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Kategorie: Fußball

Profis wollen den Amateuren den Feiertag rauben

Wenn die nationalen Meisterschaften im Fußball beendet sind, steht in den meisten Verbänden dennoch ein weiterer Festtag des Fußballs auf dem Programm: Das Pokalfinale (unabhängig von den Finalspielen in den europäischen Wettbewerben). Der Vorteil: Die Saison endet, zum Beispiel in Deutschland, doch mit einem echten Endspiel, nachdem es mit der Einführung der Bundesliga im Kampf um die Meisterschaft ein Finale nicht mehr gibt. Der ständige Austragungsort Berlin mauserte sich dabei zu einem echten Anziehungspunkt, „wir fahren nach Berlin“ wurde zu einem beliebten Schlachtruf. Der Pokal ist populär.

Der Pokalwettbewerb endet in Deutschland mit einem Fest des Fußballs, er beginnt bisher fast schon traditionell mit einem Feiertag, bevor die Bundesliga in die Punktrunde startet. Richtig, ein Feiertag – für die Amateure. Ist das Ziel nämlich erreicht, über den Landesverbandswettbewerb den Pokal auf Bundesebene zu erreichen und dann einen Bundesligisten als Gegner zu haben (Highlight ist natürlich der FC Bayern München), dann fiebert jedes Dorf oder Kleinstadt diesem Ereignis entgegen, dass für manche kleine Vereine nicht nur ein großer Zahltag, sondern fast schon ein geschichtsträchtiges Ereignis ist.

Diesen Feiertag will der Profi-Fußball den Amateuren allerdings rauben. Schon lange ist der Deutschen Fußball-Liga (DFL) der Pokalspieltag vor dem Auftakt der Bundesliga ein Dorn im Auge, obwohl er auch ein wenig PR für die Eliteliga bedeuten kann. Nein, die Profis fürchten die zusätzlichen Strapazen, vor allem für die Vereine, die auf Europas Bühne aktiv sind. Vor allem die FIFA versucht ihre Wettbewerbe aufzublähen, um mehr Geld zu kassieren. Die nationalen Verbände dagegen suchen als Gegenmittel nach Möglichkeiten, die Belastungen für die Spieler eher zu reduzieren. Da soll auch eine Reform des Pokals helfen, allerdings sind die ersten Vorschläge, die öffentlich wurden, unausgegoren.

Der DFL-Vorschlag für die Verhandlungen mit dem DFB sieht angeblich vor, dass das Starterfeld von 64 auf 182 Klubs für die erste Runde erweitert wird. Auf den ersten Blick sieht es aus, als wenn der Versuch der Reduzierung konterkariert wird. Nein, so ist es nicht. In der ersten Runde sollen 122 Amateurvereine eine Qualifikation spielen, danach gibt es eine Vorrunde mit 128 Mannschaften, an der erstmals auch elf Bundesligisten teilnehmen sollen, aber nicht die sieben möglichen Vereine, die in Europa starten. Also wird es nichts mit dem FC Bayern München. Danach soll es wie gewohnt mit dem Achtelfinale bis zum Finale weitergehen, würde also für die Europa-Starter wie bisher sechs Pokalspieltage bedeuten. Es gibt für sie also keineswegs weniger Spiele, sie greifen nur später ein.

Um den DFL-Vorschlag den Amateuren attraktiv zu machen, wird natürlich mit Geld gelockt. Liegen bisher 4,3 Millionen Euro für die Amateure parat, soll diese Summe auf 13 Millionen Euro gesteigert werden und es würden mehr Vereine von der Ausschüttung profitieren. 15.000 Euro sieht der Vorschlag für die Qualifikation vor. Doch ist dies wirklich attraktiv? Die Amateure verlieren ihren Feiertag, sie verlieren aber auch viel von ihrer Chance, vor Beginn der Bundesliga eher für eine Überraschung sorgen zu können. Vor dieser Blamage in der ersten Pokalrunde haben die Bundesligisten Angst. Da erwischte es schließlich sogar schon den FC Bayern München. Später sind die Herren Profis schon besser in Form, im Spielbetrieb und die Amateure vielleicht ein bisschen müde.

Nein, eine Pokalreform ist Quatsch. Die erste Runde mit einer Qualifikation der Amateure würde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, in der alten Form aber, freuen sich die Fußball-Fans auf die ersten Pokalrunde, die quasi die neue Saison einläutet, wenn auch, wie zuletzt, die 2. Bundesliga früher beginnt. Der Pokal darf seinen besonderen Reiz nicht verlieren.

Am Samstag, 20. Mai, darf er in Berlin wieder sein Finale feiern. Borussia Dortmund ist dort fast schon Stammgast und giert nach einem Titel, während Eintracht Frankfurt eine zwiespältige Saison mit einer starken Vorrunde und einer schwachen Rückrunde in der Bundesliga noch krönen könnte. Bayern München ist diesmal nur Zuschauer. Der Pokal macht es möglich, die Bayern zu stoppen. In der Bundesliga waren die Gegner in den letzten fünf Jahren machtlos und mussten immer zusehen, wie die Bayern feiern.

Abstieg: Ende oder Wende?

In den Top-Ligen des europäischen Fußballs geht meist am Wochenende des 20./21. Mai die Saison zu Ende. Zum Beispiel in Spanien, Deutschland und England wird da der letzte Spieltag absolviert. Umso stärker wird vor allem über Auf- und Abstieg diskutiert und kontroverser könnten die Stimmen nicht sein. Da die Meinung, dass nur ein Abstieg zur Wende in der Misswirtschaft führen kann, dort die düstere Prophezeiung, dass ein Abstieg das Ende bedeuten würde, quasi ein Abschied ohne Wiederkehr ins Oberhaus.

Der Abstieg als Ende oder die Wende? Dies wird von Verein zu Verein, von Fall zu Fall immer unterschiedlich sein. Für den einen Klub der Fall ins Bodenlose, ein Durchmarsch vom Oberhaus bis hinunter in die vierte Liga zum Beispiel. Beim anderen Verein wird Ruhe bewahrt, hat man eine Klasse tiefer Erfolg im Kampf um den Wiederaufstieg und kann den Abstieg quasi als „Betriebsunfall“ abhaken. Da gehören die richtigen Entscheidungen in der Vorstandsetage ebenso dazu wie auch ein bisschen Glück während der Saison. Es gibt aber auch sogenannte „Fahrstuhlmannschaften“, für die Ab- und Aufstieg fast schon zur Gewohnheit wird. Dort wird nach der Lösung gesucht, wie diese „Regel“ durchbrochen werden kann. Abstellen will man den Fahrstuhl nach unten.

Nehmen wir das Beispiel Deutschland, wo sich seit Jahren der „Dino“ der Liga, der Hamburger SV, gegen den drohenden Abstieg wehrt. Bisher mit Erfolg, mit Glückstreffern in der Relegation fast in letzter Minute. So läuft im Stadion noch die Bundesliga-Uhr für das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga, das bisher ewig in der ersten Liga dabei war. Die richtige Wende, hin zur Konsolidierung, wurde allerdings nicht geschafft und so meinen viele, der Klub von Uwe Seeler müsste auch mal am Herzen operiert werden, wie das Fußball-Idol selbst. Dem widerspricht allerdings Gönner Klaus-Michael Kühne, der schon viele Millionen Euro zur Rettung des HSV verpulvert hat. So heißt es in der Süddeutschen Zeitung, Zitat Kühne: „Es ist ein Irrglaube zu denken, dass eine Mannschaft sich konsolidieren kann, wenn sie absteigt.“ Und weiter im Text: „Das könne vielleicht in einer Kleinstadt passieren, aber nicht in einer Stadt wie Hamburg. Der HSV habe so viele Schulden, dass er sie in der zweiten Liga niemals abtragen könnte.“ Aber die Relegation droht erneut.

Schulden sind das größte Problem der Vereine. Die Bundesliga gilt als die Liga, in der kassiert werden kann, wo Fernseh- und Werbegelder fließen, die Zuschauer-Einnahmen steigen – fast wie im Schlaraffenland (das aber für die deutschen Klubs bekanntlich in England liegt). Dagegen halbieren sich oft diese Einnahmen eine Klasse tiefer, der Rotstift muss angesetzt werden. So spielen viele Klubs Vabanque, sie riskieren Schulden, um mit einer starken Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen, so wie in diesem Jahr in der zweiten Liga die letztjährigen Absteiger Stuttgart und Hannover. Doch geht dieser Plan schief, wird die Zukunft ungewiss. Im nächsten Jahr vielleicht noch einmal ein großer Kraftakt und bleibt da der Aufstieg aus, könnte die finanzielle Pleite die Folge sein. Das Spielchen halt, Wende oder Ende!

Es geht natürlich auch anders, das Gegenbeispiel ist über viele Jahre hinweg der SC Freiburg, der nicht den jeweiligen Trainer als Hauptverantwortlichen sieht, egal, ob es ein schlechtes Jahr mit einem Abstieg ist oder ein gutes, als es sogar bis auf die Bühne Europas ging. Im Schwarzwald gehen die Uhren anders, ist Ruhe die erste Bürgerpflicht. Der Verein weiß, dass er unter Erfolgen insofern leiden muss, weil die guten Leistungen Begehrlichkeiten wecken und die besten Spieler weggekauft werden. Ein ewiger Kreislauf, der fast zwangsläufig auch mal zum Abstieg führen muss. Da darf man halt nicht in Panik verfallen. Im Schwarzwald wird diesbezüglich nicht schwarz gemalt.

Freiburg sollte Vorbild für alle Absteiger sein. Manche Vereine sollten erkennen, dass die Bundesliga halt nicht um jeden Preis zu halten ist und ein Abstieg zum Sport dazu gehört. Nur wer die Ruhe bewahrt und sich nicht auf ein Vabanquespiel einlässt, wird auch eine Klasse tiefer nicht in Schieflage geraten. Ein Abstieg sollte immer mehr Wende als Ende sein.

Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple

Große Vereine haben große Ziele. Ein Titel allein reicht da nicht, je nach Gewichtung soll es die Meisterschaft sein oder die Champions League (schon die Europa League gilt als zweitklassig), eigentlich beide und dazu als Dreingabe der Pokal. Real Madrid zum Beispiel entließ bereits Trainer, weil sie zwar die Champions League gewannen, national aber hinter dem Erzrivalen FC Barcelona blieben oder eben auch umgekehrt. Jedenfalls war es oft ein Titel zu wenig. Das ist in München nicht anders. Der FC Bayern dominiert in Deutschland und so ist die nationale Meisterschaft Gewohnheitssache. Fünfmal in Folge Meister, ein neuer Rekord – na und? Der Frust über das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid sitzt tief und überdeckt den Jubel über die Meisterschaft. Was nach der Saison 216/17 bleibt, ist die Sehnsucht nach dem Triple.

Die Münchner wissen allerdings sehr wohl, so wie es eigentlich alle Fachleute und vielleicht sogar Laien wissen sollten, alle Pokale in einem Jahr zu holen ist außergewöhnlich und nicht so leicht zu wiederholen. Da muss eben alles passen, da darf der Schiedsrichter nicht gegnerische Abseitstore anerkennen (eigene darf er selbstverständlich anerkennen, ist sogar wünschenswert), da dürfen entscheidende Spieler nicht verletzt ausfallen, da muss der Ball ins Tor und nicht ans Gestänge gehen und man darf keine Fehler machen. Ein bisschen viel auf einmal, oder etwa nicht?

Dazu kommt natürlich, dass auf internationaler Ebene die Konkurrenz immer stärker wird. Es werden ja in der Zukunft nicht Barcelona und Real Madrid allein sein, die den Bayern das Triple verwehren können, Juventus Turin (vielleicht nutzen die Italiener ihre Chance sogar schon in diesem Jahr), Paris St. Germain und die englischen Klubs lechzen ebenfalls nach dem großen Erfolg. Da investieren Scheichs und Oligarchen aus Russland viele Millionen, um sich im Glanz eines Pokals zu sonnen. Die Aufgabe wird für die Münchner also von Jahr zu Jahr schwieriger, vielleicht haben sie in diesem Jahr eine Chance unglücklich verpasst, die so vielleicht so schnell gar nicht mehr wiederkommt. Zwischen den Triumphen in der Champions League lagen zwischen 2001 und 2013 ja auch zwölf Jahre.

Nationale Erfolge sorgen in Bayern nicht mehr für Ekstase, weil die Konkurrenz zuletzt zu schwach war. Es wird nur noch gerätselt, wie frühzeitig die Münchner ihre Meisterschaft unter Dach und Fach bringen, ob schon im März oder im April. Sie schafften es wieder, bevor der Mai begann. Es war 2011 und 2012, als Bayern München zuletzt ohne jeglichen Titel blieb und mit der großen Aufrüstung der Mannschaft begann. Kommt ähnliches in diesem Jahr?

Da scheinen sich die Vereinsoberen noch nicht ganz einig zu sein. Nachdem die Mannschaftsstützen Philipp Lahm und Xabi Alonso nach der Saison ihre Karriere beenden, ist viel von Umbruch die Rede und davon, dass vermehrt junge Spieler eingebaut werden müssen. Dazu stehen die Flügelflitzer Robben und Ribery vor ihrem Karriereende, aber sie waren jetzt schon beleidigt, wenn sie jungen Spielern Platz machen mussten. Keine einfache Aufgabe für Trainer Carlo Ancelotti, der zeigte, dass er mehr auf Routine setzt als auf Jugend, der aber schon ankündigte, den Talenten mehr Spielzeit zu gewähren. Da muss er Ribery und Robben erst mal beruhigen und vielleicht auch die Chefs, wenn es mit den gewohnten Erfolgen mal nicht so klappt. Andererseits müssen die sich fragen, ob ein alter Trainer der richtige für junge Talente ist. Zumal ja auch ein Sportdirektor als ausgleichende Stütze noch fehlt. Der Meister hat also noch durchaus Aufgaben zu erfüllen.

Die Konkurrenz hofft natürlich darauf, dass ein Umbruch die Bayern ein bisschen ins Trudeln bringt und die Meisterliste endlich wieder einen neuen Namen erhält. Borussia Dortmund als Hauptkonkurrent ist mit dem Umbruch schon ein bisschen weiter, hat eine junge, talentierte Mannschaft, der in diesem Jahr noch die Konstanz fehlte. Doch Dortmund hat auch das Problem, dass die besten Spieler weggekauft werden, oft auch von den Bayern. Torjäger Aubameyang und Dribbelkünstler Dembele sind die nächsten Kandidaten. Und wie sich die Newcomer des Jahres, Leipzig und Hoffenheim, entwickeln, muss erst mal abgewartet werden. Auch da dürften die besten Spieler bald dem Ruf des Geldes folgen.

Eines ist sicher, wenn vor der nächsten Saison in der Bundesliga wieder nach dem Meisterschaftsfavoriten gefragt wird, dann fällt nur der Name Bayern München und die Konkurrenz gefällt sich in der Ankündigung, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Die letzten fünf Jahre war niemand da. Die Bayern werden auch ihre Aussage wiederholen, „wir wollen das Triple holen“, aber Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt schon eingeschränkt, „wir wissen auch, dass das nicht so leicht ist“. Aber die Sehnsucht nach dem Triple bleibt bestehen bei Bayern München.

Verteilen die Schiedsrichter die Pokale?

Wir kennen alle die grundlegenden Fußball-Weisheiten: Ein Spiel dauert 90 Minuten, das Runde muss ins Eckige, die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften und – der Schiedsrichter ist dann gut, wenn er gar nicht in Erscheinung tritt. Gerade auf Letzteres kommt es in den kommenden Wochen an, wenn es in Europas Fußball um Meisterschaften und Pokale geht. Viele Entscheidungen in den letzten Wochen lassen aber befürchten, dass die Schiedsrichter keine Nebenrolle, sondern die Hauptrolle spielen werden. Wenn die Klubs Pech haben, dann verteilen die Schiedsrichter die Pokale!

Bezeichnend dazu: Der FC Barcelona wäre heute in der Champions League gar nicht mehr dabei, wenn ihm Schiedsrichter Aytekin beim sensationellen 6:1 über Paris nicht einen Elfmeter geschenkt hätte. Das „Handauflegen“ bei Stürmer Suarez hatte „heilende Folgen“: Der Stürmer fiel hin, weil er was spürte und einen Pfiff provozieren wollte, der Schiedsrichter schaute nicht genau hin, ließ sich übertölpeln und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Ohne diesen Elfmeter hätte es Barcelona trotz aller Begeisterung nicht geschafft. So, bitte schön, sollen die Entscheidungen in den nächsten Wochen nicht fallen!

Im Fußball gibt es derzeit eine große Verunsicherung über manche Regel und deren Auslegung. Ein besonderes Beispiel sind die Urteile bei „Hand“. Spieler, Trainer und Fans wissen bei der unterschiedlichen Auslegung der Regeln nicht mehr, was Sache ist. Von Schiedsrichter zu Schiedsrichter gibt es andere Entscheidungen. Hand ist nicht immer Hand, sondern einmal angelegt und nicht strafwürdig, beim anderen aber doch strafwürdig, bei ähnlichen Situationen geht einmal die Hand bewusst zum Ball (also Pfiff), dann aber wieder unbewusst und wird nicht geahndet. Auslegungssache, aber eben auch Glückssache. Ähnliche Unterschiede gibt es bei Fouls, da werden vor allem Grätschen mit einem unterschiedlichen Strafmaß bedacht, was eben auch zu einer wesentlichen Beeinflussung führen kann, wenn es eine Rote oder Gelb-Rote Karte nach sich zieht. Ärgerlich wird es, wenn eben die Schiedsrichter die Entscheidung herbeiführen und nicht die Leistungen der Mannschaften.

Es ist reines Wunschdenken, dass die Schiedsrichter in den nächsten Wochen nur eine Nebenrolle spielen. Viel mehr wird es Diskussionen über Entscheidungen geben, die Fernsehkameras als Fehlentscheidungen enttarnen. Dann kommt wieder die Sehnsucht nach dem Videobeweis hoch, aber für diese Saison müssen die Schiedsrichter noch ohne Hilfsmittel auskommen. Da wünschen wir ihnen gute Augen, das richtige Augenmaß und vor allem das richtige Fingerspitzengefühl. Lasst die Spieler die Spiele entscheiden und verteilt nicht die Pokale!

Die Probleme mit den Länderspielen

Im Volksmund heißt es „wer bezahlt, schafft an“. Das ist im Profi-Fußball keineswegs so. Die Vereine bezahlen die Spieler, aber sie sind machtlos, wenn diese von den Verbänden angefordert werden und oft die Leidtragenden, wenn ihre Profis dann verletzt zu den Klubs zurückkehren, quasi als „totes Kapital“. Kein Wunder also, dass die Vereinigung der Profi-Klubs, die sich praktisch als Schutzgemeinschaft gegründet hat, hier Änderungen anstrebt und die Abstellungen zu Nationalmannschaften reduzieren will. Kein Wunder, dass die Trainer diese Länderspielpausen nicht gerne sehen. „Ich habe Angst vor den Länderspielen“, sagt zum Beispiel Bayern Münchens Coach Carlo Ancelotti, denn er weiß aus Erfahrung, „immer kommt einer verletzt zurück“. Besonders anfällig ist hier Chiles Star Arturo Vidal, der sich für sein Heimatland ins Zeug legt, aber eben auch bei den Bayern als Abräumer im Mittelfeld und Dampfmacher dringend gebraucht wird, wenn der Traum vom Triple (Meisterschaft, Pokalsieg, Gewinn Champions League) Wirklichkeit werden soll.

Gerade die Länderspielpause jetzt Ende März liegt denkbar ungünstig. Es stehen in aller Welt wieder Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland an, die Zeit wird aber auch für Freundschaftsspiele genutzt. Aber nach gerade zwei oder drei Spieltagen (je nach Land, die Bundesliga schiebt am 4./5. April einen Wochenspieltag ein) stehen die wichtigen Spiele im Viertelfinale der Champions League an, die innerhalb von zwei Wochen (11./12. und 18./19. April) durchgepeitscht werden. Es könnte also sein, dass Spieler, die verletzt von ihren Nationalmannschaften zurückkommen, bis zu diesen wichtigen Begegnungen ihres Vereins ihre Blessuren noch nicht auskuriert haben. Sie haben gerade zwei bis drei Wochen Zeit. Die Vereine bezahlen, schaffen aber nicht an!

Freilich, Verletzungen können in jedem Training oder jedem Spiel des Vereins passieren, aber es ist schon seltsam, dass Klubs wie Bayern München fast bei allen Abstellungen Spieler haben, die verletzt von ihren internationalen Einsätzen zurückkommen. Gut, WM- oder EM-Qualifikationsspiele müssen sein (zumindest so lange, bis die Bosse bei FIFA oder UEFA in den Sinn kommt, ein WM-Turnier mit allen Mitgliedsverbänden zu spielen!), aber die normalen Länderspiele, die Freundschaftsspiele, sind in Verruf gekommen. Müssen sie sein? Der Fan lässt sich da nicht mehr begeistern, die Stadien sind nicht mehr voll, weil die Attraktivität fehlt und die Trainer zu Experimenten neigen, also nicht alle Stars auf dem Feld stehen. Ein Teufelskreis, der die Probleme mit den Länderspielen deutlich macht.

Jeder muss Verständnis für die Trainer haben, eine gute Lösung für alle gibt es aber nicht. Die ist auch der Nationen-Cup nicht, der im nächsten Jahr neu eingeführt wird. Hintergedanke: Die normalen Länderspiele sollen aufgewertet werden, der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, es geht um was. Viele Trainer haben schon abgewunken und angekündigt, dass sie dann eben bei diesem Wettbewerb auf den Pokal verzichten und die Spiele lieber als Test nehmen. Die Vereine meutern sowieso und wollen einen Riegel vorschieben: Keinesfalls mehr Spiele, lieber weniger. Gibt es künftig also keine Länderspiele mehr?

Der Deutsche Fußball-Bund serviert seinen Fans zunächst einmal attraktive Länderspiele. Könnte sein, dass dann die Stadien trotz der „wertlosen“ Spiele voll sind, weil die Gegner England (Mittwoch, 22. März in Dortmund), Spanien und Brasilien (nächstes Jahr im März)) attraktiv sind. In Dortmund absolviert Publikumsliebling Lukas Podolski zudem sein Abschiedsspiel aus der Nationalmannschaft. Der Jubel ist also gewiss, doch die Probleme um die Länderspiele bleiben. Und nicht nur Carlo Ancelotti wird zittern.

Champions League: Machen die Favoriten den Weg frei?

Im Herbst das Vorgeplänkel, im Frühjahr die Entscheidung. Im europäischen Fußball geht es jetzt erst richtig los, wenn in der Champions League (CL) das Achtelfinale und in der Europa League (EL) die Zwischenrunde mit 32 Klubs ab Dienstag, 14. Februar anstehen. Die K.o.-Phase, das ist es, was die Fans sehen wollen. Die Finals finden am 24. Mai in Solna (Schweden/EL) und 3. Juni in Cardiff (Wales/CL) statt. Es könnte sein, dass auf dem Weg dahin einige Favoriten straucheln, denn die Formkurve der Spitzenteams in Europa ist sehr dubios. Die Frage also: Machen die Favoriten den Weg frei?

In der Europa League wird es sowieso einen neuen Titelträger geben, denn der Seriensieger der letzten Jahre, der FC Sevilla, hat es diesmal ins Achtelfinale der Champions League geschafft und gibt gerne den EL-Pott mal weiter. Die Spanier siegten die letzten drei Jahre, davor schaffte es 2013 der FC Chelsea. Auch diesmal könnte ein englischer Klub profitieren, Manchester United gilt als Favorit. Die nächste Hürde heißt AS St. Etienne und sollte eigentlich kein Stolperstein sein. Auch die deutschen Klubs träumen vom Finale, Borussia Mönchengladbach stieg aus der CL ab und hat den AC Florenz in einem offenen Duell als Gegner, Schalke 04 zog als Gruppensieger in die nächste Runde ein und fürchtet gegen PAOK Saloniki vor allem die heißblütigen griechischen Fans. Wie auch immer, die Europa League wird weiter im Schatten des großen Bruders Champions League bleiben.

Die großen Vereine Europas haben auch ihre Probleme, sie suchen ihre Form. Titelverteidiger Real Madrid gilt zwar erneut als Favorit, doch zwei Aspekte stehen dagegen: Erstens der Fluch des Siegers, denn bisher konnte noch kein Klub den Titel erfolgreich verteidigen, zweitens die Form, denn seit dem Ende der Rekord-Siegesserie in der „La Liga“ in Spanien mit 40 ungeschlagenen Spielen konnte Real kaum überzeugen, wenn es auch die Tabelle in Spanien nach wie vor anführt. Das geht nur deshalb, weil auch der FC Barcelona schwächelt und immer wieder überraschend Punkte abgibt. Abgefallen ist auch Atletico Madrid, das zuletzt die großen Klubs ärgerte und 2014 und 2016 im Finale von Real jeweils nur unglücklich unterlag. Aber jetzt ist der Wurm drin, Trainer Diego Simeone, bekannt als „Heißmacher“ an der Linie, mosert über fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen: „Da gewinnen wir leichter in der Champions League als in Spanien.“ Im Achtelfinale könnte Bayer Leverkusen der Leidtragende sein. Die Deutschen sind jedenfalls Außenseiter.

In die Phalanx der Großen mit Formschwächen reiht sich auch der FC Bayern München ein. Die Bayern waren der letzte CL-Sieger, der nicht aus Spanien kam (2013). Zu gern würden sie das Triple von damals (zudem Meisterschaft und nationaler Pokal) wiederholen. Pep Guardiola konnte diesen Traum bekanntlich nicht zur Wirklichkeit werden lassen, die Bayern scheiterten zuletzt immer im Halbfinale. Jetzt trägt sein Nachfolger Carlo Ancelotti die Hoffnungen, u. a. deshalb, weil er einst mit Real seinen Kollegen Guardiola und die Bayern austrickste und demütigte. Aber in der Liga sind auch die Bayern nicht in Form und die Fans fragen sich, ob es in der CL so einfach besser geht. Da könnte Arsenal London mal Historisches schaffen, nämlich die Bayern ausschalten. Bisher galten die Londoner unter Arsene Wenger als Lieblingsgegner der Münchner, in drei Duellen hatte Arsenal das Nachsehen. Es würde in die Tendenz passen, wenn Bayern diesmal straucheln würde, die Tendenz nämlich, dass die Favoriten den Weg frei machen.

Eine ähnliche Konstellation ergibt sich im Duell zwischen dem FC Barcelona und St. Germain Paris. Die Spanier waren für die Franzosen 2013 und 2015 im Viertelfinale Endstation, jetzt träumen die Franzosen wieder, obwohl auch sie dem Fluch der mangelnden Form unterliegen. Der Abgang von Torjäger Ibrahimovic wiegt schwer. Erstmals seit vier Jahren grüßen sie in der nationalen Liga nicht von der Spitze der Tabelle. Nicht die besten Voraussetzungen für eine Überraschung.

Wer aber könnte den Weg gehen, wenn Hürden beiseite geräumt werden? Als erstes schreit wohl Juventus Turin „hier“, die Italiener wollen schon lange an die Spitze Europas und den früheren Glanz des italienischen Fußballs wieder herstellen. Gut in Form ist auch der SSC Neapel, warum also nicht den Titelverteidiger Real stürzen? Oder gar der englische Meister Leicester City? Das wäre die nächste Sensation, denn in England befindet sich der Meister in diesem Jahr im Abstiegskampf und Gegner FC Sevilla hat bekanntlich viel vor. Mehr darf man da Manchester City und Pep Guardiola zutrauen. Der Ex-Bayern-Trainer ist zwar in England noch nicht ganz angekommen und es droht eine Saison ohne Titel zu werden, es sei denn, es gelingt eine Überraschung in der CL! Oder gar Borussia Dortmund? Bisher war es so, in der Liga „pfui“, in der CL „hui“. Wer in den Gruppenspielen Real Madrid auf Platz zwei verdrängt hat, der muss wohl zumindest in den Kreis der aussichtsreichen Außenseiter aufgenommen werden. Die Jungspunde aus Dortmund könnte Europa überrennen, was vielleicht leichter ist, als Woche für Woche im Alltag Bundesliga beste Leistungen zu zeigen. Der Sport ist ja bekanntlich voller Rätsel und die Champions League in diesem Jahr auch.

Das CL-Achtelfinale: Benfica Lissabon – Borussia Dortmund, Paris St. Germain – FC Barcelona, Bayern München – Arsenal London, Real Madrid – SSC Neapel, Bayer 04 Leverkusen – Atletico Madrid, Manchester City – AS Monaco, FC Porto – Juventus Turin, FC Sevilla – Leicester

DFB-Pokal: Die Amateure kämpfen um ihr Fest

Es ist wieder so weit, am Dienstag/Mittwoch (7./8. Februar) befindet sich die Fußballgemeinde in Deutschland wieder im Pokalfieber. In allen Nationen hat der Pokal seinen besonderen Reiz, weil der Vergleich zwischen den großen und kleinen Vereinen nicht alltäglich ist und wenn dann auch noch David gegen Goliath siegt, ist die Begeisterung besonders groß. Vor allem für die Amateur-Klubs ist es ein Feiertag, wenn einmal ein Bundesligist bei ihnen auftaucht. Doch das Fest der Amateure ist in Gefahr.

Immer wieder wird gerade von den großen Klubs eine Pokalreform ins Gespräch gebracht. Früher gab es ja sogar noch Hin- und Rückspiele, die vor allem aus zwei Gründen in Deutschland richtigerweise abgeschafft wurden (in anderen Ländern gibt es sie noch): Einmal schmälert das die Chance der kleineren Klubs, andererseits muss für die international tätigen Vereine ein weiterer Termin im sowieso schon prall gefüllten Kalender untergebracht werden. Die jetzige Regelung könnte eigentlich Bestand haben, mit 64 Vereinen in der ersten Runde, die zuletzt jeweils quasi als Saisonstart vor dem ersten Bundesliga-Spieltag ausgetragen wurde. Wenn, ja wenn nicht dieser frühe Start der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein Dorn im Auge wäre. Sie würde ihre Klubs lieber vermehrt zu PR-Zwecken ins Ausland schicken. Ein Spiel in Peking bringe mehr als ein Spiel in Walldorf.

DFL-Boss Christian Seifert geht fast perfide vor, wenn er betont, dass die Bundesliga keineswegs die kleinen Klubs vor den Kopf stoßen will und ein Freilos für international spielende Klubs gefordert wird. Er könnte sich statt 64 sogar 128 oder 256 Vereine im DFB-Pokal vorstellen, so dass mehr Klubs vom Geldsegen DFB-Pokal profitieren könnten, aber er verschweigt geflissentlich, dass in diesen ersten Runden die Amateure eben unter sich wären. Zwangsläufig findet die Auswahl schon vorher auf Landesebene statt, ehe sich eben die Landesbesten für die erste Runde auf Bundesebene qualifizieren von dem Festtag träumen dürfen, weil eben richtigerweise die Amateure in allen Runden Heimrecht genießen. Dann muss die Glücksfee eben ein gutes Händchen haben, damit auch wirklich ein Bundesligist kommt und kein Zweitligist. Sonst fällt das Fest natürlich ein wenig kleiner aus.

An diesem Grundprinzip darf nicht gerüttelt werden, wenn in diesem Jahr über die neue Vereinbarung zwischen DFL und DFB um die Zukunft des Pokals verhandelt wird. Die Amateure gehen sogar noch weiter und setzen den Profi-Fußball unter Druck. So hat sich eine Aktionsgemeinschaft „Rettet die Amateurvereine“ gebildet, die mehr Geld vom Profi-Fußball fordert. Initiator ist der frühere Vorsitzende der SpVgg Unterhaching, Engelbert Kupka, der fordert: „Nach dem großartigen Fernsehvertrag der DFL muss mehr Geld an die Amateur fließen.“ Im Grundlagenvertrag, der bis 2023 läuft, sind drei Prozent festgeschrieben, die Aktionsgemeinschaft fordert zehn Prozent der 1,5 Milliarden, also statt 45 Millionen gleich 150 Millionen – dreimal so viel. Diese Probleme sehen die Klubs: Die Amateurvereine sind vielfach am Ende, die Zuschauer fehlen und damit Einnahmen, die Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern wird immer schwieriger, Vereine müssen aufgeben, Spielgemeinschaften allein sind nicht die Rettung. Angeblich mussten bereits 16.000 Mannschaften aufgeben.

Aber die Bundesliga schaut nicht nach unten, sondern über die Grenzen Deutschlands hinaus. Allerdings sollte sie nie vergessen, dass „König Fußball“ Probleme bekommen wird, wenn die Basis weg bricht. Da darf dann nicht auch noch das Fest der Amateure in Frage gestellt werden, denn das ist ebenfalls eine dringend notwendige PR-Arbeit an der Basis. Es ist sicherlich richtig, die Fans in China, Japan oder Amerika für die Bundesliga zu interessieren, aber das darf erst an zweiter Stelle stehen.

Übrigens: In der ersten Runde des Pokals 2016/2017 sind sechs Bundesligisten ausgeschieden, Jetzt im Achtelfinale sind noch neun Bundesligisten vertreten mit drei direkten Duellen (Dortmund – Hertha BSC Berlin, Hamburg – Köln, Bayern München – Wolfsburg), während Astoria Walldorf der letzte Vertreter der kleinen Klubs ist, aber immerhin in der Regionalliga spielt. Zweitligist Arminia Bielefeld ist der Gegner, nachdem Astoria bisher Zweitligist Bochum und Bundesligist Darmstadt ausgeschaltet hatte. Jetzt träumt der Regionalligist vom nächsten Coup. So soll es bleiben: Festtage der Amateure im DFB-Pokal.

Kann der Fußball noch attraktiver werden?

Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt, insofern darf es nicht verwundern, dass sich auch die Funktionäre im Fußball-Weltverband Gedanken machen, wie der Fußball weiterentwickelt werden kann. Aber die Frage ist eben auch berechtigt: Kann der Fußball noch attraktiver werden?

Tatsache ist, dass der Fußball weltweit eine Spitzenposition einnimmt, in Europa und Südamerika als Nummer eins aller Sportarten, in Asien und Nordamerika ist er auf dem Vormarsch. Die Umsätze steigen ebenso wie die Fernsehhonorare und wenn der Fußball Rückschläge hinnehmen musste, dann nicht durch den Sport, sondern durch Funktionäre, die den Sport mit Korruption und anderem mit den Füßen getreten haben. Wie stark muss der Fußball sein, wenn er einen Skandal wie den um seinen ehemaligen Präsidenten Sepp Blatter fast schadlos überstehen kann! Dennoch kann und muss man sich natürlich Gedanken machen, schade nur, dass manche so abwegig sind, wie die Aufblähung der Weltmeisterschaft auf nun 48 Nationen.

Aber jetzt geht es nicht um einen Turniermodus, sondern der neue Sportdirektor der FIFA, der einstige Weltklassestürmer Marco van Basten, hat laut darüber nachgedacht, wie das Spiel verbessert und attraktiver werden kann. Wer viele Vorschläge bringt, schießt manchmal auch über das Ziel hinaus, mal sehen was Wirklichkeit werden kann. Bisher war es so, dass Regeln schonend verändert wurden und dass nicht gravierend ins ursprüngliche Spiel eingegriffen wurde. Nehmen wir nur die Änderungen für die Torhüter, die heute bei einem Rückpass den Ball nicht in die Hand nehmen dürfen. Fortschritte gab es immer wieder, wie jetzt mit der Einführung des Videobeweises, wenn die moderne Technik helfen soll, das Spiel gerechter zu machen. Stillstand gibt es also nicht.

Die Frage ist immer, wie weitreichend Neuerungen sind bzw. sein dürfen. Schlagworte der Vorschläge des Niederländers sind „Abseits abschaffen“, „Zeitstrafen statt Gelber Karten“, „Fliegende Wechsel“ oder „Shoot-out statt Verlängerung“. Manches wurde schon oft diskutiert und wieder verworfen, zum Beispiel beim Abseits. Es ganz abzuschaffen würde den Fußball gravierend verändern – auf die Streichliste.

Zeitstrafen werden schon lange diskutiert, im Amateurfußball gab es positive Erfahrungen und dennoch wurden sie teilweise wieder abgeschafft. Zeitstrafen statt Gelber Karten könnten für mehr Gerechtigkeit sorgen, weil der Gegner unmittelbar von der Bestrafung profitiert und nicht der nächste Gegner. Da sind Überlegungen also angebracht.

Fliegende Wechsel kann man vergessen, weil sie bei 22 Mann auf dem Spielfeld nicht zu kontrollieren sind und nicht nur die Zuschauer den Überblick verlieren, sondern wahrscheinlich auch Trainer und Schiedsrichter – Streichliste.

Das Shoot-out gab es früher in Nordamerika und hat sich nicht bewährt. Es sorgt für nicht mehr Spannung als ein Elfmeter, wenn der Spieler weitab vom Tor den Ball aufnimmt und auf den Torhüter zuläuft. Der Elfmeter ist dagegen kurz und knackig – also Streichliste. Schwierig wird es auch, den Fußball in punkto Zeitspiel gerechter zu machen, selbst wenn die Uhr (Vorschlag in den letzten Minuten) zum Ende zu angehalten wird. Was ist mit den Spielverzögerungen zuvor? Nein, da müssen die Schiedsrichter weiterhin ein entsprechendes Fingerspitzengefühl zeigen. Und auch Unterbrechungen für die Trainer für kurze Spielerbesprechungen (Time Out) sind nicht notwendig.

Der Fußball kann durchaus auf andere Sportarten schauen und darüber diskutieren, was ihm helfen kann. Aber der Fußball muss ein Original bleiben, nicht umsonst schauen fast alle anderen Sportarten neidisch auf den Fußball. Nehmen wir Deutschland als Beispiel, da heißt es Fußball, Fußball, Fußball und dann kommt lange nichts. Hier können einschneidende Änderungen der Fußballeuphorie eher schaden. Vereine und Funktionäre sollten sich eher bemühen, die Volkstümlichkeit des Fußballs zu bewahren und ihn nicht zur reinen Geldverkehrung zu missbrauchen.

Wenn der Profi-Fußball gar nicht professionell ist

 

Zweistellige Millionensummen an Ablöse und horrende Gehälter (oft auch zweistellig) sorgen für Schlagzeilen, die Vereine rühmen sich mit ständig steigenden Umsätzen (die Bundesliga hat die Schallmauer von drei Milliarden Euro durchbrochen), die Stars sind berühmt wie Filmschauspieler, sie leben oft ein bisschen in einer eigenen Welt und kleinere Probleme tun sie oft oberflächlich ab mit dem Hinweis „wir sind ja Profis“. Das ist der schöne Profi-Fußball, doch manchmal verhalten sich die Profis gar nicht professionell. Bevor der Fußball in aller Welt wieder auf Hochtouren läuft, zeigt der Sport-Grantler an einigen Beispielen auf, wo es fehlt.

Die Nächte: Gerade bei Spitzenklubs verdienen die Profis ein Haufen Geld und dann kann man auch erwarten, dass die Herren Millionäre in allen Bereichen ein profimäßiges Verhalten an den Tag legen. Tun sie aber nicht. Das Beispiel Max Kruse bei Werder Bremen zeigt es: Der Stürmer baute früh um 4.00 Uhr einen Unfall auf der Autobahn, als er bei Glatteis von der Fahrbahn rutschte. Um 10.00 Uhr war er zwar pünktlich beim Training, doch professionell ist eine Nachtfahrt vor den Übungseinheiten nicht. Er ist bei weitem kein Einzelfall, oft machen Fußballspieler Schlagzeilen mit Barbesuchen bei Nacht, professionelles Verhalten sieht anders aus.

Die Öffentlichkeit: Interviews für die Presse und Autogramme für die Fans gehören zu den vertraglichen Verpflichtungen. Für manche sind sie ganz einfach Pflichtübungen, keine Selbstverständlichkeit. Interviews werden gerne gegeben, wenn die Mannschaft gewonnen hat, bei Niederlagen verdrücken sich die meisten Spieler. Professionell ist das nicht. Genauso gegenüber den Fans, die oft lange auf ihre vergötterten Stars nach Training oder Spiel warten, dann kalt abserviert und keines Blickes gewürdigt werden. Sie aber machen die Spieler erst zu Stars, die manchmal auf einem zu hohen Ross sitzen. Professionell ist das nicht und müsste von vielen Vereinen entsprechend sanktioniert werden.

Die Trikots: Die Fußballklubs rühmen sich oft selbst über ihre großartige Organisation, aber manchmal sind sie einfach amateurhaft. Das darf es einfach nicht geben, dass sogar bei Länderspielen oft Mannschaften ohne Spielernamen auf den Trikots antreten. Das müssen die Verbände verbieten! Der Zuschauer im Stadion hat vielleicht noch ein Programmheft und kann die Spieler anhand der Rückennummern identifizieren, der Zuschauer am Bildschirm aber nicht. Jede Mannschaft muss in der Lage sein, vor einem Spiel, das im Fernsehen übertragen wird, die Trikots entsprechend zu beflocken. Außerdem sollten die Verbände zu einer einheitlichen Regelung finden. Einmal ist der Vereinsname oben über der Nummer, dann wieder der Spielername. Nicht einmal in der Bundesliga ist das einheitlich. Das Verbandslogo müssen alle tragen, dann aber auch bitte eine einheitliche Regelung bei den Trikots. Der Spielername gehört nach oben, damit der Spieler eben auch schnell erkannt werden kann. Außerdem muss es einen einheitlichen Sprachgebrauch geben. Da haben viele Spieler einen Künstlernamen, einmal wird dieser Name genannt, dann wieder sein richtiger. Zu lesen waren schon in manchen Berichten zwei Namen. Zum Beispiel wird der Mainzer Spieler Jairo Samperio einmal nur Jario, dann wieder Samperio genannt. Oder der Mexikaner Javier Hernandez bei Bayer Leverkusen, genannt „Chicharito“ (die kleine Erbse). Chicharito steht auf dem Trikot, Hernandez in der Aufstellung. Wer sich nicht auskennt, sagt sich „haben die mit zwölf Mann gespielt?“ oder fragt: „Warum spielt der Hernandez nicht?“

Die Belastung: Manchmal hat man den Eindruck, die Fußball-Stars wollen gern Millionen verdienen, aber nur für einen Hungerlohn arbeiten. Klagen über die Belastung, wenn sogenannte „englische Wochen“ anstehen, wenn also unter der Woche gespielt werden muss, gehören sich nicht. Viele Athleten anderer Sportarten schauen mit Neid auf den Fußball, wo viel verdient, aber oft auch weniger getan wird als in anderen Sportarten. Hier stellt sich die Frage, ob der Fußball trainingstechnisch wirklich alles ausgeschöpft hat. Unverständlich zum Beispiel, dass ein Profi-Fußballer mit links und rechts nicht gleichstark operieren kann. Das sollte man zumindest in der Jugend lernen, wenn man Profi werden will. Seltsam: Viele Torhüter können das problemlos, Welttorhüter Manuel Neuer schlägt die Bälle exakt mit links und rechts zu seinen Mitspielern. Das muss jeder können!

Diese Aufzählung nur als kleine Beispiele, die aufzeigen, dass der Profi-Fußball oft auch nur eine schöne Scheinwelt um sich aufbaut. Hinter den Kulissen schaut es oft gar nicht professionell aus!

Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars: England oder China?

 

Als in England die TV-Honorare explodierten, da ging in der deutschen Bundesliga die Angst um, dass der Ausverkauf der Stars beginnen würde. Bisher kann von Ausverkauf keine Rede sein, da gibt es aber schon wieder einen weiteren Konkurrenten, der mit Geld um sich wirft: China hat den Fußball entdeckt. Jetzt stellt sich die Frage: Wer gewinnt den Kampf der Moneten um die Fußball-Stars, England oder China?

Die Ausgangsposition könnte konträrer nicht sein. Da England, das Mutterland des Fußballs, der Klassiker schlechthin, der Sportler und Fans gleichermaßen anlockt. Stimmungsmäßig hat die Bundesliga längst aufgeholt, heute präsentiert Deutschland die moderneren Stadien, aber der Fußball in England hat an Reiz nichts verloren. Dort China, das Land mit den meisten Einwohnern, aber ein Entwicklungsland in Sachen Fußball. Die chinesischen Machthaber haben allerdings vor einiger Zeit Fußball als PR-Lokomotive für ihr Land entdeckt und Industrie und Millionäre aufgefordert, gefälligst etwas zu tun. Jetzt werden nicht nur Firmen im Ausland gekauft, sondern auch Fußballvereine und vor allem Spieler sowie Trainer. Stars sollen den Fußball attraktiv machen, an Geld fehlt es nicht.

Komisch, aus der Bundesliga kam bisher kein Aufschrei trotz der utopischen Summen, die von China ausgerufen werden. Was gab es für ein Gezeter, als Frankreichs Star Paul Pogba für 120 Millionen Euro von Turin zu Manchester United ging. Lächerlich fanden dagegen alle die 200 Millionen Euro, die China für Superstar Cristina Ronaldo aufrief. Sein Manager offenbarte diese Summe und betonte gleichzeitig, der Torjäger werde Real Madrid nicht verlassen. Ronaldo verdient in Madrid gut, in China hätte er noch besser verdienen können, angeblich 100 Millionen Euro – im Jahr wohlgemerkt. Carlos Tevez, eigentlich am Ende seiner Karriere, die er mit 32 Jahren in Südamerika ausklingen lassen wollte, ist dem Ruf des Geldes gefolgt. Für 40 Millionen Euro im Jahr muss er in China wahrscheinlich nicht einmal mehr laufen.

Die Chinesen wollen allerdings nicht allein in Stars ihr Geld stecken. Sie wollen es cleverer anstellen, als die Amerikaner, die einst in ihren Anfängen vor allem auf große Namen setzten wie Pele und Franz Beckenbauer, aber den Aufbau des Nachwuchses versäumten. In China entstehen Talentschmieden und – man höre und staune – auch die Bundesliga beteiligt sich als Entwicklungshelfer. Da wird der künftige Konkurrent selbst großgezogen. Wieder einmal geht hier Wirtschaft vor Sport, denn der chinesische Markt ist attraktiv, das hat zum Beispiel auch Bayern München erkannt, mit Gastspielen in China. Logisch, dass es die Vereinsseite im Internet auch auf Chinesisch gibt. China träumt von der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 und will spätestens dann um den Titel mitspielen. Bis dahin soll auch die Bevölkerung für Fußball begeistert werden. Heute sehen im Schnitt 24.000 die Spiele der Spitzenliga, die auch schon Top-Trainer angelockt hat, wie Italiens Lippi, Brasiliens WM-Coach Scolari, den Schweden Eriksson und nicht zuletzt Felix Magath.

Wer ist also in Zukunft die größte Gefahr für die Bundesliga? England mit seiner Tradition oder China mit seiner Zukunft? Die Bundesliga wird nicht untergehen, das Gros der Spieler wird zu Hause bleiben, nach dem Motto, „da weiß ich, was ich habe“. Und gut verdienen kann man in Deutschland auch. Und außerdem: Fällt die 50+1-Regelung, da wird bald ein Bundesligist einen chinesischen Eigner haben!