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Europas irre Fußball-Abende

Mein Gott, warum haben wir solange auf solche Abende warten müssen. Quälend lang zieht sich die Champions League ab September mit der Gruppenphase dahin. Verband und Fernsehen wollen es so, das Geld zählt, nicht der Spaß. Aber erst im Frühjahr erwacht der Fußball zusammen mit der Natur, beide explodieren förmlich und wir erfreuen uns an Europas irren Fußball-Abenden.

Es war wirklich viel los in den vergangenen Spielen und dass vier Teams aus vier Nationen im Halbfinale der Champions League (CL) stehen, hat es auch schon lange nicht mehr gegeben. Aber der Weg dahin war so attraktiv, dass es in den letzten fünf Spielen wohl keine Steigerung mehr geben kann. Die Aufholjagd der Roma gegen den FC Barcelona wird ebenso unvergessen bleiben wie der Triumph des FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp gegen Manchester City und seinen alten Kontrahenten aus der Bundesliga, Pep Guardiola.

Auch Juventus Turin kratzte an der Sensation, als es ein 0:3 gegen Real Madrid aufholte, dann aber von einer harten Schiedsrichter-Entscheidung des Engländers Oliver gestoppt wurde. Nicht jeder Referee hätte bei dem Einsteigen von Benatia gegen Vazquez Elfmeter gepfiffen, vor allem nicht in der Verlängerung eines solch dramatischen Spiels. So waren Oliver und Torschütze Cristiano Ronaldo Spielverderber und Henker zugleich, so dass sich Turins Torhüter-Legende Gigi Buffon mit einer Roten Karten von Europas Bühne verabschiedete, weil er (verständlich) die Entscheidung so nicht hinnehmen wollte. Es war Dramatik pur, das Tüpfelchen aufs „i“ der irren Fußball-Abende.

Sauer war auch Manchesters Trainer Pep Guardiola. Der Katalane vermutet sogar eine spanische Verschwörung hinter den Entscheidungen des eigentlichen Landsmannes Lahoz, der einem regulären Tor von Flügelflitzer Sane die Anerkennung verweigerte. Schon im Hinspiel mussten City und Pep unter falschen Schiedsrichter-Entscheidungen leiden, doch da war der Münchner Felix Brych an der Pfeife. Aber diese Spiele zeigten einmal mehr deutlich, dass es zum Titelgewinn neben Leistung und ein bisschen Glück auch einen guten Schiedsrichter braucht. Das wollen wir nicht, dass es erst durch zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen irre Fußball-Abende gibt.

An irre Fußball-Abende mit zweifelhaften Schiedsrichter-Entscheidungen wird sich auch Bayern München erinnern, nämlich im letztjährigen Viertelfinale gegen Real Madrid mit einem unglücklichen Ausscheiden nach 2:1 und 2:4 nach Verlängerung. Jetzt treffen die beiden Giganten im Halbfinale wieder aufeinander und die Gesamtbilanz liest sich für die Bayern gar nicht so schlecht, die Bilanz ist nämlich ausgeglichen mit je elf Siegen und zwei Unentschieden. Was aber die Münchner zum Außenseiter macht: Die letzten fünf Vergleiche gingen alle an Real. Und was auch noch dazu kommt (siehe oben): Die Königlichen haben bei den Referees offensichtlich ein Stein im Brett, die Pfiffe gibt es im Zweifel für die Königlichen. Wenn es denn im Halbfinale überhaupt Außenseiter gibt, dann treffen diese im zweiten Duell mit Liverpool und Rom aufeinander. Da darf Jürgen Klopp weiter vom ersten Titel mit Liverpool träumen.

Auffallend ist, dass die Bayern eine Ausnahme unter den vier Halbfinalisten darstellen: Nur sie können sich mit einem nationalen Titel schmücken. Alle anderen sind in der nationalen Meisterschaft abgeschlagen, selbst Real sieht in Spanien Tabellenführer FC Barcelona nur aus der Ferne. Das macht die Aufgabe der Bayern noch einmal schwerer, weil sich Real allein auf die Champions League konzentrieren kann, die Bayern wollen stattdessen auch noch im nationalen Pokal bestehen (Dienstag in Leverkusen). Andererseits überstrahlt der Sieg in der CL die nationale Meisterschaft, so dass sich Barcelona, Juventus und Paris St. Germain praktisch nur einen Trostpreis abholen. Nur die Bayern haben deshalb noch die Chance auf das Triple. Real wiederum will den Hattrick mit drei CL-Siegen in Folge. Damit steht fest: Ein Traum wird im Halbfinale platzen, vielleicht nach einem irren Fußball-Abend.

Entscheidungen und ihre Folgen

Nur noch fünf Spieltage stehen in der Fußball-Bundesliga bis zum Finale am 12. Mai an. Es ist die Zeit der Entscheidungen. Aber nicht nur im Oberhaus, sondern auch in den Ligen darunter. Entscheidungen fallen zwangsläufig, ein Blick aber auch auf einige Folgen.

Zunächst aber erst einmal herzlichen Glückwunsch an den FC Bayern München, der seine 28. Meisterschaft am 29. Spieltag unter Dach und Fach brachte, nur zweimal waren die Bayern schneller. Es ist der sechste Titel in Folge und natürlich wieder ein neuer Rekord. Was das bedeutet, verdeutlicht ein Blick auf die Liste der Meister: Kein anderer Verein hat seit Bestehen der Bundesliga mehr als fünf Meisterschaften gewonnen! Die Münchner feierten allerdings auf Geheiß ihres Trainers Jupp Heynckes mit „gebremsten Schaum“, die wichtigsten Aufgaben stehen noch bevor, zum Beispiel am Mittwoch das Rückspiel gegen den FC Sevilla in der Champions League. Verständnis bei den Spielern: „Es ist ja so, ich bin über 30, da dauert es ein paar Tage, bis du wieder regenerierst“, sagte Sandro Wagner. Torjäger Robert Lewandowski durfte sich beim 4:1 in Augsburg ebenso ausruhen wie andere Stars. In der B-Elf der Bayern standen mit Ausnahme von Torhüter Sven Ulreich dennoch nur Nationalspieler auf dem Platz! Übrigens: Damit haben die Bayern als erste Mannschaft der großen Ligen in Europa den Titel errungen. Pep Guardiola verpasste dies mit Manchester City mit einer Niederlage im Derby gegen United.

Entscheidungen und ihre Folgen – wie sieht die Zukunft der Bayern aus? Die Bayern-Fans können beruhigt sein, Jupp Heynckes prophezeit den siebten Titel in Folge für 2019. Allerdings wird der Senior, der im Mai 73 wird, dann wirklich nicht mehr auf der Bank sitzen. Zur Erinnerung: Nach sieben Spieltagen hatten die Bayern fünf Punkte Rückstand auf Dortmund, jetzt 20 Punkte Vorsprung auf den Zweiten Schalke. Die nächste Entscheidung verspricht also Brisanz. Das Beispiel mit dem entlassenden Carlo Ancelotti zeigt, dass nicht jeder Fan den FC Bayern auch zum Meister machen kann. So hofft die Konkurrenz auf einen Fehlgriff der Bayern-Chefs, auf einen Umbruch im Team mit Folgen – nur das kann die Langeweile an der Spitze für die nächsten Jahre vertreiben.

Da sind wir bei den neuen Verträgen, bei den Entscheidungen und ihren Folgen. Im Mittelpunkt stehen bei den Bayern Arjen Robben und Franck Ribery, die mit einer Vertragsverlängerung in der Warteschleife stehen. Tendenz: Die Verträge werden verlängert, allerdings müssen Rummenigge und Co. den Stars auch deutlich machen, dass die Einsätze weniger werden, dass sie dem Neuaufbau nicht im Wege stehen dürfen. Cowman, schon in dieser Saison bester Flügelflitzer, und Gnabry, der im Sommer endgültig bei den Bayern beginnen soll, müssen langsam herangeführt werden, sind die Zukunft. Robben und Ribery können in neuer Rolle aber noch besonders wichtig werden. Nicht vergessen sollte man Rafinha, er hat sich in dieser Saison fast als unentbehrlich erwiesen, mit dem Brasilianer sollten die Bayern unbedingt verlängern, er ist der ideale Backup für Kimmich und Alaba.

Das größte Fragezeichen steht natürlich hinter dem neuen Trainer und das nicht nur bei den Bayern. Der Meister könnte allerdings einen Domino-Effekt auslösen, wenn er einen Trainer aus der Bundesliga verpflichtet (Favorit Niko Kovac von Eintracht Frankfurt). Auf Trainersuche wird wohl auch Borussia Dortmund gehen, eine Weiterentwicklung ist unter Peter Stöger nicht erkennbar, und vielleicht kommen doch noch Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelsmann in die Verlosung. Das werden Entscheidungen mit großen Folgen. Wobei bei Dortmund auch Veränderungen im Kader anstehen.

Im Abstiegskampf stehen die größten Entscheidungen an, mit den bittersten Folgen. Köln schaffte mit dem 1:1 gegen Mainz doch nicht den Anschluss, sondern rutschte sogar wieder ans Tabellenende. Der HSV schöpft nach dem 3:2 gegen Schalke wieder Hoffnung, hat wieder Leben im Team, aber ob gegen Hoffenheim, Frankfurt und Mönchengladbach die notwendigen Siege gelingen? Erfolge gegen die direkten Konkurrenten Freiburg und Wolfsburg sind da schon Pflicht, reichen aber zur Rettung nicht. An jedem Wochenende gibt es richtungsweisende Duelle, diesmal am Montag, 16. April, zum Abschluss der Runde Mainz gegen Freiburg, ein Schritt zur Rettung oder nicht, das ist Frage. Eine Niederlage könnte auch Freiburg endgültig in den Abstiegsstrudel reißen.

Übrigens: Ein Blick auf die 2. Bundesliga macht deutlich, dass die Bundesliga Dino HSV und Traditionsklub Köln (der kommenden Abstieg muss fast als Betriebsunfall gewertet werden) noch nachweinen wird. Das Aufstiegsrennen eine Liga tiefer zeigt nämlich, dass die heißen Kandidaten Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg derzeit kaum die nötige Klasse für das Oberhaus besitzen, noch weniger Verfolger Holstein Kiel. Schon heute ist sicher, dass die Bundesliga-Absteiger zu heißen Kandidaten für den Wiederaufstieg werden, andererseits die Aufsteiger zu ersten Anwärtern auf den Abstieg! Entscheidungen mit Folgen also.

Eine seltsame Entscheidung traf das Bundesgericht des DFB, das die Gelbe Karte des Freiburger Spielers Nils Petersen annullierte, weil er sie angeblich nicht gesehen hatte. Kritiker sprechen von einem Skandal und das Gericht hat ein Urteil mit Folgen gesprochen: Die Schiedsrichter müssen sich vergewissern, dass der Spieler die Karte auch sieht. Oft werden die Spieler zum Referee zitiert, manchmal läuft der Schiedsrichter den Sündern auch nach. Das ist unwürdig. Bleibt nur eine Festlegung: Nach einem Foul muss der Spieler am „Tatort“ bleiben bzw. wer sich vom Schiedsrichter entfernt, erhält zudem Gelb wegen unsportlichen Verhaltens und fliegt (wie Petersen) ganz vom Platz. Unbehagen bleibt bei solchen krassen Entscheidungen. Hoffnung: Die FIFA könnte das Urteil einkassieren. Das wäre dann eine Entscheidung mit guten Folgen.

Niemand will die Bayern zum Meister machen

Seltsame Fußball-Bundesliga: Erst findet sich in der Saison kein ernsthafter Konkurrent für den Titelverteidiger Bayern München (nachdem die Anfangseuphorie in Dortmund verflogen ist), am Ende, dann, wenn der letzte Schritt der Münchner zum Titelgewinn ansteht, da begehren die Gegner plötzlich auf. Unisono heißt es: „Die Bayern werden ja sowieso Meister, aber bei uns sollen sie es nicht werden.“ Dies ist am Samstag auch die Gefühlslage in Augsburg. Die Bayern Meister beim FCA – keine angenehme Vorstellung bei den FCA-Fans, die kaum Sympathien für den übermächtigen Nachbarn haben.

Die Augsburger wissen, sie brauchen im Derby einen Glanztag, damit die Bayern nicht feiern. Allerdings haben die Schwaben den Vorteil, dass die Bundesliga derzeit für die Münchner nur ein Pflichtprogramm darstellt, im Mittelpunkt stehen die zwei Duelle mit dem FC Sevilla in der Champions League. Da geht es am 3. und 11. April um den Einzug ins Halbfinale und der Gegner könnte eine größere Hürde sein, als bei der Auslosung erhofft. Das 2:2 von Sevilla gegen den FC Barcelona am Wochenende war Warnung genug. Zurück zu Augsburg und die Hoffnung der FCA-Fans: Bayern-Trainer Jupp Heynckes wird zwischen den Sevilla-Spielen wohl rotieren lassen. Motto: Meister werden wir sowieso, wann, ist egal. Die Bayern könnten aber in Konkurrenz treten zu den anderen dominanten Teams in Europa: Manchester City führt in England mit 16 Punkten Vorsprung, Paris St. Germain hat in Frankreich 17 Zähler Abstand auf Monaco, genauso also wie die Bayern gegenüber dem Bundesliga-Zweiten Schalke 04. Wer wird zuerst Meister?

Eines zeigte sich am vergangenen Wochenende: Das 6:0 gegen Borussia Dortmund bewies, dass die Bayern für Sevilla gerüstet sind. Doch so leicht wird es ihnen von den Spaniern nicht gemacht werden. Das 6:0 bewies nämlich auch, dass Dortmund derzeit kein ernsthafter Bayern-Konkurrent ist. Fast unglaublich, dass die Dortmunder am Anfang mal fünf Punkte Vorsprung vor den Münchnern hatten. Jetzt wurden die Westfalen zum Sorgenkind. Was der Mannschaft fehlt, ist eine echte Führungspersönlichkeit. Weil die nicht mehr auf den Rasen geholt werden kann, bauen die Macher um Boss Watzke und Sportchef Zorc auf Führung rund um die Mannschaft. Der einstige Kapitän Sebastian Kehl soll als neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung (unter Zorc) nah an die Mannschaft rücken, der einstige Trainer Matthias Sammer soll als externer Berater aufzeigen, wo die Schwachstellen im Mannschaftsgefüge liegen. Nach dem spielerischen Offenbarungseid der Dortmunder in den letzten Wochen und vor allem in München sind auch die Tage von Trainer Peter Stöger gezählt. Nach der Saison wird erst der richtige große Umbruch kommen.

Die Bundesliga bietet kaum sehenswerte Unterhaltung (immerhin gab es diesmal zwei 6:0-Klatschen), aber weiterhin Spannung. Der Kampf um Europa und gegen den Abstieg geht weiter und bietet am kommenden Wochenende zwei brisante direkte Duelle: Bei Frankfurt gegen Hoffenheim und Leipzig gegen Leverkusen geht es um die Fleischtöpfe in Champions League und Europa League. Dagegen spielt Köln gegen Mainz quasi um die letzte Chance auf den Klassenerhalt, weil eben der direkte Anschluss an einen Konkurrenten geschafft werden kann, bei Freiburg gegen Wolfsburg wiederum heißt es, der Sieger bekommt Luft, der Verlierer verstärkt Atemnot im Abstiegskampf. Spielerische Klasse dürfen wir freilich nicht erwarten.

Spielerische Klasse zeigte zweifellos die Nationalmannschaft. Mehr beim 1:1 gegen Spanien, weniger beim 0:1 gegen Brasilien, doch da bot Jogi Löw mehr seine zweite Garnitur auf. Der Bundestrainer begünstigte das Vorhaben der Brasilianer, sich ein bisschen wenigstens für das 1:7 bei der Weltmeisterschaft 2014 zu revanchieren. So hat die geschundene Fußballseele der Südamerikaner wenigstens ein bisschen Ruhe. Deutschland aber gewann seine letzten vier WM-Testspiele gegen England, Frankreich, Spanien und Brasilien nicht (drei Unentschieden, vier Spiele ohne Sieg gab es zuletzt 2004!) und machte damit deutlich: Der Weg zu einer erfolgreichen Titelverteidigung im Sommer in Russland wird kein Spaziergang. Genau diese Testgegner werden auch die größten Konkurrenten sein, wobei Spanien den besten Eindruck hinterließ. Jogi Löw dürfte aber schon Erkenntnisse gewonnen haben, wer ihm in Russland nicht unbedingt helfen kann. Das Berliner Stadion war übrigens ausverkauft, die Fans mussten aber wieder das alte Leiden der Freundschaftsspiele hinnehmen, viel Geld für wenige Stars. Insofern war diese Begegnung sogar ein Plädoyer für die neu geschaffene und in der Kritik stehende Nations League.

Bei der WM soll es auch den Videobeweis geben und das ohne große Tests vorher. Wie kompliziert der Videobeweis ist, der eigentlich Klarheit und Gerechtigkeit bringen soll, zeigte sich wieder in der Bundesliga. Einmal wird eine knappe Abseitsentscheidung geahndet, bei einem anderen Spiel wiederum nicht. Logisch, dass die Aufregung groß ist, wer sich benachteiligt fühlt, wehrt sich. Hannover will bei der DFL sogar Beschwerde einlegen. Fehler dürfen passieren, aber nur zu Ungunsten des Gegners… Und wenn die gefühlte Benachteiligung besonders krass ist, dann flippt auch mal ein Trainer richtig aus. Ein Wunder, dass Freiburgs Coach Christian Streich beim Ärger über ungerechtfertigte Gelbe Karten keinen Herzinfarkt erlitten hat. Aber die Szenen seiner Aufregung zeigten deutlich: Die Bundesliga kann gesundheitsschädlich sein. Die EU wird sicherlich bald entsprechende Warnhinweise vorschreiben.

Deutschland ist ein Wintersportland!

Deutschland ist ein Wintersportland!

Wenn es um den Sport in Deutschland geht, dann heißt es meist: Da gibt es nur Fußball, Fußball, Fußball! Nein, nein, nein! Die Bilanz des zurückliegenden Winters und vor allem die Erfolge bei den Olympischen Spielen in Südkorea zeigen: Deutschland ist auch ein Wintersportland! Als Beweis dürfen auch die Einschaltquoten im Fernsehen herhalten. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben mit langen Wintersportnachmittagen beste Erfahrungen gemacht, die Einschaltquoten liegen an Samstagen und Sonntagen weit über denen der normalen Programme. Biathlon ist der Quotenkönig, die Fans gucken sogar Rodeln oder Bob. Im Sommer gibt es diese Nachmittage nicht. Dann gehen die Leute wohl lieber raus in die Natur, in Schwimmbäder und Biergärten, im Winter sitzen sie eher vor dem Fernseher. Selbst bewegen tun sie sich wiederum eher im Sommer!

Bleiben wir aber beim Spitzensport, da fällt die Winter-Bilanz des deutschen Sports hervorragend aus. Vor einem Jahr hatte der Sport-Grantler nach einer erfolgreichen Saison noch geunkt, Olympia käme wohl ein Jahr zu spät. Zum Glück war es nicht so, die Medaillenkandidaten konnten meist die Erwartungen erfüllen, am Ende war Deutschland in Pyeongchang so erfolgreich wie nie und nach Abschluss der Saison kann größtenteils auch eine positive Bilanz bei den Weltcups gezogen werden.

Ganz vorn dran Rodler, Bobfahrer und Biathlon. Sie waren bei Olympia Medaillenhamsterer, die Rodler gewannen zudem alle Weltcups, im Viererbob rangierten drei deutsche Schlitten auf den ersten Plätzen. Im Biathlon schönte Laura Dahlmeier mit zwei Olympiasiegen die Bilanz, die Damen aber bewiesen insgesamt Konstanz und waren am Ende im Weltcup die erfolgreichste Nation, die Herren landeten auf Rang drei. Ansonsten blieben Gesamtsiege diesmal aus. So war gegen den Franzosen Martin Fourcade kein Kraut gewachsen, er gewann bei den Männern alle Gesamtwertungen. Jetzt gilt es in diesen Sportarten auch die Weichen für eine gute Zukunft zu stellen. Es sieht nicht so gut aus, als ob andere Sportarten so einfach als Medaillensammler einspringen könnten.

Apropos Springen, die Skispringer überraschten positiv. Nachdem sie bei der populären Vierschanzentournee einen Dämpfer hinnehmen mussten, ging es aufwärts und Andreas Wellinger wurde zum Star bei Olympia. Danach ging es wieder bergab, aber hinter dem überragenden Springer der Saison, dem Polen Kamil Stoch, belegte Richard Freitag im Weltcup Rang zwei. Das gelang auch Katharina Althaus bei den Damen hinter der Norwegerin Lundby, als Mannschaft aber standen Deutschlands Mädchen am Ende ganz vorn, was fast schon eine Sensation war.

Für die Nordisch Kombinierer kam die Olympia-Saison wirklich fast ein Jahr zu spät, denn die Konkurrenz hatte gegenüber den in den letzten Jahren so dominanten Deutschen aufgeholt. Immerhin klappte die Trainingssteuerung von Bundestrainer Hermann Weinbuch, mit fünf Medaillen bei Olympia, allerdings wäre man im Weltcup gern auch stärkste Mannschaft geblieben, doch da liefen die Norweger den Deutschen den Rang ab, der Japaner Watabe holte sich zudem den Weltcup, Fabian Rießle landete auf Rang drei. Also immer noch eine imponierende Bilanz.

Im alpinen Skisport sorgten zunächst Kreuzbandrisse der Stars Neureuther und Luitz dafür, dass die Hoffnungen auf den Nullpunkt sanken, doch die Stimmung hellte sich im Laufe des Winters auf. Viktoria Rebensburg erfüllte als einzige Hoffnung bei den Damen die Erwartungen, sammelte einige Siege und holte sich die kleine Kristallkugel im Riesenslalom. Hinter ihr gibt es allerdings ein tiefes Loch. Bei den Herren war Abfahrer Thomas Dreßen die große Sensation mit seinem Paukenschlag als Streif-Sieger in Kitzbühel. Die Speedfahrer sind wieder vorne dabei. Wermutstropfen: Bei Olympia gingen die Alpinen leer aus.

Im Skilanglauf kommt Deutschland nicht vom Fleck, egal ob Männer oder Frauen, die Deutschen laufen nur hinterher. Ein bisschen besser sieht es im Eisschnelllauf aus, aber von einer rosigen Zukunft kann keine Rede sein. Im Eiskunstlauf überstrahlten Aljona Savchenko und Bruno Massot mit Gold bei Olympia und Weltmeisterschaft (mit der besten Kür aller Zeiten) alles, dahinter ist fast nur tote Hose. Die Eishockey-Nationalmannschaft wurde in Südkorea zum Sensationsteam und weckte Deutschland mit Silber, dem größten Erfolg aller Zeiten im Eishockey, buchstäblich auf, aber auch hier könnte sich die Begeisterung schnell legen und auf Dauer wieder einmal nur als Zufallsprodukt entpuppen.

Dennoch: Deutschland zeigte sich als Wintersportland, mehr als die traditionellen Wintersportnationen wie Österreich (wo Slalomkünstler Marcel Hirscher als überragender Fahrer der Saison Enttäuschungen wie bei den Skispringer überdeckte) und die Schweiz, die vor allem bei Olympia hinter den Erwartungen zurückblieben. Für die Wintersportler gilt allerdings derzeit nur eins: Urlaub, Urlaub, Urlaub. Und bei den deutschen Sportfans wiederum gilt in den nächsten Wochen wie üblich: Fußball, Fußball, Fußball.

Die Bundesliga hat ein Eigentor erzielt

Die Fußball-Bundesliga hatte zwar wie alle Ligen in Europa Länderspielpause und dennoch war sie aktiv und hat dabei ein Eigentor erzielt. Eine unter seltsamen Umständen zustande gekommene Entscheidung bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt gefährdet eine gute Zukunft. In einer Art Handstreich hat Andreas Rettig, Geschäftsführer vom Zweitligisten FC St. Pauli, eine knappe Mehrheit der Vereinsvertreter hinter sich gebracht und dafür gesorgt, dass die umstrittene 50+1-Regelung vorerst erhalten bleibt. Die besagt, dass die Mehrheit beim Verein bleiben muss und verschließt die Türen für Geldgeber. Allerdings gibt es bereits Ausnahmen und Auswüchse, was beweist, dass die derzeitige Regelung nicht mehr zeitgemäß ist. Es wurde versäumt, eine echte Entwicklung in die Wege zu leiten, damit auch die kartellrechtlichen und juristischen Zweifel ausgeräumt werden könnten. Das heißt aber auch, dass der Geldfluss für die Liga erschwert bleibt, dass die Bundesliga weiterhin Gefahr läuft, von den Klubs aus Spanien, England, Italien und bald auch Frankreich sportlich abgehängt zu werden. Siehe die diesjährige katastrophale Saison.

Was die Bundesliga angeht, wird derzeit ja auch (ebenfalls auf diesen Seiten) das schwache Niveau der Liga diskutiert. Zum Glück macht da die Nationalmannschaft nicht mit. Ganz im Gegenteil, die DFB-Elf zeigte beim 1:1 gegen Spanien erstaunlich hohes Niveau und begegnete dem Tiki-Taka des Gegners auf gleicher Höhe. Es war ein überaus wertvoller Test für Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen, er zeigte, dass der Weltmeister nach wie vor weltmeisterliche Klasse hat, er zeigte aber auch, dass Deutschland damit nicht alleine ist. Spanien schwingt sich zu alter Klasse auf, auch andere Nationen wie zum Beispiel Brasilien machten auf sich aufmerksam. Deutschland wurden die Augen geöffnet, falls sich überhaupt jemand falschen Träumen hingab: Eine erfolgreiche Titelverteidigung wird bei der Weltmeisterschaft in Russland kein Selbstläufer.

An Ostern übernimmt wieder die Bundesliga das Kommando, der Endspurt beginnt. Noch sieben Spieltage stehen an, es geht um Europa, um den Klassenerhalt und für viele Spieler um einen Platz im WM-Aufgebot. Eigentlich müssten Teams und Spieler auf dem Rasen ein Feuerwerk abbrennen, dürften nur Siege zählen, aber wahrscheinlich lähmt der Druck und es bleibt oberstes Gebot, nur nicht zu verlieren. Die Ausnahme ist – wie fast immer – der FC Bayern München, der eventuell nicht nur Ostern, sondern auch die Deutsche Meisterschaft feiern könnte. Die Konstellation ist allerdings nicht so günstig, denn Verfolger Schalke 04 ist gegen den SC Freiburg Favorit (ein 1:0 liegt in der Luft) und die Bayern selbst müssen gegen den alten Rivalen Borussia Dortmund bestehen. Dortmund ist zwar aktuell nicht auf Augenhöhe, aber unter Peter Stöger in der Bundesliga noch ungeschlagen. Die Bayern haben nach einer Länderspielpause meist Probleme wieder in Schwung zu kommen. Doch die Zeit drängt für sie, denn im April stehen die entscheidenden Spiele an, so folgt schon am 3. April die Prüfung in Sevilla im Viertelfinale der Champions League.

Ungünstig für den Meister, dass genau in diese Zeit die Diskussion um den künftigen Trainer wieder aufflammt und zudem Torjäger Robert Lewandowski immer wieder mit Wechselgerüchten in den Medien auftaucht. Wechselgelüsten des Polen einen Riegel vorzuschieben ist leicht, er hat schließlich Vertrag bis 2021 und die Bayern haben keine Verkaufsabsichten. Schwerer zu lösen ist die Trainerfrage. Die Diskussion im Verein, ob Thomas Tuchel der Nachfolger von Jupp Heynckes werden soll oder nicht, beendet Tuchel offensichtlich auf seine Weise: Den Medien zufolge wechselt er ins Ausland. Die einen sehen ihn als Nachfolger von Arsene Wenger bei Arsenal London, die anderen sehen ihn bei Chelsea London oder sogar Paris St. Germain. Wie auch immer, Tuchel geht wohl immer zu einem Spitzenverein.

Dagegen muss sein quasi Nachfolger in Dortmund, Peter Stöger, um seine Zukunft noch kämpfen. Bei der Borussia ist man von dem Österreicher nicht hundertprozentig überzeugt, was die Zukunft angeht. Ein Erfolgserlebnis in München könnte auch Stöger helfen, zwei Niederlagen hintereinander (zuletzt 1:2 in Leipzig) können sich die Bayern allerdings im Hinblick auf Sevilla nicht leisten. Sie müssen eher zeigen, dass sie für die Champions League gerüstet sind. Diesbezüglich könnten sie sich ein Beispiel an der Nationalmannschaft nehmen.

Noch mehr als das Geschehen an der Spitze wird im April vor allem der Abstiegskampf im Mittelpunkt stehen. In erster Linie Hamburg, Köln, Mainz und Wolfsburg sind dringend auf Punkte angewiesen, zwei dieser Kandidaten wird es erwischen, nur einer hat am Ende die Bundesliga sicher. Vielleicht bleibt die Spannung bis zum letzten Spieltag, wenn sich Wolfsburg und Köln gegenüberstehen. Übrigens: Besonders krass ist der Abstiegskampf eine Etage tiefer, da können Vereine, die um den Aufstieg kämpfen kurze Zeit später mitten im Abstiegskampf stecken. „Liga der Angst“ titelt die Fachzeitung kicker, was eigentlich alles beschreibt. Oder ist der April, eigentlich im Frühling eher ein Monat der Hoffnung, im Fußball ein Monat der Angst?

Die Formel 1 hofft auf einen verglühenden Stern

Es ist angerichtet, die neue Saison der Formel 1 beginnt am Sonntag, 25. März, um 7:10 Uhr MESZ in Australien, genauer gesagt in Melbourne. Neue Saison, neue Hoffnung, altes Leiden. Wird Mercedes erneut das Geschehen dominieren? Die neuen Besitzer der Rennserie, der Konzern Liberty Media, wünscht sich sehnlichst einen verglühenden Stern. Die Hoffnung gilt Ferrari und Red Bull, dass einer den Stuttgartern wirklich Paroli bieten kann. Sebastian Vettel war vor einem Jahr auf dem Weg dahin, doch Mitte des Jahres ging sowohl dem Heppenheimer als auch Ferrari die Puste aus. Fahrfehler auf der einen Seite, technische Probleme auf der anderen. Freie Fahrt also für Lewis Hamilton und Mercedes. Eigentlich ist auch für 2018 kein Stopp-Zeichen in Sicht.

Ein bisschen bleibt dennoch die Frage: Es ist angerichtet – aber für wen? Die Hoffnung: Titelverteidiger Lewis Hamilton und Herausforderer Sebastian Vettel liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide haben als vierfache Weltmeister (Hamilton 2008/McLaren, 2014, 2015, 2017/alle Mercedes, Vettel 2010 – 2013 alle Red Bull) ein Ziel vor Augen: Die Legende Juan Manuel Fangio als fünffachen Titelträger einholen. Bis Michael Schumachers Rekord von sieben Titeln ist noch ein bisschen hin. Lustig, dass beide Kontrahenten mit den Startnummern z. B. auf ihren Helmen Hinweise auf den Wettkampf geben. Hamilton hat die 44 (es steht also 4:4), Vettel hat die 5 (der 5. Titel ist in Sicht!). Es könnte aber auch einen Spielverderber geben, Max Verstappen hat mit seinem Red Bull in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen und mischte auch im letzten Jahr schon ein bisschen mit. Die Formel-1-Bosse wären glücklich über einen offenen Kampf.

Es ist angerichtet – auch in diesem Jahr ist (vor allem für die deutschen Fernsehzuschauer) einiges neu. Auffällig bei den Boliden vor allem der „Heiligenschein“, das System Halo, ein Titanbügel über den Kopf des Fahrers, der den Piloten vor herumfliegenden Teilen schützen soll, aber natürlich nicht schön aussieht. Die Techniker nutzten ihn sogar zur Aerodynamik. Neu ist auch, dass es mehr Reifenauswahl, aber weniger Motoren gibt. Exklusiv-Lieferant Pirelli stellt zwei weitere Reifenmischungen zur Verfügung, Hypersoft und Superhard. Dafür müssen die Motoren länger halten, statt vier gibt es nur noch drei Motoren für 21 Rennen. Da sind schon etliche Strafversetzungen in Sicht.

21 Rennen stehen an, Malaysia fehlt, dafür feiern Frankreich (erstmals seit zehn Jahren wieder dabei, erstmals seit 1990 wieder in Le Castellet) und Hockenheim ihr Comeback. Das Finale geht wie schon in den letzten Jahren am 25. November in Abu Dhabi über die Bühne. Neue Startzeiten sollen den Zuschauern entgegenkommen, die volle Stunde hat ausgedient, in Europa wird um 15.10 Uhr statt 14.00 Uhr gestartet. Sollen die zehn Minuten nach der vollen Stunde die Spannung steigern? Die Piloten werden sich am Start ein bisschen allein gelassen fühlen, denn die Grid-Girls als Blickfang wurden abgeschafft, sie passen nicht mehr in die Zeit.

Die deutschen Formel-1-Fans haben im Fernsehen außerdem nicht mehr die Wahl, weil sich Sky zurückgezogen hat. So hat RTL freie Bahn auf freiem Kanal, leider von Werbung unterbrochen. So gibt es das Rennen nicht mehr in einem Stück, sondern mit den unsäglichen Werbeunterbrechungen, dann heißt es, „das Rennen ist spannend, bleiben Sie dran, wir sind gleich wieder dran“. Das tolle Überholmanöver von Vettel gegen Hamilton wird dann nachgereicht. So etwas nennt sich dann live! RTL-Zuschauer müssen im übrigen künftig auf Niki Lauda als Experten und schnoddrigen Kommentaren verzichten, die Nachfolger Nico Rosberg und Timo Glock sind wohl eher in der Kategorie „Gentleman“ einzuordnen. Gerade Rosberg kann aber wieder erzählen, wie klug es von ihm war, nach dem Gewinn des Weltmeistertitels aufzuhören. Das Feld der deutschen Fahrer hat sich weiter reduziert, neben Vettel ist nur noch Nico Hülkenberg (Renault) dabei.

Es ist angerichtet – attraktiver sollen auch die Team-Namen werden, so kehren legendäre Marken zumindest im Namen zurück. Red Bull holte sich Aston Martin an Bord, Sauber Alfa Romeo. Liberty Media träumt vor allem davon, dass auch bald wieder Porsche mit einem eigenen Team an den Start geht. Außerdem wird weiter nach neuen Rennstrecken gesucht, Miami, Buenos Aires und Hanoi bleiben im Gespräch. Konkurrent Formel E soll nicht bei den attraktiven Orten allein abräumen. Außerdem muss Liberty Media im eigenen Lager für gute Stimmung sorgen, denn 2020 laufen die Verträge mit den Herstellern aus. Auch dann soll es noch heißen: Es ist angerichtet. Hoffen wir also auf eine spannende Saison.

Die Rennen 2018: 25. März Australien, 8. April Bahrein, 15. April China, 29. April Aserbaidschan, 13. Mai Spanien, 27. Mai Monaco, 10. Juni Kanada, 24. Juni Frankreich, 1. Juli Österreich, 8. Juli Großbritannien, 22. Juli Deutschland, 29. Juli Ungarn, 26. August Belgien, 2. September Italien, 16. September Singapur, 30. September Russland, 7. Oktober Japan, 21. Oktober USA, 11. November Brasilien, 25. November Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen. Red Bull: Max Verstappen, Daniel Ricciardo. Renault: Nico Hülkenberg, Carlos Sainz. Toro Rosso: Pierre Gasky, Brendon Hartley. Force India: Esteban Ocon, Sergio Perez. Williams: Lance Stroll, Sergej Sirotkin. Sauber: Marcus Eriksson, Charles Leclerc. McLaren: Fernando Alonso, Stoffel Vandoorne. Haas: Kevin Magnussen, Romain Grosjean.

Trainerwechsel lohnen sich immer!

Die Fußball-Klubs und -Spieler in den Ligen Europas können in ihren nationalen Meisterschaften durchschnaufen, eine Länderspielpause steht an. Gut, das Durchschnaufen gilt nicht für die Nationalspieler, doch bei ihnen zählt die willkommene Abwechslung, steigt das WM-Feeling und mancher, der im Verein etwas aus der Spur geraten war, hat im Nationalteam wieder seine Form gefunden.

In den Vereinen wird die Pause genutzt, um Kraft zu tanken, Wunden zu lecken und Hoffnung zu schöpfen. Mancherorts wird allerdings vor allem Bilanz gezogen und der Weg zum Erfolg gesucht. Weil es als letzte Rettung gilt, wenn Abstiegsgefahr besteht, wird vielleicht auch noch der eine oder andere Trainerwechsel vollzogen. Es ist der beliebte Rettungsversuch der Vereine und sie können auf die Erfahrung anderer verweisen: Ein Trainerwechsel lohnt sich immer!

Natürlich wird nicht jeder neue Coach auch zum Retter. Dann aber kann die Vereinsführung darauf verweisen, dass sie alles versucht hat und sie hat den Beweis, dass die Mannschaft einfach zu schwach für die Liga ist. Auch da hat sich dann also ein Trainerwechsel gelohnt, er hat die Augen geöffnet.

Sinn der Sache ist aber natürlich, dass sich der Trainerwechsel in Punkten auszahlen soll. Da werden sie sich in Stuttgart die Hände reiben, denn trotz aller Bedenken hat sich Trainer Tayfun Korkut als der Prinz erwiesen, der den Verein wach geküsst hat. In der Korkut-Tabelle mit den letzten sieben Spielen steht der VfB mit 17 Punkten hinter Borussia Dortmund (17) noch vor Bayern München auf Rang zwei! Stuttgart greift sogar die Europa League an! Auch Dortmund hat bekanntlich den Trainer gewechselt, Peter Stöger ist mit der Borussia in der Bundesliga noch ungeschlagen, hat sich allerdings mit seiner Mannschaft in der Europa League blamiert. Was zählt, ist die erneute Qualifikation für die Champions League und da sind Stöger und Dortmund auf einem guten Weg. Der Trainerwechsel hat sich also gelohnt.

Das gilt auch für Bremen, auch wenn Florian Kohfeldt keine so gute Platzierung in der reinen Kohfeldt-Tabelle vorweisen kann. Immerhin liegt der einstige Abstiegskandidat in diesen 17 Spielen auf Rang fünf, das wäre der Sprung in die Europa League. Kohfeldt kann vor allem vorweisen, dass er bei Werder für neuen Schwung gesorgt hat, für eine erkennbare spielerische Entwicklung und, na ja, die Abstiegssorgen sind mit jetzt 33 Punkten nicht mehr so groß, weil im Kampf gegen die Relegation die Kandidaten Wolfsburg und Mainz (je 25 Punkte) nicht von der Stelle kommen. Beim 3:1-Sieg der Bremer in Augsburg spielte eher der FCA wie ein Absteiger, aber der hat in der Hinrunde vorgesorgt und ruht sich jetzt auf 35 Punkten aus und ist als Zehnter immerhin „Tabellenführer“ der zweiten Hälfte.

Am Tabellenende der Bundesliga hat allein Mainz 05 in dieser Saison noch nicht zum Mittel des Trainerwechsels gegriffen. Kritiker dieses menschlich fragwürdigen Kniffs hoffen jetzt darauf, dass die Geduld der Pfälzer mit Trainer Sandro Schwarz (einst der Amateur-Coach im Verein) auch belohnt wird, obwohl Mainz beim 0:3 im Derby in Frankfurt wie ein Absteiger auftrat. Das gilt auch für Wolfsburg, wo sich die Trainer fast schon die Türklinke in die Hand gaben und aktuell Bruno Labbadia auch nur die bittere Erkenntnis gesammelt hat, dass es einfach nicht reicht. Das ist die Hoffnung des 1. FC Köln, der mit dem 2:0 über Leverkusen erstmals seit dem 2. Spieltag die Rote Laterne des Schlusslichts abgegeben hat und wieder hofft. „Nur noch fünf“ wird am Rhein gesungen, nur noch fünf Punkten fehlen zum rettenden Ufer. Am Tabellenende macht Köln den besten Eindruck – nach einem Trainerwechsel.

Beim neuen Schlusslicht Hamburger SV haben die Trainerwechsel nur die Erkenntnis gebracht, dass nicht die Trainer die Schuld tragen, sondern die Spieler und die Vereinsführung, der Verein versinkt immer mehr im Chaos. Ausdruck dafür auch die wiederholten Ausschreitungen sogenannter „Fans“, die aber nur Krawallbrüder sind. Christian Titz, Trainer der U21, probierte einen Neuanfang, eine spielerisch bessere Ausrichtung, hatte aber beim 1:2 gegen Hertha nur eine Halbzeit Erfolg. Dafür meuterten die alten Spieler, die sich schlecht behandelt fühlten. Selbstzweifel kommen ihnen nicht, wie können permanente Verlierer nur ihren Einsatz fordern! Spielerwechsel wären manchmal die bessere Lösung.

Die Bundesliga legt den Fans erst wieder Ostereier ins Nest, jetzt haben erst einmal die Nationalmannschaften das Wort (siehe auch letzter Kommentar vom 16. März). Deutschland trifft auf Spanien und Brasilien und im Gegensatz zu den letzten Freundschaftsspielen kann der DFB sogar auf volle Stadien hoffen. Die Gegner sind attraktiv und die Fans hoffen vielleicht auch darauf, mal wieder gute Spiele zu sehen, nachdem das Niveau in der Bundesliga zuletzt in der Regel doch sehr bescheiden war.

Die Länderspielpause bedeutet vor allem für die besten Klubs und Spieler wirklich ein letztes Durchschnaufen, im April geht es Schlag auf Schlag, die englischen Wochen häufen sich. Kein Wunder, dass sich da mancher wundert, nachdem es im März zumindest in Deutschland relativ ruhig war. Bayern-Trainer Jupp Heynckes kritisiert dafür die UEFA, „der April ist vollgepackt, davor gab es keine englischen Wochen“. Wie schon oft hier kritisiert, alles was bei FIFA und UEFA zählt, ist eben das Geld.

Heynckes ist keineswegs sauer, weil seine Mannschaft mit dem 1:2 bei RB Leipzig einen Rückschlag hinnehmen musste und weiter auf den Vollzug des Titelgewinns warten muss. Die Bayern werden Meister, das steht fest, „der Zeitpunkt ist mir egal“, sagt Heynckes. Der Trainer wird aber vielleicht mit Sorge beobachtet haben, wie anfällig seine Mannschaft ist und dass die Form keineswegs für das erträumte Triple reicht. Da wird es in der Länderspielpause einige Gedanken geben. Im Training kann nicht viel passieren, 14 Bayern-Stars sind auf Reisen. Zu Hause gilt dagegen das Hoffen: Hoffentlich kommt keiner verletzt zurück. Schon oft haben Länderspiel-Abstellungen die Vereine gebeutelt, weil wichtige Spieler ausgefallen sind. Das wäre dann in den entscheidenden Wochen der Saison besonders bitter.

Start in das WM-Jahr – die heiße Fußball-Zeit beginnt

Am Freitag, 16. März, fiel gewissermaßen der Startschuss: In der Champions League wurde das Viertelfinale ausgelost, die Top-Teams sind unter sich. Zwei Stunden später verkündete Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader für die Länderspiele gegen Spanien und Brasilien, die erste Auswahl im WM-Jahr, die wohl Fingerzeige geben sollte. Das bedeutet: Wir haben den Start in das WM-Jahr – die heiße Fußball-Zeit beginnt.

Das es heiß wird, davon kann vor allem der FC Bayern München reden, denn nach der Länderspielpause stehen dem Deutschen Meister vom 31. März an (Gegner Dortmund) mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League (also das Triple, von dem die Bayern träumen) sieben Spiele in 21 Tagen bevor, der April wird der Monat der Entscheidung. Der Start in die heiße Phase war für die Münchner glücklich, bei der Viertelfinal-Auslosung der Champions League wurde keiner der großen Favoriten gezogen, sondern der FC Sevilla. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, „es gibt keine leichten Gegner mehr“, heißt es natürlich, aber Sevilla ist sicher leichter als Barcelona oder Real Madrid. Das Halbfinale sollte möglich sein. Aber: Sevilla gewann schließlich die Europa League von 2014 bis 2016 dreimal hintereinander und schaltete Manchester United aus. So schlecht sind die Spanier also nicht.

Drei Teams aus Spanien, zwei aus England und Italien sowie die Bayern schafften es ins Viertelfinale. Ein englischer Vertreter wird auch im Halbfinale zu finden sein, denn der FC Liverpool und Manchester City treffen aufeinander, die alten Konkurrenten Jürgen Klopp und Pep Guardiola duellieren sich also wieder. Erstaunlich: Die Bilanz spricht mit sechs Siegen, einem Remis und fünf Niederlagen für Klopp! Das zweite heiße Duell ist der Aufguss des letzten Finals, Juventus Turin und Titelverteidiger Real Madrid treffen sich diesmal bereits im Viertelfinale. Schwierig für die alten Herren der alten Dame Juve, Real will seine letzte Chance auf einen Pokal in der Champions League nutzen und außerdem den historischen Triumph erweitern: Sie schafften erstmals eine erfolgreiche Titelverteidigung, jetzt wollen Ronaldo und Co. den Hattrick. Er ist nur noch fünf Spiele entfernt. Im vierten Duell ist der FC Barcelona großer Favorit gegen den AS Rom.

Im April und Mai gehören die Fußball-Schlagzeilen der Champions League, danach übernimmt endgültig die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Doch die WM ist quasi bei jedem Spiel präsent, geht es doch um die endgültige Auswahl der Nationaltrainer, jedes Match ist eine Bewährungsprobe für die Kandidaten. Bundestrainer Joachim Löw hat ein bisschen Einblick gegeben, aber die Karten noch nicht auf den Tisch gelegt. Der Kader für die Länderspiele gegen Spanien am 23. März in Düsseldorf und Brasilien am 27. März in Berlin wurde bewusst groß gehalten. Bei 26 Spielern muss Löw nicht allzu viele enttäuschen, zumal er zwei Kandidaten guten Gewissens zu Hause lassen kann, nämlich die Dortmunder Marco Reus und Mario Götze, die nach langer Verletzungspause noch nicht in Hochform sein können und sich lieber schonen sollen. Sie stehen auf der Warteliste. So ist kein einziger Dortmunder im Aufgebot. Das Ausscheiden gegen Salzburg in der Europa League (1:2 und 0:0) zeigte, warum.

Ein bisschen in die Karten schauen kann man Jogi Löw jedoch schon, obwohl er wie üblich betont, dass die Tür für jeden noch offen stehe. So hält er an seinem bekannten Torhüter-Trio fest (außer Kapitän Manuel Neuer auf den er ja noch hofft), Münchens Neuer-Vertreter Sven Ulreich, der derzeit als bester Torhüter der Bundesliga gilt, bekam keine Chance. Wenn Löw ihn hätte testen wollen, dann wohl jetzt. Das gilt auch für den Augsburger Philipp Max, dem viele eine Chance als Linksverteidiger gegeben hätten, schließlich ist er der Vorlagen-König der Bundesliga. Statt ihm kehrt der etablierte Jonas Hector vom 1. FC Köln wieder zurück. Ein schlechtes Zeichen hat wohl auch Flügelflitzer Amin Younes bekommen, der gerade bei Ajax Amsterdam Probleme hat, denn er fehlt.

Dagegen drückt sich Löw bei 26 Kandidaten vor weiteren Entscheidungen. So sind neben Timo Werner die klassischen Strafraum-Mittelstürmer Mario Gomez und Sandro Wagner dabei, doch nur für einen wird Platz im WM-Aufgebot sein. Kandidaten für die Streichliste sind wohl auch Lars Stindl (Gladbach) und Sebastian Rudy (Bayern). Der eine hat nicht die Form wie zum Beispiel vom Confed-Cup, der andere hat nicht allzu viele Spielanteile beim neuen Verein. Keine guten WM-Voraussetzungen.

Soll es draußen auch noch einmal stürmen und schneien, der Fußball ist ganz heiß. Das Frühjahr ist traditionell in den großen Ligen die Zeit der Entscheidungen. Im Fußball wird die Ernte im April und Mai eingefahren, doch die Mehrheit der Klubs wird am Ende eher von einer schlechten Ernte sprechen.

Gute Bundesliga-Spiele sind eine Rarität

Was der Sport-Grantler schon am 26. Februar moniert hat (Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga) hat jetzt auch der Boulevard entdeckt. „Abrechnung mit zu vielen Murks-Spielen“ hieß es in der Sonntagszeitung Bild am Sonntag über die Bundesliga. Ja, leider ist es so, dass die guten Spiele in der selbsternannten „besten Liga der Welt“ mittlerweile eine Rarität sind. Alles wird dem Existenzkampf untergeordnet, die Trainer haben das Motto „nur nicht verlieren“ und nur selten den Mut, voll auf Sieg zu spielen. Das würde Spaß machen!

Einige Urteile über die Spiele am Wochenende sind bezeichnend. Da hieß es „viel Kampf und Krampf“ oder „fußballerisch dürftig“ und ein Fernsehreporter beendete seinen Kommentar mit einem Hinweis an den Schiedsrichter, „danke für den Schlusspfiff“. Das ist die Bundesliga von heute, bezeichnend dafür Platz zwei des FC Schalke 04. Die Minimalisten der Liga haben sich mit zuletzt zwei 1:0-Siegen nach oben gemauert. Spielerischer Glanz? Fehlanzeige! Ein Platz in der Champions League ist das Ziel, da zeichnet sich schon heute wieder ab, dass die Bundesliga international im nächsten Jahr die nächste Pleitenserie erleben wird.

Wie zur Bestätigung der letzten Kritik an der Krisen-Liga, rasteten die Fans abseits des Spielfeldes aus. Die Schalker Chaoten veranstalteten einen Pyro-Zirkus und sorgten für Spielverzögerungen. Die Hamburger Fans können sich mit dem bevorstehenden Abstieg gar nicht anfreunden, schockten Spieler und Verantwortlichen mit der Aufstellung von Grabkreuzen vor dem Volksparkstadion und drohten auf einem Banner: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen Euch alle!“ Die Bundesliga ist dabei, ihren Zauber zu verlieren.

Chaotisch ging es in der letzten Woche auch in der Führungsetage des HSV zu (eigentlich schon seit Jahren), es kam zum Großreinemachen, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt mussten gehen, der neue Vorsitzende und neuerdings Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann räumt auf. Auch Trainer Bernd Hollerbach wird gehen müssen, Amateur-Coach Christian Titz soll übernehmen. Eine verständliche Reaktion, der Neuaufbau kann nur mit neuen Leuten gelingen. Das Handeln jetzt zeigt aber auch: Der HSV hat sich mit dem Abstieg abgefunden, die Planungen für die 2. Bundesliga laufen an, die Bundesliga-Uhr des Dinos läuft dagegen ab, wird bald gestoppt. Die HSV-Chaoten sollten das mitnehmen: Gestorben ist der Verein damit noch lange nicht, der Abstieg sollte nicht das Ende bedeuten, sondern den Anfang von besseren Zeiten.

Von wieder besseren Zeiten, von alten Zeiten an der Spitze Europas träumen sie auch bei Borussia Dortmund. Das 1:2 in der Europa League gegen den FC Salzburg war nicht nur eine Schmach für den Verein, sondern auch für die Bundesliga. Wiedergutmachung muss das Ziel beim Rückspiel am Donnerstag sein. Nur mit Glück und den eingewechselten Torjäger Batshuayi gelang gegen Eintracht Frankfurt die Wende. Da stritten beim 3:2-Sieg der Westfalen zwei Vereine um die Champions League und das Spiel zeigte nur eins: Beide haben sie eigentlich derzeit nicht verdient.

Es gab aber auch Erfreuliches. Zum Beispiel Comebacks. So vom FC Augsburg, der auf fast schon spektakuläre Weise seine Krise mit einem 3:1-Sieg in Hannover beendet hat. Dass ausgerechnet die Ex-Hamburger Gregoritsch und Kacar die Torschützen waren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Personalpolitik des vermutlichen Absteigers. Der FCA wiederum hat sich fast aller Sorgen entledigt, darf wieder nach oben statt nach unten blicken. Alles klappte plötzlich wieder und auch Philipp Max schaffte einen Assist und empfahl sich Bundestrainer Joachim Löw. Eine Art Comeback feierte beim FC Bayern München auch Flügelflitzer Franck Ribery. Der Franzose zeigte wie in alten Zeiten Tricks und schoss sensationelle Tore und empfahl sich für eine Vertragsverlängerung, auf die er nervös wartet. Das ihm nebenbei das 51.000 Tor der Bundesliga gelang, macht ihn glücklich: „Dann bin ich ja ein Teil der Geschichte.“

Bei den Bayern wartet man jetzt auf zwei Termine: Erstens: Wann ist die Meisterschaft endgültig unter Dach und Fach? Das könnte am Sonntag in Leipzig passieren, wenn die Bayern gewinnen und Schalke in Wolfsburg nicht 1:0 gewinnt bzw. überhaupt gewinnt. Dann würde Jupp Heynckes den Rekord von Pep Guardiola einstellen, der 2014 die Bayern ebenfalls am 27. Spieltag zum Titel führte. Thomas Müller betont aber schon: „Wir sind keine Meisterplaner“. Zweitens: Sind die Bayern Trainer-Planer? Jupp Heynckes heizte die Diskussion um seine Nachfolge noch einmal an, obwohl er eigentlich gar nichts sagen will und ihn angeblich das Thema zum Halse raus hängt. „Ich habe nie gesagt, dass ich am 30. Juni aufhöre“, ließ er verlauten und gab somit Rätsel auf. Bleibt er doch, obwohl er Thomas Tuchel als seinen Nachfolger empfohlen hat? Die Diskussion geht weiter, leider geht es wohl auch mit den Murks-Spielen weiter. Mit Kampf und Krampf bis zum Saisonende.

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.