Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

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Golf bleibt in Deutschland nur ein Freizeitvergnügen

 

Am kommenden Donnerstag, 10. April, ist es wieder so weit: Mit dem „Masters“ in Augusta (Georgia) beginnt der Reigen der großen Golfturniere. Vier sogenannte Majors stehen an der Spitze. In Deutschland wird der Profisport allerdings weiterhin nur am Rande wahrgenommen. Sicherlich, ein Tiger Woods ist auch hierzulande eine Marke, aber selbst bei der Frage nach dem deutschen Spitzengolfer Martin Kaymer müssen viele passen. Bei einer Umfrage nach dem bekanntesten deutschen Golfer wurde als Nummer 1 Franz Beckenbauer genannt, der Fußball-Kaiser und Hobbygolfer. 

Das ist der Beweis: Golf bleibt in Deutschland nur ein Freizeitvergnügen, wird nicht mit Spitzensport gleichgesetzt. Wer selbst Golf spielt, der weiß allerdings, dass dieser Sport zur Sucht werden kann, wenn er einen auch jedes Mal aufs Neue fordert und praktisch bei jedem Schlag Überraschungen parat hält. 637.735 registrierte Golfspieler gibt es in Deutschland, die in 838 Clubs bzw. Golfanlagen spielen können. Selbst unter Golfern wird nur am Rande diskutiert, was denn im Profisport so los ist. Das macht es zum Beispiel für den Golf-Verband auch so schwierig, besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Zwar liegt Golf bei den Mitgliederzahlen im deutschen Sport auf Rang acht, aber es sind halt mehrheitlich Freizeitgolfer. Gut für die Volksgesundheit, schlecht für das Image. 

Golf will allerdings auch als Spitzensport wahrgenommen werden und hat da einiges zu bieten. Der Augsburger Bernhard Langer ist die deutsche Golf-Ikone schlechthin, aber leider steht er weiterhin allein auf weiter Flur. Er war übrigens einer der Gewinner des „Green Jacket“ in Augusta und hat deshalb lebenslanges Startrecht. Auf der Champions Tour, der Turnierreihe der Senioren, ist er weltweit immer noch die Nummer 1. 

In seine Fußstapfen sollte eigentlich Martin Kaymer treten. Der 29jährige aus Mettmann war Anfang 2011 für acht Wochen sogar die Nummer 1 der Welt! Doch seitdem geht es nur noch abwärts. Inzwischen ist er in der Weltrangliste nur noch auf Platz 63 notiert. Bald läuft sein Startrecht bei den Majors aus, da werden wir dann bald auf deutsche Teilnehmer verzichten müssen. Vor kurzem war noch undenkbar, dass Kaymer außerhalb der „Top 50“ platziert sein könnte. Da wollte sogar Marcel Siem hin, doch der rangiert jetzt auf Platz 132, Alex Cejka ist 245. und Nachwuchshoffnung Maximilian Kieffer 274. Keine Platzierungen, die für Schlagzeilen sorgen. In der Tagespresse findet Golf als Spitzensport praktisch nicht statt. 

Dabei gibt es die Hoffnung, dass der Golfsport als künftige olympische Sportart stärker beachtet wird. Die deutschen Sportfans wollen aber Erfolge feiern und danach sieht es für Martin Kaymer und Marcel Siem nicht aus. Da belegen noch eher die beiden besten deutschen Damen Sandra Gal und Caro Masson auf der Ladystour vordere Plätze. Diese vier bilden quasi den deutschen Olympiakader. Von Sieghoffnungen spricht derzeit allerdings keiner. 

Der Deutsche Golf-Verband unternimmt viel, um vor allem die Nachwuchsförderung zu forcieren. Aber ähnlich wie im Tennis, wo auch die Nachfolger für Steffi Graf und Boris Becker fehlen, schaffen die jungen Buben und Mädchen einfach nicht den Sprung zum großen Spitzensport. Es gibt immer wieder mal Turniere mit positiven Überraschungen, aber dauerhafte Erfolge sind nicht zu registrieren. 

Den Freizeitgolfer stören die fehlenden sportlichen Erfolge an der Spitze wenig, er ist auf sein eigenes Spiel fixiert. Und sollte Martin Kaymer wieder einmal international glänzen können, so wird es registrieren und schnell wieder das Thema wechseln und zum Beispiel eher über seinen schlechten Putt auf Loch 18 reden…

Dortmund: Risse in der heilen Welt

 

Borussia Dortmund möchte in Fußball-Deutschland gern als großer Verein wie Bayern München anerkannt werden, traut sich aber nicht, dies zu sagen bzw. diese Stellung selbstbewusst einzufordern. Dagegen lieben die Verantwortlichen in Dortmund das Understatement, haben das quasi zum Programm erhoben, doch das wirkt mit der Zeit nur noch lächerlich. Jetzt haben auch noch die Fans Mannschaft und Verein im Stich gelassen und damit die Risse in der heilen Dortmunder Welt deutlich gemacht.

Die Vereinsverantwortlichen sind so stolz auf ihren erfundenen Werbeslogan „Echte Liebe“, aber genau diese „Liebe“ haben die Fans kürzlich bei der Niederlage gegen St. Petersburg vermissen lassen. Sie wollten lieber guten Fußball sehen, den die Borussia nicht gezeigt hatte. Die Folge waren auf der einen Seite Pfiffe, auf der anderen Seite Unverständnis: „Das geht gar nicht“, meinte der Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz und verlangt wohl zu viel von den Fans, die Eintritt zahlen und Leistung sehen wollen. Ernüchterung machte sich breit, dass die Borussen-Fans wohl auch nicht besser sind, als sagen wir mal die auf Schalke.

Das ist der Fluch der guten Tat: Dortmund war zwei Jahre lang überaus erfolgreich, klaute den Bayern zweimal den Titel, holte einmal das Double und stand schließlich sogar im Finale der Champions League. Aber anstatt selbstbewusst weitere Erfolge ins Visier zu nehmen, verwiesen die Bosse nur darauf, dass man solche Erfolge nicht immer erwarten könne. Das „Mia san mia“ der Bayern verstehen die Dortmunder immer noch nicht, machen sich lieber kleiner als sie sind, aber die Fans wollen keine „kleine Borussia“. Es widerspricht sich eigentlich auch, dass sich die Borussia als Aktiengesellschaft gegenüber den Bayern als „Verein des einfachen Mannes“ sieht, auch wenn das im Ruhrpott sicher besser ankommt.

Immer wieder wird allerdings deutlich, dass die Verantwortlichen auch gern mehr Erfolg hätten und mit der Rolle des „Kleinen“ hinter den Bayern eigentlich gar nicht zufrieden sind. Deutlich macht das immer wieder Trainer Jürgen Klopp, der dünnhäutig reagiert, wenn Entscheidungen vermeintlich zu unrecht gegen seine Dortmunder gefällt werden. Dann wird der Trainer zum Werwolf und möchte am liebsten die Schiedsrichter beißen. Auch hier macht er Risse in der heilen Dortmunder Welt deutlich. Sie wollen schon Erfolg haben, nur wollen sie es nicht laut sagen. Wenn Klopp nach erfolgreichen Spielen davon schwärmt, dies sei „einfach nur geil“, heischt er wohl eher nach Lobeshymnen nach dem Motto, „seht her, was der Klopp zuwege gebracht hat“ oder „wenn wir nicht gelobt werden, loben wir uns selbst“. Die Fans nehmen ihm das so aber nicht mehr ab.

Im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid spielen die Dortmunder allerdings zu Recht die Rolle des „Kleinen“, auch wenn sie im Vorjahr die Spanier abserviert haben. Die Zeiten haben sich allerdings geändert, Real ist stärker geworden, die Borussia muss viele Verletzungsrückschläge verkraften und dann fehlt im ersten Spiel auch noch Torjäger Robert Lewandowski, der vor einem Jahr Real fast im Alleingang besiegte. An guten Tagen ist der Borussia allerdings alles zuzutrauen, fragt sich nur, ob es Jürgen Klopp schafft, dass die Dortmunder ihre guten Tage auch in den entscheidenden Spielen haben. Ansonsten wird der Trainer wohl wieder zum Werwolf werden und von „Echter Liebe“  und den großen Erfolgen träumen…

Die goldenen Zeiten des Wintersports gehen zu Ende

 

Der Winter war bei uns nur ein Frühling, dennoch hatte der Wintersport über Monate hinweg Hochbetrieb. Die Olympischen Winterspiele in Sotschi waren in dieser Saison der Höhepunkt und sie brachten dem deutschen Ski-Verband eine bittere Erkenntnis: Die goldenen Zeiten des Wintersports gehen zu Ende.

In den letzten Jahren waren die deutschen Wintersportler bei Olympia die eifrigsten Medaillensammler oder zumindest bei den eifrigsten. Die Wintersportler waren immer erfolgreicher als die Sommersportler. In Sotschi überließen sie anderen vornehm den Vortritt, wenn auch zahlreiche vierte Plätze immerhin auch der Beweis sind, dass es bis zur absoluten Spitze nicht weit ist. Aber die meisten Verbände haben mit einem Problem zu kämpfen, dem Nachwuchsproblem.

Eine Ausnahme stellen die Rodler dar, so lange Georg Hackl in Berchtesgaden noch an den Schlitten schraubt, werden seine Schützlinge mit der Konkurrenz weiter Schlitten fahren. Klappt das nicht mehr, droht ein Rückschritt wie beim Bobsport, wo die deutschen Schlitten mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten. Leider zählt im Eiskanal nicht allein der Fahrer, sondern ähnlich wie in der Formel 1 muss die Technik, das besondere Fahrzeug, die Grundlage für den Sieg legen.

Die größten Probleme hat derzeit Biathlon, das als Nachzügler erst am kommenden Wochenende die Saison abschließt. Im Nationencup liegen die deutschen Mannschaften gar nicht so schlecht (derzeit jeweils Platz drei bei Frauen und Männern), aber der Beobachter hatte eher den Eindruck, dass es eine verkorkste Saison war. Siege konnte man an einer Hand abzählen. In der Ära nach Magdalena Neuner und dem Ausfall von Miriam Gössner konnte niemand in die Bresche springen. Andrea Henkel lief in ihrer Abschiedssaison lange hinterher und verschoss oft auch bessere Platzierungen. Dennoch wird sie eine weitere Lücke hinterlassen und es darf durchaus die Arbeit der Trainer in Frage gestellt werden. Auffallend, dass sich Siege mehrheitlich kurz vor Olympia einstellten, als manche internationale Stars pausierten, dass die deutschen Frauen und Männer in Sotschi aber eher in einem Tief landeten. Die Bilanz zwischen Laufleistungen und Schussergebnissen stimmte nicht, oft war aber beides schlecht. Der deutschen Fernsehzuschauer liebste Wintersportart leidet angesichts der fehlenden Erfolge inzwischen auch an mangelnden Einschaltquoten. Nur ein gesunde Miriam Gössner und eine weitere Leistungssteigerung bei den Männern kann wieder Licht ins Dunkel bringen. Die Talente Laura Dahlmeier und Franziska Preuß brauchen vor allem gute Trainer.

Im Langlauf trat die alte Garde ab, die junge braucht noch Zeit, um in die Fußstapfen eines Tobias Angerer oder Axel Teichmann zu treten. Ähnliches droht dem alpinen Skisportlern. Wenn Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther tatsächlich ihre Karrieren beenden, tut sich mehr oder weniger ein großes Loch auch. Viktoria Rebensburg kann ab und zu für positive Schlagzeilen sorgen, ebenso Fritz Dopfer, aber die Star-Rolle können sie nicht einnehmen.

Da kann man einigen Verbänden nur wünschen, dass sie arbeiten wie zum Beispiel die Skispringer. Da gab es in den letzten Jahren auch ein Leistungsloch, doch inzwischen sind sie topp. Severin Freund avancierte nach schrecklichen vierten Plätzen bei Olympia zum Siegspringer und Trainer Werner Schuster führte viele junge Springer in die Weltspitze. Da darf sich Freund auf Verstärkung und Konkurrenz im eigenen Lager freuen.

Richtig topp, nämlich Weltspitze, sind die Nordischen Kombinierer. Sie halten seit Jahren an der Spitze mit, was ja nicht nur daran liegen kann, das dies quasi eine urdeutsche Sportart ist, sondern vor allem daran, dass gute Arbeit geleistet wird und vor allem der Nachwuchs rechtzeitig herangeführt wird. Hier dürfen wir uns auch in den nächsten Jahren sicherlich an Erfolgen freuen.

Schlechter sieht es da auf dem Eis. Eishockey hinkt international hinterher – keine Besserung in Sicht. Eisschnelllauf muss den Rücktritt der Sprinterin Jenny Wolf verkraften und hat nur noch die umstrittene Eisschnelllauf-Zicke Claudia Pechstein als „Aushängeschild“. An Nachwuchs hapert es ebenso wie an Erfolgen. Eisschnelllauf und Eishockey als negatives Beispiel einer schwachen Verbandsführung. Ähnliches gilt auch für Eiskunstlauf, wo die Nachwuchsprobleme seit Jahren nicht behoben werden konnten.

Was die „jungen“ Wintersportarten wie Shorttrack, Ski-Freestyle oder Snowboard angeht, hinkt der Deutsche Ski-Verband ebenfalls hinterher. Hier wurde die Entwicklung bereits verschlafen, wird die Aufholjagd einige Zeit dauern, wenn sie überhaupt stattfindet.

Bleibt also die Erkenntnis, dass die goldenen Zeiten im deutschen Wintersport vorbei sind. Mal sehen, wie lange sich dies ARD und ZDF ansehen, wenn die langen Wintersporttage vor den Bildschirmen nicht mehr die notwendigen Einschaltquoten erreichen. Das ist das Los des Spitzensports heutzutage: Fehlen die Erfolge, fehlt am Ende auch das Geld. Fehlt das Geld am Anfang, sind Erfolge noch schwerer zu erzielen. Ein Teufelskreis.

Das letzte Rennen der Formel 1?

 

Am kommenden Sonntag, 16. März, ist es um 7.00 Uhr MEZ in Melbourne (Australien) wieder so weit: Die neue Saison der Formel 1 beginnt! Doch ist es überhaupt die Formel 1, wenn die Boliden ab Freitag über die Strecke rasen? Das mag sich mancher fragen, weil fast alles neu ist. Geblieben sind die Firmen- und Fahrernamen, die Autos haben sich geändert und viele Kritiker mosern: Das hat mit der Formel 1 nichts mehr zu tun, das ist keine Königsklasse mehr.

Die Frage nach der Zukunft der Formel 1 stellt sich immer mehr. Im übertragenen Sinne könnte man sich schon fragen, wird dies das „letzte Rennen der Formel 1?“, sprich die letzte Saison. Kommen die neuen Motoren und das neue Reglement an? Was wird mit dem großen Macher Bernie Ecclestone? Wie reagieren die großen Firmen Ferrari und Mercedes auf die Entwicklung? Zeigen sie der Königsklasse die kalte Schulter, dann ist das Ende gekommen.

So weit ist es allerdings noch nicht. Es ist sogar ein Glücksfall, dass die Neufassung des Reglements die Dominanz der übermächtigen Red Bull mit Dauer-Weltmeister Sebastian Vettel beenden könnte. Das Motto heißt: Alles auf Null!

Das ist diese Saison neu: Statt der 2,4-Liter-Motoren mit acht Zylinder, stecken nun 1,6-Liter-Turbos mit sechs Zylindern unter der Haube. Dazu ein Hybridsystem mit zusätzlichen 160 PS für 33,3 Sekunden, das Mindestgewicht der Boliden wurde von 642 auf 690 kg erhöht. Neue Reglements auch bei Fahrzeugnase, Frontflügel, Heckflügel und Auspuff. Entscheidend dürfte vor allem das Spritlimit sein. Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 kg Benzin (bisher ca. 160 kg). Wir worden wohl wieder erleben, dass Autos liegen bleiben, der mögliche Sieg vielleicht am Benzinmangel scheitert. Vollgasrennen wird es nicht geben, Taktik ist ebenso gefragt wie ein behutsamer Gasfuß. Wer „trägt“ sein Auto am besten über die Distanz? Fahrer werden auf Angriffe verzichten, weil der Sprit nicht reicht. Das könnte zu mehr Langeweile führen.

Gewöhnen müssen sich die Zuschauer auch an neue Startnummern, die jedem Fahrer fest für seine Karriere vergeben wurden. Nur die Nummer 1 bekommt jeweils der Titelverteidiger. Für Fernsehfans allerdings bleibt das Problem, dass die Nummern auf den Wagen sowieso kaum zu erkennen sind. Die „99“ von Adrian Sutil könnte vielleicht gut zu sehen sein.

Neue Autos, neue Motoren, dazu neue Sieger – das wünscht sich der Fan von der neuen Formel 1 neben packenden Rennen. Da passt es, dass die in den letzten Jahren übermächtigen Red Bull mit den neuen Motoren ihre Schwierigkeiten haben. Das liegt allerdings weniger an Red Bull selbst, sondern an Motorenlieferant Renault. Ein „neues Innenleben“ hat Sebastian Vettel für die Autos in Melbourne angekündigt, bedeutet das alte Stärke? In den Tests vor der Saison fuhren die Mercedes allen davon. Die Stuttgarter galten schon vorher als die großen Gewinner der neuen Motorenregelung, weil sie dieses Geschäft am besten verstehen. Nico Rosberg und Lewis Hamilton werden als größte Konkurrenten von Vettel gehandelt: Allerdings könnten auch „Hinterbänkler“ plötzlich mitmischen, so machten in den Tests Force India und Williams mit den Mercedes-Motoren einen ausgezeichneten Eindruck.

Allerdings sollten sich Anti-Vettel-Fans nicht zu früh freuen, denn mindestens im Laufe der Saison wird Red Bull wieder bei der Spitze sein und am Ende könnte Ecclestones komische Regelung wieder Red Bull helfen: Im letzten der insgesamt 19 Rennen (neu Sotschi, Russland, wieder dabei Spielberg, Österreich) am 23. November in Abu Dhabi wird die doppelte Punktzahl vergeben. Der heftige Widerstand von Teams und Fahrern nützte nichts. Bernie Ecclestone regiert die Formel 1. Doch wie reagiert die, sollte Ecclestone wegen der Schmiergeldzahlungen verurteilt werden.

Die neue Saison wird also auf jeden Fall spannend. Danach werden wir urteilen können, ob die Formel 1 auch wirklich eine Zukunft hat.

Löw verunsichert: Mehr Fragen als Antworten

 

Es sind nur noch rund hundert Tage, bis auch für Deutschland am Montag, 16. Juni, die Fußball-Weltmeisterschaft gegen Portugal beginnt. Bisher galt Deutschland als einer der großen WM-Favoriten neben Gastgeber Brasilien, Argentinien und vor allem Titelverteidiger Spanien. Von dieser Rolle darf sich die Mannschaft immer mehr verabschieden. Bundestrainer Joachim Löw wirkt verunsichert und nach dem schmeichelhaften 1:0 gegen Chile am Mittwoch in Stuttgart gibt es mehr Fragen, als Löw Antworten hat. Ob das in 100 Tagen anders ist?

Sinnigerweise hat Hauptsponsor Mercedes dem Nationalteam den Slogan „Bereit wie nie“ verpasst, mit dem auch Werbung für die neue C-Klasse betrieben wird. Die C-Klasse ist bereit, gilt als das derzeit innovativste Auto. Für die Löw-Schützlinge, aber auch für den Trainer, gilt eher: „Unsicher wie nie“. Verletzungen und Formtiefs sorgen dafür, dass die Zuversicht schwindet. Träumen darf man noch von einem Titelgewinn, aber realistisch ist dies nach Lage der Dinge nicht. ARD-Experte und Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl hat eine Hoffnung: „Löw hat es bisher immer geschafft, die Mannschaft in den vier Wochen Vorbereitung richtig fit zu bekommen. Das wird ihm auch diesmal gelingen.“ Doch eine gute Vorbereitung allein wird nicht reichen, zumal sich auch da Fragen ergeben.

Die Antworten dazu gibt es später. Zum Beispiel ob Bayern München und Borussia Dortmund im DFB-Pokal ihrer Favoritenrolle gerecht werden und das Finale am 17. Mai in Berlin bestreiten. Da läuft die WM-Vorbereitung schon, hat es bereits das erste Länderspiel gegeben. Zudem könnte eines der genannten Bundesliga-Spitzenteams am 24. Mai erneut im Champions-League-Finale stehen – schlecht für die WM-Vorbereitung.

„Bereit wie nie“ gilt auch nicht für die Stimmung. Gegen Chile war die Mannschaft verunsichert, das Tor glücklich, Chile besser, aber unglücklich im Abschluss. Am Ende pfiffen die Zuschauer die deutsche Mannschaft aus. Vorher hatten sie eher den Eindruck, das Team in weiß müsste wohl die DFB-Elf sein. Falsch! Sie trat erstmals in den neuen Auswärtstrikots in Schwarz-Rot gestreift auf. Die Trikots ebenso kein HIngucker wie das Spiel der deutschen Mannschaft. Vielleicht hemmte das Trikot – aber es wird auch in Brasilien getragen! Chile spielt so, wie wir Deutschland sehen wollen: Mit Schwung und Elan. Achtung: Chile ist ein Geheimfavorit!

Mehr Fragen als Antworten dagegen für Joachim Löw. Wohin mit Philipp Lahm zum Beispiel? Der Kapitän erweist sich auf jeder Position als unverzichtbar. Sowohl als rechter als auch als linker Verteidiger gibt es für ihn keinen adäquaten Ersatz. Jetzt ist er auch im Mittelfeld fast unersetzlich, obwohl da mit Bastian Schweinsteiger und Lars Bender trotz Verletzungssorgen gute Kandidaten zur Verfügung stehen. Aber Jogi Löw scheint allein Sami Khedira die Rolle neben Schweinsteiger zuzutrauen. Doch ob der Real-Star rechtzeitig fit wird, ist eine der offenen Fragen.

Bei den Verteidigern tun sich nur Notlösungen auf, egal wer spielt. Ob Großkreutz, Lars Bender oder Höwedes rechts, ob Jansen oder Schmelzer links – keiner bringt das Format mit, das eines Weltmeisters würdig wäre. Ohne Lahm nur Schwachstellen, Löw hat vergessen, Lahm rechtzeitig zu klonen.

Bis jetzt unbeantwortet ist auch die Frage, wer das Spiel der deutschen Mannschaft bestimmt? Toni Kroos tut dies bei Bayern, aber nicht im Nationalteam. Mesut Özil gilt als genialer Spielmacher, allerdings auch als Spieler, der bei großen Aufgaben gerne untertaucht. Ihm und uns würde man wünschen, er wäre in Brasilien bereit wie nie. Ähnlich sieht es bei Mario Götze aus. Einmal blitzt sein überragendes Können auf, dann taucht er wieder ab. Fragezeichen auch bei den Torjägern, verletzt, außer Form, Zukunft ungewiss. Eigentlich gibt es nur bei dem ersten Torhüter kein Fragezeichen: Manuel Neuer ist der beste der Welt. Aber ein erstklassiger Schlussmann allein macht noch keinen Weltmeister.

Rund hundert Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft reden sie vom Titel, dabei hat Deutschland noch nicht einmal die richtige Mannschaft. Mit viel Optimismus gingen Spieler und Fans in die WM-Saison, hundert Tage vor der WM ist Verunsicherung an der Tagesordnung. Von wegen bereit wie nie…

Deutschland Weltmeister? Es wäre eine Sensation!

Die Kleinen geben den Ton an

 

Die Olympischen Winterspiele sind vorbei und am Schlusstag richtete sich der Blick schon wieder auf ein weiteres Sport-Großereignis. Nein, nicht die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer in Brasilien, sondern die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Oder ist die EM gar kein Großereignis mehr? In Europa geben zumindest die Kleinen den Ton an.

Das steht auf jeden Fall fest: Die Qualifikation zur Europameisterschaft hat an sportlichem Wert verloren und das Endturnier ebenfalls. Statt bisher 16 können ab 2016 sogar 24 Nationen am Endturnier teilnehmen. Gastgeber Frankreich hat natürlich ein Freilos, darüber hinaus können sich 23 von 53 teilnehmenden Nationen qualifizieren. Da muss die Spannung wohl mit der Lupe gesucht werden. UEFA-Präsident Michel Platini hat den sogenannten kleinen Nationen dieses Zuckerl gereicht und damit seine Position gestärkt. Seltsam, dass es bei der entscheidenden Abstimmung nur drei Gegenstimmen gab (darunter Deutschland). Platini feixt: „So ist Demokratie“. Die großen Nationen hätten sich wehren müssen. Nachdem die Bundesliga sowieso schon über zu viele Termine der Nationalmannschaft klagt, wird Bundestrainer Jogi Löw die Qualifikation gleichzeitig als Testphase nutzen müssen. Was gegen die Gruppengegner Irland, Polen, Schottland, Georgien und Gibraltar gefahrlos möglich sein sollte.

Für die kleinen Nationen könnte sich der Griff nach mehr Teilnehmern am Finalturnier als Pyrrhussieg erweisen. Es werden nämlich künftig nur noch wenige Länder in der Lage sein, ein Turnier mit 24 Teilnehmern zu organisieren. Den größten Fortschritt erzielten Nationen oft als Gastgeber, weil in ihrem Land die entsprechende Begeisterung geweckt wurde und neue Stadien eine Gegenleistung für die Zukunft waren. Sportlich wertvoller wäre es gewesen, einem Vorschlag zu folgen, lieber eine Vorqualifikation durchzuführen, bevor die stärksten Nationen eingreifen. Wer wird sich schon an einem Vergleich des UEFA-Neulings Gibraltar (der seine Heimspiele in Portugal austrägt!) mit Deutschland erfreuen?

Angesichts dieser Konstellation fehlte der Auslosung der Qualifikationsgruppen in Nizza auch der Glanz und die Spannung. Gleich zwei Mannschaften pro Gruppe kommen weiter, dazu der beste Dritte und die weiteren Dritten spielen noch Play-Offs um weitere vier Teilnehmer. Wenigstens gibt es in der einen oder anderen Gruppe zumindest drei Kandidaten für die zwei Plätze: Gruppe A mit Niederlande, Tschechien und der Türkei, Gruppe E mit England, Schweiz und Slowenien, Gruppe F mit Griechenland, Ungarn, Rumänien und Finnland, Gruppe G mit Russland, Schweden, Österreich und Montenegro, Gruppe I mit Portugal, Dänemark und Serbien.

Für die deutschen Fußball-Fans kommt ein weiterer Negativfaktor hinzu: Die Qualifikationsspiele werden künftig vom Privatsender RTL übertragen. RTL hat gegenüber ARD und ZDF das bessere Angebot abgegeben. Das bedeutet für die Zuschauer weniger Information (vor allem die Show zählt), weniger Qualität, dafür mehr Werbung, vor allem auch während des Spiels. Ein Vergnügen wird diese EM-Qualifikation also weder für die Spieler noch für die Zuschauer. Aber der Kommerz kommt vor dem Sport, so gibt es ja auch künftig Doppel-Spieltage, die variieren, in der neuen „Week of Football“ wird Donnerstag/Sonntag, Freitag/Montag oder Samstag/Dienstag gespielt, damit der Fußball immer auf den Bildschirmen Europas erscheinen kann.

 

Die deutschen Termine: Sa. 7.9. Schottland, Sa. 11.10. in Polen, Di. 14.10. Irland, Fr. 14.11. Gibraltar, So. 29.3. in Georgien, Sa. 13.6. in Gibraltar, Fr. 4.9. Polen, Mo. 7.9. in Schottland, Do. 8.10. in Irland, So. 11.10. Georgien.

Olympia schlägt Fußball

 

Wer hätte das gedacht: König Fußball muss sich mal mit der Rolle des Kronprinzen zufrieden geben. Das Hauptinteresse der sportbegeisterten Bevölkerung gilt offensichtlich den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Als Indiz können die Einschaltquoten des Fernsehens herhalten und da hat Olympia dem Fußball den Rang abgelaufen. Aber Achtung: Schon in dieser Woche wird der Fußball mit der Champions League (Arsenal London – Bayern München) Rang eins zurückholen und auf Dauer führt halt bei uns kein Weg am Fußball vorbei. Wenn am Jahresende abgerechnet wird, dann werden bei den Einschaltquoten die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ganz vorne stehen.

Dennoch: Dieses Interesse an Olympia hat sogar die Verantwortlichen der Fernsehanstalten überrascht. Es ist ja wirklich ein Rätsel, warum sich plötzlich neun Millionen Zuschauer für den Rodel-Wettbewerb interessieren. An „normalen“ Tagen mit dem Weltcup sitzen dann nicht einmal zwei Millionen vor den Bildschirmen. Geht es um Gold, wird es eben für die Zuschauer goldig und da haben uns ja die Rodler nicht im Stich gelassen. Übrigens: Im DFB-Pokal sahen die Spiele von Dortmund und Bayern jeweils knapp über sieben Millionen Zuschauer.

Überhaupt sorgten die deutschen Athletinnen und Athleten in Sotschi in der ersten Woche für goldene Zeiten. Mit sieben Goldmedaillen führt Deutschland das Ranking im Medaillenspiegel an. Andere Nationen haben zwar mehr Medaillen geholt (Platz 1 die Niederlande mit 17, dahinter Russland und USA mit 16), aber mehr als fünf Goldene waren es nicht. Was den Deutschen die Rodler, sind den Niederländern ihre EisschnellläuferInnen. Sie laufen schnell mal zu Gold…

Es ist zu befürchten, dass der deutsche Gold-Rausch in der zweiten Woche nicht anhalten wird, zumal Olympiasieger Eric Frenzel (Nordische Kombination) erkrankt ist. Vor allem die vom Sportbund erwarteten 30 Medaillen (bisher zwölf) werden wohl kaum erreicht werden, weil vor allem die Biathleten (wie erwartet) schwächeln. Gerade die Russen und Amerikaner sowie Norwegen haben in vielen verschiedenen Disziplinen heiße Eisen im Feuer, da wird Deutschland den Platz an der Sonne im Nebel von Sotschi nicht verteidigen können. Da werden auch die Einschaltquoten sinken…

Dass Olympia seltsame Blüten der Begeisterung hervorbringt, können wir tagtäglich erleben. Vor allem bei verschiedenen Rundfunksendern dürfen sich offensichtlich Leute mit Olympia beschäftigen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Den „Witz des Tages“ lieferte Antenne Bayern, angeblich der Sender mit bundesweit den meisten Hörern, als der Redakteur bei der Tagesvorschau mit dem Massenstart im Biathlon und 1500 m Eisschnelllauf der Damen ankündigte, dass vor allem Andreas Birnbacher und Claudia Pechstein die deutschen Medaillen-Hoffnungen tragen. „Hinsetzen, sechs“ kann der Sport-Grantler nur urteilen, aber er hat auch gelacht: Birnbacher ist gar nicht am Start (sportlich nicht qualifiziert), Pechstein lief zwar, aber es war klar, dass sie auch unter ferner liefen platziert sein würde (19.). Ihre Stärke sind die langen Strecken… Pech gehabt! Seltsam ist es aber schon, dass solche Unwissende vor das Mikrofon gelassen werden. Allerdings darf das bei Antenne Bayern nicht verwundern. Der Sender liefert auch ansonsten die wohl schlechtesten Nachrichten in Deutschland. Ist der deshalb so beliebt?

Egal, genießen wir auch die zweite Woche bei Olympia und außerdem Champions League und Europa League im Fußball.

Die Hansestädte gehen unter

 

Im Fußball-Norden brennt der Baum! Einzig der Newcomer VfL Wolfsburg rettet mit aktuell Platz sechs die Ehre. Bei den anderen dagegen gibt es Probleme über Probleme, wobei sich Hannover 96 nach dem Trainerwechsel ein bisschen stabilisiert hat. Doch der Hamburger SV und Eintracht Braunschweig liegen derzeit auf den Abstiegsplätzen, ein Platz, denen ihnen am ehesten noch – von der aktuellen Form her – Werder Bremen streitig machen kann! Braunschweig als Schlusslicht kommt nicht überraschend, dem Neuling hat man nur wenig zugetraut. Schmerzlich aber das Geschehen in Hamburg und Bremen – die Hansestädte stehen vor dem Untergang.

Zumindest was den Bundesliga-Dino angeht, so sind die Probleme selbstgemacht. Wie stolz sind sie in Hamburg gewesen, als einzige Mannschaft ab dem Gründungsjahr der Bundesliga anzugehören. Der Stolz ist bei den Fans inzwischen dem Zorn gewichen. Sie attackierten nach dem blamablen 0:3 gegen Hertha BSC sogar die eigenen Spieler. Kein Bild, das einem „großen“ Verein, der der HSV ja sein will, würdig ist. Vorstand und Aufsichtsrat geben ein fast ebenso desolates Bild ab wie die Fans. Bezeichnend die Sitzung am Sonntag über sieben Stunden vom Aufsichtsrat. Es ging um die Zukunft des Vereins, um die Ablösung von Trainer Bert van Marwijk oder nicht. Acht von elf Stimmen wären für eine Entscheidung nötig, sie kamen nicht zusammen. Keine Entscheidung also, es wird weitergewurstelt. Nur ein Wunder kann helfen.

So dürfen (müssen?) Trainer van Marwijk und Manager Oliver Kreuzer weiterarbeiten. Im Hintergrund aber lauert „Alleskönner“ Felix Magath, den einige Herren vom Aufsichtsrat offensichtlich bereits kontaktiert haben und der bereit wäre, in Hamburg anzutreten. Ihm trauen aber nicht alle über den Weg, ergo gab es für ihn keine Mehrheit. Bekanntlich hat Magath bei anderen Vereinen nicht nur Meisterschaften gewonnen, sondern er hat auch (teure) Scherbenhaufen hinterlassen. Da geht die Angst um, alles könnte sogar noch schlimmer werden.

Bisher hatte der Hamburger SV immer noch einen guten Ruf, begründet auf die einst legendären Erfolge mit Uwe Seeler oder den Europacupsieg mit Felix Magath bzw. die glänzende Arbeit mit Ernst Happel als Trainer und Günther Netzer als Manager. Der sechsfache Meister (letztmals 1983) holte seinen letzten Titel mit dem Pokalsieg 1987. Seitdem gibt es nur noch die Sehnsucht nach Erfolgen und ein übersteigertes Selbstbewusstsein, nach dem Motto „wir sind doch wer, wir sind schließlich der HSV“. Im Vorstand herrscht allerdings seit Jahren Chaos und die Neuordnung der Vereinsstruktur, die in die Wege geleitet wurde, kommt zu spät. Stand heute wäre der Abstieg keine Überraschung mehr.

Ähnliches gilt für Werder Bremen, doch dort verläuft alles noch einigermaßen in hanseatisch ruhigen Bahnen. Die Bremer wissen seit einigen Jahren, dass ihre beste Zeit der Vergangenheit angehört. In den glücklichen Jahren waren sie unter anderem ein großer Konkurrent des FC Bayern München, doch die Zeiten mit Klaus Allofs als Manager und Otto Rehhagel bzw. Thomas Schaaf als Trainer sind vorbei. Vier Meisterschaften (zuletzt 2004) und sechs Pokalsiege (zuletzt 2009) zeugen von einer großen Vergangenheit, doch seit dem letzten Titel geht es Stück für Stück bergab. Glückliche Transfers sind Mangelware, aus finanziellen Gründen musste Werder immer seine besten Spieler abgeben. Klaus Allofs hatte gerade noch rechtzeitig den Absprung geschafft, er konnte sich ausrechnen, dass mit Werder kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Mit dem besten Manager nicht und dem besten Trainer nicht. Die Zeit von Thomas Schaaf, einer Werder-Institution, war abgelaufen, die Zeit vom neuen Trainer Robin Dutt hat noch gar nicht begonnen. Zumindest insofern nicht, als dass von seiner Arbeit eine positive Wirkung ausgeht. Werder dümpelt in der Bundesliga so dahin, die Leistungen werden immer schlechter, die Punktausbeute ist mager wie nie. Der Abstieg droht.

Ein Glück für die Hansestädte, dass es mit Neuling Braunschweig einen potentiellen Absteiger gibt. Aber die weiteren Abstiegskonkurrenten Nürnberg und Freiburg haben zumindest den Vorteil, dass sie den Abstiegskampf in dem Bewusstsein bestreiten, dass der Überlebenskampf ihr Alltag ist. Allein der VfB Stuttgart befindet sich noch in einer ähnlichen Situation wie der HSV und Werder, nämlich in dem Bewusstsein, eigentlich doch viel besser zu sein, als es die Tabelle aussagt. Gerade solche Mannschaften sind am Ende oft als Absteiger aufgewacht. Die Prognose ist deshalb nicht zu gewagt: Eine der Hansestädte wird es erwischen.

Sotschi ist Betrug an den Sportlern!

 

Am Freitag, 7. Februar beginnen die Olympischen Winterspiele in Sotschi (Russland). Doch Vorfreude ist nirgends zu spüren, nicht einmal bei der Bevölkerung in Sotschi selbst. Natürlich, die Sportler selbst freuen sich auf die Spiele, schließlich ist eine Olympia-Teilnahme das Highlight der Karriere, darauf – und womöglich noch einen Medaillengewinn – arbeitet man hin. Aber Sotschi als Austragungsort zu wählen, war gleichzeitig Betrug an den Sportlern!

Wer von der jetzigen Generation schon länger erfolgreich ist, der darf wenigstens Vancouver 2010 in angenehmer Erinnerung behalten. Die älteren Sportler erinnern sich mit einem Lächeln im Gesicht vor allem an Lillehammer 1994, die vielleicht schönsten Spiele aller Zeiten. Es waren echte Winterspiele in einer heiteren, lockeren Atmosphäre mit viel Schnee und einer Sonne, die vom Himmel lachte. Die Norweger blieben sich treu, ihre Haustüren blieben unverschlossen und sie feuerten die Sportler aller Nationen an.

Welcher Kontrast dagegen in Sotschi. „Olympia in Sotschi ist skurril“, hat zum Beispiel Leichtathletik-Chef Clemens Prokop über die seltsame IOC-Entscheidung geurteilt, „Winterspiele an einem Ort, wo fast ein Mittelmeerklima herrscht“. Rund um den „Medal Plaza“ unweit des Strandes am Schwarzen Meer wird man wohl keine Winter-Atmosphäre zaubern können.

„Geld darf nicht allein entscheiden“ hat Alfons Hörmann, der neue Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, gewarnt. Aber diese Warnung kommt zu spät. Das Geld spielte bei der IOC-Entscheidung für Sotschi ebenso eine Rolle wie der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Erst hinterher machten sich die Entscheider darüber Gedanken, was sie denn da angerichtet haben. Was Sotschi angeht, da ist man dem Werben von Russlands Präsidenten Putin erlegen, der die „besten Spiele aller Zeiten“ offerierte. Putins Spiele. Keine Rede von Terrorgefahr, keine Rede von organisatorischen Mängeln, die jetzt zutage treten. Die teuersten Spiele aller Zeiten mit über 40 Milliarden Euro „glänzen“ im Vorfeld mit Bauten, die noch nicht fertig sind, mit Raubbau an der Natur, mit einer Infrastruktur, die nur zum Teil geschaffen wurde. Viele Versprechungen für nichts. Dafür Sotschi als Hochsicherheitstrakt ohne Bewegungsfreiheit für die Athleten. Olympische Freude sieht anders aus.

Den Sportlern bleibt nur ein Trost: Konzentration auf den Sport. Wer erfolgreich ist, der wird sich dennoch gern an Sotschi erinnern, wer nicht erfolgreich ist, der wurde sogar um das Erlebnis Olympia betrogen. Ein Erlebnis, wie er es eben in Lillehammer hätte erleben dürfen, oder zuletzt in Vancouver. Das IOC denkt leider an die Sportler zuletzt.

Was aber dürfen wir von den deutschen Olympia-Teilnehmern erhoffen? Alfons Hörmann wäre mit „ab 25 Medaillen aufwärts“ zufrieden, 30 Medaillen waren es zuletzt in Vancouver, Deutschland war die Nummer 2 in der Nationenwertung hinter Gastgeber Kanada. Die meisten Medaillen sammelte Deutschland zuletzt 2002 in Salt Lake City mit 36 und war damals sogar der fleißigste Medaillensammler. Doch Medaillen sind nicht alles, auch die Plätze dahinter sollten gewürdigt werden. Leider ist es aber heute so, dass der Zweite schon der erste Verlierer ist.

Medaillenhoffnungen haben wir im deutschen Team genügend. „Neunmal Gold“ ist Prognose der Sport-Bild, vor allem die Rodler könnten zu Gold-Hamsterern werden, wenn die bisherigen Weltcup-Resultate fortgesetzt werden. Ob Damen oder Herren, Doppelsitzer oder Team, die Deutschen liegen vorn. Ähnlich dominant war nur noch Eric Frenzel in der Nordischen Kombination. Es wäre für ihn ein Schlag ins Gesicht, würde er ohne Metall bleiben. Zum Favoritenkreis gehören auch die Alpin-Stars Maria Höfl-Riesch (in allen Disziplinen!) und Felix Neureuther (Slalom und neuerdings sogar Riesenslalom). In den nordischen Disziplinen könnte für die Skispringer und im Sprint der Langläufer etwas abfallen. Auf dem Eis gibt es einige Hoffnungen für die Bobfahrer, natürlich das Eiskunstlaufpaar Szolkowy/Savchenko und Claudia Pechstein auf den langen Strecken im Eisschnelllauf sowie Jenny Wolf über 500 m. Darüber hinaus dürfen wir uns im Snowboard überraschen lassen.

Geht man nach den Einschaltquoten im Fernsehen, dann ist Biathlon die beliebteste Wintersportart der Deutschen. Die Zeiten der Medaillenhamsterer wie Magdalena Neuner sind allerdings vorbei. Einzelerfolge in den letzten Rennen machen zwar Hoffnung auf die eine oder andere Überraschung (Andrea Henkel, Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer), doch realistische Medaillenchancen haben vor allem die Staffeln. Bei den Damen und Herren scheinen ein paar Konkurrenten übermächtig zu sein. In Vancouver gab es im Biathlon noch fünf Medaillen, in Sotschi eigentlich unvorstellbar.

Eine Entscheidung steht zur Stunde noch aus: Wer trägt die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier? Neben Andrea Henkel und Maria Höfl-Riesch ist auch Claudia Pechstein im Gespräch, doch es wäre ein Anachronismus, würde der Eisschnelllauf-Zicke, die wegen Dopings gesperrt war, diese Ehre zuteil werden. Aber es würde auch zu den Sportfunktionären passen!

Trotz allem: Lassen wir uns den Spaß am Sport nicht verderben und lassen wir uns überraschen, wie viel olympische Begeisterung das Publikum zustande bringt. Eines ist auch klar: Nach Olympia wird Sotschi wieder in einen Winterschlaf verfallen, die meisten Bauten werden leider verfallen und die Bevölkerung nicht besser leben als zuvor. Am Ende bleiben 40 Milliarden Euro Kosten für zwei Wochen olympische Scheinwelt.

Das „Aktuelle Sportstudio“ schadet sich selbst

 

Es ist eine Institution beim ZDF, etwa wie „Wetten, dass…?“ oder das „heute journal“. Das „Aktuelle Sportstudio“ hat bereits über 50 Jahre auf dem Buckel – und das merkt man ihm an. Ähnlich wie bei „Wetten, dass…?“ wären heute nicht mehr viele Zuschauer traurig, wenn die Sendung von der Bildfläche verschwinden würde. Die Probleme sind allerdings hausgemacht, gewissermaßen schadet sich das „Aktuelle Sportstudio“ selbst.

Problem 1: Nur noch in den seltensten Fällen ist das „Aktuelle Sportstudio“ wirklich aktuell und wirklich ein „Sportstudio“. Das Wort „aktuell“ hat das ZDF sogar einmal gestrichen, dann aber klammheimlich wieder eingeführt, offensichtlich, weil der gesamte Begriff eben eine Marke darstellt. Während der Bundesliga-Saison ist das „Sportstudio“ allerdings meist nur ein „Fußball-Studio“, andere Sportarten werden nur am Rande abgehandelt. Eine Ausnahme gab es kürzlich, als vor Beginn der Bundesliga-Rückrunde das „Sportstudio“ dem Wintersport gewidmet war. Es war sogar eine ausgezeichnete Sendung. So geht es also auch.

Problem 2: Im eigenen Sender hat der Sport offensichtlich kein „Standing“. Früher wurde die Sendung hin- und hergeschoben, mal begann sie um 22.00 Uhr, mal um 23.00 Uhr oder noch später. Da in der Mehrheit der Beginn um 22.00 Uhr war, war dies noch besser, als der „feste Sendeplatz“ um 23.00 Uhr. „Fester Sendeplatz“ deshalb unter Anführungszeichen, weil auch dies nicht sicher ist. Sendungen wie „Willkommen bei Carmen Nebel“ (früher eklatant, heute kaum noch) oder „Wetten, dass…?“ haben teilweise maßlos überzogen und der Beginn des „Sportstudios“ wurde bis auf Mitternacht verschoben. Das wird wohl wieder am 1. Februar passieren, wenn vorher die „Goldene Kamera“ verliehen wird. Hier müsste die Sportredaktion viel mehr Druck auf die anderen Ressorts machen. Die Verspätungen führen heute dazu, dass das „Sportstudio“ auf Rücksicht auf die Gäste aufgezeichnet wird, weil man keinem zumuten kann, bis Mitternacht auszuharren. Der Dienst am Kunden ist außerdem meist schlecht, weil Zuschauer, die auf die Sportsendung warten, kaum informiert werden, wann es wirklich los geht.

Problem 3: Die Sendung ist heute nicht mehr so bunt und attraktiv wie sie früher war. Außerdem sind die verschiedenen Moderatoren heute nicht mehr so populär wie früher ein Wim Thoelke, Harry Valerien oder Dieter Kürten. Es fehlen die Glanzpunkte und so dümpelt die Einschaltquote meist um die zwei Millionen Zuschauer oder sogar weniger dahin. Kein Aushängeschild für das ZDF.

Problem 4: Das ZDF zahlt an die DFL viel Geld für Zweit- oder Drittrechte bei den Übertragungen. Über die Fußball-Bundesliga dürfte am Samstag ab 21.45 Uhr berichtet werden, doch es wird derzeit 23.00 Uhr oder später. Eine höhere Einschaltquote wäre wohl bei einem früheren Beginn garantiert. Als das Schlagerspiel Dortmund – Bayern anstand, da gestand sogar Carmen Nebel am Beginn ihrer Sendung „ich muss wegen dem Schlagerspiel pünktlich fertig sein“ und über drei Millionen Zuschauer waren das Resultat. Ein Ausreißer. Aber das ZDF sollte auf die frühere Startzeit um 22.00 Uhr zurückkehren und auf den zusätzlichen Krimi am Abend als Füller verzichten. Auch müsste es möglich sein, die Abendnachrichten wieder auf fünf Minuten zu kürzen, das ging früher auch. Am Wochenende geben Politiker meist Ruhe, da passiert nicht so viel.

Wenn das ZDF das „Aktuelle Sportstudio“ in eine glückliche Zukunft führen will (noch einmal 50 Jahre sind wohl kaum drin), dann müsste man sich wieder einmal ein neues Konzept überlegen und die Sendung modernisieren. Außerdem sollte man auch auf Winter- oder Sommerpausen verzichten, wenn die Fußball-Bundesliga nicht spielt. Über Weihnachten und Neujahr bis Mitte Januar fiel das „Sportstudio“ zum Beispiel einfach aus. Wahrscheinlich gab es dafür zwei Gründe: Geld und Personal sparen sowie zuwenig Anziehungskraft ohne Fußball. Zweifelhafte Argumente.

Bei dieser Gelegenheit könnte wieder einmal eine alte Idee aufgegriffen werden, nachdem ja auch das einstige Flaggschiff „Wetten, dass…?“ ziemlich schwächelt. Ein bunter Samstagabend mit verschiedenen Teilen und ab 21.45 Uhr fest terminierten Fußballblöcken, so dass sich der Fußballfan danach richten kann. Sport und Musik geht ja im Radio auch. Das würde bedeuten, dass einigermaßen aktuell über die Bundesliga berichtet werden kann und die Fans nicht bis nach Mitternacht warten müssen. Wetten, dass die Einschaltquoten steigen würden!