukunft gestellt werden.

Im Mittelpunkt wird auch 2016 der Skandal im Fußball-Weltverband stehen. Am 26. Februar soll der neue FIFA-Präsident gewählt werden und von dieser Wahl wird es abhängen, wie der Fußball-Weltverband in Zukunft wahrgenommen wird: Gibt es einen wirklichen Neuanfang oder eine verdeckte Art der alten Korruption? Der Gau wäre, wenn die Justiz auch die neuen FIFA-Funktionäre im Visier hätte.

Aber auch im Hinblick auf Olympische Spiele werden die Weichen neu gestellt. Wie zu hören ist, werden in Rio de Janeiro die Stadien bis zum Start am 5. August bereit sein, allerdings gibt es am Rande des Sportes in Brasilien erhebliche Probleme: Die ökonomische Krise des Landes, ein Korruptionsskandal, Umweltprobleme und Rückstand bei der Modernisierung der öffentlichen Verkehrsmittel. Dazu kommt, dass die sportlichen Aussichten des Gastgeberlandes nicht besonders gut sind. Fraglich ist, ob dann die typische brasilianische Begeisterung entflammt wird. Möglich, dass nur der brasilianische Optimismus hilft: Alles wird gut!

Allerdings stehen die Olympischen Sommerspiele ebenso dafür, dass auch bei Olympia die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Immer mehr Städte, immer mehr Länder, die sich für die Austragung von Olympischen Spielen bewerben wollen, haben Probleme, diese Großveranstaltung den Bürgern schmackhaft zu machen. Die Gegner haben leichtes Spiel: Sie prangern die Korruption in den Verbänden an, verweisen auf überdimensionale Kosten und punkten damit, dass das Geld für die eigene Bevölkerung besser angelegt wäre. Die Stadtväter von Hamburg und Boston haben zum Beispiel 2015 erfahren müssen, dass die Bevölkerung „NOlympia“ sagt. Insofern wären Probleme und galoppierende Kosten in Rio Wasser auf die Mühlen der Olymia-Gegner. Also, auch in Rio werden Weichen gestellt! Allerdings glaubt der Sport-Grantler nicht, dass generell die Zukunft von Olympia auf dem Spiel steht.

Man mag es kaum glauben, aber die Wettkämpfe, die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler werden 2016 schon noch im Mittelpunkt stehen. Eben durch Olympia, aber auch durch die Fußball-Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich. Im Sog des FIFA-Skandals wird alle Welt diese EM besonders kritisch betrachten.

Im Schatten dieser Großereignisse gibt es aber auch eine Reihe von anderen Weltmeisterschaften und Veranstaltungen von weltweitem Interesse, die dafür sorgen, dass uns Sportfans 2016 nicht langweilig wird. Es beginnt mit der Handball-Weltmeisterschaft vom 15. bis 31. Januar in Polen, die Eishockey-Weltmeisterschaft wird vom 6. bis 22. Mai in Russland ausgetragen (Eishockey gilt aber schon noch als Wintersportart!), die Leichtathletik-Europameisterschaft findet vom 6. bis 10. Juli in Amsterdam statt und dann gibt es ja auch noch die Formel 1 mit sage und schreibe 21 Rennen vom 20. März in Melbourne bis 27. November mit dem Finale in Abu Dhabi (auch in Deutschland wird wieder gefahren, 31. Juli Hockenheim), die Tour de France (2. bis 24. Juli), die großen Turniere im Tennis und Golf, das mit dem Ryder Cup vom 30. September bis 2. Oktober in Chaska/Minnesota auf ein Weltereignis verweisen kann.

Trotz aller Skandale freuen wir uns also auf das Sportjahr 2016. Der Sport-Grantler wird es wieder mit seinen Kolumnen begleiten und hofft, dass dies auch seine Blog-Leser auf allen fünf Kontinenten tun werden. Der Sport-Grantler wünscht allen ein gutes neues Jahr mit viel Spaß an jedem Tag und vor allem beim Sport.

2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport

 

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sammelten wieder Titel und Medaillen, waren in vielen Sportarten wieder mit an der Weltspitze. Die sportliche Bilanz stimmte also, dennoch war 2015 ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport. Die Ereignisse von 2015 werden auch in vielen Jahren noch Auswirkungen auf den Sport haben. Die Schuld tragen nicht die Athleten, die Schuld tragen die Funktionäre.

Es kommt auf die Sichtweise an, was dem deutschen Sport am meisten geschadet hat. Im Vordergrund steht vielleicht der Korruptionsskandal des Weltverbandes FIFA, der bis nach Deutschland durchschlug. Plötzlich kam das „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ins Visier und die sonst so selbstbewussten DFB-Funktionäre, allen voran DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, zeigten plötzlich Unsicherheiten und Schwächen und verstrickten sich in seltsamen Erklärungen, die man von außen schnell als offensichtliches Lügengebilde ansehen musste. Wo sind die 6,7 Millionen Euro hin? Wurde bestochen oder nicht? Die Aufklärung wird sich bis Sommer 2016 hinziehen, wenn es denn überhaupt am Ende eine plausible Aufklärung geben wird. Dann wird sich auch zeigen, ob „Kaiser“ Franz Beckenbauer noch eine saubere Weste hat oder ob des Kaisers Kleider auch schmutzig geworden sind. Zur Entschuldigung muss man allerdings sagen: Die Zeiten erforderten damals gewisse Handlungen, um die Fußball-Weltmeisterschaft austragen zu können. Für die Öffentlichkeit bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der deutsche Sport erlebte schwarze Stunden.

Eine schwarze Stunde war auch, dass Hamburgs Bevölkerung eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. Grund der Ablehnung war neben vielleicht nicht beherrschbaren Kosten vor allem auch die Abneigung, selbstherrlichen Funktionären mit Olympia eine Bühne zu bieten. Großereignisse gelten nicht mehr als zeitgemäß, die Gegner gewannen mit dem Argument, dass mit dem Geld soziale Einrichtungen besser unterstützt werden können. Das eine tun ohne das andere zu lassen, das sah die Mehrheit der Bevölkerung nicht so. Hamburg hat eine große Chance zur Weiterentwicklung der Stadt verpasst, der deutsche Sport hat Schaden genommen, weil sich für die nächste Zeit kaum eine Stadt an eine Olympia-Bewerbung wagen wird.

Eine Niederlage erlitt der deutsche Sport auch bei der Bewerbung um den Ryder Cup 2022 im Golf, der nicht in der Nähe von Berlin, sondern vor den Toren Roms ausgetragen wird. Die Italiener gewannen mit viel Geld gegen eine gute und schlüssige Bewerbung der Deutschen. Die große Masse der Bevölkerung tat diese Niederlage als Randnotiz ab, weil Golf ja auch nur eine Randsportart sei. Über die Grenzen Deutschlands hinaus muss man allerdings feststellen, dass der Ryder Cup, der Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, eines der größten Sportereignisse der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft ist. Insofern nicht nur ein schwarzes Jahr für das Golf hierzulande, das sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt, sondern eben auch für den deutschen Sport, der auch hier bei einem Großereignis nicht zum Zuge kam.

Das schwarze Jahr wird noch Auswirkungen haben, weil der Sport für positive Schlagzeilen sorgen muss, um Kinder und junge Leute für den Sport zu interessieren. Gerade Olympische Spiele im eigenen Land gelten da als besondere Lokomotive. Sportarten, die nicht im Blickpunkt stehen, haben schon Probleme bei der Nachwuchsförderung. Sportarten, die nicht erfolgreich sind, haben Probleme mit der Finanzierung. Die selbstbewussten Deutschen wollen erfolgreich sein, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Kunst und vor allem auch im Sport. 2015 wurden aber nicht die Weichen für eine gute Zukunft des deutschen Sports gestellt. Ganz im Gegenteil, 2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport.

Die Bayern sind etwas Besonderes – Blatter nicht

 

In Bayern sind die Königsschlösser die Highlights für alle Touristen. König Ludwig II hat da ein schönes Erbe hinterlassen. Die Bayern lieben nach wie vor „ihren Kini“ und es gibt sogar ein Völkchen im südlichsten Bundesstaat Deutschlands, das gern „seinen“ König wieder hätte. Mancher Ministerpräsident fühlt bzw. fühlte sich wohl deshalb manchmal auch als „König“ im Freistaat. Gerne vermitteln sie in Bayern das Gefühl „wir sind etwas Besonderes“.

Warum die Vorrede? Sie soll verdeutlichen, warum man sich auch beim FC Bayern München für etwas Besonderes hält und warum es die Bayern geschafft haben, in Fußball-Deutschland, nein Fußball-Europa, sogar in der gesamten Fußball-Welt eine besondere Stellung einzunehmen. Die Münchner haben diesbezüglich aufgeholt, früher gab auf dem internationalem Markt Manchester United den Ton an, schwärmten die Leute von Real Madrid und Cristiano Ronaldo, es waren halt die „Königlichen“, später trat an diese Stelle der FC Barcelona, ganz zu Schweigen von Brasiliens Fußball, der aber auf Vereinsebene nicht die großen Schlagzeilen machte. Auf diesem Level steht jetzt aber auch Bayern München und macht mit dem typischen „mia san mia“ das besondere Selbstbewusstsein der Bayern deutlich. Soll heißen: An uns kommt keiner vorbei.

Diese neue Stellung der Münchner im internationalen Fußball machte es auch möglich, dass der Trainerwechsel für den Sommer 2016 zwar nicht geräuschlos, das ist bei den heutigen Medien nicht mehr möglich, aber reibungslos über die Bühne ging. Vom Spanier Pep Guardiola im Sommer zum Italiener Carlo Ancelotti. Vom Titelhamsterer zum Titelhamsterer, von beiden ist die Rede als „weltbesten Trainer“. Im Zweifel könnte es ein besonderer Coup der Bayern sein: Nach dem Perfektionisten Pep Guardiola, der etwas stur sein Konzept durchzog, folgt der warmherzige, aber dennoch kühle Taktiker Carlo Ancelotti. Der Italiener könnte das Spiel der Bayern zur Perfektion bringen, was Guardiola wollte, aber (vielleicht) nicht erreichte. Das Frühjahr bleibt ihm noch dafür. Für einen glanzvollen Abschluss muss Guardiola mit den Münchnern das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen, so wie sein Vorgänger Jupp Heynckes 2013, der dem Spanier damit eine große Last aufbürdete. Es wird aber nur gelingen, wenn die Verletzungsserie gestoppt wird. War das die Schwachstelle im Training des Spaniers, das seine Mannschaft nicht fit genug war? Hat er falsch trainiert?

Insofern wird das Frühjahr spannend, denn die Niederlagen in den letzten Jahren jeweils im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid und den FC Barcelona haben vor allem bei Pep Spuren hinterlassen. Pep Guardiola steht unter Zugzwang, weil er als der besondere Trainer gilt und weil er zeigen muss, dass Bayern München auch ein besonderer Verein ist.

 

Nur Blatter hält sich für etwas Besonderes

Das „mia san mia“ passt auch zum gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Acht Jahre Sperre hat ihm die Ethikkommission seines eigenen Verbandes verpasst, weil er das Ethikreglement verletzt hat. Eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an den ebenfalls für acht Jahre gesperrten UEFA-Präsident Michel Platini verstieß gegen die Regeln, weil es dafür „keine rechtliche Grundlage“ gab. Das versteht dann jedes Kind, nur Joseph Blatter nicht. Das „mia san mia“ übersetzt der Schweizer in „ich bin ich, ich bin der König“. Er hält sich für etwas Besonderes, ist es aber nicht. Was er selbst als „Schande“ einstuft, weil er verurteilt wird, ist eigentlich nur Gerechtigkeit. Schändlich war, wie er als FIFA-Präsident gearbeitet hat. Er hat zwar zum Wohle des Weltverbandes zur Geldvermehrung beigetragen, aber der Preis, den er offensichtlich dafür gezahlt hat, war eindeutig zweideutig, aus Sicht der Justiz in den USA und der Schweiz nämlich nicht gesetzmäßig. Der gefallene König sieht sich noch auf dem Thron.

Die Korruptionsaffäre rollte über die FIFA, UEFA und den Deutschen Fußball-Bund hinweg. Alle drei Verbände sind derzeit führungslos, manchmal wirken sie auch hoffnungslos. Die Funktionäre machen allesamt keine gute Figur. Ein Neuanfang auf allen Ebenen wird nicht leicht, weil jeder bisher genannte Hoffnungsträger irgendwie doch in alten Verstrickungen gefangen ist. Das „mia san mia“ ist da überhaupt nicht angebracht. Die Funktionäre müssen lernen: Wir sind nichts Besonderes, sondern wir sollen dem Fußball allein dienen. Bitte richtig lesen: Dienen – nicht am Fußball verdienen!

Europas Fußball ist für das neue Jahr gerüstet

 

Das ist schon ein Ausnahmefall, aber alle zwei Jahre sind Auslosungen interessanter als das Sport-Geschehen auf dem grünen Rasen, dann nämlich, wenn die Auslosungen für die Fußball-Weltmeisterschaft oder in diesem Jahr für die Europameisterschaft anstehen. Dazu zeitlich eng die Auslosungen für Champions League und Europa League. Was den Sport angeht, kann man sagen, dass Europas Fußball für das neue Jahr, also 2016, gerüstet ist. Was die Sport-Politik angeht, da wird es noch einige Turbulenzen geben.

Es war schon seltsam, dass bei der Auslosung zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich ausgerechnet der französische UEFA-Präsident Michel Platini fehlte, fehlen musste, weil suspendiert. Allein das zeigt das Dilemma, in dem sich der Verband befindet. Konkrete Auswirkungen auf den Sport hat dieses Fehlen natürlich nicht, die Organisation läuft wie gewohnt weiter, aber die heile Welt des Fußballs hat Risse bekommen. Wir wissen, nicht nur in Europa.

Der Sport steht aber im Vordergrund. Vor allem mit dem Blick auf 2016, wenn die Sportfans sich wieder auf Höhepunkte freuen dürfen, auf die Europameisterschaft (10. Juni bis 10. Juli) und die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro (5. – 21. August). Die Auslosung hat für die EM Klarheit gebracht, jeder weiß jetzt gegen wen er spielt und vor allem auch wo. Bei allen Nationen tagen jetzt die Organisationsteams, um die Vorbereitung und das Turnier selbst zu planen.

Die Auslosung hat aber auch deutlich gemacht, dass die EM-Endrunde durch die Erweiterung auf 24 Nationen an sportlicher Bedeutung verloren hat. Nichts gegen die Neulinge Nordirland und Albanien oder die anderen Nationen aus Topf 4, aber die Schlagerspiele in der Gruppenphase sind an einer Hand abzuzählen. So richtig los geht es erst mit dem Achtelfinale, wenn die K.o.-Spiele beginnen. Aber die Funktionäre huldigen ja dem Motto „größer, länger, ertragreicher“. Ob die Rechnung aufgeht?

Was die sportliche Einschätzung betrifft, so hat die Auslosung natürlich nichts geändert. Weltmeister Deutschland sieht sich als logischer Mitfavorit, diese Rolle nimmt auch Titelverteidiger Spanien ein. Dahinter beginnen bereits die Fragezeichen. Wie stark wird Gastgeber Frankreich sein? Können die Newcomer aus Belgien, derzeit sogar die Nummer 1 der Weltrangliste, auch in einem Turnier bestehen? Zeigen England oder Italien wieder einmal alte Stärke? Wer wird die Rolle der Überraschungsmannschaft spielen? Russland vielleicht oder Österreich? Immerhin: Erste Erkenntnisse könnte es schon in den Gruppenspielen geben.

Wenn die Europameisterschaft am 10. Juni beginnt, sind die Entscheidungen im europäischen Fußball natürlich gefallen. Die Finals der Europa League und der Champions League finden am 18. Mai in Basel bzw. am 28. Mai in Mailand statt. Die Auslosungen in Nyon in der Schweiz sorgten für einige Schlagerspiele, in beiden Wettbewerben kommt es ab Februar zu brisanten Begegnungen, Fußball-Herz, was willst Du mehr. In der Europa League (EL) wird zwar nicht so gut kassiert wie in der Champions League (CL), aber in diesem Jahr tummeln sich einige bekannte Vereine im „Cup der Verlierer“, wie ihn „Kaiser“ Franz Beckenbauer einmal abschätzig genannt hat. Titelverteidiger FC Sevilla, Manchester United, FC Liverpool, Borussia Dortmund, FC Porto, Lazio Rom, SSC Neapel und Olympique Marseille sorgen zum Beispiel für einigen Glanz. Auch die EL ist für die Klubs und Fans eine schöne Herausforderung. Freilich, die finanziellen Unterschiede sind beachtlich: 1,257 Milliarden Euro liegen im Topf der Champions, nur 381 Millionen Euro werden an die Klubs der EL ausgeschüttet.

Natürlich, vor allem in der Champions League tummelt sich die europäischen Top-Klubs, die Favoriten haben sich in der Vorrunde kaum Blößen gegeben. Die Schlagerspiele im Achtelfinale heißen Juventus Turin – Bayern München, Paris St. Germain – FC Chelsea London, AS Rom – Real Madrid und Arsenal London – FC Barcelona. In diesen vier Paarungen dürfte sich der spätere Sieger befinden, allein Atletico Madrid (gegen PSV Eindhoven) und Manchester City (gegen Dynamo Kiew) gehören noch zum erweiterten Kreis der Endspielkandidaten. Für die Fußball-Fans wird die Zeit von Februar bis Mai spannender sein als die EM, zumal auch die Meister in Europas Ligen gekürt werden. Das Frühjahr ist die hohe Zeit des Fußballs!

Der FIFA-Traum von neuen und alten Zeiten

 

Es sollte der Start in eine neue Zukunft sein, es wurde eine Erinnerung an das Grauen der Vergangenheit. Das FIFA-Exekutivkomitee befasste sich in Zürich mit Reformen und Verbesserungen beim Fußball-Weltverband, doch die Schlagzeilen gehörten der US-Justizministerin Loretta Lynch. Zielgenau gab es 16 Verhaftungen, darunter die FIFA-Vizepräsidenten Juan Napout aus Paraguay und Alfredo Banegas aus Honduras. Der Name FIFA steht also weiterhin für „Fall In Finstersten Abgrund“. Bezeichnend: Die US-Aufklärung betreibt die Abteilung für organisiertes Verbrechen. Der Sport-Grantler hat schon einmal behauptet, dass die Justiz die FIFA retten muss (Kolumne vom 29. September). Diese Aussage hat weiterhin Gültigkeit.

Einiges spricht dafür, dass zumindest ein großer Teil der FIFA-Funktionäre den Ernst der Lage noch gar nicht erkannt hat. Am liebsten würden sie einfach zur Tagesordnung übergehen, nach dem Motto „lassen wir die Leichen im Keller liegen und schließen die Tür ab“. So seltsam es für Außenstehende und „normale Leute“ klingt, es gibt bei den FIFA-Funktionären den Traum nach neuen und alten Zeiten. Die einen hoffen auf eine Zukunft, in der der Sport wieder im Mittelpunkt steht, fernab von Schiebereien und Korruption. Die anderen träumen weiterhin von den alten Zeiten, auf den Erhalt ihrer Pfründe, dass ja die Gelder fließen und das schöne und ertragreiche Funktionärsleben nicht beendet sein möge. Typisches Beispiel ist der suspendierte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Sein Blick ist auf den Kongress am 26. Februar 2016 gerichtet, wenn die wichtigen Entscheidungen fallen sollen. Seine Sorge ist, dass er ja in verantwortlicher und öffentlichkeitswirksamer Position teilnehmen kann. Keiner dieser Konsorten spricht davon, dass auch wirklich richtig „aufgeräumt“ werden muss!

Nichts gelernt haben vor allem die Vertreter aus Afrika und Asien. In diesen Zeiten, in der die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes erschüttert ist, legen sie den Vorschlag einer Aufstockung der WM-Endrunde von 32 auf 40 Teilnehmern auf den Tisch. Verhaftungen und Skandale links und rechts interessieren nicht, sondern nur der eigene Vorteil. Vor allem die Nationen aus Afrika und Asien, gnädigerweise auch Südamerika und Ozeanien, sollen mit mehr Teilnehmern bedacht werden. Widersinnige Gedanken, weil die Endrunde der Weltmeisterschaft noch teurer wird, mehr Spiele zu organisieren sind und mehr Stadien benötigt werden. Vereine und Spieler hoffen für die Zukunft eher auf eine Reduzierung der Anzahl der Spiele, die Funktionäre, die ja nicht laufen und trainieren müssen, machen ihre eigene Rechnung auf: Mehr Spiele ist gleich mehr Geld. Diese Gedanken sind die Basis für Korruption und dunkle Machenschaften. Am Ende steht die Abteilung für organisiertes Verbrechen…

Es ist widersinnig, wenn Außenstehende, auch manche Medien, einen neuen Weltverband fordern. Den kann es nicht geben, wie soll das organisatorisch bewältigt werden. Aber auch die dümmsten und geldgierigsten Funktionäre müssten erkannt haben, dass es im Fußball-Weltverband einen Neuanfang geben muss, dass all die Funktionäre kaltgestellt werden müssen, die auch nur im Ansatz mit den bisherigen Machenschaften in Verbindung stehen. Gute Reformvorschläge wurden bereits gemacht (so sollen mehr Frauen in die Führungszirkel kommen), aber sie sind noch nicht weitreichend genug, vor allem müssen die Vereine als Arbeitgeber der Spieler mehr Mitspracherecht erhalten. Außerdem muss es heißen „Vorrang für Kontrolle“. Aber alle Reformen müssen eine Hürde nehmen: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist beim Kongress im Februar notwendig. Heißt: Die Mehrheit muss auf die alten Pfründe verzichten, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Bis dahin träumen sie von neuen und alten Zeiten…

Skisport: Das wird kein normaler Winter

 

In Deutschland hat sich der richtige Winter mit viel Schnee in den letzten Jahren rar gemacht. Auch in diesem Jahr sieht es eher nach einem milden Winter aus, als dass die Skifreunde so richtig auf ihre Kosten kommen sollten. Auch die Spitzensportler leiden unter den Wetterkapriolen. Einmal gibt es keinen Schnee, dann wieder zu viel, dann wieder werden sie vom Wind gestoppt, wie jetzt die Skispringer und Kombinierer in Finnland. Dennoch hat der Ski-Winter begonnen, aber allen Beteiligten ist klar, dies wird kein normaler Winter. Nicht wegen dem Wetter, sondern einfach deshalb, weil sowohl Olympische Spiele als auch Weltmeisterschaften fehlen. Ein Zwischenwinter sagt man, den mal alle vier Jahre einlegen darf oder muss.

In einigen Sportarten (siehe Biathlon) gibt es ja die jährlichen Weltmeisterschaften, aber diese Inflation der Weltmeister machen Ski alpin und Ski nordisch zum Glück nicht mit. Man braucht auch mal einen Winter mit Verschnaufpause, um etwas auszuprobieren, um dem Nachwuchs auf höchster Ebene eine Chance zu geben, also Aufbauarbeit für die Zukunft zu leisten. Der Leistungsdruck ist also nicht ganz so hoch wie gewohnt.

Dennoch wollen die Skisportler natürlich in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Deshalb haben sie den Start in den neuen Ski-Winter scheibchenweise geliefert. Bereits Ende Oktober ging es auf den Gletscher in Sölden, eine sportlich fragwürdige, aber eben von Werbung geprägte Einlage. Danach verhinderte das Wetter die Rennen in Levi, aber jetzt geht es richtig los. Spielt das Wetter mit, geht es Schlag auf Schlag.

Bei den deutschen Sportlern ging es allerdings zögerlich los, dabei sehen sie dem Winter mit großen Hoffnungen entgegen. Vor allem die alpinen Herren träumen, denn mit Felix Neureuther, Fritz Dopfer, Stefan Luitz und Linus Strasser wollen sie das beste Team in technischen Disziplinen stellen. Die Speedfahrer zählen dagegen eher zur zweiten Garnitur, wenn überhaupt. Die Mädchen vertrauen vor allem auf Viktoria Regensburg, die sogar nach dem Gesamtweltcup greifen könnte. Ansonsten heißt es lernen, wie oben beschrieben.

Im nordischen Skisport haben die Skispringer gleich für einen Paukenschlag gesorgt und den ersten Wettbewerb gewonnen. Weltcup-Gesamtsieger Severin Freund steht nicht alleine da, sondern es hat sich eine starke Mannschaft gebildet. Das große Highlight des Winters ist die Vier-Schanzen-Tournee zur Jahreswende, bei der die Deutschen zuletzt eher unter „ferner sprangen“ zu finden waren. Severin Freund muss gegen die bisherigen Trend seine Form aufbauen, denn er ist als Spätstarter bekannt. „Ich habe im Sommer alles getan, um früh in Form zu sein“, gesteht er. Wir werden sehen.

Sieganwärter sind auch die Nordischen Kombinierer, die in den letzten Jahren das Maß der Dinge waren. Mit Johannes Rydzek startet der Doppelweltmeister. Hier gilt es, die Form zu halten. Für die Langläufer heißt es dagegen zu lernen, um den Anschluss an die Weltspitze wieder zu finden. Die Damen sind im vorderen Mittelfeld gut dabei, die Herren dagegen laufen meist immer ein bisschen länger als die Konkurrenz. So sind künftig keine Medaillen zu gewinnen. Allerdings hat es bei den Trainern einen Neuanfang gegeben, warten wir also ab, ob die Wechsel erfolgreich waren.

Ein eigenes Völkchen stellen die Biathleten dar. Sie haben auch wieder eine Weltmeisterschaft (im März in Oslo) und haben sich gleich erfolgreich präsentiert. Die ersten Mixed-Staffeln am Wochenende waren ein Appetithappen und die Deutschen auf dem Podium. Ab Mittwoch geht es in Östersund richtig los und die Deutschen wollen vorne mitmischen. Sie wollen auch die Lieblinge der deutschen Sportnation bleiben. Gespannt sein darf man, ob Miriam Gössner wieder ihre Bestform findet und Anschluss an die neuen Vorzeige-Damen Laura Dahlmeier und  Franziska Preuß findet. Die Herren Simon Schempp, Erik Lesser und Co. gehören ebenfalls zur Weltspitze.

Bei den Fernsehübertragungen fährt Biathlon immer gute Einschaltquoten ein und war auch am Wochenende schon der erste Sieger: Fast vier Millionen sahen die Mixed-Staffel, mehr als zuvor die Formel 1 vor den Bildschirm locken konnte. Auch die langen Wintersport-Nachmittage locken mehr Zuschauer an, als es das sonstige Normalprogramm das Jahr über bei ARD und ZDF tut. Offensichtlich gibt es eine Sehnsucht nach Schnee.

Der Winter hat jetzt also Priorität, der Sommer hat eine große Niederlage einstecken müssen. Die Hamburger Bürger haben sich gegen die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 ausgesprochen, die Stadt Hamburg wird sich also nicht bewerben. Ein Schlag gegen den Sport in Deutschland, der Großereignisse braucht, um Interesse zu wecken und auch in Zukunft Weltspitze zu sein. Die Bevölkerung hat aber wohl vor allem von den Sport-Funktionären und Geschäftemachern die Nase voll und hat ihnen die „Rote Karte“ gezeigt. Nachdem sich auch schon die Bevölkerung in München gegen Olympische Spiele gewandt hat, bleibt nur eine Feststellung: Deutschland wird in absehbarer Zeit keine Olympischen Spiele mehr veranstalten. Gewinner könnte der Deutsche Fußball-Bund mit seiner geplanten Bewerbung für die Austragung der Europameisterschaft 2024 sein, aber da steht wiederum der sogenannte DFB-Skandal um das „Sommermärchen“, nämlich der WM 2006 im Wege. Auch im Hinblick auf den Sommer also viel Kälte…

Golf: 2015 war nicht das Jahr des Martin Kaymer

 

Er ist der Hoffnungsträger der deutschen Golf-Gemeinde, doch die Fans mussten darben. 2015 war nicht das Jahr des Martin Kaymer, der ohne Sieg blieb und damit keine Werbung für seinen Sport in seinem Heimatland machen konnte. Die Funktionäre kämpfen um mehr Anerkennung für ihre Sportart, aber um Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu bekommen, bedarf es großer Erfolge. Die konnte die einstige Nummer 1 der Welt nicht vorweisen. Er verschenkte manche gute Ausgangsposition, kam kaum einmal im Vorderfeld an. Aushängeschild bleibt deshalb eher noch Oldie Bernhard Langer, der erneut bei den Senioren erfolgreich war und die Champions Tour gewann. Alter schützt vor Leistung nicht, jugendliche 30 garantieren keine Erfolge.

Wieder ist ein Jahr, das voller Hoffnung begann, für den Golfsport eher mit Enttäuschungen zu Ende gegangen. Der Solheim Cup der Damen brachte ein bisschen Aufmerksamkeit, war aber eher eine Sternschnuppe. Bezeichnend: Die Deutsche Caro Masson vergab den entscheidenden Putt und ebnete damit der USA den Weg zum Sieg über Europa. Die Porsche European Open in Bad Griesbach rangierten in den Medien eher unter „ferner fand statt“. Golf bleibt in den Zeitungen in Deutschland eine Randsportart. Beispiel: Das europäische Saisonfinale in Dubai war der Tageszeitung vom Sport-Grantler keine Zeile wert… Martin Kaymer war mit Platz zehn zufrieden, stürzte in diesem Jahr in der Weltrangliste aber von Platz 12 auf 26 ab. Vorne platziert sind Jordan Spieth (USA), Jason Day (Australien) und Rory McIlroy (Nordirland), der Sieger von Dubai. Von diesen Topplatzierungen können die deutschen Spieler nur träumen.

Schade, dass gerade die deutschen Spitzenspieler 2015 schwächelten, neben Kaymer nämlich auch Marcel Siem, der gar nicht richtig in die Spur fand und in der Weltrangliste von Platz 62 auf 141 zurückfiel. Eigentlich träumte er davon, wieder unter die ersten 50 zu kommen, stattdessen verlor er Startberechtigungen. Auf dem aufsteigenden Ast befindet sich dagegen Alex Cejka, der von 296 auf 150 sprang, insgesamt aber zu unbeständig spielt und weil er in Las Vegas in den USA lebt, in Deutschland kaum wahrgenommen wird. Ein bisschen Hoffnung macht Aufsteiger Maximilian Kieffer (von 339 auf 194), der eine beeindruckende Serie vorweisen konnte, nämlich in 22 Turnieren hintereinander den Cut schaffte. Aber ein Golf-Held ist er für die Öffentlichkeit damit noch lange nicht. Jetzt ist er müde und gestand, „ich habe die Schnauze voll, von diesem Sport“. Kieffer machte das mit, was auch Amateure kennen: „Ich habe eigentlich gut gespielt, aber es ist nichts gelaufen.“ Ja, Golf kann anstrengend sein und an die Nerven gehen. Golf kann aber auch überraschende Sieger produzieren.

Bleibt also wieder die Hoffnung für das Jahr 2016. Es wird (wieder einmal) ein besonderes Jahr für den Golfsport, denn immerhin steht die Rückkehr in die Olympischen Spiele an. Martin Kaymer träumt „vom Erlebnis Olympia“ und macht sich insgeheim Hoffnungen, im August in Rio de Janeiro in Bestform zu sein und den Ball richtig zu treffen. Hat er sich die Siege für 2016 aufgehoben? Neben ihm dürften nach Stand der Dinge Marcel Siem und die Damen Sandra Gal und Caro Masson Deutschland vertreten. Medaillen-Anwärter sind sie alle nicht. Bezeichnend, dass auch die Zukunftshoffnungen schwächeln: Florian Fritsch und Dominic Foos konnten nicht die Tour-Karte für das nächste Jahr ergattern.

Olympia bringt 2016 den Golf-Kalender ein bisschen durcheinander, die Zeit für die großen Turniere wird enger, so gibt es die PGA Championship statt traditionell im August bereits vom 28. – 31. Juli und zwei Wochen davor die Open Championship. Und im September steht dann auch noch der Ryder Cup an. Majors, Olympia, Ryder Cup – eigentlich ein Golf-Jahr. Damit es auch in Deutschland als solches wahrgenommen wird, sollten allerdings Erfolge her. Ein Trost: Die Hoffnung stirbt auch im Golf zuletzt.

Fußball-WM und Olympia: Das Ende für Großveranstaltungen?

Nicht nur der Terrorakt von Paris wirft Fragen auf, aber er verstärkt die Angst vor der Zukunft des Spitzensports. Wir müssen uns heute in aller Welt die Frage stellen, ob das Ende für Großveranstaltungen wie Fußball-Welt- und –Europameisterschaften sowie Olympische Spielen gekommen ist. Zum einen macht der zunehmende Terror auf der ganzen Welt solche Ereignisse zu einem Risiko für alle Beteiligten, zum anderen schafft sich der Spitzensport durch Doping, Korruption, Schiebungen und ungleichen finanziellen Bedingungen fast selbst ab. In einem November, der zumindest im Süden Deutschlands wie ein Frühling war, kommt die übliche November-Tristesse im Sport auf.

Der Terror von Paris, der am Rande des Fußball-Länderspiels Frankreich – Deutschland die Stadt erschütterte und das Millionen-Spiel zum Randereignis werden ließ, wirft Schatten auf die Zukunft, nicht nur auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Die Terroristen haben ein Ziel erreicht: Nicht nur Frankreich, die ganze Welt ist verunsichert. Fans werden sich fragen, ob sich noch zu solchen Großereignissen reisen können, Sportler, Funktionäre und Besucher werden mit drastischen Sicherheitsmaßnahmen leben müssen. Der Spaß bleibt auf der Strecke.

Das gleiche gilt auch für Olympische Spiele, die von solchen Terrorakten ebenso betroffen sind und bei denen der Überfall auf israelische Sportler 1972 in München den Anfang des Terrors im Sport genommen hat. Es waren bis dahin heitere Spiele, aber danach war nichts mehr wie es einmal war. Jetzt sind wir fast an einem Punkt angelangt, wo bald nichts mehr geht. Es steht die Frage im Raum, ob es überhaupt möglich ist, Großveranstaltungen noch zu organisieren. Das Gegenargument: Der Terror darf das nicht verhindern!

Der Terror ist das größte, aber nicht das einzige Problem für Großveranstaltungen. So wird die Bevölkerung immer kritischer im Umgang mit dem Gigantismus und wittert zum Beispiel hinter der Austragung von Olympischen Spielen eher ein Gewinnstreben von Verbänden und Wirtschaft. In München haben sie sich schon gegen Olympia entschieden, in Hamburg wird in zwei Wochen die Bevölkerung zur Abstimmung aufgefordert: Soll sich Hamburg für Olympia 2024 bewerben, ja oder nein. Der Ausgang gilt als ungewiss. Die nächsten Sommerspiele finden 2016 in Rio de Janeiro statt, aber die Bevölkerung in Brasilien sieht diese Veranstaltung mit Skepsis. Schon bei der Fußball-WM wurden Versprechungen nicht eingehalten.

Die Verfehlungen der Funktionäre gefährden aber ebenso die Zukunft des Spitzensports. Es gibt fast keinen Verband mehr, in dem nicht über Korruption und Schiebungen, über Vertuschung von Doping oder sonstiges gehadert wird. Bezeichnend die Aufdeckung des flächendeckenden Dopings in Russland und die Sperre des nationalen Leichtathletik-Verbandes. Bezeichnend der Skandal im Fußball-Weltverband FIFA und die Aufdeckung beim Deutschen Fußball-Verband, dass es ohne Schmiergelder halt doch keine WM 2006 in Deutschland und damit kein Sommermärchen gegeben hätte.

Allerdings gibt es ein Argument für die Funktionäre, nicht nur in Deutschland, aber vor allem in Deutschland. Es haben eigentlich schon immer „alle“ gewusst, dass man ohne Schmiergelder keine Großveranstaltungen bekommt, es haben schon immer „alle“ gewusst, dass es im Sport Doping gibt und quasi jeder Sieg, vor allem in Ausdauersportarten, mit Vorsicht zu genießen ist. (Siehe auch der Sport-Grantler vom 22. Oktober: Fußball-WM und Olympia: Ohne Geschenke geht gar nichts). Am liebsten hätte „alle“ immer den Mantel des Schweigens über die Geschehnisse gebreitet. Die allgemeine Auffassung: Wenn es jeder macht, warum soll man dann Einzelne an den Pranger stellen. Motto: Wo kein Kläger ist, gibt es auch keinen Angeklagten. Inzwischen gibt es genügend Kläger und „alle“ wollen mit dem, was sie früher eigentlich gewusst haben, nichts mehr zu tun haben.

Die Zukunft des Spitzensports stellt sich so trüb dar wie ein nebliger November.