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Tag: Bayern München

Bayern und Pep: Das Triple oder es war nix!

 

Der Countdown läuft. Die Fußball-Welt weiß, Trainer Pep Guardiola wird am Saison-Ende den FC Bayern München und die Bundesliga verlassen. Seine Wege führen ihn nach England, nur den (glücklichen?) Verein will er noch nicht nennen. Der Spanier wurde am Montag 45 Jahre alt und sucht eine neue Herausforderung. Sein Nachfolger in München steht im Gegensatz dazu fest, der Italiener Carlo Ancelotti.

Muss er das unvollendete Werk von Pep Guardiola vollenden oder schafft es Pep selbst? Der Katalane steht unter Druck. In Anlehnung an seine Forderung zu Beginn seiner Tätigkeit in München, als er seinen Lieblingsspieler forderte mit dem Satz „Thiago oder nix“, heißt es nun: Das Triple oder es war nix! Die Bayern erfüllten ihm seinen Wunsch, erfüllt jetzt Pep den Traum der Bayern?

Mit glänzenden Augen wurde Pep Guardiola vor zweieinhalb Jahren in München empfangen. „Der beste Trainer der Welt“ hieß es, nach neun Titelgewinnen mit dem FC Barcelona, davon zweimal die Champions League (2009 und 2011), die Erfolge schienen buchstäblich auf der Straße zu liegen. Fünf Titel holte er auch mit seiner neuen Mannschaft, die zumindest als eine der besten Welt gilt. Aber neben der FIFA-Klub-WM, zwei deutschen Meisterschaften, dem UEFA-Supercup und DFB-Pokal fehlt eben die Krönung, der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League. Wer national von einem Rekord zum anderen eilt und schier keinen adäquaten Gegner mehr zu besitzen scheint, der strebt natürlich nach Höherem, in dem Fall die Krone Europas.

Die Konstellation könnte ja spannender nicht sein: Vor drei Jahren beendete Trainer Jupp Heynckes sein Engagement in München und seine Trainer-Laufbahn mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Er packte seinem Nachfolger Guardiola einen dicken Rucksack. Der beeindruckte durchaus, trieb seine Spieler teilweise zu traumhaften Fußball, verwunderte aber auch mit manchen Experimenten und zeigte eine Schwäche: Jeweils im Frühjahr, wenn die deutsche Meisterschaft frühzeitig entschieden war, kam seine Mannschaft international aus dem Tritt. Jetzt hat Pep noch eine Chance…

Der FC Bayern München hatte (logisch) eine ganze Reihe von international anerkannten Trainern wie Giovanni Trapattoni oder Branko Zebec, aber die deutschen Trainer Ottmar Hitzfeld (zudem auch mit Borussia Dortmund) und Jupp Heynckes holten die europäische Trophäe. Doch einen deutschen Trainer, der es mit Guardiola oder Ancelotti aufnehmen könnte, ist derzeit nicht zu sehen. Deshalb blieben die Bayern auf der internationalen Schiene und im Gegensatz dazu müssen die Trainer halt deutsch lernen, wie es Pep getan hat und wie es dem Vernehmen nach derzeit der Italiener Ancelotti fleißig tut. Beide Coaches haben aber eines gemeinsam, sie beherrschen mehrere Sprachen, was in der Multikulti-Gesellschaft einer internationalen Mannschaft heute wohl notwendig ist. Andererseits heißt es in München, „bei uns wird in erster Linie deutsch gesprochen“ – oder vielleicht noch bayrisch…

Die nächsten Monate werden also zeigen, wie nach drei Jahren das Wirken von Pep Guardiola in München bewertet werden wird. Geht er als großer Triumphator (was ihm natürlich jeder Bayern-Fan sehr eigennützig wünscht!) oder geht er als der Fachmann, der eben ein unvollendetes Werk hinterlässt, das seinen Ruf als weltbester Trainer einen Kratzer zufügen würde. An Ehrgeiz wird es Spielern und Trainer nicht mangeln, was beide brauchen, ist zweifellos etwas Glück.

Das Glück des Carlo Ancelotti wäre es allerdings, wenn ihm Guardiola ein unvollendetes Werk übergeben würde… Man könnte sich gut vorstellen, dass er eher Real Madrid, dem FC Barcelona und vielleicht sogar schon Juventus Turin im Achtelfinale die Daumen drückt. Je weniger Guardiola gewinnt, umso leichter wird die Aufgabe für Ancelotti!

Der König ist wieder auf dem Thron

 

Man könnte meinen, der Ausdruck „Messias“ aus dem Biblischen, der für Könige und Hohepriester galt, stammt aus der Neuzeit und wurde für einen erfunden, für den König der Fußballer, für Lionel Messi. Der 28jährige, der Messias des Balles, wurde wieder zum „Fußballer des Jahres“ gewählt, der König ist wieder auf dem Thron.

Der Sport-Grantler hat es schon in den vergangenen Jahren betont, dass die Wahl beim „Ballon d’Or“ ziemlich langweilig ist. Trainern, Spielern und Journalisten, die wählen dürfen, fehlt meist der Einfallsreichtum, der Willen, auch mal einem Außenseiter eine Chance zu geben, der in diesem einem Jahr wirklich besser war als die üblichen Verdächtigen. Franck Ribery zum Beispiel 2013. So aber wechseln sich die Stürmer-Stars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in schöner Regelmäßigkeit ab. „CR7“ war die beiden letzten Jahre stolz, dass er den Argentinier quasi in die Pampa schicken konnte und den „Ballon d’Or“ in den Händen hielt. Jetzt schlug der König zurück, zum insgesamt fünften Mal holte er sich den „Goldenen Ball“, zuvor von 2009 bis 2012 durchgehend. Der letzte Sieger, der nicht Messi oder Ronaldo hieß war 2007 der brasilianische Edeltechniker Kaka, der diesmal in Zürich den Sieger verkünden durfte. Es wird Zeit, das Allerlei zu beenden. Eintopf schmeckt nicht immer.

In diesem Jahr gibt es an der Wahl von Lionel Messi allerdings nichts zu granteln. Messi hatte mit dem FC Barcelona ein überragendes Jahr und holte quasi alle Pokale, die es zu gewinnen gab. Da musste Ronaldo einfach in die Röhre gucken, da war es eher verwunderlich, dass Messis Vereinskollege, der Brasilianer Neymar, nicht auf Platz zwei kam. Er ist ein Kandidat für die Zukunft.

Deutsche Spieler sind es wohl vorerst nicht. „Willst Du den ‚Ballon d’Or’ gewinnen, musst Du in England oder Spanien spielen“, heißt der Rat an die Kandidaten. Manuel Neuer wäre vor einem Jahr ein würdiger Gewinner gewesen, weil er als Weltmeister das Torhüterspiel auf eine neue Stufe gehoben hat. Neuer war diesmal immerhin der einzige deutsche Spieler in der Weltelf. Doch Torhüter und Abwehrspieler haben gegen die Torjäger und Zauberer vor dem Tor kaum eine Chance. So müsste zum Beispiel Thomas Müller 2016 bei der Europameisterschaft zumindest Torschützenkönig und eben Europameister werden und zudem noch mit Bayern München die Champions League gewinnen, um in den engeren Kreis der Kandidaten zu kommen. Ein Müller ist halt kein Messias. „Mülleras“ klingt nicht so gut.

Bei den Frauen wurde die kleine deutsche Serie beendet, nach fünfmal Marta (Brasilien) ist die Wahl beim weiblichen Geschlecht eine amerikanisch-deutsche Angelegenheit. Carli Lloyd setzte sich diesmal durch nach Nadine Kessler und Nadine Angerer in den letzten beiden Jahren. „Trainer des Jahres“ war – logisch – Luis Enrique vom Seriensieger FC Barcelona. Seltsam nur, dass Pep Guardiola Zweiter wurde, er hat im letzten Jahr mit dem FC Bayern München nicht viel erreicht und international eher eine Blamage hinnehmen müssen. Dies zeigt deutlich: Welche Fachleute die Juroren auch sein mögen, die bekannten Namen haben einfach einen Bonus. Vielleicht steht Pep Guardiola im nächsten Jahr ganz oben, dann aber müssen die Münchner des Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen.

Die schönste Ehrung durfte der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah (früher Schalke 04) entgegennehmen und zwar stellvertretend für alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Und da tut der Fußball ja einiges zur Integration. Das ist die wahre Stärke des Fußballs bzw. des Sports, hier werden unterschiedliche Nationalitäten wirklich zur Nebensache.

Die Bayern sind etwas Besonderes – Blatter nicht

 

In Bayern sind die Königsschlösser die Highlights für alle Touristen. König Ludwig II hat da ein schönes Erbe hinterlassen. Die Bayern lieben nach wie vor „ihren Kini“ und es gibt sogar ein Völkchen im südlichsten Bundesstaat Deutschlands, das gern „seinen“ König wieder hätte. Mancher Ministerpräsident fühlt bzw. fühlte sich wohl deshalb manchmal auch als „König“ im Freistaat. Gerne vermitteln sie in Bayern das Gefühl „wir sind etwas Besonderes“.

Warum die Vorrede? Sie soll verdeutlichen, warum man sich auch beim FC Bayern München für etwas Besonderes hält und warum es die Bayern geschafft haben, in Fußball-Deutschland, nein Fußball-Europa, sogar in der gesamten Fußball-Welt eine besondere Stellung einzunehmen. Die Münchner haben diesbezüglich aufgeholt, früher gab auf dem internationalem Markt Manchester United den Ton an, schwärmten die Leute von Real Madrid und Cristiano Ronaldo, es waren halt die „Königlichen“, später trat an diese Stelle der FC Barcelona, ganz zu Schweigen von Brasiliens Fußball, der aber auf Vereinsebene nicht die großen Schlagzeilen machte. Auf diesem Level steht jetzt aber auch Bayern München und macht mit dem typischen „mia san mia“ das besondere Selbstbewusstsein der Bayern deutlich. Soll heißen: An uns kommt keiner vorbei.

Diese neue Stellung der Münchner im internationalen Fußball machte es auch möglich, dass der Trainerwechsel für den Sommer 2016 zwar nicht geräuschlos, das ist bei den heutigen Medien nicht mehr möglich, aber reibungslos über die Bühne ging. Vom Spanier Pep Guardiola im Sommer zum Italiener Carlo Ancelotti. Vom Titelhamsterer zum Titelhamsterer, von beiden ist die Rede als „weltbesten Trainer“. Im Zweifel könnte es ein besonderer Coup der Bayern sein: Nach dem Perfektionisten Pep Guardiola, der etwas stur sein Konzept durchzog, folgt der warmherzige, aber dennoch kühle Taktiker Carlo Ancelotti. Der Italiener könnte das Spiel der Bayern zur Perfektion bringen, was Guardiola wollte, aber (vielleicht) nicht erreichte. Das Frühjahr bleibt ihm noch dafür. Für einen glanzvollen Abschluss muss Guardiola mit den Münchnern das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen, so wie sein Vorgänger Jupp Heynckes 2013, der dem Spanier damit eine große Last aufbürdete. Es wird aber nur gelingen, wenn die Verletzungsserie gestoppt wird. War das die Schwachstelle im Training des Spaniers, das seine Mannschaft nicht fit genug war? Hat er falsch trainiert?

Insofern wird das Frühjahr spannend, denn die Niederlagen in den letzten Jahren jeweils im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid und den FC Barcelona haben vor allem bei Pep Spuren hinterlassen. Pep Guardiola steht unter Zugzwang, weil er als der besondere Trainer gilt und weil er zeigen muss, dass Bayern München auch ein besonderer Verein ist.

 

Nur Blatter hält sich für etwas Besonderes

Das „mia san mia“ passt auch zum gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Acht Jahre Sperre hat ihm die Ethikkommission seines eigenen Verbandes verpasst, weil er das Ethikreglement verletzt hat. Eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an den ebenfalls für acht Jahre gesperrten UEFA-Präsident Michel Platini verstieß gegen die Regeln, weil es dafür „keine rechtliche Grundlage“ gab. Das versteht dann jedes Kind, nur Joseph Blatter nicht. Das „mia san mia“ übersetzt der Schweizer in „ich bin ich, ich bin der König“. Er hält sich für etwas Besonderes, ist es aber nicht. Was er selbst als „Schande“ einstuft, weil er verurteilt wird, ist eigentlich nur Gerechtigkeit. Schändlich war, wie er als FIFA-Präsident gearbeitet hat. Er hat zwar zum Wohle des Weltverbandes zur Geldvermehrung beigetragen, aber der Preis, den er offensichtlich dafür gezahlt hat, war eindeutig zweideutig, aus Sicht der Justiz in den USA und der Schweiz nämlich nicht gesetzmäßig. Der gefallene König sieht sich noch auf dem Thron.

Die Korruptionsaffäre rollte über die FIFA, UEFA und den Deutschen Fußball-Bund hinweg. Alle drei Verbände sind derzeit führungslos, manchmal wirken sie auch hoffnungslos. Die Funktionäre machen allesamt keine gute Figur. Ein Neuanfang auf allen Ebenen wird nicht leicht, weil jeder bisher genannte Hoffnungsträger irgendwie doch in alten Verstrickungen gefangen ist. Das „mia san mia“ ist da überhaupt nicht angebracht. Die Funktionäre müssen lernen: Wir sind nichts Besonderes, sondern wir sollen dem Fußball allein dienen. Bitte richtig lesen: Dienen – nicht am Fußball verdienen!

Pep Guardiola und die verbotene Frage

Ob jetzt wirklich Ruhe einkehrt? Karl-Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern München, wollte die Diskussionen rund um den Trainer beenden und beschied der Öffentlichkeit: „Wenn die Hinrunde vorbei ist, wird es ein Gespräch mit dem Trainer geben. Dann gibt es eine Weihnachtsüberraschung – so oder so.“ Ob die Pille wirkt? Und ob die Beteiligten nicht schon viel mehr wissen? Rummenigge will, die Spieler wollen, dass Pep Guardiola bleibt. Doch was will der Spanier selbst? Er hüllt sich in Schweigen und wehrt alle Fragen zu seiner Zukunft ab. Stereotyp antwortet er darauf nur so: „Die nächste Frage bitte“. Die Frage nach der Zukunft ist bei Pep eine verbotene Frage.

Es wird sich zeigen, ob Rummenigge mit seinem Statement vor allem die Medien wirklich beruhigen kann. Sie werden nämlich weiterhin versuchen, Pep Guardiola aus der Reserve zu locken, was seine Zukunft angeht. Zur Debatte stehen im Prinzip nur drei Richtungen: Vertragsverlängerung in München (der Vertrag läuft am 30. Juni 2016 aus), ein Sabbatjahr wie nach seinem Engagement beim FC Barcelona oder eben ein neuer Verein, wobei hier bisher vor allem Manchester City im Gespräch ist, weil dort ein Freund von Pep als Sportdirektor das Sagen hat. Neuerdings kommt auch Chelsea London in Frage, weil dort der Stuhl von Peps Lieblingsfeind Jose Mourinho wackelt. Ob ihm eine Nachfolge von Mourinho Freude bereiten würde?

Beobachter sagen, eine bessere Mannschaft als derzeit in München wird Pep bei anderen Klubs kaum bekommen. Geld hin oder her. Er hat sie in den letzten zweieinhalb Jahren nach seinem Gusto entwickeln können, der Verein hat die Wünsche des Spaniers beim neuen Personal weitgehend erfüllt. In der Tat muss Guardiola mit einem Blick auf die Leistung der Bayern seinen Wunsch nach Ballbesitz und perfektem Fußball kurz vor der Erfüllung sehen. Will der Baske „sein“ Werk nicht zur Vollendung bringen, selbst wenn es auch in diesem Jahr mit dem Gewinn der Champions League nicht klappt? Will Guardiola eine Entscheidung vielleicht sogar bis ins nächste Jahr hinauszögern, nach dem Motto, „bei einem CL-Sieg bin ich am Ziel und höre auf. Gelingt der große Wurf nicht, dann gebt mir noch eine Chance“? Ob der Verein bei einer solchen Konstellation mitspielt, ist die andere Frage.

Pep Guardiola ist sicherlich in der besseren Position, denn er kann wählen, nicht der Verein. Ganz im Gegenteil, die Bayern würden wohl vor große Probleme gestellt, müssten sie einen Nachfolger für den Spanier suchen. Der Italiener Carlo Ancelotti, mit dem AC Mailand 2003 und 2007 sowie mit Real Madrid 2014 ebenfalls Champions-League-Sieger, steht angeblich Gewehr bei Fuß. Er musste bekanntlich trotz erfolgreichen Wirkens in Madrid gehen. Andere Beobachter glauben aber, dass es Ancelotti keineswegs in die Bundesliga zieht, er würde Italien oder eine Rückkehr nach England bevorzugen. Auch Ancelotti ist bei Chelsea im Gespräch. Die Aura eines Pep Guardiola hat Ancelotti allerdings nicht. Der Spanier wäre für die Bayern weiterhin ein Ass im Pokerspiel, wenn es um Neuzugänge geht. Pep kann für Spieler reizvollere Angebote aus England aufwiegen!

Wie auch immer, eine Frage des Geldes wird die Entscheidung nicht sein. Pep Guardiola kann in München sicherlich gut leben, sein Jahresgehalt wird einmal bei rund zehn Millionen, dann wieder bei zwölf Millionen Euro geschätzt. Möglicherweise wäre nicht einmal eine Gehaltserhöhung notwendig, um ihn zum Bleiben zu Überreden. Der Schlüssel liegt wohl bei der Mannschaft bzw. der Liga. Reizt England mehr? Gibt es eine Rückkehr nach Spanien? Wird ihm die Bundesliga zu langweilig? Es gäbe genügend Fragen, doch in dieser Richtung sind sie verbotene Fragen. Warten wir also auf die Weihnachtsüberraschung.

Bayern München und die Sache mit dem Nachwuchs

Stammleser werden jetzt sagen, „jetzt schreibt er schon wieder über Bayern München, war doch erst vor kurzem der Fall“. Stimmt schon, aber zuletzt ging es um die Profis und heute aus aktuellem Anlass um den Nachwuchs (aktuell ist natürlich auch der mögliche Bestechungsskandal um die WM 2006 in Deutschland, aber dazu nächste Woche mehr, erst mal abwarten, was noch aufkommt).

Der Nachwuchs beschäftigt die Bayern schon lange, weil in den letzten Jahren Mängel festgestellt wurden. Erfolge liegen schon einige Zeit zurück und wie sollen Talente den Sprung in die beste Mannschaft Deutschlands bzw. eine der besten der Welt schaffen, wenn sie schon in jungen Jahren nicht zu den Siegern gehören. Jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht, wobei wieder einmal Uli Hoeneß eine entscheidende Rolle spielt. Der einstige erfolgreiche Manager und zuletzt Präsident hat seine „Auszeit“ der Gefängnisstrafe nach Steuerhinterziehung genutzt, um den Nachwuchsbereich umzukrempeln. Seine Arbeitsstelle im Freigang war die Nachwuchsabteilung der Bayern. Praktisch, denn die langgehegten Pläne wurden jetzt Wirklichkeit: Am Freitag war Grundsteinlegung des neuen Leistungszentrums für den Nachwuchs in Fröttmaning in der Nähe der Allianz Arena. Die Talente sollen wohl den „Tempel“ der Profis im Auge haben, nach dem Motto „da will ich auch mal hin“. Uli Hoeneß war der am meisten bestaunte Gast beim Festakt.

Wie bei den Bayern so üblich, wird das neue Nachwuchszentrum eine Anlage der Superlative die Seinesgleichen sucht. 50 bis 70 Millionen Euro (die Zahlen, die in der Öffentlichkeit bekannt werden schwanken) legt der Verein dafür hin. Neben acht Plätzen gibt es ein kleines Stadion mit bis zu 3000 überdachten Plätzen, eine Dreifeldhalle, Basketballcourt, Beachsoccerfeld, eine Rundlaufbahn, Vereinsheim, Akademie mit Internat sowie ein Restaurant und natürlich einen Fanshop. Ende 2017 soll die Anlage bezugsfertig sein. An der Säberner Straße, der traditionellen Bayern-Heimat, bleiben die Profis, die U21 und die Frauen, die auch weiterhin im Stadion an der Grünwalder Straße spielen. Der Platz an der Säberner Straße war für alle aber zu eng geworden. So gehen die Bayern jetzt also in die Offensive.

Die Nachwuchsoffensive ist aber auch dringend notwendig, schließlich fehlten zuletzt Nachfolger für Typen wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Holger Badstuber. Eine Überfremdung des Meisters wird befürchtet, wenn mehr Spanier als Einheimische im Bayern-Team stehen und das obligatorische „mia san mia“ vielleicht gar nicht mehr verstehen. Das es Zeit wird zu handeln, zeigt auch ein Blick auf die Auswahlmannschaften des DFB: Die U21 spielt die EM-Qualifikation, die U20 und U19 internationale Turniere um den Elite-Cup – ein Bayern-Spieler war nicht dabei!

Das soll in der Zukunft wieder anders sein. Die Bayern nehmen Geld in die Hand, um künftig im Hinblick auf Neuverpflichtungen und horrenden Preissteigerungen auf dem Spielermarkt Geld zu sparen!

Bayern München ist die Nummer 1!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Gruppenspiele in der Fußball-Champions-League laufen, doch alle haben schon das Finale am 28. Mai 2016 in Mailand im Auge. Wer wird da im Endspiel stehen? Die Protagonisten kennen wir: Titelverteidiger FC Barcelona, der spanische Kontrahent Real Madrid sowie der FC Bayern München werden als die großen Favoriten gehandelt, dazu der letzte Final-Teilnehmer Juventus Turin, Frankreichs Meister Paris St. Germain und gleich drei oder vier englische Klubs. Seltsam aber: So richtig in Form ist jetzt im Herbst nur Bayern München. Aktuell sind die Bayern klar die Nummer 1!

Es ist wirklich erstaunlich, wie manche Klubs schwächeln. Der FC Barcelona hat in der Primera Division schon zwei Niederlagen hinnehmen müssen, Real Madrid kassierte bereits das dritte Unentschieden, die beiden Top-Klubs hecheln der Konkurrenz hinterher, Villarreal führt vor Celta Vigo. Von wegen, dass die Meisterschaft in Spanien nur eine Angelegenheit zwischen zwei Klubs ist. Ähnlich in England, wo Titelverteidiger Chelsea London nicht in die Gänge kommt und nach acht Spielen erst acht Punkte geholt hat. Trainer José Mourinho hat zwar nicht an Selbstbewusstsein verloren („Einen besseren Trainer bekommen sie nicht“), aber ratlos ist er trotzdem. Vorne tummeln sich mit Manchester City, Arsenal London und Manchester United zwar drei Favoriten, aber sie haben sich alle international in der Champions League bereits blamiert. Ähnlich sieht es in Italien aus, Titelverteidiger Juventus Turin ist wie Chelsea in England nur 16. und schaut sich den Titelkampf derzeit nur mit dem Fernglas an. Nur Paris marschiert in Frankreich vorne weg, zeigt aber keineswegs große Form.

Barcelona hat es doppelt schwer

Was ist also los? Gut, bei Barcelona ist Superstar Lionel Messi verletzt, Barca wurde quasi das Herz gestohlen. Aber das zeigt auch die Unwägbarkeiten im Sport, wenn es wirklich um die Entscheidung geht: Da spielen Verletzungen eine große Rolle, da darf das Glück nicht fehlen, da muss im entscheidenden Moment alles passen. Barcelona muss noch gegen den Fluch des Siegers ankämpfen: Noch nie wurde in der Champions League der Titel erfolgreich verteidigt!

Das spricht wiederum für den FC Bayern München. Der Deutsche Meister hat aus der Vergangenheit gelernt und seinen Kader noch breiter aufgestellt. Verletzungen sollen die Mannschaft nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Das zeigt sich derzeit deutlich: Einst waren die Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery unentbehrlich, jetzt wird ihr Fehlen gar nicht bemerkt, Douglas Costa und Kingsley Cowman flitzen auf den Flügeln, dass es eine Freude ist – nur für die Gegner nicht. Die Bayern sind in der Champions League noch ohne Gegentor und siegten in der Bundesliga in den ersten acht Spielen im Schnitt mit 3:5:0,5 Toren. Noch Fragen?

In München bleiben sie allerdings auf dem Teppich. Gut so, denn im Frühjahr kann es eben ganz anders ausschauen. Zuletzt hatte das Timing nicht gestimmt, im Herbst wurde gewonnen, im Frühling die Pokale verspielt. Das soll diesmal anders sein, Torjäger Thomas Müller macht seinen Mitspielern Beine: „Wir dürfen nicht nachlassen, wir müssen jedes Spiel gewinnen.“ Na ja, zumindest den entsprechenden Ehrgeiz entwickeln und Einsatz zeigen, um wirklich zu gewinnen. Eine Saison ohne Niederlage wird kaum möglich sein. Aber eins zeigt sich: Die Bayern haben keine Überfigur wie Messi in Barcelona oder Cristiano Ronaldo bei Madrid. Sie könnten höchstens Probleme bekommen, wenn der beste Torhüter der Welt ausfällt. Einzig für Manuel Neuer gibt es keinen adäquaten Ersatz.

Aber noch ist ja Herbst. Schon heute allerdings wird die Spannung zusätzlich angeheizt. Bleibt Bayern auf der Siegesstraße, kommt die Konkurrenz endlich in Form? International bekommt die Saison einen zusätzlichen Reiz!

Bayern kassierte bereits 533,3 Millionen

Übrigens: Bayern München ist derzeit nicht nur sportlich die Nummer 1, sondern in der Champions League auch der Krösus. Das hat zumindest die Fachzeitung kicker ausgerechnet. Seit Einführung der Champions League gingen 10 Milliarden Euro aus der Vermarktung an 129 Klubs. 30 Vereine haben mehr als 100 Millionen Euro kassiert! Bayern München bekam am meisten, wobei hier auch die dominierende Rolle in Deutschland pures Geld wert ist. 533,3 Millionen Euro waren es für die Münchner, Manchester United ist mit 516,4 Millionen die Nummer 2, Real Madrid kassierte 507,3 und Barcelona 502,9 Millionen. Borussia Dortmund ist als Elfter der Geldliste die Nummer 2 in Deutschland und erhielt bisher 229,4 Millionen Euro, Schalke (17.) 172,3 und Leverkusen (19.) 163,9 Millionen. In der Champions League gibt es also offensichtlich wirklich die Lizenz zum Gelddrucken!

Vor der neuen Saison: Der Bundesliga-Check

Es ist überall auf der Welt vor einer neuen Saison ein beliebtestes Spielchen der Fans, zu tippen, wer wird Meister, wer steigt ab und so weiter. Da hat sich der Sport-Grantler gedacht, dass er das Spielchen auch mitmacht und stellt deshalb einen Bundesliga-Check vor und tippt dabei gleich mal die Rangfolge der Fußball-Bundesliga wie es am Ende der Saison aussehen könnte. Schwierig ist dies allemal, wer kann schon wissen, wie sich Verletzungssorgen auswirken, welches Team einen sogenannten „Lauf“ bekommt und wie es überhaupt in der Mannschaft passt. Auffallend, dass die Trainer alle nach vorne spielen lassen wollen. Mal sehen, bei wem der Schuss dann nach hinten los geht. Jetzt geht’s aber mit der Rangliste los:

1.: FC Bayern München: Logisch, da führt kein Weg dran vorbei, der beste Kader, der beste Trainer, die Top-Platzierung soll es sein, der Rekord – der vierte Titel – wird es sein.

2.: VfL Wolfsburg: Das Duo Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking hat es geschafft, mit Unterstützung von VW Stärke und Kontinuität in den Kader zu bringen. Der Vize-Meister des Vorjahres zeigte sich zuletzt als selbstbewusster erster Verfolger der Bayern. Die Münchner haben aber weniger Ausrutscher gegen kleinere Klubs.

3.: Borussia Dortmund: Der neue Trainer Thomas Tuchel sollte es schaffen, dass Dortmund wieder direkt in die Champions League einzieht. Dortmund findet wohl (fast) zur alten Klasse zurück. Die Basis dafür: Wichtige Spieler wie Hummels und Gündogan blieben.

4.: Borussia Mönchengladbach: Die zweite Borussia war mit Rang drei die Überraschung der letzten Saison, Rang vier wäre diesmal keine Überraschung mehr. Der schwungvolle Fußball sollte auch die nötigen Punkte bringen. Bravo Trainer Lucien Favre.

5.: Schalke 04: Rang sechs war zuletzt eine Enttäuschung, in diesem Jahr sind die Verantwortlichen vorsichtig, aber mit neuem Trainer und neuem Schwung sollte zumindest wieder die Europa League drin sein.

6.: Bayer Leverkusen: Die große Frage, Leverkusen vor Gladbach und Schalke oder dahinter? Alles ist möglich, aber Bayer wirkt für eine Top-Platzierung nicht stabil genug, hat einige wichtige Spieler (u. a. Castro) verloren.

7.: 1. FC Köln: Im letzten Jahr wirkte der damalige Aufsteiger sehr stabil, das Umfeld im Verein auffallend ruhig, da könnte mit den Verstärkungen sogar ein Sprung nach vorn gelingen. Hinter den „großen Sechs“ also „the best of the rest“. Platz sieben könnte bei guter Konstellation sogar für die Europa League reichen. Allerdings: Von Platz sieben bis zumindest zwölf kann man bei der Platzierung auch würfeln.

8.: Eintracht Frankfurt: Mit Trainer Armin Veh kehrt wieder Zuversicht zurück und die Hoffnung auf einen guten Mittelfeldplatz. Sollte möglich sein.

9.: TSG Hoffenheim: Mit Firmino wurde der beste Spieler verkauft, das schränkt die Aussichten auf dem Weg nach oben ein. Aber in Abstiegsgefahr sollte die Mannschaft nicht kommen.

10.: VfB Stuttgart:
Nach dem Seuchenjahr endlich wieder Ruhe. Klappt es mit dem neuen Trainer Alexander Zorniger nicht, werden die Fans wohl zornig. Erste Eindrücke deuten aber darauf hin, dass Besserung in Sicht ist. Bis Platz zehn oder sogar höher?

11.: FC Augsburg: Der Überraschungs-Fünfte des Vorjahres wird nicht wieder oben mitmischen, sollte aber stark genug sein, trotz Belastung in der Europa League nicht ganz nach unten durchgereicht zu werden. Da gibt es schwächere Mannschaften! Ein Plus ist die Ruhe im Verein.

12.: FSV Mainz 05: Ein Vermarktungsdeal bringt in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro, doch Mainz wird auch unter dem neuen Trainer Martin Schmidt ein Team zwischen Gut und Böse bleiben. Etabliert im Mittelfeld.

13.: Hertha BSC Berlin: Die Hauptstadt zitterte um den Bundesligisten, das könnte auch mit Trainer Pal Dardai in diesem Jahr passieren, die Tendenz zeigt eher nach unten als nach oben. Hier beginnen eigentlich die Abstiegskandidaten.

14.: Werder Bremen:
Mit Trainer Viktor Skripnik Stabilität gewonnen, mit di Santo und Selke aber die Torjäger verloren. Es könnte wieder ein schwieriges Jahr werden, zumal es Unruhe um die Vertragsverlängerung von Manager Eichin gibt. Keine guten Vorraussetzungen.

15.: Hannover 96: Alles ist möglich, elf Abgänge (darunter mit Lars Stindl das Herz des Teams), acht Neue, eine verjüngte Mannschaft unter „Retter“ Michael Frontzeck, die sich schnell finden muss, wenn es nicht zu Unsicherheiten kommen soll.

16.: FC Ingolstadt 04: Kann der Bundesliga-Debütant die Rolle des vorjährigen Aufsteigers Köln spielen? Wohl nicht. Der Zweitliga-Meister muss sich mit dem Abstiegskampf beschäftigen, Trainer Hasenhüttl verspricht: „Wir werden unangenehm sein.“ Die prognostizierte Relegation wäre vielleicht sogar angenehm.

17.: Hamburger SV: Das darf doch nicht wahr sein, Platz 17? Das Ende des Dino? Es wird ein schweres Jahr, alle Anzeichen mit der Pokalpleite gleich zum Auftakt deuten darauf hin, dass der HSV wieder zittern muss – das Glück ist aufgebraucht.

18.: Darmstadt 98: Wie eine Rakete schoss Darmstadt aus der vierten Liga bis in die Bundesliga. Irgendwann fällt jeder wieder zurück. Es wäre ein Wunder, würde der Neuling nicht die Rolle von Fürth, Braunschweig und Paderborn spielen: Mit Euphorie hoch und gleich wieder runter.

Mal sehen, wie es am Ende wirklich aussieht, jeder kann ja für sich die Spielerei betreiben. Das Ergebnis liegt am 14. Mai 2016 vor.

Die Bundesliga hat Spaß gemacht

Mit einem an Spannung nicht zu überbietenden Abstiegskampf ist die 52. Saison der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. Am Schluss gab es Tränen: Bei den einen aus Freude, bei den anderen aus Trauer. Dennoch bleibt als Gesamtfazit fast für alle: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Der Sport-Grantler hat sich auf die Spurensuche der „Spaßvögel“ gemacht.

Bayern München: Logisch, die Bundesliga hat dem Meister Spaß gemacht, da war er der Dominator, hat teilweise Spaß-Fußball gezeigt und praktisch zu keiner Zeit um das Jubiläum bangen müssen, den 25. Titel! Weniger Spaß hatten Trainer Pep Guardiola und seine Jungs im Pokal und in der Champions League, da war jeweils im Halbfinale Endstation. Geblieben ist der Spaß in der Bundesliga und die Feier vor 20.000 Fans (so von den Bayern gezählt) auf dem Marienplatz. Dort gab es dennoch eine Double-Feier, weil sensationell auch die Bayern-Frauen Deutscher Meister wurden. Auch ihnen hat ihre Bundesliga Spaß gemacht.

VfL Wolfsburg: Die Konkurrenz beobachtet mit Argusaugen, was in Wolfsburg passiert. Wie weit kommt der VfL mit den Geldern von Volkswagen? Das Werksteam hat gezeigt: Weit. Die Vize-Meisterschaft war der erste Ertrag. Doch reicht es zum Erfolg auf Dauer? Auf jeden Fall hat die Saison den Wolfsburgern Spaß gemacht!

Borussia Mönchengladbach: Dem Dritten gebührt noch mehr Lob, Manager Eberl und Trainer Favre haben mit Geduld, guten Einkäufen und tollem Coaching aus einem Abstiegskandidaten ein Spitzenteam geformt. Die Borussia hat Spaß gemacht.

FC Augsburg: Das schwäbische Fußball-Wunder, als Fünfter noch vor Schalke und Dortmund, davon konnte man in der Fuggerstadt nicht einmal träumen. Der Klassenerhalt war das bescheidene und realistische Ziel, dann wurde der FCA von einer Erfolgswelle nach oben getragen, bis zur direkten Qualifikation zur Europa League. Vor fünf Jahren war der FCA in Deutschland ein kleines Licht, jetzt scherzen die Augsburger vor dem internationalen Debüt: In Europa kennt uns keine Sau. Sie haben ihren Spaß.

Jürgen Klopp: Es war ein schweres Jahr für Borussia Dortmund und seinen Trainer. Am 18. Spieltag noch Letzter, sprang am Ende wenigstens Rang sieben raus. Der Trainer nahm freiwillig zum Saisonschluss seinen Hut, wo er ihn wieder in den Ring werfen wird, ist derzeit unbekannt. Jürgen Klopp aber bei seinem wehmütigen Abschied in Dortmund: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“! Das Pokalfinale folgt noch, vielleicht mit einem krönenden Abschluss.

Huub Stevens: Der knorrige Holländer hat zum zweiten Mal den VfB Stuttgart gerettet, aber die Stuttgarter danken es ihrem Retter nicht, er muss gehen. Alexander Zorniger heißt sein Nachfolger, ein Nobody, der mit der Bundesliga Neuland betritt. Risiko für den VfB!!! Muss im Januar wieder Huub Stevens kommen? Er konnte nach der Rettung mit Fug und Recht behaupten: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“!

Roberto di Matteo: Ein großer Name auf dem Trainermarkt, schließlich hat er mit Chelsea London 2012 in München die Champions League gewonnen. Deshalb galt er bei Schalke 04 als Hoffnungsträger, sollte Wegbereiter für eine große Zukunft sein, doch es gab nur das große Jammern, Schalke und di Matteo, das passte nicht. Die Trennung wird prophezeit, denn so hat die Bundesliga keinen Spaß gemacht.

Alexander Meier: Mit 19 Treffern wurde der Frankfurter Torschützen-König, was erstaunlich ist, denn lange war er verletzt und fand sich anfangs auf der Ersatzbank wieder. Doch dann traf und traf er und am Ende schwächelte auch die Konkurrenz mit Verletzungen, also siegte Alex Meier vor den Münchnern Arjen Robben und Robert Lewandowski (beide 17 Treffer). Ihm hat die Bundesliga besonders viel Spaß gemacht.

Absteiger: Was? Kann das sein? Natürlich, am Ende werden auch die Absteiger mal zu dem Urteil kommen, „die Bundesliga hat Spaß gemacht“. Dann nämlich, wenn sie sich an die großen Zeiten erinnern. Neuling SC Paderborn ereilte das Schicksal, dass alle dem Aufsteiger prophezeit hatten, der SC Freiburg wehrte sich jahrelang erfolgreich, in diesem Jahr klappte es nicht. Auf baldige Rückkehr, denn wir wissen, die Bundesliga macht Spaß.

Aufsteiger: Sie feiern erst einmal und wir wissen, der nächste Kater kommt bestimmt. Die Aufsteiger jubeln und freuen sich, denn die Bundesliga macht Spaß. Ob der FC Ingolstadt und Darmstadt 98 in der Punktrunde dann noch Spaß haben, wird sich zeigen. Wenig Spaß werden die Gäste in Darmstadt haben: Ein veraltetes Stadion mit heruntergekommenen Kabinen. Dabei ist die Bundesliga ansonsten so stolz auf ihre modernen Stadien. Aber kann man deshalb dem Aufsteiger den Spaß Bundesliga verbieten?

Die Saison ist noch nicht ganz beendet, eine Reihe von Relegationsspielen steht an, es wird noch einmal Tränen der Freude und Trauer geben. Doch eines ist gewiss: Die Fans freuen sich schon auf den Neustart der Saison 2015/16 am 14. August (mit einem Heimspiel des Meisters). Denn sie wissen: Die Bundesliga macht Spaß!

Pep, die Bayern und der Frust im Frühling

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben, im Herbst ist es dann wieder vorbei, die Blätter fallen. Beim Deutschen Fußball-Meister FC Bayern München gelten die Gesetze der Natur nicht. Die Bayern erblühen im Herbst und welken im Frühjahr. Gerade dann, wenn es um die Titel geht, welken sie dahin. Der Traum vom Triple, das 2013 unter Jupp Heynckes gelang, ist wieder ausgeträumt. Meisterschaft, Pokalsieg und den Pott der Champions League in den Trophäenschrank zu holen, ist ja auch eine besondere Leistung. Da muss alles passen. Und das tut es in diesem Jahr wieder nicht.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren die Münchner frühzeitig Deutscher Meister und Trainer Pep Guardiola ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, dass die Spiele der Bundesliga nur noch Nebensache seien. Die Spannung im Team ging verloren, eine gehörige Pleite gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League war die Folge. Das deutsche Double, der Sieg im Pokal, war da nicht mal mehr ein Trostpflaster.

Barcelona in Form, die Bayern im Krankenstand

Besserung im Frühjahr 2015? Nein. Eigentlich war dem Meister nach der Weltmeisterschaft ein schwieriger Herbst vorhergesagt worden, doch trumpften die Bayern auf, stellten die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Doch jetzt, im Frühjahr, geht die Mannschaft „am Stock“. Verletzungen am laufenden Band bringen alle Planungen durcheinander, von einer großzügigen und kräftesparenden Rotation kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil, der Trainer muss froh sein, wenn er genügend erstklassige Spieler für die großen Aufgaben zur Verfügung hat. Der Gewinn der Champions League wäre unter diesen Voraussetzungen ein Wunder, zumal der Gegner diesmal FC Barcelona heißt und sich ganz im Gegensatz zu den Münchnern in Form zeigt. Wer soll Messi, Suarez und Neymar stoppen? Pep Guardiola war nach der Auslosung glücklich, wieder nach Barcelona zu kommen, er wird privat freudige Stunden erleben, aber sportlich wird er mit seiner neuen Mannschaft Bauchschmerzen bekommen.

In diesem Jahr ist es nicht gewollt, aber nach Lage der Dinge wird für den FC Bayern die Bundesliga wieder zur Nebensache. Einer nach dem anderen aus dem Luxuskader scheidet aus: Alaba und Ribery werden nicht rechtzeitig fit, Badstuber erneut verletzt, jetzt Robben wieder bis zum Ende der Saison draußen und ob der mit Gehirnerschütterung, Oberkiefer- und Nasenbeinbruch lädierte Torjäger Lewandowski noch helfen kann, steht in den Sternen. Wenn, dann geht er auf jeden Fall ein gesundheitliches Risiko ein. Spieler wie Lahm, Schweinsteiger und Martinez stehen zwar wieder zur Verfügung, aber in Bestform können sie nach unterschiedlich langen Pausen nicht sein.

Die Gesundheit! Sie spielt bei den Bayern eine besondere Rolle und ist unabhängig vom Rücktritt des Mannschaftsarztes Dr. Müller-Wohlfahrt zu sehen. Liegt es an den Ärzten oder nicht doch mehr an den Trainern? Die auffallend vielen Verletzungen müssen eigentlich Ursachen haben. Hier muss der Verein Ursachenforschung betreiben, um den Traum vom Triple für 2016 neu beleben zu können. So lange läuft auch der Vertrag von Guardiola.

Der Schiedsrichter half Dortmund

Spanier agiert allerdings auch in diesem Jahr äußerst unglücklich, zumindest was seine personellen Entscheidungen angeht. Beim Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund war nicht nur Pech dabei. Logisch, schon in der 55. Minute hätten die Bayern nach einem Handspiel von Schmelzer einen Elfmeter bekommen müssen und da war Topschütze Thomas Müller noch auf dem Platz. Als Torhüter Langerak Gegenspieler Lewandowski in Grund und Boden rammte, da war wieder ein Elfmeter fällig. Schiedsrichter Peter Gagelmann war also Wegbereiter für Dortmunds Sieg.

Den aber dennoch Guardiola hätte verhindern können. Warum nahm er Thiago nach 68 Minuten vom Platz? Warum Müller nach 76 Minuten? Gut, Thiago war leicht angeschlagen, Nachfolger Robben nach wenigen Minuten aber ganz kaputt. Das Pech konnte nicht größer sein. Der sprichwörtliche Bayern-Dusel blieb aus. Schweinsteiger, der für Müller kam, vergab dann die größten Chancen. Verzockt hatte sich Pep Guardiola auch mit dem Einsatz von Talent Mitchell Weiser. Der hatte ein Glanzsolo in der Bundesliga gegen Hertha BSC hingelegt, doch das war wohl mehr Zufall. Gegen Dortmund konnte er den Nachweis nicht erbringen, besser zu sein als Weltmeister Mario Götze. Pep Guardiola lag da falsch! Und alle sicheren Elfmeterschützen waren nicht mehr auf dem Platz!

Dortmunds schlechter Stil

Da passten die Slapstick-Elfmeter, als Lahm und Alonso beim Schuss ausrutschten, zum gesamten Ganzen. Kein Bayern-Dusel, sondern Bayern-Pech. Die Dortmunder feixten, fühlten eine gewisse Wiedergutmachung, nachdem ihnen im letzten Pokalfinale ein eindeutiger Treffer nicht gegeben wurde. Dass sie aber hinterher die Bayern verhöhnten, war nicht die feine Art, zumal die bessere Mannschaft ausschied. Dortmunds Spieler hatten keinen Grund, sich aufs hohe Ross zu setzen! Doch wer am Abgrund stand, feiert die Wiederbelebung vielleicht besonders euphorisch. 37 Punkte liegt Dortmund in der Bundesliga hinter den Bayern! Schlechter Stil Dortmund!

Die Bayern aber können gegen Barcelona nur auf ein Wunder hoffen. Die Meisterschaft als alleiniger Titel reicht bei den Münchnern nicht für eine erfolgreiche Saison. Da ist gefühlter Herbst im Frühling.

Müller-Wohlfahrt und Co.: Ärzte haben die Macht

Der Abgang des Mannschaftsarztes sorgte beim FC Bayern München für mehr Wirbel als die peinliche 1:3-Niederlage gegen den FC Porto in der Champions League. Was lange gärte, kam zum Ausbruch. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mann mit den „Goldenen Händen“, legte sein Amt nieder, als von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Kritik erneuert wurde, dass wohl die Ärzte für die Verletzungsmisere der Münchner verantwortlich seien. Dies war eine Majestätsbeleidigung. Für „Mull“, so wird er von Freunden und Spielern genannt, war das „Müll“, er fühlte sich mit Dreck beworfen.

Seit Pep Guardiola Trainer in München ist gab es Spannungen mit dem Ärzteteam. So war der Spanier verwundert, dass kein Arzt beim Training anwesend war, die Spieler erst in die Praxis in die Stadt fahren mussten. Dieser Missstand wurde behoben. Nicht behoben werden konnten die unterschiedlichen Auffassungen über die Schnelligkeit der Heilung. Müller-Wohlfahrt vertraut auf eine langfristige Heilung und nimmt dafür einen längeren Ausfall in Kauf, der Trainer möchte den Spieler am liebsten sofort wieder zur Verfügung haben. Zwei Alphatiere standen sich gegenüber, zwei Koryphäen von Weltruf. Wer hat jetzt gewonnen? Pep Guardiola wird dann verlieren, wenn die Bayern in der Champions League scheitern. Müller-Wohlfahrt kann im Prinzip nicht verlieren. Er bleibt Arzt der Nationalmannschaft und Vertrauensmann der Spieler, die weiter bei ihm in Behandlung bleiben wollen.

Dies wirft die Frage auf, welche Macht denn die Ärzte haben. Genau betrachtet, liegt alle Macht bei den Ärzten. Welcher Trainer wird denn einen Spieler „gesundschreiben“, wenn der Arzt einen Einsatz ablehnt. Welcher Sportler wird dem Arzt widersprechen, wenn der ihm ein Mittelchen zur Heilung verschreibt. Nur so waren auch die diversen Dopingskandale möglich, weil Sportler verbotene Mittel verabreicht bekommen haben und gar nicht daran gedacht haben, zu hinterfragen. Der Wunsch, „mach mich schnell wieder fit“, ist für die Ärzte Befehl. Oder muss man heute sagen „war“? Das ist wohl nicht immer so.

Die Macht der Ärzte zeigte sich auch bei den früher renommierten Freiburger Professoren Joseph Keul und Armin Klümper, die weltweit den besten Ruf hatten. Heute wissen wir, sie waren in Doping-Skandale verstrickt. Sie hatten die Macht über Verbände und Sportler. Oder der Skandal um den spanischen Arzt Fuentes, der den Radsport (und nicht nur diesen) erschütterte. Fuentes hatte lange Zeit die Macht, ja, man kann sogar sagen, er machte Sieger.

Wer stellt die Mannschaft auf? Natürlich der Trainer, wird jeder sagen. Aber wie oft haben wir schon gehört, dass die Trainer seufzen und angesichts von vielen verletzten Spielern stöhnen, „die Mannschaft stellt der Arzt auf“. So war es zuletzt auch bei den Bayern, als ein Star nach dem anderen fehlte und sich die Mannschaft quasi allein aufstellte. In den entscheidenden Wochen der Saison konnte Pep Guardiola nicht rotieren und anfangs avisierte kurze Ausfälle erwiesen sich als Langzeitverletzte (siehe Franck Ribery). Kein Wunder, dass der Trainer auf den Arzt nicht gut zu sprechen war. Kein Wunder, dass ein Müller-Wohlfahrt mit Kritik nicht leben kann, schließlich schicken Klubs aus ganz Deutschland ihre Spieler zu ihm nach München, wenn sie nicht mehr weiterwissen.

Das Schweigen der Bayern

Unverständlich, dass für Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt 40 Jahre FC Bayern mit einer kurzen Presseerklärung – ohne vorher den Verein zu unterrichten – so stillos beendet werden. Unverständlich aber auch die Krisenbewältigung der Bayern, bei denen die Verantwortlichen hilflos wirkten. Sport-Vorstand Matthias Sammer zum Beispiel hätte hier eingreifen müssen, aber er schwieg. So sorgte eine peinliche Niederlage im schlechtesten Spiel des Jahres für eine Krise bei einem erfolgsverwöhnten Verein, der bis dahin noch auf Wolke sieben schwebte. Mal sehen, ob durch dieses Erdbeben am Ende die ganze Saison trotz Meistertitel als misslungen angesehen werden muss. Ob dann am Ende auch Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt glücklich ist?