Die Formel 1 hofft auf einen verglühenden Stern

von knospepeter

Es ist angerichtet, die neue Saison der Formel 1 beginnt am Sonntag, 25. März, um 7:10 Uhr MESZ in Australien, genauer gesagt in Melbourne. Neue Saison, neue Hoffnung, altes Leiden. Wird Mercedes erneut das Geschehen dominieren? Die neuen Besitzer der Rennserie, der Konzern Liberty Media, wünscht sich sehnlichst einen verglühenden Stern. Die Hoffnung gilt Ferrari und Red Bull, dass einer den Stuttgartern wirklich Paroli bieten kann. Sebastian Vettel war vor einem Jahr auf dem Weg dahin, doch Mitte des Jahres ging sowohl dem Heppenheimer als auch Ferrari die Puste aus. Fahrfehler auf der einen Seite, technische Probleme auf der anderen. Freie Fahrt also für Lewis Hamilton und Mercedes. Eigentlich ist auch für 2018 kein Stopp-Zeichen in Sicht.

Ein bisschen bleibt dennoch die Frage: Es ist angerichtet – aber für wen? Die Hoffnung: Titelverteidiger Lewis Hamilton und Herausforderer Sebastian Vettel liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide haben als vierfache Weltmeister (Hamilton 2008/McLaren, 2014, 2015, 2017/alle Mercedes, Vettel 2010 – 2013 alle Red Bull) ein Ziel vor Augen: Die Legende Juan Manuel Fangio als fünffachen Titelträger einholen. Bis Michael Schumachers Rekord von sieben Titeln ist noch ein bisschen hin. Lustig, dass beide Kontrahenten mit den Startnummern z. B. auf ihren Helmen Hinweise auf den Wettkampf geben. Hamilton hat die 44 (es steht also 4:4), Vettel hat die 5 (der 5. Titel ist in Sicht!). Es könnte aber auch einen Spielverderber geben, Max Verstappen hat mit seinem Red Bull in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen und mischte auch im letzten Jahr schon ein bisschen mit. Die Formel-1-Bosse wären glücklich über einen offenen Kampf.

Es ist angerichtet – auch in diesem Jahr ist (vor allem für die deutschen Fernsehzuschauer) einiges neu. Auffällig bei den Boliden vor allem der „Heiligenschein“, das System Halo, ein Titanbügel über den Kopf des Fahrers, der den Piloten vor herumfliegenden Teilen schützen soll, aber natürlich nicht schön aussieht. Die Techniker nutzten ihn sogar zur Aerodynamik. Neu ist auch, dass es mehr Reifenauswahl, aber weniger Motoren gibt. Exklusiv-Lieferant Pirelli stellt zwei weitere Reifenmischungen zur Verfügung, Hypersoft und Superhard. Dafür müssen die Motoren länger halten, statt vier gibt es nur noch drei Motoren für 21 Rennen. Da sind schon etliche Strafversetzungen in Sicht.

21 Rennen stehen an, Malaysia fehlt, dafür feiern Frankreich (erstmals seit zehn Jahren wieder dabei, erstmals seit 1990 wieder in Le Castellet) und Hockenheim ihr Comeback. Das Finale geht wie schon in den letzten Jahren am 25. November in Abu Dhabi über die Bühne. Neue Startzeiten sollen den Zuschauern entgegenkommen, die volle Stunde hat ausgedient, in Europa wird um 15.10 Uhr statt 14.00 Uhr gestartet. Sollen die zehn Minuten nach der vollen Stunde die Spannung steigern? Die Piloten werden sich am Start ein bisschen allein gelassen fühlen, denn die Grid-Girls als Blickfang wurden abgeschafft, sie passen nicht mehr in die Zeit.

Die deutschen Formel-1-Fans haben im Fernsehen außerdem nicht mehr die Wahl, weil sich Sky zurückgezogen hat. So hat RTL freie Bahn auf freiem Kanal, leider von Werbung unterbrochen. So gibt es das Rennen nicht mehr in einem Stück, sondern mit den unsäglichen Werbeunterbrechungen, dann heißt es, „das Rennen ist spannend, bleiben Sie dran, wir sind gleich wieder dran“. Das tolle Überholmanöver von Vettel gegen Hamilton wird dann nachgereicht. So etwas nennt sich dann live! RTL-Zuschauer müssen im übrigen künftig auf Niki Lauda als Experten und schnoddrigen Kommentaren verzichten, die Nachfolger Nico Rosberg und Timo Glock sind wohl eher in der Kategorie „Gentleman“ einzuordnen. Gerade Rosberg kann aber wieder erzählen, wie klug es von ihm war, nach dem Gewinn des Weltmeistertitels aufzuhören. Das Feld der deutschen Fahrer hat sich weiter reduziert, neben Vettel ist nur noch Nico Hülkenberg (Renault) dabei.

Es ist angerichtet – attraktiver sollen auch die Team-Namen werden, so kehren legendäre Marken zumindest im Namen zurück. Red Bull holte sich Aston Martin an Bord, Sauber Alfa Romeo. Liberty Media träumt vor allem davon, dass auch bald wieder Porsche mit einem eigenen Team an den Start geht. Außerdem wird weiter nach neuen Rennstrecken gesucht, Miami, Buenos Aires und Hanoi bleiben im Gespräch. Konkurrent Formel E soll nicht bei den attraktiven Orten allein abräumen. Außerdem muss Liberty Media im eigenen Lager für gute Stimmung sorgen, denn 2020 laufen die Verträge mit den Herstellern aus. Auch dann soll es noch heißen: Es ist angerichtet. Hoffen wir also auf eine spannende Saison.

Die Rennen 2018: 25. März Australien, 8. April Bahrein, 15. April China, 29. April Aserbaidschan, 13. Mai Spanien, 27. Mai Monaco, 10. Juni Kanada, 24. Juni Frankreich, 1. Juli Österreich, 8. Juli Großbritannien, 22. Juli Deutschland, 29. Juli Ungarn, 26. August Belgien, 2. September Italien, 16. September Singapur, 30. September Russland, 7. Oktober Japan, 21. Oktober USA, 11. November Brasilien, 25. November Abu Dhabi.

Die Teams: Mercedes: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas. Ferrari: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen. Red Bull: Max Verstappen, Daniel Ricciardo. Renault: Nico Hülkenberg, Carlos Sainz. Toro Rosso: Pierre Gasky, Brendon Hartley. Force India: Esteban Ocon, Sergio Perez. Williams: Lance Stroll, Sergej Sirotkin. Sauber: Marcus Eriksson, Charles Leclerc. McLaren: Fernando Alonso, Stoffel Vandoorne. Haas: Kevin Magnussen, Romain Grosjean.

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