Champions League: Ist Zidane der Heilsbringer?

von knospepeter

 

Da können sich die Fans anderer Sportarten noch so ärgern: Das Frühjahr gehört dem Fußball. Die Champions League (CL) und auch ein bisschen die Europa League (EL) bestimmen in großem Masse die Schlagzeilen der Gazetten. Viele sagen „endlich geht es los“. Ab Dienstag, 16. Februar, wird wieder gespielt, schön aufgeteilt in jeweils zwei Begegnungen pro Spieltag dehnt sich das Achtelfinale der CL wie Kaugummi. Erst am Mittwoch, 16. März, sind alle Teilnehmer für das Viertelfinale perfekt, ausgelost wird dann am 18. März. Und so beschäftigen uns jeden Monat die einzelnen Runden bis zu den Finals im Mai.

Schlagerspiele gibt es bereits im Achtelfinale. Die Augen sind natürlich auf die (bekannten) Favoriten gerichtet und außerdem wird auf eine Antwort von einigen Fragen gewartet: Besiegt der FC Barcelona den Fluch des CL-Siegers? Keiner konnte bisher seinen Titel erfolgreich verteidigen. Es sieht so aus, als ob es „Barca“ wirklich schaffen könnte. Was passiert bei Real Madrid? Dort ist nach der Ablösung von Trainer Rafa Benitez der einstige Weltstar Zinedine Zidane der große Hoffnungsträger. Ist er der Heilsbringer? Hat der Trainer-Neuling das richtige Händchen für die Ansammlung von Stars, die aber keine Mannschaft sind? Neid und Eifersüchteleien machen Erfolge schwerer, schützen aber vor Siegen nicht.

Der Rest der 16 Mannschaften reiht sich nicht in die erste Reihe der Favoriten ein. Aufgrund seines unbeschreiblichen Verletzungspechs auch der FC Bayern München nicht. Es wäre ein Wunder, würde eine Mannschaft ohne Abwehr den Titel gewinnen, auch wenn die Offensive über alle Zweifel erhaben ist. Die neueste Verletzung von Nationalspieler Holger Badstuber war ein Schock für die Münchner, die ja schon auf Jerome Boateng für den Rest der Saison verzichten müssen und sehnsüchtig auf die Rückkehr von Benatia und Martinez warten. Die Spiele gegen Juventus Turin kommen wohl zu früh, da steht die „Zwergen-Abwehr“ mit relativ kleinen Spielern vor einer großen Bewährungsprobe gegen die ausgefuchsten Italiener, die nach schwachem Saisonbeginn zu ihrer alten Stärke zurückgefunden haben. Sahen viele bei der Auslosung noch kleine Vorteile bei den Bayern, so hat inzwischen wohl Juve die besseren Karten in der Hand.

Juventus Turin gehört aber zu den Teams, die für eine Überraschung sorgen können. Die Italiener waren im letzten Jahr im Finale und ein Endspiel im eigenen Land (28. Mai Mailand) lockt zusätzlich. Auf einer Stufe dürfte aber auch Paris Saint-Germain stehen. Die Franzosen beherrschen die eigene Liga, sind mit 24 Punkten Abstand vorn, doch das könnte auch ein Nachteil sein. Die Mannschaft wird zuwenig gefordert. Doch die Mannen um Trainer Laurent Blanc und Schwedens Torjäger Zlatan Ibrahimovic wünschen sich nichts mehr, als einen Triumph auf Europas Bühne. Sie stehen aber gleich vor einer großen Bewährungsprobe gegen Chelsea London, unter dem neuen Trainer Guus Hiddink noch ungeschlagen! Aber auch Titelverteidiger Barcelona (gegen AS Rom) und Real Madrid (gegen Arsenal London) haben keine leichten Aufgaben. Die Favoriten sind gefordert, im Viertelfinale werden große Namen fehlen, dafür Außenseiter vertreten sein:

Die Paarungen: Paris – Chelsea, Benfica Lissabon – St. Petersburg, Gent – Wolfsburg, AS Rom – Real Madrid, Juventus Turin – Bayern, Arsenal – FC Barcelona, Eindhoven – Atletico Madrid, Kiew – Manchester City.

Glamour für die Europa League 

Die Mannschaften der Europa League bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Aber von einem „Pokal der Verlierer“ hat sich die EL einigermaßen verabschiedet. Einige großen Namen bringen der EL ein großes Maß an Glamour und am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen attraktiven Sieger. Zuletzt triumphierte zweimal der FC Sevilla. Der EL-Sieger erhält seit Neuestem das Startrecht in der CL, aber die Spanier konnten dies nicht nutzen und kehrten als Dritter der Gruppe D (hinter Manchester City und Turin) in ihren „angestammten Wettbewerb“ zurück. Auf dem Weg ins Finale am 18. Mai in Basel sollten die Norweger von FK Molde den Titelverteidiger nicht aufhalten, aber ins Finale wollen auch andere Hochkaräter: FC Porto, AC Florenz, Tottenham Hotspurs, SSC Neapel, Manchester United oder der FC Liverpool.

Gleich vier deutsche Teams sind in der Zwischenrunde vertreten, so dass die Europa League fast zu einer deutschen Liga wird. Gerade Borussia Dortmund träumt von einem EL-Coup, aber Boss Watzke beteuert immer wieder, dass vor allem die Qualifikation für die Champions League entscheidet sei. Nun, die Dortmunder haben in der Bundesliga zwar acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer München, aber auch 13 Punkte Vorsprung auf den Dritten Bayer Leverkusen und dürfen sich im Moment als „Bester Zweiter aller Zeiten“ der Bundesliga bezeichnen. Dortmund hat sicherlich die Qualität um die EL zu gewinnen, mit dem FC Porto aber gleich einen schweren Gegner. Dass so ein Titel sich gut auf dem Briefkopf macht, ist auch die Meinung bei Bayer Leverkusen (gegen Sporting Lissabon) und Schalke 04 (gegen Schachtor Donezk). Doch beide gehören eher zu den Außenseitern. Überraschungsgast in der Zwischenrunde ist der FC Augsburg. Spieler und vor allem Fans wollen beim Aufeinandertreffen mit dem FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp nur eins: Genießen.

Auffallend: Seit Einführung der Europa League in der Saison 2009/2010 gab es keinen deutschen Sieger (2x Atletico Madrid und FC Sevilla, FC Porto, FC Chelsea London). Schalke 04 gewann 1997 als letzter deutscher Verein den damaligen UEFA-Cup.

Ob Champions League und Europa League für die Fußball-Fans zu einem Genuss werden, wird sich zeigen. Spannung ist aber auf jeden Fall garantiert. Große Namen garantieren ja auch große Tragödien.

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