Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Fernsehen

Bei Merkel und Söder kommt der Sport zu kurz

Corona hat die Welt weiter im Griff, der Kampf gegen das Virus ist noch lange nicht gewonnen, aber die Sehnsucht nach Normalität wächst in der Bevölkerung überall. Natürlich auch in Deutschland, wo der überwiegende Teil der Menschen einigermaßen einsichtig und diszipliniert war, dadurch kam Deutschland bisher besser weg als viele andere Nationen. Dennoch, die Ungeduld wird größer und deshalb hat sich die Politik für erste Lockerungen der Beschränkungen entschieden. Der Sport wartet allerdings auf eine Freigabe zum ersten Schritt in Richtung Normalität. Bei den verantwortlichen Politikern an der Spitze mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder als Wortführer der Länder kommt der Sport jedenfalls zu kurz. Dabei ist der Profisport ein wesentlicher wirtschaftlicher, der Amateursport ein bedeutender gesellschaftlicher Faktor. Beide haben eines gemeinsam: Sie sind durchaus Stimmungsaufheller für viele.

Natürlich müssen wir weiter mit Einschränkungen leben und selbst die Fachleute können nicht sagen, wann und ob überhaupt die Corona-Krise generell zu überwinden ist. Aber selbst im Hinblick auf Kontaktbeschränkungen und Abstandsvorschriften müssen Lockerungen auch beim Sport ankommen. Spaziergänge und Joggen im Freien sind erlaubt, warum nicht Sport generell, zum Beispiel Tennis und Golf, Sportarten, bei denen die Abstandsregelung eingehalten werden kann? Im Tennis müssten Einzelspiele möglich sein, die einzige Corona-Gefahr liegt darin, dass jeder die Bälle in die Hand nimmt, hier müsste ein Desinfizieren vor dem Match helfen. Einfacher ist es sogar im Golf, wo jeder Freizeitspieler allein über den Platz gehen kann, wo auch zu zweit der Abstand eingehalten werden kann und wo es eine Berührung mit anderen Gegenständen höchstens an der Fahnenstange auf dem Grün gibt. Corona-Regel: die Fahnenstange bleibt drin, eingeschränktes Putten also. Auch der in Deutschland so beliebte Schießsport müsste mit genügend Abstand wieder möglich sein. Eins ist sicher: Freizeitsport verbessert die Stimmung in der Bevölkerung.

Anders sieht es natürlich beim Profi-Sport aus. Generell gilt, in Ligen, die maßgeblich vom Erhalt der Fernsehgelder abhängig sind, wird alles unternommen, um die Saison fortsetzen zu können, auf unabsehbare Zeit leider nur mit Geisterspielen ohne Fans. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für alle großen Ligen in Europa, das gilt nicht nur für die Bundesliga, sondern auch für die 2. Bundesliga, 3. Liga und Frauen-Bundesliga hierzulande. Wie Geisterspiele organisiert werden können, das bedarf durchdachter Pläne, notfalls müsste die Bundesliga den anderen Ligen zur Seite stehen, wenn es finanzielle Probleme gibt. Selbst Fachleute sind der Meinung, dass die notwendigen Gesundheitstests für die Spielerinnen und Spieler möglich sind, ohne dass es Einschränkungen für den Rest der Bevölkerung gibt. Das ist ja eine der Grundvoraussetzungen. Wie die Spiele ablaufen können, dazu gibt es viele interessante Vorschläge, sie gipfeln im Rat, alle Spiele in einem Stadion an einem zentralen Ort abzuhalten! Ob das logistisch aber machbar ist? Eins ist klar: Unnötige Reisen sollen vermieden werden, die gesundheitliche Sicherheit geht vor. Fußball wäre auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung für die teils kasernierten Menschen. Bei der nächsten Tagung muss die DFL Nägel mit Köpfen machen, wenn es Mitte Mai wieder losgehen soll, 3. Liga und Frauen-Bundesliga werden sich daran orientieren. Die Politik muss großzügig sein.

Den Geisterspielen droht aber eine ganz andere Gefahr, dass sie nämlich eine Gruppe von „Fans“ zu Fall bringen will, weil die meinen, ohne sie dürfte man nicht spielen und die Austragung mit Massendemonstrationen gefährden könnten. Lieber sollen einige Vereine kaputt gehen! Andererseits machen sich echte Fans Gedanken, wie sie dem Verein helfen können, so können sich Fans als „Pappkameraden“ auf die Tribüne stellen lassen, selbst Banner sollen in einigen Stadien aufgehängt werden. An Einfallsreichtum fehlt es also auch nicht, um ein bisschen Stimmung zu erzeugen.

Ganz anders die Situation im Amateurfußball. Hier wird man wohl erst wieder gegen den Ball treten, wenn auch wieder Zuschauer am Spielfeldrand stehen können. In Bayern ist die Saison bis zum 1. September ausgesetzt, möglich auch, dass in diesem Jahr gar nicht mehr gespielt wird und das Jahr 2020 ohne Spiele über die Bühne geht, die Saison 2019/20 würde also erst 2021 beendet werden. Sollte im Herbst gespielt werden können, steht wieder eine alte Idee im Diskussionsfeld: Die Fußballsaison auf das Kalenderjahr umzustellen, statt von August bis Mai soll von April bis November gespielt werden. Aber ob das im Zeichen des Klimawandels und prophezeiten heißeren Sommern und milderen Wintern wirklich so sinnvoll ist?

Wir sehen, Corona hat auch die Sportwelt auf dem falschen Fuß erwischt, das Virus könnte für eine völlige Neuorganisation des Sportes führen. Nichts ist auszuschließen. Politik und Sport sind gefordert, die Fans haben die Sehnsucht nach Normalität. Merkel und Söder sollten den Sport wieder entdecken. Dann kann die Kanzlerin die Nationalspieler bald wieder in der Kabine besuchen.

Deutschland erwache! Mit Anstand und mit Abstand!

Die Welt steht still, weil es ein Virus so will. Aber ewig ist der Stillstand nicht zu verkraften, egal, ob es um Industrie und Wirtschaft geht oder um das tägliche Leben. Wenn die Infektionszahlen zurückgehen, wenn man Corona einigermaßen im Griff hat, dann muss – langsam und vorsichtig – das gewohnte Leben wieder weitergehen. Bis zum 19. April sind die derzeitigen Maßnahmen mit Ausgangssperren und dergleichen terminiert, ab Montag, 20. April, muss es zumindest hierzulande heißen: Deutschland erwache! Österreich ist da schon weiter, dort gibt es nach Ostern die ersten Lockerungen.

Tausende Unternehmer, vor allem Kleinunternehmer bzw. der Mittelstand, und Millionen von Arbeitern und Angestellten warten auf den Tag, an dem wenigstens zum Teil und wohl nur in abgespeckter Form die gewohnte Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Der Besuch im Baumarkt muss wieder möglich sein, ebenso wie der im Schreibwarengeschäft, beim Gärtner oder im Lokal. Dabei sind aber weiterhin Anstand und Abstand wichtig. Anstand, weil man wohl noch über Wochen und Monate hinweg darauf achten muss, den anderen mit einer möglichen Infizierung nicht anzustecken. Abstand, weil dies der beste Schutz vor Ansteckung ist, besser noch als ein biederer Mundschutz. Auf Abstand achtend kann jeder einkaufen gehen, kann man Lokale besuchen (nur zwei Leute an einem Tisch) oder sogar Kinos und Theater wieder in Betrieb nehmen. Mit ein bisschen guten Willen und Disziplin sollte dies möglich sein.

Und auch der Sport sollte wieder eine Rolle spielen, in welcher Form auch immer. Freilich, der Amateursport wird noch Probleme haben, der Profisport (Wirtschaftsbetrieb!) allerdings müsste die Genehmigung bekommen, in abgesteckter Form den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, damit das Fernsehen berichten kann, damit TV- und Sponsorengelder fließen und die größten Pleiten verhindert werden. Das betrifft vor allem die Fußball-Bundesliga, 2. Bundesliga sowie 3. Liga, aber auch die höchsten Spielklassen im Basketball und Handball, obwohl da natürlich nicht diese Gelder wie im Fußball fließen. Natürlich kann der Spielbetrieb nur ohne Zuschauer aufgenommen werden, Geisterspiele sind die einzige machbare Rettung. Deshalb werden viele andere Sportarten verzichten und die Corona-Pause den einen oder anderen Verein in die Knie zwingen. Insofern heißt es jetzt auch: Rette sich, wer kann.

Die Fußball-Bundesliga steht von der Popularität her natürlich im Mittelpunkt. Am 17. April will die DFL wieder tagen und Spiele im Mai sind im Visier, bis Ende Juni soll die nationale Meisterschaft beendet sein und auch der DFB-Pokal könnte mit Halbfinale und Finale gespielt werden. Die meisten Vereine haben ein reduziertes Training wieder aufgenommen, statt sich zu Hause fit zu halten, heißt es Arbeit mit dem Ball auf Rasen in kleinen Gruppen mit Abstand. Ab Mai sollte ein normales Fußballtraining möglich sein, heißt zwei Wochen Vorbereitung bis zur Fortsetzung der Punktrunde.

Es gibt natürlich Fragezeichen. So wird der Plan, die Spieler alle drei Tage auf eine Corona-Infektion zu kontrollieren, kaum durchführbar sein, weil die Allgemeinheit meutern würde. Die Labore arbeiten am Anschlag und Tests für Fußballprofis können nicht dafür verantwortlich sein, dass Tests für kranke Patienten verschoben werden. Es könnte aber auch sein, dass sich die Gesamtsituation entscheidend verbessert, Pessimisten glauben aber, dass der Höhepunkt der Infektionen noch bevorsteht.

Entscheidend ist aber auch, dass die Fans entsprechend mitmachen. Da kommen wieder Anstand und Abstand ins Spiel. Die Fans, vor allem die Ultras mit ihren manchmal seltsamen Gedanken, müssen wissen, dass ihr Verein nur spielen kann, wenn sie keinen Krawall machen und über die Stränge schlagen, heißt, auch im Umfeld des Stadions dürfen sich die Fans nicht aufhalten (Abstand halten!). Verstoßen sie dagegen (Anstand!), werden auch Geisterspiele nicht möglich sein. Die Fans könnten dann sogar zu Totengräbern ihrer Vereine werden!

Eines muss an dieser Stelle festgestellt werden. Die Fußball-Bundesliga hat sich in diesen Krisenzeiten vorbildlich verhalten, die DFL hat gut reagiert und das Heft des Handelns in die Hand genommen. Die Spieler zeigten sich als Profis mit Herz, waren zu Gehaltskürzungen zum Wohle der Vereine und vor allem der rund 60.000 sonstigen Mitarbeiter bereit und brachten zahlreichen Spendenaktionen auf den Weg. Auch hier wurden Millionen ausgeschüttet.

Dies war in anderen Ländern oft nicht so, da gab es Theater um Gehaltskürzungen (Barcelona zum Beispiel) und in England gibt es Proteste, weil die Spieler nicht kollektiv auf Gehaltskürzungen verzichten und die Klubs sogar öffentliche Subventionen in Anspruch nehmen wollen. Seltsame Begründung der Gewerkschaft dafür, dass die Gelder nicht gekürzt werden dürfen: „Dann würden dem Staat große Steuereinnahmen fehlen.“ Einen radikalen Schnitt vollzog Belgien, das die Saison für beendet erklärte. Es ist auch das internationale Problem für die Fortsetzung der europäischen Wettbewerbe, dass die Nationen unterschiedlich von Corona gebeutelt sind und unterschiedlich damit umgehen. Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

Es gab zudem andere Meldungen. Die Corona-Pause nutzte Bayern München zur Vertragsverlängerung mit Trainer Hansi Flick gleich bis 2023, die Bosse vertrauen also auf den Kurpfälzer, der als legitimer Heynckes-Nachfolger vor allem in Sachen Menschlichkeit gilt. Jetzt werden wohl auch Vertragsverlängerungen mit Spielern bis 2023 folgen, wobei Flick da ein starkes Mitspracherecht besitzt.

Es tut sich also etwas in den Vereinen, ein Grund mehr, dass die Fans hoffen, dass der Ball bald wieder rollt. Und eines darf man auch nicht vergessen: Fußball im Fernsehen hat das Zeug dazu, die Stimmung im Lande zu verbessern. Er bietet Unterhaltung und Abwechslung, vielleicht war die Fußball-Bundesliga sogar noch nie so wichtig wie heute!

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!

European Championships: Bitte kein neues Olympia!

Das Experiment ist gelungen, die European Championships in Glasgow und Berlin waren ein voller Erfolg. Das eigentlich alle zufrieden waren – Sportler, Funktionäre, Fans und das Fernsehen – hat Seltenheitswert. Die Idee, verschiedene Europameisterschaften zu einem besonderen Event zusammenzulegen, war ein Volltreffer. Sieben Sportarten feierten in zehn Tagen ein Fest und weckten damit gleichzeitig Begehrlichkeiten. Dort wo Begeisterung herrscht, wollen auch andere Sportarten teilnehmen. Doch Vorsicht: Noch größer heißt nicht noch schöner, die European Championships dürfen kein zweites Olympia werden.

Erstaunlich, wie diese neue Veranstaltung von den Fans in Glasgow und Berlin sowie an die Bildschirmen gleichermaßen angenommen wurde. In Deutschland war sogar von einem „Sommermärchen“ die Rede, weil sich die deutschen Sportler als Medaillensammler präsentierten. Und das TV-Konzept ging auf, wie im Winter so jetzt auch im Sommer brachte die geballte Wucht der Wettbewerbe die Zuschauer an die Fernseher. Schwimmen feierte ein Comeback, sogenannte Randsportarten profitierten, „sonst interessiert sich für uns keine Sau“, jubelten zum Bespiel die Wasserspringer. Schauen im Winter die Sportfans neben Biathlon eben auch Rodeln oder Langlauf, so blieben sie diesmal beim Rudern oder Radsport hängen. Im Schnitt rund zwei Millionen Zuschauer schauten tagsüber zu, was den Zahlen vom Winter gleichkam, abends bei der Leichtathletik waren es beständig über vier Millionen und die Leichtathleten schlugen fast durchwegs die TV-Konkurrenz am Abend. „Wir sind sehr zufrieden,“ hieß es beim Fernsehen. Bemerkenswert, denn in Deutschland gab es ja schöne Sommertage.

Aber wie geht es weiter? Sicher dürfte sein, es geht weiter. In vier Jahren soll es eine Wiederholung geben, ein neues Sommermärchen soll die fußballfreie Zeit versüßen. Die Organisatoren werden nun überlegen, ob es noch attraktiver geht, andere Sportarten zeigen wie gesagt Interesse. Die European Championships dürfen aber Olympia nicht kopieren, eine Selbstbeschränkung ist Pflicht, die Veranstaltung darf nicht überlastet und teurer werden. Der Zeitraum von zehn Tagen war ideal, 14 Tage wären die absolute Grenze. Mehr Sportarten würden dafür sorgen, dass zu viele Wettbewerbe parallel laufen müssen – der Sinn der Sache, mehr Aufmerksamkeit, würde ad absurdum geführt. Olympische Spiele sind inzwischen ein Opfer des Kommerz geworden, die Sportler sind nur noch Mittel zum Zweck des Geldverdienens. Bei den Championships standen die Sportler wieder im Mittelpunkt. So muss es sein.

Die Verbände müssen allerdings einiges tun, um den langfristigen Erfolg zu garantieren. So müssen vor allem die Weltverbände mitspielen, damit die Aktiven nicht in Terminnöte kommen und gezielt auf diesen Saisonhöhepunkt hintrainieren können. So gaben in diesem Jahr die Ruderer der baldigen Weltmeisterschaft den Vorzug und ruderten unter ferner liefen. Der einzige Schwachpunkt neben dem Golf. Auch hier haben die großen Turniere Vorrang, die Größen des Sports werden wohl selten Zeit finden, also könnte Golf gestrichen werden. Dafür wäre Beach-Volleyball eine gute Ergänzung und wo die Ruderer schon mal auf dem Wasser sind, könnten sich die Kanuten dazu gesellen.

Dann aber muss schon Schluss sein. Ideen, dass auch Volleyball und Handball gut passen würden, muss eine Absage erteilt werden. Mit Ausnahme vom Turnen sollten die European Championships eine Freiluftveranstaltung sein, auch wenn Schwimmen immer mehr in die Halle geht. Wichtig wäre (und wird wohl so auch von den Organisatoren gesehen), dass nur eine Stadt die Championships ausrichtet, diesmal musste es anders sein, weil die Leichtathletik-EM bereits nach Berlin vergeben war. Aber gerade Berlin bietet sich als Austragungsort in vier Jahren an, auch Hamburg zeigt angeblich Interesse und womöglich bieten sich auch andere Städte in Europa an. Anders als mit den Olympischen Spielen und ihrem Gigantismus können die Ausrichter die Bevölkerung sicher mit Veranstaltungen in bestehenden Stadien und geringen Kosten überzeugen. So sollte auch jegliche Idee für ein Athletendorf gleich wieder ad acta gelegt werden. Kein Gigantismus bitte!

Die Leichtathletik und Berlin waren der größte Gewinner der European Championships. Ein Grund dafür war, dass der Verband über seinen Schatten gesprungen ist und die Wettbewerbe gestrafft hat. So gab es ein Feuerwerk des Sports. Die großartige Stimmung im Olympiastadion, die Begeisterung bei Athleten und Zuschauern waren gleichzeitig ein Plädoyer dafür, dass das Olympiastadion mit seiner legendären blauen Laufbahn so erhalten bleiben muss. Am Schlusstag hatten die Leichtathletik im Fernsehen sogar mehr Zuschauer als der Fußball (Supercup-Endspiel Frankfurt – Bayern) und lieferte damit gleich das entscheidende Argument: Nicht alles darf dem Götzen Fußball geopfert werden, das Olympiastadion gehört auch der Leichtathletik. Wenn es dem Bundesligisten Hertha BSC hier nicht mehr gefällt, kann nur ein eigenes Fußball-Stadion die Lösung sein, aber nicht ein Umbau mit Wegfall der Laufbahn. Berlin würde nur verlieren, könnte in vier Jahren als Ausrichter der European Championships aber ein Gewinner sein!

Der Dritte kann auch der Erste sein

„Fußball, Fußball, Fußball“ heißt es gern in Deutschland, wenn es um das Interesse am Sport geht. Immer nur „Fußball, Fußball, Fußball“ meutern die anderen Sportarten, wenn sie über mangelnde Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit oder Präsenz im Fernsehen jammern. Motto: Fußball wird immer übertragen, Tischtennis zum Beispiel nie. Aber selbst früher beliebte Sportarten wie die Leichtathletik oder Schwimmen haben an Bedeutung verloren, an Zuschauern und Aufmerksamkeit. Alles dreht sich also um den Fußball und der Start der 3. Liga an diesem Wochenende ist der Beweis dafür: Fußball 1 steht für die Bundesliga, Fußball 2 für die 2. Bundesliga und Fußball 3 für die 3. Liga. Sie hievte sich in die Schlagzeilen mit einem attraktiven Teilnehmerfeld, überall ist von „der besten 3. Liga aller Zeiten“ die Rede.

Von einem Glücksfall zu reden, wäre natürlich übertrieben, vor allem die Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern und Braunschweig sehen das ganz gewiss nicht so. Der Zufall wollte es aber, dass die 3. Liga in der Saison 2018/19 zu einem Tummelplatz der Traditionsvereine wird. Vier ehemalige Deutsche Meister sind dabei und zwei ehemalige DDR-Meister, zwei von diesen sechs standen sogar mal in einem Europapokal-Endspiel. Dazu kommen zehn frühere Bundesligisten sowie acht weitere ehemalige Zweitligisten. Nur die Sportfreunde Lotte und die SG Sonnenhof Großaspach (welch ein Name!) kamen bisher über die 3. Liga nicht hinaus. Ohne Meisterschaften oder Pokalsiege und Nationalspieler waren außerdem nur Wehen Wiesbaden, Kickers Würzburg, SV Meppen und der VfR Aalen.

Kein Wunder also, dass so eine Liga für Interesse sorgt. Da wird das Zuschauer-Interesse noch einmal steigen, obwohl es bisher schon sehr hoch war. Die 3. Liga ist weltweit die 3. Liga im Fußball mit den meisten Zuschauern! Der Dritte kann also auch mal der Erste sein. Der Schnitt lag zuletzt bei rund 6100 Zuschauern, der Rekord aus der Saison 2015/16 liegt bei 7100, er könnte allerdings diesmal auf 7500 und mehr steigen, weil es keine unbeliebten zweiten Mannschaften von Bundesligisten mehr gibt, die kaum selbst Zuschauer hatten und weniger als der Rest anlockten. Da sind Kaiserslautern und Braunschweig zum Beispiel schon ganz andere Kaliber, aber auch die Traditionsklubs, die aus der Regionalliga nach oben kamen, 1860 München, Energie Cottbus und Bayer Uerdingen. Uerdingen bringt mit seiner Neuverpflichtung Kevin Großkreutz sogar einen Weltmeister in die Liga ein.

Das Geld spielt natürlich auch in der Dritten Liga eine bedeutende Rolle und am Geld scheiden sich bekanntlich die Geister. So meutert die Konkurrenz über das „Nothilfepaket“, das die Deutsche Fußball-Liga ihren Absteigern gewährt. Kaiserslautern und Braunschweig kassierten einen „Rettungsschirm“ von je 500.000 Euro, dazu je 600.000 Euro aus einem Solidartopf aus der 2. Liga. Motto: „Kommt doch gleich wieder zurück.“ Die Klubs der 3. Liga haben ansonsten nämlich eher ein Problem mit den Finanzen, Insolvenzen sind schon fast an der Tagesordnung, weil sich viele Klubs finanziell übernehmen. Für die einen ist die 3. Liga einfach eine Nummer zu groß, andere wiederum pokern zu hoch, stecken zu viel Geld in die Mannschaft, weil sie die ungeliebte Liga schnell nach oben verlassen wollen. Doch „ungeliebte Liga“, das ist vielleicht vorbei, zumindest in dieser Saison.

Mit Neid schaut die Konkurrenz auch auf Aufsteiger Bayer Uerdingen, das schon 14 Jahre in der Bundesliga und einen Sieg im DFB-Pokal hinter sich hat, aber bis in die Niederungen der Amateurligen abrutschte. Seit 2016 ist aber ein zahlungskräftiger Russe Präsident des Vereins. Michail Ponomarew hat Millionen mit einer IT- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft verdient, er will den Verein nach oben hieven. Acht Millionen Euro soll der Etat betragen – Zweitliganiveau. Das Ziel Zweite Liga haben viele, aber nur einer bekennt sich offen dazu – Hansa Rostock. Das verwundert ein bisschen, eher scheint es so, dass einer wohl nicht aufsteigt – Hansa Rostock.

Das Fernsehen buhlt um den Fußball, logisch, dass auch die 3. Liga über die Bildschirme flimmert. Die Telekom hat sich für ihren Streamingsdienst die Rechte gesichert, die ARD überträgt 86 Spiele live in ihren dritten Programmen, außerdem gibt es am Samstag eine Zusammenfassung in der ARD-Sportschau vor der Bundesliga. Für Aufmerksamkeit ist also gesorgt. Für das Fernsehen wurden auch die Spieltage zerpflückt, jetzt gibt sogar das bei den Fans so unbeliebte Montagspiel. Die 3. Liga also auf großem Fuß. Und weil Fußball immer zieht und der Sender Sport1 nicht mehr zum Zug kam, überträgt der Spartensender jetzt bevorzugt Spiele aus der Regionalliga. Auch dort gibt es viele bekannte Namen und Fußball muss nun mal sein. Eigentlich heißt es also „Fußball, Fußball, Fußball, Fußball“.

Olympia: Das IOC ist der Stimmungskiller

Das hat Pyeongchang nicht verdient. Die Südkoreaner freuten sich auf die Olympischen Winterspiele, taten und tun alles, um perfekte, liebenswürdige Gastgeber zu sein und dann das: Meist ziemlich leere Zuschauerränge und Kritik, weil die Stimmung fehlt. Nur dort, wo Südkorea mitkämpft, kommt echte Olympia-Atmosphäre auf, ansonsten herrscht tote Hose. Und dann spielte auch das Wetter nicht mit, die Stimmung erfror buchstäblich. Doch die Organisatoren sind der falsche Ansprecher bei der Kritik. Sie kann sich allein an das IOC richten.

Das Internationale Olympische Komitee hat in vollem Bewusstsein die Spiele nach Südkorea vergeben. Pyeongchang hat sich lange vergeblich darum bemüht und gewann dann den Trostpreis u. a. gegen München, nach dem Motto, wer sich lange bemüht, soll endlich glücklich sein. Da zählte dann nicht, dass das Städtchen abseits der großen Metropolen liegt, da zählte nicht, dass die Südkoreaner mit einem Teil der Wintersportarten, zum Beispiel Biathlon, gar nichts anfangen können. Da zählte auch nicht, dass die Sportfans vor allem in Amerika und Europa sitzen und der Zeitunterschied dafür sorgt, dass kein Olympia-Fieber entstehen kann. Jetzt haben wir den Salat.

Durch den Zeitunterschied begann auch der Kampf um die Startzeiten bei den Wettbewerben. Federführend vor allem der Olympiasender NBC, der 785 Millionen für mehrjährige Übertragungsrechte zahlte und natürlich die amerikanischen Lieblingssportarten zu vernünftigen US-Zeiten haben wollte. In Europa hatte sich Discovery die Rechte für 100 Millionen Euro gesichert und setzte vor allem auf Skispringen und Biathlon. Deshalb wurden bei diesen Sportarten die ansonsten gängigen Anfangszeiten über Bord geworfen, deshalb mussten die Skispringer nach Verzögerungen durch den Wind bis nach Mitternacht springen. Ein Unding! Kein Wunder, dass bei eiskalten Bedingungen die Zuschauer entweder gleich zu Hause blieben oder aufgaben und heimgingen. Der Olympiasieger jubelte am Ende vor leeren Rängen. Schade, beim größten Sieg einer Karriere.

Pyeongchang kann also nichts dafür, das IOC ist der Stimmungskiller und wieder einmal stehen wir vor der Tatsache, dass Geld vor Sport geht. Die Funktionäre behaupten zwar, die Sportler wollen doch auch gut verdienen, doch dafür sorgt weniger das IOC. Das schaut eher auf die eigene Kasse und die füllt vor allem das Fernsehen. Ein Wunder eigentlich, dass die TV-Sender nicht ihr Veto zur Serie der Asienspiele eingelegt haben, dann es folgen ja Tokio 2020 mit den Sommerspielen und Peking 2022 mit den nächsten Winterspielen. Da werden wir also das gleiche Theater haben. Erst dann ist Europa mit Paris 2024 und Amerika mit Los Angeles 2028 im Sommer wieder dran.

Doppelt schade ist das für die deutschen Sportfans. Die deutsche Mannschaft ist so erfolgreich wie seit Jahren nicht mehr, aber richtige Olympia-Stimmung will nicht aufkommen, weil an den Übertragungszeiten eher die Arbeit ruft. Da ist es fast ein Wunder, dass bis über sieben Millionen Zuschauer mit den Biathleten mitfiebern. Aber was wäre erst losgewesen, wenn diese Spiele in München stattgefunden hätten! Es wäre ein Wintermärchen geworden wie damals 1972, als die fröhlichsten Sommerspiele in München leider vom Terror gestoppt wurden und am Ende Trauer trugen. München 2018 hätte dazu beitragen können, dass der Olympische Geist doch noch in der Bevölkerung wach bleibt. Das ist vorbei, die Stimmung hat sich gegen Olympia gedreht. Auch hier war das IOC der Stimmungskiller.

Ein Plädoyer für den Videobeweis

Die Sportfans in Nordamerika lachen über die Diskussionen, die es im europäischen Fußball über die Einführung des Videobeweises gibt. In anderen Sportarten, vor allem eben im Profisport in Nordamerika, gehört der Videobeweis zum Alltag. Gerade im Football, Tennis und Eishockey sind strittige Entscheidungen ohne den Blick auf den Fernsehschirm undenkbar. Denken wir an knappen Entscheidungen im Tennis, ob der Ball im Aus ist oder nicht. Denken wir an das schnelle Eishockey, wo der Puck mit einer Geschwindigkeit unterwegs ist, dass das menschliche Auge gar nicht mehr erkennen kann, ob er im Netz landete oder am Gestänge. Erst der Blick auf den Bildschirm gibt oft Aufschluss.

Warum also nicht im Fußball, nicht nur in Europa, sondern weltweit in allen Profiligen. Es ist viel Geld im Umlauf, es geht nicht nur um Pokale, sondern auch um viel Geld und da müssen die Verbände nun einmal wirklich alles unternehmen, dass Fehlentscheidungen minimiert werden. Ganz ausschließen kann man sie nicht, weil es auch Ermessungsentscheidungen des Menschen gibt. Aber die ersten Spieltage in der Bundesliga zeigten bereits, dass es durch den Videobeweis ein ganzes Stück mehr Gerechtigkeit gibt. Dabei befindet man sich noch in der Testphase, Anfangsprobleme müssen erst noch ausgeräumt werden, aber eines ist sicher: Auf den Videobeweis darf der Profi-Fußball nicht verzichten!

Ein Plädoyer für den Videobeweis waren die Spiele der Mannschaften des FC Bayern München in der Champions League, da waren nämlich Männer wie Frauen Opfer von Fehlentscheidungen. Die Herren konnten das verkraften, die Damen schauten in die Röhre und schieden unverdient aus.

Die Tatsachen. Als die Bayern gegen Celtic Glasgow mit 3:0 gewannen, da war es am Ende egal, ob am Anfang ein Tor korrekt erzielt worden war (der Ball war nicht im Aus) oder nicht, ob es den berechtigten Elfmeter gab oder nicht. Aber es hätte auch anders kommen können und am Schluss könnte doch noch die Tordifferenz entscheidend sein. Aber in so einer wichtigen Liga wie der Champions League gehört der Videobeweis eingeführt. Die Frauen des FC Bayern schieden mit einem 0:1 und 2:1 durch die Auswärtstorregel gegen Chelsea London aus. Sie hätten aber weiterkommen müssen! Das Tor in London fiel aus einer Abseitsposition heraus, in München wurde den Bayern-Mädels ein klarer Handelfmeter versagt und danach noch ein korrektes Tor zum 3:1 wegen eines angeblichen Foulspiels aberkannt. Mit Videobeweis wäre nicht Chelsea in die nächste Runde eingezogen, sondern Bayern München. Krasser geht es nicht und kräftigere Argumente für die Einführung des Videobeweises wird man kaum finden.

Dazu kommt noch, dass die Bedenken vieler Fans, dass die lebhaften Diskussionen um den geliebten Fußball an den Stammtischen kein Futter mehr bekommen, entkräftet werden können. Trotz Videobeweis bleiben genügend strittige Szenen, über die man diskutieren kann. Dass mehr Gerechtigkeit dem Sport aber gut tut, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Deshalb: Im Profi-Fußball muss der Videobeweis eingeführt werden, es darf in den Top-Ligen, in der Champions- und Europa-League, bei Welt- und Europameisterschaften keine Spiele mehr ohne Videobeweis geben.

Money, Money, Money – Geht der Fußball im Geld unter?

Was haben die Zeichentrickfigur Dagobert Duck und der Fußball gemeinsam? Sie schwimmen beide gern im Geld. Während aber Dagobert der eher unsympathische Reiche ist, will der Fußball sympathisch bleiben und weltweit Fans anziehen. Derzeit ist er allerdings eher dabei, in eine unsympathische Rolle abzugleiten und Fans abzustoßen. Es geht fast nicht mehr um den Sport, sondern nur noch ums Geld. Spieler, Berater und Funktionäre haben die Dollar-Zeichen in den Augen. Das Motto heißt „Money, Money, Money“ und der Sport-</em>Grantler fragt sich: Geht der Fußball im Geld unter?

Das Thema ist ja nicht neu, kam aber jetzt mit der Vergabe der TV-Rechte für die Champions League wieder neu auf den Tisch. Vor allem in Deutschland war der Aufschrei groß, weil ab 2018 die Königsklasse des Fußballs im Pay-TV verschwindet. Das sind die Fernseh-Zuschauer in England, Spanien und Italien gewöhnt, aber nicht die in Deutschland, die ja sowieso eine monatliche Gebühr für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen müssen. ARD und ZDF müssen mit diesen Geldern haushalten und haben Proteste geerntet, wenn sie viele Millionen Euro für die Übertragungsrechte im Sport ausgegeben haben. Hohe Einschaltquoten bewiesen eine gewisse Berechtigung. Jetzt aber erleben sie eine Niederlage nach der anderen. Die Rechte für die Olympischen Spiele haben sie ebenso verloren wie die nun für die Champions League. Bisher zeigte das ZDF 18 Spiele live, ab dem Finale 2018 in Kiew ist dies vorbei. Das Angebot war zu niedrig, „wir sind an unsere Grenzen gegangen“, gestand der ZDF-Boss, „mehr war nicht drin“.

Schon bei den Bundesliga-Rechten wurde es für ARD und ZDF knapp, aber die Sportschau und das Sportstudio wurden gerettet, es gibt weiter ein paar Live-Spiele im ZDF, aber alle Spiele weiterhin nur im Bezahl-Fernsehen, wobei dem Platzhirsch Sky Konkurrenz erwachsen ist. Vor allem der Streamingdienst DAZN mischt die Branche auf und schmeißt mit Geld um sich. Ob sich das lohnt? Dem Sport, vor allem dem Fußball, ist das egal: Hauptsache die Kasse stimmt. Es könnte aber auf lange Sicht auch ein Eigentor werden. Bleibt der Fußball wirklich Volkssport, wenn er im Pay-TV und Internet verschwindet?

Die Grenzen gesprengt haben vor allem die Fernsehsender in England, die der Premiere League das Geld quasi hinterher werfen. Da entstanden auch gesteigerte Begehrlichkeiten in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, wo die Vereine jammern, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig sein können, wenn der Letzte der Premiere League mehr TV-Gelder kassiert als der Erste in Deutschland, Bayern München. Dazu kommen Scheichs aus den Golfstaaten, Oligarchen aus Russland, Milliardäre aus Asien und Afrika, die sich im Fußball Europas verwirklichen wollen und quasi mit dem Geld um sich werfen. Als Beispiel zwei Überschriften zum Saisonschluss: „Geld aus Nigeria hilft beim Titel“ hieß es zum Titelkampf in Kroatien, „Investoren aus China feiern“ zur Meisterschaft in Tschechien. Money, Money, Money – das Geld regiert überall.

Es ist ein riskantes Spiel, das der Fußball derzeit spielt. Die Bundesliga kassiert jetzt auch Milliarden über das Fernsehen, aber dieses Geld stößt anderweitig sauer auf. Immer drängender wird die Frage, ob die Fußballvereine nicht für den Polizei-Einsatz zahlen müssen. Immer mehr Leute sehen nicht ein, dass die öffentliche Hand Gelder zum Bau von Fußball-Stadien in die Hand nimmt. Darf der Staat die reiche Unterhaltungsindustrie Fußball unterstützen? Dazu kommen die Probleme mit den Hooligans, die vor Gewalt nicht zurückschrecken und manchen davon abhalten können, auf einen Besuch im Stadion zu verzichten. Dann aber wird es gefährlich: Weniger Leute im Stadion, keine Zuschauer mehr vor den Bildschirmen (im ZDF sahen bisher 7 – 9 Millionen Zuschauer die Champions League, auf Sky höchstens 2 Millionen), da ist der Werteverlust programmiert. Money, Money, Money kommt in den großen Geldspeicher. Dagobert schwimmt im Geld, der Fußball geht in der Geldmenge vielleicht eines Tages unter. Vernunft wäre ein guter Rettungsring.

Weltverband verhindert Handball-Euphorie

 

Der Sport-Grantler hat diesen Zustand schon oft angeprangert und er fühlt sich in diesen Tagen wieder bestätigt: Gerade die Verbandsfunktionäre haben nicht die Weiterentwicklung ihres Sportes im Auge, sondern sind kurzfristig nur auf ihren eigenen und den finanziellen Vorteil ihres Verbandes bedacht. Diese Engstirnigkeit ist für die Zukunft ihres Sportes schädlich. Aktuelles Beispiel: Der Weltverband verhindert eine Handball-Euphorie!

Am Mittwoch, 11. Januar, beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Mit dabei ist Deutschland, was keine Selbstverständlichkeit ist. Vor zwei Jahren in Katar hatte die DHB-Auswahl die Qualifikation verpasst, bekam vom Weltverband aber eine „Wildcard“, weil der deutsche Markt doch so wichtig sei. In diesem Jahr ist Deutschland nicht so wichtig, dabei hat sich die deutsche Mannschaft unter ihrem Trainer Dagur Sigurdsson so positiv entwickelt.

Platz sieben in Katar war der Start für einen unvergleichlichen Aufschwung. Deutschland wurde vom Fußball- zum Handball-Land, als die „Bad Boys“, so nennt Sigurdsson seine Spieler, vor einem Jahr im Finale der Europameisterschaft gegen Spanien sensationell den Titel holten. 15 Millionen Zuschauer saßen begeistert vor den Fernschirmen, eine unvorstellbare Zahl, die jeden Tatort schlug und sonst nur vom Fußball erreicht wird. Die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war noch eine freudige Zugabe. Handball im Aufwind.

Jetzt muss der Deutsche Handball-Bund wieder einen Abwind befürchten. Es ist Weltmeisterschaft und eine breite Öffentlichkeit wird dies gar nicht oder nur wenig merken. Fernsehbilder gibt es in Deutschland keine, weil der Weltverband die TV-Rechte an die katarische Firma beIN Sports vergeben hat. Und die bestand bei den Verhandlungen über Fernsehbilder darauf, dass eine Ausstrahlung über die Grenzen Deutschlands hinaus verhindert werden muss. Das konnte kein Sender leisten und auch der Bezahlsender Sky, vor zwei Jahren kurzfristig eingesprungen, zeigte kein Interesse. Die Deutsche Kredit-Bank (DKB) als Sponsor des Verbandes landete zwar noch einen Coup damit, dass sie sich die Rechte für eine Internet-Übertragung sicherte, aber die Masse wird www.handball.dkb.de kaum zuschauen. Eine Handball-Euphorie kann so kaum entstehen.

Das sollten sich alle Verbandsfunktionäre einmal merken: Bei der Vergabe der TV-Rechte muss vor allem eine weite Verbreitung gewährleistet sein, sonst kann der Sport keine Breitenwirkung erzielen, kann vor allem die Jugend nicht erreichen, um die Zukunft zu sichern. Reichweite muss vor großer Kasse stehen.

Es ist Schicksal, dass die deutsche Mannschaft bei dieser WM statt wie zuletzt nicht zu den Außenseitern gehört, sondern zum kleinen Kreis der Favoriten, zu dem Gastgeber Frankreich, Spanien, Olympiasieger Dänemark und vielleicht noch Kroatien zu zählen sind. 24 Nationen sind am Start, gespielt wird in vier Gruppen, die jeweils vier besten Teams qualifizieren sich für das Achtelfinale (ab 21. Januar). Deutschland trifft auf Ungarn, Chile, Saudi-Arabien, Weißrussland und Kroatien und hat wohl nur Kroatien zu fürchten. Der Gegner kommt dann aus der Gruppe D (Erster gegen Vierter usw.), wo vor allem Dänemark als Favorit gilt, aber auch Schweden, Katar, Ägypten und Argentinien müssen beachtet werden. Das Halbfinale gilt als Ziel zum Abschied von Dagur Sigurdsson, das Finale am 29. Januar wäre ein Traum – nur für die Handball-Fans hierzulande nicht, weil sie es im Fernsehen nicht verfolgen können.

Die Weltmeisterschaft ist das Abschiedsturnier für den Bundestrainer aus Island, der sich für eine Zukunft in Japan entschieden hat. In 28 Monaten hat er dem deutschen Handball neues Leben eingehaucht, hat Erfolge erzielt, obwohl die Mannschaft jeweils vom Verletzungspech gebeutelt wurde. Nie, auch jetzt nicht in Frankreich, konnte er seine beste Mannschaft an den Start bringen, aber er hat alle Hürden glänzend gemeistert. Nur an einer Hürde scheiterte er: Am Weltverband, dem nicht an einer Handball-Euphorie gelegen ist, sondern vor allem an einer vollen Kasse. Schade für den Deutschen Handball.

In der Doping-Falle: Geht Olympia den Bach runter?

 

Mit Glanz und Gloria gingen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zu Ende, aber einen Olympia-Rausch gab es in Brasilien nicht. Der Kater wird dennoch kommen. „Wunderbare Spiele in einer wunderbaren Stadt“ schwärmte IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und benahm sich dabei wie ein Tourist. Es waren eher seltsame Spiele im Schatten des Dopings, des Chaos, vieler Pannen und leider auch oft halbleere Zuschauertribünen mit einem teilweise unfairen Publikum. Es waren aber auch Spiele der Herzlichkeit, der Offenheit und der Lebensfreude. Beachvolleyball an der Copacabana sorgte für Gänsehaut.

Doch was kommt danach? Die Bevölkerung von Rio wird sich über eine bessere Infrastruktur freuen, die Stadt aber auf einem Haufen Schulden sitzen bleiben. Ein paar reiche Unternehmer haben den Reibach gemacht, für die Armen in den Favelas ist keine Besserung in Sicht. Brasilien wird einst dennoch stolz auf die ersten Olympischen Spiele in Südamerika zurückblicken können, nach dem Motto: Wir haben es geschafft. Das Positivste: Es gab keinen terroristischen Anschlag, wenn auch die Kriminalität trotz der besonderen Sicherheitsmaßnahmen allgegenwärtig war.

Was danach kommt, muss sich vor allem das Internationale Olympische Komitee fragen. Es sitzt nämlich in der Doping-Falle. Wenn diese Problematik nicht energisch angegangen wird, geht Olympia früher oder später buchstäblich – nomen est omen – den Bach runter. Künftig muss Doping noch mehr geächtet und vor allem strenger sanktioniert werden. Das IOC gab ein schlechtes Beispiel ab, als der russischen Mannschaft nicht komplett der Start verweigert wurde. Manche Sportarten gelten absolut als Dopingverseucht. Hier muss aufgeräumt werden. Es muss wirksame Sperren geben und Verbände, die den Betrug nicht verhindern können, müssen ausgeschlossen werden. So zum Beispiel Gewichtheben, wo Bulgarien und Aserbaidschan ausgeschlossen waren, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und die Türkei nur durch die Hintertür reinkamen und auch Russland, Usbekistan, Moldawien, Rumänien und die Ukraine, die des systematischen Betrugs bezichtigt werden. Sie haben bei Olympia nichts zu suchen! Das IOC muss bereits im Hinblick auf die Winterspiele 2018 Härte zeigen!

Dies nur als Beispiel. Würde betrügerische Nationen ausgeschlossen, wäre der Gigantismus der Spiele kein Problem mehr. Wenn aber schon die Doping-Kontrollen lückenhaft durchgeführt werden, wird sich das IOC aus der Doping-Falle nie befreien können. Angeblich sollen in Rio Athleten verwechselt worden sein, Kontrolleure seien gar nicht erschienen und bei Kontrollen wäre geschlampt worden. Fremde Personen sollen bei den Kontrollen anwesend gewesen sein. Dem Betrug wurden Tür und Tor geöffnet. Ein effektiver Kampf gegen das Doping sieht anders aus.

Olympia bleibt aber ein Fest des Sports für die Sportler. Wer selbst die amerikanischen Basketball-Millionäre gesehen hat, wie sie sich über ihre Goldmedaille wie kleine Kinder gefreut haben, der hat ein bisschen was vom Zauber Olympias gespürt. Olympia muss den Sportlern erhalten bleiben, aber der Sport-Grantler hat es schon öfters angeprangert: Viele Funktionäre sind der größte Feind des Sports, weil sie ihn nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, anstatt dem Sport zu dienen, wie es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte.

Deutsche Medaillen mit zwei Seiten

Auch die deutsche Olympia-Bilanz fällt zwiespältig aus. Medaillenzähler stellen fest, dass 42 Medaillen gegenüber den 44 von London 2012 ja nicht so schlecht sind, zumal 17 Goldmedaillen gegenüber elf von London quasi eine Wertsteigerung bedeuten. Einzelne Verbände müssen sich jedoch Gedanken machen, was sie in Zukunft besser machen können. Vor allem Schwimmer und Fechter befinden sich in einer tiefen Krise, Kanuten, Reiter und Schützen retteten Deutschlands Medaillenbilanz. Auffallend ist, dass alle teilnehmenden Mannschaften mit einer Medaille nach Hause fahren. Das passt zu dem Trend, dass die Jugend vielfach das Gemeinschaftserlebnis in Mannschaftssportarten sucht. Fechten zum Beispiel hat das Problem, dass es nur wenig Angebotsmöglichkeiten für die Jugend gibt.

Der Deutsche Sport-Bund sollte sich an Großbritannien orientieren, dort wurde die Förderung vor den Spielen in London extrem gesteigert und die Erfolge wurden in Rio wiederholt. Großbritannien war hinter den USA und noch vor China die zweitbeste Nation. Deutschland landete 17 Gold, 10 Silber und 15 Bronze auf Rang vier, wird in ein paar Jahren aber als Vierter gewertet werden, dann nämlich, wenn die eingefrorenen Dopingproben mit neuen Methoden untersucht werden und Russland (18-17-18) wohl einige Medaillen verlieren wird…

Zwiespältig wird auch die Bilanz der deutschen Fernsehsender ARD und ZDF ausfallen. Sie erlebten vielleicht zum letzten Mal einen Olympiaboom bei den Zuschauerquoten. Deutschland zeigte sich an den Bildschirmen von Olympia begeistert, fast durchgehend schaute jeder Fünfte Olympia an, die Quoten erreichten in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer. 2018 in Pyeongchang in Südkorea und 2020 in Tokio stehen die Sender allerdings im Abseits. Der US-Konzern Discovery hat sich die Rechte gesichert und will über Eurosport hierzulande berichten. Die Verhandlungen über Sublizenzen gestalten sich als schwierig. Sollten ARD und ZDF künftig außen vor sein, dann würden die sogenannten Randsportarten in Deutschland darunter leiden, denn beide Sender haben bereits angekündigt, dass sie dann auch die nationalen Übertragungen reduzieren würden. Das IOC hätte dann in seiner Geldgier wieder einmal den kleineren Verbänden geschadet. Kanuten, Schützen und andere erleben nur alle vier Jahre eine besondere Aufmerksamkeit, ansonsten führen sie ein Schattendasein. Auch hier geht also der Sport dann den Bach runter…