Golf: 2015 war nicht das Jahr des Martin Kaymer

von knospepeter

 

Er ist der Hoffnungsträger der deutschen Golf-Gemeinde, doch die Fans mussten darben. 2015 war nicht das Jahr des Martin Kaymer, der ohne Sieg blieb und damit keine Werbung für seinen Sport in seinem Heimatland machen konnte. Die Funktionäre kämpfen um mehr Anerkennung für ihre Sportart, aber um Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu bekommen, bedarf es großer Erfolge. Die konnte die einstige Nummer 1 der Welt nicht vorweisen. Er verschenkte manche gute Ausgangsposition, kam kaum einmal im Vorderfeld an. Aushängeschild bleibt deshalb eher noch Oldie Bernhard Langer, der erneut bei den Senioren erfolgreich war und die Champions Tour gewann. Alter schützt vor Leistung nicht, jugendliche 30 garantieren keine Erfolge.

Wieder ist ein Jahr, das voller Hoffnung begann, für den Golfsport eher mit Enttäuschungen zu Ende gegangen. Der Solheim Cup der Damen brachte ein bisschen Aufmerksamkeit, war aber eher eine Sternschnuppe. Bezeichnend: Die Deutsche Caro Masson vergab den entscheidenden Putt und ebnete damit der USA den Weg zum Sieg über Europa. Die Porsche European Open in Bad Griesbach rangierten in den Medien eher unter „ferner fand statt“. Golf bleibt in den Zeitungen in Deutschland eine Randsportart. Beispiel: Das europäische Saisonfinale in Dubai war der Tageszeitung vom Sport-Grantler keine Zeile wert… Martin Kaymer war mit Platz zehn zufrieden, stürzte in diesem Jahr in der Weltrangliste aber von Platz 12 auf 26 ab. Vorne platziert sind Jordan Spieth (USA), Jason Day (Australien) und Rory McIlroy (Nordirland), der Sieger von Dubai. Von diesen Topplatzierungen können die deutschen Spieler nur träumen.

Schade, dass gerade die deutschen Spitzenspieler 2015 schwächelten, neben Kaymer nämlich auch Marcel Siem, der gar nicht richtig in die Spur fand und in der Weltrangliste von Platz 62 auf 141 zurückfiel. Eigentlich träumte er davon, wieder unter die ersten 50 zu kommen, stattdessen verlor er Startberechtigungen. Auf dem aufsteigenden Ast befindet sich dagegen Alex Cejka, der von 296 auf 150 sprang, insgesamt aber zu unbeständig spielt und weil er in Las Vegas in den USA lebt, in Deutschland kaum wahrgenommen wird. Ein bisschen Hoffnung macht Aufsteiger Maximilian Kieffer (von 339 auf 194), der eine beeindruckende Serie vorweisen konnte, nämlich in 22 Turnieren hintereinander den Cut schaffte. Aber ein Golf-Held ist er für die Öffentlichkeit damit noch lange nicht. Jetzt ist er müde und gestand, „ich habe die Schnauze voll, von diesem Sport“. Kieffer machte das mit, was auch Amateure kennen: „Ich habe eigentlich gut gespielt, aber es ist nichts gelaufen.“ Ja, Golf kann anstrengend sein und an die Nerven gehen. Golf kann aber auch überraschende Sieger produzieren.

Bleibt also wieder die Hoffnung für das Jahr 2016. Es wird (wieder einmal) ein besonderes Jahr für den Golfsport, denn immerhin steht die Rückkehr in die Olympischen Spiele an. Martin Kaymer träumt „vom Erlebnis Olympia“ und macht sich insgeheim Hoffnungen, im August in Rio de Janeiro in Bestform zu sein und den Ball richtig zu treffen. Hat er sich die Siege für 2016 aufgehoben? Neben ihm dürften nach Stand der Dinge Marcel Siem und die Damen Sandra Gal und Caro Masson Deutschland vertreten. Medaillen-Anwärter sind sie alle nicht. Bezeichnend, dass auch die Zukunftshoffnungen schwächeln: Florian Fritsch und Dominic Foos konnten nicht die Tour-Karte für das nächste Jahr ergattern.

Olympia bringt 2016 den Golf-Kalender ein bisschen durcheinander, die Zeit für die großen Turniere wird enger, so gibt es die PGA Championship statt traditionell im August bereits vom 28. – 31. Juli und zwei Wochen davor die Open Championship. Und im September steht dann auch noch der Ryder Cup an. Majors, Olympia, Ryder Cup – eigentlich ein Golf-Jahr. Damit es auch in Deutschland als solches wahrgenommen wird, sollten allerdings Erfolge her. Ein Trost: Die Hoffnung stirbt auch im Golf zuletzt.

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