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Tag: FC Barcelona

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.

Champions League: Altes Geld gegen neues Geld

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind ein Weltereignis, aber sie regieren nicht allein die Sportwelt. Zumindest in Europa nicht. Am Dienstag, 13. Februar, geht auch die Champions League im Fußball wieder los und mit dem Achtelfinale wird es endlich auch richtig interessant. Die Gruppenphase ist nur ein teilweise langweiliges Vorspiel im Herbst. Die Lose wollten es so, dass es ein mögliches Endspiel bereits im Achtelfinale gibt: Titelverteidiger Real Madrid gegen den Newcomer Paris St. Germain. Man könnte auch sagen altes Geld gegen neues Geld, alter Reichtum gegen neuen Reichtum, ein Großprotz vergangener Tage verteidigt seinen Ruhm gegen den aktuellen Großprotz.

Damit keine Zweifel aufkommen, es geht um Fußball. Aber im Spitzenfußball geht es in erster Linie um das Geld. Die Fans können sich am Spiel erfreuen, die Vereine und Profis erfreuen sich am üppigen Spielgeld. Laut der Fachzeitung kicker haben die Klubs der fünf Top-Ligen in Europa die gigantische Summe von 4,43 Milliarden Euro im vergangenen Sommer für neue Spieler ausgegeben. Bekanntlich schoss Paris mit Katars Scheich Nasser Al-Khelaifi mit 222 Millionen Euro für Barcelonas Torjäger Neymar den Vogel ab. Paris dominiert erwartungsgemäß die Liga in Frankreich, aber erst die Champions League zählt wirklich. Der Pott soll her, endlich. Barcelona war im Vorjahr ein demütigender Stolperstein, nach einem 4:0 zu Hause schied Paris mit einem 1:6 in Barcelona aus. Neymar zirkelte in den Schlussminuten einen Freistoß ins Eck und traf mit Elfmeter und strahlte, „das war wohl das Spiel meines Lebens“. Dann war er weg.

Real Madrid gegen Paris St. Germain am 14. Februar, das elektrisiert. Wobei es in dieser Saison um den Titelverteidiger viele Fragezeichen gibt. Fast gibt es schon eine Art Endzeitstimmung in Spanien. Ohne Sieg gegen Tottenham landete Real in der Gruppe hinter den Engländer und hat nun den Salat mit Paris als Gegner. National klappt es überhaupt nicht, Platz vier und 19 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Barcelona sind eine Demütigung, im Pokal ist Madrid ausgeschieden. Die Schlagzeilen waren in den letzten Wochen entsprechend: „Königliche Gurkentruppe“ hieß es oder „Die Zeit von Zidane läuft ab“ über den einst gefeierten Trainer oder eben „Die Königlichen sind ratlos“. Einst kaufte sich Real eine Mannschaft der Stars zusammen, doch „BBC“ ist in die Jahre gekommen. Bale meist verletzt, Benzema kein Torjäger, der immer trifft und Cristiano Ronald unzufrieden. Den Weltfußballer wurmt, dass Konkurrent Messi in Barcelona wohl mehr verdient und erfolgreicher ist, außerdem merkt „CR7“ mit 32 Jahren langsam das Alter, die Spritzigkeit lässt nach. Real spielt um die letzte Chance, vielleicht auch darum, ob es noch eine Zukunft hat.

Das alte Geld ist ausgegeben, Klubs mit Scheichs in der Hinterhand können mit dem neuen Geld das Kommando übernehmen. Das gilt nicht nur für Paris, sondern zum Beispiel auch für Manchester City mit Trainer Pep Guardiola, der seine Mannschaft mit etlichen Millionen aufgerüstet hat. 250 Millionen Euro waren es im Sommer, jetzt noch einmal über 100 Millionen. Das Ergebnis sind unvorstellbare 13 Punkte Vorsprung in der Premier League, wo doch ansonsten im Kampf um den Titel Spannung Trumpf ist. Doch richtig gefeiert wird bei City und vor allem von Pep Guardiola wohl erst, wenn auch der Sieg in der Champions League gelingt. Der FC Basel sollte im Achtelfinale kein Stolperstein sein.

Die Engländer wollen mit viel Geld angreifen und sind mit fünf Mannschaften noch dabei. Das neue Geld schießt scheinbar Tore. Die schwierigste Aufgabe hat zweifellos ausgerechnet das kriselnde Chelsea London mit dem FC Barcelona zu lösen. Auch hier trifft also neues Geld auf altes Geld. Bei Barca geht es zwar mitunter in der Führung auch drunter und drüber, aber im Notfall wird es Messi schon richten.

Die deutschen Klubs haben sich auf Europas Bühne blamiert. „Das Zeugnis eines Debakels“ urteilte der kicker, weil erstmals nur drei Bundesliga-Klubs in Europa überwintert haben. Freiburg, Köln, Hertha und Hoffenheim sind teilweise blamabel ausgeschieden. Nur Bayern München hält in der Champions League die Fahne hoch, wie so oft. Auch die Bayern spüren das neue Geld in Europas Ligen, sind aber im Umsatz immer noch Nummer vier in Welt des Fußballs und träumen von der Wiederholung des Triples von 2013. Das gute Omen: Auch 2013 hatte die Bundesliga diese miese Bilanz, aber am Ende stand das deutsche Endspiel in Wembley. Es bedarf Los-Glück, damit die Münchner zumindest ins Halbfinale kommen, der erste Gegner Besiktas Istanbul gilt als leichtester der möglichen Gegner. Gegen Paris hat man in der Gruppe besondere Erfahrungen gemacht und ist über das 0:3 im ersten Aufeinandertreffen fast dankbar: Trainer Carlo Ancelotti musste gehen und der 72-jährige Jupp Heynckes, Triple-Macher 2013, wurde reaktiviert. Heute gilt es als Glücksbringer und soll gar nicht mehr in den Ruhestand gehen.

Die in der Königsklasse ausgeschiedenen Borussia Dortmund und RB Leipzig wollen sich in der Europa League profilieren, doch die Leistungen in der Bundesliga waren zuletzt nicht so, dass die deutschen Fußball-Fans sehr hoffnungsfroh in die Zukunft schauen können. Die Italiener Atalanta Bergamo und SSC Neapel könnten die Rausschmeißer spielen. Das deutsche Debakel wäre dann wirklich perfekt.

Ein Blick in die Zukunft: Nach Olympia wird es an dieser Stelle in der Regel jeden Montag einen Bundesliga-Kommentar geben.

Der FC Bayern München am Scheideweg

Der Verein ist ein Markenzeichen, das selbstbewusste „mia san mia“ ist legendär, in Fußball-Deutschland hält der FC Bayern München fast alle Rekorde, seit fünf Jahren dominiert er in die Bundesliga, seine Titelsammlung ist national unerreicht: 27 Meisterschaften, 18 Pokalsiege, je 6 Siege im Supercup und Ligapokal, dazu international Champions-League-Sieger (2001, 2013), davor Europapokalsieger der Landesmeister (1974, 1975 und 1976 das Triple), Europapokalsieger der Pokalsieger (1967), UEFA-Pokalsieger (1996), Weltpokalsieger (1976, 2001), Klub-Weltmeister (2013) und UEFA-Superpokalsieger (2013). Kein Wunder, dass Bayern München auch auf Europas Bühne Spitze ist und in einem Atemzug mit den englischen und spanischen Spitzenteams genannt wird. Doch jetzt ist der Wurm drin, das Ende der glorreichen Jahre droht – wenn nicht die Wende gelingt. Auf jeden Fall steht der FC Bayern München am Scheideweg.

Als der Deutsche Rekordmeister 2013 unter Jupp Heynckes das begehrte Triple holte, als der Traum vom Sieg in der Champions League in einem deutschen Finale gegen Borussia Dortmund wahr wurde (dazu national Meisterschaft und Pokalsieg), da schien eine glorreiche Zeit für die nächsten Jahre möglich, zumal der Spanier Pep Guardiola als Nachfolger von Heynckes gewonnen werden konnte, damals allgemein als bester Trainer der Welt bezeichnet, nachdem er mit dem FC Barcelona erfolgreich war und „Zauber-Fußball“ bot. So sollte er in München weitermachen, allerdings gelang der große Wurf in der Champions League nicht. Immerhin dominierte Pep mit seinem Team den nationalen Fußball und die Bayern spielten in dieser Phase ihren schönsten Fußball. Den Drei-Jahres-Vertrag wollte der Spanier am Ende nicht verlängern und die Münchner holten sich einen Mann, der offensichtlich weiß, wie man die Champions League gewinnt: Den Italiener Carlo Ancelotti.

Diese Verpflichtung war allerdings ein großes Missverständnis. Der Italiener und sein Trainer-Team konnten die erfolgreiche Arbeit von Guardiola nicht fortsetzen, ganz im Gegenteil, es gab keine positive, sondern eine negative Entwicklung. Ein Jahr lang profitierten Mannschaft und Ancelotti noch von der Arbeit Guardiolas, dann ging es abwärts. Die Politik der langen Leine war verfehlt, die Italiener bildeten offenbar ein eigenes Grüppchen, der Zusammenhalt im Team bröckelte, die Vereinsspitze schaute zu. Die Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß müssen eingestehen, dass sie den schleichenden Niedergang der Mannschaft nicht rechtzeitig aufgehalten haben, dass sie die Stimmen der Führungsspieler ignoriert haben. Wenn sich schon Spieler über ein zu lasches Training beschweren und geheimes Sondertraining betreiben, dann sagt das alles über den Trainer. Das Ende von Carlo Ancelotti nach der 0:3-Niederlage in Paris und dem Debakel einer provokanten Aufstellung, als er die Routiniers brüskierte, kam zu spät. Schon im Sommer hätten Rummenigge und Co. die Reißleine ziehen müssen.

Jetzt hechelt der ruhmreiche FC Bayern sowohl in Deutschland als auch in Europa hinterher. Nach sieben Spielen in der Bundesliga fünf Punkte Abstand zum starken Tabellenführer Borussia Dortmund sind happig und rekordverdächtig. In der Champions League wurde mit der hohen Niederlage in Paris fast schon der Gruppensieg verspielt, im Zweikampf mit Celtic Glasgow geht es um Platz zwei und das Weiterkommen. Dann drohen in der nächsten Runde wieder ein übermächtiger Gegner (Gruppensieger) und das vorzeitige Ausscheiden. Der Traum vom Gewinn der Champions League ist ganz weit weg, zumal Europas Spitzenklubs dank der Oligarchen aus Russland und der Scheichs vor allem aus Katar (Paris) mit Geld um sich schmeißen und eklatant aufrüsten. Da können bodenständige Klubs aus Deutschland nicht mehr mithalten. Spitze in Europa? Das könnte auch für den FC Bayern bald Vergangenheit sein.

Das Problem: Können die Münchner sportlich mit den Spaniern, Engländern und eben Paris nicht mithalten, werden sie nicht nur keine Stars bekommen (weil die Bayern keine 100 Millionen Euro und mehr zahlen wollen bzw. können), sondern auch aufstrebende Talente werden sich andere Vereine suchen, damit sie schneller an die Spitze und an die Geldtöpfe kommen. Dies könnte eine Kettenreaktion auslösen und den Niedergang des stolzen Vereins bedeuten.

Wie dies aufzuhalten ist? Mit einem starken Trainer und einer erfolgreichen Mannschaft. Noch haben die Bayern ein Team, das durchaus in der Lage ist, mit Real Madrid, Barcelona, Paris oder den Klubs aus England mitzuhalten. Dann muss aber teamintern und sportlich alles stimmen. Insofern wird der nächste Trainer auch die Zukunft des Vereins bestimmen, weil auch der Umbruch einer alternden Mannschaft zu bewältigen ist. Eine Herkulesaufgabe. Gerade jetzt können sich die Bayern den Trainer aber nicht aussuchen, sondern müssen nehmen, was auf dem Markt ist. Kein Wunder, dass Dortmunds Ex-Coach Thomas Tuchel als Favorit auf die Ancelotti-Nachfolger genannt wird, nur er ist von den bekannten Trainern frei. Zukunfts-Hoffnungen wie Julian Nagelsmann in Hoffenheim stehen unter Vertrag. Ein Problem, das die Bayern-Bosse im Sommer hätten leichter lösen können. Jetzt müssen sie hoffen, dass sie mit dem neuen Trainer den Abwärtstrend stoppen können und der Weg wieder nach oben zeigt, in die Spitze Deutschlands und Europas. Noch ist die Saison jung, noch ist einiges zu reparieren.

Vergessen werden darf allerdings nicht, dass mit Kapitän Manuel Neuer die Mannschaftsstütze in den entscheidenden Spielen fehlt und jetzt mit Franck Ribery eine weitere Führungsfigur ausfällt. Gerade die Sicherheit, die der beste Torhüter der Welt, Neuer, ausstrahlt, fehlte dem Team bei den letzten Pleiten. Eine verzwickte Situation.

Frauen-Fußball zwischen Chance und Risiko

Das Transfer-Theater ist vorbei, jetzt steht der Sport wieder im Mittelpunkt. Das gilt für den Profi-Fußball der Männer. Im Schatten von Stars wie Neymar, Cristiano Ronaldo und Messi stehen immer noch die Fußball-Frauen. Sinnbildlich dafür die Wahl zu Europas Fußballern des Jahres. Auf der einen Seite der glamouröse Cristiano Ronald als Sieger, auf der anderen die schüchterne niederländische Lieke Martens. Den Namen noch nie gehört? Sehen Sie…

Lieke Martens galt als die beste Spielerin bei der Europameisterschaft und führte die Niederlande im eigenen Land zum ersten EM-Titel. Damit füllten die Frauen ein bisschen das Sommerloch, aber wesentlich populärer wurde ihr Fußball damit nicht. Seit Jahren kämpfen die Frauen im Schatten der Männer um Anerkennung. Am weitesten sind die Bemühungen wohl in Deutschland gediehen, weil die Nationalmannschaft hier auch am erfolgreichsten war. Zuletzt Olympiasieger, davor zweimal Weltmeister und achtmal Europameister – die Titelsammlung kann sich sehen lassen. Bis zu acht Millionen Zuschauer sahen den Mädchen an den Fernsehgeräten zu, aber wenn die Bundesliga spielt, sind die Stadien meist nur spärlich besucht. Ein kleiner Boom verflachte wieder, die Bundesliga dümpelt mit einem Schnitt unter 1000 Besuchern dahin. Ein Problem: Viele prominente Spielerinnen beendeten zuletzt ihre Karriere, dahinter gibt es quasi ein Popularitätsloch.

Wie sieht die Zukunft aus? Der Frauen-Fußball schwebt national wie international zwischen Chance und Risiko. Was die deutsche Bundesliga angeht, die am Wochenende mit ihrer neuen Saison begann, so ist die Spannung so groß wie selten. Gab es eine Zeit, wo nur zwei Vereine, nämlich der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, das Geschehen dominierten (sie teilten zwischen 2001 und 2012 die Titel zwischen sich auf), so gibt es für die neue Saison gleich mehrere Titelkandidaten, also nicht nur den VfL Wolfsburg und Bayern München (die Meister der letzten fünf Jahre), sondern auch Frankfurt, Potsdam und Freiburg sowie Essen sind als starke Außenseiter zu beachten. Allerdings: Der Bundesliga droht auf Sicht der Verlust der Stars, denn international ist die Konkurrenz aufgewacht. Das ist Chance und Risiko zugleich.

International aufgewacht heißt, dass große und erfolgreiche Vereine ihr Herz für den Frauen-Fußball entdeckt haben. In England sind dies Arsenal London, Chelsea London und Manchester City (hier wird schon gelästert, dass die Frauen vielleicht eher die Champions League gewinnen als die Männer), Frankreich spielt mit dem Champions-League-Sieger Olympique Lyon und Paris St. Germain schon eine dominierende Rolle, in Spanien will neben Atletico Madrid künftig auch der FC Barcelona bei den Frauen mitmischen, wie Juventus Turin in Italien. Sind diese renommierten Klubs international erfolgreich, pusht das den Frauen-Fußball. Das Risiko: Das Geld wird auch bei den Frauen künftig dominieren, Lieke Martens geht nach Barcelona und verdient dort das Dreifache als bisher. Bayern München verlor aus diesem Grund seine Torjägerin Vivianne Miedema an Arsenal London. So werden der Bundesliga weitere Stars abhanden kommen.

Die Auslosung der Champions League sorgte gleich dafür, dass die Bundesligisten eine internationale Bewährungsprobe bestehen müssen: Wolfsburg trifft auf Atletico Madrid, Bayern auf Chelsea. Interessant: England spielte eine verkürzte Meisterschaft, um sich dem internationalen Spielkalender anzugleichen. Jetzt geht es auch im September neu los.

Auf jeden Fall kommt Bewegung in den Frauen-Fußball. Internationale starke Konkurrenz kann dem Sport nur gut tun, der Frauen-Fußball in Deutschland ist in besonderem Maße gefordert. Damit die Bundesliga attraktiv bleibt oder noch attraktiver wird, muss erst einmal das sportliche Umfeld in der Liga stimmen (sprich Spannung), zum anderen muss die Nationalmannschaft weiterhin für Erfolge und damit für Aufmerksamkeit sorgen. Das Viertelfinal-Aus gegen Dänemark bei der EM war da ein Rückschlag. Allerdings sorgen viele junge Talente für ein Stückchen Hoffnung. Da zumindest können wir sagen: Mehr Chance als Risiko!

Vorhang zu im Transfer-Theater

Endlich ist er da, der 31. August. In den wichtigsten europäischen Fußball-Ligen endet an diesem Tag die sommerliche Transferzeit. Endlich ist das „Affentheater“ (Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke) vorbei, der Vorhang ist zu im Transfer-Theater.

Die Transferzeit 2017 brach alle Rekorde. Vor allem die Scheichs aus Katar frönten einer Kaufwut, um „ihren“ Verein Paris St. Germain mit Star-Einkäufen an Europas Spitze zu führen. Sie gaben schon in den letzten Jahren viel Geld aus, jetzt bedeuten die 222 Millionen für den Brasilianer Neymar neuen Rekord. Er wird nicht lange Bestand haben und er verdarb endgültig die Preise. Der FC Barcelona musste Neymar hergeben und zahlt mit vollen Taschen bis zu 147 Millionen Euro für den unerfahrenen 20-jährigen Franzosen Dembele, der mit einem Trainingsstreik in Dortmund wesentlicher Bestandteil des Affentheaters war. Die Millionen schwirrten nur durch die Gazetten, die Vereine überboten sich gegenseitig und die Berater machten sich die Taschen voll. Die Fans schauten staunend, Kopfschüttelnd und zum Teil angewidert zu. Deshalb: Schluss mit dem Affentheater. Vorhang zu.

Der europäische Verband, die UEFA, muss tätig werden, wenn sich die Ligen nicht einigen. Die Fans sind frustriert, aber eigentlich sollten sie neben dem Sport doch im Mittelpunkt stehen. Hans-Joachim Watzke wählte nicht nur die drastischen Worte, sondern er sprach den Fans mit einem Plädoyer zu einer verkürzten Transferperiode auch aus dem Herzen: „Weil die Fans spätestens am ersten Spieltag wissen wollen, wie ihre Mannschaft denn nun aussieht. Und weil dieses Hin und Her auch die Beteiligten irgendwann nicht mehr durchhalten.“ Klarheit statt Transferpoker ist gefordert.

Eigentlich betrügen die Vereine die Fans, die sich vor der Saison Dauerkarten kaufen und von einer starken Mannschaft ausgehen. Doch dann wird zum Teil ein Star nach dem anderen verkauft, die Situation sieht plötzlich ganz anders aus, von Spaß kann bei manchen dann nicht mehr die Rede sein. Also wurde ein gefälschtes Produkt verkauft, mehr Schein als Sein. Aber auch Trainer plädieren dafür, dass die Mannschaft zum Saisonbeginn feststehen muss. Augsburgs Trainer Manuel Baum fordert ebenfalls ein Ende der Wechselfrist vor der Saison: „Das wäre für uns Trainer ideal. Du hast deine Mannschaft zusammen und die Spieler haben nicht mehr irgendwelche anderen Dinge im Kopf.“

Es ist ein Unding, wenn Vereinsmanager fordern, dass nach den ersten Punktspielen noch Spielerwechsel möglich sein müssen, weil es Verletzungen gibt, weil Vereine, die an den Qualifikationen zu den europäischen Wettbewerben beteiligt sind, erst danach wissen, wo sie spielen und wie groß der Kader sein muss. Da sind eben die Manager mit einer besseren Planung gefordert, aber das rechtfertigt dieses Transfer-Theater nicht, wenn Spieler Vereine erpressen, wenn Berater Vereine gegeneinander ausspielen mit dem Druck, dass die Saison schon begonnen hat.

Der Profi-Fußball entfernt sich immer mehr von den Fans, bei den Transfers kann er zeigen, dass er verstanden hat und die Fans noch eine Rolle spielen. Der erste Weg zum besseren Verständnis ist ganz einfach eine Verkürzung der Transferzeit im Sommer mit einem Ende vor den ersten Punktspielen. Rechtzeitig Vorhang zu im Transfer-Theater.

Champions League: Zwiespalt zwischen Kommerz, Posten und Sport

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Die neue Saison der Champions League im Fußball beginnt erst am 12. September, die Weichen dazu wurden am Donnerstag in Monaco gestellt. Kritiker sagen, „das Spannendste an der Champions League ist die Auslosung“. Spannend war sie in der Tat, aber sie offenbarte auch den Zwiespalt, in dem der Fußball steckt.

Da der Kommerz, die Champions League wurde gerade für die großen Klubs fast zur Gelddruckmaschine. Dort das Buhlen um die Stimmen der kleineren Verbände, die manchem UEFA-Funktionär erst den begehrten Posten sichern. Der Sport ist dabei nur das Schlusslicht, er ist das Mittel zum Zweck, dass er überhaupt nur die Fans in die Stadion lockt und zur Attraktivität für die Sponsoren wird, das wird als gegeben angesehen. Motto: Der Sport ist ja da, das andere müssen wir uns sichern.

Die Lostöpfe der Champions League wurden vor einiger Zeit geändert. Früher ging es in erster Linie nach Leistung, die besten Vereine kamen in Lostopf 1, der UEFA-Klubkoeffizient war die Basis. Doch die Top-Funktionäre bei FIFA und UEFA sehen sich auch als Anwalt der kleineren Verbände, weil sie so leicht Stimmen für ihre Wiederwahl gewinnen können. Nur aus diesem Grund geriet der Sport in den Hintergrund. Nun liegen nicht mehr die Kugeln der besten Vereine in Lostopf 1, sondern der Titelverteidiger (Real Madrid war in Spanien auch Meister) und die der Meister der sieben nachfolgenden Verbände der UEFA-Fünfjahreswertung. Dadurch schafften es auch Benfica Lissabon, AS Monaco, Spartak Moskau und Schachtar Donezk in Topf 1. Die Ironie dabei, die insgesamt stärksten Mannschaften tummelten sich in Topf 2! Das ist fast schon eine Art Wettbewerbsverzerrung!

Das der Sport hier nicht im Vordergrund steht, wird dadurch deutlich, dass Moskau nur in Topf 4 zu finden wäre, Monaco und Donezk in Topf 3. So sah Topf 1aus: Real Madrid, Bayern München, FC Chelsea, Juventus Turin, Benfica Lissabon, AS Monaco, Spartak Moskau, Schachtor Donezk. So Topf 2: FC Barcelona, Atletico Madrid, Paris St. Germain, Borussia Dortmund, FC Sevilla, Manchester City, FC Porto, Manchester United als EL-Sieger. So wäre es sportlich richtig gewesen nach der Klubwertung: Topf 1 Real Madrid, Bayern, Barcelona, Atletico Madrid, Juventus, Paris, Dortmund, Sevilla. Topf 2: Benfica, Manchester City, Chelsea, FC Porto, Manchester United, SSC Neapel, Donezk, Tottenham Hotspur. Die Diskrepanz wird deutlich!

Am Los-Glück oder Los-Pech hängt es, ob die Gruppenphase wirklich attraktiv wird oder ob es stimmt, dass die Auslosung der spannendste Teil des Wettbewerbes ist. Die jetzige Aufteilung lässt es auf jeden Fall eher zu, dass auf der einen Seite Hammer-Gruppen entstehen, auf der anderen Seite relativ uninteressante Gruppen, wie diesmal zum Beispiel mit der Gruppe G mit Monaco, Porto, Besiktas Istanbul und RB Leipzig. Das ist gewollt: Eine Chance den Außenseitern! Die Hammer-Gruppe schlechthin ist die Gruppe H mit Real Madrid, Borussia Dortmund, Tottenham Hotspur und dem armen Klub Apoel Nikosia.

Aber kassieren dürfen sie alle, im Marktpool für die Champions League befinden sich 507 Millionen Euro, allein das Startgeld beträgt 15,7 Millionen Euro, ein Verein wie der FC Bayern München rechnet insgesamt mit rund 50 Millionen Einnahmen. Angesichts solcher Zahlen gerät der Sport halt in den Hintergrund. Hauptsache die Kasse stimmt und die Posten werden an die richtigen Leute vergeben, die viel sagen, wenig tun und am liebsten kassieren.

222 Millionen Euro für Neymar: Ein Anschlag auf den Fußball!

Als der FC Barcelona die Ablösesumme für seinen neuen brasilianischen Star Neymar Junior auf 222 Millionen Euro festsetzte, da hatte der Verein dies als utopische Summe angesehen, die niemand jemals zahlen würde. Die Spanier selbst hatten etwa 95 Millionen Euro gezahlt, um ihre Mannschaft mit Messi, Suarez und Neymar quasi unschlagbar zu machen. Wie man sich doch täuschen kann. Barcelona war nicht unschlagbar und in den verrückten Fußball-Zeiten, in denen Ablösesummen buchstäblich explodieren und Fantasiesummen keine Grenzen gesetzt sind, da geht Neymar doch mit 222 Millionen Euro über den Ladentisch. Barcelona ist jetzt reich, doch reicher sind die Scheichs in Katar. Deshalb stürmt Neymar ab sofort für deren Klub Paris St. Germain.

Rund um den Rekordtransfer des Fußballs gibt es viele Ungereimtheiten und Kuriositäten und der Sport-Grantler wundert sich, wie brav die Medien seltsame Zahlungsmethoden ohne Aufklärung weitergeben. Lachhaft die Meldung, Neymar habe die Ablösesumme, weil es die Regeln so vorschreiben, selbst bezahlt. Vorher hat er einen Scheck aus Katar über die Summe erhalten, danach wurden seine Auftraggeber bei Barca vorstellig, der Verein hatte keine Chance, Neymar zu halten. Insgesamt soll sich der Deal für Neymar ja auf 500 bis 600 Millionen Euro ausweiten. Von einer „Antrittsprämie“ über 100 Millionen Euro ist die Rede, von 30 Millionen Jahresgehalt und 40 Millionen Prämie für den Vater. Neymar aber ist sich nicht zu blöd, davon zu reden, er „folge seinem Herzen“. Ach, er hat halt ein goldenes Herz.

Eine Schlagzeile spricht von der „teuersten Seifenoper des Weltfußballs“, doch was steckt dahinter, wie geht es weiter? Was dahinter steckt ist klar, Katars Scheichs buhlen um Aufmerksamkeit in der ganzen Welt, wollen aus dem Ölstaat für die Zukunft eine touristische Attraktion machen, um weiter Geld zu verdienen. Höhepunkt dieser Pläne ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die mit viel Geld „erkauft“ wurde. Neymar soll wohl jetzt ein Gesicht der Werbekampagne werden, da passt ja die Höhe der Ablöse gut dazu. Fraglich ist, was die Scheichs noch planen. Katar steht ja unter Druck, weil die arabischen Nachbarstatten dem Emirat eine Unterstützung von Terroristen vorwerfen. Katar wehrt sich gegen diese Unterstellungen, gleichzeitig kann aber diese Fantasieablöse für Neymar als Anschlag auf den Fußball gewertet werden, der nämlich langsam aus allen Fugen gerät, wenn diesem Geld-Treiben kein Einhalt geboten wird. UEFA und FIFA scheinen ihr machtlos zu sein. Das Financial Fairplay sollte zwar die Geldflut stoppen, doch die Transferregel ist wirkungslos, Kritiker sagen sogar, sie ist kontraproduktiv.

Der Emir von Katar, Scheich Tamin bin Hamad Al-Thani, Besitzer von Paris St. Germain, sieht den Verein als PR-Vehikel für sein Land und die WM 2022 und dazu gehören eben auch internationale Erfolge des Klubs. Die soll Neymar garantieren. Man mag ja dem Brasilianer zugute halten, dass er mit dem Wechsel nach Paris unabhängig vom Geld eher aus dem Schatten der Messi und Cristiano Ronaldo treten kann. Aber bisher hat er nicht den Nachweis erbracht, wirklich besser zu sein. So geht ihm vor allem der Ehrgeiz von Ronaldo vollkommen ab. Neymar glänzte eher neben als auf dem Spielfeld. Ob da die Hoffnungen von Klubpräsident Nasser al-Chelaifi in Erfüllung gehen, der mit Neymar auf Dauer sogar Geld verdienen will?

Man kann angesichts der Entwicklung wirklich von einem Anschlag auf den Fußball reden und muss sich als Fußball-Fan um die Zukunft sorgen. Der gemeine Fan wird die Preistreiberei nämlich nicht mehr hinnehmen, schon jetzt wird das Verhältnis der harten Fans zu den Spieler-Millionären immer aggressiver. Nur Erfolge garantieren Ruhe, bleiben die aus, so sind immer öfter Ausschreitungen die Folge, der Fußball wird leiden.

Alle Vereine in Europa müssen aber jetzt auch um ihre Stars bangen. Der FC Barcelona hat viel Geld und sucht Ersatz für Neymar. Zwei Franzosen dürften da in den Blickpunkt rücken, Monacos Kylian Mbappe, der nur die Kleinigkeit von 190 Millionen Euro kosten soll, und Dortmunds Shooting-Star Ousmane Dembele. Da reichen wahrscheinlich 100 Millionen, bei denen Dortmund als Aktiengesellschaft zu diesem Geschäft nicht Nein sagen kann. Es bleibt in den nächsten Tagen und Wochen wahrscheinlich unruhig, auch wenn die Saison beginnt.

Eines könnte allerdings auch passieren: Neymar verletzt sich schwer und fällt wochenlang aus. Die Gesichter der Scheichs möchten wir dann sehen!

Juve und das „lachende Triple“

Cardiff war das Ziel aller Träume in der Champions League, der 3. Juni ist jener Samstag, bis zu dem die Klubs aller Nationen gerne ihre Saison verlängert hätten. Nur zwei konnten es schaffen, dass der eine davon Titelverteidiger Real Madrid ist, überraschte niemanden, dass Juventus Turin der Gegner ist, war zwar für möglich, aber nicht für sehr wahrscheinlich gehalten worden. Der FC Barcelona muss ebenso zuschauen wie der FC Bayern München, für den die Saison sogar schon vorzeitig beendet ist. Mit dem fünften Meistertitel in Folge, ein Rekord in Deutschland, ein Titelansammlung, die auch die „alte Dame“ Juve in Italien geschafft hat. Und Juve kann noch mehr schaffen, könnte neben Bayern und Real der „lachende Dritte“ sein, in diesem Fall das „lachende Triple“ erreichen, was Real (im nationalen Pokal vorzeitig ausgeschieden) nicht mehr möglich ist. Juve hat bereits das nationale Double, Real will das bedeutendere Double von Champions League und Meisterschaft holen. Es geht also um mehr als nur den Henkelpott der UEFA.

In Turin träumen sie seit Jahren von einem Triumph auf europäischer Bühne, der letzte Erfolg in der Champions League gelang 1996. Italiens Fußball drohte in den letzten Jahren den Anschluss an die großen Nationen zu verlieren. In der UEFA-Fünfjahreswertung liegen Spanien, Deutschland und England vor Italien, die Zuschauer zeigten den Klubs der Serie A oft genug die kalte Schulter, dafür sorgten Hooligans und Rechtsradikale immer wieder für Ärger. Der Profi-Fußball war keine Erfolgsgeschichte mehr, sondern eher ein Sorgenkind.

Das hat sich zuletzt gebessert und Italiens Fußball befindet sich im Aufwind. Auch Juventus Turin, einst im Rahmen eines Bestechungsskandals sogar in die zweite Liga verbannt, wurde vom Sorgenkind zum Leuchtturm des italienischen Fußballs. Vor Cardiff heißt es jetzt respektvoll: Wer will Real schlagen? Juve – wer sonst!

Andere Vereine träumen vom „Triple“ (siehe Kommentar vom 2. Mai: „Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple“), Juve kann es schaffen. Wenn nicht Juve – wer sonst! Gegen Real Madrid spricht außerdem, dass es in der Champions League noch nie eine erfolgreiche Titelverteidigung gab. Auch ein Anreiz für Cristiano Ronaldo und Co.! Für Juve spricht, dass Trainer Massimiliano Allegri über die Jahre hinweg ein Team „mit preußischem Stehvermögen und spielerischen Glanzpunkten“ (Süddeutsche Zeitung) geformt hat. Die BBC-Abwehr gilt als schier unüberwindbar, die Herren Barzagli, Bonucci und Chiellini sind in die Jahre gekommen, aber noch nicht alt, sondern nur alt genug, um allen Stürmern zu trotzen. Sie haben auch keine Angst vor CR7. Und dahinter will sich Gigi Buffon den großen Traum erfüllen, endlich die Champions League zu gewinnen. „Alle anderen Trophäen habe ich schon“, sagt der Welt- und Europameister, „aber für diesen Henkelpott läuft mir langsam die Zeit davon“. Könnte sein, dass der bald 40jährige seine Karriere nicht vor dem großen Sieg beendet. Oder ist er am Samstag am Ziel?

Es ist die Stärke des italienischen Meisters, dass nicht nur das Abwehrbollwerk eine Macht ist, sondern dass mit Cuadrado und dem Deutschen Sami Khedira Wucht und spielerischer Glanz im Mittelfeld gegeben ist, dass der Brasilianer Dani Alves in seinem dritten Frühling wieder zu alter Klasse fand und dass mit Dybala und Higuain Tore keineswegs Mangelware sind. Dies zeigt, Juventus Turin kann es mit Real Madrid und Zinedine Zidane aufnehmen, kann Ronaldo, Kroos, Modric, Benzema und Co. stoppen. Die Sympathien werden den Italienern gehören, allein, weil es wohl ihre letzte große Chance ist. Und Juve kann in Cardiff das „lachende Triple“ schaffen.

Bayern München und die Sehnsucht nach dem Triple

Große Vereine haben große Ziele. Ein Titel allein reicht da nicht, je nach Gewichtung soll es die Meisterschaft sein oder die Champions League (schon die Europa League gilt als zweitklassig), eigentlich beide und dazu als Dreingabe der Pokal. Real Madrid zum Beispiel entließ bereits Trainer, weil sie zwar die Champions League gewannen, national aber hinter dem Erzrivalen FC Barcelona blieben oder eben auch umgekehrt. Jedenfalls war es oft ein Titel zu wenig. Das ist in München nicht anders. Der FC Bayern dominiert in Deutschland und so ist die nationale Meisterschaft Gewohnheitssache. Fünfmal in Folge Meister, ein neuer Rekord – na und? Der Frust über das Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid sitzt tief und überdeckt den Jubel über die Meisterschaft. Was nach der Saison 216/17 bleibt, ist die Sehnsucht nach dem Triple.

Die Münchner wissen allerdings sehr wohl, so wie es eigentlich alle Fachleute und vielleicht sogar Laien wissen sollten, alle Pokale in einem Jahr zu holen ist außergewöhnlich und nicht so leicht zu wiederholen. Da muss eben alles passen, da darf der Schiedsrichter nicht gegnerische Abseitstore anerkennen (eigene darf er selbstverständlich anerkennen, ist sogar wünschenswert), da dürfen entscheidende Spieler nicht verletzt ausfallen, da muss der Ball ins Tor und nicht ans Gestänge gehen und man darf keine Fehler machen. Ein bisschen viel auf einmal, oder etwa nicht?

Dazu kommt natürlich, dass auf internationaler Ebene die Konkurrenz immer stärker wird. Es werden ja in der Zukunft nicht Barcelona und Real Madrid allein sein, die den Bayern das Triple verwehren können, Juventus Turin (vielleicht nutzen die Italiener ihre Chance sogar schon in diesem Jahr), Paris St. Germain und die englischen Klubs lechzen ebenfalls nach dem großen Erfolg. Da investieren Scheichs und Oligarchen aus Russland viele Millionen, um sich im Glanz eines Pokals zu sonnen. Die Aufgabe wird für die Münchner also von Jahr zu Jahr schwieriger, vielleicht haben sie in diesem Jahr eine Chance unglücklich verpasst, die so vielleicht so schnell gar nicht mehr wiederkommt. Zwischen den Triumphen in der Champions League lagen zwischen 2001 und 2013 ja auch zwölf Jahre.

Nationale Erfolge sorgen in Bayern nicht mehr für Ekstase, weil die Konkurrenz zuletzt zu schwach war. Es wird nur noch gerätselt, wie frühzeitig die Münchner ihre Meisterschaft unter Dach und Fach bringen, ob schon im März oder im April. Sie schafften es wieder, bevor der Mai begann. Es war 2011 und 2012, als Bayern München zuletzt ohne jeglichen Titel blieb und mit der großen Aufrüstung der Mannschaft begann. Kommt ähnliches in diesem Jahr?

Da scheinen sich die Vereinsoberen noch nicht ganz einig zu sein. Nachdem die Mannschaftsstützen Philipp Lahm und Xabi Alonso nach der Saison ihre Karriere beenden, ist viel von Umbruch die Rede und davon, dass vermehrt junge Spieler eingebaut werden müssen. Dazu stehen die Flügelflitzer Robben und Ribery vor ihrem Karriereende, aber sie waren jetzt schon beleidigt, wenn sie jungen Spielern Platz machen mussten. Keine einfache Aufgabe für Trainer Carlo Ancelotti, der zeigte, dass er mehr auf Routine setzt als auf Jugend, der aber schon ankündigte, den Talenten mehr Spielzeit zu gewähren. Da muss er Ribery und Robben erst mal beruhigen und vielleicht auch die Chefs, wenn es mit den gewohnten Erfolgen mal nicht so klappt. Andererseits müssen die sich fragen, ob ein alter Trainer der richtige für junge Talente ist. Zumal ja auch ein Sportdirektor als ausgleichende Stütze noch fehlt. Der Meister hat also noch durchaus Aufgaben zu erfüllen.

Die Konkurrenz hofft natürlich darauf, dass ein Umbruch die Bayern ein bisschen ins Trudeln bringt und die Meisterliste endlich wieder einen neuen Namen erhält. Borussia Dortmund als Hauptkonkurrent ist mit dem Umbruch schon ein bisschen weiter, hat eine junge, talentierte Mannschaft, der in diesem Jahr noch die Konstanz fehlte. Doch Dortmund hat auch das Problem, dass die besten Spieler weggekauft werden, oft auch von den Bayern. Torjäger Aubameyang und Dribbelkünstler Dembele sind die nächsten Kandidaten. Und wie sich die Newcomer des Jahres, Leipzig und Hoffenheim, entwickeln, muss erst mal abgewartet werden. Auch da dürften die besten Spieler bald dem Ruf des Geldes folgen.

Eines ist sicher, wenn vor der nächsten Saison in der Bundesliga wieder nach dem Meisterschaftsfavoriten gefragt wird, dann fällt nur der Name Bayern München und die Konkurrenz gefällt sich in der Ankündigung, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Die letzten fünf Jahre war niemand da. Die Bayern werden auch ihre Aussage wiederholen, „wir wollen das Triple holen“, aber Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt schon eingeschränkt, „wir wissen auch, dass das nicht so leicht ist“. Aber die Sehnsucht nach dem Triple bleibt bestehen bei Bayern München.

Verteilen die Schiedsrichter die Pokale?

Wir kennen alle die grundlegenden Fußball-Weisheiten: Ein Spiel dauert 90 Minuten, das Runde muss ins Eckige, die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften und – der Schiedsrichter ist dann gut, wenn er gar nicht in Erscheinung tritt. Gerade auf Letzteres kommt es in den kommenden Wochen an, wenn es in Europas Fußball um Meisterschaften und Pokale geht. Viele Entscheidungen in den letzten Wochen lassen aber befürchten, dass die Schiedsrichter keine Nebenrolle, sondern die Hauptrolle spielen werden. Wenn die Klubs Pech haben, dann verteilen die Schiedsrichter die Pokale!

Bezeichnend dazu: Der FC Barcelona wäre heute in der Champions League gar nicht mehr dabei, wenn ihm Schiedsrichter Aytekin beim sensationellen 6:1 über Paris nicht einen Elfmeter geschenkt hätte. Das „Handauflegen“ bei Stürmer Suarez hatte „heilende Folgen“: Der Stürmer fiel hin, weil er was spürte und einen Pfiff provozieren wollte, der Schiedsrichter schaute nicht genau hin, ließ sich übertölpeln und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Ohne diesen Elfmeter hätte es Barcelona trotz aller Begeisterung nicht geschafft. So, bitte schön, sollen die Entscheidungen in den nächsten Wochen nicht fallen!

Im Fußball gibt es derzeit eine große Verunsicherung über manche Regel und deren Auslegung. Ein besonderes Beispiel sind die Urteile bei „Hand“. Spieler, Trainer und Fans wissen bei der unterschiedlichen Auslegung der Regeln nicht mehr, was Sache ist. Von Schiedsrichter zu Schiedsrichter gibt es andere Entscheidungen. Hand ist nicht immer Hand, sondern einmal angelegt und nicht strafwürdig, beim anderen aber doch strafwürdig, bei ähnlichen Situationen geht einmal die Hand bewusst zum Ball (also Pfiff), dann aber wieder unbewusst und wird nicht geahndet. Auslegungssache, aber eben auch Glückssache. Ähnliche Unterschiede gibt es bei Fouls, da werden vor allem Grätschen mit einem unterschiedlichen Strafmaß bedacht, was eben auch zu einer wesentlichen Beeinflussung führen kann, wenn es eine Rote oder Gelb-Rote Karte nach sich zieht. Ärgerlich wird es, wenn eben die Schiedsrichter die Entscheidung herbeiführen und nicht die Leistungen der Mannschaften.

Es ist reines Wunschdenken, dass die Schiedsrichter in den nächsten Wochen nur eine Nebenrolle spielen. Viel mehr wird es Diskussionen über Entscheidungen geben, die Fernsehkameras als Fehlentscheidungen enttarnen. Dann kommt wieder die Sehnsucht nach dem Videobeweis hoch, aber für diese Saison müssen die Schiedsrichter noch ohne Hilfsmittel auskommen. Da wünschen wir ihnen gute Augen, das richtige Augenmaß und vor allem das richtige Fingerspitzengefühl. Lasst die Spieler die Spiele entscheiden und verteilt nicht die Pokale!