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Tag: FIFA

2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport

 

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sammelten wieder Titel und Medaillen, waren in vielen Sportarten wieder mit an der Weltspitze. Die sportliche Bilanz stimmte also, dennoch war 2015 ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport. Die Ereignisse von 2015 werden auch in vielen Jahren noch Auswirkungen auf den Sport haben. Die Schuld tragen nicht die Athleten, die Schuld tragen die Funktionäre.

Es kommt auf die Sichtweise an, was dem deutschen Sport am meisten geschadet hat. Im Vordergrund steht vielleicht der Korruptionsskandal des Weltverbandes FIFA, der bis nach Deutschland durchschlug. Plötzlich kam das „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ins Visier und die sonst so selbstbewussten DFB-Funktionäre, allen voran DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, zeigten plötzlich Unsicherheiten und Schwächen und verstrickten sich in seltsamen Erklärungen, die man von außen schnell als offensichtliches Lügengebilde ansehen musste. Wo sind die 6,7 Millionen Euro hin? Wurde bestochen oder nicht? Die Aufklärung wird sich bis Sommer 2016 hinziehen, wenn es denn überhaupt am Ende eine plausible Aufklärung geben wird. Dann wird sich auch zeigen, ob „Kaiser“ Franz Beckenbauer noch eine saubere Weste hat oder ob des Kaisers Kleider auch schmutzig geworden sind. Zur Entschuldigung muss man allerdings sagen: Die Zeiten erforderten damals gewisse Handlungen, um die Fußball-Weltmeisterschaft austragen zu können. Für die Öffentlichkeit bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der deutsche Sport erlebte schwarze Stunden.

Eine schwarze Stunde war auch, dass Hamburgs Bevölkerung eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. Grund der Ablehnung war neben vielleicht nicht beherrschbaren Kosten vor allem auch die Abneigung, selbstherrlichen Funktionären mit Olympia eine Bühne zu bieten. Großereignisse gelten nicht mehr als zeitgemäß, die Gegner gewannen mit dem Argument, dass mit dem Geld soziale Einrichtungen besser unterstützt werden können. Das eine tun ohne das andere zu lassen, das sah die Mehrheit der Bevölkerung nicht so. Hamburg hat eine große Chance zur Weiterentwicklung der Stadt verpasst, der deutsche Sport hat Schaden genommen, weil sich für die nächste Zeit kaum eine Stadt an eine Olympia-Bewerbung wagen wird.

Eine Niederlage erlitt der deutsche Sport auch bei der Bewerbung um den Ryder Cup 2022 im Golf, der nicht in der Nähe von Berlin, sondern vor den Toren Roms ausgetragen wird. Die Italiener gewannen mit viel Geld gegen eine gute und schlüssige Bewerbung der Deutschen. Die große Masse der Bevölkerung tat diese Niederlage als Randnotiz ab, weil Golf ja auch nur eine Randsportart sei. Über die Grenzen Deutschlands hinaus muss man allerdings feststellen, dass der Ryder Cup, der Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, eines der größten Sportereignisse der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft ist. Insofern nicht nur ein schwarzes Jahr für das Golf hierzulande, das sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt, sondern eben auch für den deutschen Sport, der auch hier bei einem Großereignis nicht zum Zuge kam.

Das schwarze Jahr wird noch Auswirkungen haben, weil der Sport für positive Schlagzeilen sorgen muss, um Kinder und junge Leute für den Sport zu interessieren. Gerade Olympische Spiele im eigenen Land gelten da als besondere Lokomotive. Sportarten, die nicht im Blickpunkt stehen, haben schon Probleme bei der Nachwuchsförderung. Sportarten, die nicht erfolgreich sind, haben Probleme mit der Finanzierung. Die selbstbewussten Deutschen wollen erfolgreich sein, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Kunst und vor allem auch im Sport. 2015 wurden aber nicht die Weichen für eine gute Zukunft des deutschen Sports gestellt. Ganz im Gegenteil, 2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport.

Die Bayern sind etwas Besonderes – Blatter nicht

 

In Bayern sind die Königsschlösser die Highlights für alle Touristen. König Ludwig II hat da ein schönes Erbe hinterlassen. Die Bayern lieben nach wie vor „ihren Kini“ und es gibt sogar ein Völkchen im südlichsten Bundesstaat Deutschlands, das gern „seinen“ König wieder hätte. Mancher Ministerpräsident fühlt bzw. fühlte sich wohl deshalb manchmal auch als „König“ im Freistaat. Gerne vermitteln sie in Bayern das Gefühl „wir sind etwas Besonderes“.

Warum die Vorrede? Sie soll verdeutlichen, warum man sich auch beim FC Bayern München für etwas Besonderes hält und warum es die Bayern geschafft haben, in Fußball-Deutschland, nein Fußball-Europa, sogar in der gesamten Fußball-Welt eine besondere Stellung einzunehmen. Die Münchner haben diesbezüglich aufgeholt, früher gab auf dem internationalem Markt Manchester United den Ton an, schwärmten die Leute von Real Madrid und Cristiano Ronaldo, es waren halt die „Königlichen“, später trat an diese Stelle der FC Barcelona, ganz zu Schweigen von Brasiliens Fußball, der aber auf Vereinsebene nicht die großen Schlagzeilen machte. Auf diesem Level steht jetzt aber auch Bayern München und macht mit dem typischen „mia san mia“ das besondere Selbstbewusstsein der Bayern deutlich. Soll heißen: An uns kommt keiner vorbei.

Diese neue Stellung der Münchner im internationalen Fußball machte es auch möglich, dass der Trainerwechsel für den Sommer 2016 zwar nicht geräuschlos, das ist bei den heutigen Medien nicht mehr möglich, aber reibungslos über die Bühne ging. Vom Spanier Pep Guardiola im Sommer zum Italiener Carlo Ancelotti. Vom Titelhamsterer zum Titelhamsterer, von beiden ist die Rede als „weltbesten Trainer“. Im Zweifel könnte es ein besonderer Coup der Bayern sein: Nach dem Perfektionisten Pep Guardiola, der etwas stur sein Konzept durchzog, folgt der warmherzige, aber dennoch kühle Taktiker Carlo Ancelotti. Der Italiener könnte das Spiel der Bayern zur Perfektion bringen, was Guardiola wollte, aber (vielleicht) nicht erreichte. Das Frühjahr bleibt ihm noch dafür. Für einen glanzvollen Abschluss muss Guardiola mit den Münchnern das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen, so wie sein Vorgänger Jupp Heynckes 2013, der dem Spanier damit eine große Last aufbürdete. Es wird aber nur gelingen, wenn die Verletzungsserie gestoppt wird. War das die Schwachstelle im Training des Spaniers, das seine Mannschaft nicht fit genug war? Hat er falsch trainiert?

Insofern wird das Frühjahr spannend, denn die Niederlagen in den letzten Jahren jeweils im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid und den FC Barcelona haben vor allem bei Pep Spuren hinterlassen. Pep Guardiola steht unter Zugzwang, weil er als der besondere Trainer gilt und weil er zeigen muss, dass Bayern München auch ein besonderer Verein ist.

 

Nur Blatter hält sich für etwas Besonderes

Das „mia san mia“ passt auch zum gesperrten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Acht Jahre Sperre hat ihm die Ethikkommission seines eigenen Verbandes verpasst, weil er das Ethikreglement verletzt hat. Eine Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an den ebenfalls für acht Jahre gesperrten UEFA-Präsident Michel Platini verstieß gegen die Regeln, weil es dafür „keine rechtliche Grundlage“ gab. Das versteht dann jedes Kind, nur Joseph Blatter nicht. Das „mia san mia“ übersetzt der Schweizer in „ich bin ich, ich bin der König“. Er hält sich für etwas Besonderes, ist es aber nicht. Was er selbst als „Schande“ einstuft, weil er verurteilt wird, ist eigentlich nur Gerechtigkeit. Schändlich war, wie er als FIFA-Präsident gearbeitet hat. Er hat zwar zum Wohle des Weltverbandes zur Geldvermehrung beigetragen, aber der Preis, den er offensichtlich dafür gezahlt hat, war eindeutig zweideutig, aus Sicht der Justiz in den USA und der Schweiz nämlich nicht gesetzmäßig. Der gefallene König sieht sich noch auf dem Thron.

Die Korruptionsaffäre rollte über die FIFA, UEFA und den Deutschen Fußball-Bund hinweg. Alle drei Verbände sind derzeit führungslos, manchmal wirken sie auch hoffnungslos. Die Funktionäre machen allesamt keine gute Figur. Ein Neuanfang auf allen Ebenen wird nicht leicht, weil jeder bisher genannte Hoffnungsträger irgendwie doch in alten Verstrickungen gefangen ist. Das „mia san mia“ ist da überhaupt nicht angebracht. Die Funktionäre müssen lernen: Wir sind nichts Besonderes, sondern wir sollen dem Fußball allein dienen. Bitte richtig lesen: Dienen – nicht am Fußball verdienen!

Der FIFA-Traum von neuen und alten Zeiten

 

Es sollte der Start in eine neue Zukunft sein, es wurde eine Erinnerung an das Grauen der Vergangenheit. Das FIFA-Exekutivkomitee befasste sich in Zürich mit Reformen und Verbesserungen beim Fußball-Weltverband, doch die Schlagzeilen gehörten der US-Justizministerin Loretta Lynch. Zielgenau gab es 16 Verhaftungen, darunter die FIFA-Vizepräsidenten Juan Napout aus Paraguay und Alfredo Banegas aus Honduras. Der Name FIFA steht also weiterhin für „Fall In Finstersten Abgrund“. Bezeichnend: Die US-Aufklärung betreibt die Abteilung für organisiertes Verbrechen. Der Sport-Grantler hat schon einmal behauptet, dass die Justiz die FIFA retten muss (Kolumne vom 29. September). Diese Aussage hat weiterhin Gültigkeit.

Einiges spricht dafür, dass zumindest ein großer Teil der FIFA-Funktionäre den Ernst der Lage noch gar nicht erkannt hat. Am liebsten würden sie einfach zur Tagesordnung übergehen, nach dem Motto „lassen wir die Leichen im Keller liegen und schließen die Tür ab“. So seltsam es für Außenstehende und „normale Leute“ klingt, es gibt bei den FIFA-Funktionären den Traum nach neuen und alten Zeiten. Die einen hoffen auf eine Zukunft, in der der Sport wieder im Mittelpunkt steht, fernab von Schiebereien und Korruption. Die anderen träumen weiterhin von den alten Zeiten, auf den Erhalt ihrer Pfründe, dass ja die Gelder fließen und das schöne und ertragreiche Funktionärsleben nicht beendet sein möge. Typisches Beispiel ist der suspendierte FIFA-Präsident Joseph Blatter. Sein Blick ist auf den Kongress am 26. Februar 2016 gerichtet, wenn die wichtigen Entscheidungen fallen sollen. Seine Sorge ist, dass er ja in verantwortlicher und öffentlichkeitswirksamer Position teilnehmen kann. Keiner dieser Konsorten spricht davon, dass auch wirklich richtig „aufgeräumt“ werden muss!

Nichts gelernt haben vor allem die Vertreter aus Afrika und Asien. In diesen Zeiten, in der die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes erschüttert ist, legen sie den Vorschlag einer Aufstockung der WM-Endrunde von 32 auf 40 Teilnehmern auf den Tisch. Verhaftungen und Skandale links und rechts interessieren nicht, sondern nur der eigene Vorteil. Vor allem die Nationen aus Afrika und Asien, gnädigerweise auch Südamerika und Ozeanien, sollen mit mehr Teilnehmern bedacht werden. Widersinnige Gedanken, weil die Endrunde der Weltmeisterschaft noch teurer wird, mehr Spiele zu organisieren sind und mehr Stadien benötigt werden. Vereine und Spieler hoffen für die Zukunft eher auf eine Reduzierung der Anzahl der Spiele, die Funktionäre, die ja nicht laufen und trainieren müssen, machen ihre eigene Rechnung auf: Mehr Spiele ist gleich mehr Geld. Diese Gedanken sind die Basis für Korruption und dunkle Machenschaften. Am Ende steht die Abteilung für organisiertes Verbrechen…

Es ist widersinnig, wenn Außenstehende, auch manche Medien, einen neuen Weltverband fordern. Den kann es nicht geben, wie soll das organisatorisch bewältigt werden. Aber auch die dümmsten und geldgierigsten Funktionäre müssten erkannt haben, dass es im Fußball-Weltverband einen Neuanfang geben muss, dass all die Funktionäre kaltgestellt werden müssen, die auch nur im Ansatz mit den bisherigen Machenschaften in Verbindung stehen. Gute Reformvorschläge wurden bereits gemacht (so sollen mehr Frauen in die Führungszirkel kommen), aber sie sind noch nicht weitreichend genug, vor allem müssen die Vereine als Arbeitgeber der Spieler mehr Mitspracherecht erhalten. Außerdem muss es heißen „Vorrang für Kontrolle“. Aber alle Reformen müssen eine Hürde nehmen: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist beim Kongress im Februar notwendig. Heißt: Die Mehrheit muss auf die alten Pfründe verzichten, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Bis dahin träumen sie von neuen und alten Zeiten…

Fußball-WM und Olympia: Das Ende für Großveranstaltungen?

Nicht nur der Terrorakt von Paris wirft Fragen auf, aber er verstärkt die Angst vor der Zukunft des Spitzensports. Wir müssen uns heute in aller Welt die Frage stellen, ob das Ende für Großveranstaltungen wie Fußball-Welt- und –Europameisterschaften sowie Olympische Spielen gekommen ist. Zum einen macht der zunehmende Terror auf der ganzen Welt solche Ereignisse zu einem Risiko für alle Beteiligten, zum anderen schafft sich der Spitzensport durch Doping, Korruption, Schiebungen und ungleichen finanziellen Bedingungen fast selbst ab. In einem November, der zumindest im Süden Deutschlands wie ein Frühling war, kommt die übliche November-Tristesse im Sport auf.

Der Terror von Paris, der am Rande des Fußball-Länderspiels Frankreich – Deutschland die Stadt erschütterte und das Millionen-Spiel zum Randereignis werden ließ, wirft Schatten auf die Zukunft, nicht nur auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Die Terroristen haben ein Ziel erreicht: Nicht nur Frankreich, die ganze Welt ist verunsichert. Fans werden sich fragen, ob sich noch zu solchen Großereignissen reisen können, Sportler, Funktionäre und Besucher werden mit drastischen Sicherheitsmaßnahmen leben müssen. Der Spaß bleibt auf der Strecke.

Das gleiche gilt auch für Olympische Spiele, die von solchen Terrorakten ebenso betroffen sind und bei denen der Überfall auf israelische Sportler 1972 in München den Anfang des Terrors im Sport genommen hat. Es waren bis dahin heitere Spiele, aber danach war nichts mehr wie es einmal war. Jetzt sind wir fast an einem Punkt angelangt, wo bald nichts mehr geht. Es steht die Frage im Raum, ob es überhaupt möglich ist, Großveranstaltungen noch zu organisieren. Das Gegenargument: Der Terror darf das nicht verhindern!

Der Terror ist das größte, aber nicht das einzige Problem für Großveranstaltungen. So wird die Bevölkerung immer kritischer im Umgang mit dem Gigantismus und wittert zum Beispiel hinter der Austragung von Olympischen Spielen eher ein Gewinnstreben von Verbänden und Wirtschaft. In München haben sie sich schon gegen Olympia entschieden, in Hamburg wird in zwei Wochen die Bevölkerung zur Abstimmung aufgefordert: Soll sich Hamburg für Olympia 2024 bewerben, ja oder nein. Der Ausgang gilt als ungewiss. Die nächsten Sommerspiele finden 2016 in Rio de Janeiro statt, aber die Bevölkerung in Brasilien sieht diese Veranstaltung mit Skepsis. Schon bei der Fußball-WM wurden Versprechungen nicht eingehalten.

Die Verfehlungen der Funktionäre gefährden aber ebenso die Zukunft des Spitzensports. Es gibt fast keinen Verband mehr, in dem nicht über Korruption und Schiebungen, über Vertuschung von Doping oder sonstiges gehadert wird. Bezeichnend die Aufdeckung des flächendeckenden Dopings in Russland und die Sperre des nationalen Leichtathletik-Verbandes. Bezeichnend der Skandal im Fußball-Weltverband FIFA und die Aufdeckung beim Deutschen Fußball-Verband, dass es ohne Schmiergelder halt doch keine WM 2006 in Deutschland und damit kein Sommermärchen gegeben hätte.

Allerdings gibt es ein Argument für die Funktionäre, nicht nur in Deutschland, aber vor allem in Deutschland. Es haben eigentlich schon immer „alle“ gewusst, dass man ohne Schmiergelder keine Großveranstaltungen bekommt, es haben schon immer „alle“ gewusst, dass es im Sport Doping gibt und quasi jeder Sieg, vor allem in Ausdauersportarten, mit Vorsicht zu genießen ist. (Siehe auch der Sport-Grantler vom 22. Oktober: Fußball-WM und Olympia: Ohne Geschenke geht gar nichts). Am liebsten hätte „alle“ immer den Mantel des Schweigens über die Geschehnisse gebreitet. Die allgemeine Auffassung: Wenn es jeder macht, warum soll man dann Einzelne an den Pranger stellen. Motto: Wo kein Kläger ist, gibt es auch keinen Angeklagten. Inzwischen gibt es genügend Kläger und „alle“ wollen mit dem, was sie früher eigentlich gewusst haben, nichts mehr zu tun haben.

Die Zukunft des Spitzensports stellt sich so trüb dar wie ein nebliger November.

Fußball-WM und Olympische Spiele: Ohne Geschenke geht gar nichts!

Der Korruptionsskandal rund um den Fußball-Weltverband FIFA wird uns noch Wochen und Monate in Atem halten und auch nach den Neuwahlen am 26. Februar 2016 nicht beendet sein. Mit Gelassenheit können die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf die Kollegen vom Fußball schauen. Sie haben ihren Skandal, der kleinere Ausmaße hatte, aber auch schneller abgehandelt wurde, hinter sich. Auch hier ging es um Korruption und Geschenke, aber das IOC handelte schnell, verbot größere Zuwendungen und versuchte mit Vorentscheidungen bei der Auswahl der Städte und strengeren Ethik-Regeln bei der Vergabe der Olympischen Spiele möglicher Korruption einen Riegel vorzuschieben. Allerdings ist eines gewiss: Egal, ob in der Vergangenheit oder in der Zukunft – ohne Geschenke geht bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gar nichts. Die Frage ist, ob die Geschenke wirklich klein gehalten werden und das erträgliche Maß von Aufmerksamkeiten nicht überschreiten.

Früher war es so, dass die IOC-Mitglieder die Bewerberstädte besuchten, da gab es nicht nur teure Geschenke, sondern es wurde mancherorts auch zum Urlaub eingeladen und vieles mehr. Im Fußball ist wohl vor allem Geld geflossen, wie früher schon gemunkelt wurde und wie man jetzt sicher weiß. Manche Funktionäre haben es mit Hilfe der FIFA zu persönlichem Reichtum gebracht. Nicht der Sport stand im Vordergrund, sondern das eigene Wohlergehen. Insofern dürfen vor allem die Sportfans froh sein, wenn mal richtig ausgemistet wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab: Viel Mist wird wohl noch liegenbleiben.

Dass auch Deutschland mit der Weltmeisterschaft 2006 in den FIFA-Sumpf hineingezogen wurde, darf nicht verwundern. Das „Sommermärchen“ ist trotzdem nicht zerstört, die Erinnerung an heitere Tage bleibt ebenso wie der positive Eindruck, den Deutschland weltweit hinterlassen hat. Schon früher, als die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar in den Fokus von möglicher Korruption gerieten, brachte ausgerechnet FIFA-Präsident Joseph Blatter auch Deutschland, wohl als Ablenkungsmanöver, ins Gespräch: „Gekaufte WM…da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ.“ (Zitat Fachzeitung kicker). Jack Dempsey, der Vertreter Ozeaniens hatte zuerst für England gestimmt, sich aber dann nicht dem Votum seiner Heimat gebeugt und für Südafrika seine Stimme abgegeben, sondern ist gegangen und hat sich dem Druck entzogen. Dadurch siegte Deutschland 12:11. Bei einem Remis hätte der FIFA-Präsident entschieden und Blatter hatte Südafrika eigentlich die WM versprochen – und für 2010 das Versprechen verspätet eingelöst. Fragen wir nicht, wie…

So darf man als Außenstehender leicht vermuten, dass sich Blatter an seine früheren Unkenrufe erinnert hat und durch getreue Helfer die WM-Vergabe für 2006 ins Zwielicht gebracht hat, um vor allem seinem Hauptkritiker DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ins Zwielicht zu rücken. Beweisen kann der Sport-Grantler ebenso wie das Magazin Spiegel mit seinen Anschuldigungen nichts, aber der Sport-Grantler kennt ebenso wie der Spiegel das Geschäft. Dubios bleibt die Zahlung von 6,7 Millionen von Deutschland 2005 an die FIFA. Aber eigentlich sollte solch ein Betrag in den Büchern der FIFA zu finden sein. Oder ist es so, wie die Vereinbarung zwischen Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini ablief, wie wiederum der kicker bzw. die französische Tageszeitung Le Monde berichten. Platini sei 1998 nach der Wahl Blatters zum FIFA-Präsidenten dessen Berater geworden. Platini schildert die nicht schriftlich festgehaltene Vereinbarung so: Blatter habe ihn damals gefragt: „Was willst Du?“ Platinis Antwort: „Eine Million“. Die Gegenfrage: „Eine Million was?“ Platini war es egal, „Rubel, Pfund, Dollar“ und Blatter habe entschieden: „Okay, eine Million Schweizer Franken.“ Das waren damals etwa 925.000 Euro, in Rubel wäre es mit 93.000 Euro der FIFA billiger gekommen. Aber einen Vertrag gibt es ja nicht, also hätte Blatter diese Gelder eigentlich aus seiner Privatschatulle zahlen müssen! Wegen dieses dubiosen Geschäftes sind beide ja derzeit gesperrt.

Der Sport-Grantler mag glauben, dass Deutschland keine Funktionäre bestochen hat, doch Geschenke gab es und seien es eben Gastspiele von Bayern München oder der Nationalmannschaft gewesen. Nur wegen der schönen Stadien hat Deutschland die WM nicht bekommen. Klar ist, dass bei der FIFA nach wie vor nichts klar ist, sondern dubiose Ränkespiele weiterhin den Ruf des Fußball-Weltverbandes schädigen. Gezielte Aufräumarbeiten sehen anders aus. Der Sport-Grantler schließt sich denen an, die eine Veröffentlichung des Garcia-Reports fordern. Der frühere US-Bundesstaatsanwalt hat Ermittlungen um die Vergabe der WM 2018 und 2022 geführt und auf den 430 Seiten des Reports vermutlich das Korruptionssystem offengelegt. Wohl deshalb gibt es keine komplette Veröffentlichung.

Sind wir froh, dass in aller Welt wenigstens der Fußball rollt.

Die Justiz muss die FIFA retten

Man glaubt es kaum, es gab eine Zeit, da hatte der Fußball-Weltverband FIFA Schulden und lebte keineswegs in Saus und Braus. Heute hat die FIFA Millionen auf ihrem Konto, gilt als reich, aber auch geldgierig und korrupt. Geschafft hat dies unter anderem ihr derzeitiger Präsident Joseph Blatter. Er hat Millionen gescheffelt, gleichzeitig aber auch den Ruf des Weltverbandes ruiniert und so macht die FIFA heute eher den Eindruck eines Verbrechersyndikats. Nicht umsonst ermitteln die Justizbehörden in den USA und der Schweiz wegen dunkler Geschäfte. Eigentlich müssten sie die Funktionäre in Angst und Schrecken versetzen, denn wer von der Justiz verfolgt wird, schläft gemeinhin nicht mehr besonders gut. Das scheint in der Fußball-Welt anders zu sein. Viele sehen die Ermittlungen als Licht im Tunnel. Anders gesagt: Die Justiz muss die FIFA retten! Nur wenn korrupte Funktionäre aus dem Verkehr gezogen werden, kann sich der Weltverband erneuern.

Eine besondere Rolle spielt natürlich der Präsident auf Abruf, Joseph Blatter, gegen den jetzt die Schweizer Behörden auch ermitteln und dem schlimmstenfalls Gefängnis droht. Doch welche Gelder auch verschoben wurden, welche dubiosen Geschäfte auch getätigt wurden, der gute Sepp sieht sich als schuldlos an, er habe nichts Verbotenes getan. Bei Blatters Selbsteinschätzung ist man platt. Hält er Korruption für etwas Normales? Im Auftrag der FIFA war Korruption offensichtlich Alltag, übliches Geschäftsgebaren also. Oder leidet der 79jährige ganz einfach an einer Bewusstseinsstörung, die man alten Leuten ja manchmal nachsagt.

Schlecht für den Weltverband, auch der aussichtsreichste Kandidat als Nachfolger Blatters, UEFA-Präsident Michel Platini, ist jetzt im Visier der Ermittler. Eine Zahlung von zwei Millionen Euro gilt als dubios und eigentlich können es Blatter und Platini nicht richtig erklären, welch wertvolle Arbeiten zwei Millionen (verspätet und zu einem delikaten Zeitpunkt rund um eine Wahl gezahlt) Wert waren. Platini hat mit der WM-Vergabe nach Katar mit einem Posten im Scheichtum für seinen Sohn schon eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Sport-Grantler hatte schon am 1. August erkannt: „Platini auf den Spuren von Sepp Blatter“. Viele in der FIFA wollen es vielleicht so: Mit Platini ändert sich nichts, auch bei Platini ist man platt!

Es ist die Crux beim Fußball-Weltverband, dass er dringend erneuert werden muss, dass aber die alten Strukturen der vielen unterschiedlichen Verbände und Interessen nicht so einfach aufgebrochen werden können. Der Sport-Grantler will keine Länder und keine Funktionäre unschuldig an den Pranger stellen, aber viele werden so reagieren, wie man es bei der FIFA gewohnt ist: „Natürlich bin ich für eine Veränderung, alles soll besser und ehrlicher werden. Ich bin dafür, wenn auch mein Verband davon profitiert, Gelder müssen schließlich weiterhin fließen…“ Das „mein Verband“ darf man gern auch mit „ich“ übersetzen.

Schwachsinn am Rande der Diskussion ist die Einmischung von Politikern. Da hört man den tollen Rat, dass sich der DFB für einen neuen Weltverband einsetzen soll, für einen sauberen Fußball ohne FIFA. Wer glaubt hier an Märchen, wie soll das organisatorisch gehen? Das sind Äußerungen von Ahnungslosen und Laien. Ihnen kann man nur einen guten Rat geben: Schweigen. Natürlich kann man die FIFA nicht abschaffen, sie muss von innen heraus reformiert werden, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen. Der gute Wille ist bei vielen noch nicht sichtbar. So fehlt auch der internationale Druck, um Joseph Blatter endlich zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Wer auch immer neuer Präsident wird und es ehrlich meint, den Saustall aufzuräumen, steht vor einer Herkulesaufgabe, an der jeder eigentlich nur scheitern kann. Er wird zu viele Knüppel zwischen die Beine bekommen. Dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der als Kandidat gehandelt wird, kann man nur raten, sich diese Aufgabe nicht aufzuhalsen.

Platini auf den Spuren von Sepp Blatter

Er ist eigentlich der „natürliche“ Nachfolger: UEFA-Präsident Michel Platini hat sich erklärt, er will jetzt doch Nachfolger von Joseph „Sepp“ Blatter als FIFA-Präsident werden. Noch im Frühjahr hatte er sich nicht getraut, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Platini sah sich ohne Chance, wir sehen ihn ohne Mut. Jetzt hat der Franzose offensichtlich genügend Stimmen hinter sich gebracht, neben Europa stehen angeblich auch Süd-, Nord- und Mittelamerika hinter ihm sowie Asien. Da haben Blatters Lieblinge aus Afrika keine Chance mehr.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – es wird sich nichts ändern! Der Franzose ist Teil des Korruptionssystems des Fußball-Weltverbandes, er ist eine Marionette der Strippenzieher. Blicken wir zurück und hinter die Kulissen. Wäre es nach Europas Verband gegangen, wäre Blatter nie an die Macht der FIFA gekommen. Doch Platini unterstützte damals seinen Vorgänger Lennart Johansson nicht, sondern stand auf der Seite Blatters, der dann auch FIFA-Präsident wurde! Schon 2002 gab es Anstrengungen der Züricher Justiz, Blatters Korruptionsspielchen abzupfeifen, denn elf FIFA-Vorstände stellten Strafantrag gegen Blatter. Die Sache verlief im Sande. Blatter hatte freie Bahn. Wohin das führte, wissen inzwischen alle.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – er hat in Europa nach Blatters Prinzip gehandelt, sichere dir die Stimmen. Der Franzose hat den kleinen Nationen die Wege zu den großen Fleischtöpfen geebnet, hat durchgesetzt, dass mehr Nationen am Endturnier der Europameisterschaft teilnehmen können und den Nationscup der Nationalmannschaften ins Leben gerufen. Motto: Mehr Spiele mehr Geld. Umstritten auch die Jubiläums-EM 2020 in ganz Europa. Bei allen Entscheidungen hat Platini nicht an die Fans gedacht.

Den Weg für Platini bereitete offensichtlich der angeblich größte Strippenzieher im internationalen Sport, der kuwaitische Scheich Ahmed Al-Sabah, vor. Er ist in vielen Ämtern im Weltsport aktiv und hat das Gros der Stimmen aus Asien und Afrika unter Kontrolle. Er soll schon dem Deutschen Dr. Thomas Bach den Weg zur Wahl als IOC-Präsident geebnet haben. Gewisse Entscheidungen verwundern angesichts dieser Konstellation nicht mehr.

Michel Platini hat nach Stand der Dinge nur einen ernsthaften Gegenkandidaten, den Südkoreaner Chung Mong-Joon, der der Autobauer-Dynastie Hyundai angehört. Auch er hat sich schon als Strippenzieher profiliert und war wohl entscheidend daran beteiligt, dass die Weltmeisterschaft 2002 nicht nur nach Japan vergeben wurde, sondern Südkorea noch als Co-Ausrichter auf den WM-Zug springen konnte. Chung wirbt für sich damit, dass nur er eine dringend notwendige Änderung im Weltverband bewerkstelligen kann. Doch Zweifel sind auch hier angebracht.

Die weiteren bisher bekannten Kandidaten spielen nur eine untergeordnete Rolle, wenn sie überhaupt bis zuletzt ihre Kandidatur aufrecht erhalten. Der seriöseste Kandidat ist noch der jordanische Prinz Ali bin Al-Hussein, vor Europa ins Rennen gegen Blatter geschickt. Ein unbeschriebenes Blatt ist der liberianische Verbandspräsident Musa Bility, höchstens zur Unterhaltung tragen die ehemaligen Stars Maradona und Zico bei. Sie haben keine Erfahrung im Verbandswesen und ohne Strippenzieher geht gleich gar nichts. Es gibt ja Stimmen, die meinen, nur jemand von außen könnte den „Stall“ FIFA ausmisten, aber jemand von außen hat keine Chance auf die nötigen Stimmen!

Asien hat ein Monopol auf Olympia

Wenn es um Strippenzieher geht, dann kann man sich auch den Olympischen Spielen zuwenden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich in eine Zwangsjacke stecken lassen und kommt da nicht mehr raus. War es früher so, dass Sommer- und Winterspielen ziemlich gleichmäßig zwischen den Kontinenten wechselten, so haben die IOC-Mitglieder diese sicherlich vernünftige Regelung aus den Augen verloren. Asien hat inzwischen ein Monopol auf Olympia! Nach den Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind 2018 die Winterspiele in Pyeonchang in Südkorea, die Sommerspiele 2020 in Tokio und jetzt hat sich Peking die Winterspiele 2022 gesichert. Ein historisches Ereignis, weil Peking als erste Stadt nach den Sommerspielen 2008 auch Winterspiele ausrichtet. Die Entscheidung war mit 44:40 gegenüber Almaty (Kasachstan) knapp, aber es entschied der Kommerz gegen den Sport. Almaty präsentierte kompakte Spiele der kurzen Wege im Schnee, während es in Peking Spiele ohne natürlichen Schnee geben wird. Der wird künstlich erzeugt und alles wird weiß. Eine weiße Weste wird China allerdings nicht vorweisen können, schon jetzt gehen Menschenrechtler auf die Barrikaden, verweisen auf die Unterdrückung der Menschenrechte in China. Viel besser sieht es in Kasachstan auch nicht aus, so dass die Menschenrechte (leider) bei der Vergabe wohl keine oder höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Auch hier steckt das IOC in einer Zwangsjacke, da es zwar genug Kandidaten für die Sommerspiele, aber viel zu wenige für die Winterspiele gibt. Einer der ursprünglichen Interessenten, Oslo und München, wäre wohl zum Zug gekommen, dort aber lehnte sich die Bevölkerung gegen olympischen Kommerz und Belastung der Natur auf. Das IOC will diesbezüglich zwar eine Umkehr und verspricht Verbesserungen und weniger Gigantismus, aber für 2022 wurde dieser gute Wille noch nicht sichtbar. Die Strippenzieher haben auch hier gesiegt.

Olympia als Ziel, Olympia als Trost

Es laufen derzeit international große Turniere im Fußball, immer wieder im Gespräch sind aber auch die Olympischen Spiele. Es scheint so zu sein: An Olympia kommt niemand vorbei. Die Themen sind allerdings sehr unterschiedlich. Einmal ist Olympia das Ziel, dann wiederum gilt die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Trost. Ein schöner Trost, könnte man sagen.

Nehmen wir zuerst einmal Olympia als Ziel. Vor wenigen Tagen hat die französische Hauptstadt Paris ihre Bewerbung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 kundgetan. 2024 hätte seinen Reiz, denn vor genau dann 100 Jahren war Paris zum letzten Mal Gastgeber. Für 1992, 2008 und 2012 scheiterten die Franzosen. Jetzt aber ist Paris eine starke Bewerbung mit der Unterstützung von über 60 Prozent der Bevölkerung (es gibt Umfragen, die sprechen sogar von über 70 Prozent). Gerade die Sommerspiele haben ihren Reiz nicht verloren, nach den Spielen in Südamerika (Rio de Janeiro 2016) und Aisen (Tokio 2020) kann man über die Bewerber-Städte aus Europa sagen, eine ist attraktiver als die andere: Hamburg, Rom, Paris, wahrscheinlich auch noch Budapest und Istanbul, als Klammer zwischen Europa und Asien. Als Favorit für die Austragung galt aber der amerikanische Kandidat, weil das IOC einen lukrativen Fernsehvertrag mit dem US-Sender NBC abgeschlossen hat. Das Rennen machte zur Überraschung der Fachwelt mit Boston vor San Francisco und Washington, angeblich der schwächste Kandidat. Aber die Granden vom IOC haben schon oft ähnliche seltsame Entscheidungen getroffen wie die der FIFA… Vernunft ist bei Funktionären manchmal ein Fremdwort.

Tatsache ist, dass die Sommerspiele attraktiv bleiben, im Gegensatz zu den Winterspielen, die zumindest in Europa zunehmend ins Visier der Umweltschützer geraten sind und es interessierten Städten nicht gerade leicht machen, Zustimmung zur Austragung der Spiele zu erhalten. Siehe das Beispiel München, als sich die Bevölkerung gegen Olympia aussprach. Hier könnte auf das IOC das Problem zukommen, dass nur noch – sagen wir mal – die weniger demokratischen Staaten die Winterspiele ausrichten wollen.

Ohne Titel bleibt immer noch Rio

Aber bleiben wir bei den Sommerspielen und da steht Rio 2016 im Blickpunkt. So auch bei den deutschen Auswahlmannschaften. Die U21 bei der Europameisterschaft und die Frauen bei der Weltmeisterschaft kämpften um Titelehren. Aber einen Erfolg haben sie frühzeitig bereits errungen: Sie haben sich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2016 erkämpft. Olympia also auf jeden Fall schon mal als Trost, sollte es mit dem Titel nicht klappen. Auch so wird Olympia attraktiv…

Bei den Fußball-Junioren der U21 ergibt sich allerdings eine seltsame Konstellation, die aufzeigt, dass beim Weltverband FIFA – wen überrascht das noch – nicht weitsichtig gedacht wird. Nachdem das Olympische Fußballturnier keine Konkurrenzveranstaltung zur Weltmeisterschaft sein soll, haben sich IOC und FIFA darauf geeinigt, dass nur Spieler unter 23 Jahren an Olympia teilnehmen dürfen. Eine Ausnahme: Drei Spieler dürfen älter sein. Der Fehler: Viele derjenigen Spieler, die jetzt bei der Europameisterschaft die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, sind in einem Jahr für Olympia zu alt! Für die EM zählte als U21 der Start der Qualifikation 2013, Stichtag war der 1. Januar 1992, die Spieler mussten danach geboren sein. Zur EM-Runde sind viele logischerweise älter als 21. Warum weitet man dies gleich bis zu den Olympischen Spielen aus? FIFA-Funktionäre können wohl nicht von 2013 bis 2016 denken…

EM und Olympia: Zwei große Turniere im Sommer 2016

Die Olympia-Teilnahme 2016 bringt aber auch logistische Probleme mit sich. Spieler wie Torhüter Marc-André ter Stegen, Emre Can und Kevin Volland machen sich auch Hoffnung auf den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Sie wollen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich dabei sein, die vom 10. Juni bis 10. Juli ausgetragen wird. Das Fußballturnier in Rio läuft vom 3. bis 20. August. Für Olympia besteht keine Abstellungspflicht für die Vereine, beide Turniere wird kaum einer spielen können oder dürfen. Für den jungen Spieler, der den Sprung zur EM nicht schafft, bleibt also Olympia als Trost…

Übrigens: 1988 in Seoul war eine deutsche Fußballmannschaft zum letzten Mal bei Olympia dabei. Trainer war der Kölner Hannes Löhr, mit Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Wolfram Wuttke waren drei Spieler dabei, die bei EM und Olympia auflaufen durften. Also, es geht doch! Deutschland holte Bronze.

Bronze gab es bisher nur für die deutschen Frauen, die ansonsten Welt- und Europameister wurden, aber nie Olympiasieger. 2000, 2004 und 2008 holten sie sich die Medaillen, 2012 fehlte Deutschland. Nächstes Jahr ist Deutschland wieder dabei und Bundestrainerin Silvia Neid darf sich auf einen zumindest attraktiven Abschluss ihrer sportlichen Karriere freuen. Olympia war ein erstes Ziel für die Weltmeisterschaft in Kanada (drei Starter aus Euorpa), Hauptziel bleibt allerdings der WM-Titel. Gelingt der große Erfolg nicht, bleibt immer noch Olympia als Trost… Und Altersbeschränkungen gibt es bei den Frauen nicht.

Der Fußball lebt, die FIFA ist am Ende

Ein kleiner Fußballplatz am Rande eines Dorfes. Wenig mehr als hundert Zuschauer feuern ihre „Stars“ an, trotzen dem Regen, bangen um den Aufstieg in die nächste Liga. Einmal Begeisterung, dann wieder Ärger, freuen, schreien, schimpfen – so geht es auf dem Fußballplatz zu. Der Fußball lebt. Ein Blick von der Basis an die Spitze: Die FIFA ist am Ende. Was sagt der kleine Mann in der Provinz: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Der Weltfußball hat seine schlimmsten Tage rund um den FIFA-Kongress in Zürich erlebt, Präsident Joseph S. Blatter mag sich ob seiner Wiederwahl bestätigt fühlen, aber es ist nicht mehr, wie es vorher war. Verhaftungen, Anschuldigungen rund um Korruption und Betrug um WM- und TV-Rechte-Vergaben haben den Verband zumindest in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert. Heute würde Bundeskanzlerin Angela Merkel beim FIFA-Boss nicht mehr das Bundesverdienstkreuz überreichen, sie würde für ihn eher eine Gefängniszelle suchen…

Das Erstaunlichste ist, dass Sepp Blatter seinem Namen als „Teflon-Präsident“ wieder alle Ehre gemacht hat. Alles prallt an ihm ab, er scheut sich nicht, mit blumigen Versprechungen in die Zukunft zu blicken. Korruption? Ein Vergehen Einzelner, Blatter spricht von einer guten Zukunft, will aufräumen. Was hat er in den bisherigen 17 Jahren seiner Präsidentschaft gemacht? Er hat vor allem die Fäden gezogen, hat sich um die Zustimmung der kleineren Verbände gekümmert und sich so eine Hausmacht gesichert. Die Seilschaften haben ihn jetzt bei der Wiederwahl nicht hängen lassen. „Die letzten vier Jahre“, hat er angekündigt – wie vor vier Jahren! Blatter hat vor allem im Geld gebadet, die FIFA besitzt ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Da darf man schon ein bisschen großzügig verteilen…

Platini der große Verlierer

Verlierer des FIFA-Kongresses in Zürich waren die Europäer. Sie kamen gegen Blatter nicht an und werden in Zukunft gegenüber den zahlenmäßig stärkeren Verbänden aus Afrika, Asien und Lateinamerika mit ihren Wünschen gegen eine Wand laufen. Das Sprichwort, „wer zahl, schafft an“ passt zwar zu Blatter, aber nicht zur UEFA. Sportlich ist Europa der Nabel der Fußball-Welt, von der Bedeutung her innerhalb des Funktionärsklüngels ist die UEFA ein Zwerg. Der große Verlierer heißt Michel Platini. Der UEFA-Präsident scheute sich, gegen Blatter anzutreten, jetzt hat er dennoch nur Niederlagen hinnehmen müssen. Selbst wenn Europa zusammen mit den starken Südamerikanern Brasilien und Argentinien zusammenstehen würde, kommen sie gegen die Masse der kleinen Verbände nicht an. An einen Boykott von Weltmeisterschaften als letztes Mittel sollte man lieber nicht denken. Aber die Idee liegt schon auf dem Tisch… Vielleicht muss Europa auch Geld in die Hand nehmen und mit Korruption gegen Korruption ankämpfen!

Der Sport-Grantler hat es schon einmal geschrieben, eine Gefahr droht Sepp Blatter höchstens von den Sponsoren. Wenn die ihre Macht des Geldes in die Waagschale werfen, kann die FIFA wirklich erschüttert werden. Die Weltkonzerne können es sich nicht leisten, dass der FIFA-Skandal an ihrem guten Ruf kratzt. Vielleicht liefern aber die Untersuchungen der Staatsanwaltschaften in den USA, England und der Schweiz doch noch Beweise, dass Blatter von den Machenschaften gewusst haben muss. Ein Wunder wäre das nicht, denn am Anfang seiner Regentschaft 1998 standen dubiose Briefumschläge mit Geld. Zahlungen von 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte. Blatter wies alle Vorwürfe immer zurück. Von allen Anschuldigungen, deren es in seiner Amtszeit viele gab, konnte er sich immer reinwaschen. Der „Persil-Blatter“ halt…