Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Olympische Spiele

2018 ist ein Jahr des Sports

Vor einem Jahr hieß es beim Sport-Grantler „2017 wird das Jahr der Funktionäre“ und seine Prognose hat wohl gestimmt, denn neben den Doping-Skandalen haben vor allem korrupte und geltungssüchtige Verbandsfunktionäre die Schlagzeilen bestimmt und den Sport oft an den Rand gedrängt. Die Skandale werden uns auch weiter begleiten, aber 2018 ist dennoch ein Jahr des Sports. Alle vier Jahre stehen einfach die Großereignisse im Mittelpunkt, nämlich die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea (9. – 25. Februar) und die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni – 15. Juli). Früher hatten wir alle vier Jahre die sogenannten Olympischen Jahre, doch dies hat sich ja geändert, nachdem Sommer- und Winterspiele zeitlich getrennt wurden. Dafür beginnt in Südkorea die asiatische Olympia-Ära mit den folgenden Spielen in Tokio und Peking.

Aber zurück ins Jahr 2018, wo es neben den genannten Großereignissen natürlich noch viele Weltmeisterschaften und kontinentale Meisterschaften gibt, die aber alle im Schatten von Olympia und Fußball stehen werden. Hoffen wir, dass es die Funktionäre nicht schaffen, mit weiteren Skandalen den Sport zudem in den Hintergrund zu drängen.

Aber welche Sportarten können die Fans noch begeistern? Die Formel 1 ist wieder interessanter geworden, mit neuen Besitzern und neuer Spannung. Kann Ferrari endlich Mercedes stoppen und Sebastian Vettel dem Briten Lewis Hamilton den Titel entreißen und Italien glücklich machen? Am 25. März beginnt die Hatz in Australien, die nach 21 Rennen am 25. November in Abu Dhabi endet. Natürlich läuft auch wieder die Tour de France, die Radstars sitzen vom 2. bis 29. Juli im Sattel, in der Zeit steigt der Umsatz von Asthma-Mitteln. Christopher Froome hat bewiesen, dass man nur mit Asthma die Tour gewinnen kann. Vielleicht wäre es besser, zwei Felder an den Start gehen zu lassen, die Fahrer mit Asthma und die ohne. Es wäre wohl sportlich gerechter. Von Doping sprechen wir dabei – gemäß der Diktion von Froome – selbstverständlich nicht.

Natürlich ist, wie in jedem Jahr, der Golf- und Tennis-Zirkus wieder unterwegs, mit den Major- bzw. Grand-Slam-Turnieren als Höhepunkte. Die Golfer haben traditionell ihr erster großes Turnier mit dem Masters in Augusta (5. – 8. April) und hoffen vor allem darauf, dass der Rücken von Tiger Woods hält und der große Star den Sport wieder in den Blickpunkt rückt. Als extra Highlight gibt es vom 28. – 30. September noch den Ryder Cup in Paris, wenn sich die Spitzengolfer aus den USA und Europa duellieren. Deutschland hatte vergeblich auf dieses Event gehofft, um Golf aus einem gewissen Schattendasein zu führen. Die Tennis-Cracks starten ihre großen Turniere schon früher, vom 15. – 28. Januar werden die Australian Open in Melbourne ausgetragen. Auch im Tennis geht es um Verletzungen, viele Stars gehen mehr oder weniger am Stock, die Belastung muss reduziert werden.

Die Mannschaftssportarten stöhnen besonders unter „König Fußball“, kämpfen aber unverdrossen darum, auch ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Handballer wollen für ihre Europameisterschaften Interesse, die Männer kämpfen vom 12. – 28. Januar in Kroatien um den Titel, die Frauen am Ende des Jahres vom 29. November bis 16. Dezember in Frankreich. Eishockey trägt ungeachtet der Olympischen Spiele auch eine Weltmeisterschaft aus. Die WM dürfte in diesem Jahr allerdings Olympia sogar übertreffen, weil im Gegensatz zu Südkorea vom 4. – 20. Mai in Kopenhagen und Herning in Dänemark einige NHL-Profis dabei sein werden. Für Olympia unterbricht die NHL bekanntlich nicht ihre Saison und erntete dafür viel Kritik. Olympische Spiele sind halt nicht immer der große Lockvogel.

Na ja, Katar darf natürlich mit einem großen Event nicht fehlen, die Scheichs in der Wüste erfreuen sich auch am Turnen und holten die Weltmeisterschaft vom 25. Oktober bis 3. November nach Doha. Aber auch Deutschland darf sich auf ein Großereignis freuen, die Leichtathletik-Europameisterschaft wird vom 6. – 12. August in Berlin ausgetragen. Bleibt zu hoffen, dass es keine Doping-Kämpfe werden. Aber einige Spitzenathleten werden schon über Asthma klagen…

Wir sehen, 2018 hat auch im Sport einiges zu bieten, aber der Sport wird wohl auch wieder einmal im Schatten der Politik stehen. So sucht Deutschland noch eine Regierung, weiß die Welt nicht, welche Torheiten US-Präsident Donald Trump noch in petto hat und mit Blick auf die Olympischen Spiele in Südkorea haben alle Sorgen, ob Nordkoreas Führer Kim Jong Un nicht doch noch etwas in Schilde führt. Hoffen wir dennoch, dass 2018 ein großes Sportjahr wird.

Hat Kim Jong Un vielleicht sogar Olympia in Südkorea im Visier?

Die Welt ist nicht nur durch Wetterkatastrophen in Aufruhr, sondern vor allem durch pubertäre Politiker, die ihrem Spielzeug Macht Geltung verschaffen wollen. So steuern wir auf eine Weltkrise zu und der Sport steckt mittendrin, denn für ihn steht auch eine Katastrophe bevor. Am Ende könnten die Olympischen Winterspiele in Südkorea, die eigentlich vom 9. bis 25. Februar in Pyeongchang ausgetragen werden sollen, gestrichen werden. Grund: Die Gefahr für die Sportler ist zu groß.

Die ersten Verbände und Sportler haben bereits ihre Bedenken geäußert. Pyeongchang liegt nur etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Was plant Herrscher Kim Jong Un in Nordkorea wirklich? Kommt es zu einem militärischen Streit mit den USA, wo – zum Glück vorerst nur in Worten – bereits der Untergang an die Wand gemalt wird. „Wir werden Nordkorea zerstören“, hatte US-Präsident Donald Trump angesichts der nicht enden wollenden und verbotenen Raketentests Machthaber Kim gedroht. Nordkorea antwortete mit der Möglichkeit, eine Wasserstoffbombe im Pazifik zu zünden und ließ bereits Raketen über Japan fliegen. Noch sind es nur Drohungen, doch das Unwohlsein der Sportler steigt. Ist Angesichts dieser Lage Olympia noch sicher?

Die ersten Verbände haben bereits eine Absage ins Auge gefasst. Frankreich beschäftigt sich damit ebenso wie Österreich, zwei starke Wintersportnationen. Die deutschen Spitzenathleten Laura Dahlmeier (Biathlon) und Felix Neureuther (Ski alpin) ließen bereits Einblick in ihre Gedanken zu. Tenor: Wir wollen nicht unser Leben für Olympia riskieren. Keiner weiß, wie weit die Eskalation in Worten noch geht und welche Konsequenzen sie nach sich ziehen. Kehrt allerdings keine Beruhigung ein, dann werden sich viele Sportler einen Start in Südkorea genau überlegen, selbst wenn ihr Verband nicht im Ganzen zurückzieht.

Vor allem die Organisatoren in Südkorea werden diese Entwicklung mit Sorge sehen. Geraten die Olympischen Winterspiele in Gefahr? Vielleicht ist das sogar die wahre Absicht von Kim Jong Un, dass er nicht nur der Welt seine Macht zeigen will, sondern dass er auch im Hinterkopf hat, dass er mit solchen kriegerischen Spielchen Südkorea verunsichern kann und dem ungeliebten Nachbarn die Olympischen Spiele madig machen kann. Eskaliert die weltpolitische Lage und kehrt nicht der „Olympische Friede“ ein, wie er früher ausgerufen wurde, damit die Waffen schwiegen, dann könnte dem IOC am Ende wirklich nur eine Absage bleiben, um die Gesundheit der Sportler nicht zu gefährden.

Dass das IOC derzeit unerwartet still hält, könnte auch dem Umstand geschuldet sein, dass man nicht noch mehr Feuer ins Öl gießen will. IOC-Präsident Thomas Bach hat als einzige Handlung an die UN die Bitte gerichtet, für die Sicherheit der Spiele einzutreten (siehe auch Kolumne vom 14. September „Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia“).

Pyeongchang hat sowieso Sorgen, weil selbst im eigenen Land die Begeisterung für die Spiele nicht so groß ist und der Kartenverkauf den Erwartungen hinterher hinkt. Insofern kommen die Machtspiele aus Nordkorea total ungelegen, da sie die Touristen aus Amerika und Europa abhalten werden, die Winterspiele zu besuchen. Sollte Kim Jong Un tatsächlich den Gedanken haben, Südkorea schaden zu wollen, dann hat er sein Ziel zum Teil sogar schon erreicht. Wie auch immer, von Vorfreude auf Olympia ist jetzt im Herbst und vor dem baldigen Start in das Wintersport-Halbjahr nichts zu spüren.

Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia

Thomas Bach sind seine Glücksgefühle anzusehen. Der IOC-Präsident hat seine geniale Idee der Doppelvergabe der Olympischen Sommerspiele für 2024 und 2028 beim Kongress in Lima erfolgreich durchgebracht. Der Doppelschlag muss als letztes Aufbäumen des IOC beim Erhalt der Olympischen Spiele gesehen werden. Die Probleme werden immer größer, die olympische Idee als solche wurde eigentlich schon lange beerdigt. Ähnlich wie der Welt-Fußball ist auch Olympia nur noch eine Jagd ums Geld. Korruption überschattet die olympische Idee, Polizei und Gerichte werden fast wichtiger als die Sportler selbst. Wie will da Olympia überleben? Einzige Chance: Zurück zur Ehrlichkeit, transparente Vergabe der Spiele. Nicht nur Sponsoren ins Boot nehmen, sondern vor allem die Bevölkerung.

Der Gedanke der Doppelvergabe war Thomas Bach in der Not gekommen. Er erinnerte sich daran, dass es dies schon einmal 1921 gegeben hat, als die Spiele an Paris für 1924 und Amsterdam für 1928 vergeben wurden. Damals gab es noch Begeisterung, die ist heute getrübt. Olympische Interessenten sprangen reihenweise ab, Städte wie München, Hamburg und Boston konnten ihrer Bevölkerung nicht mehr vermitteln, warum Olympische Spiele ein Gewinn sein sollten. Die Frage war eher, wie viel denn an Schmiergeldern gezahlt werden muss, um bei der Stimmenvergabe eine Chance zu haben. Egal ob Peking 2008 (Sommer) und 2022 (Winter), Sotschi im Winter 2014, Rio de Janeiro 2016, Pyeongchang Winter 2018 oder Tokio 2020, von dubiosen Geldzahlungen ist immer die Rede. Vor allem von Brasilien bleiben verrottete Sportstätten und ein Korruptionssumpf, der hoffentlich von den Gerichten ausgetrocknet wird, in Erinnerung. Das IOC gibt kein gutes Bild ab, schon gar nicht als Hüter der olympischen Idee.

Abseits dieser schwelenden Skandale hat Thomas Bach jetzt erst einmal Ruhe. Die Spiele sind vergeben, auch wenn rund um die Austragung Sorgen bleiben, zum Beispiel für Südkorea, wenn die Spiele vom 9. bis 25. Februar stattfinden sollen. Die Grenze zu Nordkorea ist nur 100 km entfernt, die Muskelspiele des dortigen Machthabers, der gern mit Raketen spielt und die Welt aufschreckt, werfen einen Schatten auf den Sport. Der IOC-Präsident hofft, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution für einen olympischen Frieden verabschiedet. Es war die Idee von Gründer Coubertin, dass während Olympia die Waffen ruhen. Nostalgie.

Im Gegensatz dazu sollen die Austragungsstädte Paris und Los Angeles mit Begeisterung punkten, zumal für zahlreiche Wettbewerbe bestehende Sportstätten genutzt werden soll. Der Plan: Weg vom teuren Image, Olympia als grüne Idee, als Teil der Zukunft und Gewinn für die Bevölkerung. Das Wunschbild der IOC-Granden.

Das IOC hat aber nun viel Zeit, um den Olympischen Spielen wirklich wieder ein attraktives Image zu verpassen, um Olympia wieder als Gewinn für die Austragungsstädte anzupreisen. Doch allein es fehlt der Glaube an solch eine Kehrtwendung. Eher war die Doppelvergabe ein letztes Aufbäumen, es war der Trick, bei der Vergabe für 2024 keinen Verlierer zu produzieren, sondern die beiden letzten Bewerber für Sommerspiele bei der Stange zu halten. Für die Zukunft des IOC sieht der Sport-Grantler keine Erneuerung, sondern eher einen Trümmerhaufen: Keiner will mehr Olympische Spiele austragen. Zu groß, zu teuer, zu korrupt.

Eishockey extrem

Red Bull München, der Verein, der vom österreichischen Brause-Hersteller mit finanziellen Zuwendungen „gedopt“ wird, hat wieder die Deutsche Eishockey-Meisterschaft gewonnen. Eigentlich verblüfft diese Tatsache nicht, denn im Eishockey sind Erfolge nur mit reichen Gönnern möglich, ohne Zuwendungen von außen kann in der Deutschen Eishockey Liga nicht kostendeckend gearbeitet werden. Gegner Wolfsburg Grizzlys macht dies ebenfalls deutlich, wird der Klub in der Autostadt doch von Volkswagen massiv unterstützt. Was nicht heißen muss, dass es diese Endspielpaarung auf Dauer geben muss. Aber immerhin war das Finale eine Wiederholung des Vorjahres, damals marschierten die Münchner mit vier Siegen durch, diesmal überließen sie dem Gegner großzügig einen Sieg, damit sie die Meisterschaft am Ostermontag dann in eigener Halle feiern konnten!

Eishockey extrem zeigte sich bei diesen Finalspielen dadurch, dass die Mannschaften alle zwei Tage auf dem Eis standen. Einen Tag spielen, den anderen Tag reisen – das muss man den Aktiven in anderen Sportarten erst einmal aufhalsen. Vielspielerei gehört im Eishockey zum Geschäft. Im Fußball sind die Spieler den englischen Wochen allerdings auch nicht abgeneigt, wie die Trainer und Funktionäre immer tun, wenn sie über die Belastung klagen, denn da heißt es nämlich „wir spielen lieber, als dass wir trainieren“. Zum Training kommen die Eishockey-Cracks während der Play-Offs kaum, da ist mehr Regeneration angesagt.

Eishockey extrem zeigt sich auch dadurch, dass der Meister eigentlich in einer unwürdigen Halle spielt, denn die Olympia-Eishalle von 1972 ist alt und zu klein. Das will Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ändern, schon lange ist eine neue Mehrzweckhalle auf dem Olympiagelände in Planung. Rentieren soll sich der Bau dadurch, dass auch die Basketballer von Bayern München als Mieter einsteigen, Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist ein Befürworter dieses Projektes und er träumt wohl davon, dass die populären Meister dann alle aus München kommen. Zunächst natürlich mal die Fußballer, mit den Basketballern hat er es auch geschafft und mit Red Bull in einer Halle wäre ja auch die Nähe zum Eishockey gegeben. In alten Zeiten hat der FC Bayern übrigens ein Projekt Eishockey wegen der Kosten und Hallenprobleme schnell wieder auf Eis gelegt. „Eishockey extrem“ urteilten die Bayern.

Eishockey extrem zeigt sich auch bei der Nationalmannschaft. Die Weltmeisterschaft wird in diesem Jahr unüblich in zwei Ländern ausgetragen. Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) firmieren als Gastgeber, was praktisch ist, denn so haben beide Heimvorteil. Nichts Neues ist es, dass die Eishockey-WM dann beginnt, wenn die Tage wieder wärmer werden, nämlich am 5. Mai, erst am 21. Mai steht der Weltmeister fest, das Endspiel findet in Köln statt. Aber in den modernen Hallen können die Zuschauer nicht einmal Abkühlung suchen. Der PR-Wert für den Wintersport hält sich zu dieser Zeit in Grenzen.

Eishockey extrem zeigt sich auch dadurch, dass die deutsche Nationalmannschaft in ihrer Vorbereitung mit C- und B-Kadern durch Europa tingelt, dass aber alle Spiele als offizielle Länderspiele gewertet werden. Ein Unding, wie es beim DEB leider seit Urzeiten Usus ist.

Eishockey extrem, dafür sorgte auch die NHL. Die Profi-Liga in Nordamerika schockte die Sportwelt damit, dass sie 2018 für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea keine Spielpause einlegen wird, ergo also keine NHL-Profis abgestellt werden. Das war letztmals 1994 in Lillehammer so, danach sah die NHL in Olympia durchaus einen Werbewert auch für ihre Liga. Jetzt allerdings wird das Herz der Spiele geschwächt, wenn quasi zweitklassige Mannschaften um die Medaillen kämpfen. Wer will, kann es so sehen, wie DEB-Präsident Franz Reindl, der darauf verweist, dass dann die kleineren Nationen größere Chancen hätten. Verlierer ist aber immer der Sport. Der eine oder andere NHL-Star will sich allerdings das Erlebnis Olympia nicht verbieten lassen. Russlands Star Alexander Owetschkin kündigte seine Teilnahme bereits an, der Linksaußen der Washington Capitals war bereits dreimal Weltmeister und will auch noch Olympiasieger werden. Ob der Verein mitspielt oder der Russe einfach einen Vertragsbruch begeht?

Vergessen werden darf bei dieser Entscheidung nicht, dass der Eishockey-Weltverband seit der Rückkehr der NHL-Profis 1977 in Wien die Austragung der Weltmeisterschaft deshalb immer weiter ins Frühjahr verschoben hat, damit möglichst viele NHL-Profis teilnehmen können, wenn sie in Nordamerika im Stanley-Cup mit ihren Teams ausgeschieden sind. Das zeigt auf, wie weh die Absage der NHL tut. Das ist für die IIHF Eishockey extrem.

Doping-Sünder sollten für entgangene Siegesfreuden Schadenersatz zahlen

Immer wieder tauchen die Meldungen auf, sie gehören für uns heute fast schon zum Alltag: Frühere Doping-Sünder werden rückwirkend entdeckt und müssen ihre Olympiamedaillen zurückgeben. Der nächste rückt nach – wenn er nicht ebenfalls als Doper entdeckt wird, wie schon geschehen. Damit aber kann es nicht getan sein. Doping-Sünder müssen noch mehr zur Rechenschaft gezogen werden, nämlich für speziell entgangene Freuden des vermeintlich Unterlegenen.

Zwei Fakten müssen festgestellt werden: Erstens, es ist prima, dass Dopingproben eingefroren werden und mit neuen Methoden auch neue Überprüfungen stattfinden. Doper sollen sich nie sicher fühlen. Zweitens ist es logisch, dass Medaillengewinner bei Olympischen Spielen nachträglich ihre mit Betrug gewonnenen Medaillen zurückgeben müssen. Doch der nächste Schritt, der fehlt bisher.

Erinnern wir uns an die Siegerehrungen, wo die Olympiasieger voller Emotionen am liebsten die ganze Welt umarmen möchten. Auch wer Silber oder Bronze gewinnt, hat zumindest freudige Momente und wahrscheinlich sein Ziel erreicht – eine Olympia-Medaille. Wer aber erst Jahre später zum Olympiasieger gekürt wird, weil der oder die Erste des Dopings überführt wird, der wird die Emotionen des Siegers nicht nachträglich erleben können. Dieser besondere Moment eines Sportlerlebens mit dem Hören der Nationalhymne bleibt ihm oder ihr versagt. Ihm gebührt also ein Schadenersatz. Nachdem man die Siegerehrung kaum wiederholen kann, sollte der Doper finanziellen Ausgleich zahlen. Von der Sperre für den Sünder, die logisch ist, hat der betrogene Verlierer nämlich nichts. Der Sport-Grantler fragt sich, warum die Verbände diesen Schritt noch nicht gegangen sind.

Ein Rätsel bleibt auch, wie Betrüger auf dem Siegespodest so ausgelassen feiern können. Am Jubel merkt man jedenfalls nicht, dass sie von einem schlechten Gewissen geplagt werden. Das haben sie wahrscheinlich auch nicht und das gesteigerte Adrenalin sorgt dafür, dass die dunklen Seiten des Geschäfts verdrängt werden. Das sieht man auch bei Fußballern zum Beispiel, die selbst grobe Foulspiele nicht wahrgenommen haben wollen. Der Sport scheint ein Verdrängungswettbewerb in vielfacher Weise zu sein.

Freizeitsportler treiben Sport zum Spaß. Profis wollen auch Spaß haben, aber auch – wie der Name neben professionell hergibt – zudem Profit. Der Siegesjubel gehört zu jedem Wettkampf dazu. Wer um den betrogen wird, hat Anspruch auf Schadenersatz. Verlierer sind traurig, betrogene Sieger gehören ebenfalls zu den Verlierern und dürften doppelt traurig sein.

Olympia kommt ein Jahr zu spät

Die Sonne lacht vom Himmel (zumindest in Deutschland), die letzten Wettbewerbe auf Eis und Schnee sind absolviert, der Winter ist offensichtlich vorbei. Zeit also, eine sportliche Bilanz zu ziehen. Aus deutscher Sicht war es ein Winter voller Freude, mit Erfolgen und Titelgewinnen bei Weltmeisterschaften. Teilweise dominierten deutsche Athleten ihre Disziplinen, dass mancher mit Wehmut an die Olympischen Spiele dachte. Kann diese großartigen Ergebnisse 2018 in Pyeongchang in Südkorea wiederholt werden? Oder kommt Olympia ein Jahr zu spät?

Zur Erinnerung: Bei den letzten Spielen in Sotschi 2014 enttäuschte die deutsche Mannschaft, holte zwar immerhin achtmal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze, doch im Medaillenspiegel lag Deutschland nur auf Rang sechs, so schlecht wie nie seit der Wiedervereinigung. 1992 und 1998 war Deutschland Erster. Bezeichnend: Im Biathlon gab es in Sotschi gerade mal zwei Silbermedaillen für das deutsche Team, Laura Dahlmeier holte in diesem Winter fünfmal Gold bei der Weltmeisterschaft, Johannes Rydzek räumte allein und mit dem Team bei der WM in Lahti vier Titel ab. Die beiden zusammengerechnet ergeben neunmal Gold!

Deshalb der freudige, auf der anderen Seite aber auch der bange Blick auf Olympia 2018. Was kann bis dahin nicht alles passieren: Die Konkurrenz holt auf, die Weltmeister von heute sind nicht in Form, krank oder verletzt. Der Spitzensport ist ein fragiles Gebilde, nur wenigen Sportlerinnen und Sportlern ist es vergönnt über lange Zeit dominant zu sein, ohne Verletzungen. Aber es gibt die Ausnahmen, zum Beispiel den Franzosen Martin Fourcade im Biathlon, der ebenso Rekorde aufstellte wie der Österreicher Marcel Hirscher im alpinen Skisport. Es wäre eine Tragödie, wenn einer von ihren in Südkorea passen müsste.

Mit einem Blick auf die erfolgreichsten deutschen Sportarten darf man vor allem, wie oben aufgeführt, im Biathlon und in der Nordischen Kombination (da gewannen die Deutschen fast alle Wettkämpfe) große Hoffnungen hegen. Die Rodler und Bobfahrer sahnten bei den Weltmeisterschaften ab, Skeleton wird immer stärker, die Skispringer etablierten sich in der Weltklasse (Andreas Wellinger landete für den verletzten Severin Freund in der Weltspitze), da können einige Medaillen abfallen.

Es gibt natürlich auch noch erheblichen Nachholbedarf. Ski alpin, Snowboard und vor allem der Skilanglauf hecheln hinterher. In der einen oder anderen Sportart müssen wohl Nachwuchssichtung und –förderung überdacht und verbessert werden. Teilweise wird geklagt, dass sich die Buben und Mädchen heute nicht mehr so plagen wollen. Die vielfältige Ablenkung ist das andere Problem, weil viele Talente verloren gehen. Außerdem hat Olympia in der Öffentlichkeit viel von seinem Reiz verloren. Wer allerdings im Spitzensport drinsteckt, der sieht die Olympischen Spiele als großes Ziel an. Und er hofft, dass er gesund bleibt und zur rechten Zeit in Bestform ist. Diesbezüglich war für viele deutschen Sportler 2017 eigentlich ein guter Test. Wiederholen sich die Erfolge, wäre Deutschland die Nummer 1! Dann käme Olympia 2018 nicht zu spät, sondern gerade richtig.

Eine WM ist eine WM – oder doch nicht?

Wenn eine Weltmeisterschaft (WM) auf dem Programm steht, dann erwarten Sportfans eigentlich, dass sich die besten Sportler der Welt im Kampf um den Titel messen. Aber weit gefehlt. Eine Weltmeisterschaft dient den meisten (ob es alle sind, weiß der Sport-Grantler nicht) Kontinentalverbänden unter anderem auch dazu, dass sich alle ihre nationalen Mitgliederverbände der ganzen Welt zeigen können. Also gilt nicht das sportliche Leistungsprinzip, sondern die Werbung. So ist eine WM zwar eine WM – aber eigentlich auch wieder nicht.

Bei den alpinen und nordischen Ski-Weltmeisterschaften in den letzten Tagen und Wochen sind die Exoten wieder aufgetaucht. Sportler, die teilweise sogar zum ersten Mal auf Skiern standen – aber bei einer Weltmeisterschaft starten dürfen. Ein Hohn! Die tollen Abfahrer versuchen im Schneepflug den Hang zu meistern, einfach lachhaft, da amüsieren wir uns schon auf den Pisten der Freizeitsportler. Ist das wirklich einer Weltmeisterschaft würdig? Machen solche linkischen Sport-Versuche den Spitzensport nicht unglaubwürdig? Beruhigend ist nur eines: Diese Athleten sind mit Sicherheit nicht gedopt.

Es wäre aber angebracht, dass bei den Verbänden ein Umdenken stattfindet. Um das Teilnehmerfeld zu begrenzen, dürfen meist nur vier Athleten von einer Nation starten, damit eben auch die Anfänger aus exotischen Ländern ihren Startplatz bekommen. Da kann es dann eben sein, dass Spitzenleute zu Hause bleiben müssen, weil es Nationen gibt, die mehr als vier Athleten haben, die um die Medaillen mitkämpfen können bzw. könnten. Der Weltmeister oder die Weltmeisterin darf sich freuen, weil gute Konkurrenten oder Konkurrentinnen notgedrungen zuschauen müssen. Manchmal ist es eben leichter, bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen als bei einem beliebigen Weltcuprennen. Ist das wirklich der Sinn einer Weltmeisterschaft?

Der Fußball trat in etwa auch in diese Fußstapfen. Die Aufblähung des Teilnehmerfeldes einer WM auf 48 Nationen diente ja vor allem dazu, dass möglichst viele Länder mitmachen können, denen dies bisher verwehrt wurde. „Wir haben mehr Nationen mit Interesse an der WM“, frohlockt FIFA-Präsident Infantino und übersieht (siehe frühere Kommentare), dass der sportliche Wert sinkt. Es ist doch traurig, dass die Fußball-Weltmeisterschaft künftig erst richtig beginnt, wenn es K.o.-Spiele gibt, wenn die besten Nationen dann wirklich unter sich sind. Wollte man das Niveau verbessern, wäre eine Reduzierung des Teilnehmerfeldes die bessere Lösung. Doch dafür würde der Präsident keine Wahlstimmen bekommen. Der Sport ist ja nur Mittel zum Zweck.

So werden wir in allen oder zumindest vielen Sportarten weiter damit leben müssen, dass eine Weltmeisterschaft keine wirkliche Weltmeisterschaft ist. Dass es eine Bühne für Exoten gibt, passt besser zu den Olympischen Spielen, wo sie ja auch aufkreuzen. Dort aber gibt es bekanntlich das Motto „teilnehmen ist wichtiger als siegen“. Da passt es eigentlich, obwohl die Teilnahme allein den Spitzensportlern natürlich schon immer nicht genügt hat. Andererseits hat aber Olympia seinen besonderen Reiz für die Spitzensportler, weil dieses Fest nur alle vier Jahre stattfindet. Olympiasieger bleibt man ewig, Weltmeister ist man nur bis zur nächsten Weltmeisterschaft. Was zeigt: Weniger kann mehr sein. Nur: Funktionäre sehen das nicht so.

Aufruf zur Rebellion im Sport!

 

Der Sport-Grantler hat schon oft in seinen Kommentaren die Machenschaften der Sport-Funktionäre angeprangert und gefordert, dass der Sport wieder Vorrang vor der Jagd nach Geld bekommen muss. Nun hat ein ehemaliger Sportler und Kenner der Szene die Stimme erhoben und gefordert: „Die Sportler müssen rebellieren.“ Die Forderung stellte der frühere deutsche Slalom-Star Christian Neureuther, Ehemann von Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und Vater vom aktuellen deutschen Slalom-König Felix Neureuther. Vater Christian gewann einst selbst sechs Weltcup-Rennen.

In einem großen Interview in der Süddeutschen Zeitung zum Beginn des Ski-Winters legt Christian Neureuther, immerhin auch Aufsichtsrat der Marketing GmbH des Deutschen Ski-Verbandes, die Finger in viele Wunden. Er prangert die Missstände im internationalen Skisport an, fordert Verbesserungen in den Ausrüstungen, plädiert für mehr Sicherheit und könnte sich auch ein attraktiveres Rennprogramm vorstellen. Neureuther fordert eine Rückkehr zu den klassischen Disziplinen Abfahrt, Slalom und Riesenslalom, will die Streichung von Super G und Kombination. „Das versteht doch sowieso keiner, der Super G ist wie eine Abfahrt, die Kombinationen sind undurchsichtig, mal mit Abfahrt, mal anders, für den Zuschauer langweilig. Sein Vorschlag, der Gehör finden sollte: „Warum nicht öfters zwei Sprint-Abfahrten an zwei Tagen, wobei am zweiten Tag der Schnellste als Letzter über die Piste geht.“ Der Sport-Grantler meint: Da wäre Spannung drin, die Skiverbände suchen doch sowieso nach Möglichkeiten, ihren Sport attraktiver zu machen, um ihn besser verkaufen zu können. Siehe Slalom-Wettbewerbe in Großstädten wie München oder Moskau.

Christian Neureuther liest aber auch den Funktionären in den Verbänden die Leviten. „Es geht immer um Macht. Aus dem Grund geht vieles nicht weiter, die nationalen Interessen stehen im Vordergrund.“ Der Szene-Kenner fordert eine professionelle Struktur im Skisport, einen CEO als oberstes Entscheidungsgremium und Profitcenter für Alpin, Langlauf, Sprunglauf etc. Das Problem: Die Verbände müssten Macht abgeben. Wie wäre eine Änderung möglich? „Notfalls müssten die Sportler mal rebellieren.“ Motto: Ohne Sportler keine Sport, ohne Sport auch kein Geld für Verbände, keine Macht für die Funktionäre. So weit wird es aber leider nicht kommen.

Auch IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bekommt in dem Interview sein Fett weg. Neureuther spricht dem Sport-Grantler aus dem Herzen: „…wie sich Bach zuletzt in Rio gegenüber den Athleten präsentiert hat, wie er das russische Dopingthema wegmoderiert und die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa fallen gelassen hat – darüber bin ich schwer enttäuscht. Was ist aus diesem ehemaligen Sportler geworden (Bach war Fecht-Olympiasieger)? Man muss sich das mal vorstellen: Ein IOC-Präsident reist nicht zu den Paralympics, einer der wichtigsten und integrativsten Ideen unserer Zeit, die dazu aus der olympischen Bewegung entstanden ist. Nicht ein Wort waren ihm die Paralympics in seiner Abschlussrede in Rio wert – ein Offenbarungseid!“

An die Adresse des IOC fordert Neureuther mehr Rücksicht auf den Umweltschutz bei den Olympischen Spielen. „Ich kann doch nicht – wie für die Winterspiele 2018 in Pyeonchang – in ein Naturschutzgebiet eingreifen und einen Wald abholzen!“ Deutliche Worte: „Der Gigantismus und die nicht mehr überschaubare Flut von Sportstätten und Wettbewerben bei Olympia muss ein Ende haben. Gigantismus sollte in der Nachhaltigkeit stattfinden.“ Neureuther spricht es deutlich an: „Was hinterlasse ich der Jugend der Welt nach den Spielen? Emotionen, Werte, Visionen und Chancen? Oder betrogene saubere Sportler, Bauruinen und Stadien, die keiner mehr braucht?“ Der einstige Spitzensportler ist sich sicher, dass bei einer Umkehr im IOC künftig auch die Leute wieder erreicht werden könnten, die in München und Hamburg noch gegen die Olympischen Spiele plädiert haben.

Der Sport-Grantler wollte der vernünftigen Stimme auf dieser Seite Gehör verschaffen. Schade nur, dass die Vernunft gegenüber Macht und Geld auf verlorenem Posten steht.

Paralympics die wahren Olympischen Spiele für Rio

 

Viele fragen sich: Ist ein Wunder geschehen? Dort, wo die Brasilianer vor Wochen den olympischen Wettkämpfen skeptisch gegenüberstanden und ihnen meist fernblieben, herrscht plötzlich Begeisterung. Die behinderten Wettkämpfer werden umjubelt, die Ränge sind gut gefüllt, die Stimmung ist fast euphorisch. Die Paralympics, meist nur ein Anhängsel der Spiele, obwohl sie seit 1988 immer von der Olympia-Stadt ausgerichtet werden müssen, sind in Rio de Janeiro zum olympischen Erlebnis geworden. Warum? Die Gründe sind offensichtlich.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele standen vor allem die Kosten im Blickpunkt, standen sich das Volk und Politik fast feindselig gegenüber, bestimmten Korruption und Doping die Schlagzeilen. Das Olympische Feuer brannte zwar, aber nicht wirklich in den Herzen der Bevölkerung. Ganz anders bei den Paralympics. Auch da gab es im Vorfeld Sorgen, weil nur wenige Eintrittskarten verkauft wurden. Die Veranstalter senkten die Preise und sorgten damit für einen Boom. Eine Sperre fiel weg und weckte dafür Begeisterung. Selbst nicht gut betuchte Brasilianer konnten sich Olympia leisten und die behinderten Sportler wurden quasi zum Synonym für das eigene Leben, das für viele von Behinderungen im Alltag, vom Überlebenskampf gekennzeichnet ist. So wurden die Paralympics in Rio de Janeiro für die Bevölkerung zu „ihren“ Spielen, die wahren Olympischen Spiele.

Dabei haben auch die Paralympics ihre Unschuld verloren. Alle negativen Auswüchse des Profisports sind auch bei den Behinderten zu beobachten. Dort, wo der Sport professionell betrieben wird, geht es um Geld und um den Vorteil mit allen Mitteln. Also spielt auch bei den Behinderten Doping eine große Rolle, geht es darum, technische Vorteile bei den Hilfsmitteln wie Prothesen in Einklang zu bringen, doch manche verschaffen sich natürlich technische Vorteile. Einen gewissen Gigantismus haben die Paralympics auch erreicht, aus ursprünglich 400 Teilnehmern bei den Anfängen 1960 sind inzwischen über 4000 geworden, um 528 Entscheidungen ging es in Rio.

Ein Medaillenspiegel verbietet sich eigentlich bei den Paralympics, dennoch wird er geführt und einige Nationen haben auch die Spiele der behinderten Sportler dafür entdeckt, um sich als fortschrittliche und sportlich erfolgreiche Nation zu präsentieren. Allen voran China, dass am Ende über 200 Medaillen gewonnen haben wird, also fast bei der Hälfte aller Wettkämpfe mit einer Sportlerin oder Sportler auf dem Treppchen stand. Vorne dabei neben Großbritannien und den USA auch die Ukraine, was Fragen aufwirft. Deutschland freute sich über viele Medaillen (Rang 6), aber vor allem auch Brasilien war über die Maßen erfolgreich, wesentlich erfolgreicher als bei Olympia, so dass auch sportlich die Begeisterung der Bevölkerung angeheizt wurde. Allerdings wird gerade bei den Paralympics die Schere zwischen Arm und Reich deutlich, weil sich ärmere Athleten nicht die besten technischen Hilfsmittel leisten können. So sind die Staaten erfolgreich, die ihre Athleten vor allem finanziell unterstützen.

Im Vordergrund bei den Paralympics muss allerdings stehen, welches Schicksal die Athleten gemeistert haben. Der Sport half, mit der Behinderung zu leben. Das ist wichtiger als jede Medaille oder jeder Medaillenspiegel. Deutschlands erfolgreichste Athletin Marianne Buggenhagen, die jetzt mit 63 ihre Karriere beenden will und nach einem Bandscheibenvorfall eine Querschnittslähmung erlitt, sagte im Rückblick: „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich im Pflegeheim gelandet oder asozial geworden.“ Das zählt mehr als jede Medaille.

Licht und Schatten bei Olympia in Rio

 

Die erste Woche bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ist vorbei, eigentlich gehen die Spiele sogar schon in den Endspurt über. Zeit also für eine Zwischenbilanz, die – wie fast immer – Licht und Schatten offenbart. Die Spiele in Brasilien standen allerdings wegen vielfältiger Probleme im Vorfeld – Doping, Korruption, Zikavirus, Pfusch am Bau – besonders unter Beobachtung. Die Dopingproblematik wirft weiterhin einen Schatten auf die Spiele, aber die Herzlichkeit der Brasilianer, die gezeigte Lebensfreude und die Überraschungen des Sports erzeugen auch viel Licht, so dass die Brasilianer heute schon mit „ihren Spielen“ zufrieden sein können.

Natürlich ist nicht alles perfekt, aber wo gibt es das schon. Und erst Monate oder sogar Jahre danach kann man in Brasilien Bilanz ziehen, ob die Olympischen Spiele ein Gewinn oder Verlust waren. Die Sportler machen aber jetzt schon deutlich, dass sie zufrieden sind. Kleinere Probleme werden selbst ausgemerzt, da wird ein Schwimmer halt zum Installateur. Über das Essen wurde noch in jedem Olympischen Dorf geschimpft, aber lustig ist, wenn man lesen kann, dass dort vor allem vor McDonald’s die Sportler Schlange stehen. Na gut, nach dem Wettkampf sind Sünden erlaubt. Schade allerdings, dass viele Wettbewerbe vor halbleeren Zuschauerrängen stattfinden. Zu hohe Eintrittspreise haben wohl die Begeisterung gebremst.

Olympia hat zumindest für die Athleten an Anziehungskraft nichts verloren, Fehlleistungen der Funktionäre hin oder her. Profi-Golfer und Millionär Martin Kaymer zum Beispiel schwärmte von der „schönsten Woche seiner Laufbahn“, weil er im Olympischen Dorf mal nicht allein unterwegs war, sondern Athletinnen und Athleten vieler anderer Sportarten getroffen hat. Schon heute hat er Tokio 2020 ins Visier genommen. Beide deutschen Fußball-Mannschaften hatten nur ein Ziel: Einzug ins Olympische Dorf. Das haben sie geschafft, aber das Dorf-Leben hatte fast mehr Anreiz als der Kampf um Gold, der jetzt in die Schlussphase geht.

Die Bilanz der deutschen Mannschaft fiel zur Halbzeit durchwachsen aus. Die avisierten 44 Medaillen von London wurden ad acta gelegt, selbst die Verdoppelung der bis dahin 16 Medaillen (aber immerhin acht Gold) wird kaum möglich sein. Medaillensammler waren vor allem Schützen und Reiter (sie können es noch weiter sein), enttäuscht haben wie in London die Schwimmer, aber auch die Fechter, die beide leer ausgingen. Eine Kritik der Sportler hat ihre Berechtigung, sie lautete sinngemäß „in Deutschland haben wir eine schlechte Förderung, aber die besten Dopingkontrollen, in anderen Ländern ist es genau umgekehrt“. Die Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Zu Überdenken ist vor allem die Verteilung der Gelder. Verbänden, die nicht erfolgreich sind, wird die Förderung meist gekürzt. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein, wenn es künftig Erfolge geben soll. Insgesamt müssen die Olympioniken gegenüber den Großverdienern des Fußballs vor allem aus Spaß ihren Sport betreiben, reich werden sie nur in den seltensten Fällen, dann nämlich, wenn sie für die Werbung interessant werden. Auch hier gibt es also Licht und Schatten.