Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Carlo Ancelotti

Die Trainer in der Rotations-Falle

Athleten anderer Sportarten schauen manchmal verächtlich auf die Fußball-Profis, wenn die über die sogenannten „englischen Wochen“ stöhnen, wenn sie also auch unter der Woche die Fußballschuhe schnüren und um Punkte kämpfen müssen. „Was sollen wir sagen, wenn wir zwei Tage hintereinander Spiele haben oder sogar vier in einer Woche“, schütteln vor allem Eishockey- und Basketball-Cracks den Kopf. Der einfache Fan wiederum behauptet: „Die Millionäre sollen für ihr Geld auch was tun.“ Zur Ehrenrettung der Fußball-Millionäre muss allerdings gesagt werden, dass halt jede Sportart ihre Eigenarten hat.

Die Fußball-Trainer wiederum nehmen die erhöhte Belastung, die vor allem durch die Spiele auf der internationale Bühne auftreten (da heißt es, dass vor allem die Reisen so anstrengend sind) sehr ernst. War es früher so, dass jeder Trainer seine „Stamm-Mannschaft“ hatte, die er aufs Spielfeld schickte, so ist dies schon lange nicht mehr der Fall. Die Profi-Kader wurden größer und sind im besten Fall so bestückt, dass es für jede Position zwei gleichstarke Bewerber gibt. Dies ist allerdings die Ausnahme, denn zwei Messi oder zwei Cristiano Ronaldo kann sich kein Verein leisten.

Um aber die Belastung zu reduzieren, gingen die Trainer vor einigen Jahren von der eingespielten Stamm-Mannschaft ab und erfanden die Rotation. „Belastung gleichmäßig verteilen“, hieß die Losung, die aber nicht bei allen Gefallen fand. Viele Stars motzen, wenn sie auf der Bank sitzen müssen, statt auf dem Spielfeld zu zaubern und gefeiert zu werden. So sitzen die Trainer heute in der Rotations-Falle: Da die Stars, die spielen wollen, dort die Belastung, die nach einem gleichmäßigen Einsatz der Spieler ruft. Und weil der Glücksfall des absolut ausgeglichenen Kaders eben Glücksfall ist, wartet nämlich noch eine weitere Falle: Verliert die sogenannte B-Mannschaft, dann ist Feuer auf dem Dach, dann wird die Rotation zum Rohrkrepierer oder im schlimmsten Fall zum Schleuderstuhl. Dies musste zuletzt der prominenteste Fall erkennen, als Bayern München Star-Trainer Carlo Ancelotti auf die Straße setzte, als der Italiener im wichtigen Champions-League-Spiel in Paris auf gestandene Spieler verzichtete und Kandidaten aus der zweiten Reihe eine Chance gab. Die Rotations-Falle schnappte zu und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach Luft: „Wie kann man in so einem Spiel auf erfahrene Spieler verzichten.“

Das Für und Wider zur Rotation ist so alt wie die Rotation selbst. Ein Meister seines Rotations-Fachs war einst Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld, der sowohl in Dortmund als auch später in München die Stars bei Laune hielt, rotierte und dennoch oder vor allem deshalb Titel gewann. Dies schaffte auch Jupp Heynckes bei seinem letzten Gastspiel in München, als er 2013 das begehrte Triple gewann. Rotation spielte da eine gewichtige Rolle. So wird es immer an den Trainern selbst liegen, wie sie mit ihren Stars umgehen und sie eben bei guter Laune halten. Es gibt ja auch die kleine Rotation, wo ein Star vom Feld geholt wird, wenn sich die Mannschaft auf der Siegesstraße befindet. Doch halt, eine Ausnahme gibt es: Hole niemals einen Torjäger vom Platz, wenn er um die Torjägerkanone kämpft und sich an diesem Tag weitere Treffer erhofft. Man sieht, die Rotations-Falle hat schon viele Tücken. Nicht alle Trainer können ihr erfolgreich ausweichen.

Der FC Bayern München am Scheideweg

Der Verein ist ein Markenzeichen, das selbstbewusste „mia san mia“ ist legendär, in Fußball-Deutschland hält der FC Bayern München fast alle Rekorde, seit fünf Jahren dominiert er in die Bundesliga, seine Titelsammlung ist national unerreicht: 27 Meisterschaften, 18 Pokalsiege, je 6 Siege im Supercup und Ligapokal, dazu international Champions-League-Sieger (2001, 2013), davor Europapokalsieger der Landesmeister (1974, 1975 und 1976 das Triple), Europapokalsieger der Pokalsieger (1967), UEFA-Pokalsieger (1996), Weltpokalsieger (1976, 2001), Klub-Weltmeister (2013) und UEFA-Superpokalsieger (2013). Kein Wunder, dass Bayern München auch auf Europas Bühne Spitze ist und in einem Atemzug mit den englischen und spanischen Spitzenteams genannt wird. Doch jetzt ist der Wurm drin, das Ende der glorreichen Jahre droht – wenn nicht die Wende gelingt. Auf jeden Fall steht der FC Bayern München am Scheideweg.

Als der Deutsche Rekordmeister 2013 unter Jupp Heynckes das begehrte Triple holte, als der Traum vom Sieg in der Champions League in einem deutschen Finale gegen Borussia Dortmund wahr wurde (dazu national Meisterschaft und Pokalsieg), da schien eine glorreiche Zeit für die nächsten Jahre möglich, zumal der Spanier Pep Guardiola als Nachfolger von Heynckes gewonnen werden konnte, damals allgemein als bester Trainer der Welt bezeichnet, nachdem er mit dem FC Barcelona erfolgreich war und „Zauber-Fußball“ bot. So sollte er in München weitermachen, allerdings gelang der große Wurf in der Champions League nicht. Immerhin dominierte Pep mit seinem Team den nationalen Fußball und die Bayern spielten in dieser Phase ihren schönsten Fußball. Den Drei-Jahres-Vertrag wollte der Spanier am Ende nicht verlängern und die Münchner holten sich einen Mann, der offensichtlich weiß, wie man die Champions League gewinnt: Den Italiener Carlo Ancelotti.

Diese Verpflichtung war allerdings ein großes Missverständnis. Der Italiener und sein Trainer-Team konnten die erfolgreiche Arbeit von Guardiola nicht fortsetzen, ganz im Gegenteil, es gab keine positive, sondern eine negative Entwicklung. Ein Jahr lang profitierten Mannschaft und Ancelotti noch von der Arbeit Guardiolas, dann ging es abwärts. Die Politik der langen Leine war verfehlt, die Italiener bildeten offenbar ein eigenes Grüppchen, der Zusammenhalt im Team bröckelte, die Vereinsspitze schaute zu. Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß müssen eingestehen, dass sie den schleichenden Niedergang der Mannschaft nicht rechtzeitig aufgehalten haben, dass sie die Stimmen der Führungsspieler ignoriert haben. Wenn sich schon Spieler über ein zu lasches Training beschweren und geheimes Sondertraining betreiben, dann sagt das alles über den Trainer. Das Ende von Carlo Ancelotti nach der 0:3-Niederlage in Paris und dem Debakel einer provokanten Aufstellung, als er die Routiniers brüskierte, kam zu spät. Schon im Sommer hätten Rummenigge und Co. die Reißleine ziehen müssen.

Jetzt hechelt der ruhmreiche FC Bayern sowohl in Deutschland als auch in Europa hinterher. Nach sieben Spielen in der Bundesliga fünf Punkte Abstand zum starken Tabellenführer Borussia Dortmund sind happig und rekordverdächtig. In der Champions League wurde mit der hohen Niederlage in Paris fast schon der Gruppensieg verspielt, im Zweikampf mit Celtic Glasgow geht es um Platz zwei und das Weiterkommen. Dann drohen in der nächsten Runde wieder ein übermächtiger Gegner (Gruppensieger) und das vorzeitige Ausscheiden. Der Traum vom Gewinn der Champions League ist ganz weit weg, zumal Europas Spitzenklubs dank der Oligarchen aus Russland und der Scheichs vor allem aus Katar (Paris) mit Geld um sich schmeißen und eklatant aufrüsten. Da können bodenständige Klubs aus Deutschland nicht mehr mithalten. Spitze in Europa? Das könnte auch für den FC Bayern bald Vergangenheit sein.

Das Problem: Können die Münchner sportlich mit den Spaniern, Engländern und eben Paris nicht mithalten, werden sie nicht nur keine Stars bekommen (weil die Bayern keine 100 Millionen Euro und mehr zahlen wollen bzw. können), sondern auch aufstrebende Talente werden sich andere Vereine suchen, damit sie schneller an die Spitze und an die Geldtöpfe kommen. Dies könnte eine Kettenreaktion auslösen und den Niedergang des stolzen Vereins bedeuten.

Wie dies aufzuhalten ist? Mit einem starken Trainer und einer erfolgreichen Mannschaft. Noch haben die Bayern ein Team, das durchaus in der Lage ist, mit Real Madrid, Barcelona, Paris oder den Klubs aus England mitzuhalten. Dann muss aber teamintern und sportlich alles stimmen. Insofern wird der nächste Trainer auch die Zukunft des Vereins bestimmen, weil auch der Umbruch einer alternden Mannschaft zu bewältigen ist. Eine Herkulesaufgabe. Gerade jetzt können sich die Bayern den Trainer aber nicht aussuchen, sondern müssen nehmen, was auf dem Markt ist. Kein Wunder, dass Dortmunds Ex-Coach Thomas Tuchel als Favorit auf die Ancelotti-Nachfolger genannt wird, nur er ist von den bekannten Trainern frei. Zukunfts-Hoffnungen wie Julian Nagelsmann in Hoffenheim stehen unter Vertrag. Ein Problem, das die Bayern-Bosse im Sommer hätten leichter lösen können. Jetzt müssen sie hoffen, dass sie mit dem neuen Trainer den Abwärtstrend stoppen können und der Weg wieder nach oben zeigt, in die Spitze Deutschlands und Europas. Noch ist die Saison jung, noch ist einiges zu reparieren.

Vergessen werden darf allerdings nicht, dass mit Kapitän Manuel Neuer die Mannschaftsstütze in den entscheidenden Spielen fehlt und jetzt mit Franck Ribery eine weitere Führungsfigur ausfällt. Gerade die Sicherheit, die der beste Torhüter der Welt, Neuer, ausstrahlt, fehlte dem Team bei den letzten Pleiten. Eine verzwickte Situation.

Die neuen Trends in der Bundesliga

Der „große Fußball“ nimmt uns ab sofort wieder gefangen, die besten Ligen Europas starten wieder mit ihren Punktrunden. Überall diskutieren die Fans, wie ihre Liga denn im Vergleich zu den anderen einzustufen ist, im Prinzip gibt da die UEFA-Rangliste die Antwort: Spanien vor Deutschland, England, Italien und Frankreich. Die Begeisterung ist überall hoch, die meisten Zuschauer kommen allerdings in der Bundesliga und sie spielt auch in den modernsten Stadien. Vorteil Bundesliga also. Doch was sind eigentlich die neuen Trends für die neue Saison? Hier der Versuch einer Antwort:

Videobeweis: Deutschland hat sich gleich vorgedrängt, um den Videobeweis im Punktspielbetrieb zu testen. Was beim Confed-Cup teilweise ein Ärgernis war, soll im Alltag die Ungerechtigkeiten minimieren, der DFB hat dazu wochenlange Schulungen und Tests durchgeführt. Doch die Fans können beruhigt sein, die Diskussionen um strittige Szenen sterben nicht aus, ein bisschen mehr Gerechtigkeit sollte es aber schon bringen. Beim Supercup verlief der Test trotz kleiner Panne erfolgreich, der Videobeweis bestätigte, es war nicht Bayern-Dusel beim 2:1 in Dortmund, sondern richtige Schiedsrichter-Entscheidungen.

Fernsehen: Die TV-Landschaft ändert sich und die Bundesliga-Zuschauer müssen sich an Änderungen und neue Sender gewöhnen. Auf Einzelheiten kann hier verzichtet werden, die Medien sind voll von Übersichten und Fernsehplänen. „Alle Spiele, alle Tore“ bei Sky gibt es nicht mehr, der harte Fan muss auch den Eurosport-Player abonnieren und auf das Internet ausweichen. Was bleibt, sind die ARD-Sportschau und das ZDF-Sportstudio am Samstag, mit Zusammenfassungen sowie die Berichte von den Sonntagspielen in den Dritten Programmen der ARD. Zerstückelt wird der Spielplan, weil auch am Sonntag um 13.30 Uhr und Montag je fünfmal gespielt wird, wegen der Belastung der Klubs im Europapokal. Ach, die armen Profis, an die armen Fans denkt keiner.

Leihspieler: Vom Fernsehen zum Sport. Oder doch nicht? Beim verstärkten Trend der Leihspieler geht es nämlich eigentlich ums Geld. Siehe Neymar, die Ablösesummen explodieren, kleinere Vereine können sich manche Spieler gar nicht mehr leisten. Zum Glück haben die Schwergewichte unter den Klubs im Kader keinen Platz mehr für alle Spieler, zumal Talente frühzeitig gekauft werden, um sie der Konkurrenz weg zu schnappen. Überzählige Spieler brauchen Spielpraxis (da geht es dann doch um den Sport), kleinere Vereine brauchen Spieler, die sie günstig bekommen und schulen sollen. Klingt doch wunderbar. Doch wer zu viel auf Leihspieler setzt, muss jedes Jahr eine neue Mannschaft aufbauen.

Erpressung: Bleiben wir bei den Spielern, die einen neuen „Sport“ entdeckt haben: Erpressung. So neu ist das nicht, scheint aber jetzt ein Trend zu sein. Sie sind mit ihrem alten Verein unzufrieden und wollen an neue Fleischtöpfe. Bestes Beispiel der Franzose Dembele in Dortmund, er will nach Barcelona als Neymar-Ersatz, aber die Borussia verlangt zu viel Geld, als schwänzte er das Training und machte damit deutlich: Meine Zeit bei Euch ist beendet. Ingolstadt suspendierte Tisserand und Hadergjonaj, sie haben zwar Vertrag, wollen aber weg und mit dem Bundesliga-Absteiger nichts mehr zu tun haben, obwohl sie ihre Verträge erst kürzlich verlängert haben. Anstand und Moral haben wohl im Profi-Fußball nichts mehr verloren. Geld regiert die Welt, Wechsel werden mit Erpressung erzwungen.

Junge Trainer: Die Trainer brauchen sich um das schmutzige Profi-Geschäft nicht zu kümmern, sondern um die Spieler, die ihnen der Verein zur Verfügung stellt. Der neue Trend bei den Vereinen: Die alten Namen sind out, junge, unverbrauchte Trainer sind in, weil sie wohl meist auch einen besseren Draht zu den Spielern haben. Doch Erfolge sind damit nicht garantiert. Ein Julian Nagelsmann, der Hoffenheim nach oben brachte und als Vorbild gilt, lässt sich nicht beliebig oft kopieren.

Vielsprachige Trainer: Der Trend zu jungen Trainern wird mit dem Trend zu mehrsprachigen Trainern ergänzt. Ein Beispiel hier der 31jährige Domenico Tedesco, der jetzt Schalke 04 wieder nach oben bringen soll. Zuschauer kommen sich im Training wie in einem Fremdsprachenkurs vor, der Deutsch-Italiener parliert in fünf Sprachen. Das kommt bei dem heutigen Multi-Kulti in den Mannschaften an, der Trainer kann mühelos ohne Dolmetscher mit allen kommunizieren und seine Gedanken an den Mann bringen. Die Vielsprachigkeit ist aber keine Privileg der jungen Trainer, der Italiener Carlo Ancelotti spricht auch spanisch und englisch und sein deutsch wird immer besser. Auch Trainer müssen sich also umstellen.

Dreierkette: Apropos Trainer, eine der spannenden Fragen vor der neuen Saison ist Frage nach der Taktik, nach dem System. Viele sagen ja, „das System ist egal, Hauptsache wir gewinnen“. Aber es zeichnet sich schon der neue Trend ab, dass die „Dreierkette“ immer Freunde gewinnt, weil dadurch mehr Überzahl im Mittelfeld geschaffen werden kann. Andererseits gibt es auch den verstärkten Trend, das System im Spiel je nach Gegebenheit zu variieren. Vielseitigkeit ist auch ein neuer Trend.

Nachspielzeit: Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass die Spiele länger dauern. Die Schiedsrichter sind angewiesen, die Nachspielzeit nicht zu knapp zu bemessen, Zeitverzögerungen, um einen knappen Vorsprung über die Runden zu bringen, sollen entsprechend geahndet werden. Das wird die Bayern freuen, der Meister liebt je Tore in der Nachspielzeit.

Bibiana Steinhaus: Endlich ist sie im Oberhaus angekommen, die 38-jährige Hannoveranerin ist die erste Schiedsrichterin in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Ihr Aufstieg wurde von ihren Förderern und den Medien schon lange gefordert, jetzt haben die DFB-Herren am Schaltpult der Macht ein Einsehen gehabt. Es liegt an der Polizeibeamtin, mit guten Leistungen ihre Erstklassigkeit zu bestätigen. Ein Manko räumt sie selbst ein, „ich bin etwas zu langsam, das muss ich kompensieren“, dafür hat sie einen anderen Vorteil: Mit Charme kann sie mancher Diskussion die Brisanz nehmen. Wir wissen, an Durchsetzungsvermögen fehlt es ihr nicht. Dennoch: Meine Herren, geht pfleglich mit der Dame um!

Ansonsten bleibt nur eins: Hoffen wir auf eine schöne und spannende Saison.

Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple

Große Vereine haben große Ziele. Ein Titel allein reicht da nicht, je nach Gewichtung soll es die Meisterschaft sein oder die Champions League (schon die Europa League gilt als zweitklassig), eigentlich beide und dazu als Dreingabe der Pokal. Real Madrid zum Beispiel entließ bereits Trainer, weil sie zwar die Champions League gewannen, national aber hinter dem Erzrivalen FC Barcelona blieben oder eben auch umgekehrt. Jedenfalls war es oft ein Titel zu wenig. Das ist in München nicht anders. Der FC Bayern dominiert in Deutschland und so ist die nationale Meisterschaft Gewohnheitssache. Fünfmal in Folge Meister, ein neuer Rekord – na und? Der Frust über das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid sitzt tief und überdeckt den Jubel über die Meisterschaft. Was nach der Saison 216/17 bleibt, ist die Sehnsucht nach dem Triple.

Die Münchner wissen allerdings sehr wohl, so wie es eigentlich alle Fachleute und vielleicht sogar Laien wissen sollten, alle Pokale in einem Jahr zu holen ist außergewöhnlich und nicht so leicht zu wiederholen. Da muss eben alles passen, da darf der Schiedsrichter nicht gegnerische Abseitstore anerkennen (eigene darf er selbstverständlich anerkennen, ist sogar wünschenswert), da dürfen entscheidende Spieler nicht verletzt ausfallen, da muss der Ball ins Tor und nicht ans Gestänge gehen und man darf keine Fehler machen. Ein bisschen viel auf einmal, oder etwa nicht?

Dazu kommt natürlich, dass auf internationaler Ebene die Konkurrenz immer stärker wird. Es werden ja in der Zukunft nicht Barcelona und Real Madrid allein sein, die den Bayern das Triple verwehren können, Juventus Turin (vielleicht nutzen die Italiener ihre Chance sogar schon in diesem Jahr), Paris St. Germain und die englischen Klubs lechzen ebenfalls nach dem großen Erfolg. Da investieren Scheichs und Oligarchen aus Russland viele Millionen, um sich im Glanz eines Pokals zu sonnen. Die Aufgabe wird für die Münchner also von Jahr zu Jahr schwieriger, vielleicht haben sie in diesem Jahr eine Chance unglücklich verpasst, die so vielleicht so schnell gar nicht mehr wiederkommt. Zwischen den Triumphen in der Champions League lagen zwischen 2001 und 2013 ja auch zwölf Jahre.

Nationale Erfolge sorgen in Bayern nicht mehr für Ekstase, weil die Konkurrenz zuletzt zu schwach war. Es wird nur noch gerätselt, wie frühzeitig die Münchner ihre Meisterschaft unter Dach und Fach bringen, ob schon im März oder im April. Sie schafften es wieder, bevor der Mai begann. Es war 2011 und 2012, als Bayern München zuletzt ohne jeglichen Titel blieb und mit der großen Aufrüstung der Mannschaft begann. Kommt ähnliches in diesem Jahr?

Da scheinen sich die Vereinsoberen noch nicht ganz einig zu sein. Nachdem die Mannschaftsstützen Philipp Lahm und Xabi Alonso nach der Saison ihre Karriere beenden, ist viel von Umbruch die Rede und davon, dass vermehrt junge Spieler eingebaut werden müssen. Dazu stehen die Flügelflitzer Robben und Ribery vor ihrem Karriereende, aber sie waren jetzt schon beleidigt, wenn sie jungen Spielern Platz machen mussten. Keine einfache Aufgabe für Trainer Carlo Ancelotti, der zeigte, dass er mehr auf Routine setzt als auf Jugend, der aber schon ankündigte, den Talenten mehr Spielzeit zu gewähren. Da muss er Ribery und Robben erst mal beruhigen und vielleicht auch die Chefs, wenn es mit den gewohnten Erfolgen mal nicht so klappt. Andererseits müssen die sich fragen, ob ein alter Trainer der richtige für junge Talente ist. Zumal ja auch ein Sportdirektor als ausgleichende Stütze noch fehlt. Der Meister hat also noch durchaus Aufgaben zu erfüllen.

Die Konkurrenz hofft natürlich darauf, dass ein Umbruch die Bayern ein bisschen ins Trudeln bringt und die Meisterliste endlich wieder einen neuen Namen erhält. Borussia Dortmund als Hauptkonkurrent ist mit dem Umbruch schon ein bisschen weiter, hat eine junge, talentierte Mannschaft, der in diesem Jahr noch die Konstanz fehlte. Doch Dortmund hat auch das Problem, dass die besten Spieler weggekauft werden, oft auch von den Bayern. Torjäger Aubameyang und Dribbelkünstler Dembele sind die nächsten Kandidaten. Und wie sich die Newcomer des Jahres, Leipzig und Hoffenheim, entwickeln, muss erst mal abgewartet werden. Auch da dürften die besten Spieler bald dem Ruf des Geldes folgen.

Eines ist sicher, wenn vor der nächsten Saison in der Bundesliga wieder nach dem Meisterschaftsfavoriten gefragt wird, dann fällt nur der Name Bayern München und die Konkurrenz gefällt sich in der Ankündigung, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Die letzten fünf Jahre war niemand da. Die Bayern werden auch ihre Aussage wiederholen, „wir wollen das Triple holen“, aber Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt schon eingeschränkt, „wir wissen auch, dass das nicht so leicht ist“. Aber die Sehnsucht nach dem Triple bleibt bestehen bei Bayern München.

Champions League: Machen die Favoriten den Weg frei?

Im Herbst das Vorgeplänkel, im Frühjahr die Entscheidung. Im europäischen Fußball geht es jetzt erst richtig los, wenn in der Champions League (CL) das Achtelfinale und in der Europa League (EL) die Zwischenrunde mit 32 Klubs ab Dienstag, 14. Februar anstehen. Die K.o.-Phase, das ist es, was die Fans sehen wollen. Die Finals finden am 24. Mai in Solna (Schweden/EL) und 3. Juni in Cardiff (Wales/CL) statt. Es könnte sein, dass auf dem Weg dahin einige Favoriten straucheln, denn die Formkurve der Spitzenteams in Europa ist sehr dubios. Die Frage also: Machen die Favoriten den Weg frei?

In der Europa League wird es sowieso einen neuen Titelträger geben, denn der Seriensieger der letzten Jahre, der FC Sevilla, hat es diesmal ins Achtelfinale der Champions League geschafft und gibt gerne den EL-Pott mal weiter. Die Spanier siegten die letzten drei Jahre, davor schaffte es 2013 der FC Chelsea. Auch diesmal könnte ein englischer Klub profitieren, Manchester United gilt als Favorit. Die nächste Hürde heißt AS St. Etienne und sollte eigentlich kein Stolperstein sein. Auch die deutschen Klubs träumen vom Finale, Borussia Mönchengladbach stieg aus der CL ab und hat den AC Florenz in einem offenen Duell als Gegner, Schalke 04 zog als Gruppensieger in die nächste Runde ein und fürchtet gegen PAOK Saloniki vor allem die heißblütigen griechischen Fans. Wie auch immer, die Europa League wird weiter im Schatten des großen Bruders Champions League bleiben.

Die großen Vereine Europas haben auch ihre Probleme, sie suchen ihre Form. Titelverteidiger Real Madrid gilt zwar erneut als Favorit, doch zwei Aspekte stehen dagegen: Erstens der Fluch des Siegers, denn bisher konnte noch kein Klub den Titel erfolgreich verteidigen, zweitens die Form, denn seit dem Ende der Rekord-Siegesserie in der „La Liga“ in Spanien mit 40 ungeschlagenen Spielen konnte Real kaum überzeugen, wenn es auch die Tabelle in Spanien nach wie vor anführt. Das geht nur deshalb, weil auch der FC Barcelona schwächelt und immer wieder überraschend Punkte abgibt. Abgefallen ist auch Atletico Madrid, das zuletzt die großen Klubs ärgerte und 2014 und 2016 im Finale von Real jeweils nur unglücklich unterlag. Aber jetzt ist der Wurm drin, Trainer Diego Simeone, bekannt als „Heißmacher“ an der Linie, mosert über fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen: „Da gewinnen wir leichter in der Champions League als in Spanien.“ Im Achtelfinale könnte Bayer Leverkusen der Leidtragende sein. Die Deutschen sind jedenfalls Außenseiter.

In die Phalanx der Großen mit Formschwächen reiht sich auch der FC Bayern München ein. Die Bayern waren der letzte CL-Sieger, der nicht aus Spanien kam (2013). Zu gern würden sie das Triple von damals (zudem Meisterschaft und nationaler Pokal) wiederholen. Pep Guardiola konnte diesen Traum bekanntlich nicht zur Wirklichkeit werden lassen, die Bayern scheiterten zuletzt immer im Halbfinale. Jetzt trägt sein Nachfolger Carlo Ancelotti die Hoffnungen, u. a. deshalb, weil er einst mit Real seinen Kollegen Guardiola und die Bayern austrickste und demütigte. Aber in der Liga sind auch die Bayern nicht in Form und die Fans fragen sich, ob es in der CL so einfach besser geht. Da könnte Arsenal London mal Historisches schaffen, nämlich die Bayern ausschalten. Bisher galten die Londoner unter Arsene Wenger als Lieblingsgegner der Münchner, in drei Duellen hatte Arsenal das Nachsehen. Es würde in die Tendenz passen, wenn Bayern diesmal straucheln würde, die Tendenz nämlich, dass die Favoriten den Weg frei machen.

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich im Duell zwischen dem FC Barcelona und St. Germain Paris. Die Spanier waren für die Franzosen 2013 und 2015 im Viertelfinale Endstation, jetzt träumen die Franzosen wieder, obwohl auch sie dem Fluch der mangelnden Form unterliegen. Der Abgang von Torjäger Ibrahimovic wiegt schwer. Erstmals seit vier Jahren grüßen sie in der nationalen Liga nicht von der Spitze der Tabelle. Nicht die besten Voraussetzungen für eine Überraschung.

Wer aber könnte den Weg gehen, wenn Hürden beiseite geräumt werden? Als erstes schreit wohl Juventus Turin „hier“, die Italiener wollen schon lange an die Spitze Europas und den früheren Glanz des italienischen Fußballs wieder herstellen. Gut in Form ist auch der SSC Neapel, warum also nicht den Titelverteidiger Real stürzen? Oder gar der englische Meister Leicester City? Das wäre die nächste Sensation, denn in England befindet sich der Meister in diesem Jahr im Abstiegskampf und Gegner FC Sevilla hat bekanntlich viel vor. Mehr darf man da Manchester City und Pep Guardiola zutrauen. Der Ex-Bayern-Trainer ist zwar in England noch nicht ganz angekommen und es droht eine Saison ohne Titel zu werden, es sei denn, es gelingt eine Überraschung in der CL! Oder gar Borussia Dortmund? Bisher war es so, in der Liga „pfui“, in der CL „hui“. Wer in den Gruppenspielen Real Madrid auf Platz zwei verdrängt hat, der muss wohl zumindest in den Kreis der aussichtsreichen Außenseiter aufgenommen werden. Die Jungspunde aus Dortmund könnte Europa überrennen, was vielleicht leichter ist, als Woche für Woche im Alltag Bundesliga beste Leistungen zu zeigen. Der Sport ist ja bekanntlich voller Rätsel und die Champions League in diesem Jahr auch.

Das CL-Achtelfinale: Benfica Lissabon – Borussia Dortmund, Paris St. Germain – FC Barcelona, Bayern München – Arsenal London, Real Madrid – SSC Neapel, Bayer 04 Leverkusen – Atletico Madrid, Manchester City – AS Monaco, FC Porto – Juventus Turin, FC Sevilla – Leicester

Die neue Generation der Fußball-Trainer

 

Das ist nichts Neues: Die Zeiten ändern sich. Manchmal erstaunt es aber schon, wie schnell sich die Zeiten ändern. Zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga. Eine neue Generation von Fußball-Trainern mischt den Laden auf. Jürgen Klopp oder Pep Guardiola – das war gestern. Otto Rehhagel – kennen die jungen Fußball-Fans wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Heute sind diese Namen „in“: Ralph Hasenhüttl, Julian Nagelsmann, Niko Kovac oder Peter Stöger.

Eins fällt auf: In Deutschland setzt der Fußball auf die junge Trainer-Generation, in England, dort wo das Geld üppig fließt, geben vor allem prominente Namen den Ton an, vorne weg eben Pep Guardiola und Jose Mourinho, beide bei den Klubs in Manchester. Doch Erfolge können sie auch nicht garantieren (Tabellenführer ist aktuell der FC Liverpool mit Jürgen Klopp). Und in der Bundesliga melden sich die ersten Kritiker an der Arbeit des prominentesten Trainers – Carlo Ancelotti hat die Dominanz des FC Bayern München verspielt.

Ancelotti und der Titelverteidiger spüren den Atem der jungen Trainer, die ihren Mannschaften einen „jungen Fußball“ beibringen. Nicht abwartend, zögernd und mauernd, sondern forsch, fordernd, laufintensiv und erfolgreich. Dafür stehen vor allem Hasenhüttl in Leipzig und Nagelsmann in Hoffenheim. Die TSG Hoffenheim raubte in der Allianz-Arena beim 1:1 unter anderem deshalb einen Punkt, weil die Spieler 123,2 Kilometer rannten (ein Rekord) und damit rund acht Kilometer mehr als die Bayern. Die hechelten dem Gegner also mehr oder weniger hinterher, aus 66 Prozent Ballbesitz machten sie nichts, eher drückt das eine gewisse Ratlosigkeit aus. Dass Hoffenheim 63 Prozent der Zweikämpfe gewann, spricht auch eine deutliche Sprache. Ähnlich sieht es in Leipzig aus, wo Geschwindigkeit Trumpf ist und der Kader bewusst von Sportdirektor Ralf Rangnick so zusammengestellt wurde. Die Bundesliga wird quasi überrannt.

Zu den Aufsteigern in der Trainer-Branche gehören auch Niko Kovac und Peter Stöger. Beide wurden bei ihrem Start im neuen Verein kritisch beäugt, heute stehen beide auf dem Sprung zu einem Spitzenverein. Kovac führte Frankfurt von einem Abstiegskandidaten zu einem Anwärter auf Europas Plätze, Stöger führte den 1. FC Köln von der 2. Bundesliga bis in die Spitzengruppe im Oberhaus. Beide arbeiten ähnlich, fordern Disziplin und ein hohes Maß an Fitness. Das sind die Grundlagen dafür, dass ihre Mannschaft eben nichts dem Abstieg zu tun bekommt. Und das ist schon mal ein Erfolg.

Die neue Trainer-Generation macht die Bundesliga wieder spannend. Nichts deutet auf einen erneuten Alleingang der Bayern hin, ganz im Gegenteil, Ancelotti könnte vom Schatten Guardiolas erdrückt werden. Der Spanier führte die Münchner zum vierten Titel in Folge – ein Rekord. Der fünfte schien eine Selbstverständlichkeit zu sein. Er ist es nicht mehr, auch die Bayern wurden vom Geschwindigkeitsfußball eingeholt (bald überholt?). Bezeichnend: Das Spiel des Meisters wirkt oft zu langsam!

Rotation im Spitzenfußball notwendig oder nicht?

 

Irgendein Trainer hat sie im Spitzenfußball einmal entdeckt: Die Rotation. Heute gilt sie oft als Weisheit letzter Schluss, um auf der einen Seite Stammspieler zu schonen, andererseits den Bankdrückern mal eine Chance zu geben, sich zu zeigen. Mal gelingt die Rotation, mal wird sie zum Schuss in den Ofen. Da stellt sich schon die Frage: Ist die Rotation notwendig oder nicht?

Nehmen wir das Beispiel Bayern München in der Bundesliga. Als der neue Trainer Pep Guardiola 2013 als Nachfolger von Jupp Heynckes begann, da sollte er erneut das Triple (Sieg Champions League, Meisterschaft, Pokal) nach München holen. Bekanntlich gelang ihm dies in seinen drei Jahren nicht. Der Spanier beklagte vor allem in den ersten Jahren besonderes Verletzungspech und die Bayern rüsteten entsprechend den Kader auf, nach dem Motto, Verletzungen hin oder her, wir haben immer erstklassige Leute auf dem Feld. Stimmt aber nicht, wie sich immer wieder zeigt. Die Bayern können Verletzungen zwar besser wegstecken als viele andere Vereine, aber ein Leistungsunterschied wird dennoch deutlich.

Das zeigte sich jetzt in der Bundesliga beim Punktverlust gegen Köln. Ancelotti verzichtete zu Beginn freiwillig oder nicht ganz unfreiwillig wegen leichter Blessuren auf Lahm, Boateng, Alaba, Müller, Vidal, Thiago und Ribery. Das Fehlen der sieben Stammkräfte machte sich nachteilig bemerkbar, der erste Punktverlust war das Resultat. Rafinha ist kein Lahm, Bernat ist kein Alaba, Sanches ist kein Vidal, Coman ist kein Ribery. Ein Boateng hinterlässt trotz der starken Hummels und Martinez schon als Typ eine Lücke. Allein Müller durch Robben und Thiago durch Kimmich konnten einigermaßen adäquat ersetzt werden. Vor allem der 21jährige Joshua Kimmich spielt sich in den Vordergrund, entwickelt sich sogar zum Torjäger. Also bald Rotations-Ersatz für Lewandowski? Die Rotation jedenfalls sorgte für einen Rückschlag für die Bayern.

Die Trainer der Spitzenklubs sagen gern, dass sie rotieren müssen, damit alle Spieler im Frühjahr, wenn es darauf ankommt, wirklich fit und nicht müde sind. Sie mögen recht haben, aber gilt dieser Blick schon im Oktober oder November? Gerade in der Bundesliga gibt es auch eine Winterpause für die Regeneration. Bankdrücker können dann eine Chance bekommen, wenn der Klub klar führt und Stammpersonal geschont werden kann. Dann können auch junge Spieler wie Renato Sanches herangeführt werden. Zunächst aber gilt es, die Weichen auf Sieg zu stellen. Sonst kann man im Frühjahr überhaupt nicht ernten, wenn im Herbst schon alles verdorrt, sprich verloren ist. Rotation mag ja gut sein, aber sie sollte mit Augenmaß und ohne Punktverlust praktiziert werden.

Was die Bayern angeht, so können die Münchner nach nicht so berauschenden Leistungen wie dem 0:1 bei Atletico Madrid und dem 1:1 gegen Köln, darauf hoffen, dass jetzt unter Carlo Ancelotti alles anders wird: Nicht die große Form im Herbst, wie meist unter Pep Guardiola, sondern die große Form im Frühjahr, wenn es darauf ankommt. So muss es fast sein, sollte sich der Traum vom Triple endlich erfüllen. Rotation hin oder her.

Start in der Champions League: Geld schlägt den Sport!

 

 

Sie ist das Aushängeschild des europäischen Fußballs – die Champions League. Die großen Vereine sehen den nationalen Meistertitel als Pflichtaufgabe an, der Titel in der Champions League (CL) ist die Kür und das besondere Renommee für den Briefkopf. Manchmal ist er auch Trost, wie zuletzt für Real Madrid, das national nichts ernten konnte. Nicht die Besten in Spanien, aber die Besten in Europa. Na, das ist doch was.

Der Sport spielt allerdings derzeit in Europas Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Diskutiert wird über das Geld. Das Geld schlägt den Sport. In der Sommerpause beherrschten die schon teils wirklichkeitsfremden Ablösesummen für Spitzenspieler und solche, die es erst werden wollen, die Schlagzeilen. Auf Geldvermehrung achten auch die Vereine, die bei der UEFA eine Aufstockung der Ausschüttung durchsetzten. 2018 steigt die Ausschüttung in der CL von 1355,5 Millionen Euro auf 2016,6 und der Europa League (EL) von 410,7 auf 504,2, was prozentual weniger ist, heißt, die EL verliert weiter an Reputation. Dennoch: National gesehen drängen die Vereine auf Europas Bühne, weil sie fürchten, sonst noch mehr abgehängt zu werden. Der Trick: Weil in vielen Ländern dem Titelkampf oft die Spannung fehlt, wird die Tür zu Europa zum Spannungselement. Sie wollen nur eines: Geld.

Dazu kommt, dass wohl neben der Umverteilung der Gelder auch eine Umverteilung der Macht bevorsteht. Die Klubs in Europa gründeten am 15. August 2008 die Europäische Club Association (ECA), als Nachfolger der G14 (Gründungsmitglied Bayern München), ein Zusammenschluss von 14Spitzenvereinen, heute sind 220 Klubs aus 53 der 55 UEFA-Verbände dort Mitglied. Präsident der ECA ist Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge. Ziel: Mehr Macht, mehr Geld. Durchgesetzt haben die Vereine bereits, dass in der Champions League künftig die vier besten Nationen (derzeit Spanien, Deutschland, England, Italien) vier feste Vertreter abstellen können, durchsetzen wollen sie noch mehr Mitsprache im Verband, sprich Sitze in der UEFA-Exekutive. Die ECA wird auch der Schlüssel sein, ob die CL künftig sogar zweitklassig wird, dann nämlich, wenn eine Weltliga gegründet wird. Möglich ist dies, weil Milliardäre aus China, den USA und der arabischen Welt mit Geldscheinen wedeln. Geld schlägt den Sport. Keiner fragt danach, welche Belastungen die Spieler noch aushalten sollen bzw. welcher Wettbewerb gestrichen wird. Die nationale Meisterschaft vielleicht?

Die Spitzenklubs fordern ein Umdenken. Vor einiger Zeit wurde die CL auch für die kleineren Verbände mehr geöffnet, was allerdings dazu führte, dass die Gruppenphase ziemlich an Spannung und Attraktivität eingebüßt hat. Begegnungen wie Bayern München gegen FK Rostow soll es möglichst kaum geben. Rostow? Zweiter in der Meisterschaft Russlands und auch Bayern-Kapitän Philipp Lahm sagt: „Wir wissen nichts über den Gegner“. Nun, Trainer Carlo Ancelotti wird seine Spieler schon noch aufklären, aber das Ziel ist klar: Ein Auftaktsieg ist Pflicht, schließlich gilt es die Heimbilanz mit zwölf CL-Spielen ohne Niederlage fortzusetzen. Zum 20. Mal starten die Bayern in der CL-Gruppenphase und 15mal gingen sie als Sieger vom Platz.

Bayern München zählt natürlich wieder zu den Titelfavoriten und kämpft mit Vorjahresfinalist Atletico Madrid um Platz eins in der Gruppe (außerdem PSV Eindhoven). Die weiteren Favoriten sind die üblichen Verdächtigen wie Titelverteidiger Real Madrid und der FC Barcelona. Gespannt sein darf man allein, ob Englands Top-Klubs mit neuen Spielern und neuen Trainern wieder zu ernsthaften Konkurrenten werden. Pep Guardiola zeigt ja bereits mit Manchester City als Tabellenführer in England, dass ein neuer Wind weht. Da werden die anderen deutschen Klubs über kurz oder lang in die Zuschauerrolle gedrängt. Sei es Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach, das ausgerechnet bei ManCity mit Pep beginnen muss. Vielleicht tröstet sich ein Ausscheider später in der Europa League, dort darf man den Startern Mainz 05 und Schalke 04 nicht so viel zutrauen. Seit Jahren fehlen deutschen Klubs im Endkampf um den EL-Titel. Wäre doch auch mal wieder was. Oder heißt es: Hauptsache der Euro rollt?

Guardiola + Ancelotti: Auf den besten Trainer der Welt folgt der beste für die Bayern!

 

Was war das für eine Aufregung, als der FC Bayern München den Spanier Pep Guardiola als neuen Trainer präsentierte. Der angeblich beste Trainer der Welt hatte sich nach seiner von Erfolgen geprägten Zeit beim FC Barcelona für den deutschen Rekordmeister als neue Lebensstation entschieden. Drei Jahre in München, die allerdings zwiespältige Gefühle hinterlassen und sogar ein bisschen Vorfreude auf seinen Nachfolger möglich machen. Auf den besten Trainer der Welt folgt vielleicht der beste Trainer für die Bayern.

Pep Guardiola hat die Mannschaft des FC Bayern natürlich weiterentwickelt. Auch er hat sich gewandelt und sich seinen neuen Spielern angepasst. Er hatte in München keinen Messi mehr, dafür aber Flügelflitzer und Spieler mit anderen Stärken. Pep war bei den Bayern erfolgreich, wann kann schon mal ein Trainer behaupten, drei Jahre bei einem Verein gearbeitet zu haben und dreimal Meister geworden zu sein! Dazu kamen die Klub-WM 2013, der UEFA-Supercup 2013 und der DFB-Pokal 2014. Am 21. Mai könnte Pep mit einem Sieg über Borussia Dortmund mit einem weiteren Double aus Meisterschaft und Pokal seine Zeit in München abrunden – nicht krönen. Die Krönung fehlte. Das Triple, so wie Vorgänger Jupp Heynckes 2013, den Gewinn der Champions League schaffte Pep Guardiola nicht. Er blieb der Unvollendete, Carlo Ancelott soll jetzt der Vollender sein.

Viele Fans des FC Bayern wurden aus Pep Guardiola nicht klug. Sein Deutsch war anfangs beeindruckend, aber es verbesserte sich kaum. Er schwärmte in Superlativen (super, super, super), lobte Spieler „als den besten, mit dem ich bisher gearbeitet habe“ oder „er kann alles“, stellte sie dann aber nicht auf. Pep Guardiola schien in München nie so richtig heimisch zu werden, es war eine Geschäftsbeziehung. Die war getrübt durch seinen Streit mit der medizinischen Abteilung, einer rätselhaften Verletzungsserie und dem Manko, dass der Spanier seine Schützlingen im Frühjahr nicht auf den Punkt genau in Bestform bringen konnte.

Das in aller Welt anerkannte Auftreten im Halbfinale der Champions League beim 2:1 gegen Atletico Madrid war für Pep Guardiola trotz des Ausscheidens ein etwas versöhnlicher Abschluss, zumal er als der Trainer in die Geschichte eingehen wird, der mit den Bayern den Bundesligarekord von vier Titeln in Folge erreicht hatte. Aber ein Urteil wird immer bleiben: In der Champions League gescheitert, dreimal das Aus im Halbfinale gegen spanische Klubs. Einer erfolgreichen Ära fehlte eben das Sahnehäubchen. Mit Spannung darf man verfolgen, was Pep Guardiola bei seinem neuen Verein Manchester City und in der Premier League zustande bringt. Schafft er da die Krönung?

Der 56jährige Italiener Carlo Ancelotti hat es bei seinem Start in München leichter als sein Vorgänger, der mit der Last des Triples von Jupp Heynckes leben musste. Die Pflichtaufgabe besteht für jeden Trainer bei den Bayern darin, die Meisterschaft zu holen. Vier Titel sind ein Rekord, es wird schwer für Ancelotti Pep nachzueifern mit ebenfalls drei Meisterschaften in drei Jahren Vertragszeit. Aber vielleicht bleibt er ja länger. Der Italiener, der in seinem Sabbatjahr vor allem in Vancouver und New York lebte, lernte ebenfalls fleißig die deutsche Sprache („Ganz schön schwer“) und traf sich schon öfters mit den Münchner Bossen, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Auch Carlo Ancelotti weiß, wie man Titel gewinnt und er tat dies mit verschiedenen Vereinen. Meister wurde er in Italien mit dem AC Mailand, in England mit Chelsea London und Frankreich mir Paris St. Germain. Klub-WM und UEFA-Supercup gewann er ebenfalls und die Champions League gleich dreimal, nämlich 2003 und 2007 mit dem AC Mailand und 2014 mit Real Madrid (Pep mit Barcelona 2009 und 2011). Ancelotti gilt als umgänglich, als einer, der auf die anderen zugeht und er erhält Lob von vielen ehemaligen Spielern: „Der beste Trainer, unter dem ich trainiert habe.“ Ein böses Wort war nicht zu hören, vor allem seine menschliche Seite wird gelobt. Deshalb jetzt auch die Vermutung, dass der beleidigte Bayern-Doktor Müller-Wohlfahrt wieder zur Mannschaft zurückkehren könnte.

Es könnte sich also etwas ändern bei Bayern München, nur eines soll sich nicht ändern, der Erfolg soll bleiben, getreu dem Motto wie auf dem Titel-Shirt 2016: 4ever Nummer One. Das soll möglichst bald nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa gelten. Ancelotti muss nicht der beste Trainer der Welt sein, er soll zeigen, dass er der beste Trainer für die Bayern ist.

Fußball-Trainer drehen den Spieß um

 

Das normale Geschäft im Profi-Fußball geht so: Spielt die Mannschaft schlecht und es besteht die Gefahr, dass die anvisierten Ziele nicht erreicht werden, vielleicht sogar der Abstieg droht, dann muss der Trainer gehen. Der Trainer ist bekanntlich das schwächste Glied in der Kette. Vorstand und Manager oder Sportdirektor haben die Macht, eine ganze Mannschaft kann man schlecht austauschen. Mit warmen Worten wird der Coach verabschiedet, er hat tolle Arbeit geleistet, aber es hat halt nicht gepasst. Eine hohe Abfindung versüßt den zeitweiligen Ruhestand.

Inzwischen hat sich das Blatt allerdings gewendet. Gerade in dieser Saison ist es in der Fußball-Bundesliga auffällig, wie viele Trainer im Gespräch sind, ihren Verein von sich aus frühzeitig zu verlassen. Die Fußball-Trainer drehen ganz einfach den Spieß um. Sie sagen zum Saisonende ihrem Verein, ich habe gern bei Dir gearbeitet, aber ich habe Größeres vor. Ade Abstiegskampf, willkommen Champions League. So ungefähr. Es gehört wohl auch zum Geschäft, dass interessierte Vereine Trainer auf ihrem Zettel haben, die woanders noch untere Vertrag stehen. Mit Millionen lassen sich Verträge auflösen.

Bisher kannte man es nur von den Spielern, dass sie ihre Vereine vorzeitig verlassen wollen und andere, höhere Ziele anstreben. Nach dem Bosman-Urteil war es sowieso üblich, dass der Vertrag vorzeitig beendet wurde, damit der Verein noch eine Ablösesumme kassieren kann. Jetzt also auch bei den Trainern. Nehmen wir das Beispiel Markus Weinzierl beim FC Augsburg. In Zeiten, als er schon bei anderen Klubs begehrt war, setzte er ein Zeichen und verlängerte seinen Vertrag beim FCA bis 2019. Jubel im Verein und bei den Fans. Kaum beachtet, aber wohl Wahrheit: Sollte ein gutes Angebot kommen, könne Weinzierl gehen. Der Verein hat dann zwar ein paar Millionen Euro, aber keinen Trainer mehr.

Weinzierl steht nicht allein da, auch Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt hat noch einen Vertrag, flirtet aber heftig mit anderen Vereinen. Die Gerüchteküche kocht. Mittendrin der RB Leipzig, wo Manager Ralph Rangnick die Doppelrolle als Trainer nicht mehr spielen möchte. Viele Namen kursierten, auch Weinzierl war im Gespräch, aber jetzt scheint es auf Hasenhüttl hinaus zu laufen. Das Problem: Erst muss Leipzig in die Bundesliga aufsteigen, damit der Verein für den Österreicher überhaupt interessant wird. Oder nimmt er notfalls den Umweg über die 2. Bundesliga in Kauf? Aber die Brause von Red Bull scheint in Leipzig attraktiver zu sein, als Audi in Ingolstadt.

Seltsam ist, dass Trainer zum Ende der Saison angezählt werden, obwohl ihre Vereine gar nicht so schlecht dastehen. Andre Breitenreiter steht bei Schalke 04 auf verlorenem Posten. Da gibt es Theater um den scheidenden Manager Horst Heldt und den künftigen Manager Christian Heidel, der derzeit noch für seinen alten Verein Mainz 05 arbeitet, aber dennoch Schalke im Visier hat. Offensichtlich mit Markus Weinzierl als neuen Trainer. Breitenreiter kam vor der Saison als Hoffnungsträger, legte den besten Saisonstart aller Zeiten hin und dann ging die Luft aus. Offensichtlich machte er sich im Umfeld unbeliebt, aber nicht bei der Mannschaft. Sollte Weinzierl kommen, könnte er von Anfang an zwischen den Stühlen sitzen. Vom beschaulichen Augsburg ins Chaos von Schalke 04? Wer nach oben will, muss leiden können!

Auch bei Borussia Mönchengladbach wurde Trainer Andre Schubert gefeiert, als er Lucien Favre abgelöst hatte und mit der Mannschaft eine Siegesserie hinlegte. Der Verein konnte gar nicht anders, als der öffentlichen Meinung nachzugeben, dass Schubert, eigentlich als Übergangslösung gedacht, bleiben müsse. Doch seit der Vertragsverlängerung ist der Lack ab, Gladbach rutschte ab, zeigt vor allem eine bedenkliche Auswärtsschwäche. Bezeichnend, dass Schalke und Gladbach bei 45 Punkten beide um einen Platz im europäischen Wettbewerb fürchten müssen, also die Trainer angezählt sind. Hier gilt noch das alte Geschäft.

In Bremen wissen sie nicht so recht, was sie machen sollen. Da soll Trainer Viktor Skripnik die Klasse halten, dennoch wird er angezählt. Geschäftsführer Thomas Eichin zeigt sich mutig und hält am Trainer fest, macht allerdings unterschwellig deutlich, dass diese Treue nur bis zum Ende der Saison gilt. Skripnik macht eine mürrische Miene zum bösen Spiel, zog mit dem 3:2-Sieg aber den Kopf aus der Schlinge. Werder ist für ihn eine Herzensangelegenheit, sonst hätte er schon lange ebenfalls den Spieß umgedreht.

Neu ist auch, dass sich die Trainer heutzutage gern die Freiheit nehmen, ein sogenanntes Sabbatjahr einzulegen. Das können sich freilich nur die großen Namen leisten. Bestes Beispiel war Pep Guardiola, der beim FC Barcelona vorzeitig ging, weil er ausgebrannt war. Nach einem Jahr Pause entschied er sich für den FC Bayern München, zeigte aber auch frühzeitig an, dass er seinen Dreijahresvertrag nicht verlängern würde. Immerhin erfüllt er ihn bzw. darf ihn erfüllen. Ob am Ende auch die Erfüllung steht, nämlich das Triple, das steht in den Sternen. Möglich auch, dass er wieder Pech hat. In München löste er Alt-Meister Jupp Heynckes ab, der sich mit dem Triple verabschiedete. Bei Manchester City sollte Guardiola endlich für internationale Erfolge sorgen, aber gerade jetzt liefert die Mannschaft ihre beste Saison und steht im Halbfinale der Champions League. Armer Pep, wenn City gerade jetzt die Champions League gewinnt…

Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti kommt übrigens ebenfalls ausgeruht zu den Bayern. Er hat nach seiner Aufgabe bei Real Madrid ein Sabbatjahr hinter sich, hat sich abwechseln in Vancouver und New York vergnügt. Es scheint, wir müssen die Fußball-Trainer nicht bemitleiden. Sie haben immer mehr das Heft des Handelns in der Hand.