Licht und Schatten bei Olympia in Rio

von knospepeter

 

Die erste Woche bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ist vorbei, eigentlich gehen die Spiele sogar schon in den Endspurt über. Zeit also für eine Zwischenbilanz, die – wie fast immer – Licht und Schatten offenbart. Die Spiele in Brasilien standen allerdings wegen vielfältiger Probleme im Vorfeld – Doping, Korruption, Zikavirus, Pfusch am Bau – besonders unter Beobachtung. Die Dopingproblematik wirft weiterhin einen Schatten auf die Spiele, aber die Herzlichkeit der Brasilianer, die gezeigte Lebensfreude und die Überraschungen des Sports erzeugen auch viel Licht, so dass die Brasilianer heute schon mit „ihren Spielen“ zufrieden sein können.

Natürlich ist nicht alles perfekt, aber wo gibt es das schon. Und erst Monate oder sogar Jahre danach kann man in Brasilien Bilanz ziehen, ob die Olympischen Spiele ein Gewinn oder Verlust waren. Die Sportler machen aber jetzt schon deutlich, dass sie zufrieden sind. Kleinere Probleme werden selbst ausgemerzt, da wird ein Schwimmer halt zum Installateur. Über das Essen wurde noch in jedem Olympischen Dorf geschimpft, aber lustig ist, wenn man lesen kann, dass dort vor allem vor McDonald’s die Sportler Schlange stehen. Na gut, nach dem Wettkampf sind Sünden erlaubt. Schade allerdings, dass viele Wettbewerbe vor halbleeren Zuschauerrängen stattfinden. Zu hohe Eintrittspreise haben wohl die Begeisterung gebremst.

Olympia hat zumindest für die Athleten an Anziehungskraft nichts verloren, Fehlleistungen der Funktionäre hin oder her. Profi-Golfer und Millionär Martin Kaymer zum Beispiel schwärmte von der „schönsten Woche seiner Laufbahn“, weil er im Olympischen Dorf mal nicht allein unterwegs war, sondern Athletinnen und Athleten vieler anderer Sportarten getroffen hat. Schon heute hat er Tokio 2020 ins Visier genommen. Beide deutschen Fußball-Mannschaften hatten nur ein Ziel: Einzug ins Olympische Dorf. Das haben sie geschafft, aber das Dorf-Leben hatte fast mehr Anreiz als der Kampf um Gold, der jetzt in die Schlussphase geht.

Die Bilanz der deutschen Mannschaft fiel zur Halbzeit durchwachsen aus. Die avisierten 44 Medaillen von London wurden ad acta gelegt, selbst die Verdoppelung der bis dahin 16 Medaillen (aber immerhin acht Gold) wird kaum möglich sein. Medaillensammler waren vor allem Schützen und Reiter (sie können es noch weiter sein), enttäuscht haben wie in London die Schwimmer, aber auch die Fechter, die beide leer ausgingen. Eine Kritik der Sportler hat ihre Berechtigung, sie lautete sinngemäß „in Deutschland haben wir eine schlechte Förderung, aber die besten Dopingkontrollen, in anderen Ländern ist es genau umgekehrt“. Die Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Zu Überdenken ist vor allem die Verteilung der Gelder. Verbänden, die nicht erfolgreich sind, wird die Förderung meist gekürzt. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein, wenn es künftig Erfolge geben soll. Insgesamt müssen die Olympioniken gegenüber den Großverdienern des Fußballs vor allem aus Spaß ihren Sport betreiben, reich werden sie nur in den seltensten Fällen, dann nämlich, wenn sie für die Werbung interessant werden. Auch hier gibt es also Licht und Schatten.

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