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Tag: Real Madrid

Duell Dortmund – Bayern: Es geht um alles!

In der Fußball-Bundesliga sind erst zehn von 34 Spieltagen absolviert, doch das Gipfeltreffen Borussia Dortmund – Bayern München am Samstag (18.30 Uhr) hat bereits den Charakter eines Endspiels. Es geht um alles – vor allem natürlich für den FC Bayern, der als Titelverteidiger dem Rivalen aus dem Ruhrpott hinterher hechelt und am vergangenen Wochenende mit dem 1:1 gegen Freiburg nicht nur Boden verloren hat, sondern auch den Rückkehr der Krise verkraften muss. In Dortmund sieht es ganz anders aus, quasi das Gegenteil ist der Fall: In 15 Pflichtspielen ist die Borussia unter dem neuen Trainer Lucien Favre noch ungeschlagen, Höhenflug statt Krise also. Gewinnt Dortmund, kann es den Vorsprung auf sieben Punkte ausbauen!

Rückblende: In den letzten sieben Jahren waren die Bayern nach dem 10. Spieltag jeweils Tabellenführer! Schlechter sah es nur in der Saison 2010/11 aus, mit Platz 7 und 10 Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund. Trainer war damals Louis van Gaal. Am 11. Spieltag gab es ein 3:3 in Gladbach, mit dem Abrutschen auf Platz 9 und12 Punkte Rückstand auf Dortmund.

Früher hieß es bei dem Star-Ensemble der Münchner, diese Mannschaft könnte auch der Platzwart trainieren. Man sah zuletzt, dies gilt nicht mehr. Niko Kovac hat sein „Meisterstück“ mit dem Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt (gegen die Bayern!) gemacht und sich damit empfohlen. Mit der Ansammlung der Stars hat er aber offensichtlich seine Probleme. Verloren gegangen ist der spielerische Glanz, mit dem die Bayern einst unter Pep Guardiola beeindruckten, weggeblasen ist das Selbstbewusstsein, das „mia san mia“, das noch unter Jupp Heynckes zum Titelgewinn führte. Abgelöst wurde es von Unsicherheit und Unzufriedenheit, „Markenzeichen“ heute sind schlampige Pässe, Fehler in der Abwehr und mangelnde Chancenverwertung. Klingt eigentlich nach den Sorgen eines Absteigers.

Bezeichnend: Nationaltorhüter Manuel Neuer bekommt kaum einen Ball zu fassen, von den letzten zehn Schüssen waren acht im Netz. Torjäger Robert Lewandowski ging die Selbstverständlichkeit verloren, bei einer entscheidenden Szene vor dem Freiburger Tor musste er nachdenken, ob er den linken oder rechten Fuß nimmt – Chance vorbei. Wenn ein Torjäger nachdenkt, trifft er nicht. Die Versetzung von Joshua Kimmich als Thiago-Ersatz (im Pokalspiel verletzt) ins Mittelfeld erwies sich als Flop, Kimmich produzierte fast nur Fehlpässe, aber Kovac reagierte nicht. Ein Problem ist auch, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic keine Führungsstärke zeigt, um dem Trainer zur Seite zu stehen, die Spieler an die Kandare zu nehmen. Vier Heimspiele in Folge konnten die Bayern jetzt nicht gewinnen, wenn das keine Krise ist. Das lässt auch nichts Gutes erahnen für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen AEK Athen, obwohl die Bayern das Hinspiel mit 2:0 gewannen. Auswärts sind sie auch in der Bundesliga noch das stärkste Team. Ein Hoffnungsschimmer für Dortmund?

Eins ist sicher: In Dortmund geht es um alles. Es folgt die Länderspielpause und damit Zeit für die Verantwortlichen, sich nach einem Nachfolger für Niko Kovac umzusehen, der die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringt (Jupp Heynckes wird es wohl kaum sein!). Nur ein Sieg rettet wohl den Coach. Er muss seinem Team endlich seine Handschrift verpassen, er muss taktisch zeigen, dass er der Aufgabe gewachsen ist. Dortmund hat in dieser Woche auch die Leichtigkeit verloren, aber der Tabellenführer machte das, was bisher die Bayern auszeichnete und zum Erfolg führte: Schlechte Spiele dennoch gewinnen.

Von Siegen träumen auch andere Teams, am Tabellenende drohen die Schlusslichter Stuttgart und Düsseldorf (die kurioserweise beide 0:3 verloren und gleichauf blieben) und Hannover (mit sechs Punkten einen Zähler mehr) den Anschluss nach oben zu verlieren. Die Saison ist zwar noch lang, aber sie wird besonders schwer, wenn der Rückstand zu groß wird. Insofern stehen da auch zwei „Endspiele“ an, nämlich Nürnberg gegen Stuttgart und Hannover gegen Wolfsburg, Für Düsseldorf könnten die Punkte gegen Hertha BSC besonders hoch hängen.

Hirngespinst „Super League

Geht es auch für die Bundesliga um alles? In den letzten Tagen geisterte wieder einmal das Hirngespinst einer europäischen „Super League“ durch die Medien. Offensichtlich arbeitet vor allem Real Madrids Vereinsboss Perez an der Umsetzung einer alten Idee der Spitzenklubs, die immer wieder aufmucken, weil sie sich mit dem „Fußvolk“ der nicht ganz so großen Vereine nicht abgeben wollen. Doch der Drang nach der große Kasse wurde bisher immer von der Vernunft und der Realität gebremst und so wird es auch diesmal wieder sein. Allein die gesamte Organisation würde in Unordnung geraten, die Pläne-Schmieder konnten nicht beantworten, was zum Beispiel mit den Nationalspielern passiert, wenn sie die Verbände verlassen wollen. Eine eigene Luxus-Liga gerät schnell an ihre Grenzen.

Und so wird es auch für die Bundesliga nicht um alles gehen, auch wenn Beteuerungen aus Dortmund und München, die nationale Liga nicht verlassen zu wollen, keineswegs eine Garantie für die Zukunft sind. Die Super League könnte nur an die Stelle der Champions League treten, wäre aber auf Dauer selbst bei großer Gewinn-Marge am Ende sportlich und gesellschaftlich eher ein Verlustgeschäft.

Dem Fußball würde es mehr helfen, wenn sich auch die geldgierigen Vereinsbosse damit beschäftigen würden, Korruption und unlautere Geschäfte zu ahnden bzw. zu verbannen. Was rund um FIFA-Präsident Infantino erneut an die Öffentlichkeit kam, lässt nur einen Schluss zu: Beim Weltverband wurde unter dem neuen Präsidenten alles nur noch korrupter und schlechter. Eine Tatsache, die nach der Ära Josef Blatter eigentlich als undenkbar schien. Aber das wurde hier schon oft angeprangert.

Fußball in Europa: Krisen und Spannung

Die Punktrunden in Europas Fußball haben Pause, wieder steht eine Länderspielpause an, die diesmal mit der neuen Nations League gefüllt wird. Für die Fans die Gelegenheit, ein bisschen durchzuschnaufen, für viele Klub-Bosse eher die Gelegenheit zu meckern: Ihnen gefällt die Unterbrechung der Meisterschaft gar nicht. Immerhin dreimal gibt es diese Länderspielpausen im Herbst, wenig Willkommen sind sie dann, wenn es in den Ligen gerade Spannung pur gibt. Und dies ist diesmal durchaus der Fall, dort Krisen, da Spannung, ein Blick auf den Fußball in Europa lohnt sich.

Spannung gibt es meist dann, wenn die Favoriten überraschend schwächeln, so wie vor allem Bayern München in der Bundesliga. Der Abonnement-Meister der letzten sechs Jahre ist offensichtlich ein bisschen satt geworden oder Verein und Spieler haben den Trainerwechsel von Altmeister Jupp Heynckes auf den relativ unerfahrenen, am 15. Oktober 47-Jährigen Niko Kovac nicht verkraftet. Der Start mit Siegen in Serie ist nach vier Pflichtspielen ohne Sieg und nur Rang sechs in der Bundesliga vergessen. Die Bayern weinen, die Liga lacht, endlich gibt es wieder Spannung in Deutschland. Und das Beste an der Sache ist: Diejenigen, die vorne stehen, egal ob Tabellenführer Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Hertha BSC Berlin spielen alle durchaus ansehnlichen Fußball. Also wieder Hoffnung in der Bundesliga. Selbst in München. Dort allerdings, die Hoffnung, dass die Krise schnell gemeistert wird. Mehr Spannung geht nicht.

Oder doch? In England sind sie froh, dass die Spannung auch wieder zurückgekehrt ist. Der Alleingang von Manchester City im Vorjahr ist vergessen und war auch im Vorfeld nicht mehr zu erwarten. Die Premier League brüstet sich ja immer damit, dass es in keiner anderen Liga solch ein breites Favoritenfeld gibt wie auf der Insel. Und weil dort auch das meiste Geld fließt, es aber nicht nur deshalb viele Spieler nach England zieht, ist schnell von der besten Liga der Welt die Rede. Ein bisschen kann man sich bestätigt fühlen, mit Manchester City, Chelsea London und dem FC Liverpool liegen drei der Favoriten mit 20 Punkten nach acht Spielen gleichauf, dahinter lauern mit Arsenal London und den Tottenham Hotspur weitere zwei Titelanwärter nur zwei Zähler zurück. Allein Manchester United hat aus diesem Kreis den Anschluss verloren (nur 13 Punkte), dafür sorgt Trainer Jose Mourinho für die größten Schlagzeilen. Man muss halt im Gespräch bleiben. Das wird die Premier League aber auch ohne den exzentrischen Portugiesen.

Beste Liga? Die größten Stars kann England nicht vorweisen. Mbappe und Neymar spielen in Paris, Spanien hat immer noch Messi und mit Luka Modric den aktuellen Welt-Fußball des Jahres, obwohl Cristina Ronaldo La Liga verlassen hat. Er heuerte aber nicht in England an, sondern in Italien. Dort sorgt er eher dafür, dass keine Spannung aufkommt und Juventus Turin weiterhin der Seriensieger bleibt. Sehr zum Leidwesen, der Klubs aus Rom, Mailand und Neapel. Auch in Frankreich keine Spannung, Paris St. Germain mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel, hat nach neun Spieltagen mit der vollen Punktausbeute von 27 Zählern bereits acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten OSC Lille.

Da geht der Blick doch leichter nach Spanien, gemäß der UEFA-Rangliste die stärkste Liga in Europa und damit wohl auch in der Welt. La Liga hat die Abgänge von Cristina Ronaldo und auch Iniesta (nach China, um noch ein bisschen Geld zu verdienen) nicht verkraftet. Aber dadurch, dass sich der FC Barcelona und vor allem Real Madrid nicht in Bestform präsentieren, steigt die Spannung. Das Tabellenbild ist ungewohnt, der FC Sevilla, führt vor dem FC Barcelona, Atletico Madrid und dem Lokalrivalen Real, das zudem punktgleich mit Espanyol Barcelona und Deportivo Alaves ist. Kein Wunder, dass der als Nationaltrainer erfolgreiche Julen Lopetegui als Real-Coach in die Schusslinie geraten ist, die Fans trauern Zinedine Zidane nach, der ihnen dreimal hintereinander die Champions League gewann. Das ist Lopetegui natürlich auch noch möglich, die Frage ist, ob er die Zeit bekommt. Ein Phänomen von Real ist es ja, dass nationale Krisen an der Mannschaft international vorbeigehen. Die Mannschaft kann sich offensichtlich punktgenau auf die entscheidenden Spiele der Champions League konzentrieren (manchmal hilft allerdings auch in bisschen Wohlwollen der Schiedsrichter).

Überhaupt schwebt die Champions League als großer Unbekannter über den nationalen Meisterschaften. Endgültig abgerechnet wird am 1. Juni 2019 in Madrid (im Stadion von Atletico), wenn der Henkelpott vergeben wird. Wer ihn in die Höhe halten kann, hat die Saison gerettet, egal welche nationale Krise es vorher gegeben hat. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, mit vielen Krisen und hoffentlich auch viel Spannung. Und natürlich Länderspielpausen.

Dortmund Meister des Comebacks – Bald Comeback als Meister?

Es war eines der spektakulärsten Spiele der Bundesliga-Geschichte und nicht nur rein zufällig war Borussia Dortmund beteiligt. Beim 4:3 gegen den FC Augsburg, mit dem Siegtreffer durch einen Freistoß in letzter Sekunde, zeigt der noch ungeschlagene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga alles, was den Fans gefällt und zum Erfolg führt: Schwung, Punch, Begeisterung. Trainer Lucien Favre war nicht glücklich über die Anzahl der Gegentreffer, aber glücklich über das Spiel: „Fantastisch“.

Die junge Dortmunder Mannschaft (im Schnitt gerade mal 23,8 Jahre alt) beeindruckt mit den jungen Flügelflitzern Sancho, Pulisic und Brunn Larsen (geführt von Kapitän Marco Reus), zeigt sich andererseits aber unbeeindruckt von Rückständen und beweist sich als Meister des Comebacks, als Meister der zweiten Halbzeit (in Leverkusen 4:2 nach 0:2) und der letzten Minuten. Die Moral bleibt scheinbar ungebrochen. Und der Trainer hat ein glückliches Händchen, was Joker-Tor en masse beweisen, und er hat den Spanier Alcacer. Der Torjäger wurde vom FC Barcelona ausgeliehen und wird von Favre erst im Laufe des Spiels aufs Feld geschickt, aber dann kracht es. Mit sechs Treffern führt er die Bundesliga-Torschützenliste an. Favre will den Torjäger, der auch das Comeback in der Nationalmannschaft feiern kann, langsam aufbauen: „Er hat drei Jahre lang kein Spiel über 90 Minuten bestritten.“

Die Augsburger mussten sich vorkommen wie im falschen Film. Sie machten ihrem Ruf als „nervigste Mannschaft der Bundesliga“ alle Ehre, ärgerten nach den Bayern (1:1) auch Dortmund, führten 1:0 und 2:1, glichen in der 87. Minute zum 3:3 aus und mussten doch mit leeren Händen abreisen, weil Alcacer in der 6. Minute der Nachspielzeit einen Freistoß durch die sich auflösenden Mauer ins Netz donnerte. Mitspieler berichten, „das macht er im Training auch immer so“. Beim FCA dagegen ist fast Verzweiflung angesagt, wieder gut gespielt, wieder Lob, wieder keine Punkte. Acht sind es bisher in sieben Spielen, vier wurden schon durch Torwartfehler verschenkt und jetzt dies. Der FCA könnte Sechster sein, nicht Zehnter wie aktuell, mit nur drei Zählern Abstand zu den Abstiegsplätzen.

Sechster ist, man höre und staune, der FC Bayern München. Die Lust am Oktoberfest ist den Münchnern am Sonntag zwar nicht vergangen, aber der Frust sitzt tief, Trainer Niko Kovac aber angeblich noch fest auf seinem Trainerstuhl. Präsident Uli Hoeneß hat ihm die Absolution erteilt, „ich werde ihn bis aufs Blut verteidigen“ – aber wie lange noch. Die Länderspielpause muss zur Ursachenfindung genutzt werden, aber schon seltsam, dass alle Stärken der ersten vier Spiele wie weggeblasen sind. Da ist vor allem auch Hasan Salihamidzic als Sportdirektor gefordert, der bisher nur Allgemeinplätze von sich gab („Wir werden gestärkt zurückkommen“).

Bayern nur Sechster, das gab es zuletzt 2010 unter Trainer Louis van Gaal, als die Bayern zum Oktoberfest nach drei Niederlagen 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mainz (!) hatten und gerade mal Zwölfter waren. Diesen Absturz soll es nicht wieder geben, aber die Bayern präsentieren sich als das Gegenteil von Dortmund: Teilnahmslos, müde und erschreckend harmlos. Beim 0:3 gegen Gladbach traf der Gegner wie er wollte, wurden die Punkte mit eklatanten Fehlern quasi auf dem Silbertablett serviert, aber die Bayern selbst kamen kaum einmal zu gefährlichen Aktionen. Die Wende soll ab dem 20. Oktober in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, danach geht es zum Schlagerspiel nach Dortmund. Der Tabellenführer selbst hat Stuttgart, Hertha BSC und ebenfalls Wolfsburg vor der Brust, könnte also ungeschlagen auf die Bayern treffen – und dann die Weichen stellen für ein weiteres Comeback, für das Comeback als Meister!

Stuttgarts seltsame Tradition

Alles schaute auf die Bayern und was mit Trainer Niko Kovac passiert, da war ein anderer Verein mit der Entlassung seines Coaches schon schneller: Beim VfB Stuttgart brach nach dem Absturz auf den letzten Platz die Panik aus und Trainer Tayfun Korkut musste gehen. Seltsam, es hat fast schon Tradition beim VfB, dass der Trainer im Herbst gehen muss. Seit 2008 wurden sieben Coaches in dieser Zeit geschasst. Seltsame Parallelen auch, meist nach erfolgreicher Arbeit in der Rückrunde, also im Frühjahr. Korkut wurde wohl die defensive Spielweise zum Verhängnis. Markus Weinzierl, seit seinem Schalke-Gastspiel arbeitslos und einst in Augsburg erfolgreich, wird als heißer Nachfolger gehandelt. Vor einem Jahr wollte er keinen Vertrag nur bis Saisonende unterschreiben. Viel mehr wird es in Stuttgart aber sowieso nicht… Der nächste Herbst kommt bestimmt.

Was auffällt, ist, dass die Bayern nicht die einzige Spitzenmannschaft in Europa sind, die als Anwärter auf den Sieg in der Champions League gilt, aber mit Problemen zu kämpfen hat. Frust schiebt auch Real Madrid, drei Niederlagen in den letzten vier Spielen bringen Trainer Lopetegui in die Schusslinie, der Abgang von Cristiano Ronaldo wurde offensichtlich nicht verkraftet. So ist Real in der La Liga nur Vierter, zwei Punkte hinter Überraschungstabellenführer FC Sevilla, weil auch Titelverteidiger FC Barcelona mit Messi nicht richtig in die Spur findet und sich vorerst mit Platz zwei zufrieden geben muss. Seltsam, dass die Barca-Stars schon im Oktober müde wirken. Dabei hatten sie doch gar kein Oktoberfest.

Deutschland auf Platz eins

Real patzte auch in der Champions League mit der 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau, was die Krise noch ein bisschen ernster macht. Barca zeigte sich da mit einem 4:2-Erfolg bei den Tottenham Hotspur voll auf der Höhe. Wie übrigens auch die deutschen Klubs, die sich in dieser Saison auf Europas Bühne von der besten Seite zeigen und wirklich Wiedergutmachung für die UEFA-Rangliste betreiben. Deutschland führt derzeit die Jahresliste sogar an. Getrübt wurde die Bilanz nur durch das unglückliche und verletzungsgeplagte Hoffenheim mit einem 1:2 gegen Pep Guardiolas Manchester City und eben durch die Bayern, für die das 1:1 gegen Ajax Amsterdam fast schon eine Niederlage war, aber auch eine Bestätigung der Krise, die sich gegen Gladbach noch verschärfte. Insgesamt aber nehmen die Bundesliga-Klubs die Wettbewerbe in Champions- und Europa League offensichtlich wieder ernsthafter und mit Erfolgshunger an. Wird ja auch Zeit.

Löws Kampf gegen den Abstieg

Erfolgshunger muss die deutsche Nationalmannschaft auch zeigen, in der Nations League, die jetzt in der zweiten Länderspielpause in den Mittelpunkt rückt. Zwei richtungsweisende Spiele stehen für Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs an, nämlich am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande und am Dienstag, 16. Oktober, in Paris das Rückspiel gegen Weltmeister Frankreich (Hinspiel 0:0). Gerade gegen die Niederlande geht es schon um den Klassenerhalt in der Dreier-Gruppe. Es treffen da zwei Teams aufeinander, die zuletzt Probleme hatten. Die Niederlande sicherlich noch mehr, aber so richtig Zutrauen zum DFB-Team und Jogi Löw haben die deutschen Fans auch noch nicht.

So sorgte der Bundestrainer für Verwirrung mit der Nominierung von Stürmer Mark Uth, der bei Schalke oft nur auf der Ersatzbank sitzt. Als er in Hoffenheim zum Torjäger mutierte, zeigte ihm Löw noch die kalte Schulter. Eine erhebliche Schwächung stellt die Absage von Marco Reus da, der Dortmunder Kapitän klagt über Kniebeschwerden und will sich schonen. Der Verein geht vor. Nach Özils Rücktritt und da auch Gündogan verletzt ausfällt, wird ein Spielgestalter neben Toni Kroos gesucht. Möglich, dass der 19-Jährige Leverkusener Kai Havertz ins kalte Wasser geworfen wird. Hoffentlich geht dann Deutschland mit ihm nicht unter. Wäre ja blöd, wenn sich die Fans in der Niederlande revanchieren könnten, für die beliebten Gesänge in Deutschland: „Ohne Holland fahr’n wir zur WM!“

Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs

Eigentlich freuen sich die Fußball-Fans drauf, aber die Funktionäre sorgen dafür, dass die Freude auf die neue Champions-League-Saison getrübt wird. Überschattet wird der Start am Dienstag, 18. September, von der Diskussion um einen dritten europäischen Pokal-Wettbewerb. Nach Champions League (CL) und Europa League (EL) soll 2021 pünktlich zu den neuen Fernsehverträgen ein dritter Pokal ausgespielt werden, damit auch die kleinen Verbände bzw. Vereine „ihren“ Cup haben. Da ist der Sport-Grantler aber gespannt, wie der Wettbewerb heißen wird, die „Liga der Kleinen“ vielleicht? Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat es auf den Punkt gebracht: „Wer sich rar macht, ist wertvoll, hier wird der Sport verwässert.“ Es ist wie immer: Ein neuer Wettbewerb wird eingeführt, damit die großen Funktionäre bei der nächsten Wahl die Stimmen der Kleinen bekommen. Darauf einen Cup!

Bleiben wir also bei der Champions League, bei der Königsklasse. Schon die Europa League hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ verunglimpft, die Bedeutung aber damit deutlich herausgestellt. In der CL aber dürfen sich die Fußball-Fans in der neuen Saison auf neue Spannung freuen. So richtig allerdings erst – wie immer – nach der Gruppenphase, im Herbst sind die echten Highlights dünn gesät, eins davon allerdings zum Start, wenn in der Gruppe C Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Kollegen Thomas Tuchel mit Paris St. Germain erwartet. Das elektrisiert natürlich auch die deutschen Fans. Damit sind aber schon zwei Vereine genannt, die auch am Ende im Blickpunkt stehen wollen und die mit einigen anderen Konkurrenten nur ein Ziel haben: Den Hattrick-Sieger Real Madrid entthronen und selbst den Pokal holen. Also: Alle gegen Real!

Die üblichen Verdächtigen, also die Favoriten, werden auch in diesem Jahr wieder genannt. Eine große Rolle traut man vor allem Juventus Turin zu, nachdem sich die Italiener den Weltfußballer Cristiano Ronaldo geangelt haben. Vorne dran aber vor allem die Engländer, wo sich alle Starter Titelhoffnungen machen: Manchester City, Manchester United, FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Mittendrin auch wieder der FC Bayern München, der eine konträre Transferpolitik betrieb, kein Geld für Neue ausgeben, lieber sparen und dennoch verdeutlicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge das Ziel: Wir wollen den Pott. Alle gegen Real, natürlich auch die spanischen Konkurrenten FC Barcelona und Atletico Madrid, das mit seinem Stadion am 1. Juni 2019 quasi Gastgeber ist. Das muss doch interessant werden, allerdings so richtig wie gesagt erst im Frühjahr. Die Gruppenphase kann allein die Wartezeit verkürzen.

Die Bundesliga ist in den europäischen Wettbewerben dabei, aber eigentlich – außer den Bayern – nicht mehr mittendrin. Die letztjährige Pleite ist unvergessen, die Bundesliga verlor den vierten Platz in der UEFA-Rangliste an Italien und wird jetzt bedrängt von Frankreich. Deshalb befinden sich die sieben Klubs auf der internationalen Bühne auf Wiedergutmachungskurs. Neben den Bayern heißt es für Borussia Dortmund, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim in der CL sowie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League punkten, die Gruppenphase überstehen und damit auch wieder etwas für die Rangliste tun. Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die Reputation der Bundesliga und des deutschen Fußballs insgesamt, der bekanntlich in diesem Sommer ziemlich gelitten hat. Trainer, Spieler und Fans sollten sich eines deutlich machen: Europa ist keine Mehrfachbelastung, sondern eine zusätzliche Belohnung!

Die Gruppen-Auslosungen sorgten eigentlich dafür, dass die deutschen Klubs hoffen dürfen. Bayern München ist in der Gruppe E gegen Ajax Amsterdam, AEV Athen und Benfica Lissabon klarer Favorit, Schalke 04 hat mit FC Porto, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau zwar drei Meister, aber keinen echten Brocken erwischt. Borussia Dortmund hat es da schon schwerer, Atletico Madrid ist ein echter Stolperstein, aber auch AS Monaco kann es sein, dazu geht es gegen Club Brügge. Bei Neuling Hoffenheim muss man abwarten, wie sich die Mannschaft im neuen Umfeld einfindet, dazu geht es gegen Pep Guardiola und Manchester City, einen der großen Favoriten. Aber auch Olympique Lyon und Schachtor Donezk sind nicht zu unterschätzen. Das Ausscheiden wäre keine Überraschung.

In der Europa League haben die deutschen Klubs fast schon seit Menschengedenken nichts mehr zuwege gebracht. Da ist der Wiedergutmachungskurs besonders notwendig, die Hoffnungen ruhen dabei auf Bayer Leverkusen, trotz des schlechten Starts in der Bundesliga. Larnaka, FC Zürich und Rasgrad sind schlagbare Gegner. Der RB Leipzig musste durch die Qualifikationsmühle und hat fast in letzter Sekunde bestanden. Der Lohn der Auslosung: „Bruderduell“ gegen den FC Salzburg, der nicht mehr Red Bull heißen darf, dazu gibt es Trondheim und Celtic Glasgow. Bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist die Euphorie nach dem Coup gegen die Bayern inzwischen verflogen, dabei könnten die Hessen ein bisschen Elan gegen Limassol, Marseille und Lazio Rom schon brauchen. Zweifellos die schwerste Gruppe der deutschen Teilnehmer. Das Finale wird übrigens am 29. Mai in Baku gespielt. Ob da ein deutscher Vertreter dabei ist?

Nicht alles, aber doch das Eine oder Andere ist neu in der CL. Auffallend die Anfangszeiten, es geht nicht mehr einheitlich um 20:45 Uhr los, sondern es gibt zwei Startzeiten: 18.55 Uhr und 21.00 Uhr. Eine Entzerrung zugunsten des Fernsehens und zulasten der Fans – wie es im Fußball halt so ist. Deshalb gibt es auch wieder mehr Geld, 15,25 Millionen Euro kann jeder Verein schon für die Gruppenphase einplanen, jeder Sieger bekommt statt bisher 1,5 Millionen Euro jetzt sogar 2,7 Millionen. Geld statt Ehre als Anreiz! Gewinnt ein Verein alle Spiele, kann er am Ende 82,45 Millionen Euro einstreichen. Mit rund 70 Millionen kalkulieren auch die Bayern, wenn sie wieder einsamer deutscher Vertreter wären.

Die Klubs streichen ein, die Fans sollen zahlen. Nicht nur in den Stadien, sondern auch an den Bildschirmen. Engländer oder Italiener sind dies zum Beispiel gewohnt, die deutschen Zuschauer müssen sich komplett umstellen. Im freien Fernsehen gibt es kein Spiel mehr zu sehen (Ausnahme wäre nur das Finale mit deutscher Beteiligung und einige Spiele der EL bei RTL Nitro). Mit dem gewohnten Pay-TV-Sender Sky (hat die EL nicht mehr) allein ist es auch nicht mehr getan, wenn man alle Spiele live sehen will, zweiter Rechteinhaber ist der Streamingdienst DAZN. Es könnte sein, dass die Champions Laegue zumindest in Deutschland an Glanz und Interesse verliert.

Cristiano Ronaldo beschäftigte Europas Fußball

Cristiano Ronaldo und sonst nichts! So ungefähr sah Europas Fußball-Bühne im Sommer aus. Hitze, Dürre und als deren Folge verheerende Waldbrände traten in den Schlagzeilen – diesen Eindruck hatte man fast – in den Hintergrund. Juventus Turin und den Fiat-Eignern war auf jeden Fall ein großer Coup gelungen, der nur möglich war, weil der Torjäger vor dem spanischen Finanzamt fliehen wollte und wohl auch ein Faible für die alte Dame Juve hat. So wurde der Portugiese zum PR-Knüller und er küsste gleichzeitig die Serie A in Italien wach. Natürlich waren auch die Ligen in Spanien und England im Gespräch, dagegen spielte die Bundesliga auf Europas Bühne keine Rolle. Es passt zum Dilemma: Vorbei ist es mit der Weltmeister-Liga, der Glanz ist verblasst.

Italien hat sich mit Cristiano Ronaldo auf Europas Bühne zurückgemeldet, allerdings ist dort auch nicht alles Gold was glänzt. Dazu kam ausgerechnet zum Saisonstart der Schicksalsschlag der Nation mit dem Brückeneinsturz in Genua. Das lähmte natürlich auch die Fußball-Begeisterung. Doch der Mensch vergisst schnell und die Fans, die Tifosi, sowieso. Leider vergessen sie manchmal auch den Anstand, wie die Ultras von Lazio Rom, die mit Flugblättern Stimmung gegen Frauen machten. Bisher schockten sie mit Nazi-Parolen. So kann der Fußball in Italien statt Aufwind wieder Gegenwind bekommen. Nicht zu vergessen, dass im Verband sowieso Chaos herrscht und in den unteren Ligen oft kein geregelter Spielbetrieb stattfindet.

Bei den Spitzenklubs aber wieder Hoffnung. Neben den Klubs aus Rom und Neapel (mit Trainer Carlo Ancelotti) wollen auch beide Mailänder Klubs an alte Erfolge anknüpfen. Inter und Milan kämpfen mit Geldern aus China und den USA um den Anschluss an die großen Vereine in Europa. Die Bundesliga darf sich also warm anziehen, nachdem Italien in der UEFA-Fünfjahreswertung sowieso schon vorbeigezogen ist.

Spanien und England standen zwar ein bisschen im Schatten, aber eine Nebenrolle spielten sie keineswegs. In Madrid drehte sich ja auch alles um Cristiano Ronaldo, doch anders als in Turin stand dort die Frage im Vordergrund, wer den Torjäger auf Dauer ersetzen kann. Es erstaunte schon, dass beim Star-Ensemble sogar vom Kollektiv die Rede ist. Die im Schatten von Ronaldo standen sollen jetzt groß aufspielen. Das scheint vor allem bei Gareth Bale angekommen zu sein. Der Waliser wirkt von einer Last befreit und glänzt als Torschütze. Doch der eher schüchterne Flügelflitzer wird Showman Ronaldo nicht ersetzen können. Das zeigte sich schon beim Liga-Start: Real Madrid spielte vor halbleeren Rängen.

Die Engländer setzen ihre ausgeglichene Liga dagegen. Viel Geld ist natürlich wieder geflossen, aber keineswegs in dem üppigen Ausmaß wie in den vergangenen Jahren. Ein bisschen ist der Markt halt auch gesättigt. Ein Rekord muss allerdings sein und so überboten sich Liverpool und Chelsea bei den Verpflichtungen von Torhütern und schließlich holten die Londoner für 80 Millionen Euro mit Kepa aus Bilbao den teuersten Torhüter der Welt. Ging ja auch nur, weil Ronaldo diese Position keineswegs einnehmen kann.

Wie die Bundesliga steht auch die Ligue 1 in Frankreich im Schatten der anderen, doch sie hat nun das Pfund in der Hand, mit dem die Bundesliga vier Jahre lang werben durfte: Die Weltmeister-Liga! Für Glanz sorgt dazu Paris St. Germain und weltmeisterlich zeigte sich am ersten Spieltag Jungstar Kylan Mbappe. Er wird Trainer Thomas Tuchel sicherlich noch viel Freude bereiten, wenn ihn nicht Verletzungen stoppen. Das ist die Crux der Bundesliga, dass ihr die großen Stars abgehen, weil auch Bayern München nicht alle Preissteigerungen auf dem Spielermarkt mitmachen will. Allein Robert Lewandowski, der weiterhin als einer der besten Mittelstürmer der Welt gilt, und der Kolumbianer James, der vor allem in Südamerika viele Fans hat, können ein bisschen Glanz verbreiten, der auch bei den Altstars Robben und Ribery inzwischen verblasst. Schade, die Bundesliga hat Cristiano Ronaldo nicht ins Visier genommen. Er wusste: Da kann und will mich keiner bezahlen.

Nach dem Finale der Tränen: Spaniens Triumph

Im Fußball Europas geht die Angst um. Wo man auch hinsieht, fast überall gibt es dominierende Mannschaften und beim Kampf um den Titel von Spannung keine Spur. Jetzt gilt das nicht nur für die nationalen Ligen, wie zum Beispiel in Deutschland und Frankreich, sondern auch für die Champions League: Real Madrid machte den Hattrick perfekt und die Konkurrenz sucht nach dem Schlüssel, um Reals Code zu knacken. Es war ein Finale der Tränen in Kiew beim 3:1 von Real gegen den FC Liverpool, aber Madrids Sieg festigte auch Spaniens Triumph in Europa, denn Lokalrivale Atletico hatte schon die Europa League gewonnen. Spanien ist die Nummer 1 in Europa, Madrid die Fußball-Hauptstadt.

Die Tränen flossen reichlich und brachten die Spötter auf die Bühne. „Die sollen in der Kabine heulen“, ätzte zum Beispiel Deutschlands Torhüter-Legende Oliver Kahn im ZDF. Aber es war vielleicht das traurigste Finale aller Zeiten. Nach 30 Minuten musste Liverpools Star Mo Salah mit einer Schulterverletzung vom Platz, niedergerungen von Real-Kapitän Sergio Ramos fiel er unglücklich auf die rechte Schulter (Ramos gab ihm den Rest) und musste unter Tränen aufgeben. Hoffnung für die WM gibt es noch. Eine notwendige Gelbe Karte für „Wrestler Ramos“ (Liverpool-Trainer Jürgen Klopp) gab es nicht. Wenig später erwischte es den Spanier Carvajal, auch hier wurden WM-Hoffnungen zerstört und Tränendrüsen aktiviert.

Am Schlimmsten aber heulte am Ende natürlich Liverpools Unglücksrabe Loris Karius, der Torhüter erlebte den fürchterlichsten Abend seiner Karriere, als er zuerst unkonzentriert den Ball abwarf und Benzema mit einem Reflex den Ball im Tor unterbrachte, dann einen Schuss von Bale ins Netz gleiten ließ. Karius wünschte sich da lieber auf dem Mond als in Kiew. Als er sich bei Fans und Mannschaft entschuldigte, flossen die Tränen wohl auch deshalb, weil er befürchten muss, dass dies Ende einer möglichen großen Karriere gewesen sein kann. Zerknirscht war er natürlich auch, weil er wusste, dass er seiner Mannschaft den Traum vom Sieg in der Champions League hat platzen lassen. Auch Jürgen Klopp muss weiter warten.

Die Konkurrenz muss auch weiterhin warten auf Schwächen von Real Madrid. Der Weg zum dritten Triumph war schon etwas eigenartig und mit vielen seltsamen Entscheidungen zugunsten der „Königlichen“ gepflastert. Für die Herausforderer bauen sich gegen Real besonders hohe Hürden auf. Juventus Turin in letzter Minute umstritten besiegt, gegen Bayern München glücklich ins Finale gekommen und nun legte sich Liverpool die Bälle selbst ins Tor. Wegbereiter dazu war auch Sergio Ramos, der Kapitän hatte Karius kurz vorher mit einem Ellenbogencheck fast ins Reich der Träume gebracht, die Aktion gegen Salah war Ringen und kein Fußball. Das Schiedsrichter-Gespann um den Serbe Mazic verschloss die Augen. Es muss in Zukunft auch für Real entsprechende Strafen geben. Das war nicht würdig für das große Real Madrid, das seinen 13. Titel in der Champions League und Vorläufer Europacup der Landesmeister gewann.

Die Konkurrenz darf hoffen, denn Weltfußballer Cristiano Ronaldo feierte seltsam emotionslos den Sieg und ließ verklausuliert einen Abschied von Real erkennen. Allerdings war er in Halbfinale und Finale kaum zu sehen. Auch Gareth Bale könnte sich einen anderen Arbeitgeber suchen, der Waliser war mit einem Traumtor der Star des Abends, möchte aber insgesamt mehr auf dem Platz stehen. Über allen Fragen steht der Name Neymar. Der Brasilianer soll in Paris nicht glücklich sein, dem neuen Trainer Thomas Tuchel wurde aber garantiert, dass der Torjäger bleiben müsse. Oder gibt es einen Tausch mit Ronaldo? In Madrid ist er immer wieder im Gespräch. Und Ronaldo geht es vor allem um eines: Er möchte nicht nur der beste Fußballer, sondern auch der am besten verdienende Fußballer der Welt sein. Wer öffnet seine Schatulle, damit er Messi und Neymar überholen kann?

In der neuen Saison wird es also einen neuen Angriff auf Real geben. Egal ob Barcelona oder Paris, die das nationale Double gewannen, der Sieg in der Champions League zählt mehr. Auch Pep Guardiola will persönlich und mit Manchester City wieder international angreifen und Bayern München endlich den nächsten Schritt machen und über das Halbfinale hinauskommen. Barcelona hatte in der nationalen Meisterschaft 17 Punkte Vorsprung auf Real, aber glücklich wurde man nicht, weil man eben in Kiew nur Zuschauer war. Wird das Ende der Ära Real Madrid demnächst eingeläutet?

Bald wird die Frage beantwortet, ob die Erfolgswelle der spanischen Klubs auch Auswirkungen auf Spaniens Nationalmannschaft hat, die bei der Weltmeisterschaft ab 14. Juni in Russland nämlich auch als großer Favorit gilt. Dann wäre der Triumph des spanischen Fußballs wirklich perfekt. Brasilien und Deutschland gelten als größte Konkurrenten, in erster Linie werden vor allem Jogi Löw und seine Mannen als Titelverteidiger gejagt. Keiner wird sich aber auf so viel Wohlwollen wie Real Madrid auf dem Weg zum Titel verlassen können.

Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott

Wachen dunkle Mächte über dem Henkel-Pott der Champions League? Es scheint fast so zu sein, dass höhere Wesen die Hand darüber halten, dass am Ende die besten Vereine Europas um den Siegerpokal der Champions League kämpfen, am Ende aber immer Real Madrid gewinnt. Schon auffallend, dass Jahr für Jahr strittige Schiedsrichter-Entscheidungen Real den Weg zum Sieg ebnen. Real steht vor dem Hattrick, dem vierten Erfolg in fünf Jahren.

Leidtragender war wieder einmal Bayern München. Der Deutsche Meister konnte erhobenen Hauptes die Bühne Madrid verlassen, aber dass sie die bessere Mannschaft waren und den Finaleinzug verdient gehabt hätten, dafür können sich die Bayern nichts kaufen. Es bleibt der unerfüllte Traum vom Henkel-Pott und wenn sich Fehler und falsche Pfiffe wiederholen, dann bleibt der Traum noch lange unerfüllt. Nun, Wartezeiten sind die Münchner gewohnt. Nach dem Hattrick der legendären Beckenbauer-Elf 1974, 1975 und 1976 im Europapokal der Landesmeister dauerte es 25 Jahre bis zum ersten Erfolg in der Champions League 2001 und dann wieder 12 Jahre bis zur Wiederholung 2013 mit dem berühmten Triple. Seitdem stehen vor allem spanische Vereine und schwache Schiedsrichter-Leistungen im Wege. Seit dem Titelgewinn war viermal im Halbfinale und 2017 im Viertelfinale Schluss. Schon heute schwören sich die Spieler auf das nächste Jahr ein, nach dem Motto: Einmal muss es doch klappen.

Die große Frage, auf die wohl keiner eine Antwort weiß: Wie kann man diese dummen Fehler in den entscheidenden Spielen vermeiden? Die Bayern haben sich beim 1:2 und 2:2 gegen Real Madrid auch selbst geschlagen. Rafinha mit einem groben Schnitzer im Hinspiel, Torhüter Ulreich mit einem Blackout im Rückspiel waren die Wegbereiter zum Aus. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sah zwar am Dienstag „das beste Bayern-Spiel seit fünf Jahren“, aber es gab keinen Ertrag. 22:9 Schüsse und nur 2:2 Tore sind eine fast erschreckende Bilanz. Die Torjäger Lewandowski und Thomas Müller hatten in den entscheidenden Spielen Ladehemmung.

Eigentlich wähnten viele die Bayern in dieser Saison am Scheideweg. Die Flügelflitzer Robben und Ribery gehen auf die Rente zu, die Trainer Jupp Heynckes ab dem Sommer endgültig wieder genießen will. Spieler wie Lewandowski und Abwehr-Ass Jerome Boateng bringen immer wieder Wechselgedanken ins Spiel, da wird die Aufgabe nicht leichter. Allerdings zeigte diese Saison auch, dass den Bayern der Umbruch gelingen kann. Nachwuchstalent Kimmich war der Torjäger gegen Real, Niklas Süle der Überraschungsmann in der Abwehr, Coman stach vor seiner Verletzung Robben und Ribery aus, Gnabry empfahl sich in Hoffenheim.

Um aber den Henkel-Pott zu holen, muss alles passen, das hat der Sport-Grantler schon zu Saisonbeginn geschrieben. Kaum hatte zum Beispiel Jupp Heynckes davon gesprochen, dass seine Mannen fit seien, da fielen nacheinander Vidal, Boateng und Robben aus, Torhüter Neuer und Coman fehlten sowieso schon. Ausfälle die nicht zu verkraften sind. Und mit Geld wollen die Bayern weiterhin nicht um sich werfen, sie setzen auf kluge Verstärkung und sollten schnell dafür sorgen, dass James an Bord bleibt, der ja noch Real Madrid gehört. Schade für ihn, ein Sieg in Madrid wäre sein persönlicher Triumph gewesen.

Die Jagd nach dem Henkel-Pott wird nicht leichter werden, denn wir wissen, vor allem russische Oligarchen und arabische Scheichs lechzen nach dem Erfolg und schmeißen mit Geld um sich. Auch sie stoßen an Grenzen (siehe Kommentar vom 8. März „Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen“), aber vor allem Manchester City und Paris St. Germain träumen wie die Bayern vom Finale. Da platzen mehr Träume als in Erfüllung gehen können.

Geld spielt also nicht die entscheidende Rolle, aber die Schiedsrichter tun es. Wieder einmal erschreckend die unterschiedliche Auslegung des Handspiels bei den Referees Cakir (Türkei) in Madrid Skomina (Slowenien) in Rom. Die Bayern hätten einen Elfmeter bekommen müssen (es hätte das 2:1 sein können) und die Roma zwei Elfmeter, bevor sie in der Schlussminute doch noch einen fragwürdigen bekamen. Falsches Spiel oder nur falsche Pfiffe? Rom Sportdirektor Monchi hat nicht Unrecht, wenn er behauptet, „das Finale hätte Bayern gegen Rom heißen müssen“. Es heißt tatsächlich Real Madrid gegen FC Liverpool und nicht nur die deutschen und englischen Fans werden Jürgen Klopp und seinen Mannen die Daumen drücken. Beeindruckend ist die Siegesserie der „Reds“ schon, die mit den Play-Offs gegen Hoffenheim begann.

Die Bayern haben auch noch ein Endspiel, am 19. Mai in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Ein Sieg wäre nur ein bisschen Trost und Balsam auf die Wunden, selbst das Double könnte die Enttäuschung über das verpasste Champions-League-Finale nicht gänzlich verdrängen. Die spannende Frage: Schafft es der beste Torhüter der Welt, Manuel Neuer, bis dahin wieder im Tor zu stehen oder vertraut Jupp Heynckes am Schluss seiner Karriere dem Unglücksraben Sven Ulreich? Und wenn, halten dann Ulreichs Nerven? Nur eins steht fest: Am 20. Mai wird auf dem Marienplatz in München gefeiert. Das lassen sich die Bayern nicht nehmen, ohne DFB-Pokal wäre die Stimmung allerdings schon getrübt. Die Meisterschale allein macht die Bayern nicht mehr glücklich.

Bayern im Niemandsland – Köln ein besonderer Absteiger

Das hat das Saisonende so an sich, dass Spieltag für Spieltag in den Ligen stückchenweise die Entscheidungen fallen. Die Fans wünschen sich natürlich, dass die Spannung bis zum letzten Spieltag bestehen bleibt, Tränen der Freude oder der Enttäuschung gibt es allerdings schon früher. Derzeit kann man dies überall wieder beobachten, aber was die Fußball-Bundesliga angeht gilt: Es bleibt bestimmt spannend bis zum letzten Spieltag.

Dass es am Tabellenende spannend bleibt, dafür sorgen der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg. Die VW-Städter haben es geschafft, dass in ihrem Verein das Chaos noch größer ist als es wohl jemals beim HSV war. Der Bundesliga-Dino hat dagegen unter Amateurtrainer Christian Titz eine wundersame Wiederauferstehung gefeiert, hat mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg den Rückstand auf die Niedersachsen auf zwei Punkte verkürzt und darf wieder hoffen. Die Niedersachsen gleichen einem sinkenden Schiff, der Kapitän (Trainer Bruno Labbadia) hilflos, eine wirkliche „Mannschaft“ gibt es nicht (man könnte von einzelnen Könnern reden, doch echte Könner gibt es im Team auch nicht), die Vereinsführung ahnungslos, wie der Kampf um Manager Horst Heldt zeigt. Der HSV beweist dagegen Zusammenhalt, spielerische Klasse und Begeisterung. Vor ein paar Wochen wünschten die Fußball-Fans dem Dino noch den Abstieg (Wird endlich Zeit bei dem Chaos), jetzt wünschen sie sich für den HSV wieder den Klassenerhalt (Hat er verdient) und sehen in Wolfsburg den logischen Absteiger. VW hat nach der Diesel-Krise auch eine Bundesliga-Krise. Die letzten Spiele der Kontrahenten: Wolfsburg in Leipzig und gegen Köln, der HSV in Frankfurt und gegen Mönchengladbach. Der Ausgang ist wirklich ungewiss.

In vier Vereinen wird aufgeatmet: Bremen hat den Klassenerhalt sicher, Hannover kann nicht mehr direkt absteigen, Mainz und Freiburg haben mit ihren Siegen gegen Leipzig und Köln den Kopf vorerst aus der Schlinge gezogen und können wieder hoffen. Dafür steht der erste Absteiger fest. Der 1. FC Köln muss zum sechsten Mal die erste Liga verlassen, aber es zeigt sich, dass die Rheinländer ein besonderer Absteiger sind. Die Fans feiern praktisch schon heute die Rückkehr, die besten Spieler suchen nicht das Weite, sondern wollen den „Betriebsunfall“ korrigieren. Torhüter Timo Horn und Kapitän Jonas Hector unisono: „Wir haben Fehler gemacht, wir sind Kölner, wir helfen beim Aufstieg.“ Spieler wie Torjäger Terodde oder Frankreichs Talent Koziello wurden schon im Hinblick auf die mögliche 2. Bundesliga verpflichtet. In Köln wird deshalb mehr vom Aufstieg als vom Abstieg geredet. Es scheint, dass unter dem neuen Sportchef Armin Veh die alten Fehler nicht wiederholt werden. Der Erfolg mit dem Einzug in die Europa League wurde nicht verkraftet, Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger hinterließen Flecken auf ihrer vorher weißen Weste. Passend zum Abstieg gelang dem rheinischen Rivalen Fortuna Düsseldorf der sechste Aufstieg, Gut möglich, dass beide nächstes Jahr wieder die Rollen wechseln!

Spannung gibt es bei Meister Bayern München nur in der Champions League. Die Münchner befinden sich praktisch im Niemandsland: Für die Bundesliga zu stark, auf der internationalen Bühne eher in der zweiten Reihe. Oder schaffen sie gegen Real Madrid nach dem unglücklichen 1:2 im Hinspiel noch einmal die Wende? Es hatte den Anschein, als hätten die Bayern den Spagat zwischen der Leichtigkeit der Liga und der Schwere der Champions League nicht geschafft. Die Bundesliga-Konkurrenz haben sie fast der Lächerlichkeit preisgegeben, mit einem 4:1 gegen Euroleague-Anwärter Frankfurt, mit einem C-Team mit Nachwuchsspielern und Cracks aus der zweiten Reihe, mit dem jüngsten Bayern-Team seit über 40 Jahren. Noch Fragen nach dem Meister 2019?

Die Meisterliste in den Ligen Europas wird immer länger, jetzt haben sich auch der FC Barcelona und Schottlands Dauer-Titelträger Celtic Glasgow dort eingetragen. Besonders gefeiert wird in Bern, die Young Boys stoppten den ewigen Meister FC Basel und holten sich zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder den Titel. Manchmal kann eine Meisterschaft schon noch etwas Besonderes sein. Das wäre sie auch für den SSC Neapel, der aber seine gute Ausgangsposition in Italien mit dem 0:3 in Florenz verspielte und wohl wieder Juventus Turin den Vortritt lassen muss. Da heißt es dann wohl „nächstes Jahr nächster Versuch“.

Im Gespräch neben der Punktehatz natürlich die Weltmeisterschaft. Bundestrainer Joachim Löw musste vor allem Hiobsbotschaften hinnehmen, sein einstmals übergroßer Kreis von WM-Kandidaten verkleinert sich zusehends. So erlitten am Wochenende Lars Stindl (Gladbach) und Serge Gnabry (Hoffenheim) so schwere Verletzungen, die das WM-Aus bedeuten. Die Konkurrenz wird kleiner. Da kann Löw nur hoffen, dass die Meister Jerome Boateng und Manuel Neuer rechtzeitig wieder fit werden. Andererseits bieten ihm Medien und Trainer neue WM-Kandidaten an, weil eben jeder ein bisschen Bundestrainer spielen will. Vielleicht springen Freiburgs Held Nils Petersen und Bayern-Torhüter Sven Ulreich doch noch auf den WM-Zug. Es gab ja immer wieder Überraschungen und auch im Hinblick auf die erweiterte WM-Nominierung am 15. Mai bleibt die Spannung erhalten.

Eine Empfehlung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Eishockey-Weltmeisterschaft: „Eishockey: Nach Silber jetzt Gold oder Blech?“

Von Königen und den Königlichen

Die Fußball-Bundesliga ist für den FC Bayern München nur noch Alltag, jetzt stehen aber die großen Feiertage bevor. Das Duell mit Real Madrid in der Champions League ist schließlich etwas Besonderes. Die „schwarze Bestie“ wurden die Bayern einst in Madrid genannt, weil die Münchner Real leiden ließen. Das hat sich zuletzt gedreht, vor den beiden Begegnungen am Mittwoch, 25. April, in München und Dienstag, 1. Mai, in Madrid kann sich Real auf eine positive Bilanz stützen und muss nur die Erfolgsbilanz von Jupp Heynckes fürchten.

Beide Vereine haben etwas Königliches gemeinsam. Da sind die Bayern, in deren Landen die sogenannten Königstreuen noch von einem bayerischen König träumen. Schloss Neuschwanstein, der Prachtbau von Ludwig II., lässt grüßen. Der moderne Touristenmagnet ist aber die Allianz-Arena in München, das Stadion mit dem Schwimmreif, der aber keinem Gegner zugeworfen wird, wenn er ins Schwimmen kommt. Das wird allerdings der Titelverteidiger nicht fürchten, denn Real wird schließlich als die „Königlichen“ bezeichnet. Nur einer aber kann in der Champions League am Ende regieren (wobei man den Sieger aus der Partie Liverpool – AS Rom nicht unterschätzen sollte).

Die Bilanz also spricht für Real. Zum 19. Mal kommt es in der Champions League zu diesem Vergleich (Rekord!), neunmal siegte Real, achtmal Bayern. Aber: Bayern verlor die letzten fünf Duelle! Die Bayern verloren überhaupt nur zwei der letzten 25 CL-Heimspiele – beide gegen Real. Auffallend: Welt-Fußballer Cristiano Ronaldo trifft immer gegen die Münchner. Einzige Statistik-Hoffnung: Mit Trainer Jupp Heynckes erreichten die Bayern immer das Finale (2012 und 2013) und holten 2013 bekanntlich das begehrte Triple. Noch gut in Erinnerung ist aber der Vergleich vom letzten Jahr, als Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Ausscheiden tobte: „Wir sind beschissen worden.“ Trainer Carlo Ancelotti machte beim 1:2 und 2:4 n. V. auch Fehler, mehr Fehler (insgesamt sieben schwere, davon fünf gegen Bayern) aber machte Schiedsrichter Kassai (Ungarn) und Real profitierte davon. Die Bayern sagen, sie treten mit breiter Brust an, was sie aber auch brauchen, ist ein guter Schiedsrichter. Nominiert ist der Holländer Kuipers.

Ein Finale haben die Münchner bekanntlich schon erreicht, das DFB-Pokalfinale mit einem überzeugenden 6:2 bei Bayer Leverkusen, das einen Vorgeschmack auf die Real-Duelle gab. Der 19. Mai wird im deutschen Fußball jetzt zum Bayern-Tag, denn vor den Männern in Berlin gegen Frankfurt treten die Frauen ebenfalls im Finale in Köln gegen Wolfsburg an. Es könnte ein besonderes Double für München werden. Begehrter wäre aber noch der Final-Termin am 26. Mai in Kiew – das Champions-League-Finale.

In der Bundesliga gewinnen die Bayern quasi mit einer besseren B-Elf, herschenken wollen sie nichts. Geschenke machen andere, so RB Leipzig, das dabei ist, einen Platz in der Champions League zu verspielen. Kein Wunder, dass dort der Baum brennt und plötzlich sogar Erfolgscoach Ralph Hasenhüttl angezählt wird. Sind das nur Nachwirkungen aus den zusätzlichen Belastungen aus den Europa-Abenden? Konstanz zeigt kaum eine Mannschaft, Leverkusen wähnte sich im Aufwind und musste dann folgenschwere Niederlagen gegen die Bayern und Dortmund hinnehmen. Dortmund wiederum feierte mit dem 4:0 gegen Leverkusen fast schon eine wundersame Wiederauferstehung. Frankfurt wiederum hat den Kovac-Abschied nicht verdaut und droht ganz aus den Europa-Rängen zu verschwinden. Es bleiben noch drei Spieltage voller Brisanz.

Dies natürlich vor allem im Abstiegskampf. Für einige der beteiligten Vereine heißt es, der Abstiegskampf kann zu Hause entschieden werden. Dies gilt vor allem den kommenden Samstag, wenn mit Freiburg (gegen Köln) und Wolfsburg (gegen Hamburg) zwei Vereine, die der Relegation entgehen wollen, ihre Gegner in die zweite Bundesliga schicken können. Da gibt es also echte Endspiele.

Kein Endspiel mehr muss der FC Augsburg bestreiten. Vor der Saison als einer der heißesten Abstiegskandidaten gehandelt, sicherten sich die Schwaben mit dem 2:0 gegen Mainz vorzeitig den Klassenerhalt. Eine starke Vorrunde (9. mit 24 Punkten) war die Basis. Jetzt wurde nach zuvor vier Heimniederlagen in Folge besonders gefeiert und ironisch auf speziellen Trikots gefragt: „ObACHT – auch im nächsten wieder Abstiegskandidat Nummer 1?!“ Könnte sein, wenn der FCA seine Stars verliert, die für Furore gesorgt haben. Verteidiger Philipp Max zum Beispiel, bisher bester Vorlagengeber der Bundesliga, jetzt aber von Thomas Müller (14:13) übertrumpft. Oder Torjäger Alfred Finnbogason. Der Isländer war nach langer Verletzungspause erstmals wieder dabei und zeigte seinen Wert für die Mannschaft. Er wird Begehrlichkeiten wecken bei der Konkurrenz, wäre vielleicht sogar einer für die Bayern, wenn Torjäger Robert Lewandowski doch dem Werben von Real Madrid erliegt. Da ist auch Michael Gregoritsch, der eine starke Saison spielte und schon mal ein „Ätsch“ nach Hamburg schickte, die ihn nicht mehr wollten. Augsburg kann die letzten Spiele genießen, aber für Manager Stefan Reuter beginnt die Arbeit jetzt erst richtig. Die achte Saison ist gesichert, wie die Kegler wollen sie aber „alle Neune“.

Europas irre Fußball-Abende

Mein Gott, warum haben wir solange auf solche Abende warten müssen. Quälend lang zieht sich die Champions League ab September mit der Gruppenphase dahin. Verband und Fernsehen wollen es so, das Geld zählt, nicht der Spaß. Aber erst im Frühjahr erwacht der Fußball zusammen mit der Natur, beide explodieren förmlich und wir erfreuen uns an Europas irren Fußball-Abenden.

Es war wirklich viel los in den vergangenen Spielen und dass vier Teams aus vier Nationen im Halbfinale der Champions League (CL) stehen, hat es auch schon lange nicht mehr gegeben. Aber der Weg dahin war so attraktiv, dass es in den letzten fünf Spielen wohl keine Steigerung mehr geben kann. Die Aufholjagd der Roma gegen den FC Barcelona wird ebenso unvergessen bleiben wie der Triumph des FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp gegen Manchester City und seinen alten Kontrahenten aus der Bundesliga, Pep Guardiola.

Auch Juventus Turin kratzte an der Sensation, als es ein 0:3 gegen Real Madrid aufholte, dann aber von einer harten Schiedsrichter-Entscheidung des Engländers Oliver gestoppt wurde. Nicht jeder Referee hätte bei dem Einsteigen von Benatia gegen Vazquez Elfmeter gepfiffen, vor allem nicht in der Verlängerung eines solch dramatischen Spiels. So waren Oliver und Torschütze Cristiano Ronaldo Spielverderber und Henker zugleich, so dass sich Turins Torhüter-Legende Gigi Buffon mit einer Roten Karten von Europas Bühne verabschiedete, weil er (verständlich) die Entscheidung so nicht hinnehmen wollte. Es war Dramatik pur, das Tüpfelchen aufs „i“ der irren Fußball-Abende.

Sauer war auch Manchesters Trainer Pep Guardiola. Der Katalane vermutet sogar eine spanische Verschwörung hinter den Entscheidungen des eigentlichen Landsmannes Lahoz, der einem regulären Tor von Flügelflitzer Sane die Anerkennung verweigerte. Schon im Hinspiel mussten City und Pep unter falschen Schiedsrichter-Entscheidungen leiden, doch da war der Münchner Felix Brych an der Pfeife. Aber diese Spiele zeigten einmal mehr deutlich, dass es zum Titelgewinn neben Leistung und ein bisschen Glück auch einen guten Schiedsrichter braucht. Das wollen wir nicht, dass es erst durch zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen irre Fußball-Abende gibt.

An irre Fußball-Abende mit zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen wird sich auch Bayern München erinnern, nämlich im letztjährigen Viertelfinale gegen Real Madrid mit einem unglücklichen Ausscheiden nach 2:1 und 2:4 nach Verlängerung. Jetzt treffen die beiden Giganten im Halbfinale wieder aufeinander und die Gesamtbilanz liest sich für die Bayern gar nicht so schlecht, die Bilanz ist nämlich ausgeglichen mit je elf Siegen und zwei Unentschieden. Was aber die Münchner zum Außenseiter macht: Die letzten fünf Vergleiche gingen alle an Real. Und was auch noch dazu kommt (siehe oben): Die Königlichen haben bei den Referees offensichtlich ein Stein im Brett, die Pfiffe gibt es im Zweifel für die Königlichen. Wenn es denn im Halbfinale überhaupt Außenseiter gibt, dann treffen diese im zweiten Duell mit Liverpool und Rom aufeinander. Da darf Jürgen Klopp weiter vom ersten Titel mit Liverpool träumen.

Auffallend ist, dass die Bayern eine Ausnahme unter den vier Halbfinalisten darstellen: Nur sie können sich mit einem nationalen Titel schmücken. Alle anderen sind in der nationalen Meisterschaft abgeschlagen, selbst Real sieht in Spanien Tabellenführer FC Barcelona nur aus der Ferne. Das macht die Aufgabe der Bayern noch einmal schwerer, weil sich Real allein auf die Champions League konzentrieren kann, die Bayern wollen stattdessen auch noch im nationalen Pokal bestehen (Dienstag in Leverkusen). Andererseits überstrahlt der Sieg in der CL die nationale Meisterschaft, so dass sich Barcelona, Juventus und Paris St. Germain praktisch nur einen Trostpreis abholen. Nur die Bayern haben deshalb noch die Chance auf das Triple. Real wiederum will den Hattrick mit drei CL-Siegen in Folge. Damit steht fest: Ein Traum wird im Halbfinale platzen, vielleicht nach einem irren Fußball-Abend.